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Freitag, 8. August 2014

Angesehen/Filmfreitag: Dallas Buyers Club


Die niemals still stehende Alex hat sich schon wieder etwas neues für euch ausgedacht: Den Filmfreitag! An diesem Tag werden wir euch Filme vorstellen, die wir euch ans Herz legen oder vor denen wir euch warnen wollen. Da mein Mann und ich uns letztens seit langem mal wieder einen Videoloadabend gegönnt haben, drängel ich mich heute vor. Die Filmfreitagpremiere soll schließlich gebührend gefeiert werden: Mit einem oscarpremierten Film, der vor Kurzem auf DVD erschienen ist:

"Dallas Buyers Club"

Produktionsjahr: 2013
Erscheinungstermin DVD/Blu-ray: 22.07.2014

Spiellänge 117 Minuten

FSK: 12

12,99 € (DVD) oder 15,99 € (Blu-ray)


Oscar: Bester Hauptdarsteller, Bester Nebendarsteller, Bestes Make-Up & Hairstyling

Ron Woodroof (Matthew McConaughy) ist das Negativklischee eines texanischen Cowboys: Er liebt Rhodeo, kokst, hurrt, trinkt und kennt keine Toleranz gegen irgendeine Randgruppe. Eines Tages erleidet er auf der Arbeit einen Stromschlag und wird ins Krankenhaus eingeliefert. Die Diagnose - Aids. Wir schreiben das Jahr 1985 und die Ärzte geben ihm noch 30 Tage zu leben. Ron akzeptiert es nicht und denkt, es kann sich nur um einen Irrtum handeln. Schließlich ist der Testosteronmacho alles andere als homosexuell. Bis sein schlechter Gesundheitszustand ihn dazu bringt zu recherchieren und er herausfindet, dass besonders Drogensüchtige und Menschen, die ungeschützten Sex haben gefährdet sind. Da sein Dealer ihm gelegentlich in dunklen Ecken Kundinnen von ihm angeboten hatte, wird Ron klar: Es ist wahr - er wird sterben.

Als er nach einem weiteren Zusammenbruch im Krankenhaus landet, lernt er den Transsexuellen, ebenfalls aidskranken Rayon (Jared Leto) und die Ärztin Dr. Eve Saks (Jennifer Garner) kennen und erfährt, dass die neueste Hoffnung der Pharmaindustrie auf Besserung bei Aids-Patienten AZTheißt. Da er an der aktuellen Studie nicht teilnehmen kann, besorgt sich der erfahrene Dealer Ron das Medikament auf illegalen Wegen. Als seine Quelle erschöpft ist, reist er nach Mexiko zu einem amerikanischen Arzt, der seine Zulassung verloren hat. Dort erhält er zwar nicht, was er erwartet hat, aber echte Hilfe: Dank Vitaminpräperaten und Tipps zu gesunder Lebensführung geht es ihm immer besser. Dieses Wissen will er nutzen - ganz nach alter Manier naürlich um Geld zu verdienen. Er schmuggelt so viele Präperate, wie er tragen kann, in die USA und beginnt den Verkauf auf der Straße. Als homophober Cowboy blühen seine Geschäfte jedoch erst richtig auf, als er mit dem Transsexuellen Rayon gemeinsame Sache macht. Derweil kommen Dr. Saks immer mehr Zweifel an der Wirksamkeit von AZT auf ...

Es gäbe noch so viel mehr zu erzählen: Wieso Schmuggel - es sind doch nur Vitamine? Wieso Dallas Buyers Club? Werden es Ron und Rayon schaffen? Was wird aus Dr. Saks? Aber dafür müsst ihr den Film gucken und aus sooo vielen Gründen mehr. Dallas Buyers Club ist sicher keine leichte Kost, doch niemals emotional manipulierend, sondern eine unglaublich präzise, spannende, authentische Darstellung einer wahren Geschichte. Alle drei Oscars sind unglaublich verdient - nicht nur weil beide Schauspieler so viel für die Rollen abgenommen haben. Sie scheinen ihre Figuren geworden zu sein. Dabei ist der Film auch unterhaltsam, witzig und lebensbejahend - und zwar wirklich. Nicht aller Precious! Deswegen muss man meiner Ansicht nach keine Berührungsängste haben, muss nicht besonders in der Stimmung für schwere Kost sein - diesen Film kann man immer gucken. Er ist einfach sehr gut und kann unumwunden jedem empfohlen werden. So etwas gibt es ganz selten bei Filmen, deswegen auch verdiente 5 von 5 Kinoratten.




Der Film in einem Zwitschern:
Dallas Buyers Club zurecht oscarpremiert: authentisch & lebensbejahend - ein Cowboy im Kampf gegen Aids, Pharmaindustrie & eigene Homophobie

Sonntag, 20. Juli 2014

Angesehen: Milk

Vor ein paar Tagen sollte ich einen neuen Receiver bekommen, was bedeutete, dass alle meine zum Teil uralten Aufnahmen auf der Festplatte dahin gewesen wären - also galt es gucken, gucken, gucken. Ein Film hat mir dabei besonders gut gefallen:

"Milk", Constantin Film

Produktionsjahr: 2008

Spiellänge 123 Minuten

FSK: 12

10,22 € (DVD) oder 12,99 € (Blu-ray)



"Milk" ist die filmische Biografie des Stadtrates Harvey Milk, der in den 70ern der erste bekennende homosexuelle Politiker in einem öffentlichen Amt wurde. Der Film beginnt an Harveys 40. Geburtstag, an dem er in New York seine große Liebe trifft und mit ihr (oder besser gesagt ihm) nach San Francisco geht, weil er das Gefühl hat etwas verändern zu müssen. In San Francisco leben sie in dem Arbeiterviertel Castro, in dem er auch eine große Schwulengemeinde gibt und wo sie ihre Sexualität offen leben können.

Harvey beginnt zu begreifen, dass sich die Homosexuellen organisieren müssen, um zu zeigen, dass sie von Bedeutung sind und umso mehr Anerkennung zu gewinnen. Zunächst bezieht sich das auf die Ladeninhaber im Viertel, doch bald geht es um mehr - Harvey will Stadtrat werden, um wirklich etwas verändern zu können. Nach mehreren Wahlkämpfen geht die Beziehung zu seinem Partner in die Brüche, aber er gewinnt. Harvey lernt stückchenweise was Politik bedeutet und entwickelt eine ganze neue Strategie im Unabhängigkeitskampf für die Homosexuellen: Wenn alle Homosexuellen zu ihrer sexuellen Orientierung stehen würden, würden die Leute sehen, dass es nichts abnormales ist, sondern weit verbreitet und jeder jemanden kennt, der homosexuell ist. Dann würden sie ihr Schmuddelimage verlieren und endlich Anerkennung gewinnen.

Die Darbietung von Sean Penn und allen weiteren Schauspielern ist sehr beeindruckend. Im Abspann des Filmes gibt es einen kleinen Vergleich zwischen Schauspieler und Originalen, von denen viele Fotos und Videos existieren. Diese Vergleiche zeigen, wie nah die Schauspielern den echten Menschen gekommen sind, allen voran Sean Penn Harvey Milk. Er hat das herzensgute, lebensfrohe und dennoch leidenschaftliche Wesen von Harvey sehr gut eingefangen.

Der Film ist unterhaltsam, witzig, spannend und unheimlich interessant. Ich war schockiert, welche Vorstellungen vor noch nicht einmal 40 Jahren noch herrschten und welche Verfolgung Homosexuelle in den USA fürchten mussten (und sicher auch anderswo in der Welt). Die zum Teil verqueren Vorstellungen der restlichen Bevölkerungen sind aus heutiger Welt verstörend bis belustigend. Oder hattet ihr schon einmal das Gefühl, dass Homosexuelle versuchen, euch umzudrehen bzw. zu rekrutieren, um ihre eigene Art zu erhalten, weil sie selbst ja keine Kinder kriegen können?

Ich kann diesen Film nur jeden ans Herz legen: Die vier von fünf Kinoratten sollen keine Abwertung des Filmes sein - hier ist wie immer mein hartes Bewertungssystem schuld. Ich sehe das einfach nur im Vergleich zu anderen Meisterwerken, denen die fünf vorbehalten bleiben sollten.


Der Film in einem Zwitschern:

"Witzig, herzergreifend, schockierend, wahrhaftig: Milk ist ein würdiger Film für einen außergewöhnlichen Menschen."