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Mittwoch, 22. Oktober 2014

Geburtstage sind was Schönes!

Hallo ihr Lieben! Kurz nach unserem Bloggeburtstag wartete ein weiteres persönliches Highlight auf mich - mein eigener Geburtstag! Und zu diesem Anlass gibt es schon immer Bücher und/oder Filme. Mein Mann hat mich zum Film eingeladen, davon werde ich noch berichten, aber heute soll es erst einmal um meine Büchergeschenke gehen.

Bei uns auf Arbeit darf man sich immer etwas zum Geburtstag wünschen. Mehrere meiner Bücher im Regal kommen daher. Dieses Jahr habe ich mich für zwei Neuzugänge aus dem Hause Fischer Taschenbibliothek entschieden. Die Kolleg(inn)en waren ganz begeistert von dem Format. Viele kannten diese besondere Ausgabe noch gar nicht. Bei der Frage "Und worum gehts?" gab es auf die Antwort "Grob um Liebe" ein Raunen von den Männern. Die genauen Storys ließen sie aber verstummen:


„Ich habe sie geliebt" von Anna Gavalda
Fischer Taschenbibliothek 
185 Seiten
9,00 € (Hardcover)

Aus dem Klappentext: "Pierre und Chloé haben nichts gemeinsam. Chloé ist Anfang dreißig, hat zwei kleine Töchter und wurde gerade von ihrem Mann verlassen. Pierre ist Mitte sechzig, ihr Schwiegervater und ein unsensibler, arroganter Bourgeoise. So dachte sie zumindest - bis er sie und die Kinder mitnimmt ins Ferienhaus der Familie"

Zwei Kolleginnen haben mir bereits gesagt, dass sie es sehr mochten und in einem Rutsch gelesen haben. Ich bin also gespannt und warte auf den passenden Moment für dieses Erlebnis voller Liebe und Leben.


„Die Herrlichkeit des Lebens" von Michael Kumpfmüller
Fischer Taschenbibliothek 
302 Seiten
11,00 € (Hardcover)

Aus dem Klappentext: "Wer war Franz Kafka? Dank Michael Kumpfmüller können wir uns den berühmten Schriftsteller als glücklichen Menschen vorstellen, der am Ende seines Lebens die große Liebe findet. Ein kluger, einfühlsamer Roman über Liebe und Erfüllung und den Wert jedes einzelnen, aufmerksam gelebten Tages."

Genau meins! Biografie eines deutschen Schriftstellers des 20. Jahrhunderts verwoben mit der Liebe! Ich freu mich drauf.

Seit ich zwanzig bin, sagen meine Eltern zu mir: "Du bist jetzt erwachsen, da schenkt man sich auch selber etwas zum Geburtstag!" Deswegen bin ich kurz vor Ladenschluss in den Hugendubel gegangen und während unaufhörlich der Hinweis lief "Wir schließen in wenigen Minuten. Schauen Sie doch in unserem Online-Shop vorbei." habe ich noch zwei Bücher eingesammelt:


„Aufstieg und Fall großer Mächte" von Tom Rachman
Deutscher Taschenbuchverlag
489 Seiten
21,90 € (Hardcover)

Aus dem Klappentext: "Tooly, Anfang dreißig, ist Buchhändlerin aus Leidenschaft. Ihr Leben gleicht einem Kaleidoskop, das man schüttelt. Bangkok, Brooklyn, Wales, eine handvoll exzentrischer Menschen, die so was wie ihre Familie sind und eine rasant sich wandelnde Welt, durch die zu navigieren eine Herausforderung ist."

Ich hatte das Buch schon öfter gesehen, war aber immer abgeschreckt, weil ich ein historisches Thema vermutete und davon hab ich zurzeit schon genug. Nach dem weite Weltflair war ich angefixt und als ich das Buch für eine kleine Leseprobe aufschlug gefiel mir der Schreibstil und ich musste schon nach wenigen Zeilen lachen. Ich bin gespannt, ob sich das durch das ganze Buch zieht.


„Die Auserwählten im Labyrinth" von James Dashner
Carlsen Verlag
490 Seiten
9,99 € (Taschenbuch)

Aus dem Klappentext: "Er heißt Thomas. An mehr kann er sich nicht erinnern. Und er ist an einem seltsamen Ort gelandet - einer Lichtung, umgeben von einem riesigen Labyrinth, in dem mörderische Kreaturen lauern. Nun liegt es an ihm und den anderen Überlebenden, einen Weg in die Freiheit zu finden. Doch die Zeit drängt und nicht alle werden es schaffen ..."

Ich gebe es zu - ich hätte das Buch keines Blickes gewürdigt, wenn nicht der Film rauskommen würde. Ich musste sogar explizit danach fragen, um es überhaupt finden zu können. Der Trailer hatte mir List drauf gemacht und dieses Mal wollte ich es nicht wieder wie bei Tribute von Panem machen - Film vor Buch. Ich habe bereits die ersten hundert Seiten gelesen und die Sprache ist etwas übertrieben, aber ich stehe auf komplexe Welten und Geschichten und dieses Buch ist Crack für Menschen wie mich! Unbekannter Ort, völlig ohne Vorgeschichte, eigene Sprache, eigene Kreaturen und über allem schwebt der Schleier des Unbekannten. Ich werde es vermutlich einfach wegschnupfen ;-)

Freitag, 19. September 2014

Rezension: Lisa von Thomas Galvinic

Als passionierte „Aktenzeichen XY ungelöst“-Zuschauerin habe ich natürlich vom Phantom von Heilbronn gehört. Ich gebe auch zu, dass ich (meine blühende Phantasie ist schuld) zu denen gehöre, die eine international agierende, äußerst umtriebige Kriminelle spannender gefunden hätten. Nunja. Mittlerweile ist bekannt, dass alle Spekulationen auf einer technischen Panne basieren. Spannend ist der Stoff allemal und wurde von Thomas Glavinic wunderbar verpackt in „Lisa“.

„Lisa“ von Thomas Glavinic
203 Seiten
9,90 € (Taschenbuch)








Unser namenloser Protagonist hat sich in einer abgelegenen Berghütte verschanzt. Um den Kontakt zu seiner Umwelt nicht ganz zu verlieren spricht er jeden Abend zu den (ungewissen) Zuhörern seines kleinen Internetradios. Und zu berichten hat er einiges. Aus einem einfachen Wohnungseinbruch entwickelt sich für den Protagonisten eine nervenaufreibende Zeit, wird er doch verfolgt von der wohl bekanntesten Verbrecherin Europas. Ihre Spuren wurden an unzähligen Tatorten in dutzenden Ländern entdeckt, darunter auch im Wohnzimmer unseres Protagonisten. Gemeinsam mit einem engagierten Polizisten war er dem Phantom (Deckname „Lisa“) auf der Spur, doch als der Polizist spurlos verschwindet wähnt sich unser Protagonist in tödlicher Gefahr und flieht.

Nun, in der Sicherheit der Berghütte, erzählt er seine unglaubliche Geschichte. Diese Geschichte ist dabei so verrückt und wirr, wie es auch der Erzählstil des Buches ist. Unser Protagonist berichtet die Geschichte (eigentlich) von Anfang an, macht aber auch immer wieder zeitliche und vor allem thematische Sprünge in seinen Berichten. Häufig zeigt ein „…“ dass wir, als Zuhörer des Internetradios, gerade wieder einen (kleinen oder doch größeren?) Abschnitt verpasst haben. Manchmal scheint nur ein Teil des Satzes verschwunden, manchmal behandelt der Sprecher nun ein ganz neues Thema. Wo er dabei am Anfang noch recht strukturiert vorgeht, wird zum Ende der Geschichte hin alles immer unzusammenhängender und verrückter.

Was aus dieser realen Grundstory hier gemacht wurde, hat mich wirklich fasziniert, einige der Verbrechen an denen tatsächlich „Lisas“ Spuren gefunden wurden, sind in die Handlung eingearbeitet. Aber auch ausgedachte (zum Teil wirklich bestialische) Verbrechen werden geschildert und man fragt sich ob der Protagonist die Trennung zwischen Realität und Fiktion noch erkennen kann, wirken seine Berichte doch zunehmend ausgeschmückt.
Als Leser kann man sich dem Sog, den „Lisa“ entwickelt kaum entziehen. Der Autor schafft so eine perfekte Kombination aus Verwirrung, Wahnsinn und Spannung, dass ich einfach dran bleiben musste. Ich habe das Buch förmlich aufgesogen. Für den ein oder anderen mögen die Schilderungen vermutlich zu heftig und zusammenhanglos sein, ich habe diesen „besonderen“ Ansatz wirklich genossen und fing selbst immer weiter an zu rätseln, welche Auflösung der Autor nun für unseren Protagonisten angedacht hatte. Leider findet sich darin auch mein größter Kritikpunkt. Ich sehe kein Problem in der Abkehr von der realen Geschichte des Phantoms von Heilbronn. Die Überraschung und Spannung ist natürlich größer, wenn der Leser das Ende noch nicht kennt. Leider fand ich die Auflösung nach all der authentisch wirkenden Spannung und den an sich recht realistisch gehaltenen Spekulationen leider recht unglaubwürdig und zusammenhangslos.

Unterm Strich sind das eindeutig 4 von 5 Leseratten und der feste Wunsch noch mehr von diesem Autor zu lesen, so schnell wie möglich. Sowohl die Psychologie des Protagonisten, als auch die gekonnte Spannung und die kreativen Ideen haben mich gepackt.


Das Buch in einem Tweet: Verrückt. Verrückter. „Lisa“. Ein Buch zwischen Thriller und Mystery, mit einem guten Schuss Wahnsinn. Nichts für schwache Nerven.

Donnerstag, 21. August 2014

Rezension: Anima von Wajdi Mouawad

Ich weiß nichtmal mehr genau, wie ich auf „Anima“ von Wajdi Mouawad stieß, es interessierte mich aber von Anfang an und war dann gleich eine spontane Bestellung und Belohnung an mich. Damit habe ich mir faszinierende Lesestunden gekauft mit einem Buch, das einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt.

„Anima“ von Wajdi Mouawad
448 Seiten
16,90 € (Klappbroschur)









Die Frau von Wahsch Dibsch wurde brutal ermordet, er selbst fand sie in ihrer gemeinsamen Wohnung in Montréal auf und bricht völlig zusammen. Der Mörder steht schnell fest, entzieht sich jedoch in einem Indianerreservat der Polizei. Um dieses Trauma zu verarbeiten, möchte Wahsch dem Mörder seiner Frau einmal in die Augen blicken. Er reist quer durch Amerika auf der Suche nach dem brutalen Täter.

Die titelgebende Besonderheit dieses Buches ist die Erzählperspektive: Wahschs Reise wird nicht von ihm selbst erzählt, sondern von unzähligen Tieren, die ihn auf seiner Reise beobachten. Die Hauskatze sitzt dabei, als er seine Frau auffindet, beim Gespräch mit einem Pathologen kreist ruhig der Goldfisch im Glas und bei Gesprächen auf der Straße sind dutzende Straßentauben anwesend. Jedes Kapitel wird aus der Sicht eines anderen Tieres berichtet und schon anhand des Schreibstils sind die unterschiedlichen Charaktere der Tiere zu erkennen, ein absolut faszinierender Aufbau.
Der Goldfisch zum Beispiel ist selbstbewusst und beschreibt sich und seine Welt ruhig, gediegen und nahezu majestätisch.

„Ich bin der Größte. … Mein Lebensraum ist unermesslich endlos und verläuft an den Rändern.“ 
S. 19

Der Hund ist nervöser, angespannter und deutlich mehr auf die Menschen fixiert.

„Da ich diejenige, die mir mit erhobenem Zeigefinger bedeutet hatte, vor dem Eingang des Supermarkts auf sie zu warten, abgöttisch liebe, wagte ich nicht, gegen unsere Abmachung zu verstoßen und zu ihm zu laufen, obwohl ich den unbändigen Drang verspürte, ihn zu beschnüffeln, mich an ihn zu schmiegen, bei ihm zu sein.“
S. 17

Dadurch, dass das Buch aus dutzenden sehr kurzen Kapiteln besteht, entsteht ein ganz besonderer Sog. Noch schnell ein Kapitel, noch schnell erfahren wo und mit welchem Tier es weitergehen wird. Dazu kommen tolle Charaktere, die man gern verfolgt, und deren interessante Gespräche spannend zu belauschen sind. Eine wirklich gelungene Mischung.
Die Kapitel sind übrigens immer mit dem lateinischen Namen der Tiere überschrieben, man kann also erst im Anhang des Buches schauen, welches Tier an der Reihe ist, oder das anhand des Textes erraten.
Ein spanneder Aufbau und abwechslungsreicher Erzählstil, Charaktere die interessant sind, das könnte perfekt werden. Ein großes Manko hat für mich „Anima“ bei aller Begeisterung aber doch: die Geschichte ist zum Teil unfassbar brutal. Da kommen widerstreitende Gefühle zu all der Begeisterung: Ekel, Abscheu, Wut. Manche Teile scheinen nötig zu sein, gerade im Hinblick auf die Beschreibung von Wahschs Vergangenheit, die im Buch später eine zentrale Rolle spielt und eine Verbindung zu seinem aktuellen Leiden erhält. Ob dabei aber in dieser Genüsslichkeit den brutalen und brutal-sexistischen Szenen gefrönt werden muss, weiß ich nicht.

Für mich waren es unterm Strich 4 von 5 Leseratten, für schwache Nerven ist es dabei allerdings nichts und je empfindlicher der Leser, desto mehr leidet vermutlich der Lesegenuss bei diesem Buch.


Das Buch in einem Tweet: Ein dutzend tierischer Stimmen erzählt die Geschichte in „Anima“. Das ist faszinierend und manchmal trotzdem nichts für schwache Nerven.

Samstag, 5. April 2014

Rezension: Der Teufel von New York von Lyndsay Faye

Über vorablesen bin ich auf „Der Teufel von New York“ von Lyndsay Faye gestoßen. Das Buch hat mich sofort gefesselt und schien ein ganz besonderer Thriller zu sein. Bei der Verlosung hatte ich Glück und konnte das Buch nun gleich lesen.

„Der Teufel von New York“ von Lyndsay Faye
dtv Premium Verlag
480 Seiten
15,90 € (Taschenbuch)









1845 in New York, die frisch gegründete Polizei steht vor einem Rätsel: ein unbekannter tötet dutzende Kinder, es gibt keine Spur auf den Täter. Einzig ein kleines Mädchen kann fliehen und wird von dem frisch gebackenen Polizisten Tim Wilde gefunden, sie ist blutüberströmt und völlig verängstigt. Tim war früher Barmann und ist Dank seines Bruders und seiner guten Beobachtungsgabe bei der Polizei gelandet. Mitgenommen vom Schicksal des Mädchens betreibt er die Ermittlungen im Fall der getöteten Kinder nun mit ganz besonderem Eifer.

„Der Teufel von New York“ wirkte in der Leseprobe auf mich wie ein einfacher Thriller, vielleicht sogar gespickt mit einem gewissen Horrorfaktor. Jetzt hat sich gezeigt, dass das Buch vielmehr eine gelungene Mischung aus historischem Roman und Krimi bietet. Das Buch bietet einen interessanten Einblick in die Situation in der jungen Metropole New York. Die Stadt, zu dieser Zeit gezeichnet von Rassenkonflikten und politischen Zerwürfnissen, bietet eine tolle Kulisse für diesen spannenden Kriminalfall. Der Einblick in die sozialen Strukturen der Stadt hat mich besonders fasziniert und ist laut Angaben der Autorin authentisch. Jedes Kapitel wird zudem mit einem Zitat aus einer historischen Quelle zur Situation der katholischen und protestantischen Einwohner Amerikas oder über die Irischen Einwanderer eingeleitet. Diese Zitate wirken derart skurril, dass man meint sie müssten erfunden sein, verdeutlichen aber authentisch die im Buch beschriebenen Situationen.

Zwar ist das eigentliche Highlight des Buches der historische Hintergrund, die Handlung des Kriminalfalles kann da jedoch auch sehr gut mithalten. Die Ermittlungen sind spannend beschrieben und die Wendungen der Geschichte konnten mich gut überraschen. Auch die Protagonisten haben ihren Teil dazu beigetragen, dass ich das Buch nur ungern zur Seite legen wollte. Lediglich ein paar Längen im Mittelteil des Buches, in denen sich sowohl die Konflikte der Protagonisten als auch der Fall nur ziemlich zäh entwickeln hat die starke Wirkung des Buches abgeschwächt.
Auch in diesen Phasen konnte ich das Buch genießen, da die Sprache für einen Krimi wirklich toll, sehr detailliert und bildreich ist. Die Beschreibungen sind nicht zu langatmig und sorgen trotzdem für eine dichte Atmosphäre. Es wurden einige Begriffe der damaligen Gaunersprache Flash eingebaut und auch im Anhang entsprechend übersetzt. Leider gibt es einige kleinere Ausnahmen, die ich im Anhang nicht finden konnte und mir im Zusammenhang erschließen musste. Auch wäre nicht nur die reine Übersetzung sondern (sofern möglich) der Ursprung der Begriffe interessant gewesen. Wer Bücher auch gern mal im englischen Original liest kann das vielleicht noch besser genießen.

Insgesamt bekommt „Der Teufel von New York“ von mir 4 von 5 Leseratten, die Handlung allein ist vielleicht nicht so außergewöhnlich, bekommt aber im Zusammenhang mit der tollen Sprache, der dichten Atmosphäre und dem historischen Hintergrund eine ganz neue Qualität.

Samstag, 22. März 2014

Rezension: Mit zwanzig hat man kein Kleid für eine Beerdigung von Valentina D'Urbano


Ein weiterer kleiner Schatz von vorablesen. Ich hab mich zunächst etwas vor diesem Buch gedrückt, weil ich Angst hatte, es könnte zu düster sein, aber es ist einfach nur kraft- und gefühlvoll.

"Mit zwanzig hat man kein Kleid für eine Beerdigung" von Valentina D'Urbano dtv

280 Seiten

14,90 € (Taschenbuch)

(Eine Leseprobe von vorablesen findet ihr hier.)






Beatrice hat ihren Freund Alfredo verloren. Er ist mit nur 21 Jahren in dem Elendsviertel, in dem sie zusammen aufgewachsen sind, gestorben. Man nannte sie die Zwillinge, weil sie unzertrennlich waren, wenn auch die Art der Beziehung, die sie geführt haben, ein Rätsel ist, das die Spannung des gesamten Buches ausmacht.

Beatrice erzählt ihre gemeinsame Geschichte. Von dem trinkenden, gewalttätigen Vater von Alfredo, den Schwierigkeiten im Viertel, wie es ist an einem solchen Ort aufzuwachsen, wo man für das Leben abgestempelt ist, wo die Polizei sich nicht hintraut und man sich dennoch heimisch und geborgen fühlt. Sie erzählt, wie es ist, in der Pubertät festzustellen, dass man den Jungen, der wie ein Bruder mit einem aufgewachsen ist, liebt und begehrt. Wie man jemanden hassen und gleichzeitig lieben kann.

Bereits bei der Leseprobe war ich von der Kraft und Authentizität der Sprache beeindruckt. Und jetzt, wo ich das Buch komplett gelesen habe, bin ich noch mehr beeindruckt. Denn Valentina D'Urbano hat es geschafft diesen Ton und diese Sprache das ganze Buch durchzuhalten. Man ist völlig gefangen von Beatrice und ihrer Geschichte. Ich habe das Buch fast in einem Zug gelesen.

Gleichzeitig hat mich die Tiefe der Gefühle, die sie nur durch den Subtext rübergebracht hat, sehr beeindruckt. Eigentlich streiten, schlagen, beleidigen, quälen sich Beatrice und Alfredo nur. Aber in der Art, wie Valentina D'Urbano darüber schreibt, ist die immense Leidenschaft und Tiefe der Gefühle beider Charaktere zu spüren. Bis zur letzten Seite war eigentlich nicht klar, wie genau die Beziehung der beiden aussieht. Ich war der Autorin sehr dankbar, als sie mit derselben subtilen Art diese quälende Frage auch noch beantwortet hat. Und das sie es erst dann getan hat, war gut und gerecht gegenüber dieser einmaligen Hass-Liebes-Geschichte gewesen.

Es ist ein starkes, beeindruckendes Buch. Insbesondere wenn man bedenkt, dass es ein Erstlingswerk für ein Gewinnspiel ist. Valentina D'Urbano hat ganz zurecht mit dem ersten Platz die Veröffentlichung  dieser besonderen Geschichte gewonnen.

Ich möchte dem Buch gerne vier von fünf Leseratten vergeben. So wunderbar und perfekt die Schilderungen, die Darstellung der Charaktere und ihres Gefühlslebens auch ist, es ist im Verhältnis zu anderen Werken eine kleine Geschichte, wenn auch mit so viel Kraft und Leidenschaft geschrieben.


Samstag, 8. Februar 2014

Angelesen: Der Teufel von New York von Lyndsay Faye

Ihr habt sicher gemerkt, dass es in der vergangenen Woche etwas ruhiger hier war. Das hängt damit zusammen, dass ich vor mich hinkränkele und Susi im Stress stand. Da war der Rattenbau kurzfristig ziemlich verwaist. Heute geht es endlich wieder weiter. Der Blog-Kalender hatte zwar einen anderen Vorschlag (ein schönes Bild&Wort für euch zum Wochenende) aber dann habe ich gerade bei vorablesen vorbeigeschaut und mir ist aufgefallen: ich habe noch nichtmal die Leseproben dieser Woche durchgesehen und die Neuen sind ja schon mit Riesenschritten im Anmarsch.
Und obwohl ich momentan manchmal ziemliches Pech mit Thrillern hatte (siehe "Schnitt" von Marc Raabe) hat mich "Der Teufel von New York" magisch angezogen. Dieses Buch hatte ich schon auf dem Merkzettel seit es bei vorablesen angekündigt wurde und der erste Leseeindruck ist wirklich super, das Bild&Wort muss also warten.

"Der Teufel von New York" von Lyndsay Faye
480 Seiten
15,90 € (Taschenbuch)

Erscheint am 01.03.2014
Eine Leseprobe von Vorablesen findet ihr hier.






Ich bin zwar durch das Cover und den Titel auf das Buch aufmerksam geworden, wirklich hängen geblieben bin ich aber erst bei der Inhaltsangabe. "Der Teufel von New York" dreht sich um einen grausamen Mord an einer Reihe von Kindern, 1845 in New York. Nur ein kleines Mädchen kann fliehen und wird kurze Zeit später vom Polizisten Timothy Wilde in den Straßen von New York gefunden. Das Mädchen ist verängstigt und völlig mit Blut besudelt. Das klingt schonmal ziemlich spannend und echt gruselig. 
[Anmerkung: Ich gebe ja zu, dass ich Kinder gruselig finde. Also natürlich nicht alle normalen Kinder die ich so Treffe, aber Kinder in Horror- oder Gruselfilmen machen mich echt fertig. Und es gibt eine MENGE Kinder in diesen Filmen, ein paar Beispiele gefällig? Mir fallen ganz spontan "The Ring", "Fall 39", "Das Waisenhaus", "Insidious", "Mama" (davor hab' ich mich gedrückt, ausgiebiges anschauen des Trailers hat mir gereicht *brrr), "So finster die Nacht", "Der Exorzist" und  "Shining" ein... ]
"Der Teufel von New York" bietet aber neben der offensichtlichen Spannung noch ein paar mehr Themen: die Migranten aus Europa, die das junge Amerika überschwemmen, aufkeimende Kriminalität und Unruhen zwischen Katholiken und Protestanten. Das alles wird aus der Perspektive des jungen Polizisten Tmothy Wilde berichtet, der selbst offenbar keine leichte Kindheit hatte und das raue, unfreundliche New York kennen gelernt hat. Im  Jahr 1845 wird die Polizei von New York gegründet und Timothy steigt ein, weil er eine Beschäftigung braucht. Als ehemaliger Barmann hat er eine gute Beobachtungsgabe und sonderlich hoch sind die Anforderungen nicht um bei der Polizei einzusteigen.
Neben aller spannender Handlung kann mich aber auch ein Thriller erst überzeugen wenn der Schreibstil stimmt. Das ist bei "Der Teufel von New York" definitiv der Fall. Der Schreibstil ist detailliert, bietet aber vor allem eine ganz besondere, dichte Atmosphäre. Das kommt vor allem daher, dass die Beschreibungen von Personen und Orten, die Gespräche und Begebenheiten toll miteinander verwoben werden. Ich konnte mich von der Leseprobe kaum losreißen und war schon nach wenigen Seiten mitten in der Geschichte.
Der historische Hintergrund, die Protagonisten, der unglaublich flüssige und angenehme Erzählstil und die Spannung. Hier stimmt auf den ersten Blick alles. 

Ich hoffe sehr, dass ich auch bei dieser Verlosung nochmal Glück habe, so oder so: dies ist wieder eine der Entdeckungen, die ich unbedingt hier vorstellen möchte.

Sonntag, 2. Februar 2014

Rezension: Wiedersehen in Hannesford Court von Martin Davies

Ein Buch meiner Weihnachts-Bestellung war „Wiedersehen in Hannesford Court“ von Martin Davies. Auf dieses Buch war ich im Adventskalender des dtv Verlags aufmerksam geworden und musste es unbedingt lesen. An sich wäre es eine perfekte Weihnachts-Lektüre gewesen, hat sich aber auch im Januar ganz gut geschlagen. Ein bisschen hin und her gerissen bin ich dann unterm Strich aber doch.

„Wiedersehen in Hannesford Court“ von Martin Davies
dtv Verlag
336 Seiten
14,90 € (Klappbroschur)








Tom Allen kommt nach seiner Zeit an der Front im Jahr 1919 das erste Mal wieder nach Hannesford Court, dem Landsitz der Familie Stansbury. Vor Ausbruch des ersten Weltkrieges hat er hier mit seinen Freunden (den Kindern der Familie und deren Clique) eine fröhliche und übermütige Zeit verbracht. Hinter der unbeschwerten Fassade schienen sich jedoch schon vor dem Krieg mehr zu verbergen, als Tom ahnte. Während des letzten Balles in Hannesford Court erlitt einer der Gäste einen Herzinfarkt. Der Sohn des Gastes erhielt kurz vor seinem Tod einen seltsamen Brief von dem alten Herren in dem er berichtete, dass er „Schreckliches“ in Hannesford Court beobachtete. Tom Allen versucht nun den Geschehnissen auf den Grund zu gehen.
Die Geschichte von „Wiedersehen in Hannesford Court“ ist etwas umständlich nachzuerzählen und braucht auch im Buch eine Weile, bevor sie Fahrt aufnimmt. Die ersten Kapitel waren recht zäh und ich habe mich gefragt, ob ich richtig in die Geschichte reinkommen würde. Nach ungefähr dem ersten Drittel des Buches war ich dann komplett in Hannesford Court mit seinem gesellschaftlichen Leben, den Intrigen und persönlichen Zerwürfnissen abgetaucht.
Die Sprache ist sehr detailliert und voll schöner Beschreibungen und passt zur feinen Gesellschaft in der die Handlung stattfindet. Die Abschnitte der Handlung, in denen Tom Allen mittels Gesprächen und eigenen Nachforschungen den Geheimnissen in Hannesford Court nachgeht haben für mich den eigentlichen Charme des Buches ausgemacht. Der Protagonist ist unheimlich sympathisch und trotzdem nicht makellos, seine Zeit während des Krieges beschäftigt ihn wie so viele andere junge Männer seiner Generation. Die so auftretende Kluft zwischen der oberflächlichen Gesellschaft und dem Protagonisten, der diesen schönen Schein hinterfragen möchte, war sehr interessant.
Richtig vom Hocker gehauen hat mich das Buch dann leider unterm Strich trotzdem nicht. Nach dem zähen Start hatte es zwar einen spannenden Mittelteil und ein interessantes Ende zu bieten, war jedoch kein Buch, das mit ganz neuen Ideen daherkommt.
Es fällt mir schwer dieses Buch gerecht zu bewerten, es ist ganz sicher kein schlechtes Buch, aber auch nicht so gut wie andere der mit 4-Ratten bewerteten Bücher. Eine mittelmäßige 3-Ratten-Bewertung ist eigentlich auch wiederum fast zu schlecht für „Wiedersehen in Hannesford Court“… trotzdem vergebe ich 3 von 5 Leseratten (mit Tendenz nach Oben) für diese Geschichte.

Freitag, 3. Januar 2014

Angelesen: Mit zwanzig hat man kein Kleid für eine Beerdigung von Valentina D'Urbano

Herje! Die Sub-Liste wächst und wächst und vorablesen nimmt richtig Fahrt auf. Diese Woche ist wieder etwas für mich dabei und nachdem mein letzter Gewinn sich als echtes Juwel entpuppt hat (näheres gibt es morgen), kann ich nicht widerstehen.



"Mit zwanzig hat man kein Kleid für eine Beerdigung" von Valentina D'Urbano dtv

280 Seiten

14,90 € (Taschenbuch)


Erscheint: 01.02.2014

(Eine Leseprobe von vorablesen findet ihr hier)



Beatrices geht zu der Beerdigung ihres besten Freundes Alfredo, sie ist erst 21. Sie ist in einem Armutsviertel aufgewachsen, in dem jeder seine Wohnung besetzt hält. Während sie kurz die Beerdigung beschreibt und wie sie Alfredo kennen gelernt hat, scheint sie hin und her gerissen zu sein. Man weiß nicht wirklich, wie genau die Beziehung zwischen den beiden ausgesehen hat und ob sie ihn trotz ihrer offensichtlich schlechten Meinung von seinem Charakter geliebt hat oder erst jetzt erkennt, dass sie ihn liebte und diese Ausbrüche gegen ihn aus der Trauer und der Wut kommen.

Die Geschichte nahm mich sofort gefangen: Wie ein Feuerwerk explodierten die Fragen in meinem Kopf. Die Sprache ist sehr authentisch und wechselt so schnell, dass man das Gefühl hat mitten in dem verwirrten, wütenden Kopf von Beatrice zu sein. Ich bin sehr gespannt, wohin die Reise von Beatrice weitergehen wird.