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Freitag, 24. Oktober 2014

Angesehen: Monsieur Claude und seine Töchter

Wie schon gesagt - an meinem Geburtstag hat mich mein Mann ins Kino eingeladen. Es war ein ganz besonderes Erlebnis, denn wir sind zum ersten Mal in die Astor Film Lounge in der Frankfurter Innenstadt gewesen. Für alle Frankfurter ein kurzes Fazit: Man sitzt in den Ledersesseln wirklich besser, also gut für lange Filme, der Begrüßungssekt und die exklusvie Atmosphäre macht es zum perfekten Geschenk für besondere Tage und auch wenn sie damit Werbung machen, dass sie kein Popcorn anbieten - ich habe es vermisst. Als Film gab es den neuesten Hit aus Frankreich:

"Monsieur Claude und seine Töchter" Neue Visionen
Kinostart: 24.07.2014
Erscheinen der DVD: 01.12.2014

Spiellänge: 93 Minuten
FSK: 0
15,99 € (DVD) bzw. 17,99 € (Blu-Ray)

Website zum Film



Claude und Marie sind katholisch und haben vier wunderschöne Töchter. Ihr großer Traum ist es, dass eine ihrer Töchter in der gleichen Kirche heiraten wie sie. Doch drei Jahre hintereinander wird nur im Standesamt geheiratet - der erste Schwiegersohn ist Muslim, der zweite Jude, der dritte Chinese (mit unbekannter Religion). Alle Hoffnungen ruhen auf der vierten Tochter und so sind die Eltern überglücklich, als sie erfahren, dass der zukünftige vierte Schwiegersohn Katholik ist. Nur dass er schwarz ist, verschweigt sie.

Ich dachte, der Film ist eine Ansammlung von politisch unkorrekten Witzen ist, über die man trotzdem lachen muss. Aber er ist so viel mehr. Mehr als um die Religionsfrage geht es einfach nur darum wie schwierig es ist, wenn Partner in die Familie integriert werden sollen. Wie viele Fettnäpfchen man mit nehmen kann und wie schwer es für jeden ist, sich auf diesen neuen Menschen einzustellen, von dem man sich nicht vorstellen kann, warum er zu einem Menschen passt, den man liebt und der einem so nah ist.

Der Film hat diese Situation perfekt und authentisch eingefangen und dabei gibt es auch viel zu lachen. Ich habe nicht so gelacht wie bei den Shtis, aber dafür immer laut und aus vollem Hals. Es ist kein Film, den man im Kino gesehen haben muss oder auf DVD besitzen muss, aber man sollte ihn gesehen haben. Deswegen für dieses kleine Komödienmeisterwerk 4 von 5 Kinoratten.

Der Film in einem Zwitschern:
"Monsieur Claude und seine Töchter ist lustig und gleichzeitig wahr und authentisch und deswegen unheimlich herzerwärmend."

Mittwoch, 24. September 2014

Rezension: Der Fall von Gert Heidenreich

In „Der Fall“ von Gert Heidenreich habe ich mich gleich in der Verlagsvorschau verliebt. Ein Kriminalroman mit einer ungewöhnlichen Idee und malerischer Kulisse, tolle Grundzutaten für ein ungewöhnliches Leseerlebnis. Dank der freundlichen Unterstützung des Klett-Cotta Verlags hatte ich die Möglichkeit dieses Buch vorab zu lesen und bin immer noch ein bisschen hin und her gerissen. Heute erscheint dieser besondere Krimi und ich möchte meine Eindrücke gerne mit euch teilen.

„Der Fall“ von Gert Heidenreich
320 Seiten
19,95 € (Hardcover)









Eigentlich möchte Swoboda (mal wieder) die Klippen von Les Petits Dalles in wunderschöner Morgensonne zeichnen. Er ist gerade auf dem Weg zu seinem angestammten Platz, als er oben auf den Klippen einen Mord beobachtet. Schneller als geahnt, kommt der unfreiwillige Zeuge ins Visier des Mörders und wird tödlich getroffen. Das verhagelt Swoboda ganz schön den Tag, hält ihn aber nicht davon ab diesen letzten Kriminalfall seines Lebens… beziehungsweise Todes… zu ergründen.

Die Idee, dass der pensionierte Kriminaler Swoboda in seinem eigenen Mordfall ermittelt, hat mich von Anfang an begeistert. In meiner Vorstellung bot das Stoff für skurril-witzige Episoden oder spannende „Erlebnisse“ des frisch Verblichenen. Die eigentliche Umsetzung der Abschnitte unseres jenseitigen Protagonisten war dann völlig unerwartet sehr künstlerisch und philosophisch, manchmal aber leider auch schleppend und etwas ziellos.
Irgendwie gibt es für mich bei „Der Fall“ eine ganze Menge für und wider. Die Idee hat mich wie gesagt schon vor der ersten Seite überzeugt und mir auch während des Lesens gut gefallen. Die Themen waren dabei noch deutlich abwechslungsreicher als zuerst vermutet. Neben Kunst und Kultur lernen wir auch noch eine ganze Menge über Steuerbetrug, Schwarzgeld und Finanzhaie. Zusätzlich hat die Geschichte tolle Charaktere, wie den toten Swoboda und den raffgierigen Buchhalter Rakowski, zu bieten. Soweit wäre die Sache eigentlich ziemlich klar und „Der Fall“ ohne Bedenken zu empfehlen. Leider hängt da noch ein kleines „aber“ in der Luft.
Da wäre allem voran der Schreibstil des Buches zu nennen. Eigentlich bin ich bekannt dafür, dass ich es etwas komplizierter und schnörkeliger mag. Meine eigenen Sätze haben Bandwurmpotential und ich mag es auch mal schwafelig.
Der Stil von „Der Fall“ hat mir aber echte Probleme bereitet. Die Sätze sind lang und schachtelig, das bringt manchmal einen sehr feinen Humor, hat mich aber auch manchmal einfach überfrachtet. Denn jeder Satz scheint mit einer unübersichtlichen Menge an Informationen angereichert, sodass ich zum Teil den Überblick verloren habe. Da kommen Namen von Landstrichen, Straßen, Personen, Speisen und Weinen, der Hintergrundmusik und des Künstlers vom Stillleben an der Wand wild in jeden sich bietenden Winkel des Satzes. Wer sich in französischer Geographie besser auskennt und Speisen und Getränke besser einzuordnen weiß, wird das vermutlich flott überlesen, ich war zum Teil einfach irritiert. Der zweite Teil des kleinen „abers“ ist die Spannung, die durch diesen etwas sperrigen Schreibstil leider nicht so recht aufkommt. Die spannenden Abschnitte werden durch viele gestelzte Zwischenstücke immer wieder ausgebremst, manchmal passt das atmosphärisch, manchmal ist es einfach ein bisschen ungünstig.

Unterm Strich ist „Der Fall“ mit 3 von 5 Leseratten für mich ein klares Unentschieden. Tolle Aspekte werden von größeren Kritikpunkten zwar gebremst, haben mir aber die Lesefreude nicht völlig verhagelt. Ich glaube das Buch könnte Lesern von anspruchsvollen Krimis immer noch gut gefallen, wenn man sich auf die besondere Sprache und Atmosphäre einlässt und dann die Qualitäten des Buches besser genießen kann.


Das Buch heute in einem Bild, statt einem Tweet:

Donnerstag, 11. September 2014

Rezension: Priscilla. Von Liebe und Überleben in stürmischen Zeiten von Nicholas Shakespeare

Susi hat mich mit „Madame Hemingway“ auf den Geschmack gebracht. Seitdem halte ich immer die Augen offen und suche nach guten, belletristisch aufbereiteten Biografien. Also Büchern, die das Leben eines Menschen nicht nur in Fakten erfassen, sondern auch die Geschichte eines Lebens erzählen.
Über „Priscilla“ bin ich beim Stöbern in der Mittagspause gestolpert. Beim Recherchieren habe ich mich dann gewundert, dass so gut wie keine Rezension zu diesem Buch zu finden war. Jetzt, nachdem ich das Buch beendet habe, wundert mich das umso mehr.

„Priscilla. Von Liebe und Überleben in stürmischen Zeiten“ von Nicholas Shakespeare
512 Seiten
22,99 € (Hardcover)








Nicholas Shakespeare lernte als kleiner Junge seine Tante Priscilla kennen. Sie war eine zurückgezogene, irgendwie geheimnisvolle Frau. Nach ihrem Tod erfuhr der Autor, dass auch für seine Mutter die eigene Schwester lange Zeit ein Geheimnis war. Er beschließt Nachforschungen über Priscillas Leben anzustellen, dabei kommt ihm eine Kiste voll Tagebücher, Briefe und Notizen zu Hilfe, die in Priscillas Nachlass gefunden wird. Priscilla selbst wollte ein Leben lang ihre Biografie niederschreiben und veröffentlichen, dies gelang ihr leider nie. Nicholas Shakespeare erfüllt seiner Tante nun postum diesen Wunsch. Zu Erzählen hatte Priscilla genug, das Leben der jungen Frau vor dem zweiten Weltkrieg und auch während der Zeit im besetzten Paris ist von vielen Hochs und Tiefs geprägt.
Obwohl der Autor seine Tante nur in jungen Jahren kennenlernte und zu ihren Lebzeiten nicht viel über sie erfuhr, ist diese Biografie voll Herz und Wärme geschrieben. Priscilla wird nicht als Heldin verklärt, sondern auch ihre Fehltritte und Schwächen werden besprochen, aber die Geschichte die er erzählt, lässt das Bild einer facettenreichen und empfindsamen Frau entstehen. Die vielen authentischen Dokumente, die in diese Biografie eingearbeitet wurden, lassen dabei das Gefühl aufkommen, dass Priscilla selbst zu Wort kommt. Und das ist auch tatsächlich häufig der Fall. Der Autor hat Teile von Priscillas selbst verfassten Erinnerungen wunderbar in seine Erzählung eingewoben und schafft dadurch einen noch direkteren Bezug zu seiner Tante. Diese fand gegen Ende ihres Lebens Trost im Schreiben.

„Nur im Geheimen, in ihrem Zimmer, versuchte Priscilla, ihr Leben in Ordnung zu bringen, indem sie das Geschehene aufzeichnete. Es war ein Akt der Selbstbestätigung, eine Form, zu sagen: ‚Ich bin noch da, ich bin nicht verschwunden!‘“ S. 449

Obwohl es die Biografie einer ganz normalen Frau ist, kommen viele Verbindungen zu schillernden Persönlichkeiten der damaligen Zeit zum Vorschein und haben mich ganz schön ins Schwärmen gebracht. Von Sugar Ray Robinson über Alfred Hitchcock haben Priscilla und ihre Freunde weitreichende Verbindungen.
Später kommen auch weniger glorreiche Kontakte zu bedeutenden Nazis dazu, aber auch das ist nun mal Teil ihres Lebens. Diese Abschnitte waren für mich besonders spannend. Das Leben der Frauen im besetzten Frankreich und generell das Leben der jungen Frauen zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges wird sonst wenig besprochen, bekommt aber in diesem Buch ein plastisches Gesicht. Welche Verbindungen Priscilla einging, um ihr Überleben zu sichern, oder auch weil sie sich nicht gegen Liebe wehren konnte (oder wollte), ist spannend zu erfahren.
Die vielen Fotos von Priscilla haben mich zusätzlich ins Herz getroffen. Auf den Fotos ist eine junge, hübsche Frau zu sehen, die einen über die Zeit hinweg direkt anzusehen scheint. Die vielen Verehrer, die sie während ihres Lebens verzauberte, kann man gut verstehen.
 
Obwohl die Jahre des zweiten Weltkriegs besonders thematisiert werden ist „Priscilla“ kein Buch über den Krieg. Es geht vor allem um Liebe und Treue, um die Suche nach Glück und die vielen kleinen und großen Entscheidungen, die am Ende ein Leben ausmachen.
Ich kann „Priscilla“ nur jedem ans Herz legen. Diese Biografie hat mich bewegt, wie keine andere zuvor und ich bin froh, dass Priscilla all die Dokumente ihres Lebens aufbewahrte und Nicholas Shakespeare sie nutzte, um Geschichte seiner Tante zu erzählen.

„Auf Boisgrimot hatte Priscilla gehört, wie ihr Vater im Radio erklärte, man dürfe niemals Briefe und Tagebücher vernichten, auch wenn sie vielleicht nur Klatsch und Tratsch enthielten: ‚Sie können unbezahlbar sein, unvergängliche Zeugnisse menschlichen Muts in Zeiten allgemeiner Mutlosigkeit.‘“ S. 418

Ich vergebe 5 von 5 Leseratten und einen Platz in meiner persönlichen Top-20-Liste.


Das Buch in einem Tweet: "Priscilla" zeigt eine junge Frau, die wir mit all ihren Fehlern aber auch Stärken kennenlernen. Die Biografie berührt, fesselt, fasziniert.

Samstag, 6. September 2014

Rezension: Der Poet der kleinen Dinge von Marie-Sabine Roger

Marie-Sabine Roger verzauberte mich erstmals mit „Das Labyrinth der Wörter“ mit ihrem unvergleichlichen Schreibstil und unglaublich liebenswerten Charakteren. Jetzt habe ich auch noch ihre beiden anderen Bücher gelesen und bin ihr endgültig verfallen. Ich hoffe, dass bald noch weitere tolle Geschichten von dieser wunderbaren Autorin folgen werden!

„Der Poet der kleinen Dinge“ von Marie-Sabine Roger
Hoffman und Campe Verlag
240 Seiten
18,99 € (Hardcover)









Die junge Alex reist rastlos umher und wandert von einer Stadt und einem Job zum nächsten. Als sie bei Marléne und Bertrand zur Untermiete einzieht, ist es für sie erst nichts weiter als eine neue Station auf ihrer langen Reise. Doch dort lebt auch Gérard, der behinderte Bruder von Bertrand. Er kann sich auf Grund seiner Behinderung nur schlecht artikulieren und dadurch entgeht seiner Familie, welcher wache Verstand in ihm steckt. Und vor allem: welcher Poet! Einzig Alex entdeckt dies und schließt Gérard schnell in ihr Herz. Neben Alex und Gérard ist auch Cedric ein ziemlicher Außenseiter in der trostlosen Kleinstadt. Kein Wunder, dass da sehr schnell eine besondere Freundschaft entsteht.
Die Handlung von „Der Poet der kleinen Dinge“ wirkt wie ein Ausschnitt aus einer eigentlich viel längeren Geschichte, der man auch nach Ende des Buches am liebsten weiter folgen würde. Manchmal sind mir schon Bücher begegnet, deren eigentlich banale Handlung weit ausgedehnt war und mich völlig das Interesse verlieren lies. Marie-Sabine Roger arbeitet nach dem gegenteiligen Prinzip. Dadurch, dass man nur einen kurzen Abschnitt der Geschichte erzählt bekommt, bleibt viel Raum für eigene Ideen und Träumereien. Obwohl man über das „danach“ viel träumen kann, ist die Handlung in sich aber wiederum abgeschlossen genug, um nicht frustrierend unabgeschlossen zu wirken. Perfekt!
Neben diesem besonderen Aufbau der Geschichte sind es aber vor allem die besonderen Charaktere, die mich so völlig verzaubert haben. Trotz der Kürze der Geschichte lernen wir vier besondere Personen, mit ihren Stärken, Schwächen und Träumen kennen. Der titelgebende „Poet der kleinen Dinge“ Gérard ist dabei natürlich eine Hauptfigur, die restlichen Freunde werden aber nicht weniger liebevoll charakterisiert.
Auch diese Geschichte versprüht, wie die übrigen von Marie-Sabine Roger, eine Menge Inspiration und Zuversicht. Es geht in ihren Geschichten immer wieder um besondere Lebenswege, die so unkonventionell und manchmal auch schwer sie auch sein mögen, doch für jeden Protagonisten eine irgendwie glückliche Wendung bieten, auch wenn diese vielleicht nicht den gesellschaftlichen Konventionen entspricht.
Bei aller emotionaler Tiefe und tollen Charakteren darf der Eindruck nicht trügen: „Der Poet der kleinen Dinge“ ist voll Humor und so gar kein schweres, philosophierendes Werk. Im Gegenteil Situationskomik und eine sehr witzige Sprache lassen die Geschichte leicht und locker wirken und bringen eine Menge Spaß.

Über die Bücher von Marie-Sabine Roger zu sprechen fällt mir schwer, man sollte sie einfach lesen! Es sind Geschichten fürs Herz, die mich einfach glücklich zurücklassen und mich ohne Zweifel 5 von 5 glücklichen Leseratten vergeben lassen.



Das Buch in einem Tweet: "Der Poet der kleinen Dinge" ist Soulfood in Buchform. Tolle Charaktere und eine leise aber wunderschöne Handlung. Einfach lesen.

Sonntag, 24. August 2014

Thank God it was Sneakday: Mit ganzer Kraft

Alex und ich hatten beide eine harte Arbeitswoche. Bis Freitag haben wir es nur dank einem sehr lustigen Mittwoch geschafft. Erst haben wir Burger im Alex gegessen, während neben an im Metropolis-Kino Starauflauf wegen der Premiere von "Doktorspiele" war. Wir hatten viel Spaß dabei, den Security-Kräften und den zum Teil schillernden Gestalten zuzusehen, während wir nur dank des Filmplakats die Schauspieler von den Zuschauern unterscheiden konnten.

Der Film in der Sneak hatte dann eine ganz andere Grundstimmung:

„Mit ganzer Kraft“ polyband medien GmbH

Kinostart: 04.09.2014

Spiellänge: 86 Minuten
FSK 0

Website zum Film



Julien ist 17 und seit seiner Geburt auf den Rollstuhl und die Pflege seiner Mutter angewiesen. Sein Vater ist die meiste Zeit abwesend, weil er für immer wieder wechselnde Handwerkerjobs ständig unterwegs ist, was ihm auch sehr recht zu sein scheint. Als er wieder arbeitslos wird und für eine Weile zu Hause ist, versucht Julien eine Verbindung zu seinem Vater aufzubauen.

In der Garage entdeckt er alte Bilder von seinem Vater, die zeigen, dass er früher am Iron Man teilgenommen hat. Da sein bester Freund trotz einer körperlichen Behinderung mit seinem Vater joggt und Fahrrad fährt, möchte Julien das auch. Er drängt seinen Vater, der zunächst abblockt. Als Julien jedoch Reißaus nimmt, überdenkt er seine Haltung und baut sein Fahrrad so um, dass Julien in einem Sitz vor dem Lenker Platz nehmen kann. Er hofft, dass es damit genug ist, doch Julien träumt von der Teilnahme an einem echten Iron Man.

Alex und ich haben eine geteilte Meinung zu dem Film. Alex findet es übertrieben, wie der Vater dazu gedrängt wird den Iron Man zu absolviern, dass es ein zu hoch gestecktes Ziel ist. Ich finde, es geht lediglich um eine übersptitzte Darstellung. Der Film ist von wahren Begebenheiten inspiriert. Natürlich ist es im wahren Leben zu viel verlangt, dass der Vater, um eine Beziehung zu seinem Sohn aufzubauen, gleich einen Iron Man mit ihm absolvieren muss. Ich denke, in der Realität wäre es das Ergebnis von einem gemeinsamen Hobby und jahrelangem Training. Aber dramaturgisch gesehen, hat der Vater viele Jahre verpasst und holt so schneller in der Beziehung zu seinem Sohn wieder auf. Und schließlich dauert jeder Film nur anderthalb bis zwei Stunden. Da muss es etwas übertrieben schnell gehen.

Je nachdem, wie man dazu steht und wie sehr man sich auf den Film trotz seiner Schwächen einlässt, erlebt man die emotionalen Szenen im Film: als etwas pathetisch, übertrieben und realitätsfern oder als herzerwärmend. Dementsprechend ist er für mich einer dieser typischen Samstag-Nachmittags-Filme, wenn es draußen regnet und man etwas leichtes, aber nichts seichtes fürs Herz braucht. Davon habe ich auch Alex überzeugen können.

Der Sneak-o-Mat zeigte eine wesentlich bessere Tendenz:


Dennoch bleiben wir dabei: Unsere Eintrittskarten für "Mit ganzer Kraft" sind im mittleren Glas gelandet und wir von uns mit drei von fünf Kinoratten bewertet.


Der Film in einem Zwitschern:
"Mit ganzer Kraft" ist ein leichter Film für's Herz über Vater-Sohn-Beziehungen & Willenskraft mit einem leichten Hang zur Übertreibung.

Samstag, 16. August 2014

Rezension: Das Glück, wie es hätte sein können von Véronique Olmi

Diese Rezension ist schon überüberfällig. Ich denke, demnächst wird mich vorablesen auf irgendeine schwarze Liste setzen, wenn ich dieses Buch nicht bald rezensiere. Also los, los!


"Das Glück, wie es hätte sein können" von Véronique Olmi Antje Kunstmann Verlag

224 Seiten

19,95 € (Gebundene Ausgabe)

Die Leseprobe von vorablesen findet ihr hier.





Suzanne ist über vierzig, verheiratet und Klavierspielerin. Sie führt ein einfaches, bescheidenes Leben in Paris. Bis sie Serge trifft. Er ist sechzig, reicher Immobilienmakler, mit einer Frau in den Zwanziger verheiratet und zweifacher Vater. Serge ist zufrieden mit seinem Erfolg, den er daran misst, dass er reich ist, eine junge Frau und zwei wundervolle Kinder hat. Aber wirklich glücklich scheint er nicht zu sein.

Das Buch beschreibt, wie zwischen Suzanne und Serge scheinbar ohne Sinn und Verstand eine herzzereißende Leidenschaft entsteht. Die Intensität ist in jedem Wort spürbar und erstaunlich authentisch, auch wenn man es nicht verstehen kann. Ein Mann, eine Frau, ein Blick und wenig später steht er im Regen vor ihrem Haus, stundenlang. Ehe er bei ihr klingelt und sie einfach küsst und sie es einfach geschehen lässt.

Das Buch liest sich leicht und dennoch berührt es Herz und Hirn. Fast jeder Satz lässt einen nachdenken. Leider hat das Ende einiges davon zerstört. Natürlich musste es noch ein lang gehegtes Familiengeheimnis geben. Insgesamt war am Ende des Buches nur eines wieder klar: In Frankreich ist Liebe gleich körperliche Anziehung und zerstörerisch.

Bis zur Hälfte des Buches war es fünf Ratten wert. Danach stürzte es ab. Nach langem hin und her finde ich, dass das Buch dennoch vier von fünf Leseratten verdient hat. Vielleicht finden andere das Ende auch überraschend und spannend. Kreativ war es auf jeden Fall.





Das Buch in einem Zwitschern: 
"Das Glück, wie es hätte sein können" beschreibt eine leidenschaftliche Liebe intensiv & authentisch, doch das Ende zerstört den Zauber.

Samstag, 26. Juli 2014

Rezension: Das Leben ist ein listiger Kater von Marie-Sabine Roger

„Das Leben ist ein listiger Kater“… so, bitte lasst diesen Titel mal auf euch wirken. Ja? Geht’s euch wie mir? Grinst ihr jetzt auch? Ich hatte in den letzten Wochen eine echt stressige Zeit (und das zum Teil trotz Urlaub, aber eben auch dank Krankheit…) aber immer, wenn ich das Buch auf dem Nachttisch liegen sah, musste ich trotzdem Lächeln. Bücher die sowas können sind besonders! Wenn es nach dem Lesen so bleibt, ist das umso besser. Jetzt, nachdem meine blöde Erkältung langsam abklingt, möchte ich euch endlich an diesem tollen Buch teilhaben lassen!

„Das Leben ist ein listiger Kater“ von Marie-Sabine Roger
224 Seiten
19,99 € (Hardcover)









Als Jean-Pierre im Krankenhaus erwacht, kann er sich kaum bewegen und an nichts erinnern. Er wurde bewusstlos aus der Seine gefischt und wäre dort um ein Haar ertrunken. Keine allzu schöne Situation. Der Rentner ist zwar auch sonst kein Sonnenschein, die Umstände seines Unfalls und der Zustände im Krankenhaus machen ihn aber endgültig zum Miesepeter. Obwohl er sich mit dem jungen Polizisten, der in seinem Fall ermittelt, und auch seinem Retter beginnt anzufreunden, ist und bleibt Jean-Pierre ein ziemlicher Griesgram, der erst langsam wieder Freude am Leben gewinnt.

Ich liebe Jean-Pierre! Der muffelige Opa mit seinen harschen Kommentaren und seinem meckrigen Wesen hat es mir einfach angetan. Entgegen aller Logik war er mir gerade durch sein mürrisches Gemüt von Anfang an sympathisch. Vor allem wie er den Klinikalltag beschreibt und dort einen „Don Quijote“-ähnlichen Kampf gegen ständig offene Zimmertüren kämpft, hat mich mehrmals herzlich zum Lachen gebracht. Und auch wie man aus Jean-Pierres Sicht die übrigen Charaktere kennenlernt ist wunderbar. Weder ist der Rentner gegenüber seinem Retter besonders dankbar, noch hält er mit seiner Meinung hinter den Berg, was er von dessen Weltsicht hält. Jean-Pierre ist immer schnell dabei sich eine Meinung über sein Umfeld zu bilden und lernt erst im Laufe der Geschichte die Personen, die ihm ihre Aufmerksamkeit schenken, zu schätzen.
Die Handlung beschränkt sich komplett auf den kurzen Zeitraum von Jean-Pierres Krankenhausaufenthalt. Durch viele Rückblenden (Jean-Pierre schreibt sicherheitshalber seine Memoiren) erfahren wir aber auch vieles über das Leben des Rentners.
Der Schreibstil ist sowohl in den Krankenhauspassagen als auch den Rückblenden flott und humorvoll, verwebt aber auch philosophische Gedanken ganz leicht mit in die Handlung. Und Gedanken über sein (teils trauriges) Leben macht sich Jean-Pierre jetzt wirklich ausgiebig, dazu hat er ja im Krankenhaus auch jede Menge Zeit. Als Leser merkt man, wie sich im Verlauf der Handlung ein Wandel in dem Rentner vollzieht und freut sich mit ihm. Natürlich wird aus dem Muffel kein Menschenfreund, aber sein Verständnis und Mitgefühl wächst. Es ist wunderschön diese Wandlung mit zu verfolgen.

Wie schon in „Das Labyrinth der Wörter“ zaubert Marie-Sabine Roger auch in diesem Buch eine Geschichte voll Herzlichkeit und Wärme. Das Buch hat mir beim Lesen und danach Kraft geschenkt und Freude bereitet. Ich kann das Buch nur jedem empfehlen, es ist einfach Lektüre für die Seele. 5 von 5 glücklichen Leseratten für „Das Leben ist ein listiger Kater“.


P.S. Die Geschichte hat nicht viel mit dem Titel zu tun, aber am Ende erschließt es sich doch und ich sag’s euch: ich finde diesen kleinen Clou sehr gelungen!

Das Buch in einem Tweet: In "Das Leben ist ein listiger Kater" lernt ihr den liebenswertesten bösen Opa kennen, den ihr euch vorstellen könnt. Ich versprechs!

Samstag, 19. Juli 2014

Rezension: Das Mädchen mit den blauen Augen von Michel Bussi

Trotz des tollen Wetters hänge ich immer noch ziemlich in den Seilen und verbringe den Tag mit Erkältungstrank und Paracetamol. Deswegen gibt es heute eine Rezension "aus der Retorte" für euch, ein Buch dass ich erst lange beobachtet habe und dessen Rezension jetzt schon ein Weilchen auf die Veröffentlichung wartet. Entdeckt habe ich es auf dem Stand des Aufbau Verlags zur Leipziger Buchmesse. Unzählige tolle Bücher haben mich dort (und später auf der Website des Verlags) angesprungen und sind direkt auf dem Wunschzettel gelandet. Einige habe ich schon gelesen, dann war endlich „Das Mädchen mit den blauen Augen“ an der Reihe.

„Das Mädchen mit den blauen Augen“ von Michel Bussi
416 Seiten
14,99 € (Klappbroschur)








Ein Flugzeugabsturz im Jura-Gebirge. Alle Passagiere sterben, einzig ein kleines Baby überlebt den Absturz. Die tragische Ironie des Schicksals: die Passagierliste verzeichnet zwei Säuglinge. Beides Mädchen, beide fast exakt gleich alt. Die große Frage ist nun, ob Emilie Vitral oder Lyse-Rose Carville dem Tod entkommen ist. Das verzweifelte ringen der Familien um das Baby beginnt und findet erst 18 Jahre später seinen tragischen Abschluss.

„Das Mädchen mit den blauen Augen“ war eine absolute Überraschung für mich, denn es war mal wieder ein Buch, das ich nicht aus der Hand legen konnte. Trotz seines nicht ganz geringen Umfanges habe ich es an zwei Abenden beendet. Irgendwann übermannt mich normalerweise immer die Müdigkeit und ich schlafe mit meinem Buch ein, bei diesem habe ich bis spät in die Nacht gelesen, um das Ende noch zu erfahren. Ich finde, eigentlich sagt das alles Wichtige aus.

Aber um nochmal ein bisschen auszuholen…

Bei diesem Buch stimmt einfach alles. Der Erzählstil ist wunderbar bildreich und gibt die Stimmung der Handlung toll wieder. Von der ersten Seite mit dem tragischen Flugzeugabsturz über dem Jura, bis zu Lylies verzweifelter Suche nach der Wahrheit war die Handlung fast filmisch beschrieben und wirkte trotzdem authentisch, ohne große Effekthascherei. Der Aufbau des Romans fügt sich dazu sehr schön. Die Handlung wird wechselweise aus den Aufzeichnungen des Privatdetektivs der Familie Carville mit Berichten aus der Vergangenheit und den Geschehnissen um den 18. Geburtstag des Mädchens erzählt.
Dazu kommt, dass die Handlung extrem gut konstruiert ist. Die Geschichte wurde perfekt mit der Zeit und dem Ort der Handlung verknüpft. So bleibt das Geschehen zwar durchgehend unwahrscheinlich, aber immer in sich logisch. Selbst die Entwicklung von technischen und medizinischen Möglichkeiten wurde bedacht und für einen spannenden Teil der Handlung verwendet.
Ich habe permanent mit gerätselt in welche Familie das Kind wohl gehören wird und nach verräterischen Anzeichen gesucht, wie sich all die Widersprüche auflösen lassen. Diese Art von „mitfiebern“ habe ich länger nicht mehr erlebt und hatte meine helle Freude daran.
Wem das alles nicht reicht für den bietet das Buch noch eine Menge menschlicher Dramen, Liebe und Konflikte. Die Handlung war dadurch nicht nur platt auf das Rätsel um die Identität des Kindes gerichtet, sondern hat auch alle beteiligten Personen toll einbezogen.

Da ich nichts zu meckern habe mach ich es ganz einfach: 5 von 5 Leseratten für dieses tolle Buch.


Das Buch in einem Tweet: Ein spannender, mitreißender Identitätssuche-Roman für Hobby-"Miss Marples" und "Hercule Poirot"-Azubis.

Freitag, 30. Mai 2014

Rezension: An einem Tag wie diesem von Peter Stamm

Für die Challenge im Mai haben Susi und ich jeweils im eigenen Regal ein Buch für die Andere abgezählt. Susi ist dabei auf „An einem Tag wie diesem“ von Peter Stamm gelandet. Da ihr das Buch so gut gefiel, habe ich mich eigentlich sehr darauf gefreut. Es wurde leider eine echte Challenge, dieses Buch zu beenden.

„An einem Tag wie diesem“ von Peter Stamm
208 Seiten
7,95 € (Taschenbuch)









Andreas lebt ein ziemlich eintöniges Leben. Er ist Deutschlehrer in Paris, hangelt sich von Affäre zu Affäre und hat eigentlich keine Ziele in seinem Leben. Als er eines Tages wegen Lungenproblemen zum Arzt geht und dort von einer möglichen schlimmen Diagnose erfährt, dreht Andreas durch. Er kündigt Wohnung und Job und reist in seine alte Heimat um seine einstige Jugendliebe aufzuspüren.

Die Inhaltsbeschreibung klang auch für mich am Anfang äußerst interessant. Diese „Sinn-Suche“ Romane sind  zwar nicht neu, aber doch immer wieder anders. Die Kombination mit der Suche nach einer Jugendliebe, die lange zurückliegt und doch nie Vergessen war, hätte wirklich etwas fürs Herz werden können.
Wurde es leider nicht. Der Protagonist ist unheimlich unsympathisch, gefühlskalt und seine Handlungen waren für mich über die gesamte Geschichte hinweg nicht nachvollziehbar. Ich bekam mehr und mehr das Gefühl, dass der Autor das Bild eines völlig egoistischen Menschen zeichnet, der in jeder Beziehung unfähig ist sich auf andere einzustellen. Eine Entwicklung gab es dabei leider auch nicht. Kein „Aha-Effekt“ oder langsames Annähern, das dem Leser die Möglichkeit gibt diesen Protagonisten doch noch ins Herz zu schließen. Selbst ganz am Ende saß ich nur kopfschüttelnd vor der „Auflösung“ von Andreas Reise und konnte nicht verstehen, was man mir damit sagen möchte.

Dazu kommt für mich das Problem, dass Peter Stamm und ich offenbar einfach nicht zusammen passen. Ich rede viel, quassele lange und bilde (grammatikalisch nicht immer ganz korrekte) Schlangensätze. Für mich hat Sprache mit Gefühlen und Atmosphäre zu tun. Bei Peter Stamm wirken die Sätze dagegen abgehakt und (zu) kurz. Immer, wenn so etwas wie ein Lesefluss einsetzen wollte, stellten sich mir die aufzählungsartigen, sterilen und abgehackten Sätze wieder in den Weg. Furchtbar banale Beschreibungen reihen sich aneinander und bei mir kam keinerlei Stimmung auf.

Ich weiß, dass Peter Stamm von vielen Lesern gelobt wird eben wegen diesem „präzisen“ Schreibstil. Für mich war das leider nichts. Auch mein erster Versuch mit diesem Autor „Nacht war der Tag“ scheiterte an ähnlichen Problemen.
Vielleicht verstehe ich die intellektuelle Tiefe des Buches nicht, aber für mich wirkten beide Geschichten gleich belanglos und es fehlte (für mich) an der Klarheit und Aussagekraft, die ein Buch (für mich) wertvoll macht.

Leider meine bisherige Enttäuschung des Jahres. 1 von 5 ganz subjektiven Leseratten für ein Buch, das leider bis zum Ende keine Richtung und Aussage findet und mich daher nicht berühren konnte.


Das Buch in einem Tweet:
"Ein Buch für sachliche Leser, nichts für Romantiker. Ich habe "An einem Tag wie diesem" nicht viel abgewinnen können."

Dienstag, 22. April 2014

Angelesen: Das Glück, wie es hätte sein können von Véronique Olmi

Endlich hab ich wieder Zeit für vorablesen und konnte auch wieder was finden, was mich begeistern konnte: Liebe und Lebensveränderungen. Dieses Buch schreit ja gerade zu nach mir.


"Das Glück, wie es hätte sein können" von Véronique Olmi Antje Kunstmann Verlag

224 Seiten

19,95 € (Gebundene Ausgabe)

Die Leseprobe von vorablesen findet ihr hier.





Suzanna ist Klavierstimmerin und scheint ein kleines bescheidenes Leben zu führen. Sie ist zufrieden und glaubt nicht, dass ihr etwas außergewöhnliches passieren könnte. Doch dann stößt sie auf dem Weg zu einem Auftrag mit Serge zusammen.

Mehr kann man aus der Leseprobe nicht herauslesen. Suzanna erzählt die Geschichte aus der Rückblende, scheinbar völlig überrascht und fasziniert darüber, wie sich das Leben durch etwas so banales wie ein Zusammenstoßen in einem Hausflur verändern kann. Inwiefern es sich ändern wird, wird noch nicht klar.

Die Sprache ist nachdenklich, etwas hochtrabend, fast philosophisch. Und dennoch nimmt es einen direkt mit auf diese kleine Reise. Dank dem Schreibstil habe ich auch das erste Mal an dem Zitat der Woche bei vorablesen teilgenommen. Mal sehen, ob ich das Überraschungspaket gewinnen kann:

"Ich verstehe nicht, dass man keine Lust haben kann, den Atem der Zeit zu spüren, dem Leben den Puls zu messen, zu sehen, was es uns bietet."

Sonntag, 23. März 2014

Rezension: Hector fängt ein neues Leben an von Francois Lelord

Weil Bücher helfen können, beruhigen und motivieren und weil ich das gut gebrauchen konnte habe ich „Hector fängt ein neues Leben an“ von Francois Lelord gelesen. Ich habe das Buch beim Adventskalender von Wortstark & Bildgewaltig gewonnen und es passte gerade einfach gut zu meiner Stimmung.

„Hector fängt ein neues Leben an“ von Francois Lelord
Piper Verlag
208 Seiten
17,99 € (Hardcover)









Es gibt schon eine ganze Menge Bücher über den Psychiater Hector, der verschiedenste Lebenssituationen durchsteht: nach dem Glück sucht, nach der Freundschaft oder wie in diesem Fall nach einem neuen Leben. In „Hector fängt ein neues Leben an“ steht sowohl Hector, als auch eine Reihe seiner Patienten vor dem Problem ihr Leben ändern zu wollen. Grundlegend umkrempeln vielleicht und doch gar nicht so viel anders machen (zumindest in Hectors Fall). Die Midlife Crisis schlägt zu oder einfach nur eine stinknormale Sinnkrise, bei einem Patienten gar wird die Änderung des Lebens erstmal von außen erzwungen, ehe er aus der Not eine Tugend macht und seinem Leben eine neue Richtung gibt.
Die vielen kurzen Kapitel des Buches haben mir gut gefallen, jedes Kapitel beschäftigt sich mit einem Gedanken oder Erlebnis Hectors oder mit einem Gespräch mit einem der Patienten. Vor allem die vielen kleinen Geschichten der Patienten haben es mir angetan. Die Charaktere wurden kurz und knackig vorgestellt und trotzdem hatte ich das Gefühl immer genug über sie erfahren zu haben, sie gut kennengelernt zu haben. Schön war die Essenz, dass alle Menschen, so unterschiedlich sie auch waren und so unterschiedlich auch ihre Lebenssituationen waren doch vor denselben Problemen standen und dieselben Entscheidungen treffen mussten. Welcher Leser kann sich da nicht angesprochen fühlen?
Ich habe bisher noch keines der anderen Hector-Bücher gelesen, vielleicht habe ich auch deswegen ein wenig gebraucht ehe ich mit Hector selbst dann so gut warm geworden bin wie mit seinen Patienten. Erst war er mir zwar sympathisch, weil die von ihm getroffenen Überlegungen so direkt und ehrlich wirkten, sensibel und offen. Seine Entwicklung innerhalb des Buches hat mir dann aber leider so gar nicht gefallen. Da musste ich mich dann erstmal wieder neu mit Hector anfreunden. Natürlich war Hectors Weg nur eine Möglichkeit, nochmal etwas „anderes“ zu probieren und sein Leben zu ändern ohne gleich alles umzuwerfen (wenn auch nur durch Glück). Aber für mich blieb da ein unangenehmer Beigeschmack. Es hätte nur noch der rote Sportwagen (möglichst ein Cabrio) gefehlt, dann wäre Hector zum absoluten Klischee des Mannes in der Midlife Crisis mutiert. Ich glaube, dass hätte der Autor besser gekonnt. Vielleicht war dies aber auch eine bewusste Entscheidung, um die Bandbreite der Möglichkeiten aufzuzeigen, worin so ein „neues Leben“ bestehen kann. Gut möglich. In diesem Fall so gar nichts für mich.
Der Schreibstil wiederum hat mir recht gut gefallen, denn obwohl französische Autoren manchmal für meinen Geschmack etwas zu verschnörkelt und blumig schreiben hat die Sprache sich hier gut zum Thema eingefügt. Die detaillierten, liebevollen Beschreibungen von Paris, Hectors Treffen und Erlebnissen haben einen guten Kontrast zum sonst doch recht grüblerischen Grundthema geboten.

Insgesamt hat mir „Hector fängt ein neues Leben an“ leider nur mäßig gut gefallen. Ich hätte mir mehr von diesen kurzen und motivierenden Geschichten gewünscht, mehr Abwechslung dabei und vielleicht auch eine andere, differenziertere Darstellung von Hectors neuem Weg. Ich vergebe für dieses Buch zwar nur 2 von 5 Leseratten, werde trotzdem bei Gelegenheit nochmal eines der anderen Hector-Bücher zur Hand nehmen, da die Grundidee des Aufbaus und Erzählart der Geschichte mir doch gut gefallen haben. Vielleicht kann ich mich dann auch mit den Wendungen der Geschichte und Entwicklung des Protagonisten besser anfreunden.

Samstag, 4. Januar 2014

Rezension: Wie die Franzosen die Liebe erfanden von Marilyn Yalom

Ich hatte mal wieder Glück bei vorablesen! Obwohl Glück hier wohl eher heißt, einer von nur 159 gewesen zu sein. Bei 100 Freiexemplaren also fast eine sichere Bank und im Nachhinein bin ich sehr froh darüber.


"Wie die Franzosen die Liebe erfanden" von Marilyn Yalom Graf Verlag

420 Seiten (plus 23 Seiten Anmerkungen und Personenregister)

22,99 € (Hardcover)









Es ist ein Sachbuch. Seine Geschichte ist die französische Literatur der letzten 900 Jahre. Allein das erfüllt einen mit Ehrfurcht und Angst. Wer will sowas lesen? Außer sie oder er studiert französische Literatur.

Aber hier liegt der besondere Zauber dieses Buches - man möchte es lesen! Man möchte es gerade zu verschlingen und wünscht sich gleichzeitig die Zeit zu haben all das, was die Autorin beschreibt, parallel lesen zu können.

Marilyn Yalom erzählt in beschwingter Leichtigkeit von der Geschichte und der Seele der Franzosen, fasst etliche Bücher zusammen, erzählt dutzende Biografien und hat immer eine Anekdote aus oder eine Verbindung zu ihrem eigenen Leben parat. Es ist unglaublich. Vor allem, wenn man sich nur für einen Moment vergegenwärtigt, welches Wissen, welche Recherche, welche Arbeit hinter einem solchen Werk steckt. Es ist wahrlich ein Lebenswerk.

Es ist spannend, interessant, lehrreich, unterhaltsam, amüsant und eine Sammlung der schönsten, schaurigsten und unglaublichsten Liebesgeschichten. Denn die meisten sind wahr. Jeder der Biografien mag, kann es lesen. Aber auch jeder, der sich für Frankreich, die Liebe und Literatur interessiert. Eigentlich jeder, der das hier gerade liest - denn es ist vor allem eine Besprechung aller großen Werke und Schriftsteller Frankreichs. Und dazu aus der Sicht einer Amerikanerin, die trotz ihrer prüden Heimat auch mehrere Kapitel der gleichgeschlechtliche Liebe widmet.

Ich könnte noch seitenweise so weiter erzählen - daher bleibt mir nur eins: Fünf von fünf Leseratten für dieses erstaunliche Buch, an dem ich keinen Makel finden kann und das wohl noch lange in meinem Bücherregal verbleiben wird und das ich noch oft in de Hand nehmen werde. Schon allein, weil es sehr viele gut abgehobene Zitate enthält und damit ein Quelle für viele Liebesbekundungen darstellt. Und deswegen auch ein Platz auf der Top Twenty Liste.

Montag, 18. November 2013

Angelesen: Wie die Franzosen die Liebe erfanden

Skandal! Die Montagsfrage macht Pause! Aber dafür gibt es auf vorablesen endlich mal wieder ein Buch, das mich interessiert und was ich hoffe zu gewinnen.

"Wie die Franzosen die Liebe erfanden" von Marilyn Yalom Graf Verlag

Die Leseprobe von vorablesen findet ihr hier.











Marilyn Yalom möchte in diesem Buch dem Ursprung, der Geschichte und der Bedeutung von Liebe und Lust in der französischen Gesellschaft aus der Sicht einer Amerikanerin nachgehen.

Das scheint mir eine interessante Mischung zu sein. Die Leseprobe war zu kurz, um einen wirklichen Eindruck zu bekommen. Allerdings wurde bereits klar, dass das Buch in einem sehr wissenschaftlichen Stil geschrieben ist. Das allein könnte auf Dauer etwas dröge werden, jedoch gleichen die gezielt ausgewählten Zitate, die bereits im ersten Kapitel die Leidenschaft der Beteiligten wunderbar transportiert haben, und das Einstreuen persönlicher Erlebnisse das gut aus. Ich bin gespannt, wieviele weitere schöne Geschichten die Autorin gefunden hat und zu welcher Erkenntnis sie am Ende gelangt.

Drückt mir also die Daumen! Falls ich es jedoch nicht gewinne, ist das auch ok. Kaufen würde ich es mir bei dem stolzen angekündigten Preis von 22,90 € jedenfalls nicht. 

Samstag, 2. November 2013

Rezension: Die unsichtbare Brücke von Julie Orringer

Neben dem Großen Los von Meike Winnemuth war dieses Buch mein literarisches Highlight dieses Jahr und es passte dazu noch zu den Reiseplänen, die ich nicht wahr gemacht, aber nicht vergessen habe und dem Hauptthema einiger Bücher, die ich dieses Jahr gekauft habe: Das Judentum.

"Die unsichtbare Brücke" von Julie Orringer Kiepenheuer&Witsch

815 Seiten

12,99 € (Paperback)








Das Buch beginnt wie eine ungehörig klingende, seichte Liebesgeschichte, die es doch so im wahren Leben niemals geben kann: Andras Lévi, ein junger Jude aus Budapest, geht 1937 nach Paris, um dort Architektur zu studieren, weil er es in seiner Heimat Ungarn aufgrund der Studentenquoten für Juden nicht kann. Er kennt die Sprache kaum und hat keinen weiteren Plan, es ist eine Reise ins Unbekannte. Doch er findet ein Zimmer und einen Mentor in einem seiner Professoren, der ihm die Sprache beibringt und Freunde. Und die Liebe: Klara Morgenstern ist Balettlehrerin mit einem Geheimnis, sie hat Ungarn aus unbekannten Gründen verlassen müssen. Eigentlich soll sich Andras in ihre Tochter verlieben, doch er interessiert sich mehr für die elegante und intelligente Claire. Er wird fast krank vor Liebe und Verlangen und es beginnt nach einer Weile beinahe schon eine amour fou. Doch das ist nicht alles: Die Weltgeschichte holt dieses ungewöhnliche Liebespaar ein. Der Zweite Weltkrieg bricht aus und Andras muss zurück nach Budapest, wo er zum Arbeitsdienst eingezogen wird.

Mehr möchte ich wirklich nicht verraten, es ist schon fast zu viel. Aber es ist wichtig zu wissen, dass dieses Buch mehr ist, als eine schnöde Liebesgeschichte mit Tücken und Hindernissen und mehr ist, als eine weitere tragische Geschichte zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges. Dieses Buch reißt einen mit und erschüttert einen bis ins Mark. Die Beschreibungen sind durchweg so lebendig und glaubwürdig, dass man den Schmerz und die Freude der Figuren am eigenen Leib spürt - ein Buch, dass einen auch wahrhaft zum Weinen bringt.

So ein intensives Zeitzeugnis habe ich bisher nur bei Hans Falladas "Jeder stirbt für sich allein" erlebt. Es beleuchtet ein anderes Kapitel dieser brutalen Zeit und lässt einen wahrhaft spüren, was es hieß, zu dieser Zeit zu leben. Darüber hinaus eröffnet es einem einen neuen Blick außerhalb der deutschen Schrecken, einen unverstellten Blick auf ein Europa, dass über Deutschland hinaus anitsemitisch war und gleichzeitig einen Blick in die jüdische Religion.

Alle Figuren und alle verschiedenen Schicksale sind sehr gut beschrieben und beleuchtet. Es gibt wirklich nichts, was man an diesem Buch kritisieren kann. Dazu kommt noch, was ich erst auf der letzten Seite erfuhr: Es ist wirklich alles wahr, es ist die Familiengeschichte der Autorin, all diese Dinge, in ihrer Schönheit, Besonderheit und ihrem Schrecken, sind wirklich passiert.

Ich möchte diesem Buch fünf von fünf Leseratten geben, weil ich finde, dass es einen unschätzbaren Wert hat und von jedem mindestens einmal gelesen werden muss. Um sich bewusst zu machen, was in Europa in diesen Jahrzehnten geschah und um zu verhindern, es je wieder geschehen zu lassen.


Dienstag, 1. Oktober 2013

Rezension: Madame Hemingway von Paula McLain

Ich lese gern die Biografien und Geschichten von Schriftstellern und deren Frauen. Madame Hemingway war meine bisher zweite Chance das Leben einer Schriftstellerehefrau kennenzulernen und dabei viel über den Charakter einer früheren Zeit zu erfahren. 




„Madame Hemingway“ von Paula McLain 
Aufbau-Verlag 


436 Seiten (plus 16 Seiten Zusatzmaterial und Pariskarte)
9,99 € (Paperback)





Hadley Richardson ist nach den Begriffen ihrer Zeit zu Beginn der Geschichte schon fast eine alte Jungfer: Sie ist 29 Jahre alt, als sie den acht Jahre jüngeren Ernest Hemingway trifft. Noch ist er kein weltbekannter Schriftsteller, noch arbeitet er auf den großen Durchbruch zu und verbringt seine Abende mit trinken und Faustkämpfen. Schnell entwickelt sich eine besondere Beziehung zwischen den beiden, die nach wenigen Tagen in Chicago hauptsächlich aus einem regen, täglich stattfindenden und intimem (und damit meine ich intim im eigentlichen Sinne des Wortes und nichts anrüchiges) Briefwechsel besteht. Ernest macht ihr bereits nach kurzer Zeit einen Heiratsantrag. Wenig später entscheiden sich beide nach Paris zu gehen, um Ernest Traum Schriftsteller zu werden näher zu kommen.
Die Geschichte umfasst vor allem die gemeinsame Zeit in Paris und ist damit erfüllt mit dem Zeitgeist der Zwanziger Jahre. Man bekommt jedoch auch einen sehr guten Eindruck in die empfindliche Seele eines Künstlers, seiner speziellen Bedürfnissen und der großen Aufgabe, die daraus für eine Ehefrau erwächst.
Das Buch ist eher ein Roman als eine Biografie, dadurch liest es sich leicht und flüssig, fast wie eine Liebesgeschichte. Doch auch wenn unbekannte Details und die die Dialoge durch die Fantasie der Autorin gefüllt werden, weiß man instinktiv (und dieses Gefühl wird beim Lesen des Zusatzmaterials bestätigt), dass die Autorin viel Zeit und Recherche investiert hat, um uns die wahre Hadley und den wahren Ernest zu präsentieren. Dafür hat sie u. a. deren umfangreiche Korrespondenz gelesen und kommt so wahrscheinlich sehr nahe an die wahren „Stimmen“ der Figuren heran.
„Madame Hemingway“ ist ein Buch für alle Romantiker, Literaturfans, Künstlerfaszinierte oder Parisliebhaber – alles das bietet einem dieses Buch. Da ich fünf von fünf Leseratten nur für jene Bücher vergeben möchte, die ich am liebsten jedes Jahr aufs Neue lesen möchte, erhält Madame Hemingway von mir vier: Als sehr empfehlenswertes Buch zum lesen und behalten, um irgendwann doch wieder in diese zauberhafte Zeit zurückzugehen, in der eine Schiffsreise nach Paris noch ein echtes Abenteuer war.