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Samstag, 16. August 2014

Rezension: Das Glück, wie es hätte sein können von Véronique Olmi

Diese Rezension ist schon überüberfällig. Ich denke, demnächst wird mich vorablesen auf irgendeine schwarze Liste setzen, wenn ich dieses Buch nicht bald rezensiere. Also los, los!


"Das Glück, wie es hätte sein können" von Véronique Olmi Antje Kunstmann Verlag

224 Seiten

19,95 € (Gebundene Ausgabe)

Die Leseprobe von vorablesen findet ihr hier.





Suzanne ist über vierzig, verheiratet und Klavierspielerin. Sie führt ein einfaches, bescheidenes Leben in Paris. Bis sie Serge trifft. Er ist sechzig, reicher Immobilienmakler, mit einer Frau in den Zwanziger verheiratet und zweifacher Vater. Serge ist zufrieden mit seinem Erfolg, den er daran misst, dass er reich ist, eine junge Frau und zwei wundervolle Kinder hat. Aber wirklich glücklich scheint er nicht zu sein.

Das Buch beschreibt, wie zwischen Suzanne und Serge scheinbar ohne Sinn und Verstand eine herzzereißende Leidenschaft entsteht. Die Intensität ist in jedem Wort spürbar und erstaunlich authentisch, auch wenn man es nicht verstehen kann. Ein Mann, eine Frau, ein Blick und wenig später steht er im Regen vor ihrem Haus, stundenlang. Ehe er bei ihr klingelt und sie einfach küsst und sie es einfach geschehen lässt.

Das Buch liest sich leicht und dennoch berührt es Herz und Hirn. Fast jeder Satz lässt einen nachdenken. Leider hat das Ende einiges davon zerstört. Natürlich musste es noch ein lang gehegtes Familiengeheimnis geben. Insgesamt war am Ende des Buches nur eines wieder klar: In Frankreich ist Liebe gleich körperliche Anziehung und zerstörerisch.

Bis zur Hälfte des Buches war es fünf Ratten wert. Danach stürzte es ab. Nach langem hin und her finde ich, dass das Buch dennoch vier von fünf Leseratten verdient hat. Vielleicht finden andere das Ende auch überraschend und spannend. Kreativ war es auf jeden Fall.





Das Buch in einem Zwitschern: 
"Das Glück, wie es hätte sein können" beschreibt eine leidenschaftliche Liebe intensiv & authentisch, doch das Ende zerstört den Zauber.

Mittwoch, 6. August 2014

Rezension: Die Achse meiner Welt von Dani Atkins

Das ich Gedankenexperimente und „was wäre wenn“ in Geschichten sehr mag, hat man bestimmt schon an meinem ein oder anderen Buch gemerkt, vor kurzem ja sogar ganz offensichtlich. „Die Achse meiner Welt“ ist nun von Titel und Richtung deutlich verträumter, bringt aber auch ein echtes Gedankenexperiment mit und hat mir großes Vergnügen bereitet.

„Die Achse meiner Welt“ von Dani Atkins
318 Seiten
9,99 € (Taschenbuch)








Rachel wird bald mit ihrem Studium beginnen und hat ein chancenreiches Leben vor sich, als ein tragischer Unfall ihr Schicksal wendet. Gemeinsam mit ihrem Freund und der Clique sitzt sie beim Essen, als ein Auto in das Lokal rast und ihren Kumpel Jimmy erfasst, während dieser Rachel gerade in Sicherheit bringt. Jimmys selbstlose Tat berührt Rachel, aber es sind nicht nur Schuldgefühle, die sie in ein so düsteres Loch reißen. Sie vermisst Jimmy, kämpft die nächsten Jahre schwer mit den Folgen des Unfalls und trennt sich sogar von ihrem Freund. Fünf Jahre später erleidet Rachel dann erneut einen tragischen Unfall. Als sie erwacht, scheint ihre Welt auf den Kopf gestellt. Jimmy lebt, der Unfall ist so nie geschehen… die Welt scheint sich zurückgedreht zu haben. Was will Rachel nun aus dieser neuen Chance machen?

Bei diesem Buch musste ich die Inhaltsangabe einfach etwas ausufern lassen, weil ich die Geschichte sehr schön und faszinierend finde. Nicht jeder hat natürlich so einen tragischen Fall vor Augen, wenn er an „was wäre wenn“ denkt, aber Gedankenspiele, ab einem bestimmten Punkt in seinem Leben eine gewisse Entscheidung oder auch nur die eigene Haltung zu verändern, hat wohl schon jeder gemacht. So charmant das klingt, für die Protagonistin in „Die Achse meiner Welt“ zeigt sich schnell, dass auch ein gewisser Schmerz darin liegt, aus dem eigenen Leben gerissen zu werden. Gerade diese emotionale Berg- und Talfahrt hat mich total gefesselt.
Der Schnitt in der Geschichte, zwischen den parallelen Realitäten, wirkt recht hart und plötzlich, die Überlegungen, welche Auswirkungen das auf das Leben von Rachel hat, sind dabei aber wunderbar umgesetzt und konsequent weitergedacht. Ich hatte einige eigene Theorien und habe sie wieder verworfen, habe gegrübelt und das Ende dann zwar schon geahnt, war aber trotzdem traurig berührt, als es wirklich wahr wurde.
Das ist insgesamt für mich der größte Pluspunkt des Buches: es kann berühren.
Die Charaktere sind nicht unbedingt außergewöhnlich, die Clique wirkt recht gewöhnlich zusammengestellt: das normale Mädchen, die nette Freundin, die schöne Unnahbare, der Schönling,  der schüchterne aber sympathische Kumpel. Einige der Figuren scheinen, als wären sie aus anderen Büchern irgendwie schon bekannt und können nicht wirklich überraschen. Trotzdem hängt man im Laufe der Geschichte sehr an ihnen und möchte wissen ob (und wie!) es weitergeht. Da kann ich es auch verschmerzen, dass (vor allem zu Beginn des Buches) auch das ein oder andere Gespräch zwischen den Charakteren noch sehr klischeehaft wirkt. Die Entwicklung, die später vor allem bei Rachel, einsetzt hat mich dafür „entschädigt“ und mich das Buch förmlich einsaugen lassen. Ihre fieberhafte Suche nach der Wahrheit und richtigen Entscheidungen hat mich nicht mehr los gelassen. Bei diesem Buch ist es also eindeutig die außergewöhnliche Handlung und weniger die Charaktere, die im Kopf haften bleiben.

Ich vergebe insgesamt 4 von 5 Leseratten für ein Buch, das mir gut gefallen hat und mich trotz einiger kleiner Schwächen überzeugen konnte.
 

Das Buch in einem Tweet: „Die Achse meiner Welt“ bringt eine Liebesgeschichte durchs Kaleidoskop betrachtet. Nicht ganz unerwartet aber schööön und richtig traurig.

Donnerstag, 19. Juni 2014

Rezension: Ketchuprote Wolken von Annabel Pitcher

„Ketchuprote Wolken“ habe ich bei den Neuheiten auf Skoobe entdeckt und es mir dann einfach mal abends, zur Ablenkung, ausgeliehen. Ein Buch, das ich sonst vermutlich nie gekauft oder aus der Bibliothek geholt hätte. Für mich wäre das in diesem Fall kein allzu großer Verlust gewesen.

„Ketchuprote Wolken“ von Annabel Pitcher
288 Seiten
12,99 € (Taschenbuch)








Die 15-jährige Zoe schreibt Briefe an einen Mörder, der in Texas im Todestrakt sitzt. Das tut sie nicht, um den Häftling zu Unterhalten oder „etwas Gutes“ zu tun, sondern um ihre Schuld von sich zu schreiben. Zoes Vergehen ist von Anfang an Thema ihrer Briefe, doch wird erst sehr spät enthüllt, was wirklich zwischen ihr und ihrer großen Liebe geschah.

Dies ist nicht das erste Buch in Briefform, welches ich vorstelle. Ich habe einfach einen Faible für diesen Aufbau. In diesem Buch fand ich ganz besonders spannend, dass Zoe an einen Mörder schreibt, ihr Herz ausschüttet und nie eine Antwort erhält. So erfährt man Stück für Stück ihre Geschichte dieser großen „Schuld“ die sie auf sich lud ohne dass die Geschichte durch Antworten gelenkt werden würde.
An sich hat mir „Ketchuprote Wolken“ ganz gut gefallen, so richtig warm geworden bin ich mit dem Buch aber trotzdem nie. Zoe als Protagonistin ist zwar schon irgendwie sympathisch aber die Darstellungen aus ihrer Sicht haben mich zum Teil doch sehr irritiert. Die Handlung wurde für meinen Geschmack zu langwierig aufgebaut und zu nebulös umschrieben. Mir ist klar, dass das zur Spannung beitragen soll, das endgültige Ergebnis war diesem ganzen Tamtam aber dann doch nicht ganz angemessen.
Mein Problem mit dem Buch liegt vermutlich außerdem daran, dass ich nicht wirklich einordnen kann für Leser welchen Alters es gedacht war. Zum Teil sind die Handlungsstränge zwischen Zoe und ihrer großen Liebe schon recht „erwachsen“ für junge Leser, die Probleme in der Familie oder Zoes Gedankengänge und Hobbies wirken dagegen wieder so niedlich-kindlich, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass ein Teenie daran sonderlichen Gefallen finden wird.

Ich mach es heute ganz kurz: für junge Leser ist dieses Buch vermutlich ein schöner Einstieg in Themen rund um erste Liebe und bietet dabei auch noch ein bisschen Spannung. Der ungewöhnliche Erzählstil ist dabei schön umgesetzt. Für mich war dieser Ausflug in den Bereich „Jugendbuch“ nicht sonderlich passend, wirklich bewerten möchte ich es daher nicht.

Freitag, 13. Juni 2014

Rezension: 434 Tage von Anne Freytag

Nach der Begeisterung für „Oryx und Crake“ von Margaret Atwood bin ich in eine kurze Phase chronischer Unzufriedenheit mit neuen Büchern verfallen, ein kleiner Lese-Liebeskummer. Ich habe diverse Bücher angelesen und unzufrieden beiseite gelegt. Dann habe ich es mit „434 Tage“ von Anne Freytag probiert. Über diese Autorin liest man so viel in der Bloggerwelt, dass ich auch einfach mal wissen wollte „ob da was dran ist“.

„434 Tage“ von Anne Freytag
224 Seiten
9,99 € (Taschenbuch) oder 4,99 € (Kindle Edition)









Anja ist glücklich verheiratet mit Tobias. Zumindest ist sie davon fest überzeugt, bis sie ihren Ex-Freund Julian wiedertrifft. Schon eine kurze Begegnung mit Julian führt dazu, dass Anjas alte Gefühle wieder aufflammen. Und da wird es richtig kompliziert. Denn Tobias liebt sie doch auch. Irgendwie. Das so eine (ungewollte) Dreiecksbeziehung nicht lange gut gehen kann ist wohl auch Anja klar. Wie sich das alles am Ende entwickeln wird, hätte sie wohl trotzdem nicht geglaubt.

Dreiecksbeziehungen in Büchern sind eigentlich nicht so ganz meins. Für mich ist Betrug irgendwie immer mit einem bitteren Beigeschmack verbunden und ich steigere mich in Bücher vermutlich zu sehr rein, als das ich so ganz „neutral“ zu betrachten könnte. „434 Tage“ hat mich dennoch mitgenommen. Anfangs habe ich nämlich genau das gefunden, was mir bei normalen Dreiecksgeschichten oft fehlt: man kann Anja verstehen und ihre Liebe zu beiden Männern wirkt einfach authentisch. Keiner ist nur der sexuell anziehende Liebhaber oder gehörnte Ehemann, alle Charaktere tragen mehrere stimmige Facetten.
Auch die Darstellung der Geschichte hat gut dazu gepasst. Wechselnd wird aus verschiedenen Zeitebenen berichtet wie Anja zu Julian kam, während sie doch eigentlich Tobias liebte. Außerdem erfährt man als Leser auch viel von der ersten Beziehung von Anja und Julian eine Menge. Eine einfache Bettgeschichte ist das also ganz und gar nicht.
Toll ist dabei vor allem der Schreibstil der Autorin. Die Geschichte wird abwechslungsreich dargestellt und immer mit viel Atmosphäre beschrieben. Der stetige Wechsel zwischen Gesprächen und Rückblenden, Gedanken und später sogar Briefen hat mir unheimlich gut gefallen. Man verliert sich unheimlich schnell in diesem Buch.
Mein einziger Wermutstropfen ist das Ende der Geschichte. Dort wurde die so schön und stimmig aufgesetzte Situation für meinen Geschmack zu „platt“ aufgelöst. Nachdem die Geschichte mit so viel Liebe aufgebaut wurde, hatte ich einfach nicht erwartet ein schlichtes schwarz-weiß gezeichnetes Ende zu bekommen. Dass dann nun doch wieder einer der gute und einer der böse sein soll fand ich unnötig einfach.

Trotzdem hat mir das Buch unterm Strich sehr gut gefallen und mich so schnell mitgerissen, dass mein Lese-Liebeskummer etwas gemildert wurde. 4 von 5 Leseratten gibt’s deswegen für „434 Tage“ und ich möchte so bald wie möglich ein Buch von Frau Freytag lesen, dessen Thematik mich jetzt schon mehr anspricht „Renate Hoffman“.


Das Buch in einem Tweet: "434 Tage" ist mitreißend erzählt, hat einen Schreibstil der Spaß macht. Nur die Lösung der Geschichte könnte geschickter sein.

Samstag, 17. Mai 2014

Geschenktipp: "Lob der Ehe" von Rafik Schami

Ich habe in diesem Jahr das Glück die Hochzeit von zwei tollen Paaren zu erleben. Auch nächstes Jahr steht schon eine Feier fest. Ich liebe Hochzeiten, es ist toll mit Freunden diesen besonderen Tag erleben zu dürfen und gemeinsam zu feiern. Und trotzdem stellt sich jedesmal bang die Frage „was nur schenken?“. Ich bin kein Fan von Salatbesteck oder Saucieren, basteln kann ich auch nicht. Heute möchte ich euch deswegen ein Buch vorstellen, dass ein wunderbares Geschenk an glückliche Paare sein kann. Eigentlich wollte ich es nur selbst lesen, weil mich die Thematik so anspricht. Als ich es las war klar: es kann auch ein wertvolles Geschenk sein an Menschen, die man liebt und von dem sie lange etwas haben können.

„Lob der Ehe – Ein weltliterarisches Treuebuch“ herausgegeben von Rafik Schami
503 Seiten
22,95 € (Hardcover im wunderschönen Leineneinband)








Bücher über unglückliche und unerfüllte Liebe gibt es zu Hauf. Ganze Bibliotheken voll davon und Lagerhallen mit seichter Literatur oder Filmen über eine abgewiesene Liebe könnte man füllen. Was laut Rafik Schami fehlte ist eine Sammlung an Geschichten über lange und glückliche Beziehungen. Daher hat er sie gesammelt, um ein Loblied auf die Liebe (und Ehe) zu halten. Denn für ihn ist das „dauerhafte Zusammenleben zweier Menschen – mit anderen Worten, das größte und beständigste Wunder der Menschheitsgeschichte“ (S. 462) Diesem Wunder wird mit „Lob der Ehe“ ausgiebig Tribut gezollt.
Die Vielfalt der enthaltenen Geschichten ist unglaublich, es gibt moderne und ältere, klassische Erzählungen. Westliche, asiatische und orientalische Geschichten. Ich habe mir bekannte Autoren entdeckt und auch einige, von denen ich bisher noch nichts gelesen habe. Einige bringen zum Schmunzeln, andere zum Grübeln, manchmal war ich etwas ratlos. Auf jeden Fall kann dieses Büchlein den eigenen Horizont erweitern und es macht Spaß darin zu lesen. Man kann lose darin hin und her springen und nur einzelne Geschichten lesen, jeden Abend einen kleinen Happen genießen oder alles am Stück verschlingen (wobei ich die Geschichten dafür zu verschieden finde und jede erstmal sacken lassen wollte).
Ein besonderes Highlight war für mich die Geschichte „Ein Vierteljahrhundert später“ von Ian McEwan. Er ist einer meiner Lieblingsautoren, aber auch ungeachtet dessen ist ihm eine kleine, leise aber sehr berührende Geschichte geglückt. Eine Erzählung über die alltägliche und trotzdem besondere Liebe eines lange verheirateten Paares. Die Beschreibungen über die Nähe dieses Paares haben mich schon beim Lesen glücklich gemacht. Ich bin ein echter „Heirats-Fan“ und hoffe, dass unsere Ehe auch noch in einem Vierteljahrhundert so sein wird. Ehe hat für mich auch nichts mit einer pompösen Party oder einem schicken Fest zu tun, sondern genau die in dieser Geschichte geschilderte Liebe und Geborgenheit macht es für mich aus eine gute Beziehung zu führen.
„Trotzdem“ von Lena Bach war eine weitere, besonders tolle Geschichte. Mit einem schelmischen Augenzwinkern wird einem dort vor Augen gehalten, wie viele Gründe es gegen die Ehe gibt… und wie hoffnungslos glücklich sie uns dann unter Umständen trotzdem machen kann. So weit, dass man dem Partner in die Hölle gerne folgen wird, denn „Ich laß ihn doch nicht allein.“ (S. 56).
Auch der Einstieg in diese Sammlung ist perfekt gewählt: in „Nach dem Sündenfall“ von Mark Twain zählt Eva ihre Gründe auf, warum sie Adam liebt. Die Argumentation hat mich zum Lachen gebracht, denn Adam scheint weder besonders stark oder mutig noch sonderlich schön zu sein. Evas Schlussfolgerung hat mich nach allem Humor dann sehr gerührt und macht auch diese Geschichte für mich zu etwas ganz Besonderem „Ja, ich glaube, ich liebe ihn nur, weil er mein und weil er ein Mann ist.“ (S. 7)
Das sind nur drei Beispiele, eine ganze Menge mehr ist in diesem Buch versteckt und verdient es entdeckt zu werden. „Lob der Ehe“ ist vielleicht kein Buch, dass man einfach mal so durchliest, aber es ist ideal geeignet als Geschenk an ein frisch verheiratetes Paar oder als Geschenk an sich selbst, wenn man bald heiraten (oder sich darüber klar werden) möchte.

Donnerstag, 15. Mai 2014

Rezension: Das Rosie-Projekt von Graeme Simsion

Einen passenden Partner fürs Leben (und Heiraten)  zu finden, ist keine leichte Angelegenheit und für manchen Menschen regelrecht Arbeit. Ein Buch, dass sich mit der (zugegeben) recht ungewöhnlichen, Suche nach dem perfekten Ehepartner beschäftigt ist „Das Rosie Projekt“ von Graeme Simsion.

„Das Rosie-Projekt“ von Graeme Simsion
Fischer Krüger Verlag
352 Seiten
18,99 € (Hardcover)









Don Tillmann möchte endlich heiraten. Das ist an sich vielleicht nichts ungewöhnliches, aber Don findet schon normale zwischenmenschliche Interaktionen äußerst anstrengend. Don ist zwar Professor für Genetik, in Beziehungsfragen ist er dafür eher hilflos und unwissend. Um endlich „das Ehefrauen-Problem“ zu lösen, entwickelt Don einen Fragebogen, mit dessen Hilfe er die perfekte Frau finden möchte. Auf seiner Suche begegnet Don einigen Fehlschlägen. Dann trifft er Rosie, auch sie ist eigentlich genau das Gegenteil von dem, was Don sucht. Doch sie ist auf der Suche nach ihrem biologischen Vater und Don immerhin Experte in Sachen Genetik, also macht er sich mit ihr gemeinsam auf die Suche und startet „Das Rosie-Projekt“.

Eigentlich bin ich kein Freund von „romantischen Komödien“. Irgendwie kommen mir diese Geschichten häufig so vor, als wäre ein Grundgerüst für tausend Bücher angepasst worden, ohne es wirklich zu verändern. „Das Rosie-Projekt“ sticht hier (für mich) positiv aus der Masse heraus. Zwar weißt die Geschichte auch ganz klassische Merkmale der romantischen Komödie auf und richtig „neu“ ist sie nicht, aber die Details waren witzig und „anders“ genug, um mein Interesse aufrecht zu erhalten.

Da ist zuerst einmal Don, der nerdige Professor und Hauptcharakter des Buches. Die Eigenarten und Macken dieses Charakters sind wirklich toll dargestellt und setzen sich auch in seinen Dialogen wunderbar fort. (Für alle, die die Serie „The Big Bang Theory“ kennen, wird sich der Vergleich zu Sheldon Cooper geradezu aufdrängen.)
Auch der gesamte Schreibstil ist Dons wissenschaftlicher Genauigkeit und besonderen Lebensweise angepasst, alles wirkt ein bisschen gestelzt und ist gleichzeitig deutlich überzeichnet dargestellt.
Rosies Charakter bringt in diese nerdige Grundsituation dann einen ganz eigenen, frischen Wind. Sie ist alles, was Don verabscheut: sie ist Raucherin und Chaotin, schert sich nicht um Klischees und trinkt gern mehr, als die „empfohlene Tagesdosis“ Alkohol.

Die Kombination zweier so unterschiedlicher Figuren ist natürlich nichts völlig Neues, gibt diesem Buch aber einen ganz besonderen Charme. Dons Entwicklung ist nett dargestellt und ich habe mehr als einmal lachen müssen, über die für ihn so ungewohnten Neuerungen, die sein sonst so geordnetes Leben durcheinanderwerfen.
Ein bisschen habe ich befürchtet, dass das Buch dann gegen Ende wieder zu sehr zum Standard abdriftet und die Charaktere nur genug verbogen und verdreht werden müssen, damit alles gut wird. Ich möchte nicht zu viel verraten, kann aber sagen, dass hier ein schöner, anderer Weg gewählt wurde, um die Geschichte aufzulösen.

Das Buch ist nicht perfekt, hat mir aber so viel Spaß gemacht, dass ich es an einem Stück weggelesen habe und auch gern noch mehr von dieser Geschichte mitbekommen hätte. Ich vergebe sehr gute 4 von 5 Leseratten für die beste romantische Komödie, die ich seit langem gelesen habe.

Dienstag, 13. Mai 2014

Rezension: Die Verlobungen von J. Courtney Sullivan

"Die Verlobungen" wurde zu einer Zeit bei vorablesen vorgestellt, als ich meinen ersten Durchhänger in den Hochzeitsplanungen hatte. Die ganzen Solls und Wäre-Schöns und überschwenglichen Gefühle verlangten nach einem Gegenpol - einem Buch, von dem ich zunächst dachte, dass es ein Manifest gegen die eine wahre Liebe sein könnte.

"Die Verlobungen" von J. Courtney Sullivan Deuticke Verlag

592 Seiten

21,90 € (Gebundene Ausgabe)

Die Leseprobe von vorablesen findet ihr hier.







"Die Verlobungen" verbindet zu verschiedenen Zeiträumen die Geschichte von fünf Menschen: 1947 - Frances denkt sich mitten in der Nacht den Slogan aus, der später weltberühmt werden sollte "Diamonds are forever". 1972 - Evelyn bereitet sich auf den Besuch ihres Sohnes vor, der seine Frau wegen einer anderen verlassen hat. Noch hofft sie auf eine Wendung der Ereignisse. 1987 -  James denkt kurz vor Weihnachten darüber nach, wie schwer das Leben und das Lieben ist, wenn nie ausreichend Geld da ist. 2003 - Delphine verwüstet aus Rache die Wohnung ihres Verlobten, der sie betrogen hat. 2012 - Kate bereitet sich auf die Hochzeit ihres schwulen Cousins Jeff vor und das obwohl sie gegen das Heiraten ist.

Natürlich sind alle Geschichten miteinander verbunden und es wird schnell klar wodurch. Doch das ist nicht das Entscheidende. Das Entscheidende und Wunderbare an "Die Verlobungen" ist die Verknüpfungen von detailliert recherchierten Fakten, denn Frances, die Werbeagentur, für die sie arbeitet und ihr Kunde, der Diamantenhändler De Beers, sie hat es alle gegeben, mit den vielschichtigen Geschichten der anderen Figuren, denen J. Courtney Sullivan dank ihrer guten Recherche über die jeweiligen Jahrzehnte ebenfalls beeindruckend Leben einhaucht. Schon die Geschichte um Frances und die Etablierung des diamantenen Eherings in der amerikanischen Gesellschaft wäre genug spannender Lesestoff gewesen, doch die Autorin webt darum noch die verschiedenen Liebes- und Lebensgeschichten der durchweg sympathischen Charaktere beeindruckend um ihre Kernbotschaft: Ein Diamant ist für immer, er übersteht alle Widrigkeiten des Lebens. Aber die Liebe - sie ist noch fester, tiefer, älter; der Diamant kann sie würdig repräsentieren, aber nicht übertrumpfen.

"Es geht um Massenpsychologie, denn unser Ziel ist es, den diamantenen Verlobungsring zu einer psychologischen Notwendigkeit zu machen. Zielgruppe: etwa siebzig Millionen Menschen im Alter von fünfzehn aufwärts, deren Weltsicht wir in unserem Sinne beeinflussen wollen." (S. 14)

"Nicht jeder Mann gründet eine Stadt, gibt einem Stern einen Namen oder teilt ein Atom. Nur wenige bauen sich selbst ein Denkmal, vor dem spätere Generationen staunend stehen und ausrufen: "Das war unser Vorvater. Dort steht sein Name. Und dies alles war sein Lebenswerk." Doch in einem Diamanten kann sich jeder Mann auf ganz eigene Art verewigen." (S. 22)

"Evelyn trug den Ring schon so viele Jahre, und die Linie weicher, weißer Haut, die darunter lag, ließ es aussehen, als habe der Ring Alter, Trockenheit, Sonne und Falten wie ein Schild von ihr abgehalten." (S. 50)

Das Buch ist spannend, interessant, leicht, fesselnd, bewegend, lehrreich und nicht nur was für Frauen. Ich möchte eigentlich nur noch sagen: Lesen! Gefangen nehmen lassen! Eintauchen! Erleben! "Die Verlobungen" ist mein erstes Highlight in 2014. Es ist schon wieder etwas her, dass ich es gelesen habe - am liebsten würde ich es gleich wiederholen. Deswegen - fünf von fünf Leseratten.


Dienstag, 22. April 2014

Angelesen: Das Glück, wie es hätte sein können von Véronique Olmi

Endlich hab ich wieder Zeit für vorablesen und konnte auch wieder was finden, was mich begeistern konnte: Liebe und Lebensveränderungen. Dieses Buch schreit ja gerade zu nach mir.


"Das Glück, wie es hätte sein können" von Véronique Olmi Antje Kunstmann Verlag

224 Seiten

19,95 € (Gebundene Ausgabe)

Die Leseprobe von vorablesen findet ihr hier.





Suzanna ist Klavierstimmerin und scheint ein kleines bescheidenes Leben zu führen. Sie ist zufrieden und glaubt nicht, dass ihr etwas außergewöhnliches passieren könnte. Doch dann stößt sie auf dem Weg zu einem Auftrag mit Serge zusammen.

Mehr kann man aus der Leseprobe nicht herauslesen. Suzanna erzählt die Geschichte aus der Rückblende, scheinbar völlig überrascht und fasziniert darüber, wie sich das Leben durch etwas so banales wie ein Zusammenstoßen in einem Hausflur verändern kann. Inwiefern es sich ändern wird, wird noch nicht klar.

Die Sprache ist nachdenklich, etwas hochtrabend, fast philosophisch. Und dennoch nimmt es einen direkt mit auf diese kleine Reise. Dank dem Schreibstil habe ich auch das erste Mal an dem Zitat der Woche bei vorablesen teilgenommen. Mal sehen, ob ich das Überraschungspaket gewinnen kann:

"Ich verstehe nicht, dass man keine Lust haben kann, den Atem der Zeit zu spüren, dem Leben den Puls zu messen, zu sehen, was es uns bietet."

Freitag, 31. Januar 2014

Rezension: Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry

Dieses Buch war eine echte Challenge: Aufmerksamen Beobachter(inne)n ist nicht entgangen, dass es den ganzen Monat unter "Im Moment" stand. Das lag zum einen an der Seitenzahl, zum anderen an außerbloggigem Stress und zum wiederum anderen an einem schlechten Start in die Geschichte.


"Die unwahrscheinliche Pilgerreise von Harold Fry" von Rachel Joyce Fischer Verlage

378 Seiten

9,99 € (Taschenbuch)







Harold Fry ist vor Kurzem in Rente gegangen, nachdem er fünfundvierzig Jahre lang für dieselbe Firma gearbeitet hat. Seine Ehe dauert bereits noch länger an und seine Frau scheint sich nur um die Sauberkeit und Ordnung des Hauses zu kümmern, während sie ihren Sohn mehr schätzt als ihren Mann.

In diese verfahrene Vorstadtsituation platzt ein Brief einer alten Kollegin von Harold. Sie liegt in einem Hospiz im Sterben und möchte sich von ihm damit verabschieden. Harold verfasst einen kurzen Antwortbrief und macht sich auf den Weg zum Briefkasten. Unsicher lässt er einen Briefkasten nach dem anderen liegen, weil er das Gefühl hat, es wäre nicht genug. Bis er entscheidet, er wird quer durch Großbrittanien laufen, um seine Kollegin durch diesen Akt der Willensstärke vor dem Tod zu retten. Auf diese Idee hatte ihn eine junge Frau an einer Tankstelle gebracht. Hier beginnt Harolds Reise zur Grenze Schottlands und zu seiner Vergangenheit. Denn beim Laufen ist man mit seinen Gedanken allein.

Es hat sehr lange gebraucht, bis ich an dem Buch etwas besonderes finde konnte. Harold läuft und erinnert sich. Seine Erinnerungen sind jedoch stets nur Andeutungen und scheinen im Widerspruch zu den Beschreibungen seiner Frau zu stehen, deren Erleben parallel zu seiner Reise beschrieben werden. Es war etwas ermüdend und für mich ohne weitere Highlights.

Beim ersten Bruch in seiner Reise erfasste mich jedoch eine gewisse Begeisterung: Seine mentale Entwicklung schien im Einklang mit dem Geschehen zu stehen. Eine für mich eher klassische Technik in der Literatur, die ich aber sehr gut umgesetzt fand. Dadurch bekam die Geschichte etwas an Dynamik, während ich weiter ungeduldig darauf wartete, endlich die Wahrheit über Harolds Vergangenheit herauszufinden.

Die kam auch irgendwann - plötzlich, direkt, ohne Vorwarnung. Wenn auch nicht überraschend. Da es der einzige Spannungsbogen im Buch war, war es mir leider etwas zu wenig. Die Entwicklung von Harold fand ich gut, wenn auch nicht immer nachvollziehbar und etwas mystisch. Wer läuft auch einfach so los?

Seine Frau Maureen fand ich besser - das konnte ich nachempfinden und fand es realistisch. Insgesamt gefiel mir auch die Kernbotschaft (nach meiner Interpretation): Wer aus seinen Gewohnheiten ausbricht, hat die Chance sich mit sich und seinem Leben auseinander zu setzen und dabei glücklicher zu werden. Wir dämpfen viele Gedanken und Gefühle in der Geschäftigkeit des Alltags, die nicht gedämpft sondern gedacht und gefühlt werden sollten.

Insgesamt fand ich das Buch dennoch - für mich ganz persönlich - nett. Nach einigem Abwegen und hier und her überlegen, habe ich mich dennoch für vier von fünf Leseratten entschieden. Wegen der wunderbaren Einheit von Inhalt und Botschaft.

Donnerstag, 16. Januar 2014

Angelesen: Die Verlobungen

Und es geht munter weiter: Jede Woche ist ein neues Buch bei vorablesen dabei. Während "Mit 20 hat man kein Kleid für eine Beerdigung" wegen eines Versandfehlers noch auf dem Weg zu mir ist, habe ich den nächsten Schatz entdeckt.

"Die Verlobungen" von J. Courtney Sullivan Deuticke Verlag

592 Seiten

21,90 € (Gebundene Ausgabe)

Die Leseprobe von vorablesen findet ihr hier.







Die Leseprobe beginnt mitten im Buch mit der Geschichte von Delphine und P.J. Sie ist eine verheiratete Französin und fast 20 Jahre älter als er. Er ist 23 Jahre alt, ein Geigenvirtuos und eigentlich nur zwei Wochen in Paris. Den beiden reicht eine Woche für Sex, große Liebe und einen Heiratsantrag.

Zunächst kam mir der Schreibstil etwas holprig vor, aber nachdem ich mich eingelesen hatte, kam ich in den Fluss und lies mich von der Geschichte mitreißen. Der plötzliche Umschwung zur großen Liebe kam für mich doch etwas überraschend, aber die emotionale, sexuelle und romantische Kraft zwischen den beiden war zu spüren gewesen. Nicht jedem Autor gelingt das ohne kitschig zu werden.

Die Geschichte von Delphine und P.J. wird weiter gehen - der Klappentext deutet sogar schon an wohin. Aber es ist nicht die Einzige. Und ich bin sehr gespannt, wie Courtney Sullivan die Geschichten miteinander verknüpft und ob es gut oder schlecht für das Konzept der einen wahren Liebe ausgehen wird. Obwohl ich sagen muss, dass ich ihr doch die Daumen drücke.

Samstag, 4. Januar 2014

Rezension: Wie die Franzosen die Liebe erfanden von Marilyn Yalom

Ich hatte mal wieder Glück bei vorablesen! Obwohl Glück hier wohl eher heißt, einer von nur 159 gewesen zu sein. Bei 100 Freiexemplaren also fast eine sichere Bank und im Nachhinein bin ich sehr froh darüber.


"Wie die Franzosen die Liebe erfanden" von Marilyn Yalom Graf Verlag

420 Seiten (plus 23 Seiten Anmerkungen und Personenregister)

22,99 € (Hardcover)









Es ist ein Sachbuch. Seine Geschichte ist die französische Literatur der letzten 900 Jahre. Allein das erfüllt einen mit Ehrfurcht und Angst. Wer will sowas lesen? Außer sie oder er studiert französische Literatur.

Aber hier liegt der besondere Zauber dieses Buches - man möchte es lesen! Man möchte es gerade zu verschlingen und wünscht sich gleichzeitig die Zeit zu haben all das, was die Autorin beschreibt, parallel lesen zu können.

Marilyn Yalom erzählt in beschwingter Leichtigkeit von der Geschichte und der Seele der Franzosen, fasst etliche Bücher zusammen, erzählt dutzende Biografien und hat immer eine Anekdote aus oder eine Verbindung zu ihrem eigenen Leben parat. Es ist unglaublich. Vor allem, wenn man sich nur für einen Moment vergegenwärtigt, welches Wissen, welche Recherche, welche Arbeit hinter einem solchen Werk steckt. Es ist wahrlich ein Lebenswerk.

Es ist spannend, interessant, lehrreich, unterhaltsam, amüsant und eine Sammlung der schönsten, schaurigsten und unglaublichsten Liebesgeschichten. Denn die meisten sind wahr. Jeder der Biografien mag, kann es lesen. Aber auch jeder, der sich für Frankreich, die Liebe und Literatur interessiert. Eigentlich jeder, der das hier gerade liest - denn es ist vor allem eine Besprechung aller großen Werke und Schriftsteller Frankreichs. Und dazu aus der Sicht einer Amerikanerin, die trotz ihrer prüden Heimat auch mehrere Kapitel der gleichgeschlechtliche Liebe widmet.

Ich könnte noch seitenweise so weiter erzählen - daher bleibt mir nur eins: Fünf von fünf Leseratten für dieses erstaunliche Buch, an dem ich keinen Makel finden kann und das wohl noch lange in meinem Bücherregal verbleiben wird und das ich noch oft in de Hand nehmen werde. Schon allein, weil es sehr viele gut abgehobene Zitate enthält und damit ein Quelle für viele Liebesbekundungen darstellt. Und deswegen auch ein Platz auf der Top Twenty Liste.

Freitag, 3. Januar 2014

Angelesen: Mit zwanzig hat man kein Kleid für eine Beerdigung von Valentina D'Urbano

Herje! Die Sub-Liste wächst und wächst und vorablesen nimmt richtig Fahrt auf. Diese Woche ist wieder etwas für mich dabei und nachdem mein letzter Gewinn sich als echtes Juwel entpuppt hat (näheres gibt es morgen), kann ich nicht widerstehen.



"Mit zwanzig hat man kein Kleid für eine Beerdigung" von Valentina D'Urbano dtv

280 Seiten

14,90 € (Taschenbuch)


Erscheint: 01.02.2014

(Eine Leseprobe von vorablesen findet ihr hier)



Beatrices geht zu der Beerdigung ihres besten Freundes Alfredo, sie ist erst 21. Sie ist in einem Armutsviertel aufgewachsen, in dem jeder seine Wohnung besetzt hält. Während sie kurz die Beerdigung beschreibt und wie sie Alfredo kennen gelernt hat, scheint sie hin und her gerissen zu sein. Man weiß nicht wirklich, wie genau die Beziehung zwischen den beiden ausgesehen hat und ob sie ihn trotz ihrer offensichtlich schlechten Meinung von seinem Charakter geliebt hat oder erst jetzt erkennt, dass sie ihn liebte und diese Ausbrüche gegen ihn aus der Trauer und der Wut kommen.

Die Geschichte nahm mich sofort gefangen: Wie ein Feuerwerk explodierten die Fragen in meinem Kopf. Die Sprache ist sehr authentisch und wechselt so schnell, dass man das Gefühl hat mitten in dem verwirrten, wütenden Kopf von Beatrice zu sein. Ich bin sehr gespannt, wohin die Reise von Beatrice weitergehen wird.

Freitag, 13. Dezember 2013

Rezension: Ein ganzes halbes Jahr

Eine liebe Kollegin hat zu Hause ausgemistet und ich hatte das Glück mich exklusiv gleich auf dieses Buch werfen zu können, um das ich schon so lange im Laden herumgeschlichen bin. "Aber das ist ein Buch zum weinen", sagte sie zu mir. Das ist ja erst mal kein Hinderungsgrund!

"Ein ganzes halbes Jahr" von Jojo Moyes rowohlt Verlag

520 Seiten

14,99 € (Broschiert)








Will ist erfolgreich, sexy, reich, abenteuerlustig: Bis ein Motorradfahrer ihn überfährt und er ab dem Brustwirbel gelähmt ist. 

Louisa lebt in einer winzigen englischen Stadt zusammen mit ihren Eltern, ihrem Großvater, ihrer Schwester und deren kleinem Sohn in einem Haus. Die finanziellen Bedingungen zwingen sie dazu. Dann verliert sie ihren Job als Kellnerin in einem Café und ihr bescheiden eingerichtetes Leben gerät aus den Fugen. Ohne Ausbildung und allein mit dieser Berufserfahrung kann sie in der ländlichen Umgebung kaum einen Job finden.

An diesem Punkt treffen sie sich: Louisa wird vom Jobcenter zu einem Bewerbungsgespräch bei Wills Familie geschickt. Sie soll für ein halbes Jahr befristet eingestellt werden, um Will Gesellschaft zu leisten. Da die Bezahlung unwiderstehlich ist, sagt sie zu, obwohl Will offensichtlich deutlich macht, dass sie nur auf Wunsch seiner Mutter da ist.

Ab hier beginnt sich eine besondere Beziehung zwischen Will und Louisa zu entwickeln. Sie erkennt immer noch den faszinierenden Mann ihn ihm und er erweitert ihren Horizont über ihre bisher beschränkte Welt hinaus.

Endlich wieder ein Buch, das ich nicht aus der Hand legen konnte! Ich las morgens, abends, bis in die Nacht hinein und dennoch am morgen wieder weiter. Es ist spannend, witzig, intelligent und charmant. Ich liebe, liebe den Prolog. Wie Jojo Moyes es schafft in nur fünf Seiten Will als Figur vor seinem Unfall zu beschreiben und lebendig zu machen, fand ich wundervoll.

Bei aller Begeisterung: Es ist ein einfaches, nettes Buch, aber mit einer mutigen Botschaft, die gut vermittelt wird. Und deswegen musste ich auch nicht weinen zum Schluss. Na ja, vielleicht auch nur, weil es im Zug etwas peinlich gewesen wäre und weil ich das ganze nicht zu Ende denken wollte. Weil ich es einerseits verstand, aber andererseits mir genau vorstellen konnte, wie es einen zerreißen würde. Noch eine besondere Leistung von Jojo Moyes, das sie genau das schaffte.

Für alle, die schöne Liebesgeschichten, mit sympathischen Figuren mögen, die auch noch Tiefgang haben darf. Ich vergebe vier von fünf Leseratten, aber nur weil - wie treue Leser wissen und Alex immer bemeckert - die fünf für ganz besondere Bücher vorenthalten ist. Was dazu gefehlt hat? Manchmal war die Geschichte für mein Empfinden etwas klischeehaft und die Erzählung etwas seicht. Obwohl es sich genau deswegen so federleicht weglesen lies. Entscheidet selbst!


Samstag, 30. November 2013

Rezension: Liebe und andere Parasiten von James Meek

Ich bin dahin! Ja, manche Bücher schleichen sich einfach so an und bleiben dann in Herz und Kopf hängen. Da sitzen sie dann und lassen einen nicht mehr los. So ist es mir mit „Liebe und andere Parasiten“ gegangen.

„Liebe und andere Parasiten“ von James Meek
DVA Verlag
560 Seiten
22,99 € (Hardcover)









Ritchie Sheperd ist ein in die Jahre gekommener Rockstar, arbeitet mittlerweile als Fernsehproduzent und lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in einer schönen Villa. Er könnte einfach ein zufriedenes Leben führen, wäre er nicht eine Affäre mit einem jungen Mädchen aus seiner Fernsehshow eingegangen. Diese Affäre bringt Ritchie in Teufelsküche und sorgt für Verwicklungen nicht nur in seinem, sondern auch im Leben seiner Schwester Bec, einer talentierten und ehrgeizigen Biologin.
Die Geschichte von „Liebe und andere Parasiten“ zusammenzufassen ist nicht ganz einfach. Nicht, weil die Geschichte unstrukturiert oder unklar wäre, eher weil kein Teilaspekt allein das Buch passend beschreibt. Erst wer in diese facettenreiche Geschichte eintaucht, kann dem Buch auch gerecht werden. Aber da ich nicht zu viel verraten möchte, belasse ich es dabei, dass es um Malaria, Krebs, Liebe und andere Parasiten geht…
Dem Autor ist es in diesem Buch wunderbar gelungen große Fragen des Lebens perfekt in die eigentliche Handlung einzuweben. So werden das Ziel im Leben, Liebe, Geld, Moral, Treue und Verrat thematisiert. Dabei werden keine platten Klischees bedient, sondern die Probleme und Wünsche der Charaktere nachvollziehbar und ehrlich dargelegt. Bis zum Ende war ich gespannt, wie die verschiedenen Konflikte wohl gelöst werden, ob Moral oder Verrat sich durchsetzen, ob Religion oder Wissenschaft den Vorrang haben. Am Ende hat sich die Handlung einfach toll gefügt. Schön fand ich, dass auch bei den moralischen Fragen und Problemen deutlich wurde, dass es im Leben nicht immer ein klares Richtig und Falsch gibt. Die Handlung hatte dadurch etwas sehr Echtes und Wahres.
Ein Roman, der sich mit diesen zum Teil schwierigen Themen beschäftigt, könnte den Leser leicht erschlagen. „Liebe und andere Parasiten“ hat aber trotz einer Menge Denkanstöße leicht und locker gewirkt, durch eine große Portion britischen Humor hat die Geschichte nämlich vor allem immer Spaß gemacht. Das Buch hat mich ein bisschen an Irvings „wilde Geschichte vom Wassertrinker“ erinnert, aber meiner Meinung nach ist „Liebe und andere Parasiten“ noch einmal stärker. Die Charaktere und Begebenheiten sind zwar ähnlich skurril, die Handlung aber für mich viel mitreißender.
Ich könnte noch eine ganze Weile schwärmen, über den Erzählstil, die Dialoge, den Humor, die Charaktere und die vielen interessanten Themen des Buches. Für mich ist „Liebe und andere Parasiten“ ein absolutes Highlight, von daher möchte ich dieses Buch allen ans Herz legen, die ein Buch lesen möchten, das Futter für Herz und Verstand bietet und dabei einfach eine Menge Spaß macht. 5 von 5 Leseratten und ein Platz in meiner Top 20 Liste, da es eines der Bücher ist, die ich definitiv noch einmal lesen werde und das mir lange im Herzen bleiben wird.
 

Vielen Dank an den DVA Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Montag, 18. November 2013

Angelesen: Wie die Franzosen die Liebe erfanden

Skandal! Die Montagsfrage macht Pause! Aber dafür gibt es auf vorablesen endlich mal wieder ein Buch, das mich interessiert und was ich hoffe zu gewinnen.

"Wie die Franzosen die Liebe erfanden" von Marilyn Yalom Graf Verlag

Die Leseprobe von vorablesen findet ihr hier.











Marilyn Yalom möchte in diesem Buch dem Ursprung, der Geschichte und der Bedeutung von Liebe und Lust in der französischen Gesellschaft aus der Sicht einer Amerikanerin nachgehen.

Das scheint mir eine interessante Mischung zu sein. Die Leseprobe war zu kurz, um einen wirklichen Eindruck zu bekommen. Allerdings wurde bereits klar, dass das Buch in einem sehr wissenschaftlichen Stil geschrieben ist. Das allein könnte auf Dauer etwas dröge werden, jedoch gleichen die gezielt ausgewählten Zitate, die bereits im ersten Kapitel die Leidenschaft der Beteiligten wunderbar transportiert haben, und das Einstreuen persönlicher Erlebnisse das gut aus. Ich bin gespannt, wieviele weitere schöne Geschichten die Autorin gefunden hat und zu welcher Erkenntnis sie am Ende gelangt.

Drückt mir also die Daumen! Falls ich es jedoch nicht gewinne, ist das auch ok. Kaufen würde ich es mir bei dem stolzen angekündigten Preis von 22,90 € jedenfalls nicht. 

Sonntag, 10. November 2013

Rezension: Das Wesen der Dinge und der Liebe von Elizabeth Gilbert

Auf vorablesen.de habe ich Kapitel 5 des Buches gelesen und war total verliebt in die Sprache und die exzentrischen, einzigartigen Figuren. Ich war sehr traurig, als ich es nicht gewann und sehr glücklich, als ich es zum Geburtstag bekam. Leider hielt diese Freude jedoch nicht bis zum Schluss.

http://www.amazon.de/Das-Wesen-Dinge-Liebe-Roman/dp/3827011566/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1383484758&sr=8-1&keywords=das+wesen+der+dinge+und+der+liebe "Das Wesen der Dinge und der Liebe" von Elizabeth Gilbert Bloomsbury Berlin

699 Seiten

22,99 € (Hardcover)

Eine Leseprobe von vorablesen.de findet ihr hier.







Alma Whittaker ist ein priviligiertes Kind: Sie wird zu Beginn des Jahres 1800 geboren. Ihr Vater hat ein Vermögen mit dem Handel von Pflanzen und pharmazeutischen Mitteln verdient. Er und ihre Mutter sind die Bildung des Kindes das Wichtigste. So wird Alma noch vor dem Laufen und Sprechen vor allem das Denken und Erkunden gelehrt. Bereits als Kleinkind soll sie sich an den Tischgesprächen der großen Dinerabenden beteiligen, zu denen zahlreiche Größen verschiedener Felder geladen werden.

Das plus die Geschichte ihres Vaters umfasst die ersten fünf Kapitel und ich habe sie genossen. Die anschließende Geschichte ihrer Jugend war auch noch einigermaßen interessant und spannend, wenn auch der Teil über die Entwicklung ihrer Sexualität etwas irritierend für mich war. Das könnte man aber noch mit falschen Erwartungen meinerseits nach der idyllischen Beschreibung der Kindheit erklären. Was mich jedoch mehr störte, war der schleichende Verdacht, dass jeder für spontanes und unüberlegtes Handeln bestraft zu werden schien. Der anschließende Sprung von 26 Jahren und die unglücklichen Leben der einzelnen Personen verstärkte diesen Eindruck. Das Leben der Protagonisten begann mich zu deprimieren und schien sich mit den folgenden Worten (später auf Seite 540) am besten zusammenfassen zu lassen: "etwas Ergiebiges, bedächtig Wucherndes, das man über Jahre hinweg studieren und damit die Jahrzehnte herumbringen konnte, ohne der Einsamkeit zu verfallen."

Nicht gerade motivierend. "Das Leid" (und ich setze es bewusst in Anführungsstriche), das Alma später erfährt bzw. die aufgedeckten Verwicklungen in ihrer Jugend waren mir definitiv zu platt, fast schon lächerlich und pseudo-Jane-Austen-abgekupfert. Im Verlauf des weiteren Buches begann ich mich sogar über diese Geschichte zu ärgern und hätte es ohne den Blog einfach zur Seite gelegt. Anschließend habe ich mich durch die 300 Seiten mehr oder weniger gequält. Nur der anhaltend gute Schreibstil und die gut recherchierten Fakten halfen mir etwas. Das Ende ließ mich ebenfalls nur müde lächeln, wenn mir auch auf der vorletzten Seite und damit definitiv sowas von zu spät klar wurde, was Elizabeth Gilbert mit diesem 700-Seitenwälzer beabsichtigt hatte.

Nach so viel Analyse kurz und knapp: Zwei von fünf Ratten von mir, für den Schreibstil und die offensichtliche Recherchearbeit. Die Geschichte war fast durchweg öde, unglaubwürdig und zum Teil lächerlich. Ich denke, Elizabeth Gilbert wollte ein Werk zu Ehren von intelligenten und mutigen Frauen und einen Aufruf zum Erkennen der Schönheit und Vielfalt der Welt schaffen. Allein, es ist ihr meiner Ansicht nach nicht geglückt.


Samstag, 2. November 2013

Rezension: Die unsichtbare Brücke von Julie Orringer

Neben dem Großen Los von Meike Winnemuth war dieses Buch mein literarisches Highlight dieses Jahr und es passte dazu noch zu den Reiseplänen, die ich nicht wahr gemacht, aber nicht vergessen habe und dem Hauptthema einiger Bücher, die ich dieses Jahr gekauft habe: Das Judentum.

"Die unsichtbare Brücke" von Julie Orringer Kiepenheuer&Witsch

815 Seiten

12,99 € (Paperback)








Das Buch beginnt wie eine ungehörig klingende, seichte Liebesgeschichte, die es doch so im wahren Leben niemals geben kann: Andras Lévi, ein junger Jude aus Budapest, geht 1937 nach Paris, um dort Architektur zu studieren, weil er es in seiner Heimat Ungarn aufgrund der Studentenquoten für Juden nicht kann. Er kennt die Sprache kaum und hat keinen weiteren Plan, es ist eine Reise ins Unbekannte. Doch er findet ein Zimmer und einen Mentor in einem seiner Professoren, der ihm die Sprache beibringt und Freunde. Und die Liebe: Klara Morgenstern ist Balettlehrerin mit einem Geheimnis, sie hat Ungarn aus unbekannten Gründen verlassen müssen. Eigentlich soll sich Andras in ihre Tochter verlieben, doch er interessiert sich mehr für die elegante und intelligente Claire. Er wird fast krank vor Liebe und Verlangen und es beginnt nach einer Weile beinahe schon eine amour fou. Doch das ist nicht alles: Die Weltgeschichte holt dieses ungewöhnliche Liebespaar ein. Der Zweite Weltkrieg bricht aus und Andras muss zurück nach Budapest, wo er zum Arbeitsdienst eingezogen wird.

Mehr möchte ich wirklich nicht verraten, es ist schon fast zu viel. Aber es ist wichtig zu wissen, dass dieses Buch mehr ist, als eine schnöde Liebesgeschichte mit Tücken und Hindernissen und mehr ist, als eine weitere tragische Geschichte zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges. Dieses Buch reißt einen mit und erschüttert einen bis ins Mark. Die Beschreibungen sind durchweg so lebendig und glaubwürdig, dass man den Schmerz und die Freude der Figuren am eigenen Leib spürt - ein Buch, dass einen auch wahrhaft zum Weinen bringt.

So ein intensives Zeitzeugnis habe ich bisher nur bei Hans Falladas "Jeder stirbt für sich allein" erlebt. Es beleuchtet ein anderes Kapitel dieser brutalen Zeit und lässt einen wahrhaft spüren, was es hieß, zu dieser Zeit zu leben. Darüber hinaus eröffnet es einem einen neuen Blick außerhalb der deutschen Schrecken, einen unverstellten Blick auf ein Europa, dass über Deutschland hinaus anitsemitisch war und gleichzeitig einen Blick in die jüdische Religion.

Alle Figuren und alle verschiedenen Schicksale sind sehr gut beschrieben und beleuchtet. Es gibt wirklich nichts, was man an diesem Buch kritisieren kann. Dazu kommt noch, was ich erst auf der letzten Seite erfuhr: Es ist wirklich alles wahr, es ist die Familiengeschichte der Autorin, all diese Dinge, in ihrer Schönheit, Besonderheit und ihrem Schrecken, sind wirklich passiert.

Ich möchte diesem Buch fünf von fünf Leseratten geben, weil ich finde, dass es einen unschätzbaren Wert hat und von jedem mindestens einmal gelesen werden muss. Um sich bewusst zu machen, was in Europa in diesen Jahrzehnten geschah und um zu verhindern, es je wieder geschehen zu lassen.


Mittwoch, 30. Oktober 2013

Angelesen: Die grüne Bluse meiner Schwester von Gerdur Kristny

Eine ganze Weile habe ich mich jetzt bei vorablesen zurückgehalten. Ich habe im Moment viel guten Lesestoff und bin durch den Blog auch ganz schön beschäftigt. Trotzdem möchte ich diese Woche mal wieder einsteigen bei den Leseproben von vorablesen.

Diesmal gab es eine Leseprobe zu:

"Die grüne Bluse meiner Schwester" von Gerdur Kristny
List Verlag
(die Leseprobe von Vorablesen findet ihr hier)









„Die grüne Bluse meiner Schwester“ von Gerdur Kristny verspricht leichte Herbstlektüre zu werden. Die Ich-Erzählerin Frida berichtet von ihrer Familie, ihrer Arbeit und ihren Zielen. Fridas Vater ist gestorben und hinterlässt eine tiefe Lücke in ihrem Leben. Sie erzählt dahher viel von Erlebnissen mit ihren Eltern. Frida selbst war immer Papas Liebling, die Schwester ein Mamakind. Die Geschichte einer ganz normalen Familie eben. Daneben gibt es kurze Berichte über Fridas Arbeit und ihre Chefin, die gleichzeitig ihre Freundin und Vermieterin ist. Insgesamt treibt die Geschichte recht ziellos voran. Zwar liest sich das Buch angenehm (bis auf die vielen isländischen Namen) aber ich hatte mir mehr über die Eigenarten der Familienmitglieder, mehr Familiengeschichte und Konflikte erhofft. Im Moment bin ich einfach noch sehr unsicher, wohin sich das Buch entwickeln wird. Wirklich begeistern konnte mich die Leseprobe bis dahin nicht.

Falls ich bei der Auslosung Glück habe werde ich euch demnächst vom Buch berichten. Vielleicht kann mich die Geschichte ja doch noch überraschen. Sollte ich nicht gewinnen werde ich es mir erstmal nicht kaufen, so richtig ist der Funke einfach nicht übergesprungen.

Samstag, 26. Oktober 2013

Filmrezension: Victoria die junge Königin

In Vorbereitung zu meinem London Trip habe ich mir "Victoria die junge Königin" angesehen, um mich ein bisschen in die englische Geschichte einzufühlen, die in Großbritanniens Hauptstadt allgegenwärtig ist und war überrascht von der emotionalen Tiefe des Films. 


Spiellänge: 100 Minuten
Produktionsjahr: 2009

6,97 € (DVD) bzw. 8,97 € (Blu-ray)









Wenn ich an Königin Victoria denke, habe ich immer das Bild von ihr als alter Frau vor mir. Ich kannte die Geschichte von ihr und ihrem Mann Albert bereits und dass ihre Liebe so groß war, dass sie, obwohl sie ihn fast 40 Jahre überlebte, bis zu ihrem Lebensende um ihn trauerte. Und ich kenne natürlich den in Stein gehauenen Liebesbeweis: Die Royal Albert Hall. Dennoch konnte der Film mir eine ganz neue Sichtweise eröffnen.

Der Film beginnt kurze Zeit vor der Thronbesteigung von Königin Victoria. Es fällt einem am Anfang sehr schwer zu folgen, da man die Machtverhältnisse und die zahlreichen damit verbundenen Personen nur präsentiert und nicht weiter erläutert bekommt. Es war dennoch möglich.

Sehr schnell tritt Albert in ihr Leben, denn eigentlich sollte er nur aus machtpolitischen Gründen, um den Einfluss seiner adligen Familie zu stärken, um ihr Herz werben. Bald stellen die beiden aber fest, dass sie unabhängig davon sich sehr ähnlich sind und es entsteht zunächst eine innige Briefbeziehung zwischen den beiden.

Der Film zeigt in wunderbarer Weise diese besondere und tiefe Beziehung und man fiebert mit, wann sie endlich zueinander finden werden: Sie will zum einen nicht so schnell wieder unter den Einfluss von jemandem geraten, denn ihr ganzes bisheriges Leben wurde sie von ihrer Mutter und John Conroy, einem Adligen, der hoffte über sie indirekt Macht ausüben zu können, unterdrückt. Er konnte zum anderen aufgrund ihrer hohen Stellung ihr selber keinen Antrag machen.

Ich bin so froh, dass diese wunderschöne Liebesgeschichte mit Emily Blunt und  Rupert Friend junge Gesichter bekommen hat und so herzergreifend und dennoch - historisch wertvoll möchte ich es mal nennen - umgesetzt worden ist. Der Film ist vielleicht keine Ansammlung von geschichtlichen Fakten und Details, aber dennoch gut recherchiert und gleichzeitig unfassbar romantisch. Ein Muss für alle, die während Filmen gerne laut aufseuzen.

Für diesen wunderbaren Film, der sowohl Geschichte als auch Romantik vereint und dabei so leicht ist, dass man ihn immer wieder sehen kann, vergebe ich vier von fünf Kinoratten. Und eine besondere Empfehlung für alle Großbritannienfans und Romantikliebhaber!

Sonntag, 20. Oktober 2013

Rezension: Kleopatra - Ein Leben von Stacy Schiff

Auf der Frankfurter Buchmesse wurde ich durch einen Verlagsmitarbeiter auf „Kleopatra: Ein Leben“ von Stacy Schiff aufmerksam gemacht. Eigentlich wurde das Buch gerade einem anderen Besucher angepriesen, ich hörte die Beschreibung mehr zufällig mit, sah das wunderhübsche Cover und es war um mich geschehen.

„Kleopatra: Ein Leben“ von Stacy Schiff
C. Bertelsmann Verlag
448 Seiten
24,99 € (Hardcover)









„Kleopatra“ ein Name umrankt von vielen Mysterien, Geheimnissen aber auch Vorurteilen. Stacy Schiff versucht in der Biografie „Kleopatra: Ein Leben“ ein wahreres, realistischeres Bild dieser großen Königin zu zeichnen. Doch wie kann man eine Biografie einer Persönlichkeit entwickeln, die vor mehr als zweitausend Jahren lebte? Die Fakten sind rar, viele Quellen nicht neutral und zuverlässig. Von Kleopatra selbst sind keine Niederschriften erhalten. Dennoch prägte diese beeindruckende Königin die Geschichte (nicht nur ihres Landes) nachhaltig.
Stacy Schiff hat nach eigenen Angaben viele der bekannten Quellen neu unter die Lupe genommen, analysierte das Verhältnis der Schreibenden zu Kleopatra und versuchte zu schlussfolgern welche Wahrheit zwischen den Zeilen stecken mag. Ich glaube dies ist ihr ausnehmend gut gelungen. Zwar kann die Autorin keine Fakten herschaffen wo es vorher keine gab, doch das Bild das sie von Kleopatra zeichnet ist vielschichtig und deutlich facettenreicher als die sonst üblichen Klischees der verruchten, männerverschlingenden Pharaonin.-
Über Kleopatras Kindheit und Jugend ist leider nicht viel bekannt. Man weiß, dass Kleopatra eine sehr umfassende Bildung genoss, die sie auf ihr späteres Leben perfekt vorbereitete. Sie wurde in Rhetorik, Geschichte, Philosophie und Mathematik unterrichtet. Trotz aller guten Vorzeichen wird es für Kleopatra trotzdem kein leichtes den ägyptischen Thron zu besteigen. Erst mit ihrer Beziehung zu Julius Caesar kann sie ihre Vormachtstellung sichern. Von da an beginnt Kleopatras Leben als Herrscherin in Ägypten und gottgleiche Königin. Das politische Leben ist dabei stets von Intrigen und Konflikten bestimmt. Gegner werden (auch wenn sie der eigenen Familie angehören) schnell ermordet wenn es die eigenen Interessen erfordern.
Kleopatra wird in dieser Biografie als wirklich faszinierende Frau dargestellt. Gebildet und humorvoll, dabei weniger betörend als die Legenden sie später beschrieben. Vielmehr eine starke Herrscherin und auch gute Freundin sowohl für Julius Caesar als auch später für Marcus Antonius. Ich hatte nicht erwartet ein so vielseitiges Bild dieser starken Frau zu erhalten.
Kleopatra hatte nicht immer ein leichtes Leben, auch ihre Herrschaft wird von Krisen gezeichnet und manchmal ist es neben ihrem politischen Gespür auch eine Prise Glück die ihre Bahnen so günstig lenkt. Insgesamt kann ich Kleopatra und ihre Fähigkeiten nicht anders als „beeindruckend“ beschreiben.

Das Buch bietet eine gelungene Mischung von Berichten über das Leben im damaligen Alexandria und am Hofe von Kleopatra sowie den Erklärungen über die politischen und historischen Begebenheiten sowohl in Ägypten als auch im römischen Reich. Gerade die Beschreibungen des wilden und exotischen Alexandria haben mich völlig gefangengenommen und ich bin richtiggehend ins Träumen gekommen (auch noch nachdem ich das Buch bereits beiseitegelegt hatte). Daneben stehen die politischen Abläufe und Intrigen manchmal leider etwas trocken (obwohl der Stoff genügend Spannung liefern würde).
Ich möchte diesem tollen Buch „nur“ 4 von 5 Leseratten geben da einige eher sperrige Abschnitte den Lesefluss etwas gebremst haben. Trotzdem bleibt „Kleopatra: Ein Leben“ eins meiner Highlights dieses Jahr und wird vermutlich (hoffentlich!) nicht die letzte Biografie sein, die ich euch hier vorstelle.


Vielen Dank an den C. Bertelsmann Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.