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Sonntag, 12. Oktober 2014

Rezension: Gebrauchsanweisung für die Welt von Andreas Altmann

Letztes Jahr habe ich meinem Mann zum Geburtstag dieses Buch geschenkt als Teil eines Gesamtpaketes, was man als Mann seines Alters wissen/können sollte. Da er es bisher links liegen gelassen hatte, habe ich es in einer freien Minute gegriffen und gegen meine Gewohnheit innerhalb weniger Tage gelesen.


„Gebrauchsanweisung für die Welt“ von Andreas Altmann, Piper Verlag

211 Seiten

14,99 € (Taschenbuch)









Andreas Altmann ist Journalist und schreibt überwiegend Reisereportagen. In diesem Buch will er seine Liebe zu Reisen sowie wichtige Tipps weitergeben. Der Text ist außerdem immer wieder von meist kurzen Anekdoten von seinen Reisen durchsetzt.

Der Autor reist gerne und will dafür werben, dass Reisen die beste Art ist, um sich lebendig zu fühlen, das Leben zu bereichern und glücklich und zufrieden zu sein. Dabei hat mir besonders gefallen, dass er zwar das Reisen an sich für die einzig richtige Art hält, sein Leben zu nutzen, wie man aber reist, für ihn nicht von Bedeutung ist. Wichtig ist nur, neugierig zu sein und sich wirklich für das Land und das Leben zu interessieren. Es ist schön von einem Mann mit starken Überzeugungen nicht verurteilt zu werden, nur weil man pauschal, in Gruppe oder mit angenehmen Luxus reist. Das Buch habe ich vor allem wegen der kurzweiligen interessanten Geschichten und der Leidenschaft, mit der Andreas Altmann schreibt sehr gerne gelesen. Die "Tipps" sind als solche weniger echte Hilfestellungen als mehr der Aufruf zu Mut und Wahrhaftigkeit. In dem Sinne ist das Buch mehr eine Lebensanleitung als Reiseliteratur.

Ich glaube nicht, dass mir der Autor persönlich sympathisch ist, da ich viele Ansichten zwar nachvollziehen kann, aber nicht selber bejahen kann. Dennoch gefällt mir seine Toleranz gegenüber anderen und seine Vehemenz, mit der er seine Meinung vertritt. Außerdem musste ich mehrfach laut lachen beim Lesen des Buches, was doch auch nicht immmer passiert.

"Die Gebrauchsanweisung für die Welt" ist etwas für Leute, die gerne Reisen und/oder vielleicht einen Mutmacher brauchen, um Reisen zu wagen, die ihnen bisher zu gefährlich oder ähnliches schienen oder die einfach nur gerne Geschichten (über Reisen) lesen. Insgesamt vergebe ich für das abgerundete Bild, das der Autor vermittelt und die amüsanten Stunden, die ich mit dem Buch verbracht habe, sowie die Leichtigkeit, mit der es sich lesen lässt, 4 von 5 Leseratten. 


Das Buch in einem Zwitschern:
"'Die Gebrauchsanweisung für die Welt' ist weniger als versprochen, dafür amüsanter, kurzweiliger&inspirierender als normale Reiseliteratur."

Sonntag, 29. Juni 2014

Angesehen: Life of Pi - Schiffbruch mit Tiger

Alex hatte mir von Anfang an versprochen, dass sie mit mir nach dem Buch "Schiffbruch mit Tiger" die Verfilmung schauen würde. Ich hatte den Film bisher nicht gesehen, weil ich davon ausging, dass er mir nicht gefallen würde und nachdem mich das Buch schon nur zu einem gewissen Teil erreichen konnte, machte ich mir wenig Hoffnung.

"Life of Pi - Schiffbruch mit Tiger" Twentieth Century Fox

Produktionsjahr: 2012

Spiellänge: 127 min

FSK: 12

7,47 € (DVD) bzw.9,99 € (Blue-Ray)
(Bei Alex gab es die abgebildete 3D-Sonderedition, auch wenn wir uns die 3D-Brillen gespart haben - 28,99 €)

Ich möchte es kurz machen: Der Film kann ebenso wie das Buch mit wenig Handlung aufwarten. Das hat man versucht durch eine Dramatisierung der wenigen Details und übergroße, schillernd bunte Bilder auszugleichen, die mir persönlich nicht gefallen haben. Sicher sind sie für manchen beeindruckend, inspirierend, einfach nur schön - mir war es leider zu viel.

Was mir gut gefallen hat, war, dass man die Erzählperspektive (Pi berichtet einem Schriftsteller zu Hause von all seinen Erlebnissen) beibehalten hat. Enttäuschend fand ich allerdings, dass man das im Buch so schön beschriebene Haus voller Anzeichen seiner drei Religionen in einen modern und farblos eingerichteten Raum verwandelt hat. Da hat man der Geschichte etwas der Mystik beraubt.

Alles, was den Film gut macht, ist die Endaussage des Buches. Dafür fand ich aber schon die 527 Seiten zu lang, die wenigstens noch spannend und zum Teil witzig waren und auf die Endaussage vorbereiteten. Die 127 Minuten Film waren endgültig ein reines Warten auf den springenden Punkt.

Wenn man ruhige Filme mit schöner Musik und farbenfrohen Bildern mag, kann man zu Life of Pi greifen. Wenn man sich von der Geschichte aber wirklich inspirieren lassen will, sollte man das Buch lesen. Es ermöglicht einen viel eher in einen Diskurs mit sich selbst und anderen zum Thema Religion, Glauben und Sinn des Lebens zu treten - 2 von 5 Kinroatten.


Der Film in einem Zwitschern: 
"Bunte Bilder und hollywoodtypische Übertreibung, die Botschaft wird traurig simpel präsentiert. Das Buch ist eher zu empfehlen."

Samstag, 28. Juni 2014

Rezension: Schiffbruch mit Tiger von Yann Martel

Ihr habt ja alle gesehen, wie wunderbar Alex den Glücksgriff aus meinem Bücherschrank fand. Ich war bei ihrem auch etwas skeptisch. Ehrlich gesagt während des gesamten Lesens. Und danach. Aber dann...

"Schiffbruch mit Tiger" von Yann Martel S. Fischer Verlag

527 Seiten

10,00 € (Taschenbuchbibliothek)









Der durch den Film berühmte "Pi" heißt eigentlich Piscine (französisch für Schwimmbad). Den Namen verdankt er dem ersten Geschäftspartner seines Vaters, der als Wettkampfschwimmer zwei Jahre in Paris studiert hatte. Er lebt mit seiner Familie in Indien, sein Vater leitet einen Zoo und er gehört gleich drei Religionen an und lebt sie auch mit Eifer: Hinduismus, Christentum und Islam.

Das erste Drittel des Buches erklärt seinen Namen, schildert seine frühen Jahre, ist ein Manifest für Zoos und eine Abhandlung über das Verhalten von Tieren und erzählt die Geschichte wie er zu jeder der drei Religionen kam. Diesen Teil fand ich witzig und interessant.

Dann kommen die großen zwei Drittel auf dem Pazifik in dem Rettungsboot zusammen mit dem bengalischen Tiger Richard Parker. Die Geschichte wird nicht chronologisch sondern nach Ereignissen, Erkenntnissen, Kategorien erzählt. Vermutlich wahrscheinlicher, als wenn man Tag für Tag, Woche für Woche vorgehen würde. Das Thema Religion nahm für mich überraschend wenig Raum ein. Viel lieber klärt uns Pi weiter über tierisches Verhalten und die Dressur derselben auf.

Das Buch war zuweilen schleppend. Manche Passagen habe ich gerne und am Stück gelesen, aber oft musste ich mich auch aufraffen, das Buch überhaupt zur Hand zu nehmen. Dennoch ist es ein interessantes und einmaliges Buch.

Alex hatte mich versucht zu motivieren, indem sie meinte: "Am Ende sagt er die Lektion in einem Satz!" Das tut er auch. Für mich wenig überraschend und auch wenig überzeugend. Dazu muss man jedoch auch sagen, dass ich zu jenen Menschen zähle, denen laut Pi die Fantasie fehlt: den Ungläubigen.

Etwas später erzählte ich von dem Buch und beim Reden versöhnte ich mich damit: Wenn man es weiter fasst, wenn man bedenkt, dass Pi insofern Recht hat, dass der reine Glaube an Wissenschaft und Gesetzmäßigkeiten einem das Leben vergällt. Gut, dann will ich es gelten lassen.

"Schiffbruch mit Tiger" erhält daher von mir noch (!) vier von fünf Leseratten. Pluspunkte sind die detaillierten Ausführungen zur Tierwelt, die mir als Biologieinteressierten und Zoofreundin gefallen haben sowie die Vielfalt der Geschichte bei aller Eintönigkeit des Plots. Minuspunkte ist die doch schwache Gesamtaussage, die in ihrer Ausführung mir nicht das Herz öffnen konnte und die Langatmigkeit des Buches.


Das Buch in einem Zwitschern: 
Zoos sind toll, Tiere instinktgesteuert & das Leben nur erfüllt bei einem Glauben über das Sichtbare/Wahrscheinliche hinaus. Kann man mögen.

Sonntag, 25. Mai 2014

Rezension: Die Märchentante, der Sultan, mein Harem und ich von Helge Timmerberg

Reiseliteratur und Erlebnisberichte sind Susis Revier. Ich habe darin jetzt zur Abwechslung gewildert. Sorry dafür, aber diese Geschichte hat mich gereizt und allein den Titel des Buches fand ich unglaublich spannend.

„Die Märchentante, der Sultan, mein Harem und ich“ von Helge Timmerberg
256 Seiten
19,99 € (Hardcover)








Elsa Sophia von Kamphoevener ist als Märchenbaronin bekannt. In den 1930er Jahren trat sie im Rundfunk mit ihren Märchen aus Tausendundeiner Nacht auf und erzählte sie während des zweiten Weltkrieges in Lazaretten, um leidenden Soldaten Abwechslung zu verschaffen. Helge Timmerberg ist fasziniert von der Biografie dieser besonderen Frau, die (als Mann verkleidet) jahrelang durch den Orient gereist sein soll, um Geschichten zu sammeln. Aus diesem Stoff möchte Helge Timmerberg ein Drehbuch machen, einen Hollywoodfilm mit orientalischem Zauber möchte er drehen. Der Weg zu diesem Drehbuch ist dann aber ziemlich unwegsam.

Wie man anstehende Arbeiten erfolgreich vor sich her schieben kann, kennen wir alle wohl nur zu gut. Helge Timmerbergs Reisen durch die Türkei, Marokko und schließlich Amerika erzählen neben der Geschichte über Elsa Sophia von Kamphoevener ein Märchen über genau dieses Phänomen. Es gibt Geschichten darüber, wie er sich mit der Einrichtung seines marokkanischen Hauses ablenkt oder mit den Frauen in seinem „Harem“. Oder darüber, wie er sich auf orientalischen Märkten Geschichten erzählen lässt und Träume kauft. Zwischendurch ist er von Liebeskummer geplagt und sucht Gesellschaft in diversen Kneipen. Kurz: Helge Timmerberg ist vom Leben so eingespannt, dass das Projekt „Drehbuch“ immer wieder in den Hintergrund tritt.
Ganz aufgeben möchte er es dann trotzdem nie. Als Leser bekommt man dadurch immer wieder schöne Einblicke in das geplante Drehbuch. Teile aus dem Leben der Märchenbaronin werden erzählt und einige wichtige Szenen so detailliert dargestellt, dass man sie schier vor sich sieht. Diesen Film würde ich mir sofort anschauen!
Alle Erzählungen sind wunderschön geschrieben und verbreiten orientalisches Flair. Das ist umso erstaunlicher, als dass dieser märchenhafte Eindruck auch bei den Berichten über Helge Timmerbergs Irrwege immer erhalten bleibt. Nebenbei ist die lockere und trotzdem philosophische Sprache ein echter Genuss. Ich bin aus dem „Textstellen markieren“ gar nicht mehr herausgekommen.
Den letzten Funken der Mischung macht schlussendlich aber der tolle Humor von Helge Timmerberg aus. Die Situationen sind so skurril und witzig beschrieben, dass das Lesen einfach Spaß macht. Mich hat die Geschichte dadurch von Anfang an mitgerissen und ich konnte das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen.
Als ich das Buch zur Seite gelegt habe hatte ich einerseits das Gefühl selbst gerade eine aufregende Reise erlebt zu haben und andererseits unbändige Lust die Orte, die Helge Timmerberg beschreibt, selbst zu bereisen und dieses Flair einmal selbst zu erleben.
Kurz und gut: 5 von 5 Leseratten für dieses wunderbare Buch, dass vom echten Leben und Tausendundeiner Nacht in einem Atemzug erzählt.

Freitag, 31. Januar 2014

Rezension: Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry

Dieses Buch war eine echte Challenge: Aufmerksamen Beobachter(inne)n ist nicht entgangen, dass es den ganzen Monat unter "Im Moment" stand. Das lag zum einen an der Seitenzahl, zum anderen an außerbloggigem Stress und zum wiederum anderen an einem schlechten Start in die Geschichte.


"Die unwahrscheinliche Pilgerreise von Harold Fry" von Rachel Joyce Fischer Verlage

378 Seiten

9,99 € (Taschenbuch)







Harold Fry ist vor Kurzem in Rente gegangen, nachdem er fünfundvierzig Jahre lang für dieselbe Firma gearbeitet hat. Seine Ehe dauert bereits noch länger an und seine Frau scheint sich nur um die Sauberkeit und Ordnung des Hauses zu kümmern, während sie ihren Sohn mehr schätzt als ihren Mann.

In diese verfahrene Vorstadtsituation platzt ein Brief einer alten Kollegin von Harold. Sie liegt in einem Hospiz im Sterben und möchte sich von ihm damit verabschieden. Harold verfasst einen kurzen Antwortbrief und macht sich auf den Weg zum Briefkasten. Unsicher lässt er einen Briefkasten nach dem anderen liegen, weil er das Gefühl hat, es wäre nicht genug. Bis er entscheidet, er wird quer durch Großbrittanien laufen, um seine Kollegin durch diesen Akt der Willensstärke vor dem Tod zu retten. Auf diese Idee hatte ihn eine junge Frau an einer Tankstelle gebracht. Hier beginnt Harolds Reise zur Grenze Schottlands und zu seiner Vergangenheit. Denn beim Laufen ist man mit seinen Gedanken allein.

Es hat sehr lange gebraucht, bis ich an dem Buch etwas besonderes finde konnte. Harold läuft und erinnert sich. Seine Erinnerungen sind jedoch stets nur Andeutungen und scheinen im Widerspruch zu den Beschreibungen seiner Frau zu stehen, deren Erleben parallel zu seiner Reise beschrieben werden. Es war etwas ermüdend und für mich ohne weitere Highlights.

Beim ersten Bruch in seiner Reise erfasste mich jedoch eine gewisse Begeisterung: Seine mentale Entwicklung schien im Einklang mit dem Geschehen zu stehen. Eine für mich eher klassische Technik in der Literatur, die ich aber sehr gut umgesetzt fand. Dadurch bekam die Geschichte etwas an Dynamik, während ich weiter ungeduldig darauf wartete, endlich die Wahrheit über Harolds Vergangenheit herauszufinden.

Die kam auch irgendwann - plötzlich, direkt, ohne Vorwarnung. Wenn auch nicht überraschend. Da es der einzige Spannungsbogen im Buch war, war es mir leider etwas zu wenig. Die Entwicklung von Harold fand ich gut, wenn auch nicht immer nachvollziehbar und etwas mystisch. Wer läuft auch einfach so los?

Seine Frau Maureen fand ich besser - das konnte ich nachempfinden und fand es realistisch. Insgesamt gefiel mir auch die Kernbotschaft (nach meiner Interpretation): Wer aus seinen Gewohnheiten ausbricht, hat die Chance sich mit sich und seinem Leben auseinander zu setzen und dabei glücklicher zu werden. Wir dämpfen viele Gedanken und Gefühle in der Geschäftigkeit des Alltags, die nicht gedämpft sondern gedacht und gefühlt werden sollten.

Insgesamt fand ich das Buch dennoch - für mich ganz persönlich - nett. Nach einigem Abwegen und hier und her überlegen, habe ich mich dennoch für vier von fünf Leseratten entschieden. Wegen der wunderbaren Einheit von Inhalt und Botschaft.

Samstag, 18. Januar 2014

Rezension: Tausche Alltag gegen Leben von Franziska Schmitt

Von unserem vorablesen "Blogger des Monats" Gewinn (mehr findet ihr) wollte ich natürlich unbedingt das Reiseerlebnisbuch lesen! Schließlich hatte ich das Gefühl, das es nur mir zuliebe im Paket gelandet war.


"Tausche Alltag gegen Leben" von Franziska Schmitt Droemer Knaur Verlag

8,99 € (Taschenbuch)

256 Seiten








Franziskas Leben ist erfüllt: Sie hat einen Job, der sie fordert, eine sehr innige Beziehung zu ihrer Familie und zwei beste Freundinnen, die dem Alltag Glanz geben. Aber dennoch fehlt ihr etwas. Sie fühlt sich müde und leer. Es fällt ihr immer schwerer Spaß an ihrer Arbeit zu finden und sich zu etwas Neuem zu motivieren.

Während eines Urlaubs mit einer Freundin stellt sie fest, dass das Reisen und Wandern in fremden Ländern ihr viel Freude und Erfüllung bringt. Daraufhin beginnt sie zu recherchieren und zu planen und stellt fest, es ist möglich. Sie kündigt ihren Job und ihre Wohnung und startet für ein Jahr zu einer Backpacker-Reise durch Asien.

Ich red mal nicht drum herum: Das Buch war überhaupt nichts für mich. Zu aller erst haben mich die ständigen Fragezeichen gestört - ich glaube Frau Schmitt sofort, dass sie ein zweifelnder Mensch ist. Die ständige Fragerei "Ist das richtig?" "Soll ich das machen?" war leider einfach nur nervend.

Ein weiterer Punkt war, dass es meistens nur um Franziskas Selbstfindung und persönlichen Entwicklung ging. Die Annahme, dass es sich bei diesem Buch um Reiseliteratur handelt, hat sich für mich leider nicht bestätigt. Zumindest nahm es höchstens zehn Prozent der Seiten ein.

Zu guter letzt: Ihr Schlüssel zum Glück war natürlich ein Mann! Es tut mir Leid - das kann ja wirklich sein und ich freue mich, dass sie ein neues Leben angefangen hat und kein Single mehr ist. Aber mir als Feministin dreht sich der Magen um, wenn eine Frau ihr erfülltes Leben aufgibt und ihr neues Glück allein aus dem Kennenlernen eines Mannes bezieht. Ich denke nicht, dass es wirklich so war. Aber unterschwellig (gewollt oder nicht) stellt sie es so dar.

Ich möchte dieses Buch nicht abschließend bewerten. Schlecht wäre gemein, denn es war einfach nicht mein Buch. Mittel wäre ungerecht, denn es ist nicht so gut wie andere Bücher in dieser Kategorie. Und gut war es schon gar nicht. Es ist einfach nett, deswegen einfach keine Ratten für diesen Selbstfindungstrip.

Samstag, 7. Dezember 2013

Rezension: Mit der Linie 4 um die Welt von Annett Gröschner

Ich hatte das Buch bereits im Buchladen gesehen und war fasziniert von der Kombination aus Weltreise und der Idee, die auch im "Experimentel Travel" von Joel Henry enthalten ist: Die Welt anhand der Fahrt in immer derselben Straßenbahnlinie zu erleben. Der Prolog war wunderschön geschrieben und zum Schluss: Die Linie meiner Jugendzeit in Leipzig war auch die Nummer vier.

"Mit der Linie 4 um die Welt" von Annett Gröschner

DVA Verlag

399 Seiten

22,99 € (Hardcover)






Annett Gröschner ist über fast zehn Jahre (zwischen 2003 und 2012) auf der ganzen Welt mit der Straßenbahn- oder Buslinie 4 gefahren. Es war ein begleitendes Projekt zu ihrem restlichen Leben, Arbeiten und Wirken. Die Erlebnisse und Texte, die zum Teil bereits veröffentlicht wurden, hat sie jetzt in diesem Buch zusammengefasst.

Annett Gröschner beschreibt dabei nicht nur Erlebnisse ihrer Fahrten und beobachte Eigenarten, sondern hat auch umfangreich zu der Geschichte der jeweiligen Linie und Stadt recherchiert. Bei allem Respekt, den ich vor ihrem Durchhaltevermögen und ihrem Engagement habe, war mir das aber etwas zu viel.

Die Beschreibungen sind sehr authentisch, allerdings habe ich dabei mehr über Annett Gröschner als die einzelnen Städte und Länder erfahren. Trotz ihrer zahlreichen Erzählungen und Fakten, konnte ich den Geist der Orte niemals fassen - ich denke, das liegt an der gleich bleibenden Tonlage, in der die Autorin schreibt.

Es war die ganze Zeit so, als ob man mit einer entfernten verwandten Tante durch die Stadt fährt, die man kaum kennt und etwas verschroben findet. Derweil erzählt sie einem in allen Einzelheiten die Geschichten der Straßen und Gebäuden. Leider fand ich es nicht interessant, sondern nur etwas langatmig und ermüdend. Ich konnte ihre Begeisterung einfach nicht teilen.


Mich selbst hat das Buch nicht erreicht. Für jeden, der witzige, skurrile Fakten über entfernte Ort oder lokale Geschichte oder einfach nur Straßenbahnen mag, ist dieses Buch vielleicht das richtige. Ich hatte einfach ganz andere Erwartungen, die das Buch nicht erfüllen konnte, deswegen leider nur zwei von fünf Ratten



Vielen Dank an den DVA Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Selbstversuch: Mit der Linie 4 durch Frankfurt

Das Buch "Mit der Linie 4 um die Welt" hat mich zu einem Selbstversuch inspiriert, den ich euch als kleinen Vorgeschmack auf das Buch jetzt präsentieren möchte: Ich wollte selber die S-Bahn-Linie 4 in Frankfurt abfahren, um so die Stadt besser oder auch nur anders kennenzulernen.

Wir - mein Reisebegleiter und ich - begannen unsere Reise Sonntag Mittag an der Haltestelle Taunusanlage. Sie befindet sich zu den Füßen der beiden Deutsche Bank Türme und irgendwie überraschte es nicht, dass dort unter diesem Monument des Kapitalismus zwei Obdachlose friedlich auf dem Boden schliefen.

Wir entschieden uns für ein Tagesticket bis zur weiter entfernten Endhaltestelle Kronberg: Für stolze oder auch noch machbare 8,60 € zu haben.

Während wir dank des sonntäglichen Fahrplans noch etwas auf die Bahn warten mussten (ja wir sind ohne vorherigen Abfahrtcheck einfach losgelaufen - ein bisschen Spontanität muss doch auch mal sein), hatten wir unser zweites Frankfurt typisches Erlebnis: Ich fragte meinen Begleiter, ob er ein neues Parfum benutzen würde, da mir eine kleine Duftwolke in die Nase stieg. Belustigt stellten wir beide fest, dass sie zu einem Typen fünf Meter hinter uns gehörte, der eine Louis Vuitton Männerhandtasche dabei hatte und akkurat zurückgegelte Haarpracht. Wie passend, dass seine Parfumwolke für alle weiteren Männer im Umkreis reichte.

Die S-Bahn führte uns vorbei an Werbungen an Häuserwänden aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sowie die Großbaustelle Europaviertel. Endlich mal normaler Wohnkomfort aber leider zu unnormalen Preisen. Es folgten Industrie, Schrebergärten, Wald und kleine Einfamilienhäuser. Neben uns diskutierte ein Paar über das Rausziehen aus Frankfurt und dass man leider doch wieder schnell in gleich teuren Wohngebieten landen kann. Alles wichtige Wahrheiten über Frankfurt, alles Zeichen für den Wunsch nach etwas Grün und Eigenheim mit der traurigen Gewissheit, dass alles nicht so einfach zu erreichen ist.

Beim Kreuzen der Autobahn fiel mir wieder ein, wie wir beinahe mal mit dem Fahrrad auf eine aufgefahren wären. Sie ist in Frankfurt so allgegenwärtig, dass einem das beim falschen Abbiegen mitten in einem Wohngebiet schon mal passieren kann. Wahre Geschichte.

Zwischen einem weiteren großen Industriegelände in Niederhöchst und weiteren Doppelhaushälften und Obstwiesen ein witziger Gruß auf einer Häuserwand: You met me at a very strange time in my life. Ich glaube, das ist der Abschlusssatz für mich, was Filme angeht.

Die Endhaltestelle Kronberg entpuppte sich als süßer Glücksgriff.





Nach eineinhalb Stunden Spaziergang durch diese stille Idylle ging es wieder Richtung Innenstadt. Unglaublich schnell näherten sich die eben noch kleinen Hochhäuser, nach nur 20 Minuten bzw. zehn Haltestellen waren wir wieder mitten in dieser wichtigen Metropole, die für mich doch immer so winzig bleiben wird.

Mein Tipp: Probiert es aus - es lässt einen die eigene Stadt mit neuem Blick erkunden. 

Sonntag, 24. November 2013

Rezension: Ein Schmetterling im November von Audur Ava Ólafsdóttir

Den Tag gestern habe ich in Island verbracht... Nagut, eigentlich habe ich auf dem Sofa gelegen und meinen Wintertee getrunken, aber es hat sich so angefühlt als hätte ich mit diesem wunderschönen kleinen Buch eine Reise durch Island unternommen. Da es wunderbar zur kalten Jahreszeit passt möchte ich euch heute also "Ein Schmetterling im November" vorstellen.

„Ein Schmetterling im November“ von Audur Ava Ólafsdóttir
Suhrkamp Insel Verlag
Verlagsseite zum Buch
355 Seiten
22,95 € (Hardcover)









Den Beginn der Geschichte bildet das Ende der Ehe unserer namenlosen Protagonistin. Der Mann trennt sich von ihr, hat eine Neue und möchte mit dieser ein Kind bekommen. Die Protagonistin selbst wollte keine eigenen Kinder, war mit Arbeit und Mann zufrieden (obwohl auch sie ihn schon betrog) und wirkt nun ziemlich desorientiert. Als sie gerade dabei ist ihr Leben neu zu sortieren, eine Reise plant und alles verarbeiten möchte, stürzt ihre schwangere beste Freundin. Da diese nun ins Krankenhaus muss bleibt es an unserer Protagonistin auf den Sohn der Freundin achtzugeben. Kurz entschlossen nimmt sie den kleinen gehörlosen Jungen mit auf ihre Reise durch Island.
Ich hatte mich schon direkt bei der Leseprobe in diese Geschichte verliebt, der Schreibstil ist fein und detailliert, hat einen gewissen Witz und liest sich unheimlich flüssig. Noch dazu hat die Geschichte mich von Beginn an richtig neugierig gemacht. Ich wollte zu jeder Zeit wissen wohin es mit der Handlung und den Personen gehen wird. Die selbstgewählt kinderlose Protagonistin und der kleine gehörlose Junge mit der dicken Brille sind einfach ein skurriles Paar und mir sofort ans Herz gewachsen.
Die Geschichte wird aus der Perspektive der Protagonistin erzählt und man merkt, wie sich nicht nur ihre Lebenssituation sondern Stück für Stück auch sie selbst sich verändert. Sowohl die ungewöhnliche Situation ihrer Reise als auch ihr besonderer Reisegefährte machen sie zu einer stärkeren Frau. Und obwohl sie keinen Namen hat ist man dieser Hauptfigur einfach nah. Die besondere Stärke dieses Buches ist in meinen Augen gerade diese besondere Atmosphäre der Geschichte. Man meint gemeinsam mit diesen beiden Figuren durch das kalte unwirtliche Island im November unterwegs zu sein. Die wunderschönen Landschaftsbeschreibungen zusammen mit den leisen und detaillierten Erzählungen über die Erlebnisse der beiden machen alles irgendwie echt.
Ich kann dieses Buch allen ans Herz legen die Lust auf eine ruhige Geschichte über zwei besondere Menschen haben. Ich selbst habe dieses Buch absolut genossen und habe mich in seiner Stimmung einfach wohl gefühlt. Eine Besonderheit noch: am Ende des Buches finden sich die Rezepte der von den Personen verspeisten Gerichte, manche richtig beschrieben, manche witzig gemeint. Insgesamt ein netter Anhang zum Schmunzeln… und den Apfelkuchen werde ich vermutlich wirklich mal probieren.
Insgesamt 5 von 5 Leseratten von mir für diese wunderschöne Geschichte.


Vielen Dank an den Insel Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Mittwoch, 9. Oktober 2013

Rezension: Das große Los von Meike Winnemuth


Pünktlich zum Start der Frankfurter Buchmesse möchte ich euch mein Highlight der Leipziger Buchmesse von diesem Jahr vorstellen.  


„Das große Los“ von Meike Winnemuth 
Knaus-Verlag 


329 Seiten  

19,99€ (Gebundene Ausgabe)







Manche kannten Meike Winnemuth schon vor diesem Buch, ich leider nicht: Sie ist freie Journalisten und bekannt geworden mit ihren ungewöhnlichen Selbstversuchen wie z. B. ein Jahr lang jeden Tag das gleiche blaue Kleid zu tragen und darüber zu berichten. „Das große Los“ ist die Zusammenfassung ihres Blogs „Vor mir die Welt“, den sie im Jahr 2011 über ihre Weltreise schrieb.

Schon das Prinzip ihrer Reise fand ich toll: Sie startete am 01.01.2011, um in zwölf verschiedenen Städten immer einen Monat zu leben. Sydney, Buenos Aires, Mumbai, Shanghai, Honolulu, San Francisco, London, Kopenhagen, Barcelona, Tel Aviv, Addis Abeba, Havanna. Warum sie los gefahren ist? Sie hatte bei Jauch eine halbe Million gewonnen und damit den Mut dazu gehabt – denn das Geld, das merkt sie schnell, hätte sie gar nicht gebraucht.

Das Buch besteht aus zwölf Briefen aus jeder Stadt, die sie an Freunde und Familie geschrieben hat. Es geht weniger um Beschreibungen, was sie gesehen hat, als was sie erlebt, erfahren, erkannt hat. In jeder Stadt probiert sie neue Dinge aus, lässt das Gefühl zu irgendetwas gezwungen zu sein nicht zu. Und nimmt einen damit völlig gefangen. Einige der Sätze haben sich bei mir eingebrannt: „Zuhause hätte ich gesagt „Das wäre mal ganz nett, nur …“ und hätte es auf den großen Irgendwann-mal-Stapel gepackt, der, wie die Lebenserfahrung lehrt, in Wahrheit ein Niemals-Stapel ist.“

Ich muss ehrlich zugeben, dass mir ihr Schreibstil nicht immer zugesagt hat, aber dafür hat schon das Lesen dieses Buches etwas in mir in Bewegung gesetzt, was Meike Winnemuth dazu bewogen hat, ihr ganzes Leben neu zu überdenken. Ich war wie elektrisiert, weil dieses Buch ein Wachmacher ist. Das Leben zu genießen, mutig zu sein, Neues zu entdecken, nicht aus Angst oder Bequemlichkeit stehen zu bleiben und dabei immer glücklicher zu werden. Ich habe das Buch innerhalb von drei Tagen ausgelesen und konnte es nicht erwarten, es meinem besten Freund zu leihen, der es ebenfalls verschlungen hat. Und wir sind uns einig: Dieses Buch muss man besitzen und jedes Jahr aufs Neue lesen. Das letzte Mal wollte ich keine fünf Leseratten vergeben, weil ich dieses Buch im Hinterkopf hatte, meine definitiven fünf von fünf Leseratten.