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Samstag, 7. Dezember 2013

Rezension: Mit der Linie 4 um die Welt von Annett Gröschner

Ich hatte das Buch bereits im Buchladen gesehen und war fasziniert von der Kombination aus Weltreise und der Idee, die auch im "Experimentel Travel" von Joel Henry enthalten ist: Die Welt anhand der Fahrt in immer derselben Straßenbahnlinie zu erleben. Der Prolog war wunderschön geschrieben und zum Schluss: Die Linie meiner Jugendzeit in Leipzig war auch die Nummer vier.

"Mit der Linie 4 um die Welt" von Annett Gröschner

DVA Verlag

399 Seiten

22,99 € (Hardcover)






Annett Gröschner ist über fast zehn Jahre (zwischen 2003 und 2012) auf der ganzen Welt mit der Straßenbahn- oder Buslinie 4 gefahren. Es war ein begleitendes Projekt zu ihrem restlichen Leben, Arbeiten und Wirken. Die Erlebnisse und Texte, die zum Teil bereits veröffentlicht wurden, hat sie jetzt in diesem Buch zusammengefasst.

Annett Gröschner beschreibt dabei nicht nur Erlebnisse ihrer Fahrten und beobachte Eigenarten, sondern hat auch umfangreich zu der Geschichte der jeweiligen Linie und Stadt recherchiert. Bei allem Respekt, den ich vor ihrem Durchhaltevermögen und ihrem Engagement habe, war mir das aber etwas zu viel.

Die Beschreibungen sind sehr authentisch, allerdings habe ich dabei mehr über Annett Gröschner als die einzelnen Städte und Länder erfahren. Trotz ihrer zahlreichen Erzählungen und Fakten, konnte ich den Geist der Orte niemals fassen - ich denke, das liegt an der gleich bleibenden Tonlage, in der die Autorin schreibt.

Es war die ganze Zeit so, als ob man mit einer entfernten verwandten Tante durch die Stadt fährt, die man kaum kennt und etwas verschroben findet. Derweil erzählt sie einem in allen Einzelheiten die Geschichten der Straßen und Gebäuden. Leider fand ich es nicht interessant, sondern nur etwas langatmig und ermüdend. Ich konnte ihre Begeisterung einfach nicht teilen.


Mich selbst hat das Buch nicht erreicht. Für jeden, der witzige, skurrile Fakten über entfernte Ort oder lokale Geschichte oder einfach nur Straßenbahnen mag, ist dieses Buch vielleicht das richtige. Ich hatte einfach ganz andere Erwartungen, die das Buch nicht erfüllen konnte, deswegen leider nur zwei von fünf Ratten. 



Vielen Dank an den DVA Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Samstag, 30. November 2013

Rezension: Liebe und andere Parasiten von James Meek

Ich bin dahin! Ja, manche Bücher schleichen sich einfach so an und bleiben dann in Herz und Kopf hängen. Da sitzen sie dann und lassen einen nicht mehr los. So ist es mir mit „Liebe und andere Parasiten“ gegangen.

„Liebe und andere Parasiten“ von James Meek
DVA Verlag
560 Seiten
22,99 € (Hardcover)









Ritchie Sheperd ist ein in die Jahre gekommener Rockstar, arbeitet mittlerweile als Fernsehproduzent und lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in einer schönen Villa. Er könnte einfach ein zufriedenes Leben führen, wäre er nicht eine Affäre mit einem jungen Mädchen aus seiner Fernsehshow eingegangen. Diese Affäre bringt Ritchie in Teufelsküche und sorgt für Verwicklungen nicht nur in seinem, sondern auch im Leben seiner Schwester Bec, einer talentierten und ehrgeizigen Biologin.
Die Geschichte von „Liebe und andere Parasiten“ zusammenzufassen ist nicht ganz einfach. Nicht, weil die Geschichte unstrukturiert oder unklar wäre, eher weil kein Teilaspekt allein das Buch passend beschreibt. Erst wer in diese facettenreiche Geschichte eintaucht, kann dem Buch auch gerecht werden. Aber da ich nicht zu viel verraten möchte, belasse ich es dabei, dass es um Malaria, Krebs, Liebe und andere Parasiten geht…
Dem Autor ist es in diesem Buch wunderbar gelungen große Fragen des Lebens perfekt in die eigentliche Handlung einzuweben. So werden das Ziel im Leben, Liebe, Geld, Moral, Treue und Verrat thematisiert. Dabei werden keine platten Klischees bedient, sondern die Probleme und Wünsche der Charaktere nachvollziehbar und ehrlich dargelegt. Bis zum Ende war ich gespannt, wie die verschiedenen Konflikte wohl gelöst werden, ob Moral oder Verrat sich durchsetzen, ob Religion oder Wissenschaft den Vorrang haben. Am Ende hat sich die Handlung einfach toll gefügt. Schön fand ich, dass auch bei den moralischen Fragen und Problemen deutlich wurde, dass es im Leben nicht immer ein klares Richtig und Falsch gibt. Die Handlung hatte dadurch etwas sehr Echtes und Wahres.
Ein Roman, der sich mit diesen zum Teil schwierigen Themen beschäftigt, könnte den Leser leicht erschlagen. „Liebe und andere Parasiten“ hat aber trotz einer Menge Denkanstöße leicht und locker gewirkt, durch eine große Portion britischen Humor hat die Geschichte nämlich vor allem immer Spaß gemacht. Das Buch hat mich ein bisschen an Irvings „wilde Geschichte vom Wassertrinker“ erinnert, aber meiner Meinung nach ist „Liebe und andere Parasiten“ noch einmal stärker. Die Charaktere und Begebenheiten sind zwar ähnlich skurril, die Handlung aber für mich viel mitreißender.
Ich könnte noch eine ganze Weile schwärmen, über den Erzählstil, die Dialoge, den Humor, die Charaktere und die vielen interessanten Themen des Buches. Für mich ist „Liebe und andere Parasiten“ ein absolutes Highlight, von daher möchte ich dieses Buch allen ans Herz legen, die ein Buch lesen möchten, das Futter für Herz und Verstand bietet und dabei einfach eine Menge Spaß macht. 5 von 5 Leseratten und ein Platz in meiner Top 20 Liste, da es eines der Bücher ist, die ich definitiv noch einmal lesen werde und das mir lange im Herzen bleiben wird.
 

Vielen Dank an den DVA Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!