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Samstag, 6. September 2014

Rezension: Der Poet der kleinen Dinge von Marie-Sabine Roger

Marie-Sabine Roger verzauberte mich erstmals mit „Das Labyrinth der Wörter“ mit ihrem unvergleichlichen Schreibstil und unglaublich liebenswerten Charakteren. Jetzt habe ich auch noch ihre beiden anderen Bücher gelesen und bin ihr endgültig verfallen. Ich hoffe, dass bald noch weitere tolle Geschichten von dieser wunderbaren Autorin folgen werden!

„Der Poet der kleinen Dinge“ von Marie-Sabine Roger
Hoffman und Campe Verlag
240 Seiten
18,99 € (Hardcover)









Die junge Alex reist rastlos umher und wandert von einer Stadt und einem Job zum nächsten. Als sie bei Marléne und Bertrand zur Untermiete einzieht, ist es für sie erst nichts weiter als eine neue Station auf ihrer langen Reise. Doch dort lebt auch Gérard, der behinderte Bruder von Bertrand. Er kann sich auf Grund seiner Behinderung nur schlecht artikulieren und dadurch entgeht seiner Familie, welcher wache Verstand in ihm steckt. Und vor allem: welcher Poet! Einzig Alex entdeckt dies und schließt Gérard schnell in ihr Herz. Neben Alex und Gérard ist auch Cedric ein ziemlicher Außenseiter in der trostlosen Kleinstadt. Kein Wunder, dass da sehr schnell eine besondere Freundschaft entsteht.
Die Handlung von „Der Poet der kleinen Dinge“ wirkt wie ein Ausschnitt aus einer eigentlich viel längeren Geschichte, der man auch nach Ende des Buches am liebsten weiter folgen würde. Manchmal sind mir schon Bücher begegnet, deren eigentlich banale Handlung weit ausgedehnt war und mich völlig das Interesse verlieren lies. Marie-Sabine Roger arbeitet nach dem gegenteiligen Prinzip. Dadurch, dass man nur einen kurzen Abschnitt der Geschichte erzählt bekommt, bleibt viel Raum für eigene Ideen und Träumereien. Obwohl man über das „danach“ viel träumen kann, ist die Handlung in sich aber wiederum abgeschlossen genug, um nicht frustrierend unabgeschlossen zu wirken. Perfekt!
Neben diesem besonderen Aufbau der Geschichte sind es aber vor allem die besonderen Charaktere, die mich so völlig verzaubert haben. Trotz der Kürze der Geschichte lernen wir vier besondere Personen, mit ihren Stärken, Schwächen und Träumen kennen. Der titelgebende „Poet der kleinen Dinge“ Gérard ist dabei natürlich eine Hauptfigur, die restlichen Freunde werden aber nicht weniger liebevoll charakterisiert.
Auch diese Geschichte versprüht, wie die übrigen von Marie-Sabine Roger, eine Menge Inspiration und Zuversicht. Es geht in ihren Geschichten immer wieder um besondere Lebenswege, die so unkonventionell und manchmal auch schwer sie auch sein mögen, doch für jeden Protagonisten eine irgendwie glückliche Wendung bieten, auch wenn diese vielleicht nicht den gesellschaftlichen Konventionen entspricht.
Bei aller emotionaler Tiefe und tollen Charakteren darf der Eindruck nicht trügen: „Der Poet der kleinen Dinge“ ist voll Humor und so gar kein schweres, philosophierendes Werk. Im Gegenteil Situationskomik und eine sehr witzige Sprache lassen die Geschichte leicht und locker wirken und bringen eine Menge Spaß.

Über die Bücher von Marie-Sabine Roger zu sprechen fällt mir schwer, man sollte sie einfach lesen! Es sind Geschichten fürs Herz, die mich einfach glücklich zurücklassen und mich ohne Zweifel 5 von 5 glücklichen Leseratten vergeben lassen.



Das Buch in einem Tweet: "Der Poet der kleinen Dinge" ist Soulfood in Buchform. Tolle Charaktere und eine leise aber wunderschöne Handlung. Einfach lesen.

Samstag, 26. Juli 2014

Rezension: Das Leben ist ein listiger Kater von Marie-Sabine Roger

„Das Leben ist ein listiger Kater“… so, bitte lasst diesen Titel mal auf euch wirken. Ja? Geht’s euch wie mir? Grinst ihr jetzt auch? Ich hatte in den letzten Wochen eine echt stressige Zeit (und das zum Teil trotz Urlaub, aber eben auch dank Krankheit…) aber immer, wenn ich das Buch auf dem Nachttisch liegen sah, musste ich trotzdem Lächeln. Bücher die sowas können sind besonders! Wenn es nach dem Lesen so bleibt, ist das umso besser. Jetzt, nachdem meine blöde Erkältung langsam abklingt, möchte ich euch endlich an diesem tollen Buch teilhaben lassen!

„Das Leben ist ein listiger Kater“ von Marie-Sabine Roger
224 Seiten
19,99 € (Hardcover)









Als Jean-Pierre im Krankenhaus erwacht, kann er sich kaum bewegen und an nichts erinnern. Er wurde bewusstlos aus der Seine gefischt und wäre dort um ein Haar ertrunken. Keine allzu schöne Situation. Der Rentner ist zwar auch sonst kein Sonnenschein, die Umstände seines Unfalls und der Zustände im Krankenhaus machen ihn aber endgültig zum Miesepeter. Obwohl er sich mit dem jungen Polizisten, der in seinem Fall ermittelt, und auch seinem Retter beginnt anzufreunden, ist und bleibt Jean-Pierre ein ziemlicher Griesgram, der erst langsam wieder Freude am Leben gewinnt.

Ich liebe Jean-Pierre! Der muffelige Opa mit seinen harschen Kommentaren und seinem meckrigen Wesen hat es mir einfach angetan. Entgegen aller Logik war er mir gerade durch sein mürrisches Gemüt von Anfang an sympathisch. Vor allem wie er den Klinikalltag beschreibt und dort einen „Don Quijote“-ähnlichen Kampf gegen ständig offene Zimmertüren kämpft, hat mich mehrmals herzlich zum Lachen gebracht. Und auch wie man aus Jean-Pierres Sicht die übrigen Charaktere kennenlernt ist wunderbar. Weder ist der Rentner gegenüber seinem Retter besonders dankbar, noch hält er mit seiner Meinung hinter den Berg, was er von dessen Weltsicht hält. Jean-Pierre ist immer schnell dabei sich eine Meinung über sein Umfeld zu bilden und lernt erst im Laufe der Geschichte die Personen, die ihm ihre Aufmerksamkeit schenken, zu schätzen.
Die Handlung beschränkt sich komplett auf den kurzen Zeitraum von Jean-Pierres Krankenhausaufenthalt. Durch viele Rückblenden (Jean-Pierre schreibt sicherheitshalber seine Memoiren) erfahren wir aber auch vieles über das Leben des Rentners.
Der Schreibstil ist sowohl in den Krankenhauspassagen als auch den Rückblenden flott und humorvoll, verwebt aber auch philosophische Gedanken ganz leicht mit in die Handlung. Und Gedanken über sein (teils trauriges) Leben macht sich Jean-Pierre jetzt wirklich ausgiebig, dazu hat er ja im Krankenhaus auch jede Menge Zeit. Als Leser merkt man, wie sich im Verlauf der Handlung ein Wandel in dem Rentner vollzieht und freut sich mit ihm. Natürlich wird aus dem Muffel kein Menschenfreund, aber sein Verständnis und Mitgefühl wächst. Es ist wunderschön diese Wandlung mit zu verfolgen.

Wie schon in „Das Labyrinth der Wörter“ zaubert Marie-Sabine Roger auch in diesem Buch eine Geschichte voll Herzlichkeit und Wärme. Das Buch hat mir beim Lesen und danach Kraft geschenkt und Freude bereitet. Ich kann das Buch nur jedem empfehlen, es ist einfach Lektüre für die Seele. 5 von 5 glücklichen Leseratten für „Das Leben ist ein listiger Kater“.


P.S. Die Geschichte hat nicht viel mit dem Titel zu tun, aber am Ende erschließt es sich doch und ich sag’s euch: ich finde diesen kleinen Clou sehr gelungen!

Das Buch in einem Tweet: In "Das Leben ist ein listiger Kater" lernt ihr den liebenswertesten bösen Opa kennen, den ihr euch vorstellen könnt. Ich versprechs!