Posts mit dem Label Amerika werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Amerika werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 14. August 2014

Rezension: Der Circle von Dave Eggers

„Der Circle“ zu lesen war für mich ein bisschen, wie das tolle Gefühl, wenn man die Schutzfolie von ganz neuen Geräten abziehen darf. So ein staunendes, begeistertes „Ui“. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und habe es quasi am Stück verschlungen (nur unterbrochen von lästigen Alltagspflichten wie essen oder schlafen).

„Der Circle“ von Dave Eggers
560 Seiten
22,99 € (Hardcover)










Mae Holland beginnt nach einem öden Job bei den Gaswerken ein neues Leben. Sie hat einen der begehrten Jobs beim Circle bekommen, die trendigste Internetfirma ihrer Zeit. Der Circle vereint Innovationen im Hard- und Softwarebereich, Forschung und Entwicklung auf nahezu unzähligen Gebieten. Dafür werden nur die klügsten Köpfe eingestellt. Mae ist überglücklich dort eine (wenn auch zu Beginn recht niedrige) Anstellung gefunden zu haben. Doch auch beim Circle ist nicht alles heiter Sonnenschein und so merkt Mae trotz aller Begeisterung, dass hinter dieser hippen Fassade eine Menge Erfolgsdruck und strenge Regeln warten.

Mich hat „Der Circle“ ab der ersten Seite begeistert. Gemeinsam mit Mae betreten wir das Firmengelände, lernen die Firmenkultur und die Angestellten kennen und hangeln uns durch dieses komplexe System. Irgendwie wirkt die titelgebende Firma wie eine bedrohliche Mischung aus den großen Internetriesen unserer Zeit: ein bisschen Apple, ein bisschen Google, ein bisschen Facebook. Mehr noch als diese realen Firmen genießt der Circle, in der Welt von Dave Eggers Roman, einen überlebensgroßen Kultstatus. Jede neue Entwicklung wird von den Mitarbeitern und Kunden frenetisch gefeiert. Beim Lesen habe ich mich selbst immer wieder ertappt, wie ich mich von den begeisterten Schilderungen habe einlullen lassen. Erst dann wird der Verstand langsam wieder wach und merkt, was diese „netten Gadgets“ für unangenehme Auswirkungen haben werden. Diese hypnotische Wirkung hat mich wirklich beeindruckt.
Die Protagonistin Mae wirkt manchmal etwas blass und ziellos, macht aber eine sehr realistische Entwicklung durch. Anfangs etwas hilf- und orientierungslos steigert sie sich online in soziale Interaktionen hinein, die im realen Leben gar keine Entsprechung finden. Die Einsamkeit, die sie trotz Millionen Smiles und Likes erlebt, wirkt leider sehr real.
Spannend war für mich auch, dass ich beim Lesen geradezu ein schlechtes Gewissen entwickelt habe. Irgendwie wollte ich ja etwas über dieses Buch twittern oder auf Facebook dazu sagen. Aber das Buch hat mich zurückgehalten. Ich habe immer wieder überlegt, ob das nicht schon der Einstieg ist, zu dieser Fiktion die Dave Eggers da auf die Spitze getrieben hat.
Das der Autor da ganz bewusst mit diesen Ängsten und Horrovorstellungen vom „gläsernern Menschen“ und der absoluten Kontrolle arbeitet, finde ich aber keineswegs schlecht, sondern nützlich. Natürlich sind das zum Teil Klischees, aber wenn es hilft diese Themen weiter im Gespräch zu halten und nicht blind jedem Trend zu folgen, dann kann das auch nützlich sein.
Zum Schreibstil möchte ich nur festhalten, dass „Der Circle“ zwar mit einer sehr einfachen, geradlinigen Sprache auskommt, aber dadurch ganz und gar nicht bilderlos ist. Es gibt immer wiederkehrende Symbole und Versinnbildlichungen, die mir nicht mehr aus dem Kopf gehen wollten.

Da mich Buch, das so völlig in seinen Bann gezogen hat, kann ich nicht anders: 5 von 5 Leseratten von mir.


P.S. Das Ende hat mich wirklich überrascht, geschockt und ja, irgendwie aufgeregt, aber schließlich überzeugt. Ich war so völlig in der Handlung versunken, dass ich es nicht kommen sah. Ob ich jetzt diesmal furchtbar blind oder das Buch sehr gerissen war, ich kann es nicht beantworten.

Diesmal keinen Tweet, sondern Social Media in Zahlen:
Unseren Twitter-Account zum Read Pack gibt’s seit dem 03. Januar 2014.  In diesen 223 Tagen seitdem sind 817 Tweets entstanden, das macht durchschnittlich 3,66 Tweets pro Tag. Diese Tweets haben 1.811 Favoriten generiert und 205 Twitterer überzeugt uns zu folgen.

Mittwoch, 9. Juli 2014

Rezension: Spiel der Angst von Veit Etzold

„Spiel der Angst“ von Veit Etzold habe ich gewonnen und nach einiger Zeit des Zögerns nun doch gelesen, obwohl ich den Vorgänger „Spiel des Lebens“ nicht kannte. Ich glaube im Nachhinein, dass ich da nichts verpasst habe.

„Spiel der Angst“ von Veit Etzold
352 Seiten
14,99 € (Klappbroschur)








Emily wurde in London von einem irren Stalker bedroht und mit dem „Spiel des Lebens“ gequält. Um Abstand davon zu bekommen und in Ruhe studieren zu können zieht sie mit ihrem Freund nach New York. Nach einem ruhigen Jahr beginnt kurz vor ihrem Geburtstag der Terror erneut.

Schon ohne den Vorgänger zu kennen, vermute ich, dass „Spiel der Angst“ ein neuer Aufguss von „Spiel des Lebens“ ist. Selbst innerhalb des Romans wurde häufig erwähnt, dass das doch in London schon mal genau so war. Da ich das erste Buch nicht kenne, hat es mich nicht gestört, aber ich zweifele ernsthaft daran, dass ich mir so etwas zweimal antun würde. Nun gut.
Auch für sich allein betrachtet ist „Spiel der Angst“ nicht sonderlich spannend. Die „Schnitzeljagd“, die der Stalker mit Emily durch New York veranstaltet, ist recht undramatisch und eintönig. Ein Rätsel wird gestellt und nach einer kurzen Zeitspanne droht eine Strafe. So geht das ununterbrochen weiter, ohne rechte Abwechslung. Einzige Abwechslung sind die drohenden Strafen, die in meinen Augen so witzig unverhältnismäßig waren. Es reicht vom Mord eines geliebten Menschen über das verwüsten von Emilys Zimmer.
Unterhaltsam war lediglich die Lösung der Rätsel durch die Protagonisten. Emily braucht für wirklich jedes, noch so banale, Rätsel die Hilfe ihres Freundes oder ihrer Freundinnen. Die Dialoge dabei wirken so unnatürlich und gestelzt, dass ich schon das ein oder andere Mal zu Lachen hatte.
Leider bleiben alle Figuren auch wirklich blass und ich hatte keine Chance mich mit ihnen zu identifizieren. Vielleicht wäre dafür der Vorgänger doch wichtig? Ich weiß es nicht. So erfährt man über Emily nur, dass sie ihren Freund liebt und nicht so richtig gut in Mathe ist (die Quersumme von 11 wird schriftlich gerechnet, sicher ist sicher).
Die Kapitel, in denen der Stalker aus seiner Sicht das Geschehen schildert, haben dann nochmal eine ganz eigene Qualität. Er stellt das ganze so voll Pathos dar und macht ein ziemliches Aufheben um seinen „Plan“, worin der so genau bestehen soll ist mir aber immer noch nicht ganz klar.
Weder mit der Story noch mit den Protagonisten konnte ich mich richtig anfreunden, Spannung kam bei mir keine auf, aber ich hatte trotzdem Spaß beim Lesen… nämlich mit dem Sammeln von Stilblüten, Dopplungen und besonders intelligenten Dialogen. Mein Best-of:

„Und meist merkte man gar nicht, dass man starb.“ S. 10
Bei drei von vier Töden merke ich auch nicht, dass ich sterbe.

„Und er hat uns ja nichts getan. Er hat uns nur diese SMS geschrieben und einmal durch die Stadt gejagt.“ S. 89
Na, dann ist ja gut…

„Emily und Ryan saßen an der Bar Nahe des Campus. […] Gemeinsam mit Ryan saß Emily nun in der Bar…“ S. 109
Ein Satz liegt dazwischen, da kann man schon mal vergessen, wo genau die beiden sitzen.

„Ob er das wirklich kann? […] Ein ganzes Flugzeug sprengen? Hunderte von Menschenleben töten…“
S. 120
Kann man ein Menschenleben töten?

Ich habe mich, um fair zu bewerten wirklich gefragt, ob ich mit 14 Jahren Spaß an diesem Buch gehabt hätte. Aber in diesem Alter habe ich Stephen King und Thomas Harris verschlungen, "Spiel der Angst" hätte mich da vermutlich einfach nicht hinter dem Ofen vorlocken können.
Ich  mach es kurz: für dieses Buch war ich der falsche Leser. 1 von 5 Leseratten.
Für junge Leserinnen, die einen ersten Thriller lesen möchten ist das ganze einfach besser geeignet und auch dabei glaube ich, dass es bessere Kandidaten dieses Genres gibt, die etwas mehr Spannung und intelligentere Charaktere bieten können.
 

Das Buch in einem Tweet: Für "Spiel der Angst" war ich der falsche Leser. Jugendthriller mit einfacher Handlung und zu wenig Spannung.

Freitag, 4. Juli 2014

Rezension: Die Anbetung von Dean Koontz

„Die Anbetung“ war mein erstes Buch von Dean Koontz und wird bestimmt nicht mein letztes bleiben. Der erste Band dieser Reihe um Odd Thomas hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich den nächsten Band in Skoobe schon auf meine Merkliste gesetzt habe.

„Die Anbetung“ von Dean Koontz
Heyne Verlag
496 Seiten
8,95 € (Taschenbuch)









Odd Thomas ist ein einfacher Imbisskoch, der über eine besondere Gabe verfügt: Odd Thomas kann Tote sehen und mit ihnen kommunizieren. Als eines Tages ein seltsamer Mann in seiner Heimatstadt Pico Mundo auftaucht und mit ihm eine Reihe düsterer Geister, ahnt Odd Thomas, dass etwas Schlimmes geschehen wird. Er setzt daraufhin eine Menge aufs Spiel, um den seltsamen Vorgängen in Pico Mundo auf den Grund zu kommen und wenn möglich Schlimmeres zu verhindern.

„Die Anbetung“ ist eine interessante Mischung aus Fantasyroman, Gruselgeschichte und Komödie. Die Begegnungen mit den Geistern und Dämonen sind zum Teil sehr schaurig dargestellt, Thomas Wanderung durch eine seltsame neue Dimension scheint schier unglaublich und alles wird mit einer guten Portion Humor erzählt. Besonders Thomas Weltsicht und die vielen schrägen Charaktere sind dabei mehr als einmal Grund zum Schmunzeln.
Die Geschichte wird von Odd Thomas selbst „aufgeschrieben“ und immer wieder gibt es Einschübe aus Gesprächen mit seinem Freunden oder Hinweise auf spätere Teile der Handlung. Das ist abwechslungsreich, wirklich amüsant und gibt dem Buch einen besonderen Sog. Insgesamt ist der Erzählstil sehr atmosphärisch.
Wirklich ans Herz gewachsen ist mir aber besonders Odd Thomas selbst. Dean Koontz hat da einen sympathischen Protagonisten geschaffen, der neben seiner Besonderheit vor allem ehrlich und bodenständig wirkt, ohne langweilig zu sein. Vor allem seine Ziele und Träume machen Odd Thomas so besonders liebenswert und menschlich. Wenn er dann noch über seine Gabe spricht und wie er damit umgeht, muss man ihn einfach mögen.
Ein bisschen musste ich ja unterm Strich an die Bücher von Stephen King denken. Die besondere Mischung aus interessanter Situation, dichter Atmosphäre und sympathischen Charakteren finde ich auch dort immer wieder und fühle mich sofort zu Hause. Es wundert also nicht, dass ich auch „Die Anbetung“ sehr genossen habe und mich gut unterhalten fühlte.
Als einziger kleiner Schwachpunkt bleibt für mich, das Quäntchen Besonderheit, welches gefehlt hat. Aus der Handlung hätte mehr gemacht werden können, es fehlten einige Verbindungen oder Erklärungen, um das eigentliche Geschehen für mich ganz abzurunden. Dadurch entscheide ich mich  unterm Strich für sehr gute 4 von 5 Leseratten.


Das Buch in einem Tweet: Ein unterhaltsamer Genremix aus Spannung, Horror und Humor, der Auftakt in eine interessante Reihe.

Freitag, 20. Juni 2014

Rezension: Body Farm von Patricia Cornwell

Endlich habe ich eine weitere SUB-Leiche aus dem Stapel geholt und gelesen. „Body Farm“ von Patricia Cornwall hat mir meine Schweigermama ausgeliehen, nachdem wir uns begeistert über die echte Body Farm in Tennessee unterhielten. Da dem Buch der Schutzumschlag fehlt, dachte ich erst es wäre ein in sich abgeschlossener Thriller. Dass das Buch zur Kay Scarpetta Reihe gehört, habe ich erst später gemerkt.

„Body Farm“ von Patricia Cornwell
Kay Scarpetta Reihe Band 5
400 Seiten
9,99 € (Hardcover)








Ein kleines Mädchen wird in einer amerikanischen Kleinstadt ermordet aufgefunden, alle Spuren weisen auf den ersten Blick auf einen bekannten Mörder hin. Doch an der verstümmelten Leiche sind auch andere, seltsame Spuren zu finden. Als dann einer der ermittelnden Polizisten auf mysteriöse Weise ums Leben kommt, werden Kay Scarpetta und ihr Team zu dem Fall gerufen, um die Polizei der Kleinstadt bei den Ermittlungen zu unterstützen.

Für pathologische Krimis habe ich ja, anders als für Thriller der Marke „Nackt und Zerhackt“, noch immer etwas übrig. Akribische Spurensuche und die interessanten wissenschaftlichen Details machen für mich eine ganz besondere Faszination aus. Der Titel klang in dieser Hinsicht vielversprechend und Geschichten über die Body Farm begeistern mich sowieso. Leider hatte das Buch davon nur recht wenig zu bieten. Zwar war die Handlung spannend und die Ermittlungen interessant dargestellt, jedoch nehmen Kay Scarpettas persönliche Probleme einen viel zu großen Anteil des Buches ein.

Ich weiß nicht ob es mir allein so geht, aber ich möchte prinzipiell gerade bei Krimis und Thrillern in sich abgeschlossene Geschichten lesen. Die familiären oder gesundheitlichen Probleme der Ermittler können dabei Randthema sein, sollten aber innerhalb eines Buches wieder abgeschlossen werden. Auf Dauer finde ich es doch extrem anstrengend x Reihen zu verfolgen, in denen jeder Polizeibeamte, Pathologe oder Profiler andere psychische Zerwürfnisse, Affären und Süchte hat. Für die eigentliche Handlung sind diese Randthemen meist völlig unnötig und wenn man nicht gerade die Serie verfolgt, sind sie auch meist nicht sonderlich spannend. Der Hang zur Serie scheint bei vielen Krimiautoren aber ungebrochen und ich habe das Gefühl vor lauter Reihen kaum noch Einzelbände zu entdecken.


Patricia Cornwell mit Kay Scarpetta, Cody McFadyen mit Smoky Barrett, Tess Gerritsen mit Rizoli & Isles, Andres Franz/Daniel Holbe mit Julia Durant… Was sagt ihr zu Autoren mit dem Hang zur Serie?

Für „Body Farm“ von Patricia Cornwell eine Bewertung abzugeben gestaltet sich für mich wirklich schwierig, das Buch hat durch die schon angesprochene starke Verbindung zur Reihe für sich genommen wenig Reize. Die Figuren wurden als bekannt vorausgesetzt und ihre privaten Probleme haben mich nur mäßig interessiert. Da der Krimianteil recht gering war, der beschrieben Fall an sich aber sehr spannend vergebe ich neutrale 3 von 5 Leseratten.


Das Buch in einem Tweet: Fangt nicht mit Band 5 bei einer Reihe an! Spannender Krimi aber verwirrende persönliche Probleme in "Body Farm".

Sonntag, 13. April 2014

Rezension: Die andere Seite des Himmels von Jeannette Walls

Ein Buch auf meinem SUB, auf das ich mich ganz besonders gefreut habe, war „Die andere Seite des Himmels“ von Jeanette Walls. Jetzt habe ich es beendet und muss unbedingt mehr von der Autorin lesen...

„Die andere Seite des Himmels“ von Jeanette Walls
Hoffmann und Campe Verlag
365 Seiten
19,99 € (Hardcover)









Jean (11) und Liz (15) Holladay leben gemeinsam mit ihrer Mutter in Lost Lake, Kalifornien. Die Mutter ist ganz ein Kind der Sechziger Jahre und fühlt sich eher als Künstlerin und Musikerin, denn als Mutter. So kommt es, dass sie ihre beiden Töchter des Öfteren auf sich allein gestellt in der Wohnung zurück lässt, um ihre eigenen Träume zu verwirklichen. Als die Mutter der Beiden mal wieder abhaut, lange nicht zurückkommt und dann noch das Jugendamt auftaucht, beschließen Jean und Liz zur Familie ihrer Mutter nach Virginia zu fliehen. In der alten Heimat ihrer Mutter angekommen lernen sie erstmals ihren Onkel und Teile ihrer Familie kennen und erfahren, was für ein schöner Ort doch dieses Städtchen ist, dem ihre Mutter so krampfhaft zu entfliehen versuchte.

Ich habe lange keine Protagonisten mehr so ins Herz geschlossen, wie Jean und Liz. Die Geschichte wird aus Jeans Sicht erzählt und sie ist für ihr Alter nicht nur ziemlich reif, sondern vor allem sehr liebenswert. Die Mädchen müssen oft allein zurechtkommen und sind sich dadurch gegenseitig die größte Stütze geworden. Liz ist die Bedachte, Kluge der Mädchen. Jean ist eher die Impulsivere, ein bisschen naive der Schwestern. Jean liebt ihre große Schwester bedingungslos und bewundert sie für ihre Klugheit.
Besonders die Beschreibungen vom Leben der Mädchen, in dem die Mutter längst nur noch eine Nebenrolle spielt, haben mich sehr berührt. Vor allem, weil die Beschreibungen so schön und friedlich sind. Obwohl einem die Mädchen eigentlich leid tun könnten, wird ihre Situation nicht als große Tragödie dargestellt, sondern so wie sie aus ihrer Sicht ist: nicht perfekt, aber in Ordnung.

Obwohl das Buch keine rasante Spannung bietet und wieder eher eine dieser leisen Geschichten erzählt, hat es mich sofort gefesselt. Ich mag den Erzählstil sehr. Er ist detailliert und trotzdem humorvoll, leicht und locker aber nicht zu oberflächlich. Außerdem sind die Charaktere alle sehr besonders, von Jean und Liz über ihre hippiehafte Mutter bis zu Nebenfiguren wie dem „Perversen“ im Bus sind alle irgendwie eigen, genau charakterisiert und trotzdem nicht zu langwierig beschrieben.

Es hätte alles perfekt sein können, mein einziger Kritikpunkt? Gegen Ende verliert sich die Geschichte etwas. Die Beschreibungen von Jean und Liz‘ Familie, die Probleme in der kleinen Stadt in Virginia mit den verarmten Weberei-Arbeitern und all dem hätte für mich völlig genügt. Dann wurde aber noch ein „Konflikt“ aus der Tasche gezogen, den ich in dieser Geschichte gar nicht gebraucht hätte und der dem Buch auch nicht mehr Bedeutung verliehen hat.
Die Kernaussage des Buches ist so oder so (für mich) ganz einfach „Home is where the heart is“.

Ich bewerte dieses Buch ganz klar mit 4 von 5 Leseratten, ein Buch für alle, die starke Persönlichkeiten, Bücher über Familie und die Suche nach einer eigenen Heimat mögen.
 

Sonntag, 9. März 2014

Rezension: Das Leben, natürlich von Elizabeth Strout

Ich weiß gar nicht mehr wie „Das Leben, natürlich“ in meinem Einkaufskorb bei der Weihnachtsbestellung landete. Ich surfte auf Amazon hin und her und auf einmal blieb ich an diesem Buch hängen, jetzt hat es perfekt zu meiner Stimmung gepasst. Im Moment brauche ich Geschichten mit Herz, die Leben versprühen und  mich nachdenklich machen sollen. Genau das konnte „Das Leben, natürlich“ bieten.

„Das Leben, natürlich“ von Elizabeth Strout
394 Seiten
19,99 € (Hardcover)









„Das Leben, natürlich“ erzählt die Geschichte der Geschwister der Familie Burgess. Die Familie stammt aus Shirley Falls, einer Kleinstadt in Maine. Shirley Falls ist ländlich gelegen und geprägt von einer hohen Arbeitslosigkeit. Die beiden Söhne der Familie sind nach New York „geflohen“, die Eltern längst verstorben, nur die Schwester Susan mit ihrem Sohn Zachary lebt noch in Shirley Falls. Als Zachary eines Tages einen gefrorenen Schweinekopf in die Moschee der somalischen Muslime von Shirley Falls wirft wird dadurch eine Welle losgetreten, die den Ort aber auch das Leben der Familie durcheinanderwirbelt.

„Das Leben, natürlich“ ist ein Buch, bei dem ich ständig Zitate herausschreiben wollte, weil die Sätze so schön und wahr waren, aber es nicht konnte, weil ich unbedingt weiterlesen musste.

Ich war von der einfachen aber doch sehr bewegenden Geschichte völlig fasziniert. Diese Geschehnisse, die so einfach und „undramatisch“ beginnen, und die Auswirkungen, die sich daraus im Laufe des Buches entspinnen, waren einfach mitreißend. Das Buch ist in vier Abschnitte unterteilt, die wie Akte im klassischen Theater wirken: der Konflikt um Zacharys Missetat beginnt noch recht ruhig, die Familie und die Hintergründe werden vorgestellt. Im nächsten Abschnitt spitzt sich das Geschehen zu, Zachary wird angeklagt und die Misere nimmt ihren Lauf, der dann in den letzten beiden Abschnitten erst eskaliert und abschließend „gelöst“ wird.
(Wie sich die Handlung auflöst werde ich natürlich nicht verraten, das wäre ja noch schöner…*hihi).
Das Buch lebt von den kleinen zwischenmenschlichen Problemen und zeigt zusätzlich eine ehrliche, leise Gesellschaftskritik. Besonders bewegend war dabei für mich vor allem die realistische Darstellung des seltsamen Verhaltens beider Gruppen in Shirley Falls nach Zacharys Tat. Beide Bevölkerungsgruppen schienen vor allem durch ihr Misstrauen gesteuert.
Da ist das Misstrauen und die Aggression der Einwohner von Shirley Falls gegenüber den Somali, die afrikanischen Zuwanderer werden wie eine Plage und Prüfung für den Ort betrachtet. Es gibt einem fast das Gefühl, Zacharys Tat würde gebilligt werden. Aber auch die Somali zeigen vor allem Misstrauen und ihre Passivität ist deprimierend, sie wollen sich nicht Eingliedern und Verachten ihre neue „Heimat“. Zacharys Tat scheint für sie nur ein weiterer Beweis, dass dieses Land schlecht und verroht ist.
Es war eine wirklich ungewöhnliche Darstellung und doch wirkte sie ernsthaft und ehrlich. Zwischendurch habe ich mich immer wieder gefragt, wie wohl Zacharys wirkliche Beweggründe lagen, irgendwo zwischen Dummejungenstreich und Hasstat muss die Wahrheit liegen.
Im Buch wird die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven erzählt und man merkt allen Protagonisten an, wie sie sich im Verlauf der Handlung entwickeln. Sie zeigen Stärke, lassen Schwächen zu und geben ihrem Leben neue Richtungen. 

„Das Leben, natürlich“ besticht vor allem durch seine Menschlichkeit, die bewegende Handlung und die lebendigen Charaktere. Die tolle Sprache habe ich zwar schon kurz erwähnen können, möchte sie aber gar nicht weiter thematisieren, da für mich bei diesem Buch ganz klar die Handlung im Fokus steht.  Ich habe das Buch geradezu verschlungen und musste jetzt sofort diese Rezension niederschreiben, um die aufwühlende Handlung zur Ruhe legen zu können. 
Ich vergebe 4 von 5 Leseratten, noch besser hätte mir das Buch gefallen können, wenn Zachary, der diesen Stein zum Rollen brachte, auch noch selbst zu Wort gekommen wäre. Seine Sicht hätte die Geschichte abrunden können und einen tollen Kontrast geboten zu den Einschüben des Zuwanderers Abdikarim, der in Zachary trotz aller Differenzen den Menschen sehen konnte.

Dienstag, 21. Januar 2014

Angelesen: Ein feiner dunkler Riss von Joe R. Lansdale

"Er ist ein Lieblingsautor" wäre zu viel gesagt, aber ich mag Joe R. Lansdale sehr. "Die Wälder am Fluss" und "Dunkle Gewässer" habe ich mit Begeisterung gelesen, "Kahlschlag" liegt noch bei meinen ungelesenen Büchern.
Diese Woche stellt Vorablesen "Ein feiner dunkler Riss" vor und ich musste unbedingt reinschnüffeln.

"Ein feiner dunkler Riss" von Joe R. Lansdale
Suhrkamp Verlag
351 Seiten
8,99 € (Taschenbuch)
Erscheint am 17.02.2014
(Die Leseprobe von vorablesen findet ihr hier.)







Beide Bücher, die ich bisher von Joe R. Lansdale gelesen habe, spielten in den frühen Dreißigerjahren. Beide Bücher haben mich durch ihre interessanten Charaktere und den besonderen geschichtlichen Hintergrund (Rassenproblematik und Klu Klux Klan) absolut überzeugt. Die beschriebenen kleinen Örtchen voll von Vorurteilen und Hass, aber auch großer Herzlichkeit und Menschlichkeit kamen immer sehr authentisch rüber. Dazu kommt der besondere Humor des Autors, der den Protagonisten immer eine ganz eigene, sympathische Stimme verleiht.
"Ein feiner dunkler Riss" spielt diesmal in den Fünfzigerjahren, scheint aber vom historischen Hintergrund genauso viel Spannendes zu bieten. Der Protagonist Stan meldet sich von Anfang an mit dem typischen Humor und Sarkasmus zu Wort und bei der Art und Weise wie er sich selbst vorstellt freue ich mich schon auf Stans "Ermittlungen":

"Ich hatte so viel Ahnung von Gott und der Welt wie ein Schwein von Essbesteck und Tischmanieren. Für mich war Sex noch das, was zwischen Fünf und Sieben kommt." 
- "Ein feiner dunkler Riss" von Joe R. Lansdale, S. 14

Eigentlich wollte ich gar nicht näher in die Leseprobe und Geschichte absteigen, bei Joe R. Lansdale bin ich dann nämlich immer ganz schnell mittendrin und dann? Dafür ist eine Leseprobe eigentlich viel zu kurz!
Und dann ist es passiert: schon die Beschreibungen der kleinen Stadt Dewmont, Stans unheimlich coolen Freundes Richard und der Lebensweise damals haben mir unglaublich viel Spaß gemacht (und das obwohl ich den Fünfzigerjahren sonst vom Lebensgefühl mit Rockabilly nicht viel abgewinnen kann). Jetzt schon habe ich mich also wieder in die "Erzählweise" der Geschichte verliebt und will am liebsten nicht mehr aufhören.

"Bestimmte Wörter, die heute mit größter Selbstverständlichkeit ausgesprochen werden, fielen damals in anständiger Gesellschaft äußerst selten. Selbst die Worte »verdammt« und »Scheiße« konnten, wenn Frauen anwesend waren, eine Unterhaltung so gewiss zum Verstummen bringen wie ein Schlachthammer eine Kuh"
- "Ein feiner dunkler Riss" von Joe R. Lansdale, S. 14

So wie die Kuh vom Schlachthammer werde ich gerade von der Müdigkeit zum Schweigen gebracht. Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass ich hoffe, dass ich dieses Buch lesen darf... sonst wird es früher oder später definitiv hier einziehen :-)... ich freu mich schon!

Samstag, 9. November 2013

Rezension: Niceville von Carsten Stroud

„Niceville“ von Carsten Stroud ist einer meiner Buchmesse-Schätze. Ich hatte mich spontan in das Buch verliebt und mich total drauf gefreut es vorstellen zu dürfen. Jetzt habe ich es gelesen und bin ein bisschen hin und her gerissen.

„Niceville“ von Carsten Stroud
Dumont Verlag
506 Seiten
9,99 € (Softcover)
1. Teil der Niceville-Trilogie








Niceville ist eine beschauliche kleine Stadt im Süden der USA. Die Stadt wirkt idyllisch und friedlich, doch unter dieser Fassade verbergen sich düstere Geheimnisse. Als eines Tages der Junge Rainey Teague auf dem Schulweg spurlos verschwindet kommen seltsame Begebenheiten ins Rollen. Einige Geschehnisse sind ganz natürlich, einige sehr verwirrend und mystisch. Insgesamt scheint Niceville nur das schlechteste aus seinen Bewohnern herauszukitzeln. Was birgt diese kleine Stadt, dass sich das Böse dort so wohlfühlt?
Ich war lange von keinem Buch mehr so hin und her gerissen wie von „Niceville“. Der Einstieg in die Geschichte ist wunderbar, man ist direkt mittendrin und der Übergang von einem normalen Vermisstenfall zu den übernatürlichen Ereignissen hat mir richtig gut gefallen. Der Schreibstil ist eher kurz und markant, besitzt einen gewissen schwarzen Humor (sehr gelacht habe ich über einen Laden, der „Porn’r’us“ heißt) und macht einfach Spaß. Trotz der eher sachlichen Sprache kommen Beschreibungen und Atmosphäre nämlich nicht zu kurz.
Die Zutaten stimmen und hätten „Niceville“ zu einem richtigen Lesegenuss machen können. Was mich gestört hat? Nach dem angenehmen Anfang bei dem die Handlung Stück für Stück aufgebaut wird und auch alle Charaktere passend zur Situation vorgestellt werden kommt der Mittelteil des Buches. Plötzlich überschlägt sich die Handlung und es kommen gefühlt 10.000 neue Charaktere in die Geschichte. Ich konnte zeitweise einfach nicht mehr folgen. Handlungsverlauf und Personen waren zu verwirrend. Wer ist der korrupte Polizist gleich nochmal? War das der, der auch beim Bankraub dabei war? Immer wenn ich dann wieder in der Handlung war und meinte zu verstehen, wie die Personen zusammenhängen kamen neue Charaktere oder Handlungsstränge dazu.
Richtig anstrengend wurde es, als die Verbindung zur Vergangenheit des Ortes geschlagen wurde. Normalerweise finde ich es toll, wenn in Büchern düstere Legenden oder vergangene Konflikte ausgegraben werden. Es hat mich daher auch hier gefreut und richtig neugierig gemacht, als die Geschichte des Ortes enthüllt wurde. Das dabei abgefeuerte „Namensfeuerwerk“ habe ich dann einfach überlesen müssen. Ob ich dann alle darauf aufbauenden Schlussfolgerungen richtig verstanden habe würde ich nicht beschwören.
Als ich durch all das gerade ziemlich deprimiert war kam das Ende des Buches. Und was soll ich sagen? Ich wurde richtig überrascht! Einige lose Enden wurden aufgegriffen, manche merkwürdige Handlungsverläufe ergeben dann tatsächlich doch einen Sinn und das Buch macht Lust auf den nächsten Teil. Das Ende hat mich dann wieder versöhnt mit dem anstrengenden Mittelteil.
Insgesamt 3 von 5 Leseratten als Fazit aus „himmelhoch jauchzend“ und „zu Tode betrübt“.


Vielen Dank an den Dumont Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Sonntag, 3. November 2013

Rezension: Doctor Sleep von Stephen King

Ich habe in den letzten Tagen den neuen Roman von Stephen King „Doctor Sleep“ wirklich geradezu verschlungen. Da es eine Fortsetzung zu „Shining“ ist hatte ich dieses Buch vor Kurzem extra gelesen, um für den Nachfolger gerüstet zu sein. „Shining“ hat mir zwar sehr gut gefallen, meiner Meinung nach ist „Doctor Sleep“ aber nochmal um einiges stärker.

„Doctor Sleep“ von Stephen King
HEYNE Verlag
703 Seiten
22,99 € (Hardcover)
Nachfolgeband zu „Shining“ von Stephen King








30 Jahre nach den Geschehnissen im Overlook Hotel ist Daniel Torrance ein erwachsener Mann und eine gescheiterte Existenz. Die Erlebnisse seiner Kindheit verfolgen ihn, das Shining erlebt er eher als Last denn als Gabe und versucht daher seine Gefühle im Alkohol zu ertränken. Daniel versucht gerade sein Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken, als ein kleines Mädchen Kontakt zu ihm aufnimmt – mittels der Gabe ihres Shining. Das Mädchen sucht bei Daniel nach Beistand. Sie ist durch ihre starke Hellsichtigkeit einer Bande zu nahe gekommen, die es auf Kinder mit dem Shining abgesehen hat.
Es ist mal wieder ein King. Anders kann ich es gar nicht ausdrücken. Ich war von der ersten Seite an mittendrin in der Geschichte und total begeistert von der Stimmung des Buches. Vielleicht ist der Vorgänger insgesamt etwas gruseliger und setzt mehr auf düstere Effekte, aber auch in „Doctor Sleep“ kommt wieder ein schaurig schönes Gefühl auf. Die Atmosphäre ist dicht und ich war total gefesselt weil ich immer wissen wollte, wie es mit der Haupthandlung und den kleineren Nebensträngen weitergeht.
Ich habe mich vorher ziemlich gewundert, dass dieses Buch eine Fortsetzung zu „Shining“ bilden soll, ist dies doch bereits 1985 erschienen. Trotz aller Skepsis kann ich nun aber feststellen, dass es Stephen King perfekt schafft an die Handlung aus „Shining“ anzuknüpfen. Es werden einige lose Enden aufgefasst und manche Konflikte können die Charaktere erst in dieser Geschichte wirklich auflösen. Darin liegt eine der größten Stärken des Buches. Die aktuelle Handlung und die Bezüge zu „Shining“ werden so perfekt verwoben, dass beide Bücher danach eine Einheit bilden. Das gelingt, so absurd es klingt, gerade dadurch, dass „Doctor Sleep“ nicht den kalten Kaffee von damals aufwärmt, sondern eine komplett eigenständige Geschichte bietet. Diese Mischung aus Anknüpfung und Eigenständigkeit hat mich total begeistert.
„Doctor Sleep“ beantwortet die Frage, was eigentlich aus dem kleinen Jungen geworden ist, der damals so schreckliches im Hotel Overlook erlebte. Gleichzeitig werden faszinierende neue Charaktere vorgestellt, welche mir alle sehr ans Herz gewachsen sind (selbst "die Bösen"). Stephen King hat es für mich mal wieder geschafft sie alle echt wirken zu lassen.
Ich kann nicht anders: 5 von 5 Leseratten von mir für „Doctor Sleep“. Vom Cover bis zum letzten Satz hat mich dieses Buch komplett begeistert.

Samstag, 19. Oktober 2013

Rezension: Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert von Joel Dicker

Nachdem ich euch schon „Shotgun Lovesongs“ vorgestellt habe möchte ich auch mein zweites Sommerhighlight noch nachträglich ins Rampenlicht schubsen „Die Wahrheit über den Fall des Harry Quebert“ von Joel Dicker. In meinem Urlaub habe ich diesen Schinken geradezu verschlungen und zwei Tage hintereinander bis spät in die Nacht gelesen.

„Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ von Joel Dicker
Piper Verlag
736 Seiten
22,99 € (Hardcover)








Die Hauptfigur des Romans Marcus Goldmann ist ein gefeierter Autor, der jedoch nach dem glänzenden Debüt in einer Schaffenskrise steckt und einfach keinen Nachfolgeroman liefern kann. Um Ruhe und Inspiration zu finden begibt er sich zu seinem ehemaligen Mentor Harry Quebert nach Aurora, einem kleinen Ort an der Ostküste der USA. Zeitgleich kommen nahezu unglaubliche Geschehnisse ins Rollen. Auf dem Grundstück von Harry wird die vergrabene Leiche von Nola, einem Mädchen das vor 33 Jahren im Ort verschwand, gefunden. Harry Quebert unterhielt damals eine Liebesbeziehung zu dem jungen Mädchen und gerät schnell zum Hauptverdächtigen. Marcus, der seinen Mentor nicht im Stich lassen will versucht aufzuklären was damals wirklich geschah. In vielen Gesprächen mit den Einwohnern des Ortes klärt er so nicht nur auf, wer Nolas Mörder war, sondern erfährt auch die Wahrheit über den Fall Harry Quebert.
Ich mag Bücher die „irgendwas mit Wahrheit“ zu tun haben, mit dem aufklären dunkler Geheimnisse und menschlicher Konflikte. Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert bietet all das. Besonders die thematische Mischung hat mir hierbei gefallen: die Suche nach dem Mörder von Nola, die Rückblenden zur Liebesbeziehung aber auch die literarischen Einschübe, nämlich Gespräche zwischen Marcus und seinem Mentor über das Schreiben eines perfekten Romans. Dazu kommen viele spannende Wendungen der Handlung und ab und zu eine Prise Humor. Für mich eine unwiderstehliche Mischung.  Ja, manchmal sind die Liebesszenen unverhältnismäßig Kitschig aber ihr Anteil war immer angenehm ausgewogen und hat mich so gar nicht gestört, im Gegenteil ich habe mich sogar davon begeistern lassen. Der Erzählstil ist angenehm, lässt sich flüssig lesen und ist dennoch nicht zu arm an genauen, stimmungsvollen Beschreibungen.
Richtig angetan haben es mir außerdem die Charaktere, die herrische Imbissbesitzerin mit ihrer einfachen Tochter und dem Mann, dem ständig der Mund verboten wird. Der Vater des verschwundenen Mädchens aber auch der Hauptprotagonist und sein Mentor. Alle Figuren haben toll zum großen Ganzen der Geschichte gepasst, konnten aber auch jeder für sich mit einer Menge kleiner Probleme oder Eigenarten überzeugen. So kam in den über 700 Seiten nie Langeweile auf, es blieb sowohl in der Haupthandlung als auch in allen Nebensträngen immer spannend.

Unterm Strich: 5 von 5 Leseratten von mir, der ein oder andere mag das Buch kritisieren weil die Wendungen nicht überraschend genug waren oder ihm der Anteil der Liebesszenen zu hoch war. Dem kann ich nicht zustimmen, mich hat die Geschichte einfach völlig überzeugt und vor allem richtig, richtig gut unterhalten!

Sonntag, 6. Oktober 2013

Rezension: Shining von Stephen King

Eigentlich wollte ich ¨Shining¨ nur so für mich lesen, weil ich Stephen King mag und mich auf die Neuerscheinung von ¨Doctor Sleep¨ vorbereiten wollte. Dann hat mich Susi freundlich darauf hingewiesen, dass ich nicht über eine Woche anzeigen kann, dass ich im Moment Shining lese und dann nichts dazu sagen möchte... Also gut!

Es fällt mir übrigens sehr schwer Bücher von Stephen King richtig objektiv zu beurteilen. Ich mag seinen Schreibstil und vor allem seine Charaktere fast immer. Stephen King schafft es für mich wie kaum ein anderer Autor in seinen Geschichten eine sehr dichte Stimmung aufzubauen. Außerdem liegen seinen Büchern häufig so tolle Ideen zu Grunde, dass ich mich einfach dafür begeistern muss :-).

"Shining" von Stephen King
Bastei Lübbe
624 Seiten
9,99 € (Taschenbuch)









Die Handlung dieses Buches meinte ich aus dem gleichnamigen Film zu kennen: Jack Torrance wird engagiert um über den Winter das Hotel Overlook in den Bergen von Colorado als Hausmeister zu warten und zu pflegen. Zusammen mit seiner Frau Wendy und seinem Sohn Danny will er den Winter eingeschneit in dem geschichtsträchtigen Hotel verbringen. Für Jack ist dies eine wichtige Chance. Er war ein schwerer Trinker, erfolgloser Autor und verlor seinen Job an einer Universität. Um seinen Entzug zu bewältigen, sich wieder dem Schreiben widmen zu können und zu sich selbst zu finden scheint ihm die Arbeit in den abgeschiedenen Bergen ideal. Während des Aufenthaltes dort erlebt die Familie jedoch eine Vielzahl seltsamer Begegnungen und vor allem für den hellsichtigen Sohn Danny nimmt dies schnell bedrohliche Formen an.
Ich bin froh, dass ich das Buch nun endlich doch gelesen habe. Der Film wird der Tiefgründigkeit der Handlung nicht annähernd gerecht. Im Buch stehen die sozialen Probleme der Familie wesentlich stärker im Vordergrund und das Gefühlsleben der Personen macht erst die einzigartige Atmosphäre der Geschichte komplett. Viele innere Konflikte gerade von Jack und seinem Sohn Danny konnten im Film nicht in der Intensität dargestellt werden. Das Buch liefert das perfekte Abbild einer problembehafteten Familie, in der jeder Charakter seine eigenen emotionalen Lasten tragen muss.
Der Anteil des Horrors und der furchtbaren Geschehenisse kommen dabei aber bei Weitem nicht zu kurz, das Buch hat mich beim Lesen wirklich sehr mitgenommen und steht dem Film in Spannung kaum nach.

Richtig negativ aufgefallen ist mir leider die Qualität meiner vorliegenden Ausgabe. Zwar ist die Auflage recht neu (August 2012), trotzdem strotzt der Text vor Tippfehlern, Schreibfehlern und überflüssigen Satzzeichen. Normalerweise fallen mir Fehler in Büchern kaum auf und wenn ich mal einen finde stört er mich nicht weiter. In diesem Buch trat das Ganze aber doch sehr gehäuft auf und hat den Lesefluss zum Teil gestört (gerade wenn ähnlich klingende Worte vertauscht wurden und der Satz dann keinen Sinn mehr ergibt).

Ich habe ein bisschen mit mir ringen müssen, wie ich das Buch nun bewerte. Da es mir inhaltlich sehr gut gefallen hat, mich aber nicht so vom Hocker gerissen hat wie andere Werke von Stephen King wären das 4 von 5 Leseratten.
Die vorliegende Ausgabe hat den Lesespaß leider an einigen Stellen gemindert und würde die Bewertung nocheinmal leicht senken. Da das der Geschichte nicht gerecht wird, würde ich daher Lesern, die solche Fehler stören, ans Herz legen vielleicht eine andere, weniger fehlerhafte Version zu kaufen. Es bleibt daher bei nicht ganz objektiven 4 von 5 Leseratten.

Freitag, 27. September 2013

Rezension: Shotgun Lovesongs von Nickolas Butler

Weil die Stadt heute in wunderbarer Herbstsonne gestrahlt hat und es so fast nocheinmal nach Sommer ausgesehen hat möchte ich euch heute nachträglich eines meiner Sommerhighlights 2013 vorstellen.

"Shotgun Lovesongs" von Nickolas Butler
Klett-Cotta Verlag
424 Seiten
19,95 € (Hardcover)

Website zum Buch








In „Shotgun Lovesongs“ von Nickolas Butler geht es um Liebe, große und kleine Katastrophen aber vor allem um Freundschaft. Eine Freundschaft zwischen vier Männern, die trotz aller Widrigkeiten schon ein Leben lang hält.
Henry, Lee, Kip und Ronny sind gemeinsam in Little Wing aufgewachsen, einer Kleinstadt im Norden der USA. Sie haben dieselbe Schule besucht und sind als Teenager in dieselben Bars gegangen. Viele Jahre sind seitdem vergangen und das Leben der Freunde hat sich in völlig unterschiedliche Richtungen entwickelt. Während Lee als Musiker berühmt geworden ist und Kip an der Börse ein Vermögen gemacht hat, sind Henry und Ronny nie aus Little Wing herausgekommen. Ronny stand kurz davor, eine Karriere als Rodeoreiter zu machen, verunfallte dann jedoch schwer und konnte seinen Traum nie verwirklichen. Henry hat die Farm seines Vaters übernommen und versucht damit über die Runden zu kommen.
Es ist interessant zu lesen, wie die Freundschaft der Vier trotz aller Unterschiede dann doch weiter besteht und die Freunde füreinander einstehen.
Die Geschichte ist geprägt von den kleinen und großen zwischenmenschlichen Problemen der Freunde. Sie erzählt von Hochzeiten, Streitereien oder sogar Trennungen und kleinen Unfällen. Über allem steht dabei aber die Suche nach einer Heimat, einem Ziel oder Traum.
Mich hat die Geschichte völlig in ihren Bann gezogen, denn obwohl die Handlung manchmal eher gemütlich dahin treibt, wollte ich immer wissen, wie es mit den Freunden weiter geht. Das Buch zu lesen fühlt sich an, als würde man alle Charaktere persönlich kennen lernen, sodass sie mir im Laufe der Geschichte sehr ans Herz gewachsen sind. Toll gepasst hat dazu auch die Erzählweise des Romans: jedes Kapitel wird wechselnd aus der Perspektive einer anderen Person erzählt. So kann man manche Handlungen eines Charakters, die von außen betrachtet vielleicht gefühllos wirken, aus seiner Sicht plötzlich verstehen. Eben wie es im echten Leben auch oft ist.
Das Buch bildet für mich durch das tolle Cover, einen schönen Schriftsatz und die begleitende Homepage (die sogar einen passenden, wunderschönen Soundtrack liefert) ein wirkliches Gesamtkunstwerk.
Insgesamt möchte ich dieses Buch daher allen ans Herz legen, die gern in der Sonne liegen, in einer Kleinstadt leben, gern mal ein Bier trinken gehen, ihre Freunde lieben … einfach allen, die ein Buch „fürs Herz“ lesen möchten und Bücher dabei nicht nur konsumieren sondern genießen.

Als eines meiner Sommerhighlights verdient "Shotgun Lovesongs" 5 von 5 Leseratten und wird von mir bestimmt im nächsten Sommer nochmal zur Hand genommen.



Vielen Dank an den Klett-Cotta Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplars!