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Sonntag, 3. August 2014

Rezension: Die Wahrheit und andere Lügen von Sascha Arango

„Die Wahrheit und andere Lügen“ war Petzis Wunschbuch zum Welttag des Buches nach unserem Gewinnspiel. Auch andere Blogger haben schon davon berichtet. Als ich es dann bei Skoobe fand, war ich einfach sehr neugierig und habe reingelesen und schnell Gefallen daran gefunden.

„Die Wahrheit und andere Lügen“ von Sascha Arango
304 Seiten
19,99 € (Hardcover)








Henry ist ein Hochstapler. Er ist als erfolgreicher Autor im ganzen Land berühmt, ohne je eine Zeile geschrieben zu haben. Er führt eine glückliche Ehe, betrügt seine Frau jedoch mit seiner Lektorin. Man könnte sagen, er hat mehr Glück als Verstand. Bis das schöne Wolkenschloss ins Wanken gerät, als seine Geliebte von ihm Schwanger wird und verlangt, dass Henry seine Frau verlässt.

Irgendwie ist die Situation in „Die Wahrheit und andere Lügen“ ganz klassisch und könnte sich fast zu einem typischen „Tatort“-Fall für den Sonntagabend entwickeln. In diesem Buch läuft aber alles ein bisschen anders. Das Buch ist ein Krimi und doch wieder nicht. Es gibt eine gewisse Spannung, es gibt einige brenzlige Situationen und (natürlich!) einen Mord. Aber da hören die typischen Krimieigenschaften auch schon auf. Die Spannung ist nämlich weniger drängend und düster, als eher durch die absurde Situation getrieben. Man muss einfach wissen, wie sich das alles entwickelt. Und der Mord? Der ist auch alles andere als kaltblütig und lang geplant.

Weglegen mag man das Buch trotzdem nicht, denn es bietet eine Menge Witz und toll gestaltete Charaktere. Der Humor des Buches ist sowohl ganz offen in der lebhaften Sprache und den witzigen Gedanken von Henry zu spüren, speist sich aber auch aus den einfach genial konstruierten Situationen im Buch. Das wirkt alles zu komisch um wahr zu sein, ist aber so authentisch beschrieben, dass es richtig wirkt.
Das ganze wird toll unterstrichen durch die Charaktere. Alle sind sie irgendwie eigen und haben Seele. Besonders der Hauptprotagonist Henry Hayden ist so ein skurriler Vogel, dass man ihm im Verlauf des Buches beinahe alles verzeiht. Natürlich ist er ein Hochstapler und Drückeberger, er scheut Konflikte und ist auf seine Bequemlichkeit bemüht. Das müsste eigentlich so richtig unsympathisch sein, aber Henry wurden auch so viele nette, liebenswerte Eigenschaften angedichtet, dass ich mit diesem Antihelden mitgefiebert habe.
Der Schreibstil ist flott und kurzweilig aber detailliert genug um die Atmosphäre der Szenen zu transportieren. Das mag damit zusammenhängen, dass der Autor bisher Drehbücher verfasst hat und ein Gespür für abwechslungsreiche und fesselnde Szenen (und Szenenfolgen) haben muss.

„Die Wahrheit und andere Lügen“ ist überraschend und interessant. Kein klassischer Krimi und trotzdem mit einem eigenen Sog, keine klassische Komödie, aber mit einem großen Schuss Humor. 
5 von 5 Leseratten für ein witziges Leseerlebnis.


Das Buch in einem Tweet: Henry Hayden ist ein Hochstapler, Mörder, Betrüger und Angeber. Und doch! Man beginnt den Protagonisten zu mögen, fibert und leidet mit ihm.

Sonntag, 20. Oktober 2013

Rezension: Kleopatra - Ein Leben von Stacy Schiff

Auf der Frankfurter Buchmesse wurde ich durch einen Verlagsmitarbeiter auf „Kleopatra: Ein Leben“ von Stacy Schiff aufmerksam gemacht. Eigentlich wurde das Buch gerade einem anderen Besucher angepriesen, ich hörte die Beschreibung mehr zufällig mit, sah das wunderhübsche Cover und es war um mich geschehen.

„Kleopatra: Ein Leben“ von Stacy Schiff
C. Bertelsmann Verlag
448 Seiten
24,99 € (Hardcover)









„Kleopatra“ ein Name umrankt von vielen Mysterien, Geheimnissen aber auch Vorurteilen. Stacy Schiff versucht in der Biografie „Kleopatra: Ein Leben“ ein wahreres, realistischeres Bild dieser großen Königin zu zeichnen. Doch wie kann man eine Biografie einer Persönlichkeit entwickeln, die vor mehr als zweitausend Jahren lebte? Die Fakten sind rar, viele Quellen nicht neutral und zuverlässig. Von Kleopatra selbst sind keine Niederschriften erhalten. Dennoch prägte diese beeindruckende Königin die Geschichte (nicht nur ihres Landes) nachhaltig.
Stacy Schiff hat nach eigenen Angaben viele der bekannten Quellen neu unter die Lupe genommen, analysierte das Verhältnis der Schreibenden zu Kleopatra und versuchte zu schlussfolgern welche Wahrheit zwischen den Zeilen stecken mag. Ich glaube dies ist ihr ausnehmend gut gelungen. Zwar kann die Autorin keine Fakten herschaffen wo es vorher keine gab, doch das Bild das sie von Kleopatra zeichnet ist vielschichtig und deutlich facettenreicher als die sonst üblichen Klischees der verruchten, männerverschlingenden Pharaonin.-
Über Kleopatras Kindheit und Jugend ist leider nicht viel bekannt. Man weiß, dass Kleopatra eine sehr umfassende Bildung genoss, die sie auf ihr späteres Leben perfekt vorbereitete. Sie wurde in Rhetorik, Geschichte, Philosophie und Mathematik unterrichtet. Trotz aller guten Vorzeichen wird es für Kleopatra trotzdem kein leichtes den ägyptischen Thron zu besteigen. Erst mit ihrer Beziehung zu Julius Caesar kann sie ihre Vormachtstellung sichern. Von da an beginnt Kleopatras Leben als Herrscherin in Ägypten und gottgleiche Königin. Das politische Leben ist dabei stets von Intrigen und Konflikten bestimmt. Gegner werden (auch wenn sie der eigenen Familie angehören) schnell ermordet wenn es die eigenen Interessen erfordern.
Kleopatra wird in dieser Biografie als wirklich faszinierende Frau dargestellt. Gebildet und humorvoll, dabei weniger betörend als die Legenden sie später beschrieben. Vielmehr eine starke Herrscherin und auch gute Freundin sowohl für Julius Caesar als auch später für Marcus Antonius. Ich hatte nicht erwartet ein so vielseitiges Bild dieser starken Frau zu erhalten.
Kleopatra hatte nicht immer ein leichtes Leben, auch ihre Herrschaft wird von Krisen gezeichnet und manchmal ist es neben ihrem politischen Gespür auch eine Prise Glück die ihre Bahnen so günstig lenkt. Insgesamt kann ich Kleopatra und ihre Fähigkeiten nicht anders als „beeindruckend“ beschreiben.

Das Buch bietet eine gelungene Mischung von Berichten über das Leben im damaligen Alexandria und am Hofe von Kleopatra sowie den Erklärungen über die politischen und historischen Begebenheiten sowohl in Ägypten als auch im römischen Reich. Gerade die Beschreibungen des wilden und exotischen Alexandria haben mich völlig gefangengenommen und ich bin richtiggehend ins Träumen gekommen (auch noch nachdem ich das Buch bereits beiseitegelegt hatte). Daneben stehen die politischen Abläufe und Intrigen manchmal leider etwas trocken (obwohl der Stoff genügend Spannung liefern würde).
Ich möchte diesem tollen Buch „nur“ 4 von 5 Leseratten geben da einige eher sperrige Abschnitte den Lesefluss etwas gebremst haben. Trotzdem bleibt „Kleopatra: Ein Leben“ eins meiner Highlights dieses Jahr und wird vermutlich (hoffentlich!) nicht die letzte Biografie sein, die ich euch hier vorstelle.


Vielen Dank an den C. Bertelsmann Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.