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Freitag, 20. Juni 2014

Rezension: Body Farm von Patricia Cornwell

Endlich habe ich eine weitere SUB-Leiche aus dem Stapel geholt und gelesen. „Body Farm“ von Patricia Cornwall hat mir meine Schweigermama ausgeliehen, nachdem wir uns begeistert über die echte Body Farm in Tennessee unterhielten. Da dem Buch der Schutzumschlag fehlt, dachte ich erst es wäre ein in sich abgeschlossener Thriller. Dass das Buch zur Kay Scarpetta Reihe gehört, habe ich erst später gemerkt.

„Body Farm“ von Patricia Cornwell
Kay Scarpetta Reihe Band 5
400 Seiten
9,99 € (Hardcover)








Ein kleines Mädchen wird in einer amerikanischen Kleinstadt ermordet aufgefunden, alle Spuren weisen auf den ersten Blick auf einen bekannten Mörder hin. Doch an der verstümmelten Leiche sind auch andere, seltsame Spuren zu finden. Als dann einer der ermittelnden Polizisten auf mysteriöse Weise ums Leben kommt, werden Kay Scarpetta und ihr Team zu dem Fall gerufen, um die Polizei der Kleinstadt bei den Ermittlungen zu unterstützen.

Für pathologische Krimis habe ich ja, anders als für Thriller der Marke „Nackt und Zerhackt“, noch immer etwas übrig. Akribische Spurensuche und die interessanten wissenschaftlichen Details machen für mich eine ganz besondere Faszination aus. Der Titel klang in dieser Hinsicht vielversprechend und Geschichten über die Body Farm begeistern mich sowieso. Leider hatte das Buch davon nur recht wenig zu bieten. Zwar war die Handlung spannend und die Ermittlungen interessant dargestellt, jedoch nehmen Kay Scarpettas persönliche Probleme einen viel zu großen Anteil des Buches ein.

Ich weiß nicht ob es mir allein so geht, aber ich möchte prinzipiell gerade bei Krimis und Thrillern in sich abgeschlossene Geschichten lesen. Die familiären oder gesundheitlichen Probleme der Ermittler können dabei Randthema sein, sollten aber innerhalb eines Buches wieder abgeschlossen werden. Auf Dauer finde ich es doch extrem anstrengend x Reihen zu verfolgen, in denen jeder Polizeibeamte, Pathologe oder Profiler andere psychische Zerwürfnisse, Affären und Süchte hat. Für die eigentliche Handlung sind diese Randthemen meist völlig unnötig und wenn man nicht gerade die Serie verfolgt, sind sie auch meist nicht sonderlich spannend. Der Hang zur Serie scheint bei vielen Krimiautoren aber ungebrochen und ich habe das Gefühl vor lauter Reihen kaum noch Einzelbände zu entdecken.


Patricia Cornwell mit Kay Scarpetta, Cody McFadyen mit Smoky Barrett, Tess Gerritsen mit Rizoli & Isles, Andres Franz/Daniel Holbe mit Julia Durant… Was sagt ihr zu Autoren mit dem Hang zur Serie?

Für „Body Farm“ von Patricia Cornwell eine Bewertung abzugeben gestaltet sich für mich wirklich schwierig, das Buch hat durch die schon angesprochene starke Verbindung zur Reihe für sich genommen wenig Reize. Die Figuren wurden als bekannt vorausgesetzt und ihre privaten Probleme haben mich nur mäßig interessiert. Da der Krimianteil recht gering war, der beschrieben Fall an sich aber sehr spannend vergebe ich neutrale 3 von 5 Leseratten.


Das Buch in einem Tweet: Fangt nicht mit Band 5 bei einer Reihe an! Spannender Krimi aber verwirrende persönliche Probleme in "Body Farm".

Sonntag, 2. März 2014

SUB-Leichen lesen: "Anatomie der Schuld" von Jefferson Bass

Bevor Susi und ich den Blog gegründet haben hatte ich nie einen wirklichen „Stapel“ ungelesener Bücher, meist waren immer nur ein oder zwei ungelesene Bücher auf Vorrat im Haus. Ein Buch hat sich trotz allem sehr lang bei mir herumgedrückt und ich habe es jetzt endlich mal gelesen „Anatomie der Schuld“ von Jefferson Bass habe ich mir von meiner Schwiegermutter geliehen und (leider) länger nicht beachtet.

Jetzt habe ich es gelesen und es hat mir wirklich gut gefallen. Als ich aber an der Vorbereitung der Rezension saß ist mir aufgefallen, dass es dieses Buch nicht mehr zu kaufen gibt. Also natürlich könnt ihr es über einen der vielen Gebrauchthändler finden, aber neu oder gar als ebook gibt es das Buch nicht mehr.

Da habe ich gleich angefangen mich grundsätzlich zu fragen, wie das für euch Leser eigentlich ist… möchtet ihr, dass auch die alten Bücher vorgestellt werden und ich euch so den Mund wässrig mache auf ein Buch, dass man vielleicht nur noch schwierig auftreiben kann?

Ich selbst bin mir da zwar auch nicht so sicher, habe mich aber vorerst entschieden diese Bücher hier ganz normal vorzustellen. Vielleicht mit einem kurzen Tipp wo man sie noch auftreiben kann. Nur weil sie nicht mehr neu verfügbar sind, heißt das nicht, dass die Bücher nicht gut und lesenswert sind. Bei den hunderten von Neuerscheinungen jedes Jahr ist es ja gar nicht verwunderlich, dass nicht jedes Buch lang zur Verfügung steht.

„Anatomie der Schuld“ von Jefferson Bass
Goldmann Verlag
416 Seiten
Gebraucht ab 0,94 € bei Amazon-Marketplace









„Anatomie der Schuld“ ist ein spannender und atmosphärischer Thriller rund um den Forensiker Dr. Bill Brockton. Bill Brockton ist Mitarbeiter der sogenannten Body Farm und ein Experte auf dem Gebiet der Knochenanalyse. Seit dem Tod seiner Frau hat er sich fast völlig in seine Arbeit zurückgezogen und bestreitet in diesem Buch einen Fall in einer abgelegenen Bergregion in Cooke County, einer Region in der Vetternwirtschaft und Bestechung auch die Arbeit der Polizei sehr stark prägen. Als in dieser Region in einer entlegenen Höhle die Leiche eines längst verschollenen Mädchens gefunden wird kann Bill Brockton den Fall nur gegen einige Widerstände untersuchen.

„Anatomie der Schuld“ mag ein ganz klassischer forensischer Thriller sein und das Rad nicht neu erfinden, mir hat das Buch aber den Spaß an diesem Genre zurückgegeben. Die Beschreibungen der Arbeit an den Skeletten und Leichen ist zum Teil nichts für zarte Gemüter, wirkt aber detailliert und wissenschaftlich fundiert. Im Anhang des Buches finden sich sogar einige beschriftete Skizzen von menschlichen Skeletten. Die Body Farm ist durch die Bücher von Patricia Cornwell berühmt geworden (das passende Buch liegt auch noch hier rum), in „Anatomie der Schuld“ werden diese Beschreibungen aufgegriffen und spannend ergänzt. Es war wirklich faszinierend zu lesen, was unsere Knochen über uns erzählen, meine Knochen könnten vermutlich auch schon Bände sprechen...

Besonders positiv sind mir die Charaktere des Buches aufgefallen. Sie waren durchweg detailliert beschrieben und zumeist sehr sympathisch. Außerdem kommt bei allen Charakteren der soziale Hintergrund und die Motivation ihrer Handlungen sehr deutlich rüber und macht das Buch in sich stimmig und die Handlung glaubhaft.
Einen kleinen Abzug erhält das Buch in meiner Wertung, da die Handlung an wenigen Stellen etwas einfallslos fortgeführt wurde und nicht mit der an sich spannenden Thematik mithalten konnte. Insgesamt bekommt „Anatomie der Schuld“ von mir 4 von 5 Leseratten.