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Samstag, 18. Oktober 2014

Rezension: Waidmannstod von Maxim Leo

Das Cover ist ja schon schön, aber der Titel? Mal ehrlich: eigentlich ein Tick zu rustikal und lokalkoloristisch für mich! Warum genau ich auf Vorablesen trotzdem in das Buch reingeschaut hab, kann ich gar nicht mehr sagen. Warum ich hängen geblieben bin, kann ich wiederum sehr genau sagen: ab der ersten Seite ist man mitten im Geschehen und eine einfache Jagdszene wurde hier so packend beschrieben, dass ich weiterlesen wollte!

„Waidmannstod“ von Maxim Leo
Kiepenheuer & Witsch Verlag
288 Seiten
14,99 € (Taschenbuch)









Nach der großen Jagd im Sternekorper Forst wird neben der eigentlichen Jagdstrecke auch ein anderes Opfer dargeboten: einer der Jäger liegt tot und waidmännisch präsentiert im Wald. Ein seltsamer erster Fall für Kommisar vVoss, der nach einer schönen Karriere in Stuttgart zurück ins heimische Kinderzimmer zieht und die örtliche Mordkommission leiten soll. Daran, dass er so schnell seinen ersten Fall bekommen würde, hätte er selbst nicht geglaubt. Und dann noch einen so verzwickten. Er macht sich also auf die Suche nach den Motiven und Alibis der Jäger und nach gar nicht so idyllischen Verwicklungen im ländlichen Brandenburg.

Ich bin ja bei Krimis sehr wählerisch und habe gerade gegen „Lokalkrimis“  eigentlich so meine Vorbehalte. „Waidmannstod“ hat mich aber ab der ersten Seite gepackt. Ganz zu Beginn des Buches steht eine Jagdszene, die den Leser mitten ins Geschehen wirft und gleichzeitig sofort einen Vorgeschmack auf den Rest des Buches gibt. Es wird sofort klar, dass man hier ein Buch mit Spannung und Atmosphäre in den Händen hält, das aus der Masse ein entscheidendes Stück hervorsticht.
Als dann noch Kommissar Voss ins Spiel kommt war ich endgültig völlig angetan. Der Ermittler ist sympathisch aber dezent. Er und seine Problemchen stehen nicht zu sehr im Vordergrund, sein Charakter bietet aber dennoch genug Facetten (und zum Teil Schrullen) um ihn spannend zu machen. Sein Bezug zur Natur und die Verbindung zu den Ermittlungen in diesem ersten Fall, war wunderbar gelungen. Ich hoffe, dass die weiteren Fälle hier ebenso stark anknüpfen können. Denn genau von dieser Kulisse und der so besonderen Atmopshäre hat „Waidmannstod“ meiner Meinung nach wirklich gelebt. Der Wald wird so lebendig beschrieben, dass man alles quasi vor sich sieht.
Im Kontrast zur teilweise recht düsteren Atmosphäre und murrigen Stimmung einiger Charaktere steht der tolle Humor von Voss. Die Überlegungen des Ermittlers zu Gott und der Welt haben mich ein bisschen an meinen geliebten Kommissar Barbarotti von Hakan Nesser erinnert. Diese augenzwinkernden Kommentare lockern das Buch auf, ohne ihm die Spannung zu nehmen. Hier hat der Autor dem Ermittler eine gute Stimme und ganz besonderen Charme verliehen.

Kurz und gut: ich habe nichts anzumeckern. Das Buch überzeugt vom phantastischen Anfang bis hin
zum gelungenen Ende. 5 von 5 Lokalkrimi-Leseratten.




Das Buch in einem Tweet: "Waidmannstod" ist ein Krimi wie ein Waldspaziergang plus Spannung und Verwicklungen... nun... das muss man einach selbst probieren.

Samstag, 22. Februar 2014

Rezension: Erwin, Mord & Ente von Thomas Krüger

„Erwin, Mord & Ente“ habe ich bei der lieben Petzi im Adventskalender gewonnen und obwohl noch so viel auf meinem SUB schlummerte konnte ich die Finger nicht davon lassen und habe ziemlich schnell damit angefangen.

„Erwin, Mord & Ente“ von Thomas Krüger
Heyne Verlag
304 Seiten
9,99 € (Taschenbuch)









Also erstmal: das Buch müsste eigentlich „Erwin, Mord & Lothar“ heißen. Denn diese Ente ist nicht nur irgendeine Ente, sondern Lothar, die Ermittlungsente. Mit dieser lebt Erwin in Bramschebeck, einem kleinen Kaff in Ostwestfalen. Erwin ist der Sohn des ehemaligen Dorfpolizisten Friedhelm Düsedieker, ist Mitte Vierzig und gilt als der Dorfdepp des Ortes. Seit beide Eltern tot sind verbringt er die meiste Zeit in seiner goldenen Badewanne oder mit dem Betrachten der Bücher in seinem Wintergarten. Ab und an spaziert er, die alte Polizeimütze des Vaters auf dem Kopf, durch den Ort und überzeugt alle von welch einfachem Gemüt er ist, um möglichst in Ruhe gelassen zu werden. Als eines Tages eine Leiche auf dem Hof von Jasper Thiesbrummel gefunden wird, beginnt Erwin (gemeinsam mit Lothar) seine Ermittlungen.
„Erwin, Mord & Ente“ hat mich wirklich überrascht. Ich habe einen seichten aber witzigen Lokalkrimi erwartet. Witzig war es am Ende allemal, dazu Ideenreich und toll geschrieben. Eine Geschichte voller Kontraste: die brummelige, ein bisschen „hinterwäldlerisch“ wirkende Sprache der Protagonisten steht zum Beispiel total im Kontrast zur feinen und von Wortwitzen gespickten „Erzählsprache“ des Buches.

„Worte können töten erübrigte sich in Bramschebeck allein wegen der vielfältigen Schwierigkeiten der Bramschebecker, Worte rhetorisch zu verwenden. Wer Worte als Mordwerkzeuge einsetzen wollte, sollte zumindest über mehr als bloße Grundkenntnisse im Sprachgebrauch verfügen.“
S. 145

Damit ist ja fast alles gesagt, oder? Von diesen Beschreibungen und den witzigen Charakteren konnte ich gar nicht genug bekommen und war richtiggehend traurig, als Erwin und seine Ermittlungsente den Fall geknackt hatten.
Erwins nach außen hin einfach wirkender Charakter birgt eigentlich viel mehr Facetten und ist tiefsinniger als erwartet. Zwar ist er vielleicht nicht ganz der Hellste, Bücher wirklich zu lesen bereitet ihm zum Beispiel Schwierigkeiten, lieber lässt er nur einzelne Abschnitte und Wortbilder auf sich wirken, den Dorfdeppen spielt er aber eigentlich nur. Er hat doch eine ganze Menge mehr auf dem Kasten, als ihm die Bewohner von Bramschebeck zutrauen würden. Gerade dadurch gelangt Erwin aber an viele Informationen, wer hält sich schon zurück, wenn er mit einem vermeintlich Schwachsinnigen spricht?

„Er achtete Bäume schon allein wegen ihrer Bedeutung für Bücher. Bücher waren die Fortsetzung des Baums mit den Mitteln des Geistes – der Erwin oft so fern schien wie das Laubdach einer hohen Eiche.“
S. 31

Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen, der Kriminalfall steht im Kontrastfeld von Dorfgeklüngel und seltsamen Ideologien und war bis zum Schluss spannend. Wer also die Mischung aus Humor, einem interessanten Kriminalfall und besonderen Charakteren mag ist mit „Erwin, Mord & Ente“ sehr gut bedient. 5 von 5 Leseratten an dieses schöne, kleine Buch!


P.S. Einen einzigen Kritikpunkt hab‘ ich da noch: für alle Menschen, die nicht aus Ostwestfalen kommen sind die Namen im  Buch echte Zungenbrecher und manchmal bin ich selbst beim Lesen drüber gestolpert. Dieses Buch also besser nicht laut rezitieren ;-).