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Samstag, 6. September 2014

Rezension: Der Poet der kleinen Dinge von Marie-Sabine Roger

Marie-Sabine Roger verzauberte mich erstmals mit „Das Labyrinth der Wörter“ mit ihrem unvergleichlichen Schreibstil und unglaublich liebenswerten Charakteren. Jetzt habe ich auch noch ihre beiden anderen Bücher gelesen und bin ihr endgültig verfallen. Ich hoffe, dass bald noch weitere tolle Geschichten von dieser wunderbaren Autorin folgen werden!

„Der Poet der kleinen Dinge“ von Marie-Sabine Roger
Hoffman und Campe Verlag
240 Seiten
18,99 € (Hardcover)









Die junge Alex reist rastlos umher und wandert von einer Stadt und einem Job zum nächsten. Als sie bei Marléne und Bertrand zur Untermiete einzieht, ist es für sie erst nichts weiter als eine neue Station auf ihrer langen Reise. Doch dort lebt auch Gérard, der behinderte Bruder von Bertrand. Er kann sich auf Grund seiner Behinderung nur schlecht artikulieren und dadurch entgeht seiner Familie, welcher wache Verstand in ihm steckt. Und vor allem: welcher Poet! Einzig Alex entdeckt dies und schließt Gérard schnell in ihr Herz. Neben Alex und Gérard ist auch Cedric ein ziemlicher Außenseiter in der trostlosen Kleinstadt. Kein Wunder, dass da sehr schnell eine besondere Freundschaft entsteht.
Die Handlung von „Der Poet der kleinen Dinge“ wirkt wie ein Ausschnitt aus einer eigentlich viel längeren Geschichte, der man auch nach Ende des Buches am liebsten weiter folgen würde. Manchmal sind mir schon Bücher begegnet, deren eigentlich banale Handlung weit ausgedehnt war und mich völlig das Interesse verlieren lies. Marie-Sabine Roger arbeitet nach dem gegenteiligen Prinzip. Dadurch, dass man nur einen kurzen Abschnitt der Geschichte erzählt bekommt, bleibt viel Raum für eigene Ideen und Träumereien. Obwohl man über das „danach“ viel träumen kann, ist die Handlung in sich aber wiederum abgeschlossen genug, um nicht frustrierend unabgeschlossen zu wirken. Perfekt!
Neben diesem besonderen Aufbau der Geschichte sind es aber vor allem die besonderen Charaktere, die mich so völlig verzaubert haben. Trotz der Kürze der Geschichte lernen wir vier besondere Personen, mit ihren Stärken, Schwächen und Träumen kennen. Der titelgebende „Poet der kleinen Dinge“ Gérard ist dabei natürlich eine Hauptfigur, die restlichen Freunde werden aber nicht weniger liebevoll charakterisiert.
Auch diese Geschichte versprüht, wie die übrigen von Marie-Sabine Roger, eine Menge Inspiration und Zuversicht. Es geht in ihren Geschichten immer wieder um besondere Lebenswege, die so unkonventionell und manchmal auch schwer sie auch sein mögen, doch für jeden Protagonisten eine irgendwie glückliche Wendung bieten, auch wenn diese vielleicht nicht den gesellschaftlichen Konventionen entspricht.
Bei aller emotionaler Tiefe und tollen Charakteren darf der Eindruck nicht trügen: „Der Poet der kleinen Dinge“ ist voll Humor und so gar kein schweres, philosophierendes Werk. Im Gegenteil Situationskomik und eine sehr witzige Sprache lassen die Geschichte leicht und locker wirken und bringen eine Menge Spaß.

Über die Bücher von Marie-Sabine Roger zu sprechen fällt mir schwer, man sollte sie einfach lesen! Es sind Geschichten fürs Herz, die mich einfach glücklich zurücklassen und mich ohne Zweifel 5 von 5 glücklichen Leseratten vergeben lassen.



Das Buch in einem Tweet: "Der Poet der kleinen Dinge" ist Soulfood in Buchform. Tolle Charaktere und eine leise aber wunderschöne Handlung. Einfach lesen.

Sonntag, 3. August 2014

Rezension: Die Wahrheit und andere Lügen von Sascha Arango

„Die Wahrheit und andere Lügen“ war Petzis Wunschbuch zum Welttag des Buches nach unserem Gewinnspiel. Auch andere Blogger haben schon davon berichtet. Als ich es dann bei Skoobe fand, war ich einfach sehr neugierig und habe reingelesen und schnell Gefallen daran gefunden.

„Die Wahrheit und andere Lügen“ von Sascha Arango
304 Seiten
19,99 € (Hardcover)








Henry ist ein Hochstapler. Er ist als erfolgreicher Autor im ganzen Land berühmt, ohne je eine Zeile geschrieben zu haben. Er führt eine glückliche Ehe, betrügt seine Frau jedoch mit seiner Lektorin. Man könnte sagen, er hat mehr Glück als Verstand. Bis das schöne Wolkenschloss ins Wanken gerät, als seine Geliebte von ihm Schwanger wird und verlangt, dass Henry seine Frau verlässt.

Irgendwie ist die Situation in „Die Wahrheit und andere Lügen“ ganz klassisch und könnte sich fast zu einem typischen „Tatort“-Fall für den Sonntagabend entwickeln. In diesem Buch läuft aber alles ein bisschen anders. Das Buch ist ein Krimi und doch wieder nicht. Es gibt eine gewisse Spannung, es gibt einige brenzlige Situationen und (natürlich!) einen Mord. Aber da hören die typischen Krimieigenschaften auch schon auf. Die Spannung ist nämlich weniger drängend und düster, als eher durch die absurde Situation getrieben. Man muss einfach wissen, wie sich das alles entwickelt. Und der Mord? Der ist auch alles andere als kaltblütig und lang geplant.

Weglegen mag man das Buch trotzdem nicht, denn es bietet eine Menge Witz und toll gestaltete Charaktere. Der Humor des Buches ist sowohl ganz offen in der lebhaften Sprache und den witzigen Gedanken von Henry zu spüren, speist sich aber auch aus den einfach genial konstruierten Situationen im Buch. Das wirkt alles zu komisch um wahr zu sein, ist aber so authentisch beschrieben, dass es richtig wirkt.
Das ganze wird toll unterstrichen durch die Charaktere. Alle sind sie irgendwie eigen und haben Seele. Besonders der Hauptprotagonist Henry Hayden ist so ein skurriler Vogel, dass man ihm im Verlauf des Buches beinahe alles verzeiht. Natürlich ist er ein Hochstapler und Drückeberger, er scheut Konflikte und ist auf seine Bequemlichkeit bemüht. Das müsste eigentlich so richtig unsympathisch sein, aber Henry wurden auch so viele nette, liebenswerte Eigenschaften angedichtet, dass ich mit diesem Antihelden mitgefiebert habe.
Der Schreibstil ist flott und kurzweilig aber detailliert genug um die Atmosphäre der Szenen zu transportieren. Das mag damit zusammenhängen, dass der Autor bisher Drehbücher verfasst hat und ein Gespür für abwechslungsreiche und fesselnde Szenen (und Szenenfolgen) haben muss.

„Die Wahrheit und andere Lügen“ ist überraschend und interessant. Kein klassischer Krimi und trotzdem mit einem eigenen Sog, keine klassische Komödie, aber mit einem großen Schuss Humor. 
5 von 5 Leseratten für ein witziges Leseerlebnis.


Das Buch in einem Tweet: Henry Hayden ist ein Hochstapler, Mörder, Betrüger und Angeber. Und doch! Man beginnt den Protagonisten zu mögen, fibert und leidet mit ihm.

Freitag, 4. Juli 2014

Rezension: Die Anbetung von Dean Koontz

„Die Anbetung“ war mein erstes Buch von Dean Koontz und wird bestimmt nicht mein letztes bleiben. Der erste Band dieser Reihe um Odd Thomas hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich den nächsten Band in Skoobe schon auf meine Merkliste gesetzt habe.

„Die Anbetung“ von Dean Koontz
Heyne Verlag
496 Seiten
8,95 € (Taschenbuch)









Odd Thomas ist ein einfacher Imbisskoch, der über eine besondere Gabe verfügt: Odd Thomas kann Tote sehen und mit ihnen kommunizieren. Als eines Tages ein seltsamer Mann in seiner Heimatstadt Pico Mundo auftaucht und mit ihm eine Reihe düsterer Geister, ahnt Odd Thomas, dass etwas Schlimmes geschehen wird. Er setzt daraufhin eine Menge aufs Spiel, um den seltsamen Vorgängen in Pico Mundo auf den Grund zu kommen und wenn möglich Schlimmeres zu verhindern.

„Die Anbetung“ ist eine interessante Mischung aus Fantasyroman, Gruselgeschichte und Komödie. Die Begegnungen mit den Geistern und Dämonen sind zum Teil sehr schaurig dargestellt, Thomas Wanderung durch eine seltsame neue Dimension scheint schier unglaublich und alles wird mit einer guten Portion Humor erzählt. Besonders Thomas Weltsicht und die vielen schrägen Charaktere sind dabei mehr als einmal Grund zum Schmunzeln.
Die Geschichte wird von Odd Thomas selbst „aufgeschrieben“ und immer wieder gibt es Einschübe aus Gesprächen mit seinem Freunden oder Hinweise auf spätere Teile der Handlung. Das ist abwechslungsreich, wirklich amüsant und gibt dem Buch einen besonderen Sog. Insgesamt ist der Erzählstil sehr atmosphärisch.
Wirklich ans Herz gewachsen ist mir aber besonders Odd Thomas selbst. Dean Koontz hat da einen sympathischen Protagonisten geschaffen, der neben seiner Besonderheit vor allem ehrlich und bodenständig wirkt, ohne langweilig zu sein. Vor allem seine Ziele und Träume machen Odd Thomas so besonders liebenswert und menschlich. Wenn er dann noch über seine Gabe spricht und wie er damit umgeht, muss man ihn einfach mögen.
Ein bisschen musste ich ja unterm Strich an die Bücher von Stephen King denken. Die besondere Mischung aus interessanter Situation, dichter Atmosphäre und sympathischen Charakteren finde ich auch dort immer wieder und fühle mich sofort zu Hause. Es wundert also nicht, dass ich auch „Die Anbetung“ sehr genossen habe und mich gut unterhalten fühlte.
Als einziger kleiner Schwachpunkt bleibt für mich, das Quäntchen Besonderheit, welches gefehlt hat. Aus der Handlung hätte mehr gemacht werden können, es fehlten einige Verbindungen oder Erklärungen, um das eigentliche Geschehen für mich ganz abzurunden. Dadurch entscheide ich mich  unterm Strich für sehr gute 4 von 5 Leseratten.


Das Buch in einem Tweet: Ein unterhaltsamer Genremix aus Spannung, Horror und Humor, der Auftakt in eine interessante Reihe.

Freitag, 23. Mai 2014

Rezension: Ich koch dich tot von Ellen Berg

Ich habe angekündigt, dass ich mich in diesem Jahr auch mal öfter an neuen Genres probieren möchte. Mein Versuch im Bereich Fantasy war nicht sonderlich erfolgreich, bessere Tipps von euch habe ich schon auf meiner Liste und werde dort noch einen nächsten Versuch wagen.
Heute möchte ich euch von einem eigentlich klassischen „Frauenroman“ erzählen. In diese Richtung lese ich verdammt selten, weil mich die Themen häufig einfach nicht ansprechen. Auf dieses Buch bin ich aber auf der Leipziger Buchmesse aufmerksam geworden, der morbide Humor ist schon eher meins als rosa Kitschwölckchen und Shoppingtrips! Und es ist mal wieder ein Buch, das meine Mama und mich sofort gleichermaßen interessiert hat.

„Ich koch ich tot“ von Ellen Berg
Aufbau Taschenbuch Verlag
315 Seiten
9,99 € (Taschenbuch)








Vivi ist zwar erst Anfang 30, der Ehe mit ihrem Mann Werner ist aber schon deutlich die Luft ausgegangen. Als Werner beim Abendessen plötzlich vornüber ins Gulasch kippt, ändert sich für Vivi alles. Werners Ableben war zwar eigentlich ein Unfall, doch Vivi merkt dass eine gesunde Portion Rattengift so manches Problem lösen kann. Sie baut sich ein neues Leben ohne Werner auf und überwindet dabei auch so manches männliche Hindernis.

„Ich koch dich tot“ ist ein Buch das Spaß macht. Die Szene direkt zu Beginn des Buches ist super gewählt und irgendwie geht die Geschichte damit so skurril und spritzig los, dass man gleich mitten in der Geschichte steckt.
Vivi ist als Charakter sehr sympathisch, obwohl ich irgendwie irritiert war, als sie so jung und hübsch beschrieben wurde. Die Ehe mit ihrem Werner wurde so grau und eintönig dargestellt, dass ich es mir eher für ein deutlich älteres Paar vorstellen konnte. Auch das Cover hatte bei mir den Eindruck vermittelt, es würde durch den Tod des Gatten der „zweite Frühling“ einer nicht mehr ganz jungen Frau eingeläutet. Ich weiß nicht warum, aber für mich hätte das auch deutlich besser zur Handlung gepasst, als das Setting mit der jungen und attraktiven Vivi. Trotzdem hat die Geschichte am Ende Spaß gemacht  und spricht durch die Charaktere vielleicht sogar noch mehr Leser an, als es die Geschichte „Ü60“ getan hätte.

Eigentlich hat mir der Humor des Buches gut gefallen, es steckt viel Situationskomik und morbide Scherze darin, abgerundet durch die tolle Kombination seltsamer Charaktere. Leider kamen mir dazwischen einige der „spannenden“ Szenen etwas holperig in der eigentlich lustig-lockeren Handlung vor.

Eine Bewertung von „Ich koch dich tot“ fällt mir wirklich schwer, klar hat es neben den literarischen Perlen in meinem Regal seine Schwächen in Sachen Handlung oder Logik. Trotzdem hat mir das Buch Spaß gemacht und mich gut unterhalten, obwohl ich mit Büchern dieses Genres sehr kritisch bin. Mit Büchern seines Genres möchte ich es auch vergleichen. Perfekt ist es aber auch in seinem Genre nicht, da man aus der Handlung einfach noch mehr hätte machen können und z.T. falsche Erwartungen geweckt wurden.
Unterm Strich komme ich (nach langem hin und her) trotzdem auf 4 von 5 Leseratten. Das überrascht mich selbst ein bisschen, freut mich aber umso mehr. Ich habe einfach Spaß daran auch immer wieder neue Genres zu probieren und mich nicht von alten Abneigungen bremsen zu lassen. So kann es ab und an klappen, wieder positive Exemplare der sonst nicht mehr beachteten Genres zu entdecken.

Sonntag, 26. Januar 2014

Rezension: Und Gott sprach: wir müssen reden! von Hans Rath

Nicht nur, weil es mein 1. Challengebuch für dieses Jahr war, auch weil ich schon so unheimlich gespannt war, habe ich „Und Gott sprach: Wir müssen reden!“ unter meinem SUB hervorgezogen und direkt losgelegt. Weil es so toll geschrieben, so witzig und schön war, konnte ich es dann nicht mehr weglegen und hab es ganz schnell verschlungen. Während Susi noch mit Harold Fry pilgert, kann ich euch heute schonmal unser erstes Challengebuch vorstellen.


„Und Gott sprach: Wir müssen reden!“ von Hans Rath
Rororo Verlag
272 Seiten
8,99 € (Taschenbuch)









Jakob ist ein erfolgloser Psychotherapeut. Nach und nach sind ihm seine Patienten weggelaufen, der neue Mann seiner Exfrau bricht ihm aus Eifersucht die Nase und dann, völlig am Boden, trifft er im Krankenhaus auf Gott. Also besser, auf Abel Baumann, der sich für Gott hält und Jakob um eine Gesprächstherapie bittet. Da Jakob knapp bei Kasse ist und auch irgendwie nichts Besseres vor hat, willigt er ein.
Die Story klingt vielleicht ein bisschen platt und nach reinem Klamauk, aber Hans Rath schafft in „Und Gott sprach: Wir müssen reden!“ einen unglaublichen Spagat. Das Buch ist herrlich komisch und bringt einen immer wieder zum Lachen. Später dann stachelt es einen still und heimlich dazu an, über „Gott und die Welt“ nachzudenken. Einfach so, ohne lange philosophische Abhandlungen, einfach durch die simple Gesprächstherapie mit einem Menschen, der sich für Gott hält… oder es vielleicht ist?
Jakobs Gespräche mit Abel sind locker und leicht geschrieben, ohne große Hintergrundinformationen zu Religion oder Glauben und dennoch haben sie mich berührt. Natürlich gibt es bessere Bücher, um etwas über die Weltreligionen zu erfahren, aber dieses Buch spricht den Leser auch auf einer ganz anderen, viel privateren Ebene an. Und (vielleicht bin ich da auch einfach zu empfänglich) es hat mich wirklich traurig gemacht zu erfahren, wie Gott langsam aber sicher die Puste ausgeht, weil niemand mehr an ihn glaubt, keiner mehr in ihn vertraut und keiner Verständnis hat für sein Dilemma. „Wenn es einen Gott gäbe, dann würde er xy nicht zulassen!“ ist ein oft gehörter Spruch in Diskussionen zum Thema Glaube. In „Und Gott sprach: Wir müssen reden!“ klagt nun Gott einmal sein Leid, von einer Menschheit die ihm außer Kontrolle geraten ist.
Ich möchte nicht zu viel verraten, aber mir haben die Ansätze in diesem Buch zu denken gegeben und mich beschäftigt, ganz ohne dass die Moralkeule geschwungen wurde. Am Ende war ich traurig, dass es so schnell vorbei war, es gab noch so viele Themen, über die ich Gott gerne sprechen gehört hätte.

Da mich die Idee begeistert hat, das Buch wirklich witzig ist (Gott im Haus wäre unheimlich praktisch, denn neben Wasser und Wein kann er prima Kaffee machen) und die Geschichte so warmherzig war, möchte ich 5 von 5 Leseratten verteilen.


Und wer nach der erfolgreichen Gesprächstherapie noch ein paar Informationen über die Religionen sammeln möchte, kann direkt mit „Theos Reise“ von Catherine Clement weitermachen.

Mittwoch, 8. Januar 2014

Angehört: Wäre ich du, würde ich mich lieben von Horst Evers

Ich liebe Horst Evers! Bisher habe ich jedes Hörbuch und Buch von ihm verschlungen und kann einige Texte förmlich mitsprechen. Wenn ich mal wieder Probleme mit dem Drucker habe schaue ich mir dieses Video hier an und auch sonst hat Horst Evers schon viel für mich und meine Freunde getan. Zum Beispiel hat er uns die „Horst Evers Methode zum Tragen schwerer Gegenstände“ (wie Küchenarbeitsplatten) gelehrt. (Anm. d. Redaktion: Leider funktioniert diese Methode nur, wenn ein ambitionierter Dieb in der Nähe ist.)

"Wäre ich du, würde ich mich lieben" von Horst Evers
Argon Hörbuchverlag
5 Stunden, 28 Minuten
16,99 € 







„Wäre ich du, würde ich mich lieben“ ist auch diesmal wieder ein Feuerwerk skurriler Ideen. 
Es geht um das Alter, echten Berliner Bubble Tea mit Buletten, Campingausflüge bei Windstärke 8, Wurstbrote per Mail, Salami per Post (man sieht, Horst Evers hat eine enge Beziehung zu Wurstwaren), Rückenschäden beim Umzug, das Konzept Berge, schlimme Grippe und modernes Theater.
Ein Hörbuch, das themenmäßig eine ganze Reihe anderer Bücher oder Hörbücher ersetzen kann.
Natürlich bin ich ein bisschen voreingenommen, aber ich habe das Hörbuch von der Ersten bis zur Letzten CD einfach genossen. Der besondere Alltags-Humor von Horst Evers, zusammen mit seinen tollen Formulierungen und der witzigen Erzählweise haben das Hörbuch für mich zu einem riesen Spaß gemacht. Es muss ein seltsamer Anblick für meinen Mann gewesen sein, wie ich die letzten Abende seltsam kichernd oder unwillkürlich losprustend vor Lachen auf dem Sofa gelegen habe.

„Wäre ich du, würde ich mich lieben“ erzählt keine einzelne große Geschichte, sondern besteht aus vielen kleinen Episoden und Begebenheiten, welche Mal mehr, Mal weniger thematisch zusammenhängen. Allen Geschichten ist gemein, dass Horst immer irgendwie vom Pech verfolgt und vom Schicksal gebeutelt scheint, dabei die Welt aber äußerst schön analysiert und fast schon poetische Schlüsse zieht. Auch seine Gedankenspiele und „Erfindungen“ wie z.B. der „Ich-hör-gar-nicht-mehr-zu-Sack“ sind einfach zum Schreien komisch.

Ich möchte gar nicht viel mehr verraten, möchte aber Horst Evers dringend allen ans Herz legen, die einen Hang zu Ironie und Sarkasmus, skurrilen Ideen und kleinen Geschichten haben.
Horst Evers macht süchtig, wer noch nichts von ihm kennt sollte auch noch in „Die Welt ist nicht immer Freitag“ reinhören, am besten gemeinsam mit eurem Glücksbrötchen!

Natürlich gibt es von mir 5 von 5 kichernden Leseratten für Horsts neues Buch!



Noch ein kleines philosopisches Video von Horst Evers von euch aus dem Programm "Schwitzen ist, wenn Muskeln weinen"

Samstag, 14. Dezember 2013

Neu im Regal: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär

Eigentlich wollte ich solche Posts nicht machen. Ich schaue mir zwar unheimlich gern an, was andere Blogger so in ihre Regale stellen und was wohl demnächst vorgestellt wird, fand mich aber gänzlich ungeeignet auch sowas zu zeigen.

Warum?

  • Ebooks lassen sich unheimlich schlecht fotografieren, ich kaufe aber primär Ebooks.
  • Ich kaufe immer nur einzelne "richtige" Bücher, das wirkt dann so leer auf dem Foto.
  • Ich Vertausche, Verkaufe und Verschenke Bücher oft sofort nach dem Lesen. So wird auch ein "gesammelter" Post am Monatsende schwer.

Trotzdem gab es auch schon immermal Bücher, bei denen es mich in den Fingern gejuckt hat, sie zu zeigen.
Bei Keinem bisher war es aber so nötig wie bei meiner neuesten Errungenschaft:


"Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär" von Walter Moers ... erstmals neu und in Farbe, bunt und toll!
Albrecht Knaus Verlag
704 wunderschön illustrierte Seiten
29,99 € (Hardcover)

Ich habe das Buch schon als Taschenbuchausgabe und es ist noch ungelesen. Trotzdem war ich sofort verliebt, als ich diese Ausgabe entdeckte und nach 5-minütigem Zaudern hab ich sie dann gleich bestellt.

Das Buch ist leider ziemlich groß und unhandlich, verbreitet aber dadurch wiederum dieses "riesiges Märchenbuch-Gefühl".

Die Aufmachung dieser Ausgabe ist einfach wunderschön, vom Schutzumschlag über die Buchdeckel-Innenseiten mit zamonischen Landkarten bis zu den unzähligen tollen Illustrationen ist es einfach ein Augenschmaus.

 Seite um Seite ist passend zur jeweiligen Geschichte illustriert.

Dieses Buch war mein Weihnachtsgeschenk von mir an mich und ist einfach eines dieser tollen Schätze die ich haben musste. Wenn jetzt noch zufällig jemand eine Hardcover Ausgabe der Dunklen Turm Reihe rumfliegen hat, einfach kurz bei mir melden, ja? Ich räume derweil das Regal frei!

Alle Illustrationen sind wahnsinnig detailreich und man kann stundenlang nur blättern.

Also, wenn euch noch ein Weihnachtsgeschenk fehlt... ich würde sagen: Auf zum Buchladen. Los!

Sonntag, 29. September 2013

Rezension: Die Biene und der Kurt von Robert Seethaler

Lange hat „Die Biene und der Kurt“ von Robert Seethaler mehr oder minder unentdeckt in meinem Bücherregal geschlummert. Auf der verzweifelten Suche nach neuem Lesefutter ist es mir jetzt in die Hände gefallen. Ich habe es „nur kurz anlesen“ wollen und konnte nicht mehr aufhören.

"Die Biene und der Kurt" von Robert Seethaler
Goldmann Verlag
320 Seiten
(meine Taschenbuchversion ist leider schon etwas in die Jahre gekommen, neu gibt's das Buch als Hardcover vom kein & aber Verlag für 18,90 €)








Die Geschichte ist einfach erzählt: Biene Kravcek ist klein, dick und hat eine Brille mit 17 Dioptrien. Zu allem Überfluss lebt sie in einem katholischen Mädcheninternat.  Dort sind die Tage stinklangweilig und Biene wird von den anderen Mädchen geärgert und gequält. Eines Tages hat sie genug vom Mädcheninternat und macht sich aus dem Staub. Auf ihrem Weg trifft sie Kurt Heartbreakin‘ Dvorcak, einen alternden Unterhaltungssänger mit einem ziemlich starken Alkoholproblem. Kurt ist mit seinem Heartbreakin Mobil unterwegs und tingelt durch kleine Orte um als „King of Schlager and Rock’n’Roll“ ganz groß heraus zu kommen, bisher ohne rechten Erfolg. Biene schließt sich ihm an und es beginnt eine abenteuerliche Reise durch die deutsche Provinz. Auf der Suche nach dem großen Ruhm und der großen Liebe erleben Biene und Kurt einige Abenteuer und werden ein ziemlich starkes Team.
Der Schreibstil von Robert Seethaler ist herrlich komisch und besonders seine witzigen Beschreibungen von Orten und Personen haben es mir angetan. Schon alleine die Einführung in die Geschichte mit der Vorstellung von Biene und dem Mädcheninternat hat mich immer wieder herzhaft lachen lassen. Die Sätze wimmeln nur so von skurrilen zusammengesetzten Substantiven ("Mädcheninternatleiterinnenbüro" oder "Bienebauch" fand ich besonders witzig) und geben dem Buch so eine ganz eigene Sprachmelodie.
Obwohl die Geschichte zu Beginn einfach nur komisch und albern wirkt hat sie doch auch einige wirklich rührende und tragische Momente. Am Schluss hat mich das Buch sprachlos zurück gelassen, denn ich hätte nie geahnt wohin sich dieses kleine Roadmovie entwickeln wird, so viel Gefühl hätte ich dieser kleinen Geschichte irgendwie nicht zugetraut. Robert Seethaler hat es geschafft, dass alle Charaktere, so absurd sie auch zuerst wirken mögen, wirklich und wahr erscheinen. Man muss einfach mit Biene und Kurt mitfühlen. Die beiden Außenseiter haben so viel Herz und versprühen in aller Tragik noch so viel Leben und Liebe.

Unterm Strich bekommt „Die Biene und der Kurt“ von mir 5 von 5 Leseratten. Es ist ein kleines Buch das mich mit viel Humor und Gefühl begeistern konnte. Der einzige Kritikpunkt ist für mich, dass die Geschichte viel zu schnell vorbei war und ich die Reise von „Kurt Heartbreakin‘ Dvorcak and his Honey Bee“ nicht länger begleiten durfte.