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Mittwoch, 9. Juli 2014

Rezension: Spiel der Angst von Veit Etzold

„Spiel der Angst“ von Veit Etzold habe ich gewonnen und nach einiger Zeit des Zögerns nun doch gelesen, obwohl ich den Vorgänger „Spiel des Lebens“ nicht kannte. Ich glaube im Nachhinein, dass ich da nichts verpasst habe.

„Spiel der Angst“ von Veit Etzold
352 Seiten
14,99 € (Klappbroschur)








Emily wurde in London von einem irren Stalker bedroht und mit dem „Spiel des Lebens“ gequält. Um Abstand davon zu bekommen und in Ruhe studieren zu können zieht sie mit ihrem Freund nach New York. Nach einem ruhigen Jahr beginnt kurz vor ihrem Geburtstag der Terror erneut.

Schon ohne den Vorgänger zu kennen, vermute ich, dass „Spiel der Angst“ ein neuer Aufguss von „Spiel des Lebens“ ist. Selbst innerhalb des Romans wurde häufig erwähnt, dass das doch in London schon mal genau so war. Da ich das erste Buch nicht kenne, hat es mich nicht gestört, aber ich zweifele ernsthaft daran, dass ich mir so etwas zweimal antun würde. Nun gut.
Auch für sich allein betrachtet ist „Spiel der Angst“ nicht sonderlich spannend. Die „Schnitzeljagd“, die der Stalker mit Emily durch New York veranstaltet, ist recht undramatisch und eintönig. Ein Rätsel wird gestellt und nach einer kurzen Zeitspanne droht eine Strafe. So geht das ununterbrochen weiter, ohne rechte Abwechslung. Einzige Abwechslung sind die drohenden Strafen, die in meinen Augen so witzig unverhältnismäßig waren. Es reicht vom Mord eines geliebten Menschen über das verwüsten von Emilys Zimmer.
Unterhaltsam war lediglich die Lösung der Rätsel durch die Protagonisten. Emily braucht für wirklich jedes, noch so banale, Rätsel die Hilfe ihres Freundes oder ihrer Freundinnen. Die Dialoge dabei wirken so unnatürlich und gestelzt, dass ich schon das ein oder andere Mal zu Lachen hatte.
Leider bleiben alle Figuren auch wirklich blass und ich hatte keine Chance mich mit ihnen zu identifizieren. Vielleicht wäre dafür der Vorgänger doch wichtig? Ich weiß es nicht. So erfährt man über Emily nur, dass sie ihren Freund liebt und nicht so richtig gut in Mathe ist (die Quersumme von 11 wird schriftlich gerechnet, sicher ist sicher).
Die Kapitel, in denen der Stalker aus seiner Sicht das Geschehen schildert, haben dann nochmal eine ganz eigene Qualität. Er stellt das ganze so voll Pathos dar und macht ein ziemliches Aufheben um seinen „Plan“, worin der so genau bestehen soll ist mir aber immer noch nicht ganz klar.
Weder mit der Story noch mit den Protagonisten konnte ich mich richtig anfreunden, Spannung kam bei mir keine auf, aber ich hatte trotzdem Spaß beim Lesen… nämlich mit dem Sammeln von Stilblüten, Dopplungen und besonders intelligenten Dialogen. Mein Best-of:

„Und meist merkte man gar nicht, dass man starb.“ S. 10
Bei drei von vier Töden merke ich auch nicht, dass ich sterbe.

„Und er hat uns ja nichts getan. Er hat uns nur diese SMS geschrieben und einmal durch die Stadt gejagt.“ S. 89
Na, dann ist ja gut…

„Emily und Ryan saßen an der Bar Nahe des Campus. […] Gemeinsam mit Ryan saß Emily nun in der Bar…“ S. 109
Ein Satz liegt dazwischen, da kann man schon mal vergessen, wo genau die beiden sitzen.

„Ob er das wirklich kann? […] Ein ganzes Flugzeug sprengen? Hunderte von Menschenleben töten…“
S. 120
Kann man ein Menschenleben töten?

Ich habe mich, um fair zu bewerten wirklich gefragt, ob ich mit 14 Jahren Spaß an diesem Buch gehabt hätte. Aber in diesem Alter habe ich Stephen King und Thomas Harris verschlungen, "Spiel der Angst" hätte mich da vermutlich einfach nicht hinter dem Ofen vorlocken können.
Ich  mach es kurz: für dieses Buch war ich der falsche Leser. 1 von 5 Leseratten.
Für junge Leserinnen, die einen ersten Thriller lesen möchten ist das ganze einfach besser geeignet und auch dabei glaube ich, dass es bessere Kandidaten dieses Genres gibt, die etwas mehr Spannung und intelligentere Charaktere bieten können.
 

Das Buch in einem Tweet: Für "Spiel der Angst" war ich der falsche Leser. Jugendthriller mit einfacher Handlung und zu wenig Spannung.

Samstag, 5. April 2014

Rezension: Der Teufel von New York von Lyndsay Faye

Über vorablesen bin ich auf „Der Teufel von New York“ von Lyndsay Faye gestoßen. Das Buch hat mich sofort gefesselt und schien ein ganz besonderer Thriller zu sein. Bei der Verlosung hatte ich Glück und konnte das Buch nun gleich lesen.

„Der Teufel von New York“ von Lyndsay Faye
dtv Premium Verlag
480 Seiten
15,90 € (Taschenbuch)









1845 in New York, die frisch gegründete Polizei steht vor einem Rätsel: ein unbekannter tötet dutzende Kinder, es gibt keine Spur auf den Täter. Einzig ein kleines Mädchen kann fliehen und wird von dem frisch gebackenen Polizisten Tim Wilde gefunden, sie ist blutüberströmt und völlig verängstigt. Tim war früher Barmann und ist Dank seines Bruders und seiner guten Beobachtungsgabe bei der Polizei gelandet. Mitgenommen vom Schicksal des Mädchens betreibt er die Ermittlungen im Fall der getöteten Kinder nun mit ganz besonderem Eifer.

„Der Teufel von New York“ wirkte in der Leseprobe auf mich wie ein einfacher Thriller, vielleicht sogar gespickt mit einem gewissen Horrorfaktor. Jetzt hat sich gezeigt, dass das Buch vielmehr eine gelungene Mischung aus historischem Roman und Krimi bietet. Das Buch bietet einen interessanten Einblick in die Situation in der jungen Metropole New York. Die Stadt, zu dieser Zeit gezeichnet von Rassenkonflikten und politischen Zerwürfnissen, bietet eine tolle Kulisse für diesen spannenden Kriminalfall. Der Einblick in die sozialen Strukturen der Stadt hat mich besonders fasziniert und ist laut Angaben der Autorin authentisch. Jedes Kapitel wird zudem mit einem Zitat aus einer historischen Quelle zur Situation der katholischen und protestantischen Einwohner Amerikas oder über die Irischen Einwanderer eingeleitet. Diese Zitate wirken derart skurril, dass man meint sie müssten erfunden sein, verdeutlichen aber authentisch die im Buch beschriebenen Situationen.

Zwar ist das eigentliche Highlight des Buches der historische Hintergrund, die Handlung des Kriminalfalles kann da jedoch auch sehr gut mithalten. Die Ermittlungen sind spannend beschrieben und die Wendungen der Geschichte konnten mich gut überraschen. Auch die Protagonisten haben ihren Teil dazu beigetragen, dass ich das Buch nur ungern zur Seite legen wollte. Lediglich ein paar Längen im Mittelteil des Buches, in denen sich sowohl die Konflikte der Protagonisten als auch der Fall nur ziemlich zäh entwickeln hat die starke Wirkung des Buches abgeschwächt.
Auch in diesen Phasen konnte ich das Buch genießen, da die Sprache für einen Krimi wirklich toll, sehr detailliert und bildreich ist. Die Beschreibungen sind nicht zu langatmig und sorgen trotzdem für eine dichte Atmosphäre. Es wurden einige Begriffe der damaligen Gaunersprache Flash eingebaut und auch im Anhang entsprechend übersetzt. Leider gibt es einige kleinere Ausnahmen, die ich im Anhang nicht finden konnte und mir im Zusammenhang erschließen musste. Auch wäre nicht nur die reine Übersetzung sondern (sofern möglich) der Ursprung der Begriffe interessant gewesen. Wer Bücher auch gern mal im englischen Original liest kann das vielleicht noch besser genießen.

Insgesamt bekommt „Der Teufel von New York“ von mir 4 von 5 Leseratten, die Handlung allein ist vielleicht nicht so außergewöhnlich, bekommt aber im Zusammenhang mit der tollen Sprache, der dichten Atmosphäre und dem historischen Hintergrund eine ganz neue Qualität.

Samstag, 8. Februar 2014

Angelesen: Der Teufel von New York von Lyndsay Faye

Ihr habt sicher gemerkt, dass es in der vergangenen Woche etwas ruhiger hier war. Das hängt damit zusammen, dass ich vor mich hinkränkele und Susi im Stress stand. Da war der Rattenbau kurzfristig ziemlich verwaist. Heute geht es endlich wieder weiter. Der Blog-Kalender hatte zwar einen anderen Vorschlag (ein schönes Bild&Wort für euch zum Wochenende) aber dann habe ich gerade bei vorablesen vorbeigeschaut und mir ist aufgefallen: ich habe noch nichtmal die Leseproben dieser Woche durchgesehen und die Neuen sind ja schon mit Riesenschritten im Anmarsch.
Und obwohl ich momentan manchmal ziemliches Pech mit Thrillern hatte (siehe "Schnitt" von Marc Raabe) hat mich "Der Teufel von New York" magisch angezogen. Dieses Buch hatte ich schon auf dem Merkzettel seit es bei vorablesen angekündigt wurde und der erste Leseeindruck ist wirklich super, das Bild&Wort muss also warten.

"Der Teufel von New York" von Lyndsay Faye
480 Seiten
15,90 € (Taschenbuch)

Erscheint am 01.03.2014
Eine Leseprobe von Vorablesen findet ihr hier.






Ich bin zwar durch das Cover und den Titel auf das Buch aufmerksam geworden, wirklich hängen geblieben bin ich aber erst bei der Inhaltsangabe. "Der Teufel von New York" dreht sich um einen grausamen Mord an einer Reihe von Kindern, 1845 in New York. Nur ein kleines Mädchen kann fliehen und wird kurze Zeit später vom Polizisten Timothy Wilde in den Straßen von New York gefunden. Das Mädchen ist verängstigt und völlig mit Blut besudelt. Das klingt schonmal ziemlich spannend und echt gruselig. 
[Anmerkung: Ich gebe ja zu, dass ich Kinder gruselig finde. Also natürlich nicht alle normalen Kinder die ich so Treffe, aber Kinder in Horror- oder Gruselfilmen machen mich echt fertig. Und es gibt eine MENGE Kinder in diesen Filmen, ein paar Beispiele gefällig? Mir fallen ganz spontan "The Ring", "Fall 39", "Das Waisenhaus", "Insidious", "Mama" (davor hab' ich mich gedrückt, ausgiebiges anschauen des Trailers hat mir gereicht *brrr), "So finster die Nacht", "Der Exorzist" und  "Shining" ein... ]
"Der Teufel von New York" bietet aber neben der offensichtlichen Spannung noch ein paar mehr Themen: die Migranten aus Europa, die das junge Amerika überschwemmen, aufkeimende Kriminalität und Unruhen zwischen Katholiken und Protestanten. Das alles wird aus der Perspektive des jungen Polizisten Tmothy Wilde berichtet, der selbst offenbar keine leichte Kindheit hatte und das raue, unfreundliche New York kennen gelernt hat. Im  Jahr 1845 wird die Polizei von New York gegründet und Timothy steigt ein, weil er eine Beschäftigung braucht. Als ehemaliger Barmann hat er eine gute Beobachtungsgabe und sonderlich hoch sind die Anforderungen nicht um bei der Polizei einzusteigen.
Neben aller spannender Handlung kann mich aber auch ein Thriller erst überzeugen wenn der Schreibstil stimmt. Das ist bei "Der Teufel von New York" definitiv der Fall. Der Schreibstil ist detailliert, bietet aber vor allem eine ganz besondere, dichte Atmosphäre. Das kommt vor allem daher, dass die Beschreibungen von Personen und Orten, die Gespräche und Begebenheiten toll miteinander verwoben werden. Ich konnte mich von der Leseprobe kaum losreißen und war schon nach wenigen Seiten mitten in der Geschichte.
Der historische Hintergrund, die Protagonisten, der unglaublich flüssige und angenehme Erzählstil und die Spannung. Hier stimmt auf den ersten Blick alles. 

Ich hoffe sehr, dass ich auch bei dieser Verlosung nochmal Glück habe, so oder so: dies ist wieder eine der Entdeckungen, die ich unbedingt hier vorstellen möchte.