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Donnerstag, 11. September 2014

Rezension: Priscilla. Von Liebe und Überleben in stürmischen Zeiten von Nicholas Shakespeare

Susi hat mich mit „Madame Hemingway“ auf den Geschmack gebracht. Seitdem halte ich immer die Augen offen und suche nach guten, belletristisch aufbereiteten Biografien. Also Büchern, die das Leben eines Menschen nicht nur in Fakten erfassen, sondern auch die Geschichte eines Lebens erzählen.
Über „Priscilla“ bin ich beim Stöbern in der Mittagspause gestolpert. Beim Recherchieren habe ich mich dann gewundert, dass so gut wie keine Rezension zu diesem Buch zu finden war. Jetzt, nachdem ich das Buch beendet habe, wundert mich das umso mehr.

„Priscilla. Von Liebe und Überleben in stürmischen Zeiten“ von Nicholas Shakespeare
512 Seiten
22,99 € (Hardcover)








Nicholas Shakespeare lernte als kleiner Junge seine Tante Priscilla kennen. Sie war eine zurückgezogene, irgendwie geheimnisvolle Frau. Nach ihrem Tod erfuhr der Autor, dass auch für seine Mutter die eigene Schwester lange Zeit ein Geheimnis war. Er beschließt Nachforschungen über Priscillas Leben anzustellen, dabei kommt ihm eine Kiste voll Tagebücher, Briefe und Notizen zu Hilfe, die in Priscillas Nachlass gefunden wird. Priscilla selbst wollte ein Leben lang ihre Biografie niederschreiben und veröffentlichen, dies gelang ihr leider nie. Nicholas Shakespeare erfüllt seiner Tante nun postum diesen Wunsch. Zu Erzählen hatte Priscilla genug, das Leben der jungen Frau vor dem zweiten Weltkrieg und auch während der Zeit im besetzten Paris ist von vielen Hochs und Tiefs geprägt.
Obwohl der Autor seine Tante nur in jungen Jahren kennenlernte und zu ihren Lebzeiten nicht viel über sie erfuhr, ist diese Biografie voll Herz und Wärme geschrieben. Priscilla wird nicht als Heldin verklärt, sondern auch ihre Fehltritte und Schwächen werden besprochen, aber die Geschichte die er erzählt, lässt das Bild einer facettenreichen und empfindsamen Frau entstehen. Die vielen authentischen Dokumente, die in diese Biografie eingearbeitet wurden, lassen dabei das Gefühl aufkommen, dass Priscilla selbst zu Wort kommt. Und das ist auch tatsächlich häufig der Fall. Der Autor hat Teile von Priscillas selbst verfassten Erinnerungen wunderbar in seine Erzählung eingewoben und schafft dadurch einen noch direkteren Bezug zu seiner Tante. Diese fand gegen Ende ihres Lebens Trost im Schreiben.

„Nur im Geheimen, in ihrem Zimmer, versuchte Priscilla, ihr Leben in Ordnung zu bringen, indem sie das Geschehene aufzeichnete. Es war ein Akt der Selbstbestätigung, eine Form, zu sagen: ‚Ich bin noch da, ich bin nicht verschwunden!‘“ S. 449

Obwohl es die Biografie einer ganz normalen Frau ist, kommen viele Verbindungen zu schillernden Persönlichkeiten der damaligen Zeit zum Vorschein und haben mich ganz schön ins Schwärmen gebracht. Von Sugar Ray Robinson über Alfred Hitchcock haben Priscilla und ihre Freunde weitreichende Verbindungen.
Später kommen auch weniger glorreiche Kontakte zu bedeutenden Nazis dazu, aber auch das ist nun mal Teil ihres Lebens. Diese Abschnitte waren für mich besonders spannend. Das Leben der Frauen im besetzten Frankreich und generell das Leben der jungen Frauen zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges wird sonst wenig besprochen, bekommt aber in diesem Buch ein plastisches Gesicht. Welche Verbindungen Priscilla einging, um ihr Überleben zu sichern, oder auch weil sie sich nicht gegen Liebe wehren konnte (oder wollte), ist spannend zu erfahren.
Die vielen Fotos von Priscilla haben mich zusätzlich ins Herz getroffen. Auf den Fotos ist eine junge, hübsche Frau zu sehen, die einen über die Zeit hinweg direkt anzusehen scheint. Die vielen Verehrer, die sie während ihres Lebens verzauberte, kann man gut verstehen.
 
Obwohl die Jahre des zweiten Weltkriegs besonders thematisiert werden ist „Priscilla“ kein Buch über den Krieg. Es geht vor allem um Liebe und Treue, um die Suche nach Glück und die vielen kleinen und großen Entscheidungen, die am Ende ein Leben ausmachen.
Ich kann „Priscilla“ nur jedem ans Herz legen. Diese Biografie hat mich bewegt, wie keine andere zuvor und ich bin froh, dass Priscilla all die Dokumente ihres Lebens aufbewahrte und Nicholas Shakespeare sie nutzte, um Geschichte seiner Tante zu erzählen.

„Auf Boisgrimot hatte Priscilla gehört, wie ihr Vater im Radio erklärte, man dürfe niemals Briefe und Tagebücher vernichten, auch wenn sie vielleicht nur Klatsch und Tratsch enthielten: ‚Sie können unbezahlbar sein, unvergängliche Zeugnisse menschlichen Muts in Zeiten allgemeiner Mutlosigkeit.‘“ S. 418

Ich vergebe 5 von 5 Leseratten und einen Platz in meiner persönlichen Top-20-Liste.


Das Buch in einem Tweet: "Priscilla" zeigt eine junge Frau, die wir mit all ihren Fehlern aber auch Stärken kennenlernen. Die Biografie berührt, fesselt, fasziniert.

Freitag, 8. August 2014

Angesehen/Filmfreitag: Dallas Buyers Club


Die niemals still stehende Alex hat sich schon wieder etwas neues für euch ausgedacht: Den Filmfreitag! An diesem Tag werden wir euch Filme vorstellen, die wir euch ans Herz legen oder vor denen wir euch warnen wollen. Da mein Mann und ich uns letztens seit langem mal wieder einen Videoloadabend gegönnt haben, drängel ich mich heute vor. Die Filmfreitagpremiere soll schließlich gebührend gefeiert werden: Mit einem oscarpremierten Film, der vor Kurzem auf DVD erschienen ist:

"Dallas Buyers Club"

Produktionsjahr: 2013
Erscheinungstermin DVD/Blu-ray: 22.07.2014

Spiellänge 117 Minuten

FSK: 12

12,99 € (DVD) oder 15,99 € (Blu-ray)


Oscar: Bester Hauptdarsteller, Bester Nebendarsteller, Bestes Make-Up & Hairstyling

Ron Woodroof (Matthew McConaughy) ist das Negativklischee eines texanischen Cowboys: Er liebt Rhodeo, kokst, hurrt, trinkt und kennt keine Toleranz gegen irgendeine Randgruppe. Eines Tages erleidet er auf der Arbeit einen Stromschlag und wird ins Krankenhaus eingeliefert. Die Diagnose - Aids. Wir schreiben das Jahr 1985 und die Ärzte geben ihm noch 30 Tage zu leben. Ron akzeptiert es nicht und denkt, es kann sich nur um einen Irrtum handeln. Schließlich ist der Testosteronmacho alles andere als homosexuell. Bis sein schlechter Gesundheitszustand ihn dazu bringt zu recherchieren und er herausfindet, dass besonders Drogensüchtige und Menschen, die ungeschützten Sex haben gefährdet sind. Da sein Dealer ihm gelegentlich in dunklen Ecken Kundinnen von ihm angeboten hatte, wird Ron klar: Es ist wahr - er wird sterben.

Als er nach einem weiteren Zusammenbruch im Krankenhaus landet, lernt er den Transsexuellen, ebenfalls aidskranken Rayon (Jared Leto) und die Ärztin Dr. Eve Saks (Jennifer Garner) kennen und erfährt, dass die neueste Hoffnung der Pharmaindustrie auf Besserung bei Aids-Patienten AZTheißt. Da er an der aktuellen Studie nicht teilnehmen kann, besorgt sich der erfahrene Dealer Ron das Medikament auf illegalen Wegen. Als seine Quelle erschöpft ist, reist er nach Mexiko zu einem amerikanischen Arzt, der seine Zulassung verloren hat. Dort erhält er zwar nicht, was er erwartet hat, aber echte Hilfe: Dank Vitaminpräperaten und Tipps zu gesunder Lebensführung geht es ihm immer besser. Dieses Wissen will er nutzen - ganz nach alter Manier naürlich um Geld zu verdienen. Er schmuggelt so viele Präperate, wie er tragen kann, in die USA und beginnt den Verkauf auf der Straße. Als homophober Cowboy blühen seine Geschäfte jedoch erst richtig auf, als er mit dem Transsexuellen Rayon gemeinsame Sache macht. Derweil kommen Dr. Saks immer mehr Zweifel an der Wirksamkeit von AZT auf ...

Es gäbe noch so viel mehr zu erzählen: Wieso Schmuggel - es sind doch nur Vitamine? Wieso Dallas Buyers Club? Werden es Ron und Rayon schaffen? Was wird aus Dr. Saks? Aber dafür müsst ihr den Film gucken und aus sooo vielen Gründen mehr. Dallas Buyers Club ist sicher keine leichte Kost, doch niemals emotional manipulierend, sondern eine unglaublich präzise, spannende, authentische Darstellung einer wahren Geschichte. Alle drei Oscars sind unglaublich verdient - nicht nur weil beide Schauspieler so viel für die Rollen abgenommen haben. Sie scheinen ihre Figuren geworden zu sein. Dabei ist der Film auch unterhaltsam, witzig und lebensbejahend - und zwar wirklich. Nicht aller Precious! Deswegen muss man meiner Ansicht nach keine Berührungsängste haben, muss nicht besonders in der Stimmung für schwere Kost sein - diesen Film kann man immer gucken. Er ist einfach sehr gut und kann unumwunden jedem empfohlen werden. So etwas gibt es ganz selten bei Filmen, deswegen auch verdiente 5 von 5 Kinoratten.




Der Film in einem Zwitschern:
Dallas Buyers Club zurecht oscarpremiert: authentisch & lebensbejahend - ein Cowboy im Kampf gegen Aids, Pharmaindustrie & eigene Homophobie

Sonntag, 20. Juli 2014

Angesehen: Milk

Vor ein paar Tagen sollte ich einen neuen Receiver bekommen, was bedeutete, dass alle meine zum Teil uralten Aufnahmen auf der Festplatte dahin gewesen wären - also galt es gucken, gucken, gucken. Ein Film hat mir dabei besonders gut gefallen:

"Milk", Constantin Film

Produktionsjahr: 2008

Spiellänge 123 Minuten

FSK: 12

10,22 € (DVD) oder 12,99 € (Blu-ray)



"Milk" ist die filmische Biografie des Stadtrates Harvey Milk, der in den 70ern der erste bekennende homosexuelle Politiker in einem öffentlichen Amt wurde. Der Film beginnt an Harveys 40. Geburtstag, an dem er in New York seine große Liebe trifft und mit ihr (oder besser gesagt ihm) nach San Francisco geht, weil er das Gefühl hat etwas verändern zu müssen. In San Francisco leben sie in dem Arbeiterviertel Castro, in dem er auch eine große Schwulengemeinde gibt und wo sie ihre Sexualität offen leben können.

Harvey beginnt zu begreifen, dass sich die Homosexuellen organisieren müssen, um zu zeigen, dass sie von Bedeutung sind und umso mehr Anerkennung zu gewinnen. Zunächst bezieht sich das auf die Ladeninhaber im Viertel, doch bald geht es um mehr - Harvey will Stadtrat werden, um wirklich etwas verändern zu können. Nach mehreren Wahlkämpfen geht die Beziehung zu seinem Partner in die Brüche, aber er gewinnt. Harvey lernt stückchenweise was Politik bedeutet und entwickelt eine ganze neue Strategie im Unabhängigkeitskampf für die Homosexuellen: Wenn alle Homosexuellen zu ihrer sexuellen Orientierung stehen würden, würden die Leute sehen, dass es nichts abnormales ist, sondern weit verbreitet und jeder jemanden kennt, der homosexuell ist. Dann würden sie ihr Schmuddelimage verlieren und endlich Anerkennung gewinnen.

Die Darbietung von Sean Penn und allen weiteren Schauspielern ist sehr beeindruckend. Im Abspann des Filmes gibt es einen kleinen Vergleich zwischen Schauspieler und Originalen, von denen viele Fotos und Videos existieren. Diese Vergleiche zeigen, wie nah die Schauspielern den echten Menschen gekommen sind, allen voran Sean Penn Harvey Milk. Er hat das herzensgute, lebensfrohe und dennoch leidenschaftliche Wesen von Harvey sehr gut eingefangen.

Der Film ist unterhaltsam, witzig, spannend und unheimlich interessant. Ich war schockiert, welche Vorstellungen vor noch nicht einmal 40 Jahren noch herrschten und welche Verfolgung Homosexuelle in den USA fürchten mussten (und sicher auch anderswo in der Welt). Die zum Teil verqueren Vorstellungen der restlichen Bevölkerungen sind aus heutiger Welt verstörend bis belustigend. Oder hattet ihr schon einmal das Gefühl, dass Homosexuelle versuchen, euch umzudrehen bzw. zu rekrutieren, um ihre eigene Art zu erhalten, weil sie selbst ja keine Kinder kriegen können?

Ich kann diesen Film nur jeden ans Herz legen: Die vier von fünf Kinoratten sollen keine Abwertung des Filmes sein - hier ist wie immer mein hartes Bewertungssystem schuld. Ich sehe das einfach nur im Vergleich zu anderen Meisterwerken, denen die fünf vorbehalten bleiben sollten.


Der Film in einem Zwitschern:

"Witzig, herzergreifend, schockierend, wahrhaftig: Milk ist ein würdiger Film für einen außergewöhnlichen Menschen."

Sonntag, 11. Mai 2014

Rezension: Ein schädlicher Einfluss von Kate Bornstein


Beim Bloggertreffen von lovelybooks und Bastei Lübbe auf der Leipziger Buchmesse dieses Jahr gab es einige Geschenke mit nach Hause zu nehmen. Eins davon ist - zumindest für mich - ein ganz besonderes Juwel.


"Ein schädlicher Einfluss" von Kate Bordstein, Eden Books

14,95 € (Broschiert)

352 Seiten







Schon die ersten anderthalb Seiten waren ein reines Feuerwerk. Es war so unglaublich, dass ich meinen Mitbewohner zu mir rief und sie ihm vorlas. Im Schnelldurchlauf: Kate ist ein schlechter Mensch, denn sie ist eine transsexuelle, jüdische, tätowierte Lesbe und Sadomasochistin, die an Borderline und Magersucht leidet, die ihre Tochter seit Jahrzehnten nicht mehr und ihre Enkel noch nie gesehen hat, denn als Scientologen ist es ihnen nicht gestattet mit einer aus der Organisation Ausgetretenen zu sprechen. Nicht zu glauben? Und dennoch wahr, denn dieses Buch ist keine überdrehte Fiktion, es ist eine Biografie.

Kate nimmt uns mit auf ihre rasante Lebensreise. Sie wollte schon immer ein Mädchen sein - wichtig keine Frau, denn das sind zwei unterschiedliche Geschlechter, wohl wahr. Aber eigentlich fühlt sie sich heute weder als Mann noch als Frau, als ob sie nicht schon genügend Minderheiten angehören würde.

Auf ihrer Suche nach sich selbst und einer Lösung für den Drang ein Mädchen zu sein landet sie bei Scientology und bleibt zwölf Jahre. Sie ist ziemlich erfolgreich und steigt zur Elite um den Gründer von Scientology L. Ron Hubbard auf, sie trifft ihre erste Frau, heiratet und hat eine Tochter - alles noch als Mann. Bis eines Tages ein, nennen wir es Missverständnis, zu ihrem Austritt führt. Und den Beginn eines neuen Lebens darstellt.

Kate verfolgt jetzt wieder ihr Ziel ein Mädchen zu werden - Scientology hatte ihr beigebracht, dass sie geschlechtslos ist und ihr damit einen Ausweg geboten. Doch jetzt wollte sie sich ausleben und erfahren, was es bedeutet, sie zu sein.

Es folgen Jahre voller Experimente, Leugnungen, Neuerfahrungen und schließlich der Umwandlung. Es ist unglaublich ihrer Geschichte zuzuhören und dabei so unfassbar schön, denn sie erzählt es alles mit einem solch inneren Frieden, dass man das Glück, das sie durch diese Selbstverwirklichung erfahren hat, spüren kann.

"Ein schädlicher Einfluss" ist nicht für jeden etwas - ich möchte jeden zartbeseiteten Menschen sehr vor diesem Buch warnen. Es ist schonungslos und ehrlich. Aber es entführt einen in Welten, zu denen man niemals, wenn man nicht selbst Betroffener ist, Zutritt erlangen könnte. Solche Bücher liebe ich am aller meisten, denn das macht Bücher so wertvoll für mich - Welten zu betreten, die mir im wahren Leben verborgen sind.

Dabei ist die Geschichte von Kate jedoch nicht nur ein Bericht eines einzelnen Lebens - es ist ein Manifest, ein Schlachtruf für Individualität und Selbstentfaltung. Tu, was immer dich glücklich macht, auch wenn es keiner versteht, nicht einmal du selbst vielleicht. Gehe neue Wege, die undenkbar sind, wenn du denkst, das sie für dich richtig sind. Wieso nur Teil einer Minderheit sein? Wieso nicht eine eigene Minderheit sein, eine neue schaffen? Warum Klischees erfüllen, warum nicht einfach du sein?

Ich danke Kate für dieses wunderbare Buch - nicht nur weil sie Transsexuellen oder Lesben oder Feministinnen oder so vielen anderen Menschen einen Weg geebnet hat, sondern weil sie den Mut hatte so etwas wunderschönes niederzuschreiben, das jedem Menschen zuruft: Sei du selbst.

Samstag, 18. Januar 2014

Rezension: Tausche Alltag gegen Leben von Franziska Schmitt

Von unserem vorablesen "Blogger des Monats" Gewinn (mehr findet ihr) wollte ich natürlich unbedingt das Reiseerlebnisbuch lesen! Schließlich hatte ich das Gefühl, das es nur mir zuliebe im Paket gelandet war.


"Tausche Alltag gegen Leben" von Franziska Schmitt Droemer Knaur Verlag

8,99 € (Taschenbuch)

256 Seiten








Franziskas Leben ist erfüllt: Sie hat einen Job, der sie fordert, eine sehr innige Beziehung zu ihrer Familie und zwei beste Freundinnen, die dem Alltag Glanz geben. Aber dennoch fehlt ihr etwas. Sie fühlt sich müde und leer. Es fällt ihr immer schwerer Spaß an ihrer Arbeit zu finden und sich zu etwas Neuem zu motivieren.

Während eines Urlaubs mit einer Freundin stellt sie fest, dass das Reisen und Wandern in fremden Ländern ihr viel Freude und Erfüllung bringt. Daraufhin beginnt sie zu recherchieren und zu planen und stellt fest, es ist möglich. Sie kündigt ihren Job und ihre Wohnung und startet für ein Jahr zu einer Backpacker-Reise durch Asien.

Ich red mal nicht drum herum: Das Buch war überhaupt nichts für mich. Zu aller erst haben mich die ständigen Fragezeichen gestört - ich glaube Frau Schmitt sofort, dass sie ein zweifelnder Mensch ist. Die ständige Fragerei "Ist das richtig?" "Soll ich das machen?" war leider einfach nur nervend.

Ein weiterer Punkt war, dass es meistens nur um Franziskas Selbstfindung und persönlichen Entwicklung ging. Die Annahme, dass es sich bei diesem Buch um Reiseliteratur handelt, hat sich für mich leider nicht bestätigt. Zumindest nahm es höchstens zehn Prozent der Seiten ein.

Zu guter letzt: Ihr Schlüssel zum Glück war natürlich ein Mann! Es tut mir Leid - das kann ja wirklich sein und ich freue mich, dass sie ein neues Leben angefangen hat und kein Single mehr ist. Aber mir als Feministin dreht sich der Magen um, wenn eine Frau ihr erfülltes Leben aufgibt und ihr neues Glück allein aus dem Kennenlernen eines Mannes bezieht. Ich denke nicht, dass es wirklich so war. Aber unterschwellig (gewollt oder nicht) stellt sie es so dar.

Ich möchte dieses Buch nicht abschließend bewerten. Schlecht wäre gemein, denn es war einfach nicht mein Buch. Mittel wäre ungerecht, denn es ist nicht so gut wie andere Bücher in dieser Kategorie. Und gut war es schon gar nicht. Es ist einfach nett, deswegen einfach keine Ratten für diesen Selbstfindungstrip.

Freitag, 15. November 2013

Rezension: Bob, der Streuner von James Bowen

Nach einem ziemlich miesen Mittwoch und einer verpassten Sneak hat mir mein Mann als kleines Trostpflaster „Bob, der Streuner“ von James Bowen mitgebracht (da bin ich schon länger drum herum geschlichen). Die letzten beiden Abende war dies für mich ein nettes kleines Buch zwischendurch und eine große Aufheiterung.

„Bob, der Streuner - Die Katze, die mein Leben veränderte“ von James Bowen
Bastei Lübbe
256 Seiten
8,99 € (Taschenbuch)







James Bowen ist ganz unten angekommen, als er in seinem Hausflur einem kleinen ausgehungerten Kater begegnet. James lebt in einer Sozialwohnung, treibt sich aber hauptsächlich auf der Straße herum und verdient sich mit Straßenmusik ein bisschen Geld dazu. Er kämpft mit dem Heroinentzug und ist mit seinem Leben eigentlich überfordert. Zu diesem Zeitpunkt tritt Bob in sein Leben. James sieht, dass dem kleinen Kater dringend geholfen werden muss und nimmt ihn zu sich. Damit muss James das erste Mal in seinem Leben Verantwortung übernehmen und kämpft sich dadurch, gemeinsam mit Bob, zurück ins Leben.
Über dieses Buch wurde viel gesprochen. In einigen Nachrichtensendungen wurde über den Straßenmusiker mit seinem charismatischen Kater berichtet und mich hat diese Geschichte sehr gefreut. Die Geschichte von James und Bob ist nämlich kein großes Kino, sondern eine dieser kleinen, schönen und vor allem echten Fügungen die das Leben so schreibt. Das merkt man dem Buch auch an. Es ist in einem ziemlich holperigen Stil geschrieben und erzählt ganz einfach die Geschichte dieser beiden Freunde. Manchmal wirkt die Erzählweise etwas unstrukturiert und die Erlebnisse gehen an einigen Stellen nicht so gut ineinander über. Trotzdem liest sich das Buch flüssig und man hat das Gefühl James würde direkt von seinen Erlebnissen berichten. Für diese Art von Geschichte passt der Stil also einfach.
Wenn man nie mit Katzen zu tun hatte klingen manche Erlebnisse die James beschreibt vielleicht unglaubwürdig. Aber selbst wenn man selbst schon einiges mit den Samtpfoten erlebt hat merkt man, dass Bob eine ganz besondere Katze sein muss. Ich habe während des Lesens immer an unseren alten Kater gedacht, der leider schon im Katzenhimmel weilt, und vermutlich kennt jeder Katzenbesitzer unzählige eigene besondere Momente mit seinem Stubentiger.
Über dieses Buch möchte ich gar keine langen Worte machen, es ist eine nette Lektüre für Katzenfreunde, eine Liebeserklärung an Katzen und ein Buch das Mut macht, wegen der Geschichte aus der es hervorgegangen ist. Normalerweise würde ich jetzt noch über den Schreibstil und die Geschichte nachdenken, aber in diesem Fall wird das dem Ziel des Buches nicht gerecht. Daher kurz und gut 4 von 5 Leseratten.

Samstag, 26. Oktober 2013

Filmrezension: Victoria die junge Königin

In Vorbereitung zu meinem London Trip habe ich mir "Victoria die junge Königin" angesehen, um mich ein bisschen in die englische Geschichte einzufühlen, die in Großbritanniens Hauptstadt allgegenwärtig ist und war überrascht von der emotionalen Tiefe des Films. 


Spiellänge: 100 Minuten
Produktionsjahr: 2009

6,97 € (DVD) bzw. 8,97 € (Blu-ray)









Wenn ich an Königin Victoria denke, habe ich immer das Bild von ihr als alter Frau vor mir. Ich kannte die Geschichte von ihr und ihrem Mann Albert bereits und dass ihre Liebe so groß war, dass sie, obwohl sie ihn fast 40 Jahre überlebte, bis zu ihrem Lebensende um ihn trauerte. Und ich kenne natürlich den in Stein gehauenen Liebesbeweis: Die Royal Albert Hall. Dennoch konnte der Film mir eine ganz neue Sichtweise eröffnen.

Der Film beginnt kurze Zeit vor der Thronbesteigung von Königin Victoria. Es fällt einem am Anfang sehr schwer zu folgen, da man die Machtverhältnisse und die zahlreichen damit verbundenen Personen nur präsentiert und nicht weiter erläutert bekommt. Es war dennoch möglich.

Sehr schnell tritt Albert in ihr Leben, denn eigentlich sollte er nur aus machtpolitischen Gründen, um den Einfluss seiner adligen Familie zu stärken, um ihr Herz werben. Bald stellen die beiden aber fest, dass sie unabhängig davon sich sehr ähnlich sind und es entsteht zunächst eine innige Briefbeziehung zwischen den beiden.

Der Film zeigt in wunderbarer Weise diese besondere und tiefe Beziehung und man fiebert mit, wann sie endlich zueinander finden werden: Sie will zum einen nicht so schnell wieder unter den Einfluss von jemandem geraten, denn ihr ganzes bisheriges Leben wurde sie von ihrer Mutter und John Conroy, einem Adligen, der hoffte über sie indirekt Macht ausüben zu können, unterdrückt. Er konnte zum anderen aufgrund ihrer hohen Stellung ihr selber keinen Antrag machen.

Ich bin so froh, dass diese wunderschöne Liebesgeschichte mit Emily Blunt und  Rupert Friend junge Gesichter bekommen hat und so herzergreifend und dennoch - historisch wertvoll möchte ich es mal nennen - umgesetzt worden ist. Der Film ist vielleicht keine Ansammlung von geschichtlichen Fakten und Details, aber dennoch gut recherchiert und gleichzeitig unfassbar romantisch. Ein Muss für alle, die während Filmen gerne laut aufseuzen.

Für diesen wunderbaren Film, der sowohl Geschichte als auch Romantik vereint und dabei so leicht ist, dass man ihn immer wieder sehen kann, vergebe ich vier von fünf Kinoratten. Und eine besondere Empfehlung für alle Großbritannienfans und Romantikliebhaber!

Sonntag, 20. Oktober 2013

Rezension: Kleopatra - Ein Leben von Stacy Schiff

Auf der Frankfurter Buchmesse wurde ich durch einen Verlagsmitarbeiter auf „Kleopatra: Ein Leben“ von Stacy Schiff aufmerksam gemacht. Eigentlich wurde das Buch gerade einem anderen Besucher angepriesen, ich hörte die Beschreibung mehr zufällig mit, sah das wunderhübsche Cover und es war um mich geschehen.

„Kleopatra: Ein Leben“ von Stacy Schiff
C. Bertelsmann Verlag
448 Seiten
24,99 € (Hardcover)









„Kleopatra“ ein Name umrankt von vielen Mysterien, Geheimnissen aber auch Vorurteilen. Stacy Schiff versucht in der Biografie „Kleopatra: Ein Leben“ ein wahreres, realistischeres Bild dieser großen Königin zu zeichnen. Doch wie kann man eine Biografie einer Persönlichkeit entwickeln, die vor mehr als zweitausend Jahren lebte? Die Fakten sind rar, viele Quellen nicht neutral und zuverlässig. Von Kleopatra selbst sind keine Niederschriften erhalten. Dennoch prägte diese beeindruckende Königin die Geschichte (nicht nur ihres Landes) nachhaltig.
Stacy Schiff hat nach eigenen Angaben viele der bekannten Quellen neu unter die Lupe genommen, analysierte das Verhältnis der Schreibenden zu Kleopatra und versuchte zu schlussfolgern welche Wahrheit zwischen den Zeilen stecken mag. Ich glaube dies ist ihr ausnehmend gut gelungen. Zwar kann die Autorin keine Fakten herschaffen wo es vorher keine gab, doch das Bild das sie von Kleopatra zeichnet ist vielschichtig und deutlich facettenreicher als die sonst üblichen Klischees der verruchten, männerverschlingenden Pharaonin.-
Über Kleopatras Kindheit und Jugend ist leider nicht viel bekannt. Man weiß, dass Kleopatra eine sehr umfassende Bildung genoss, die sie auf ihr späteres Leben perfekt vorbereitete. Sie wurde in Rhetorik, Geschichte, Philosophie und Mathematik unterrichtet. Trotz aller guten Vorzeichen wird es für Kleopatra trotzdem kein leichtes den ägyptischen Thron zu besteigen. Erst mit ihrer Beziehung zu Julius Caesar kann sie ihre Vormachtstellung sichern. Von da an beginnt Kleopatras Leben als Herrscherin in Ägypten und gottgleiche Königin. Das politische Leben ist dabei stets von Intrigen und Konflikten bestimmt. Gegner werden (auch wenn sie der eigenen Familie angehören) schnell ermordet wenn es die eigenen Interessen erfordern.
Kleopatra wird in dieser Biografie als wirklich faszinierende Frau dargestellt. Gebildet und humorvoll, dabei weniger betörend als die Legenden sie später beschrieben. Vielmehr eine starke Herrscherin und auch gute Freundin sowohl für Julius Caesar als auch später für Marcus Antonius. Ich hatte nicht erwartet ein so vielseitiges Bild dieser starken Frau zu erhalten.
Kleopatra hatte nicht immer ein leichtes Leben, auch ihre Herrschaft wird von Krisen gezeichnet und manchmal ist es neben ihrem politischen Gespür auch eine Prise Glück die ihre Bahnen so günstig lenkt. Insgesamt kann ich Kleopatra und ihre Fähigkeiten nicht anders als „beeindruckend“ beschreiben.

Das Buch bietet eine gelungene Mischung von Berichten über das Leben im damaligen Alexandria und am Hofe von Kleopatra sowie den Erklärungen über die politischen und historischen Begebenheiten sowohl in Ägypten als auch im römischen Reich. Gerade die Beschreibungen des wilden und exotischen Alexandria haben mich völlig gefangengenommen und ich bin richtiggehend ins Träumen gekommen (auch noch nachdem ich das Buch bereits beiseitegelegt hatte). Daneben stehen die politischen Abläufe und Intrigen manchmal leider etwas trocken (obwohl der Stoff genügend Spannung liefern würde).
Ich möchte diesem tollen Buch „nur“ 4 von 5 Leseratten geben da einige eher sperrige Abschnitte den Lesefluss etwas gebremst haben. Trotzdem bleibt „Kleopatra: Ein Leben“ eins meiner Highlights dieses Jahr und wird vermutlich (hoffentlich!) nicht die letzte Biografie sein, die ich euch hier vorstelle.


Vielen Dank an den C. Bertelsmann Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Dienstag, 1. Oktober 2013

Rezension: Madame Hemingway von Paula McLain

Ich lese gern die Biografien und Geschichten von Schriftstellern und deren Frauen. Madame Hemingway war meine bisher zweite Chance das Leben einer Schriftstellerehefrau kennenzulernen und dabei viel über den Charakter einer früheren Zeit zu erfahren. 




„Madame Hemingway“ von Paula McLain 
Aufbau-Verlag 


436 Seiten (plus 16 Seiten Zusatzmaterial und Pariskarte)
9,99 € (Paperback)





Hadley Richardson ist nach den Begriffen ihrer Zeit zu Beginn der Geschichte schon fast eine alte Jungfer: Sie ist 29 Jahre alt, als sie den acht Jahre jüngeren Ernest Hemingway trifft. Noch ist er kein weltbekannter Schriftsteller, noch arbeitet er auf den großen Durchbruch zu und verbringt seine Abende mit trinken und Faustkämpfen. Schnell entwickelt sich eine besondere Beziehung zwischen den beiden, die nach wenigen Tagen in Chicago hauptsächlich aus einem regen, täglich stattfindenden und intimem (und damit meine ich intim im eigentlichen Sinne des Wortes und nichts anrüchiges) Briefwechsel besteht. Ernest macht ihr bereits nach kurzer Zeit einen Heiratsantrag. Wenig später entscheiden sich beide nach Paris zu gehen, um Ernest Traum Schriftsteller zu werden näher zu kommen.
Die Geschichte umfasst vor allem die gemeinsame Zeit in Paris und ist damit erfüllt mit dem Zeitgeist der Zwanziger Jahre. Man bekommt jedoch auch einen sehr guten Eindruck in die empfindliche Seele eines Künstlers, seiner speziellen Bedürfnissen und der großen Aufgabe, die daraus für eine Ehefrau erwächst.
Das Buch ist eher ein Roman als eine Biografie, dadurch liest es sich leicht und flüssig, fast wie eine Liebesgeschichte. Doch auch wenn unbekannte Details und die die Dialoge durch die Fantasie der Autorin gefüllt werden, weiß man instinktiv (und dieses Gefühl wird beim Lesen des Zusatzmaterials bestätigt), dass die Autorin viel Zeit und Recherche investiert hat, um uns die wahre Hadley und den wahren Ernest zu präsentieren. Dafür hat sie u. a. deren umfangreiche Korrespondenz gelesen und kommt so wahrscheinlich sehr nahe an die wahren „Stimmen“ der Figuren heran.
„Madame Hemingway“ ist ein Buch für alle Romantiker, Literaturfans, Künstlerfaszinierte oder Parisliebhaber – alles das bietet einem dieses Buch. Da ich fünf von fünf Leseratten nur für jene Bücher vergeben möchte, die ich am liebsten jedes Jahr aufs Neue lesen möchte, erhält Madame Hemingway von mir vier: Als sehr empfehlenswertes Buch zum lesen und behalten, um irgendwann doch wieder in diese zauberhafte Zeit zurückzugehen, in der eine Schiffsreise nach Paris noch ein echtes Abenteuer war.