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Samstag, 18. Oktober 2014

Rezension: Waidmannstod von Maxim Leo

Das Cover ist ja schon schön, aber der Titel? Mal ehrlich: eigentlich ein Tick zu rustikal und lokalkoloristisch für mich! Warum genau ich auf Vorablesen trotzdem in das Buch reingeschaut hab, kann ich gar nicht mehr sagen. Warum ich hängen geblieben bin, kann ich wiederum sehr genau sagen: ab der ersten Seite ist man mitten im Geschehen und eine einfache Jagdszene wurde hier so packend beschrieben, dass ich weiterlesen wollte!

„Waidmannstod“ von Maxim Leo
Kiepenheuer & Witsch Verlag
288 Seiten
14,99 € (Taschenbuch)









Nach der großen Jagd im Sternekorper Forst wird neben der eigentlichen Jagdstrecke auch ein anderes Opfer dargeboten: einer der Jäger liegt tot und waidmännisch präsentiert im Wald. Ein seltsamer erster Fall für Kommisar vVoss, der nach einer schönen Karriere in Stuttgart zurück ins heimische Kinderzimmer zieht und die örtliche Mordkommission leiten soll. Daran, dass er so schnell seinen ersten Fall bekommen würde, hätte er selbst nicht geglaubt. Und dann noch einen so verzwickten. Er macht sich also auf die Suche nach den Motiven und Alibis der Jäger und nach gar nicht so idyllischen Verwicklungen im ländlichen Brandenburg.

Ich bin ja bei Krimis sehr wählerisch und habe gerade gegen „Lokalkrimis“  eigentlich so meine Vorbehalte. „Waidmannstod“ hat mich aber ab der ersten Seite gepackt. Ganz zu Beginn des Buches steht eine Jagdszene, die den Leser mitten ins Geschehen wirft und gleichzeitig sofort einen Vorgeschmack auf den Rest des Buches gibt. Es wird sofort klar, dass man hier ein Buch mit Spannung und Atmosphäre in den Händen hält, das aus der Masse ein entscheidendes Stück hervorsticht.
Als dann noch Kommissar Voss ins Spiel kommt war ich endgültig völlig angetan. Der Ermittler ist sympathisch aber dezent. Er und seine Problemchen stehen nicht zu sehr im Vordergrund, sein Charakter bietet aber dennoch genug Facetten (und zum Teil Schrullen) um ihn spannend zu machen. Sein Bezug zur Natur und die Verbindung zu den Ermittlungen in diesem ersten Fall, war wunderbar gelungen. Ich hoffe, dass die weiteren Fälle hier ebenso stark anknüpfen können. Denn genau von dieser Kulisse und der so besonderen Atmopshäre hat „Waidmannstod“ meiner Meinung nach wirklich gelebt. Der Wald wird so lebendig beschrieben, dass man alles quasi vor sich sieht.
Im Kontrast zur teilweise recht düsteren Atmosphäre und murrigen Stimmung einiger Charaktere steht der tolle Humor von Voss. Die Überlegungen des Ermittlers zu Gott und der Welt haben mich ein bisschen an meinen geliebten Kommissar Barbarotti von Hakan Nesser erinnert. Diese augenzwinkernden Kommentare lockern das Buch auf, ohne ihm die Spannung zu nehmen. Hier hat der Autor dem Ermittler eine gute Stimme und ganz besonderen Charme verliehen.

Kurz und gut: ich habe nichts anzumeckern. Das Buch überzeugt vom phantastischen Anfang bis hin
zum gelungenen Ende. 5 von 5 Lokalkrimi-Leseratten.




Das Buch in einem Tweet: "Waidmannstod" ist ein Krimi wie ein Waldspaziergang plus Spannung und Verwicklungen... nun... das muss man einach selbst probieren.

Mittwoch, 24. September 2014

Rezension: Der Fall von Gert Heidenreich

In „Der Fall“ von Gert Heidenreich habe ich mich gleich in der Verlagsvorschau verliebt. Ein Kriminalroman mit einer ungewöhnlichen Idee und malerischer Kulisse, tolle Grundzutaten für ein ungewöhnliches Leseerlebnis. Dank der freundlichen Unterstützung des Klett-Cotta Verlags hatte ich die Möglichkeit dieses Buch vorab zu lesen und bin immer noch ein bisschen hin und her gerissen. Heute erscheint dieser besondere Krimi und ich möchte meine Eindrücke gerne mit euch teilen.

„Der Fall“ von Gert Heidenreich
320 Seiten
19,95 € (Hardcover)









Eigentlich möchte Swoboda (mal wieder) die Klippen von Les Petits Dalles in wunderschöner Morgensonne zeichnen. Er ist gerade auf dem Weg zu seinem angestammten Platz, als er oben auf den Klippen einen Mord beobachtet. Schneller als geahnt, kommt der unfreiwillige Zeuge ins Visier des Mörders und wird tödlich getroffen. Das verhagelt Swoboda ganz schön den Tag, hält ihn aber nicht davon ab diesen letzten Kriminalfall seines Lebens… beziehungsweise Todes… zu ergründen.

Die Idee, dass der pensionierte Kriminaler Swoboda in seinem eigenen Mordfall ermittelt, hat mich von Anfang an begeistert. In meiner Vorstellung bot das Stoff für skurril-witzige Episoden oder spannende „Erlebnisse“ des frisch Verblichenen. Die eigentliche Umsetzung der Abschnitte unseres jenseitigen Protagonisten war dann völlig unerwartet sehr künstlerisch und philosophisch, manchmal aber leider auch schleppend und etwas ziellos.
Irgendwie gibt es für mich bei „Der Fall“ eine ganze Menge für und wider. Die Idee hat mich wie gesagt schon vor der ersten Seite überzeugt und mir auch während des Lesens gut gefallen. Die Themen waren dabei noch deutlich abwechslungsreicher als zuerst vermutet. Neben Kunst und Kultur lernen wir auch noch eine ganze Menge über Steuerbetrug, Schwarzgeld und Finanzhaie. Zusätzlich hat die Geschichte tolle Charaktere, wie den toten Swoboda und den raffgierigen Buchhalter Rakowski, zu bieten. Soweit wäre die Sache eigentlich ziemlich klar und „Der Fall“ ohne Bedenken zu empfehlen. Leider hängt da noch ein kleines „aber“ in der Luft.
Da wäre allem voran der Schreibstil des Buches zu nennen. Eigentlich bin ich bekannt dafür, dass ich es etwas komplizierter und schnörkeliger mag. Meine eigenen Sätze haben Bandwurmpotential und ich mag es auch mal schwafelig.
Der Stil von „Der Fall“ hat mir aber echte Probleme bereitet. Die Sätze sind lang und schachtelig, das bringt manchmal einen sehr feinen Humor, hat mich aber auch manchmal einfach überfrachtet. Denn jeder Satz scheint mit einer unübersichtlichen Menge an Informationen angereichert, sodass ich zum Teil den Überblick verloren habe. Da kommen Namen von Landstrichen, Straßen, Personen, Speisen und Weinen, der Hintergrundmusik und des Künstlers vom Stillleben an der Wand wild in jeden sich bietenden Winkel des Satzes. Wer sich in französischer Geographie besser auskennt und Speisen und Getränke besser einzuordnen weiß, wird das vermutlich flott überlesen, ich war zum Teil einfach irritiert. Der zweite Teil des kleinen „abers“ ist die Spannung, die durch diesen etwas sperrigen Schreibstil leider nicht so recht aufkommt. Die spannenden Abschnitte werden durch viele gestelzte Zwischenstücke immer wieder ausgebremst, manchmal passt das atmosphärisch, manchmal ist es einfach ein bisschen ungünstig.

Unterm Strich ist „Der Fall“ mit 3 von 5 Leseratten für mich ein klares Unentschieden. Tolle Aspekte werden von größeren Kritikpunkten zwar gebremst, haben mir aber die Lesefreude nicht völlig verhagelt. Ich glaube das Buch könnte Lesern von anspruchsvollen Krimis immer noch gut gefallen, wenn man sich auf die besondere Sprache und Atmosphäre einlässt und dann die Qualitäten des Buches besser genießen kann.


Das Buch heute in einem Bild, statt einem Tweet:

Dienstag, 16. September 2014

Rezension: Die Stimme des Vergessens von Sabine Kornbichler

Spät kommt sie, doch sie kommt... meine Rezension zu "Die Stimme des Vergessens" nach der Twitter-Leserunde. Noch länger als es dauerte die Rezension zu verfassen, hat es aber bei mir gedauert endlich ein Buch der Autorin zu lesen. Das hätte ich schon früher machen sollen. Sabine Kornbichlers Krimi „Das Verstummen der Krähe“ hatte ich schon des Öfteren in der Hand und wollte es gern lesen, endgültig hat mich die Lust aber nie gepackt. Dann hat die liebe Iris ihre Twitter-Leserunde zu „Die Stimme des Vergessens“ gestartet und da war sie dann doch wieder, die unbändige Krimi-Lust. Also habe ich spontan mitgemacht.

„Die Stimme des Vergessens“ von Sabine Kornbichler
416 Seiten
12,99 € (Taschenbuch) oder 9,99 € (Kindle Edition)









Kristina Mahlo kommt bei Ihrer Arbeit als Nachlassverwalterin in das Haus eines älteren Herren, der augenscheinlich große Angst vor der Welt hatte. Die Fenster sind vergittert, die Tür mit einem starken Schloss gesichert. Und auch in den Unterlagen des alten Herrn Schettler weist einiges auf einen starken Verfolgungswahn hin. Doch Kristina Mahlo kann sich der Vermutung nicht erwehren, dass hinter diesem Wahn auch ein Fünkchen Wahrheit liegen könnte. Als ihr dann noch Schettlers Unterlagen gestohlen werden, glaubt sie endgültig nicht mehr daran, dass der alte Mann sich völlig grundlos fürchtete. Die Suche nach dem Grund seiner Angst beginnt.

Ich bin sehr zwiegespalten, wenn es um die Bewertung von „Die Stimme des Vergessens“ geht. Einerseits fand ich die Grundidee von Beginn an toll, die Idee eine Nachlassverwalterin auf die Spuren von Geheimnissen ihrer „Klienten“ zu schicken finde ich faszinierend. Andererseits hat sich die Geschichte zu Beginn recht langsam entwickelt ehe wirklich Spannung aufkam und es über das bloße Mysterium rund um Schettlers Wahn hinaus ging. Natürlich lebt diese Geschichte mehr von dem reinen, eher stillen Geheimnis aber ein echter Lesesog kam erst ab der Mitte des Buches bei mir auf. Dann wollte ich das Buch aber kaum noch weglegen und habe es quasi am Stück verschluckt, diese faszinierende Ver- und Entwicklung hätte einfach ein bisschen früher einsetzen müssen, um mich gleich zu packen. Das Potential war definitiv vorhanden!
Wirklich problematisch waren für mich aber die häufigen Einschübe über das Privatleben der Ermittlerin. Das ist natürlich Geschmacksache, aber für mich sind diese ganzen Nebenhandlungen meist nur störend und eher uninteressant. Das nun hier nicht nur das Liebesleben von Kristina Mahlo, sondern auch noch ihrer Eltern thematisiert wurde, hat meine Begeisterung leider nicht wirklich gesteigert. Da vor allem die Eltern für mich eher blass blieben, war mir ihre Ehekrise schnell zu viel und einfach nur Beiwerk. Schade.
Gut gefallen haben mir die sympathischen Nebencharaktere, denen Kristina Mahlo begegnet und die interessanten Gespräche die sie mit ihnen führt. Im Verlauf des Buches wurden so viele Theorien aufgebaut, ent- und wieder verworfen, dass mir ganz schwindelig wurde. Diese Verwirrtaktik hat aber wunderbar dafür gesorgt, dass man als Leser nicht sofort das Ende erahnt, sondern sich immer wieder in den Mutmaßungen verliert, ein gelungener Schachzug!
Nochmal problematisch wurde es für mich am Ende. Das wirkte für mich doch sehr konstruiert und irgendwie ein bisschen unrund. Einfach zu schwach gegen den extrem starken Mittelteil des Buches, in dem sich die verschiedensten Theorien häufen und in dem ich so stark auf das Ende fiberte.

Zu jedem Kritikpunkt gibt es einen starken Pluspunkt, zu jeder Begeisterung ein kleines „aber“, ein klares unentschieden und daraus folgend 3 von 5 Leseratten.


Das Buch im Leserunden-Tweet:

Samstag, 30. August 2014

Rezension: Das Dorf der Mörder von Elisabeth Herrmann

Nach meinem letzten Problem mit Skoobe „einfach wild drauflos lesen“ habe ich diesmal gezielt nach einem Wunschlistenbuch gesucht und hatte Glück! „Das Dorf der Mörder“ hat mich im Urlaub begleitet und bildete trotz der anhaltenden Thriller- und Krimimüdigkeit wiedermal einen schönen Höhepunkt.

„Das Dorf der Mörder“ von Elisabeth Herrmann
480 Seiten
19,99 € (Hardcover)









Im Berliner Tierpark werden die Besucher von einem furchtbaren Anblick geschockt: im Gehege der Pekaris (quasi brasilianische Wildschweine) wird eine menschliche Leiche von den wütenden Tieren zerfetzt. Mitten im Trubel erreicht die Streifenpolizistin Sanela Beara den Ort des Geschehens. Statt nur die Situation zu sichern, wird sie von dem Fall unglaublich angezogen und ermittelt weit über ihre Kompetenzen hinaus. Dabei lässt sie nicht locker obwohl schnell eine Verdächtige ausgemacht wird.

Nicht nur die Ermittlungen von Sanela Beara sondern auch die psychologische Arbeit zweier Gutachter mit der Verdächtigen machen den Hauptteil des Buches aus. Dabei gehen die Psychologen von der bewiesenen Tat aus, während die junge Streifenpolizistin immerwährend nach weiteren Möglichkeiten forscht. Auch die Kapitel werden aus diesen wechselnden Perspektiven erzählt und halten so die Handlung immer spannend. Denn natürlich wird die Perspektive immer genau dann gewechselt, wenn gerade eine spannende Entdeckung bevorsteht. Das ist gemein, macht aber unglaublich süchtig. Vor allem da die Kapitel angenehm kurz, aber nicht zu knapp sind, entsteht ganz schnell dieser „nur noch ein Kapitel“-Sog. Ihr kennt das.
Die Mordmethode in diesem Krimi ist ungewöhnlich, ziemlich blutig und steht zur angenehmen Abwechslung nicht im Zentrum des Buches. Es gibt keine langen, grausamen Beschreibungen sondern zwar einige brutale Szenen, aber eine recht sachliche Darstellung der Geschehnisse. Dadurch wirkt das ganze auf mich deutlich authentischer als diese Aufmerksamkeit-heischenden Krimis und Thriller, von denen mein Opa sagen würde „die musst du gerade halten, sonst tropft das Blut raus!“.
Von der Streifenpolizisten, über den Psychologen bis hin zur Verdächtigen Charlotte Rubin sind außerdem alle Charaktere interessant beschrieben, haben nachvollziehbare Stärken und Schwächen und geben trotzdem nicht alle Geheimnisse sofort preis. Eine angenehme Mischung.
Besonders angetan hat  es mir die düstere Symbolik innerhalb der Geschichte. Schnell kommen die Erinnerungen der Verdächtigen an ihre Kindheit in einem einsamen brandenburgischen Dorf ins Zentrum der Ermittlungen. Die Bilder dieser Abschnitte sind deutlich und düster: bellende Hunde, Blut, Schweine, ein verfallener Hof. Es ergeben sich verschiedene Verbindungen durch diese Symbole und alles zusammen bildet eine spannende Atmosphäre. Der Schreibstil ist passend dazu bildreich und kurzweilig, trägt die Atmosphäre schön weiter und greift die Symbolik auf.
Negativ aufgefallen sind mir lediglich einige Ungereimtheiten beim Verhalten der Protagonisten. Zwar war ihre Motivation immer klar, ab und zu wirkte ihr Verhalten aber einfach konstruiert und etwas unglaubwürdig. Vor allem die junge Ermittlerin hätte wohl eine andere Position innehaben müssen, um so zu agieren.
Insgesamt vergebe ich 4 von 5 wirklich zufriedenen Leseratten. Von der beklemmenden Atmosphäre und tollen Spannung möchte ich sofort MEHR. Ich habe mir auf Skoobe also gleich ihre übrigen Bücher vorgemerkt.


Das Buch in einem Tweet: Ein angenehm strukturierter, spannender und düsterer Krimi mit leichten Schwächen. "Das Dorf der Mörder" hat mich trotzdem begeistert.

Mittwoch, 13. August 2014

Angelesen: Amandas Suche von Isabel Allende

Irgendwelche Synapsen in meinem Kopf müssen spinnen. Ich habe heute einen Tag frei, das Wetter ist toll und der SuB bietet im Moment großartige neue Bücher. Trotzdem klicke ich mich beim Kaffee erstmal durch einige Verlagsseiten und bleibe magisch angezogen beim Wort "Leseprobe" hängen. Einige uninteressante werden schnell weggeklickt und dann: zack! Gefangen. Ich bin bei Isabel Allendes erstem Krimi "Amandas Suche" hängengeblieben und konnte nicht mehr aufhören. Davon muss ich euch einfach erzählen!

"Amandas Suche" von Isabel Allende
479 Seiten
24,95 € (Hardcover)

Amanda spielt mit ihren Freunden das Online-Game "Ripper". Dort lösen sie ausgedachte Kriminalfälle im London zur Zeit von Jack the Ripper.
Amandas Vater ist Polizeichef, die Mutter Reiki-Meisterin und ihre Patentante Astrologin. Eine wilde Mischung. Amanda selbst ist nur eins: wahrheitsliebend und neugierig.
Als in San Francisco eine brutale Mordserie beginnt beschließen die Spieler rund um Amanda diesem realen Fall selbst auf den Grund zu gehen. Statt ausgedachte Verbrechen im virtuellen London zu verfolgen, möchten sie ihre Taktiken und Kenntnisse nun an der echten Welt erproben.
Leider ist die Leseprobe sehr kurz und gibt wirklich nur einen ganz kurzen Geschmack auf die Handlung. Aber allein diese wenigen Seiten haben gereicht um mich anzulocken. Die Figuren sind abwechslungsreich und interessant, der Ansatz, dass der Kriminalfall von einer Gruppe Jugendlicher gelöst werden soll außergewöhnlich.
Ich habe bisher noch nichts von Isabel Allende gelesen (Wissenslücke!) und bin daher völlig voreingenommen. Von den wenigen Bröckchen, die ich gelesen habe, würde ich behaupten, dass ich ihren Stil mag. Detailiert und dennoch fließend, nicht zu ausufernd aber trotzdem atmosphärisch.

Ich bin unglaublich neugierig auf den Rest der Geschichte und muss dieses Buch unbedingt lesen. Deshalb landet es jetzt gleich ganz oben auf der Wunschliste. Sobald der SuB etwas befreiter aussieht möchte ich mich diesem Buch widmen und es euch unbedingt vorstellen.

Hat jemand von euch dieses Buch (oder ein anderes der Autorin) schon gelesen und kann mir etwas darüber berichten?

Sonntag, 3. August 2014

Rezension: Die Wahrheit und andere Lügen von Sascha Arango

„Die Wahrheit und andere Lügen“ war Petzis Wunschbuch zum Welttag des Buches nach unserem Gewinnspiel. Auch andere Blogger haben schon davon berichtet. Als ich es dann bei Skoobe fand, war ich einfach sehr neugierig und habe reingelesen und schnell Gefallen daran gefunden.

„Die Wahrheit und andere Lügen“ von Sascha Arango
304 Seiten
19,99 € (Hardcover)








Henry ist ein Hochstapler. Er ist als erfolgreicher Autor im ganzen Land berühmt, ohne je eine Zeile geschrieben zu haben. Er führt eine glückliche Ehe, betrügt seine Frau jedoch mit seiner Lektorin. Man könnte sagen, er hat mehr Glück als Verstand. Bis das schöne Wolkenschloss ins Wanken gerät, als seine Geliebte von ihm Schwanger wird und verlangt, dass Henry seine Frau verlässt.

Irgendwie ist die Situation in „Die Wahrheit und andere Lügen“ ganz klassisch und könnte sich fast zu einem typischen „Tatort“-Fall für den Sonntagabend entwickeln. In diesem Buch läuft aber alles ein bisschen anders. Das Buch ist ein Krimi und doch wieder nicht. Es gibt eine gewisse Spannung, es gibt einige brenzlige Situationen und (natürlich!) einen Mord. Aber da hören die typischen Krimieigenschaften auch schon auf. Die Spannung ist nämlich weniger drängend und düster, als eher durch die absurde Situation getrieben. Man muss einfach wissen, wie sich das alles entwickelt. Und der Mord? Der ist auch alles andere als kaltblütig und lang geplant.

Weglegen mag man das Buch trotzdem nicht, denn es bietet eine Menge Witz und toll gestaltete Charaktere. Der Humor des Buches ist sowohl ganz offen in der lebhaften Sprache und den witzigen Gedanken von Henry zu spüren, speist sich aber auch aus den einfach genial konstruierten Situationen im Buch. Das wirkt alles zu komisch um wahr zu sein, ist aber so authentisch beschrieben, dass es richtig wirkt.
Das ganze wird toll unterstrichen durch die Charaktere. Alle sind sie irgendwie eigen und haben Seele. Besonders der Hauptprotagonist Henry Hayden ist so ein skurriler Vogel, dass man ihm im Verlauf des Buches beinahe alles verzeiht. Natürlich ist er ein Hochstapler und Drückeberger, er scheut Konflikte und ist auf seine Bequemlichkeit bemüht. Das müsste eigentlich so richtig unsympathisch sein, aber Henry wurden auch so viele nette, liebenswerte Eigenschaften angedichtet, dass ich mit diesem Antihelden mitgefiebert habe.
Der Schreibstil ist flott und kurzweilig aber detailliert genug um die Atmosphäre der Szenen zu transportieren. Das mag damit zusammenhängen, dass der Autor bisher Drehbücher verfasst hat und ein Gespür für abwechslungsreiche und fesselnde Szenen (und Szenenfolgen) haben muss.

„Die Wahrheit und andere Lügen“ ist überraschend und interessant. Kein klassischer Krimi und trotzdem mit einem eigenen Sog, keine klassische Komödie, aber mit einem großen Schuss Humor. 
5 von 5 Leseratten für ein witziges Leseerlebnis.


Das Buch in einem Tweet: Henry Hayden ist ein Hochstapler, Mörder, Betrüger und Angeber. Und doch! Man beginnt den Protagonisten zu mögen, fibert und leidet mit ihm.

Samstag, 2. August 2014

Rezension: Das Gedankenexperiment von Jonas Winner

Gestern gabs das LeseExperiment für den August, heute ein Buch, dass sich mit Experimenten anderer Art beschäftigt. Ein echter Spontankauf, der sich überraschend zu einem wahren Pageturner entpuppt hat. Eigentlich wollte ich damals ganz gezielt ein Buch kaufen und schnell wieder aus dem Buchladen raus (Büchernarrengelächter aus dem Off) als mich "Das Gedankenexperiment" so neckisch von der Seite anlachte. Da ich so herzlos nicht sein konnte, habe ich es gekauft. Und was soll ich sagen? Manchmal sind spontane Entscheidungen einfach die Besten! Ein Aufruf zu weiteren LeseExperimenten ;-).

„Das Gedankenexperiment“ von Jonas Winner
400 Seiten
19,99 € (Hardcover)









Der junge Philosoph Karl Borchert hat lange Zeit auf eine eigene Experimentenreihe hingearbeitet und möchte dafür ein Stipendium an seiner Uni erhalten. Obwohl das Experiment als vielversprechend gehandelt wurde, scheitert sein Stipendienantrag und Karl muss sich einer neuen Tätigkeit widmen. Da wird ihm angeboten den Vorlass (Nachlass vor dem Ableben) des berühmten Professor Leonard Habich zu ordnen. Da sich Karl davon auch für seine philosophische Karriere neue Anreize erhofft, sagt er zu und reist auf das Anwesen des Professors. Dort begegnen ihm allerdings nicht nur wissenschaftliche Arbeiten, sondern auch seltsame Erscheinungen.

„Das Gedankenexperiment“ ist ein philosophischer Krimi, der eine spannende Handlung mit einer Menge wissenschaftlicher und philosophischer Themen verknüpft und dadurch eine ganz besondere Sogwirkung entfaltet. Diese Mischung aus spannender Handlung und philosophischen bzw. wissenschaftlichen Einschüben hat mich an Klassiker wie Mary Shelleys „Frankenstein“ erinnert und mir deshalb besonders gut gefallen. Manche der beschriebenen Theorien sind schon weit verbreitet (z.B. „das Ziegenproblem“), andere Abschnitte waren (zumindest mir) neu und gehen etwas tiefer als die allgemein gebräuchliche Westentaschenpsychologie. Durch diese Tiefe wirkte das Buch sehr überzeugend und besonders authentisch.
Neben der offenkundig guten Recherche, die hinter diesem Buch steckt, hat mich die Entwicklung der Charaktere besonders überzeugt. Fast drängt sich auf, dass die Beschäftigung mit dieser Thematik zu einem gewissen Wahn führen muss, denn sowohl Karl Borchert als auch der Professor verlieren sich zunehmend in ihren Theorien. Beide kämpfen mehr und mehr mit Wahnvorstellungen, hervorgerufen durch das stringente fortdenken des Gedankenexperiments. Die durchgehende Entwicklung der Protagonisten trägt hauptsächlich zur Spannung des Buches bei.
Auf dem Anwesen des Professors begegnet Karl Borchert auch einigen unerklärlichen Erscheinungen, das Buch erhält dadurch einige Spannung, wenn nicht gar Horror. Für meinen Geschmack waren diese Effekte für das Vorantreiben der Handlung nicht wirklich nötig und haben mich eher gestört. Nicht schön war außerdem, dass neben den ganzen gut recherchierten Theorien und "Gedankenexperimenten" einige Thesen so krude und verrückt konstruiert wirken, dass die Glaubwürdigkeit manchmal ein bisschen leidet. Diese kleinen Kritikpunkte lassen sich aber neben der durchgehend spannenden Handlung, dem angenehm detaillierten Schreibstil und den interessanten Charakteren gut verschmerzen.
Für mich war das Buch eine tolle Abwechslung, Krimi und Thriller können mich im Moment nur wenig begeistern, auf Spannung hatte ich trotzdem unbändige Lust. Dafür ist „Das Gedankenexperiment“ toll geeignet. Ich vergebe 4 von 5 Leseratten für einen sehr guten philosophischen Krimi, der mich toll unterhalten hat.


Das Buch in einem Tweet: "Das Gedankenexperiment" ist ein philsophischer Krimi der Spannung bietet und unterhält. Nicht immer ganz realistisch aber immer fesselnd.

Freitag, 20. Juni 2014

Rezension: Body Farm von Patricia Cornwell

Endlich habe ich eine weitere SUB-Leiche aus dem Stapel geholt und gelesen. „Body Farm“ von Patricia Cornwall hat mir meine Schweigermama ausgeliehen, nachdem wir uns begeistert über die echte Body Farm in Tennessee unterhielten. Da dem Buch der Schutzumschlag fehlt, dachte ich erst es wäre ein in sich abgeschlossener Thriller. Dass das Buch zur Kay Scarpetta Reihe gehört, habe ich erst später gemerkt.

„Body Farm“ von Patricia Cornwell
Kay Scarpetta Reihe Band 5
400 Seiten
9,99 € (Hardcover)








Ein kleines Mädchen wird in einer amerikanischen Kleinstadt ermordet aufgefunden, alle Spuren weisen auf den ersten Blick auf einen bekannten Mörder hin. Doch an der verstümmelten Leiche sind auch andere, seltsame Spuren zu finden. Als dann einer der ermittelnden Polizisten auf mysteriöse Weise ums Leben kommt, werden Kay Scarpetta und ihr Team zu dem Fall gerufen, um die Polizei der Kleinstadt bei den Ermittlungen zu unterstützen.

Für pathologische Krimis habe ich ja, anders als für Thriller der Marke „Nackt und Zerhackt“, noch immer etwas übrig. Akribische Spurensuche und die interessanten wissenschaftlichen Details machen für mich eine ganz besondere Faszination aus. Der Titel klang in dieser Hinsicht vielversprechend und Geschichten über die Body Farm begeistern mich sowieso. Leider hatte das Buch davon nur recht wenig zu bieten. Zwar war die Handlung spannend und die Ermittlungen interessant dargestellt, jedoch nehmen Kay Scarpettas persönliche Probleme einen viel zu großen Anteil des Buches ein.

Ich weiß nicht ob es mir allein so geht, aber ich möchte prinzipiell gerade bei Krimis und Thrillern in sich abgeschlossene Geschichten lesen. Die familiären oder gesundheitlichen Probleme der Ermittler können dabei Randthema sein, sollten aber innerhalb eines Buches wieder abgeschlossen werden. Auf Dauer finde ich es doch extrem anstrengend x Reihen zu verfolgen, in denen jeder Polizeibeamte, Pathologe oder Profiler andere psychische Zerwürfnisse, Affären und Süchte hat. Für die eigentliche Handlung sind diese Randthemen meist völlig unnötig und wenn man nicht gerade die Serie verfolgt, sind sie auch meist nicht sonderlich spannend. Der Hang zur Serie scheint bei vielen Krimiautoren aber ungebrochen und ich habe das Gefühl vor lauter Reihen kaum noch Einzelbände zu entdecken.


Patricia Cornwell mit Kay Scarpetta, Cody McFadyen mit Smoky Barrett, Tess Gerritsen mit Rizoli & Isles, Andres Franz/Daniel Holbe mit Julia Durant… Was sagt ihr zu Autoren mit dem Hang zur Serie?

Für „Body Farm“ von Patricia Cornwell eine Bewertung abzugeben gestaltet sich für mich wirklich schwierig, das Buch hat durch die schon angesprochene starke Verbindung zur Reihe für sich genommen wenig Reize. Die Figuren wurden als bekannt vorausgesetzt und ihre privaten Probleme haben mich nur mäßig interessiert. Da der Krimianteil recht gering war, der beschrieben Fall an sich aber sehr spannend vergebe ich neutrale 3 von 5 Leseratten.


Das Buch in einem Tweet: Fangt nicht mit Band 5 bei einer Reihe an! Spannender Krimi aber verwirrende persönliche Probleme in "Body Farm".

Freitag, 9. Mai 2014

Rezension: Nachts kommt die Angst von Gabriela Gwisdek

Mein Challengebuch für den April war ein voller Erfolg. Ein Buch mit einer Protagonistin zu finden, die meinen Namen trägt, war (wie für viele andere) nicht ganz einfach. Trotzdem habe ich schnell einen Favoriten gefunden und das Buch hat mir am Ende richtig viel Spaß gemacht. So habe ich ganz zufällig einen tollen Thriller entdeckt.

„Nachts kommt die Angst“ von Gabriela Gwisdek
Aufbau Taschenbuch Verlag
318 Seiten
9,99 € (Taschenbuch)









Die Malerin Alexandra zieht vom turbulenten Frankfurt in ein beschauliches Dorf in der Uckermark. Nach einer gescheiterten Beziehung und einer langen Phase beruflichen Misserfolgs möchte sie sich in der Abgeschiedenheit endlich wieder sich selbst und dem Malen widmen. Schnell merkt Alexandra, dass in diesem Dorf trotz aller Abgeschiedenheit nicht nur Ruhe und Frieden herrschen. Die Vormieterinnen ihres kleinen Häuschens verschwanden spurlos und auch während Alexandras Aufenthalt verschwinden dann noch einige Mädchen aus dem Dorf.

Ich muss mal vorab sagen, dass ich mir kein besseres Buch für dieses Experiment aussuchen hätte können. Es ist so schon sehr leicht sich der gruseligen und schaurigen Atmosphäre des Buches hinzugeben, wenn man sich dann aber noch so in die Hauptfigur hineinversetzt wird es richtig spannend. Ich habe das Buch vor allem abends gelesen und hatte so genau die richtige Stimmung. Große Teile des Buches beschäftigen sich mit der subtilen Angst der Protagonistin, die sich bedroht fühlt in ihrem Häuschen, aber keine konkrete Gefahr ausmachen kann. Jedes Knarren im Haus und jedes Rascheln im Garten versetzen die Protagonistin in Aufregung und diese Ruhelosigkeit hat sich sehr schnell auf mich übertragen. Die Gefahr bleibt dabei zwar immer gegenwärtig aber auch eigentümlich konturlos, eine interessante Mischung und wunderbar um die Spannung zu halten.
Die Handlung wiederum war eine schöne Mischung aus Krimi/Thriller und Horror-Roman. Da es immer wieder Hinweise darauf gibt, dass Alexandras Haus ein Spukhaus sein soll, es jedoch auch ganz reale Verbrechen in diesem Dorf zu verzeichnen gibt, habe ich beim Lesen immer ein bisschen hin und her geschwankt, wie sich das am Ende unter einen Hut bringen lässt. Ohne zu viel zu verraten: die Handlung ist bis zum Ende spannend und wird schlüssig aufgelöst. Sowas ist mir bei einem Buch in diesem Genre besonders wichtig, es gibt nichts schlimmeres als unschlüssig konstruierte Enden. Bei "Nachts kommt die Angst" fügt sich das Ende aber super zum Rest des Buches ein und rundet die Geschichte wunderbar ab.
Die einzige Schwäche des Buches war (für mich) die etwas willkürlich gesetzte Liebesbeziehung zwischen Alexandra und dem „Dorfsheriff“ des Ortes. Irgendwie schien diese Beziehung für die Handlung nötig und wurde daher sehr schnell „gegründet“, richtig nachvollziehbar war die Beziehung und die Handlung der Personen für mich in dieser Hinsicht nicht.
Trotzdem ist „Nachts kommt die Angst“ ein Buch, dass von der ersten bis zur letzten Seite Spannung bietet, basierend auf einer dichten Atmosphäre, irgendwo zwischen Krimi und Horror, also genau mein Fall.
Insgesamt vergebe ich 4 von 5 Leseratten.
 

Mittwoch, 16. April 2014

Rezension: Wer das Schweigen bricht von Mechtild Borrmann

Über „Wer das Schweigen bricht“ hatte ich bei Petzi gelesen und es mir dann bei meiner rebuy-Bestellung gegönnt. Eigentlich habe ich gerade schon an einem Buch gelesen, als mich jetzt „Wer das Schweigen bricht“ so ansprach, dass ich es einfach noch dazwischen geschoben habe.

„Wer das Schweigen bricht“ von Mechtild Borrmann
Pendragon Verlag
224 Seiten
9,95 € (Taschenbuch)










Robert Lubisch stand seinem Vater nie besonders nah, der distanzierte Patriarch lies seinen Sohn nur sehr selten näher an sich heran. Als der Vater stirbt und Robert in dessen Nachlass das Foto einer schönen unbekannten Frau und den Wehrpass eines Fremden findet, bleibt Robert nichts anderes übrig, als selbst zu recherchieren. Anfangs ist Robert nur einer eventuellen Affäre seines Vaters auf der Spur, was er findet ist eine Wahrheit, die weit tiefer reicht.

Geschichten rund um den zweiten Weltkrieg haben es bei mir leider manchmal schwer. In der Schule hat unsere Deutschlehrerin leider kaum andere Themen behandelt und mich mit dieser Thematik einfach überfrachtet. Deswegen greife ich, obwohl mich Geschichte generell interessiert, eher selten zu Büchern dieser Epoche. Ich freue mich aber doppelt, wenn ich Bücher über diese Thematik finde, die mich noch begeistern können. „Wer das Schweigen bricht“ ist so ein Buch.
„Wer das Schweigen bricht“ ist ein schmales Büchlein, das trotzdem eine ganze Menge bietet. Auf zwei Zeitebenen wird erzählt: Da ist die Geschichte von Robert, der in der Gegenwart der Vergangenheit seines Vaters nachspürt. Und dann sind da die Geschehnisse zur Zeit des zweiten Weltkriegs, in der sich die Schicksale von sechs jungen Menschen auf dramatische Weise entwickeln. Es hat mir super gefallen, wie man allein anhand der Sprache immer genau wusste, wo in der Geschichte man sich befindet. Die eher lockere und einfache Sprache der Gegenwart steht im Kontrast zur etwas gesetzteren Wortwahl der Vergangenheit. Das ist wirklich gut gelungen!
Die Charaktere sind außerdem allesamt sehr schön herausgearbeitet. Bei so dünnen Büchern habe ich oft das Gefühl, dass die Figuren nicht mit genügend Tiefe ausgestattet werden, um die Erzählung tragen zu können. Hier sind alle Figuren detailliert beschrieben und trotzdem verliert sich die Autorin nicht in Details, die Handlung steht immer im Fokus.
Ich war direkt von Beginn an Mitten in der Geschichte angekommen. Denn „Wer das Schweigen bricht“ ist ein Krimi, der kurzweilig eine spannende Geschichte erzählt, welche durch die Schicksale einer Gruppe von jungen Menschen zur Zeit des zweiten Weltkriegs verbunden ist. Zwar war die Handlung leider nicht bis zum Ende so durchgehend unerwartet, wie ich es mir erhofft hatte, die Geschichte ist aber durchgehend stark und glaubhaft. 
Ich vergebe sehr gute 4 von 5 Leseratten, weil „Wer das Schweigen bricht“ ein starker Krimi ist, der mich begeistert hat, aber der für meinen Geschmack noch nicht genug aus der Masse hervorsticht.

Samstag, 5. April 2014

Rezension: Der Teufel von New York von Lyndsay Faye

Über vorablesen bin ich auf „Der Teufel von New York“ von Lyndsay Faye gestoßen. Das Buch hat mich sofort gefesselt und schien ein ganz besonderer Thriller zu sein. Bei der Verlosung hatte ich Glück und konnte das Buch nun gleich lesen.

„Der Teufel von New York“ von Lyndsay Faye
dtv Premium Verlag
480 Seiten
15,90 € (Taschenbuch)









1845 in New York, die frisch gegründete Polizei steht vor einem Rätsel: ein unbekannter tötet dutzende Kinder, es gibt keine Spur auf den Täter. Einzig ein kleines Mädchen kann fliehen und wird von dem frisch gebackenen Polizisten Tim Wilde gefunden, sie ist blutüberströmt und völlig verängstigt. Tim war früher Barmann und ist Dank seines Bruders und seiner guten Beobachtungsgabe bei der Polizei gelandet. Mitgenommen vom Schicksal des Mädchens betreibt er die Ermittlungen im Fall der getöteten Kinder nun mit ganz besonderem Eifer.

„Der Teufel von New York“ wirkte in der Leseprobe auf mich wie ein einfacher Thriller, vielleicht sogar gespickt mit einem gewissen Horrorfaktor. Jetzt hat sich gezeigt, dass das Buch vielmehr eine gelungene Mischung aus historischem Roman und Krimi bietet. Das Buch bietet einen interessanten Einblick in die Situation in der jungen Metropole New York. Die Stadt, zu dieser Zeit gezeichnet von Rassenkonflikten und politischen Zerwürfnissen, bietet eine tolle Kulisse für diesen spannenden Kriminalfall. Der Einblick in die sozialen Strukturen der Stadt hat mich besonders fasziniert und ist laut Angaben der Autorin authentisch. Jedes Kapitel wird zudem mit einem Zitat aus einer historischen Quelle zur Situation der katholischen und protestantischen Einwohner Amerikas oder über die Irischen Einwanderer eingeleitet. Diese Zitate wirken derart skurril, dass man meint sie müssten erfunden sein, verdeutlichen aber authentisch die im Buch beschriebenen Situationen.

Zwar ist das eigentliche Highlight des Buches der historische Hintergrund, die Handlung des Kriminalfalles kann da jedoch auch sehr gut mithalten. Die Ermittlungen sind spannend beschrieben und die Wendungen der Geschichte konnten mich gut überraschen. Auch die Protagonisten haben ihren Teil dazu beigetragen, dass ich das Buch nur ungern zur Seite legen wollte. Lediglich ein paar Längen im Mittelteil des Buches, in denen sich sowohl die Konflikte der Protagonisten als auch der Fall nur ziemlich zäh entwickeln hat die starke Wirkung des Buches abgeschwächt.
Auch in diesen Phasen konnte ich das Buch genießen, da die Sprache für einen Krimi wirklich toll, sehr detailliert und bildreich ist. Die Beschreibungen sind nicht zu langatmig und sorgen trotzdem für eine dichte Atmosphäre. Es wurden einige Begriffe der damaligen Gaunersprache Flash eingebaut und auch im Anhang entsprechend übersetzt. Leider gibt es einige kleinere Ausnahmen, die ich im Anhang nicht finden konnte und mir im Zusammenhang erschließen musste. Auch wäre nicht nur die reine Übersetzung sondern (sofern möglich) der Ursprung der Begriffe interessant gewesen. Wer Bücher auch gern mal im englischen Original liest kann das vielleicht noch besser genießen.

Insgesamt bekommt „Der Teufel von New York“ von mir 4 von 5 Leseratten, die Handlung allein ist vielleicht nicht so außergewöhnlich, bekommt aber im Zusammenhang mit der tollen Sprache, der dichten Atmosphäre und dem historischen Hintergrund eine ganz neue Qualität.

Mittwoch, 12. März 2014

Rezension: Verdacht ist ein unheimlicher Nachbar von Louise Welsh

„Verdacht ist ein unheimlicher Nachbar“ ist eines dieser Bücher, dessen Titel mich sofort angesprochen und neugierig gemacht hat. Das musste ich einfach lesen.
Ich selbst wohne in Frankfurt, in einem recht großen Wohngebiet. Obwohl es hier zum Teil sehr anonym zugeht kennt man doch mit der Zeit seine Nachbarn und hat Lieblingsnachbarn (Hallo Kathi, Hallo Martin!) und welche, bei deren seltsamen Verhalten man vielleicht sogar ins Grübeln kommt. Im Buch von Louise Welsh dreht sich alles um ein Berliner Wohnhaus und seine seltsamen Mieter.

„Verdacht ist ein unheimlicher Nachbar“ von Louise Welsh
288 Seiten
19,95 € (Sondereinband)








Jane zieht zu ihrer Partnerin Petra nach Berlin. Die gebürtige Schottin ist schwanger und möchte gemeinsam mit der Frau ihrer Träume in Berlin ein neues Leben anfangen. Was für Jane so verheißungsvoll begann wird bald zu einer frustrierenden Zeit. Petra ist eingespannt in ihre Arbeit, die Stadt und Sprache sind Jane fremd und sie findet kaum Anschluss. In dieser schwierigen Phase beginnt sie zu beobachten, dass ein junges Mädchen in ihrem Haus sich seltsam verhält. Jane vermutet, dass ihr Nachbar seine Tochter missbraucht. Bald beobachtet sie immer unheimlicheres Geschehen in diesem seltsamen Wohnhaus.

Mir ist bisher noch kein Buch begegnet, das sich so perfekt mit dem alltäglichen Horror und dem Grusel der Vorstellungskraft beschäftigt. Janes Beobachtungen und Gefühle werden in einer knappen und trotzdem ungemein bildreichen Sprache beschrieben. Die Situationen kommen mir nur allzu bekannt vor. Jeder kennt wohl Tage an denen er auf dem Heimweg auf einer dunklen Straße in jedem Schatten ein Monster und in jedem Geräusch die Schritte eines Unbekannten erkennt. In Louise Welshs Buch ist diese Stimmung perfekt eingefangen. Die Schilderungen scheinen fließend zwischen Realität und überhöhten Phantasien zu wechseln. Ich habe genauso an Janes Wahrnehmung gezweifelt wie die Protagonistin selbst. Später fühlt man die starke Einsamkeit, die Jane empfinden muss, als sie merkt, dass keiner ihr Glauben schenkt quasi am eigenen Leib. Fühlt sich vom düsteren Haus im Hinterhof genauso beobachtet und leidet mit der Protagonistin.

Wer Alfred Hitchcocks Film „Fenster zum Hof“ mag liegt mit „Verdacht ist ein unheimlicher Nachbar“ genau richtig. Bei beiden handelt es sich um spannende „Kriminalgeschichten“ mit einem reduzierten Personenkreis und engen Handlungsgebiet, die nur durch ihre erzählerische Qualität „funktionieren“. Ich persönlich genieße diese Erzählkunst sehr und (das habt ihr sicher schon gemerkt) mag die Art von Büchern, die ohne Effekthascherei auskommen und dennoch Spannung und Horror bieten.

Ich habe wirklich lang überlegt, was mich an „Verdacht ist ein unheimlicher Nachbar“ gestört hat, gefunden habe ich nichts. Ich wollte das Buch ungern beenden weil ich die Stimmung so besonders fand, es sich so flüssig lesen lies und auch die Charaktere allesamt äußerst ungewöhnlich waren. Für die Thematik hat das Buch aber wiederum die genau richtige Länge. Und wer würde schon wollen, dass eine Geschichte nur um ihrer selbst willen aufgebläht wird?
Ja, ihr ahnt es... 5 von 5 Leseratten für „Verdacht ist ein unheimlicher Nachbar“ weil es ein stilles, kraftvolles Buch ist, das mich gefesselt hat.

Donnerstag, 27. Februar 2014

Rezension: So bitterkalt von Johan Theorin

Nach meinem Debakel mit „Schnitt“ von Marc Raabe habe ich kurzfristig einen anderen Thriller gebraucht. Nicht, dass ich davon einen ganzen Haufen zu Hause liegen hätte, ich musste mir „So bitterkalt“ von Johan Theorin im Kindle Store kaufen und direkt loslegen.
(„Schnitt“ ist nach euren positiven Reaktionen für mich noch nicht gestorben, aber ich lasse mir etwas Zeit mit dem zweiten Anlauf…)


„So bitterkalt“ von Johan Theorin
Piper Verlag
480 Seiten
19,99 € (Hardcover) oder 8,49 € (Kindle Edition)









In dem kleinen schwedischen Örtchen Valla liegt die psychiatrische Klinik Sankt Patricia. Dort werden psychisch kranke Schwerverbrecher unter höchster Sicherheitsstufe behandelt. Trotz der Isolation der Patienten sollen sie den Kontakt zu einem nicht verlieren: ihren Kindern. Die Kinder werden deshalb in der Kindertagesstätte „die Lichtung“ gleich neben der Klinik betreut und regelmäßig zu Treffen mit ihren kranken Eltern gebracht. Dafür ist die Kindertagesstätte mit der Klinik durch einen unterirdischen Tunnel verbunden. Jan Hauger wird als Erzieher in der Kindertagesstätte eingestellt. Schnell merkt er, dass neben den Treffen mit den Eltern der Kinder auch noch eine ganze Menge mehr zwischen Klinik und Kinderhort abläuft. Und auch Jan selbst bewahrt einige Geheimnisse vor seinen neuen Kollegen und Bekannten.
Ich muss zugeben, dass ich „So bitterkalt“ vor allem wegen der angedeuteten Story gekauft habe. Bei mir verbreitet diese Thematik rund um die düsteren Verwicklungen in und um eine psychische Klinik einen angenehmen Grusel. Ich finde die Entwicklungen der psychologischen Behandlung in den letzten hundert Jahren absolut spannend. In vielen Büchern und Filmen wird auf die wechselnden Behandlungsmethoden und Vorurteile gegenüber der Psychologie/Psychiatrie angespielt (z.B. „A beautiful mind“). Eine ähnliche Geschichte hatte ich mir hier erhofft. Ich kann vorweg sagen, dass die Handlung sich in diesem Buch primär außerhalb der Klinik bewegt und man von den Patienten so gut wie nichts erfährt, vor allem nicht über die Art ihrer Behandlung.
Trotzdem ist das Buch absolut gelungen. Warum? Weil die Atmosphäre einfach passt. Das düstere Gefühl außerhalb der absolut abgeschotteten Klinik zu stehen, die Frage „was passiert da drin?“ und die Verwicklungen zwischen der Kindertagesstätte und der Klinik waren wirklich faszinierend und realistisch dargestellt.
Dazu kommt, dass der Hauptprotagonist einerseits normal genug ist, um sich mit ihm identifizieren zu können, aber auch durch seine eigenen inneren Konflikte eine ganze Menge Spannung mitbringt. Das hat mir wirklich gut gefallen. Seine Handlungen waren außerdem (fast) immer nachvollziehbar, aber trotzdem unberechenbar genug um den Spannungsbogen der Geschichte immer weiter zu tragen.
Auch die Erzählweise der Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Das friedliche Leben in der Kindertagesstätte, die Geheimnisse rund um die Klinik, Rückblicke in Jans Vergangenheit und einige ganz besondere „Kindergeschichten“ wechseln sich ab und machen das Buch abwechslungsreich und interessant, besonders und toll zu lesen.
Ganz perfekt ist das Buch trotzdem nicht, vor allem gegen Ende war ich vom Handlungsverlauf ein bisschen enttäuscht. Ja, in sich ist das alles logisch gewesen und hat einen unerwarteten Abschluss gefunden, aber der letzte „Wow!“-Effekt hat mir gefehlt. Außerdem waren zwei Kapitel etwas verwirrend verknüpft und lasen sich wie alternativen derselben Handlung. Das ist zwar Jammern auf sehr hohem Niveau, hat für mich aber den Unterschied gemacht, daher „nur“ 4 von 5 Leseratten von mir für „So bitterkalt“.
Trotzdem die absolute Leseempfehlung, denn „So bitterkalt“ ist ein perfektes Buch für alle, die spannungsreiche Bücher ohne großes Blutvergießen mögen. Alle die Wert auf eine besondere Atmosphäre legen und die genug haben von den „normalen“ Ermittlerkrimis können an dieser Geschichte Gefallen finden

Samstag, 22. Februar 2014

Rezension: Erwin, Mord & Ente von Thomas Krüger

„Erwin, Mord & Ente“ habe ich bei der lieben Petzi im Adventskalender gewonnen und obwohl noch so viel auf meinem SUB schlummerte konnte ich die Finger nicht davon lassen und habe ziemlich schnell damit angefangen.

„Erwin, Mord & Ente“ von Thomas Krüger
Heyne Verlag
304 Seiten
9,99 € (Taschenbuch)









Also erstmal: das Buch müsste eigentlich „Erwin, Mord & Lothar“ heißen. Denn diese Ente ist nicht nur irgendeine Ente, sondern Lothar, die Ermittlungsente. Mit dieser lebt Erwin in Bramschebeck, einem kleinen Kaff in Ostwestfalen. Erwin ist der Sohn des ehemaligen Dorfpolizisten Friedhelm Düsedieker, ist Mitte Vierzig und gilt als der Dorfdepp des Ortes. Seit beide Eltern tot sind verbringt er die meiste Zeit in seiner goldenen Badewanne oder mit dem Betrachten der Bücher in seinem Wintergarten. Ab und an spaziert er, die alte Polizeimütze des Vaters auf dem Kopf, durch den Ort und überzeugt alle von welch einfachem Gemüt er ist, um möglichst in Ruhe gelassen zu werden. Als eines Tages eine Leiche auf dem Hof von Jasper Thiesbrummel gefunden wird, beginnt Erwin (gemeinsam mit Lothar) seine Ermittlungen.
„Erwin, Mord & Ente“ hat mich wirklich überrascht. Ich habe einen seichten aber witzigen Lokalkrimi erwartet. Witzig war es am Ende allemal, dazu Ideenreich und toll geschrieben. Eine Geschichte voller Kontraste: die brummelige, ein bisschen „hinterwäldlerisch“ wirkende Sprache der Protagonisten steht zum Beispiel total im Kontrast zur feinen und von Wortwitzen gespickten „Erzählsprache“ des Buches.

„Worte können töten erübrigte sich in Bramschebeck allein wegen der vielfältigen Schwierigkeiten der Bramschebecker, Worte rhetorisch zu verwenden. Wer Worte als Mordwerkzeuge einsetzen wollte, sollte zumindest über mehr als bloße Grundkenntnisse im Sprachgebrauch verfügen.“
S. 145

Damit ist ja fast alles gesagt, oder? Von diesen Beschreibungen und den witzigen Charakteren konnte ich gar nicht genug bekommen und war richtiggehend traurig, als Erwin und seine Ermittlungsente den Fall geknackt hatten.
Erwins nach außen hin einfach wirkender Charakter birgt eigentlich viel mehr Facetten und ist tiefsinniger als erwartet. Zwar ist er vielleicht nicht ganz der Hellste, Bücher wirklich zu lesen bereitet ihm zum Beispiel Schwierigkeiten, lieber lässt er nur einzelne Abschnitte und Wortbilder auf sich wirken, den Dorfdeppen spielt er aber eigentlich nur. Er hat doch eine ganze Menge mehr auf dem Kasten, als ihm die Bewohner von Bramschebeck zutrauen würden. Gerade dadurch gelangt Erwin aber an viele Informationen, wer hält sich schon zurück, wenn er mit einem vermeintlich Schwachsinnigen spricht?

„Er achtete Bäume schon allein wegen ihrer Bedeutung für Bücher. Bücher waren die Fortsetzung des Baums mit den Mitteln des Geistes – der Erwin oft so fern schien wie das Laubdach einer hohen Eiche.“
S. 31

Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen, der Kriminalfall steht im Kontrastfeld von Dorfgeklüngel und seltsamen Ideologien und war bis zum Schluss spannend. Wer also die Mischung aus Humor, einem interessanten Kriminalfall und besonderen Charakteren mag ist mit „Erwin, Mord & Ente“ sehr gut bedient. 5 von 5 Leseratten an dieses schöne, kleine Buch!


P.S. Einen einzigen Kritikpunkt hab‘ ich da noch: für alle Menschen, die nicht aus Ostwestfalen kommen sind die Namen im  Buch echte Zungenbrecher und manchmal bin ich selbst beim Lesen drüber gestolpert. Dieses Buch also besser nicht laut rezitieren ;-).

Samstag, 8. Februar 2014

Angelesen: Der Teufel von New York von Lyndsay Faye

Ihr habt sicher gemerkt, dass es in der vergangenen Woche etwas ruhiger hier war. Das hängt damit zusammen, dass ich vor mich hinkränkele und Susi im Stress stand. Da war der Rattenbau kurzfristig ziemlich verwaist. Heute geht es endlich wieder weiter. Der Blog-Kalender hatte zwar einen anderen Vorschlag (ein schönes Bild&Wort für euch zum Wochenende) aber dann habe ich gerade bei vorablesen vorbeigeschaut und mir ist aufgefallen: ich habe noch nichtmal die Leseproben dieser Woche durchgesehen und die Neuen sind ja schon mit Riesenschritten im Anmarsch.
Und obwohl ich momentan manchmal ziemliches Pech mit Thrillern hatte (siehe "Schnitt" von Marc Raabe) hat mich "Der Teufel von New York" magisch angezogen. Dieses Buch hatte ich schon auf dem Merkzettel seit es bei vorablesen angekündigt wurde und der erste Leseeindruck ist wirklich super, das Bild&Wort muss also warten.

"Der Teufel von New York" von Lyndsay Faye
480 Seiten
15,90 € (Taschenbuch)

Erscheint am 01.03.2014
Eine Leseprobe von Vorablesen findet ihr hier.






Ich bin zwar durch das Cover und den Titel auf das Buch aufmerksam geworden, wirklich hängen geblieben bin ich aber erst bei der Inhaltsangabe. "Der Teufel von New York" dreht sich um einen grausamen Mord an einer Reihe von Kindern, 1845 in New York. Nur ein kleines Mädchen kann fliehen und wird kurze Zeit später vom Polizisten Timothy Wilde in den Straßen von New York gefunden. Das Mädchen ist verängstigt und völlig mit Blut besudelt. Das klingt schonmal ziemlich spannend und echt gruselig. 
[Anmerkung: Ich gebe ja zu, dass ich Kinder gruselig finde. Also natürlich nicht alle normalen Kinder die ich so Treffe, aber Kinder in Horror- oder Gruselfilmen machen mich echt fertig. Und es gibt eine MENGE Kinder in diesen Filmen, ein paar Beispiele gefällig? Mir fallen ganz spontan "The Ring", "Fall 39", "Das Waisenhaus", "Insidious", "Mama" (davor hab' ich mich gedrückt, ausgiebiges anschauen des Trailers hat mir gereicht *brrr), "So finster die Nacht", "Der Exorzist" und  "Shining" ein... ]
"Der Teufel von New York" bietet aber neben der offensichtlichen Spannung noch ein paar mehr Themen: die Migranten aus Europa, die das junge Amerika überschwemmen, aufkeimende Kriminalität und Unruhen zwischen Katholiken und Protestanten. Das alles wird aus der Perspektive des jungen Polizisten Tmothy Wilde berichtet, der selbst offenbar keine leichte Kindheit hatte und das raue, unfreundliche New York kennen gelernt hat. Im  Jahr 1845 wird die Polizei von New York gegründet und Timothy steigt ein, weil er eine Beschäftigung braucht. Als ehemaliger Barmann hat er eine gute Beobachtungsgabe und sonderlich hoch sind die Anforderungen nicht um bei der Polizei einzusteigen.
Neben aller spannender Handlung kann mich aber auch ein Thriller erst überzeugen wenn der Schreibstil stimmt. Das ist bei "Der Teufel von New York" definitiv der Fall. Der Schreibstil ist detailliert, bietet aber vor allem eine ganz besondere, dichte Atmosphäre. Das kommt vor allem daher, dass die Beschreibungen von Personen und Orten, die Gespräche und Begebenheiten toll miteinander verwoben werden. Ich konnte mich von der Leseprobe kaum losreißen und war schon nach wenigen Seiten mitten in der Geschichte.
Der historische Hintergrund, die Protagonisten, der unglaublich flüssige und angenehme Erzählstil und die Spannung. Hier stimmt auf den ersten Blick alles. 

Ich hoffe sehr, dass ich auch bei dieser Verlosung nochmal Glück habe, so oder so: dies ist wieder eine der Entdeckungen, die ich unbedingt hier vorstellen möchte.

Dienstag, 21. Januar 2014

Angelesen: Ein feiner dunkler Riss von Joe R. Lansdale

"Er ist ein Lieblingsautor" wäre zu viel gesagt, aber ich mag Joe R. Lansdale sehr. "Die Wälder am Fluss" und "Dunkle Gewässer" habe ich mit Begeisterung gelesen, "Kahlschlag" liegt noch bei meinen ungelesenen Büchern.
Diese Woche stellt Vorablesen "Ein feiner dunkler Riss" vor und ich musste unbedingt reinschnüffeln.

"Ein feiner dunkler Riss" von Joe R. Lansdale
Suhrkamp Verlag
351 Seiten
8,99 € (Taschenbuch)
Erscheint am 17.02.2014
(Die Leseprobe von vorablesen findet ihr hier.)







Beide Bücher, die ich bisher von Joe R. Lansdale gelesen habe, spielten in den frühen Dreißigerjahren. Beide Bücher haben mich durch ihre interessanten Charaktere und den besonderen geschichtlichen Hintergrund (Rassenproblematik und Klu Klux Klan) absolut überzeugt. Die beschriebenen kleinen Örtchen voll von Vorurteilen und Hass, aber auch großer Herzlichkeit und Menschlichkeit kamen immer sehr authentisch rüber. Dazu kommt der besondere Humor des Autors, der den Protagonisten immer eine ganz eigene, sympathische Stimme verleiht.
"Ein feiner dunkler Riss" spielt diesmal in den Fünfzigerjahren, scheint aber vom historischen Hintergrund genauso viel Spannendes zu bieten. Der Protagonist Stan meldet sich von Anfang an mit dem typischen Humor und Sarkasmus zu Wort und bei der Art und Weise wie er sich selbst vorstellt freue ich mich schon auf Stans "Ermittlungen":

"Ich hatte so viel Ahnung von Gott und der Welt wie ein Schwein von Essbesteck und Tischmanieren. Für mich war Sex noch das, was zwischen Fünf und Sieben kommt." 
- "Ein feiner dunkler Riss" von Joe R. Lansdale, S. 14

Eigentlich wollte ich gar nicht näher in die Leseprobe und Geschichte absteigen, bei Joe R. Lansdale bin ich dann nämlich immer ganz schnell mittendrin und dann? Dafür ist eine Leseprobe eigentlich viel zu kurz!
Und dann ist es passiert: schon die Beschreibungen der kleinen Stadt Dewmont, Stans unheimlich coolen Freundes Richard und der Lebensweise damals haben mir unglaublich viel Spaß gemacht (und das obwohl ich den Fünfzigerjahren sonst vom Lebensgefühl mit Rockabilly nicht viel abgewinnen kann). Jetzt schon habe ich mich also wieder in die "Erzählweise" der Geschichte verliebt und will am liebsten nicht mehr aufhören.

"Bestimmte Wörter, die heute mit größter Selbstverständlichkeit ausgesprochen werden, fielen damals in anständiger Gesellschaft äußerst selten. Selbst die Worte »verdammt« und »Scheiße« konnten, wenn Frauen anwesend waren, eine Unterhaltung so gewiss zum Verstummen bringen wie ein Schlachthammer eine Kuh"
- "Ein feiner dunkler Riss" von Joe R. Lansdale, S. 14

So wie die Kuh vom Schlachthammer werde ich gerade von der Müdigkeit zum Schweigen gebracht. Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass ich hoffe, dass ich dieses Buch lesen darf... sonst wird es früher oder später definitiv hier einziehen :-)... ich freu mich schon!

Sonntag, 19. Januar 2014

Rezension: Teufelsbande von Andreas Franz / Daniel Holbe

Ich habe schon einige Julia Durant Bücher gelesen und wollte bei der Lesung von Daniel Holbe am 12.12.2013 eigentlich nicht unbedingt ein Buch kaufen. „Später kauf ich’s mir vielleicht, oder so…“ dachte ich. Während der Lesung wurde mir das Buch dann so schmackhaft gemacht, dass ich doch nicht anders konnte und direkt eins mitgenommen habe (so gab es außerdem die Chance auf ein signiertes Exemplar). Mittlerweile habe ich den Krimi gelesen und bin mit meinem Spontankauf sehr zufrieden!

„Teufelsbande“ von Andreas Franz / Daniel Holbe
Knaur Verlag
512 Seiten
9,99 € (Taschenbuch)








Auf der Frankfurter Kaiserleibrücke wird ein brennendes Motorrad entdeckt, darauf sitzt der völlig verkohlte Fahrer. Schnell ist klar, dass das kein Unfall, sondern ein kaltblütig inszenierter Mord ist. Doch wer hasst diesen Mann so sehr, dass er ihn an seine Maschine gefesselt in aller Öffentlichkeit verbrennen möchte? Gemeinsam mit Peter Brandt aus Offenbach ermittelt Julia Durant in diesem Fall. Einem Fall, der sich um Konflikte im Rockermilieu aber auch ganz private Probleme dreht.
Zu den Details des Falles möchte ich gar nicht mehr sagen, als auch der Klappentext verrät, einfach weil ich es besser finde sich von dem Buch mitnehmen zu lassen und quasi gemeinsam mit den Ermittlern in dieses düstere Milieu abzusteigen.
Ich war vorher ein wenig skeptisch. Einerseits habe ich mich auf die Thematik gefreut, andererseits hatte ich Bedenken, dass es in die Richtung „Drogen, Prostitution, Bandenkrieg“ abdriftet und alte Klischees wiederkäut. Das ist hier aber nicht passiert! Julia Durant und Peter Brandt bewegen sich natürlich in der Biker-Szene und treffen da auch auf typische Probleme, beleuchten den Fall aber auch von einer sehr persönlichen Seite.
Positiv aufgefallen ist mir außerdem, dass mir Julia Durant immer sympathischer wird. Sie ist nicht mehr das „Reibeisen“ von Früher, das knallhart ermittelt und den Gangstern in Kaltschnäuzigkeit nicht nachsteht. Mittlerweile ist ihre Figur deutlich menschlicher, dabei aber nicht weniger scharfsinnig geworden. So ist sie mir als Protagonistin viel mehr ans Herz gewachsen.
Ein weiterer positiver Punkt ist das hohe Tempo des Buches, die Ermittlungen entwickeln sich ständig weiter und neue Charaktere, wechselnde Hypothesen über den Fall sowie einige besondere Zwischenfälle sorgen für Spannung.
Bei allem Positiven so fand ich doch auch Schade, dass man als Leser keine Chance hatte sich die Hintergründe der Tat anhand der Ermittlungen zusammen zu reimen. Das verhindert zwar, dass man dann ganz schnell weiß wo’s langgeht und nicht mehr überrascht werden kann, aber es ist, wenn man (wie ich) mitfiebert und Hypothesen aufstellt, eben ein bisschen Schade. Trotzdem war das Buch bis zum Ende spannend, die Auflösung gut gelungen und hat die Handlung für mich abgerundet.
Leider blieben mir ein – zwei der Biker etwas zu blass, vermutlich war das von der Handlung her so gewollt und sollte bewusst Verwirrung stiften, es hat für mich aber nicht zur detaillierten Ausgestaltung der übrigen Charaktere gepasst.

Unterm Strich hat mir „Teufelsbande“ sehr gut gefallen, daher vergebe ich 4 von 5 Leseratten... die ich gerade noch davon abhalten konnte Lederjacken anzuziehen… ;-).

Sonntag, 5. Januar 2014

Rezension: Die Engelmacherin von Camilla Läckberg

Bei Vorablesen hatte ich im Dezember richtig Glück, trotz unheimlich vielen Teilnehmern durfte ich „Die Engelmacherin“ von Camilla Läckberg lesen, das schon seit ich es in der Verlagsvorschau gesehen habe auf meinem Wunschzettel stand. Jetzt habe ich es beendet und bin begeistert!

"Die Engelmacherin" von Camilla Läckberg
464 Seiten
19,99 € (Hardcover)

(Eine Leseprobe von vorablesen findet ihr hier)







Ebba Stark kommt gemeinsam mit ihrem Mann zurück in ihr Geburtshaus nach Fjällbacka, um den Tod ihres Sohnes zu verarbeiten. Zwar ist es das Haus ihrer Eltern, doch Ebba hat keinerlei Erinnerungen an ihre Familie oder das Leben dort. Die Familie verschwand 1974 ohne jede Spur, nur Ebba ließen sie zurück. Als nach Ebbas Rückkehr ein Mordanschlag auf sie verübt wird, kommt ihr die Vergangenheit näher, als ihr lieb ist.
„Die Engelmacherin“ war mein erster Krimi von Camilla Läckberg und hat mich absolut begeistert. Man steht sofort mitten in der Geschichte um Ebba und ihren Mann Marten, taucht aber auch in die Passagen aus der Vergangenheit des alten Hauses sehr schnell ab. Ich mag es immer, wenn in Geschichten mehrere Zeitebenen verbunden werden. In wenigen Büchern ist das so gut gelungen wie hier. Die Passagen aus der Vergangenheit sind allesamt recht kurz und bilden eine Auflockerung der Geschichte ohne sie auseinander zu reißen, schaffen es trotz aller Knappheit aber selbst, einen eigenen Erzählstrang zu entwickeln (dem man unbedingt folgen möchte). Am Ende wird dann einfach alles fantastisch verbunden.
Bemerkenswert sind auch die Charaktere des Buches, sie wirken alle sehr detailliert und liebevoll herausgearbeitet. Trotz einer Menge an Protagonisten hatte ich so nie das Gefühl, dass mir einzelne Charaktere entgehen oder ich sie nicht auseinanderhalten kann. Das passiert mir oft, wenn sie zu blass dargestellt bleiben.
„Die Engelmacherin“ ist ein Krimi mit einer klugen Handlung, der perfekt geschichtliche Fakten und eine spannende Geschichte verwebt. Auch hier ist es gelungen ohne viel Blutvergießen über einen langen Zeitraum die Spannung aufrecht zu erhalten und den Leser bis zum Ende zu fesseln. Das macht für mich einen guten Krimi aus. Dass die geschichtlichen Hintergründe so exakt recherchiert waren hat mich dann völlig fasziniert. (Ich habe alles nachgeschlagen und war begeistert wie viele Details in die Handlung eingewoben wurden.)
Nicht alle Wendungen und Lösungen kamen wirklich überraschend, aber insgesamt hat mich das Buch trotzdem bis zum Ende gebannt. Ich kann daher mal wieder nicht anders (ich hoffe Susi schimpft nicht zu sehr ;-)...) und muss dem Buch 5 von 5 Leseratten verleihen!
 

Vielen Dank an Vorablesen und den List Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Dienstag, 10. Dezember 2013

Angelesen: Unschuldslamm von Judith Arendt

Im Moment hat Vorablesen richtig viele tolle Bücher im Programm, auf die ich mich alle wahnsinnig freue. Und obwohl heute die Nachricht kam, dass ich "Die Engelmacherin" von Camilla Läckberg gewonnen habe (*yippieee*) kann ich nicht genug kriegen und musste nur gaaaaanz kurz in die Leseprobe von "Unschuldslamm" reinschnüffeln.

"Unschuldslamm" von Judith Arendt
Ullstein Verlag
320 Seiten
9,99 € (Taschenbuch)
Erscheint: 04.01.14
(Eine Leseprobe von vorablesen findet ihr hier)







Ich habe eine Freundin, die möchte unheimlich gern Schöffin werden und findet alles dazugehörige ziemlich spannend. Ein Krimi über eine Schöffin, das habe ich so noch nicht gesehen und war damit schon mit dem Untertitel des Buches "gefangen". Auf diesen Aspekt der Geschichte bin ich also jetzt schonmal richtig gespannt.
Und nicht nur das Thema finde ich interessant, die Leseprobe ist super geschrieben und obwohl noch nicht viel vom eigentlichen "ersten Fall" der Schöffin verraten wird, war ich richtig enttäuscht als die Leseprobe plötzlich zuende war.
Im ersten Abschnitt "durchleidet" man mit Derya, einem jungen kurdischen Mädchen, ihre furchtbaren Ferien in der Türkei. Sie muss ihre Sommerferien weit ab von ihrem Freund verbringen, weil ihr Vater Familienangelegenheiten mit seinen vielen Cousins klären möchte. Irgendwie scheint auch Derya darin verwickelt zu sein.
Im nächsten Abschnitt lernen wir dann die Schöffin Ruth Holländer kennen, chaotisch aber liebenswert, mit einer pubertierenden Tochter gestraft und irgendwie herzlich war mir diese Protagonistin sofort sympathisch... wie gesagt, viel zu schnell war die Leseprobe beendet.

Ich bin gespannt, ob ich das unverschämte Glück habe auch dieses Buch zu gewinnen. Falls nicht werde ich definitiv versuchen es mir zu ertauschen.