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Freitag, 19. September 2014

Rezension: Lisa von Thomas Galvinic

Als passionierte „Aktenzeichen XY ungelöst“-Zuschauerin habe ich natürlich vom Phantom von Heilbronn gehört. Ich gebe auch zu, dass ich (meine blühende Phantasie ist schuld) zu denen gehöre, die eine international agierende, äußerst umtriebige Kriminelle spannender gefunden hätten. Nunja. Mittlerweile ist bekannt, dass alle Spekulationen auf einer technischen Panne basieren. Spannend ist der Stoff allemal und wurde von Thomas Glavinic wunderbar verpackt in „Lisa“.

„Lisa“ von Thomas Glavinic
203 Seiten
9,90 € (Taschenbuch)








Unser namenloser Protagonist hat sich in einer abgelegenen Berghütte verschanzt. Um den Kontakt zu seiner Umwelt nicht ganz zu verlieren spricht er jeden Abend zu den (ungewissen) Zuhörern seines kleinen Internetradios. Und zu berichten hat er einiges. Aus einem einfachen Wohnungseinbruch entwickelt sich für den Protagonisten eine nervenaufreibende Zeit, wird er doch verfolgt von der wohl bekanntesten Verbrecherin Europas. Ihre Spuren wurden an unzähligen Tatorten in dutzenden Ländern entdeckt, darunter auch im Wohnzimmer unseres Protagonisten. Gemeinsam mit einem engagierten Polizisten war er dem Phantom (Deckname „Lisa“) auf der Spur, doch als der Polizist spurlos verschwindet wähnt sich unser Protagonist in tödlicher Gefahr und flieht.

Nun, in der Sicherheit der Berghütte, erzählt er seine unglaubliche Geschichte. Diese Geschichte ist dabei so verrückt und wirr, wie es auch der Erzählstil des Buches ist. Unser Protagonist berichtet die Geschichte (eigentlich) von Anfang an, macht aber auch immer wieder zeitliche und vor allem thematische Sprünge in seinen Berichten. Häufig zeigt ein „…“ dass wir, als Zuhörer des Internetradios, gerade wieder einen (kleinen oder doch größeren?) Abschnitt verpasst haben. Manchmal scheint nur ein Teil des Satzes verschwunden, manchmal behandelt der Sprecher nun ein ganz neues Thema. Wo er dabei am Anfang noch recht strukturiert vorgeht, wird zum Ende der Geschichte hin alles immer unzusammenhängender und verrückter.

Was aus dieser realen Grundstory hier gemacht wurde, hat mich wirklich fasziniert, einige der Verbrechen an denen tatsächlich „Lisas“ Spuren gefunden wurden, sind in die Handlung eingearbeitet. Aber auch ausgedachte (zum Teil wirklich bestialische) Verbrechen werden geschildert und man fragt sich ob der Protagonist die Trennung zwischen Realität und Fiktion noch erkennen kann, wirken seine Berichte doch zunehmend ausgeschmückt.
Als Leser kann man sich dem Sog, den „Lisa“ entwickelt kaum entziehen. Der Autor schafft so eine perfekte Kombination aus Verwirrung, Wahnsinn und Spannung, dass ich einfach dran bleiben musste. Ich habe das Buch förmlich aufgesogen. Für den ein oder anderen mögen die Schilderungen vermutlich zu heftig und zusammenhanglos sein, ich habe diesen „besonderen“ Ansatz wirklich genossen und fing selbst immer weiter an zu rätseln, welche Auflösung der Autor nun für unseren Protagonisten angedacht hatte. Leider findet sich darin auch mein größter Kritikpunkt. Ich sehe kein Problem in der Abkehr von der realen Geschichte des Phantoms von Heilbronn. Die Überraschung und Spannung ist natürlich größer, wenn der Leser das Ende noch nicht kennt. Leider fand ich die Auflösung nach all der authentisch wirkenden Spannung und den an sich recht realistisch gehaltenen Spekulationen leider recht unglaubwürdig und zusammenhangslos.

Unterm Strich sind das eindeutig 4 von 5 Leseratten und der feste Wunsch noch mehr von diesem Autor zu lesen, so schnell wie möglich. Sowohl die Psychologie des Protagonisten, als auch die gekonnte Spannung und die kreativen Ideen haben mich gepackt.


Das Buch in einem Tweet: Verrückt. Verrückter. „Lisa“. Ein Buch zwischen Thriller und Mystery, mit einem guten Schuss Wahnsinn. Nichts für schwache Nerven.

Donnerstag, 21. August 2014

Rezension: Anima von Wajdi Mouawad

Ich weiß nichtmal mehr genau, wie ich auf „Anima“ von Wajdi Mouawad stieß, es interessierte mich aber von Anfang an und war dann gleich eine spontane Bestellung und Belohnung an mich. Damit habe ich mir faszinierende Lesestunden gekauft mit einem Buch, das einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt.

„Anima“ von Wajdi Mouawad
448 Seiten
16,90 € (Klappbroschur)









Die Frau von Wahsch Dibsch wurde brutal ermordet, er selbst fand sie in ihrer gemeinsamen Wohnung in Montréal auf und bricht völlig zusammen. Der Mörder steht schnell fest, entzieht sich jedoch in einem Indianerreservat der Polizei. Um dieses Trauma zu verarbeiten, möchte Wahsch dem Mörder seiner Frau einmal in die Augen blicken. Er reist quer durch Amerika auf der Suche nach dem brutalen Täter.

Die titelgebende Besonderheit dieses Buches ist die Erzählperspektive: Wahschs Reise wird nicht von ihm selbst erzählt, sondern von unzähligen Tieren, die ihn auf seiner Reise beobachten. Die Hauskatze sitzt dabei, als er seine Frau auffindet, beim Gespräch mit einem Pathologen kreist ruhig der Goldfisch im Glas und bei Gesprächen auf der Straße sind dutzende Straßentauben anwesend. Jedes Kapitel wird aus der Sicht eines anderen Tieres berichtet und schon anhand des Schreibstils sind die unterschiedlichen Charaktere der Tiere zu erkennen, ein absolut faszinierender Aufbau.
Der Goldfisch zum Beispiel ist selbstbewusst und beschreibt sich und seine Welt ruhig, gediegen und nahezu majestätisch.

„Ich bin der Größte. … Mein Lebensraum ist unermesslich endlos und verläuft an den Rändern.“ 
S. 19

Der Hund ist nervöser, angespannter und deutlich mehr auf die Menschen fixiert.

„Da ich diejenige, die mir mit erhobenem Zeigefinger bedeutet hatte, vor dem Eingang des Supermarkts auf sie zu warten, abgöttisch liebe, wagte ich nicht, gegen unsere Abmachung zu verstoßen und zu ihm zu laufen, obwohl ich den unbändigen Drang verspürte, ihn zu beschnüffeln, mich an ihn zu schmiegen, bei ihm zu sein.“
S. 17

Dadurch, dass das Buch aus dutzenden sehr kurzen Kapiteln besteht, entsteht ein ganz besonderer Sog. Noch schnell ein Kapitel, noch schnell erfahren wo und mit welchem Tier es weitergehen wird. Dazu kommen tolle Charaktere, die man gern verfolgt, und deren interessante Gespräche spannend zu belauschen sind. Eine wirklich gelungene Mischung.
Die Kapitel sind übrigens immer mit dem lateinischen Namen der Tiere überschrieben, man kann also erst im Anhang des Buches schauen, welches Tier an der Reihe ist, oder das anhand des Textes erraten.
Ein spanneder Aufbau und abwechslungsreicher Erzählstil, Charaktere die interessant sind, das könnte perfekt werden. Ein großes Manko hat für mich „Anima“ bei aller Begeisterung aber doch: die Geschichte ist zum Teil unfassbar brutal. Da kommen widerstreitende Gefühle zu all der Begeisterung: Ekel, Abscheu, Wut. Manche Teile scheinen nötig zu sein, gerade im Hinblick auf die Beschreibung von Wahschs Vergangenheit, die im Buch später eine zentrale Rolle spielt und eine Verbindung zu seinem aktuellen Leiden erhält. Ob dabei aber in dieser Genüsslichkeit den brutalen und brutal-sexistischen Szenen gefrönt werden muss, weiß ich nicht.

Für mich waren es unterm Strich 4 von 5 Leseratten, für schwache Nerven ist es dabei allerdings nichts und je empfindlicher der Leser, desto mehr leidet vermutlich der Lesegenuss bei diesem Buch.


Das Buch in einem Tweet: Ein dutzend tierischer Stimmen erzählt die Geschichte in „Anima“. Das ist faszinierend und manchmal trotzdem nichts für schwache Nerven.

Mittwoch, 9. Juli 2014

Rezension: Spiel der Angst von Veit Etzold

„Spiel der Angst“ von Veit Etzold habe ich gewonnen und nach einiger Zeit des Zögerns nun doch gelesen, obwohl ich den Vorgänger „Spiel des Lebens“ nicht kannte. Ich glaube im Nachhinein, dass ich da nichts verpasst habe.

„Spiel der Angst“ von Veit Etzold
352 Seiten
14,99 € (Klappbroschur)








Emily wurde in London von einem irren Stalker bedroht und mit dem „Spiel des Lebens“ gequält. Um Abstand davon zu bekommen und in Ruhe studieren zu können zieht sie mit ihrem Freund nach New York. Nach einem ruhigen Jahr beginnt kurz vor ihrem Geburtstag der Terror erneut.

Schon ohne den Vorgänger zu kennen, vermute ich, dass „Spiel der Angst“ ein neuer Aufguss von „Spiel des Lebens“ ist. Selbst innerhalb des Romans wurde häufig erwähnt, dass das doch in London schon mal genau so war. Da ich das erste Buch nicht kenne, hat es mich nicht gestört, aber ich zweifele ernsthaft daran, dass ich mir so etwas zweimal antun würde. Nun gut.
Auch für sich allein betrachtet ist „Spiel der Angst“ nicht sonderlich spannend. Die „Schnitzeljagd“, die der Stalker mit Emily durch New York veranstaltet, ist recht undramatisch und eintönig. Ein Rätsel wird gestellt und nach einer kurzen Zeitspanne droht eine Strafe. So geht das ununterbrochen weiter, ohne rechte Abwechslung. Einzige Abwechslung sind die drohenden Strafen, die in meinen Augen so witzig unverhältnismäßig waren. Es reicht vom Mord eines geliebten Menschen über das verwüsten von Emilys Zimmer.
Unterhaltsam war lediglich die Lösung der Rätsel durch die Protagonisten. Emily braucht für wirklich jedes, noch so banale, Rätsel die Hilfe ihres Freundes oder ihrer Freundinnen. Die Dialoge dabei wirken so unnatürlich und gestelzt, dass ich schon das ein oder andere Mal zu Lachen hatte.
Leider bleiben alle Figuren auch wirklich blass und ich hatte keine Chance mich mit ihnen zu identifizieren. Vielleicht wäre dafür der Vorgänger doch wichtig? Ich weiß es nicht. So erfährt man über Emily nur, dass sie ihren Freund liebt und nicht so richtig gut in Mathe ist (die Quersumme von 11 wird schriftlich gerechnet, sicher ist sicher).
Die Kapitel, in denen der Stalker aus seiner Sicht das Geschehen schildert, haben dann nochmal eine ganz eigene Qualität. Er stellt das ganze so voll Pathos dar und macht ein ziemliches Aufheben um seinen „Plan“, worin der so genau bestehen soll ist mir aber immer noch nicht ganz klar.
Weder mit der Story noch mit den Protagonisten konnte ich mich richtig anfreunden, Spannung kam bei mir keine auf, aber ich hatte trotzdem Spaß beim Lesen… nämlich mit dem Sammeln von Stilblüten, Dopplungen und besonders intelligenten Dialogen. Mein Best-of:

„Und meist merkte man gar nicht, dass man starb.“ S. 10
Bei drei von vier Töden merke ich auch nicht, dass ich sterbe.

„Und er hat uns ja nichts getan. Er hat uns nur diese SMS geschrieben und einmal durch die Stadt gejagt.“ S. 89
Na, dann ist ja gut…

„Emily und Ryan saßen an der Bar Nahe des Campus. […] Gemeinsam mit Ryan saß Emily nun in der Bar…“ S. 109
Ein Satz liegt dazwischen, da kann man schon mal vergessen, wo genau die beiden sitzen.

„Ob er das wirklich kann? […] Ein ganzes Flugzeug sprengen? Hunderte von Menschenleben töten…“
S. 120
Kann man ein Menschenleben töten?

Ich habe mich, um fair zu bewerten wirklich gefragt, ob ich mit 14 Jahren Spaß an diesem Buch gehabt hätte. Aber in diesem Alter habe ich Stephen King und Thomas Harris verschlungen, "Spiel der Angst" hätte mich da vermutlich einfach nicht hinter dem Ofen vorlocken können.
Ich  mach es kurz: für dieses Buch war ich der falsche Leser. 1 von 5 Leseratten.
Für junge Leserinnen, die einen ersten Thriller lesen möchten ist das ganze einfach besser geeignet und auch dabei glaube ich, dass es bessere Kandidaten dieses Genres gibt, die etwas mehr Spannung und intelligentere Charaktere bieten können.
 

Das Buch in einem Tweet: Für "Spiel der Angst" war ich der falsche Leser. Jugendthriller mit einfacher Handlung und zu wenig Spannung.

Freitag, 20. Juni 2014

Rezension: Body Farm von Patricia Cornwell

Endlich habe ich eine weitere SUB-Leiche aus dem Stapel geholt und gelesen. „Body Farm“ von Patricia Cornwall hat mir meine Schweigermama ausgeliehen, nachdem wir uns begeistert über die echte Body Farm in Tennessee unterhielten. Da dem Buch der Schutzumschlag fehlt, dachte ich erst es wäre ein in sich abgeschlossener Thriller. Dass das Buch zur Kay Scarpetta Reihe gehört, habe ich erst später gemerkt.

„Body Farm“ von Patricia Cornwell
Kay Scarpetta Reihe Band 5
400 Seiten
9,99 € (Hardcover)








Ein kleines Mädchen wird in einer amerikanischen Kleinstadt ermordet aufgefunden, alle Spuren weisen auf den ersten Blick auf einen bekannten Mörder hin. Doch an der verstümmelten Leiche sind auch andere, seltsame Spuren zu finden. Als dann einer der ermittelnden Polizisten auf mysteriöse Weise ums Leben kommt, werden Kay Scarpetta und ihr Team zu dem Fall gerufen, um die Polizei der Kleinstadt bei den Ermittlungen zu unterstützen.

Für pathologische Krimis habe ich ja, anders als für Thriller der Marke „Nackt und Zerhackt“, noch immer etwas übrig. Akribische Spurensuche und die interessanten wissenschaftlichen Details machen für mich eine ganz besondere Faszination aus. Der Titel klang in dieser Hinsicht vielversprechend und Geschichten über die Body Farm begeistern mich sowieso. Leider hatte das Buch davon nur recht wenig zu bieten. Zwar war die Handlung spannend und die Ermittlungen interessant dargestellt, jedoch nehmen Kay Scarpettas persönliche Probleme einen viel zu großen Anteil des Buches ein.

Ich weiß nicht ob es mir allein so geht, aber ich möchte prinzipiell gerade bei Krimis und Thrillern in sich abgeschlossene Geschichten lesen. Die familiären oder gesundheitlichen Probleme der Ermittler können dabei Randthema sein, sollten aber innerhalb eines Buches wieder abgeschlossen werden. Auf Dauer finde ich es doch extrem anstrengend x Reihen zu verfolgen, in denen jeder Polizeibeamte, Pathologe oder Profiler andere psychische Zerwürfnisse, Affären und Süchte hat. Für die eigentliche Handlung sind diese Randthemen meist völlig unnötig und wenn man nicht gerade die Serie verfolgt, sind sie auch meist nicht sonderlich spannend. Der Hang zur Serie scheint bei vielen Krimiautoren aber ungebrochen und ich habe das Gefühl vor lauter Reihen kaum noch Einzelbände zu entdecken.


Patricia Cornwell mit Kay Scarpetta, Cody McFadyen mit Smoky Barrett, Tess Gerritsen mit Rizoli & Isles, Andres Franz/Daniel Holbe mit Julia Durant… Was sagt ihr zu Autoren mit dem Hang zur Serie?

Für „Body Farm“ von Patricia Cornwell eine Bewertung abzugeben gestaltet sich für mich wirklich schwierig, das Buch hat durch die schon angesprochene starke Verbindung zur Reihe für sich genommen wenig Reize. Die Figuren wurden als bekannt vorausgesetzt und ihre privaten Probleme haben mich nur mäßig interessiert. Da der Krimianteil recht gering war, der beschrieben Fall an sich aber sehr spannend vergebe ich neutrale 3 von 5 Leseratten.


Das Buch in einem Tweet: Fangt nicht mit Band 5 bei einer Reihe an! Spannender Krimi aber verwirrende persönliche Probleme in "Body Farm".

Freitag, 9. Mai 2014

Rezension: Nachts kommt die Angst von Gabriela Gwisdek

Mein Challengebuch für den April war ein voller Erfolg. Ein Buch mit einer Protagonistin zu finden, die meinen Namen trägt, war (wie für viele andere) nicht ganz einfach. Trotzdem habe ich schnell einen Favoriten gefunden und das Buch hat mir am Ende richtig viel Spaß gemacht. So habe ich ganz zufällig einen tollen Thriller entdeckt.

„Nachts kommt die Angst“ von Gabriela Gwisdek
Aufbau Taschenbuch Verlag
318 Seiten
9,99 € (Taschenbuch)









Die Malerin Alexandra zieht vom turbulenten Frankfurt in ein beschauliches Dorf in der Uckermark. Nach einer gescheiterten Beziehung und einer langen Phase beruflichen Misserfolgs möchte sie sich in der Abgeschiedenheit endlich wieder sich selbst und dem Malen widmen. Schnell merkt Alexandra, dass in diesem Dorf trotz aller Abgeschiedenheit nicht nur Ruhe und Frieden herrschen. Die Vormieterinnen ihres kleinen Häuschens verschwanden spurlos und auch während Alexandras Aufenthalt verschwinden dann noch einige Mädchen aus dem Dorf.

Ich muss mal vorab sagen, dass ich mir kein besseres Buch für dieses Experiment aussuchen hätte können. Es ist so schon sehr leicht sich der gruseligen und schaurigen Atmosphäre des Buches hinzugeben, wenn man sich dann aber noch so in die Hauptfigur hineinversetzt wird es richtig spannend. Ich habe das Buch vor allem abends gelesen und hatte so genau die richtige Stimmung. Große Teile des Buches beschäftigen sich mit der subtilen Angst der Protagonistin, die sich bedroht fühlt in ihrem Häuschen, aber keine konkrete Gefahr ausmachen kann. Jedes Knarren im Haus und jedes Rascheln im Garten versetzen die Protagonistin in Aufregung und diese Ruhelosigkeit hat sich sehr schnell auf mich übertragen. Die Gefahr bleibt dabei zwar immer gegenwärtig aber auch eigentümlich konturlos, eine interessante Mischung und wunderbar um die Spannung zu halten.
Die Handlung wiederum war eine schöne Mischung aus Krimi/Thriller und Horror-Roman. Da es immer wieder Hinweise darauf gibt, dass Alexandras Haus ein Spukhaus sein soll, es jedoch auch ganz reale Verbrechen in diesem Dorf zu verzeichnen gibt, habe ich beim Lesen immer ein bisschen hin und her geschwankt, wie sich das am Ende unter einen Hut bringen lässt. Ohne zu viel zu verraten: die Handlung ist bis zum Ende spannend und wird schlüssig aufgelöst. Sowas ist mir bei einem Buch in diesem Genre besonders wichtig, es gibt nichts schlimmeres als unschlüssig konstruierte Enden. Bei "Nachts kommt die Angst" fügt sich das Ende aber super zum Rest des Buches ein und rundet die Geschichte wunderbar ab.
Die einzige Schwäche des Buches war (für mich) die etwas willkürlich gesetzte Liebesbeziehung zwischen Alexandra und dem „Dorfsheriff“ des Ortes. Irgendwie schien diese Beziehung für die Handlung nötig und wurde daher sehr schnell „gegründet“, richtig nachvollziehbar war die Beziehung und die Handlung der Personen für mich in dieser Hinsicht nicht.
Trotzdem ist „Nachts kommt die Angst“ ein Buch, dass von der ersten bis zur letzten Seite Spannung bietet, basierend auf einer dichten Atmosphäre, irgendwo zwischen Krimi und Horror, also genau mein Fall.
Insgesamt vergebe ich 4 von 5 Leseratten.
 

Sonntag, 2. März 2014

SUB-Leichen lesen: "Anatomie der Schuld" von Jefferson Bass

Bevor Susi und ich den Blog gegründet haben hatte ich nie einen wirklichen „Stapel“ ungelesener Bücher, meist waren immer nur ein oder zwei ungelesene Bücher auf Vorrat im Haus. Ein Buch hat sich trotz allem sehr lang bei mir herumgedrückt und ich habe es jetzt endlich mal gelesen „Anatomie der Schuld“ von Jefferson Bass habe ich mir von meiner Schwiegermutter geliehen und (leider) länger nicht beachtet.

Jetzt habe ich es gelesen und es hat mir wirklich gut gefallen. Als ich aber an der Vorbereitung der Rezension saß ist mir aufgefallen, dass es dieses Buch nicht mehr zu kaufen gibt. Also natürlich könnt ihr es über einen der vielen Gebrauchthändler finden, aber neu oder gar als ebook gibt es das Buch nicht mehr.

Da habe ich gleich angefangen mich grundsätzlich zu fragen, wie das für euch Leser eigentlich ist… möchtet ihr, dass auch die alten Bücher vorgestellt werden und ich euch so den Mund wässrig mache auf ein Buch, dass man vielleicht nur noch schwierig auftreiben kann?

Ich selbst bin mir da zwar auch nicht so sicher, habe mich aber vorerst entschieden diese Bücher hier ganz normal vorzustellen. Vielleicht mit einem kurzen Tipp wo man sie noch auftreiben kann. Nur weil sie nicht mehr neu verfügbar sind, heißt das nicht, dass die Bücher nicht gut und lesenswert sind. Bei den hunderten von Neuerscheinungen jedes Jahr ist es ja gar nicht verwunderlich, dass nicht jedes Buch lang zur Verfügung steht.

„Anatomie der Schuld“ von Jefferson Bass
Goldmann Verlag
416 Seiten
Gebraucht ab 0,94 € bei Amazon-Marketplace









„Anatomie der Schuld“ ist ein spannender und atmosphärischer Thriller rund um den Forensiker Dr. Bill Brockton. Bill Brockton ist Mitarbeiter der sogenannten Body Farm und ein Experte auf dem Gebiet der Knochenanalyse. Seit dem Tod seiner Frau hat er sich fast völlig in seine Arbeit zurückgezogen und bestreitet in diesem Buch einen Fall in einer abgelegenen Bergregion in Cooke County, einer Region in der Vetternwirtschaft und Bestechung auch die Arbeit der Polizei sehr stark prägen. Als in dieser Region in einer entlegenen Höhle die Leiche eines längst verschollenen Mädchens gefunden wird kann Bill Brockton den Fall nur gegen einige Widerstände untersuchen.

„Anatomie der Schuld“ mag ein ganz klassischer forensischer Thriller sein und das Rad nicht neu erfinden, mir hat das Buch aber den Spaß an diesem Genre zurückgegeben. Die Beschreibungen der Arbeit an den Skeletten und Leichen ist zum Teil nichts für zarte Gemüter, wirkt aber detailliert und wissenschaftlich fundiert. Im Anhang des Buches finden sich sogar einige beschriftete Skizzen von menschlichen Skeletten. Die Body Farm ist durch die Bücher von Patricia Cornwell berühmt geworden (das passende Buch liegt auch noch hier rum), in „Anatomie der Schuld“ werden diese Beschreibungen aufgegriffen und spannend ergänzt. Es war wirklich faszinierend zu lesen, was unsere Knochen über uns erzählen, meine Knochen könnten vermutlich auch schon Bände sprechen...

Besonders positiv sind mir die Charaktere des Buches aufgefallen. Sie waren durchweg detailliert beschrieben und zumeist sehr sympathisch. Außerdem kommt bei allen Charakteren der soziale Hintergrund und die Motivation ihrer Handlungen sehr deutlich rüber und macht das Buch in sich stimmig und die Handlung glaubhaft.
Einen kleinen Abzug erhält das Buch in meiner Wertung, da die Handlung an wenigen Stellen etwas einfallslos fortgeführt wurde und nicht mit der an sich spannenden Thematik mithalten konnte. Insgesamt bekommt „Anatomie der Schuld“ von mir 4 von 5 Leseratten.


Donnerstag, 27. Februar 2014

Rezension: So bitterkalt von Johan Theorin

Nach meinem Debakel mit „Schnitt“ von Marc Raabe habe ich kurzfristig einen anderen Thriller gebraucht. Nicht, dass ich davon einen ganzen Haufen zu Hause liegen hätte, ich musste mir „So bitterkalt“ von Johan Theorin im Kindle Store kaufen und direkt loslegen.
(„Schnitt“ ist nach euren positiven Reaktionen für mich noch nicht gestorben, aber ich lasse mir etwas Zeit mit dem zweiten Anlauf…)


„So bitterkalt“ von Johan Theorin
Piper Verlag
480 Seiten
19,99 € (Hardcover) oder 8,49 € (Kindle Edition)









In dem kleinen schwedischen Örtchen Valla liegt die psychiatrische Klinik Sankt Patricia. Dort werden psychisch kranke Schwerverbrecher unter höchster Sicherheitsstufe behandelt. Trotz der Isolation der Patienten sollen sie den Kontakt zu einem nicht verlieren: ihren Kindern. Die Kinder werden deshalb in der Kindertagesstätte „die Lichtung“ gleich neben der Klinik betreut und regelmäßig zu Treffen mit ihren kranken Eltern gebracht. Dafür ist die Kindertagesstätte mit der Klinik durch einen unterirdischen Tunnel verbunden. Jan Hauger wird als Erzieher in der Kindertagesstätte eingestellt. Schnell merkt er, dass neben den Treffen mit den Eltern der Kinder auch noch eine ganze Menge mehr zwischen Klinik und Kinderhort abläuft. Und auch Jan selbst bewahrt einige Geheimnisse vor seinen neuen Kollegen und Bekannten.
Ich muss zugeben, dass ich „So bitterkalt“ vor allem wegen der angedeuteten Story gekauft habe. Bei mir verbreitet diese Thematik rund um die düsteren Verwicklungen in und um eine psychische Klinik einen angenehmen Grusel. Ich finde die Entwicklungen der psychologischen Behandlung in den letzten hundert Jahren absolut spannend. In vielen Büchern und Filmen wird auf die wechselnden Behandlungsmethoden und Vorurteile gegenüber der Psychologie/Psychiatrie angespielt (z.B. „A beautiful mind“). Eine ähnliche Geschichte hatte ich mir hier erhofft. Ich kann vorweg sagen, dass die Handlung sich in diesem Buch primär außerhalb der Klinik bewegt und man von den Patienten so gut wie nichts erfährt, vor allem nicht über die Art ihrer Behandlung.
Trotzdem ist das Buch absolut gelungen. Warum? Weil die Atmosphäre einfach passt. Das düstere Gefühl außerhalb der absolut abgeschotteten Klinik zu stehen, die Frage „was passiert da drin?“ und die Verwicklungen zwischen der Kindertagesstätte und der Klinik waren wirklich faszinierend und realistisch dargestellt.
Dazu kommt, dass der Hauptprotagonist einerseits normal genug ist, um sich mit ihm identifizieren zu können, aber auch durch seine eigenen inneren Konflikte eine ganze Menge Spannung mitbringt. Das hat mir wirklich gut gefallen. Seine Handlungen waren außerdem (fast) immer nachvollziehbar, aber trotzdem unberechenbar genug um den Spannungsbogen der Geschichte immer weiter zu tragen.
Auch die Erzählweise der Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Das friedliche Leben in der Kindertagesstätte, die Geheimnisse rund um die Klinik, Rückblicke in Jans Vergangenheit und einige ganz besondere „Kindergeschichten“ wechseln sich ab und machen das Buch abwechslungsreich und interessant, besonders und toll zu lesen.
Ganz perfekt ist das Buch trotzdem nicht, vor allem gegen Ende war ich vom Handlungsverlauf ein bisschen enttäuscht. Ja, in sich ist das alles logisch gewesen und hat einen unerwarteten Abschluss gefunden, aber der letzte „Wow!“-Effekt hat mir gefehlt. Außerdem waren zwei Kapitel etwas verwirrend verknüpft und lasen sich wie alternativen derselben Handlung. Das ist zwar Jammern auf sehr hohem Niveau, hat für mich aber den Unterschied gemacht, daher „nur“ 4 von 5 Leseratten von mir für „So bitterkalt“.
Trotzdem die absolute Leseempfehlung, denn „So bitterkalt“ ist ein perfektes Buch für alle, die spannungsreiche Bücher ohne großes Blutvergießen mögen. Alle die Wert auf eine besondere Atmosphäre legen und die genug haben von den „normalen“ Ermittlerkrimis können an dieser Geschichte Gefallen finden

Samstag, 8. Februar 2014

Angelesen: Der Teufel von New York von Lyndsay Faye

Ihr habt sicher gemerkt, dass es in der vergangenen Woche etwas ruhiger hier war. Das hängt damit zusammen, dass ich vor mich hinkränkele und Susi im Stress stand. Da war der Rattenbau kurzfristig ziemlich verwaist. Heute geht es endlich wieder weiter. Der Blog-Kalender hatte zwar einen anderen Vorschlag (ein schönes Bild&Wort für euch zum Wochenende) aber dann habe ich gerade bei vorablesen vorbeigeschaut und mir ist aufgefallen: ich habe noch nichtmal die Leseproben dieser Woche durchgesehen und die Neuen sind ja schon mit Riesenschritten im Anmarsch.
Und obwohl ich momentan manchmal ziemliches Pech mit Thrillern hatte (siehe "Schnitt" von Marc Raabe) hat mich "Der Teufel von New York" magisch angezogen. Dieses Buch hatte ich schon auf dem Merkzettel seit es bei vorablesen angekündigt wurde und der erste Leseeindruck ist wirklich super, das Bild&Wort muss also warten.

"Der Teufel von New York" von Lyndsay Faye
480 Seiten
15,90 € (Taschenbuch)

Erscheint am 01.03.2014
Eine Leseprobe von Vorablesen findet ihr hier.






Ich bin zwar durch das Cover und den Titel auf das Buch aufmerksam geworden, wirklich hängen geblieben bin ich aber erst bei der Inhaltsangabe. "Der Teufel von New York" dreht sich um einen grausamen Mord an einer Reihe von Kindern, 1845 in New York. Nur ein kleines Mädchen kann fliehen und wird kurze Zeit später vom Polizisten Timothy Wilde in den Straßen von New York gefunden. Das Mädchen ist verängstigt und völlig mit Blut besudelt. Das klingt schonmal ziemlich spannend und echt gruselig. 
[Anmerkung: Ich gebe ja zu, dass ich Kinder gruselig finde. Also natürlich nicht alle normalen Kinder die ich so Treffe, aber Kinder in Horror- oder Gruselfilmen machen mich echt fertig. Und es gibt eine MENGE Kinder in diesen Filmen, ein paar Beispiele gefällig? Mir fallen ganz spontan "The Ring", "Fall 39", "Das Waisenhaus", "Insidious", "Mama" (davor hab' ich mich gedrückt, ausgiebiges anschauen des Trailers hat mir gereicht *brrr), "So finster die Nacht", "Der Exorzist" und  "Shining" ein... ]
"Der Teufel von New York" bietet aber neben der offensichtlichen Spannung noch ein paar mehr Themen: die Migranten aus Europa, die das junge Amerika überschwemmen, aufkeimende Kriminalität und Unruhen zwischen Katholiken und Protestanten. Das alles wird aus der Perspektive des jungen Polizisten Tmothy Wilde berichtet, der selbst offenbar keine leichte Kindheit hatte und das raue, unfreundliche New York kennen gelernt hat. Im  Jahr 1845 wird die Polizei von New York gegründet und Timothy steigt ein, weil er eine Beschäftigung braucht. Als ehemaliger Barmann hat er eine gute Beobachtungsgabe und sonderlich hoch sind die Anforderungen nicht um bei der Polizei einzusteigen.
Neben aller spannender Handlung kann mich aber auch ein Thriller erst überzeugen wenn der Schreibstil stimmt. Das ist bei "Der Teufel von New York" definitiv der Fall. Der Schreibstil ist detailliert, bietet aber vor allem eine ganz besondere, dichte Atmosphäre. Das kommt vor allem daher, dass die Beschreibungen von Personen und Orten, die Gespräche und Begebenheiten toll miteinander verwoben werden. Ich konnte mich von der Leseprobe kaum losreißen und war schon nach wenigen Seiten mitten in der Geschichte.
Der historische Hintergrund, die Protagonisten, der unglaublich flüssige und angenehme Erzählstil und die Spannung. Hier stimmt auf den ersten Blick alles. 

Ich hoffe sehr, dass ich auch bei dieser Verlosung nochmal Glück habe, so oder so: dies ist wieder eine der Entdeckungen, die ich unbedingt hier vorstellen möchte.

Sonntag, 19. Januar 2014

Rezension: Teufelsbande von Andreas Franz / Daniel Holbe

Ich habe schon einige Julia Durant Bücher gelesen und wollte bei der Lesung von Daniel Holbe am 12.12.2013 eigentlich nicht unbedingt ein Buch kaufen. „Später kauf ich’s mir vielleicht, oder so…“ dachte ich. Während der Lesung wurde mir das Buch dann so schmackhaft gemacht, dass ich doch nicht anders konnte und direkt eins mitgenommen habe (so gab es außerdem die Chance auf ein signiertes Exemplar). Mittlerweile habe ich den Krimi gelesen und bin mit meinem Spontankauf sehr zufrieden!

„Teufelsbande“ von Andreas Franz / Daniel Holbe
Knaur Verlag
512 Seiten
9,99 € (Taschenbuch)








Auf der Frankfurter Kaiserleibrücke wird ein brennendes Motorrad entdeckt, darauf sitzt der völlig verkohlte Fahrer. Schnell ist klar, dass das kein Unfall, sondern ein kaltblütig inszenierter Mord ist. Doch wer hasst diesen Mann so sehr, dass er ihn an seine Maschine gefesselt in aller Öffentlichkeit verbrennen möchte? Gemeinsam mit Peter Brandt aus Offenbach ermittelt Julia Durant in diesem Fall. Einem Fall, der sich um Konflikte im Rockermilieu aber auch ganz private Probleme dreht.
Zu den Details des Falles möchte ich gar nicht mehr sagen, als auch der Klappentext verrät, einfach weil ich es besser finde sich von dem Buch mitnehmen zu lassen und quasi gemeinsam mit den Ermittlern in dieses düstere Milieu abzusteigen.
Ich war vorher ein wenig skeptisch. Einerseits habe ich mich auf die Thematik gefreut, andererseits hatte ich Bedenken, dass es in die Richtung „Drogen, Prostitution, Bandenkrieg“ abdriftet und alte Klischees wiederkäut. Das ist hier aber nicht passiert! Julia Durant und Peter Brandt bewegen sich natürlich in der Biker-Szene und treffen da auch auf typische Probleme, beleuchten den Fall aber auch von einer sehr persönlichen Seite.
Positiv aufgefallen ist mir außerdem, dass mir Julia Durant immer sympathischer wird. Sie ist nicht mehr das „Reibeisen“ von Früher, das knallhart ermittelt und den Gangstern in Kaltschnäuzigkeit nicht nachsteht. Mittlerweile ist ihre Figur deutlich menschlicher, dabei aber nicht weniger scharfsinnig geworden. So ist sie mir als Protagonistin viel mehr ans Herz gewachsen.
Ein weiterer positiver Punkt ist das hohe Tempo des Buches, die Ermittlungen entwickeln sich ständig weiter und neue Charaktere, wechselnde Hypothesen über den Fall sowie einige besondere Zwischenfälle sorgen für Spannung.
Bei allem Positiven so fand ich doch auch Schade, dass man als Leser keine Chance hatte sich die Hintergründe der Tat anhand der Ermittlungen zusammen zu reimen. Das verhindert zwar, dass man dann ganz schnell weiß wo’s langgeht und nicht mehr überrascht werden kann, aber es ist, wenn man (wie ich) mitfiebert und Hypothesen aufstellt, eben ein bisschen Schade. Trotzdem war das Buch bis zum Ende spannend, die Auflösung gut gelungen und hat die Handlung für mich abgerundet.
Leider blieben mir ein – zwei der Biker etwas zu blass, vermutlich war das von der Handlung her so gewollt und sollte bewusst Verwirrung stiften, es hat für mich aber nicht zur detaillierten Ausgestaltung der übrigen Charaktere gepasst.

Unterm Strich hat mir „Teufelsbande“ sehr gut gefallen, daher vergebe ich 4 von 5 Leseratten... die ich gerade noch davon abhalten konnte Lederjacken anzuziehen… ;-).

Sonntag, 15. Dezember 2013

Rezension: Ohne jeden Zweifel von Tom Rob Smith

Bald erscheint der neue Thriller von Sebastian Fitzek „Noah“, „Phobia“ von Wulf Dorn lächelt mich… nein eher… starrt mich schon eine ganze Weile verführerisch an. Die Auswahl ist wirklich groß und dann stolpere ich über „Ohne jeden Zweifel“ von Tom Rob Smith. Damit war die Entscheidung über den nächsten Thriller gefallen. Dieses Buch musste sofort auf meinem Kindle einziehen.

„Ohne jeden Zweifel“ von Tom Rob Smith
Manhattan Verlag
384 Seiten
19,99 € (Hardcover) oder 15,99 € (Kindle Edition)









Daniel ist in einer heilen Welt aufgewachsen. Seine Eltern haben alles Schlechte und Böse von ihm ferngehalten. Es gab keinen Streit und keine Probleme. Umso mehr fällt er aus allen Wolken, als er von seinem Vater erfährt, dass seine Mutter in die Psychiatrie eingeliefert wurde. Als ihn dann noch seine Mutter versucht zu überzeugen, dass sie nicht verrückt, sondern Opfer einer Verschwörung ist, wird die Situation für Daniel fast unerträglich.
Die Handlung des Buches ist absolut genial und perfekt verpackt. Die meisten Begebenheiten werden nicht direkt, sondern über Erzählungen der Eltern (vor allem der Mutter), beschrieben. Der Leser sitzt so quasi im selben Boot mit dem verunsicherten Sohn und schwankt ständig in seiner Meinung, wie das alles, was er da erfährt, wirklich zusammenpasst und sich auflösen lässt.
„Ohne jeden Zweifel“ entwickelt dabei einen absoluten Sog. Anders kann ich es nicht ausdrücken. Die ständigen Zweifel, die irreführenden Berichte und seltsamen Begebenheiten ergeben erst Stück für Stück überhaupt einen Sinn. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, so verzweifelt wollte ich die Wahrheit wissen.
Da die Eltern ihren Altersruhesitz in einem winzigen Dorf in Schweden gesucht haben, bekommen manche Berichte fast etwas Mystisches. Zusätzlich tragen die Isolation des kleinen Ortes und die zum Teil doch sehr seltsamen Bewohner zur Spannung des Buches bei.
Ich habe von Tom Rob Smith bisher schon „Kind 44“ gelesen und war damals begeistert von der gebotenen Spannung, den Charakteren und der besonderen Situation dieses Thrillers. Jetzt hat mich auch „Ohne jeden Zweifel“ total mitgerissen. Von der ersten bis zur letzten Seite wird die Spannung aufrecht erhalten und die schlussendliche Auflösung der Geschichte war wunderbar glaubwürdig aber nicht zu simpel.
Ich habe mich die ganze Zeit über gefragt, wie ich in dieser Situation wohl reagieren würde. Woher weiß man, ob  das Gehörte die Wahrheit oder nur Ausgeburt einer kranken Psyche ist? Kann man das bei der eigenen Mutter objektiv beurteilen? Ich kann dieses Buch allen ans Herz legen, die wie ich derartige spannende Gedankenexperimente in Büchern mögen.
Ich gebe 5 von 5 Leseratten für einen Thriller, der ohne viel Brutalität und Blutvergießen, ohne Serienkiller und Klischeepolizisten eine unwahrscheinliche Spannung erzeugt und mich absolut unterhalten hat.

Mittwoch, 27. November 2013

Rezension: Den Nächsten, der FROHE WEIHNACHTEN zu mir sagt, bringe ich um

In den Supermärkten steht der Lebkuchen seit Mitte August bereit, bei 17°C Außentemperatur wurden die Fußgängerzonen mit Tannenzweigen dekoriert und in der TV Werbung sieht man strahlend glückliche Familien unter dem Weihnachtsbaum sitzen. Bei diesem ganzen Drumherum wird einem die weihnachtliche Besinnlichkeit manchmal jetzt schon zu viel. In den letzten Tagen habe ich deshalb, als angenehmen Ausgleich, ein ganz besonderes Weihnachtsbuch gelesen.

„Den Nächsten, der FROHE WEIHNACHTEN zu mir sagt, bringe ich um: 12 Thriller“ mit Karen Rose, Markus Heitz, Daniel Holbe u.a.
Droemer Knaur Verlag
400 Seiten
14,99 € (Hardcover)
"Schsch!" von Karen Rose für 0,99 € in der Kindle Version







Die Kurzthriller dieses Buches bieten eine Menge Abwechslung. Es gibt Geschichten über einen seltsamen Serienmörder an Heiligabend, vermisste Kinder und ein Verbrecherpaar namens Marylie und Josef. Für jeden Geschmack ist da etwas dabei. Einige Geschichten sind ganz natürlich zu erklären, einige wirken fast schon paranormal. Eines haben sie alle gemeinsam: sie spielen zur sonst so besinnlichen Weihnachtszeit und bieten eine Menge Spannung und Schauer.

Ich kann natürlich nicht zu allen Thrillern etwas erzählen, daher nur kurz zu meinen drei Highlights: die Geschichte „Schsch!“ von Karen Rose, „Wintermärchen“ von Alex Berg und „Stille Nacht“ von Sven Koch, weil diese die Bandbreite der Sammlung toll demonstrieren.
„Schsch!“ von Karen Rose erzählt die Geschichte eines kleinen Mädchens, das kurz vor Heilig Abend neben einem ausgebrannten Wagen gefunden wird, völlig unterkühlt und verängstigt. Die Geschichte wird zuerst aus der Sicht des Mädchens beschrieben und fast meint man, dass dort übernatürliche Kräfte am Werk sind, erscheint ihr doch ständig eine „böse Pflegerin“ und droht dem Kind. Erst im Laufe der Erzählung und der Ermittlungen der Polizei kommt die Wahrheit ans Licht.
„Wintermärchen“ von Alex Berg geht einen ganz anderen Weg. Diese Geschichte ist viel ruhiger, beschränkt sich auf eine Protagonistin und hat mich vor allem mit den tollen, detaillierten Beschreibungen begeistert. Eine junge Frau verläuft sich beim Joggen im verschneiten Wald, kämpft erst nur gegen die eigene Erschöpfung und den Schnee, muss sich dann aber auch noch mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen. Toll gelungen fand ich das Ende der Geschichte, welches ich so in dieser Form nicht erwartet hätte.
Übrig bleibt noch „Stille Nacht“ von Sven Koch. Diese Geschichte beschreitet einen völlig anderen Weg. Es scheint schlicht um die Suche nach einem Serienmörder zu Weihnachten zu gehen, doch was sich dabei am Ende enthüllt ist schier unglaublich. Eine der kürzeren Geschichten, die trotzdem eine unglaubliche Spannung entwickelt.

Insgesamt hat mir das Buch viel Spaß gemacht, es eignet sich für einen kurzen Schmöker am Abend. Ich habe jeweils eine Geschichte pro Tag gelesen hatte so für einige Zeit etwas von diesem schönen Buch. Schön ist das Buch auch im wahrsten Sinne des Wortes, selten ist mir eine so tolle Aufmachung begegnet: der Blattschnitt ist blutrot gefärbt und rundherum mit dem witzigen Titel bedruckt, der Schutzumschlag ist glänzend schwarz.
Das Buch bekommt von mir 4 von 5 Leseratten und ich kann es als Weihnachtsgeschenk für Weihnachtsfans und Weihnachtsmuffel gleichermaßen empfehlen. Ein hübsches Geschenk für Leseratten, die sonst schon alles haben. Die fünfte Leseratte fehlt noch, weil ich nicht von allen Geschichten wirklich überzeugt war, "Weiß wie Schnee" von Claudio M. Mancini hat mir leider gar nicht gefallen.


Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Samstag, 9. November 2013

Rezension: Niceville von Carsten Stroud

„Niceville“ von Carsten Stroud ist einer meiner Buchmesse-Schätze. Ich hatte mich spontan in das Buch verliebt und mich total drauf gefreut es vorstellen zu dürfen. Jetzt habe ich es gelesen und bin ein bisschen hin und her gerissen.

„Niceville“ von Carsten Stroud
Dumont Verlag
506 Seiten
9,99 € (Softcover)
1. Teil der Niceville-Trilogie








Niceville ist eine beschauliche kleine Stadt im Süden der USA. Die Stadt wirkt idyllisch und friedlich, doch unter dieser Fassade verbergen sich düstere Geheimnisse. Als eines Tages der Junge Rainey Teague auf dem Schulweg spurlos verschwindet kommen seltsame Begebenheiten ins Rollen. Einige Geschehnisse sind ganz natürlich, einige sehr verwirrend und mystisch. Insgesamt scheint Niceville nur das schlechteste aus seinen Bewohnern herauszukitzeln. Was birgt diese kleine Stadt, dass sich das Böse dort so wohlfühlt?
Ich war lange von keinem Buch mehr so hin und her gerissen wie von „Niceville“. Der Einstieg in die Geschichte ist wunderbar, man ist direkt mittendrin und der Übergang von einem normalen Vermisstenfall zu den übernatürlichen Ereignissen hat mir richtig gut gefallen. Der Schreibstil ist eher kurz und markant, besitzt einen gewissen schwarzen Humor (sehr gelacht habe ich über einen Laden, der „Porn’r’us“ heißt) und macht einfach Spaß. Trotz der eher sachlichen Sprache kommen Beschreibungen und Atmosphäre nämlich nicht zu kurz.
Die Zutaten stimmen und hätten „Niceville“ zu einem richtigen Lesegenuss machen können. Was mich gestört hat? Nach dem angenehmen Anfang bei dem die Handlung Stück für Stück aufgebaut wird und auch alle Charaktere passend zur Situation vorgestellt werden kommt der Mittelteil des Buches. Plötzlich überschlägt sich die Handlung und es kommen gefühlt 10.000 neue Charaktere in die Geschichte. Ich konnte zeitweise einfach nicht mehr folgen. Handlungsverlauf und Personen waren zu verwirrend. Wer ist der korrupte Polizist gleich nochmal? War das der, der auch beim Bankraub dabei war? Immer wenn ich dann wieder in der Handlung war und meinte zu verstehen, wie die Personen zusammenhängen kamen neue Charaktere oder Handlungsstränge dazu.
Richtig anstrengend wurde es, als die Verbindung zur Vergangenheit des Ortes geschlagen wurde. Normalerweise finde ich es toll, wenn in Büchern düstere Legenden oder vergangene Konflikte ausgegraben werden. Es hat mich daher auch hier gefreut und richtig neugierig gemacht, als die Geschichte des Ortes enthüllt wurde. Das dabei abgefeuerte „Namensfeuerwerk“ habe ich dann einfach überlesen müssen. Ob ich dann alle darauf aufbauenden Schlussfolgerungen richtig verstanden habe würde ich nicht beschwören.
Als ich durch all das gerade ziemlich deprimiert war kam das Ende des Buches. Und was soll ich sagen? Ich wurde richtig überrascht! Einige lose Enden wurden aufgegriffen, manche merkwürdige Handlungsverläufe ergeben dann tatsächlich doch einen Sinn und das Buch macht Lust auf den nächsten Teil. Das Ende hat mich dann wieder versöhnt mit dem anstrengenden Mittelteil.
Insgesamt 3 von 5 Leseratten als Fazit aus „himmelhoch jauchzend“ und „zu Tode betrübt“.


Vielen Dank an den Dumont Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Sonntag, 3. November 2013

Rezension: Doctor Sleep von Stephen King

Ich habe in den letzten Tagen den neuen Roman von Stephen King „Doctor Sleep“ wirklich geradezu verschlungen. Da es eine Fortsetzung zu „Shining“ ist hatte ich dieses Buch vor Kurzem extra gelesen, um für den Nachfolger gerüstet zu sein. „Shining“ hat mir zwar sehr gut gefallen, meiner Meinung nach ist „Doctor Sleep“ aber nochmal um einiges stärker.

„Doctor Sleep“ von Stephen King
HEYNE Verlag
703 Seiten
22,99 € (Hardcover)
Nachfolgeband zu „Shining“ von Stephen King








30 Jahre nach den Geschehnissen im Overlook Hotel ist Daniel Torrance ein erwachsener Mann und eine gescheiterte Existenz. Die Erlebnisse seiner Kindheit verfolgen ihn, das Shining erlebt er eher als Last denn als Gabe und versucht daher seine Gefühle im Alkohol zu ertränken. Daniel versucht gerade sein Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken, als ein kleines Mädchen Kontakt zu ihm aufnimmt – mittels der Gabe ihres Shining. Das Mädchen sucht bei Daniel nach Beistand. Sie ist durch ihre starke Hellsichtigkeit einer Bande zu nahe gekommen, die es auf Kinder mit dem Shining abgesehen hat.
Es ist mal wieder ein King. Anders kann ich es gar nicht ausdrücken. Ich war von der ersten Seite an mittendrin in der Geschichte und total begeistert von der Stimmung des Buches. Vielleicht ist der Vorgänger insgesamt etwas gruseliger und setzt mehr auf düstere Effekte, aber auch in „Doctor Sleep“ kommt wieder ein schaurig schönes Gefühl auf. Die Atmosphäre ist dicht und ich war total gefesselt weil ich immer wissen wollte, wie es mit der Haupthandlung und den kleineren Nebensträngen weitergeht.
Ich habe mich vorher ziemlich gewundert, dass dieses Buch eine Fortsetzung zu „Shining“ bilden soll, ist dies doch bereits 1985 erschienen. Trotz aller Skepsis kann ich nun aber feststellen, dass es Stephen King perfekt schafft an die Handlung aus „Shining“ anzuknüpfen. Es werden einige lose Enden aufgefasst und manche Konflikte können die Charaktere erst in dieser Geschichte wirklich auflösen. Darin liegt eine der größten Stärken des Buches. Die aktuelle Handlung und die Bezüge zu „Shining“ werden so perfekt verwoben, dass beide Bücher danach eine Einheit bilden. Das gelingt, so absurd es klingt, gerade dadurch, dass „Doctor Sleep“ nicht den kalten Kaffee von damals aufwärmt, sondern eine komplett eigenständige Geschichte bietet. Diese Mischung aus Anknüpfung und Eigenständigkeit hat mich total begeistert.
„Doctor Sleep“ beantwortet die Frage, was eigentlich aus dem kleinen Jungen geworden ist, der damals so schreckliches im Hotel Overlook erlebte. Gleichzeitig werden faszinierende neue Charaktere vorgestellt, welche mir alle sehr ans Herz gewachsen sind (selbst "die Bösen"). Stephen King hat es für mich mal wieder geschafft sie alle echt wirken zu lassen.
Ich kann nicht anders: 5 von 5 Leseratten von mir für „Doctor Sleep“. Vom Cover bis zum letzten Satz hat mich dieses Buch komplett begeistert.

Freitag, 25. Oktober 2013

Rezension: Sterntaler von Kristina Ohlsson

Es muss hin und wieder ein Krimi sein und Dank der lieben Sternthaler ging mir das gleichnamige Buch, nämlich "Sterntaler" von Kristina Ohlsson, nicht mehr aus dem Kopf. Also rauf damit auf den Kindle und losgeschmökert.

"Sterntaler" von Kristina Ohlsson
LIMES Verlag
544 Seiten
19,99 € (Hardcover) oder 15,99 € (Kindle Edition)









Sonst fange ich immer mit einem kurzen Abriss der Handlung an, einfach um thematisch vorzubereiten auf das, was da kommen mag. Diesmal ist das ziemlich schwierig, zum einen weil es einfach ein Krimi ist (da möchte man ja wohl so wenig wie möglich erfahren!). Ein zweiter Grund liegt darin, dass ich wirklich unsicher bin wieviel ich von diesem Buch erzählen sollte. Fakt ist: schon der Klappentext geht es nicht richtig an, es wird zuviel vom Falschen erzählt. Deswegen fällt es beim Lesen schwer eine Brücke zwischen dem Cover und Titel des Buches, dem Klappentext und der eigentlichen Handlung zu schlagen. Im Klappentext ist von dem Geheimnis um eine einst gefeierte Kinderbuchautorin zu lesen, von dem Unbekannten der ihr jede Woche Blumen schickt und von einer Studentin die verschwindet nachdem sie die Autorin besuchte. Mir ist wirklich unklar warum diese Fakten so prominent auf die Geschichte vorbereiten, werden sie doch im Buch erst im Laufe der Ermittlungen enthüllt (und das ist auch gut so).
Vielleicht liegt es einfach daran, dass die Geschichte sonst eher unspektakulär beginnt. Eine Leiche wird gefunden, sie lag da wohl schon eine Weile und schnell wird klar es handelt sich um eine seit mehreren Jahren vermisste Studentin. Trotzdem ist das Buch ganz und gar nicht unspannend. Ich wollte schnell mehr wissen und war gespannt wohin sich die Handlung entwickeln wird. Richtig überraschend finde ich Krimis zwar leider selten und meist ist mir schnell klar "wer's war". Das tat der Stimmung des Buches und der chronologisch aufgebauten und toll beschriebenen Ermittlungsarbeit aber keinen Abbruch. Ich mag Krimis die so aufgebaut sind, nichts ist schlimmer als nach grundlosem Blutbad einfach "irgendeinen" Mörder präsentiert zu bekommen.
Störend dagegen waren wieder die Menge an Ermittlern und deren persönliche Zerwürfnisse. Irgendwie bin ich damit nicht so ganz warm geworden und habe zumindest die beiden männlichen Ermittler dann einfach in einen Topf geworfen. Es war aber auch auffällig wie problembehaftet wirklich alle Kommisare im Buch waren, vielleicht etwas viel des Guten.

Unterm Strich bin ich sehr hin und her gerissen wie ich das Buch bewerten soll, Krimis haben es bei mir generell schwer. Ich habe davon viel gelesen und finde viele einfach durchschnittlich. Auch bei "Sterntaler" bin ich mir sehr uneinig. Die logisch aufgearbeitete Entwicklung des Falles hat mir sehr gut gefallen, die Charaktere sind mir zu klischeehaft und durch die Infos zum Buch ging ich leider mit zu viel Vorwissen an das Buch. Ich vergebe 3 von 5 Leseratten. An Hakan Nesser und meinen geliebten Inspektor Barbarotti kommt es leider trotz zum Teil guter Ansätze nicht heran.