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Mittwoch, 29. Oktober 2014

Rezension: Die Auserwählten im Labyrinth von James Dashner

Ich hatte es ja befürchtet - dieses Buch habe ich einfach weggeschnupft. Montag 20:00 Uhr gekauft, Freitag 08:00 Uhr ausgelesen. Meine Arbeitswoche hat schwer unter dieser Sucht gelitten. Aber ich weiß immer noch nicht, ob und wann ich mir Teil 2 kaufe.

„Die Auserwählten im Labyrinth" von James Dashner
Carlsen Verlag
490 Seiten
9,99 € (Taschenbuch)

Thomas wacht in einem dunklen Fahrstuhl auf, der auf dem Weg nach oben ist. Er kann sich an nichts erinnern und weiß nicht, wo er ist. Als der Fahrstuhl anhält und seine Türen geöffnet werden, findet er sich auf einer Lichtung wieder, die von riesigem Steinmauern umgeben ist ... Mehr will ich eigentlich gar nicht zum konkreten Inhalt sagen. Die Spannung des Buches hängt wesentlich davon ab, dass die Geschichte aus Thomas Blick erzählt wird und man genau wie er alles nur ganz häppchenweise erfährt.

"Die Auserwählten im Labyrinth" ist ein Jugendbuch, weil es von Jugendlichen handelt. Alle Jungen auf der Lichtung sind zwischen 13 und 18 Jahren alt. Aber es ist nicht unbedingt nur ein Buch für Heranwachsende. Ich persönlich würde das Buch sogar FSK 16 einstufen. Die Gesellschaft, die sich die Jungen auf der Lichtung aufgebaut haben, ist intelligent und von Ordnung geprägt, aber auch von Gnadenlosigkeit. An einigen Stellen scheint das Einhalten von Regeln wichtiger als Menschlichkeit und Moral zu sein. Schon allein das ist dank der wortgewaltigen Beschreibungen nicht immer etwas für Zartbeseitete. 

Auch die Sprache ist sehr authentisch. Wie die Jungen miteinander umgehen und reden ist eine sehr realistische Darstellung davon, was mit Höflichkeit und Niveau passiert, wenn Männer in einer Ausnahmesituation unter sich sind. Ein großer Unterschied zum Film übrigens, aber dazu am Freitag mehr. 

Dazu kommen für mich leichte Horrorelemente. Die Lichtung ist von einem Labyrinth umgeben, in dem gefährliche Monster hausen. Geschaffen von den so genannten Schöpfern, die alles beobachten. Dazu kommen die Auswirkungen psychischer Natur bei den Lichtern, den Bewohnern der Lichtung. Man fühlt sich ständig unsicher und verfolgt und lebt den Horror der wachsenden Angst direkt mit. 

"Die Auserwählten im Labyrinth" ist fesselnd, spannend, intelligent und gruselig. Warum ich mir noch nicht sicher bin, ob ich Teil 2 lesen will? Ich weiß nicht, ob mir die weitere Story gefällt. Genauer kann ich das nicht sagen, ohne viel zu verraten. Teil 1 gebe ich erst einmal 4 von 5 Leseratten für ein sehr gutes, spannendes Jugendbuch. Der Abzug kommt nur dank dem Vergleich zu anderen Werken - es ist reine Unterhaltungsliteratur. 

Das Buch in einem Zwitschern: 
"Die Auserwählten im Labyrinth" ist fesselnd, spannend, intelligent & gruselig. Für mich FSK16 & nur lesen, wenn 3 Tage alles egal sein kann.

Mittwoch, 30. Juli 2014

Rezension: Das wirst du bereuen von Amanda Maciel

Der Titel von „Das wirst du bereuen“ lässt einen (nicht besonders kreativen) Jugendthriller erwarten. Die Aufmachung des Buches lässt dann vielleicht noch erahnen, dass sich das Buch eher an Mädchen richtet. Richtig spannend fand ich das nicht. Als ich aber die Inhaltsbeschreibung gelesen habe, hat mich das Buch aber gleich ganz anders angesprochen. Cybermobbing ist ein leider sehr aktuelles Thema und betrifft viele Kinder und Jugendliche viel zu früh. Mir geht dieses Thema sehr nah, deswegen habe ich mich auf Bloggdeinbuch für das Buch beworben und hatte das Glück, es Lesen zu dürfen.

„Das wirst du bereuen“ von Amanda Maciel
304 Seiten
14,99 € (Hardcover)

Emma hat sich umgebracht. Nach einem Schuljahr voll Beleidigungen und Diffamierungen, offener und versteckter Schikanen sieht die Schülerin keinen Ausweg mehr, als sich das Leben zu nehmen. Sara und ihre beste Freundin Brielle haben das Mobbing gegen Emma immer weiter getrieben und werden nun für ihren Selbstmord verantwortlich gemacht. In „Das wirst du bereuen“ wird klar, das Mobbing für alle Beteiligten eine echte Abwärtsspirale in Gang setzt.

Die Handlung des Buches setzt nach Emmas Tod ein. Wir erfahren also nachträglich von Sara, wie es zu den Geschehnissen kam, die zu Emmas Selbstmord führten. Faszinierend ist der Blickwinkel, der sich dadurch in der Geschichte ergibt. Natürlich hat die „Täterin“ eine ganz andere Sicht auf die Dinge, als Freunde oder Familie des Opfers. Sara sieht anfangs primär die negativen Auswirkungen, die das alles auf ihr eigenes Leben hat. Sie wird geächtet und ausgegrenzt und fühlt sich ungerecht behandelt. Die Parallelen zu Emmas Leidensweg während ihres letzten Schuljahres nimmt das Mädchen dabei erst nach und nach wahr.
Und auch für mich als Leser hat sich die Stimmung im Verlauf des Buches immer wieder gewandelt. Natürlich weiß man, dass das Verhalten der Mädchen gegenüber Emma alles andere als in Ordnung war, ihre „Begründungen“ und Anlässe werden aber erschreckend real dargestellt. Natürlich sind es alles eher schwache Vorwände und aus jedem Mobbing spricht bei den Mädchen eine gute Portion eigene Unsicherheit, aber das wurde (wie im echten Leben) auch nur Stück für Stück klar.
Dieser besondere Ansatz hat das Buch für mich wirklich lesenswert gemacht. Die einfache Aufteilung „gut – böse“ wird hier dezent und glaubwürdig aufgeweicht und man lernt, welche Mechanismen dahinter stecken können, ehe es zum Mobbing kommt. Das liefert keine Begründung oder Unterstützung für die Täter, kann aber Erklärungsansätze bieten, die sonst nur schwer einzusehen sind. Bücher über Mobbing gibt es mittlerweile einige, „Das wirst du bereuen“ zeichnet sich darunter durch diese Besonderheiten wirklich aus.
Dazu kommt, dass der Schreibstil angenehm modern und recht einfach gehalten ist (also auch für Kinder gut zu lesen ist) dabei aber nicht zu banal und langweilig für ältere Leser wirkt.

Zwar hat es mir die Perspektive des Buches besonders angetan und die Geschichte aus Sicht der Täterin wirkt authentisch. Um es ganz abzurunden wäre aber auch ein Perspektivwechsel hin zu Emma interessant gewesen, das hätte die Botschaft des Buches vielleicht noch einmal unterstützen und endgültig abrunden können.

Insgesamt vergebe ich daher 4 von 5 Leseratten. Gerade für Kinder und Jugendliche, die sich im Umgang mit Medien noch üben müssen, kann ich dieses Buch empfehlen. Es bietet eine interessante Ergänzung zu sonst eher trockenen Informationen und ist nebenbei eben eine wirklich spannende Lektüre.


Heute ein Bild statt einem Tweet von mir:
(drauf klicken um es größer sehen zu können)

Mittwoch, 9. Juli 2014

Rezension: Spiel der Angst von Veit Etzold

„Spiel der Angst“ von Veit Etzold habe ich gewonnen und nach einiger Zeit des Zögerns nun doch gelesen, obwohl ich den Vorgänger „Spiel des Lebens“ nicht kannte. Ich glaube im Nachhinein, dass ich da nichts verpasst habe.

„Spiel der Angst“ von Veit Etzold
352 Seiten
14,99 € (Klappbroschur)








Emily wurde in London von einem irren Stalker bedroht und mit dem „Spiel des Lebens“ gequält. Um Abstand davon zu bekommen und in Ruhe studieren zu können zieht sie mit ihrem Freund nach New York. Nach einem ruhigen Jahr beginnt kurz vor ihrem Geburtstag der Terror erneut.

Schon ohne den Vorgänger zu kennen, vermute ich, dass „Spiel der Angst“ ein neuer Aufguss von „Spiel des Lebens“ ist. Selbst innerhalb des Romans wurde häufig erwähnt, dass das doch in London schon mal genau so war. Da ich das erste Buch nicht kenne, hat es mich nicht gestört, aber ich zweifele ernsthaft daran, dass ich mir so etwas zweimal antun würde. Nun gut.
Auch für sich allein betrachtet ist „Spiel der Angst“ nicht sonderlich spannend. Die „Schnitzeljagd“, die der Stalker mit Emily durch New York veranstaltet, ist recht undramatisch und eintönig. Ein Rätsel wird gestellt und nach einer kurzen Zeitspanne droht eine Strafe. So geht das ununterbrochen weiter, ohne rechte Abwechslung. Einzige Abwechslung sind die drohenden Strafen, die in meinen Augen so witzig unverhältnismäßig waren. Es reicht vom Mord eines geliebten Menschen über das verwüsten von Emilys Zimmer.
Unterhaltsam war lediglich die Lösung der Rätsel durch die Protagonisten. Emily braucht für wirklich jedes, noch so banale, Rätsel die Hilfe ihres Freundes oder ihrer Freundinnen. Die Dialoge dabei wirken so unnatürlich und gestelzt, dass ich schon das ein oder andere Mal zu Lachen hatte.
Leider bleiben alle Figuren auch wirklich blass und ich hatte keine Chance mich mit ihnen zu identifizieren. Vielleicht wäre dafür der Vorgänger doch wichtig? Ich weiß es nicht. So erfährt man über Emily nur, dass sie ihren Freund liebt und nicht so richtig gut in Mathe ist (die Quersumme von 11 wird schriftlich gerechnet, sicher ist sicher).
Die Kapitel, in denen der Stalker aus seiner Sicht das Geschehen schildert, haben dann nochmal eine ganz eigene Qualität. Er stellt das ganze so voll Pathos dar und macht ein ziemliches Aufheben um seinen „Plan“, worin der so genau bestehen soll ist mir aber immer noch nicht ganz klar.
Weder mit der Story noch mit den Protagonisten konnte ich mich richtig anfreunden, Spannung kam bei mir keine auf, aber ich hatte trotzdem Spaß beim Lesen… nämlich mit dem Sammeln von Stilblüten, Dopplungen und besonders intelligenten Dialogen. Mein Best-of:

„Und meist merkte man gar nicht, dass man starb.“ S. 10
Bei drei von vier Töden merke ich auch nicht, dass ich sterbe.

„Und er hat uns ja nichts getan. Er hat uns nur diese SMS geschrieben und einmal durch die Stadt gejagt.“ S. 89
Na, dann ist ja gut…

„Emily und Ryan saßen an der Bar Nahe des Campus. […] Gemeinsam mit Ryan saß Emily nun in der Bar…“ S. 109
Ein Satz liegt dazwischen, da kann man schon mal vergessen, wo genau die beiden sitzen.

„Ob er das wirklich kann? […] Ein ganzes Flugzeug sprengen? Hunderte von Menschenleben töten…“
S. 120
Kann man ein Menschenleben töten?

Ich habe mich, um fair zu bewerten wirklich gefragt, ob ich mit 14 Jahren Spaß an diesem Buch gehabt hätte. Aber in diesem Alter habe ich Stephen King und Thomas Harris verschlungen, "Spiel der Angst" hätte mich da vermutlich einfach nicht hinter dem Ofen vorlocken können.
Ich  mach es kurz: für dieses Buch war ich der falsche Leser. 1 von 5 Leseratten.
Für junge Leserinnen, die einen ersten Thriller lesen möchten ist das ganze einfach besser geeignet und auch dabei glaube ich, dass es bessere Kandidaten dieses Genres gibt, die etwas mehr Spannung und intelligentere Charaktere bieten können.
 

Das Buch in einem Tweet: Für "Spiel der Angst" war ich der falsche Leser. Jugendthriller mit einfacher Handlung und zu wenig Spannung.

Donnerstag, 19. Juni 2014

Rezension: Ketchuprote Wolken von Annabel Pitcher

„Ketchuprote Wolken“ habe ich bei den Neuheiten auf Skoobe entdeckt und es mir dann einfach mal abends, zur Ablenkung, ausgeliehen. Ein Buch, das ich sonst vermutlich nie gekauft oder aus der Bibliothek geholt hätte. Für mich wäre das in diesem Fall kein allzu großer Verlust gewesen.

„Ketchuprote Wolken“ von Annabel Pitcher
288 Seiten
12,99 € (Taschenbuch)








Die 15-jährige Zoe schreibt Briefe an einen Mörder, der in Texas im Todestrakt sitzt. Das tut sie nicht, um den Häftling zu Unterhalten oder „etwas Gutes“ zu tun, sondern um ihre Schuld von sich zu schreiben. Zoes Vergehen ist von Anfang an Thema ihrer Briefe, doch wird erst sehr spät enthüllt, was wirklich zwischen ihr und ihrer großen Liebe geschah.

Dies ist nicht das erste Buch in Briefform, welches ich vorstelle. Ich habe einfach einen Faible für diesen Aufbau. In diesem Buch fand ich ganz besonders spannend, dass Zoe an einen Mörder schreibt, ihr Herz ausschüttet und nie eine Antwort erhält. So erfährt man Stück für Stück ihre Geschichte dieser großen „Schuld“ die sie auf sich lud ohne dass die Geschichte durch Antworten gelenkt werden würde.
An sich hat mir „Ketchuprote Wolken“ ganz gut gefallen, so richtig warm geworden bin ich mit dem Buch aber trotzdem nie. Zoe als Protagonistin ist zwar schon irgendwie sympathisch aber die Darstellungen aus ihrer Sicht haben mich zum Teil doch sehr irritiert. Die Handlung wurde für meinen Geschmack zu langwierig aufgebaut und zu nebulös umschrieben. Mir ist klar, dass das zur Spannung beitragen soll, das endgültige Ergebnis war diesem ganzen Tamtam aber dann doch nicht ganz angemessen.
Mein Problem mit dem Buch liegt vermutlich außerdem daran, dass ich nicht wirklich einordnen kann für Leser welchen Alters es gedacht war. Zum Teil sind die Handlungsstränge zwischen Zoe und ihrer großen Liebe schon recht „erwachsen“ für junge Leser, die Probleme in der Familie oder Zoes Gedankengänge und Hobbies wirken dagegen wieder so niedlich-kindlich, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass ein Teenie daran sonderlichen Gefallen finden wird.

Ich mach es heute ganz kurz: für junge Leser ist dieses Buch vermutlich ein schöner Einstieg in Themen rund um erste Liebe und bietet dabei auch noch ein bisschen Spannung. Der ungewöhnliche Erzählstil ist dabei schön umgesetzt. Für mich war dieser Ausflug in den Bereich „Jugendbuch“ nicht sonderlich passend, wirklich bewerten möchte ich es daher nicht.

Donnerstag, 8. Mai 2014

Rezension: Die Wahrheit über Ivy von Kathy Stinson

Es gibt Rezensionen, die mir wirklich schwer fallen. Weil es zu viel oder zu wenig über ein Buch zu sagen gibt zum Beispiel. Manchmal aber, wie bei „Die Wahrheit über Ivy“, liegt es auch am Thema des Buches, dass mir wahrhaftig die Sprache verschlägt.

„Die Wahrheit über Ivy“ von Kathy Stinson
192 Seiten
7,99 € (Taschenbuch)







Alles in Davids Familie dreht sich um Ivy. Seine kleine Schwester ist an „infantiler Zerebralparese“ erkrankt. Dieser frühkindliche Hirnschaden hat bei Ivy zur Folge, dass das Mädchen kaum sprechen kann und motorisch stark eingeschränkt ist. Das Leben mit Ivy bringt viele Tiefs aber auch immer wieder Freude für David mit sich. Ein Leben ohne Ivy ist für den Jungen trotz aller Schwierigkeiten kaum vorstellbar. Eines Tages passiert dann das Tragische: als sein Vater mit Ivy in einem See badet, erleidet Ivy einen Krampfanfall und stirbt.

Das Buch ist aus Davids Sicht erzählt und die Autorin hat für mich damit genau die richtige Perspektive gewählt, denn Davids Erlebnisse wirken schlicht und ergreifend authentisch. Das Thema ist schwierig und die aufgeworfenen Fragestellungen und Überlegungen sind zum Teil hart. Ein belehrender oder moralisierender Erzähler hätte da (für mich) die falsche Botschaft transportiert. So aber wirkte das ganze Buch ehrlich und berührend.
Ich kann mir die Situation, die Davids Familie erlebt, kaum vorstellen. Es ist einfach unheimlich schwierig sich in derartige Lebensumstände herein zu versetzen. Der Autorin ist es in diesem Buch dennoch sehr gut gelungen, dass man eine Beziehung zu allen Figuren aufbauen kann und dadurch anfängt eine Ahnung davon zu bekommen, wie sich Menschen in einer solchen Situation fühlen: zwischen Liebe und Angst, Überforderung und Hingabe. Trotz aller Liebe zu seiner Schwester kommen nämlich bei David auch immer wieder Frustration und Wut über die Situation der Familie auf.
Neben der berührenden Handlung zu Beginn des Buches bringt die Situation rund um Ivys Tod dann eine ganze Menge harter Fragestellungen und Überlegungen mit sich, die mich bis jetzt sehr beschäftigen. Das Buch endet für mich in dieser Hinsicht dann auch zu abrupt. Das soll vermutlich so sein und dem Leser die Möglichkeit geben, für sich gedanklich die möglichen Alternativen durchzuspielen. Ich fühlte mich irgendwie grausam aus der Geschichte gerissen und mir fehlte die Möglichkeit, mit dieser Handlung abzuschließen.

Insgesamt vergebe ich 4 von 5 Leseratten für ein tolles Jugendbuch, das mich sehr beschäftigt und berührt hat, aber durch die sympathischen Figuren auch gut unterhalten hat. Ein weniger abruptes Ende hätte das Ganze noch etwas besser abrunden können.


P.S. Ich habe bewusst versucht Formulierungen wie „Ivy leidet unter“ oder „das Problem der Familie“ zu vermeiden. Ich bin der festen Überzeugung, dass diese Art von Formulierungen (genau wie zum Beispiel „an den Rollstuhl gefesselt“) einfach ein falsches Bild transportieren. Trotzdem finde ich es schwierig für die beschriebene Situation im Buch die richtigen Worte zu finden. Ich hoffe es ist mir annähernd gelungen.

Freitag, 21. Februar 2014

Rezension: Göttlich verdammt von Josephine Angelini

2014 steht unter dem Zeichen der LeseExperimente. Neben Susis Aufgaben habe ich mir aber selbst auch ein paar Sachen vorgenommen, zum Beispiel neue, (mir) unbekannte Verlage entdecken und für mich untypische Genres ausprobieren. Zuerst habe ich mich nun also in einem Genre umgesehen, dass ich lange Zeit links liegen ließ: Fantasy.
Ich habe als Teenie Fantasybücher geradezu verschlungen, vor allem Markus Heitz und Wolfgang Hohlbein mochte ich sehr gern. Die heute so beliebte Romantasy, also romantische Fantasy, hatte ich damals noch nicht auf dem Schirm. Ich glaube, dass es diese Bücher erst seit Twilight in solcher Vielfalt gibt. Als ich mich nun also nach einem neuen, für mich interessanten Fantasy-Probanden umgesehen habe, bin ich auf „Göttlich verdammt“ von Joesphine Angelini gestoßen.

„Göttlich verdammt“ von Josephine Angelini
494 Seiten
19,99 € (Hardcover) oder 9,99 € (Kindle Edition)








Helen ist 16, wunderschön und super intelligent aber nicht sonderlich selbstbewusst. Sie lebt mit ihrem Vater in einem kleinen Örtchen auf Nantucket. Eines Tages zieht die reiche Familie Delos in den Ort, die Söhne und Töchter der Familie sind zwar ebenso schön und begabt wie Helen, wecken bei ihr jedoch erstmal großes Misstrauen und Abneigung, ehe sie die Söhne der Familie näher kennen (und lieben) lernt.
Vielleicht ist es gemein das so zu sagen, aber es kam mir auf den ersten Seiten des Buches so vor als würde ich „Twilight Reloaded“ in den Händen halten. Die Parallelen waren einfach zu krass und zu offensichtlich. Davon habe ich mich aber erstmal nicht beirren lassen. Es sollte in „Göttlich verdammt“ um griechische Mythologie, Götter und Legenden gehen, das sind Themen die ich unheimlich spannend finde und auf die ich mich gefreut habe. Einige dieser Aspekte wurden dann auch wirklich schön eingearbeitet und stimmungsvoll beschrieben, die Schicksalsgöttinnen (Parzen) die Helen verfolgen und ihr schauriges Wehklagen zum Beispiel haben mir wirklich gut gefallen und zur Stimmung beigetragen. Die große Rahmenhandlung konnte mit diesen einzelnen guten Aspekten leider nicht mithalten. Es war alles insgesamt zu vorhersehbar und konstruiert.
Weglegen wollte ich das Buch trotzdem nicht. Die Charaktere waren zum Teil recht interessant, die Anlehnung an die historischen Gestalten und Sagengestalten hat so viel Potenzial geboten. Wären die Charaktere facettenreicher dargestellt worden hätte dies eine wirkliche Stärke des Buches werden können. Leider wurde dieses Potenzial hier schlicht verschenkt.
Etwas befremdlich waren mir außerdem auf Dauer der Erzählstil der Autorin und ihre Angewohnheit, alle Emotionen so völlig überspitzt darzustellen. Es wird nie „gelacht“ immer wird „schallend gelacht“, man ist nie „wütend“ sondern immer „wutentbrannt“… das führt zu manchen skurrilen Situationen, in denen Protagonisten sich erst traurig oder aggressiv zeigen um dann einen Satz später schallend zu lachen. An sich mag ich eine bildreiche Sprache gern und finde atmosphärische Beschreibungen wichtig, um in einem Buch ganz abzutauchen, aber hier war es etwas zu viel des Guten und wirkte dadurch eher holperig und ungeschickt.

Ich kann zwar verstehen, warum das Buch zum Teil so gute Bewertungen bekommen hat, die Thematik ist ungewöhnlich und die Charaktere interessant. Leider hat mich die erzählerische Qualität des Buches nicht überzeugt, die Geschichte war zu vorhersehbar und wenig atmosphärisch.

Insgesamt 2 von 5 Leseratten.


Richtig überzeugen konnte mich dieses Experiment zum Genre Fantasy noch nicht.
Ich habe zwar noch ein anderes Buch im Kopf, welches ich in nächster Zeit probieren werde, möchte aber auch euch kurz fragen:
Welches Fantasybuch lohnt sich wirklich? Welches Buch ist ungewöhnlich, bietet eine gute Story und ist auch noch toll geschrieben? Habt ihr Tipps für mich?

Mittwoch, 29. Januar 2014

Rezension: Der Tag wird kommen von Nina Vogt-Østli

„Der Tag wird kommen“ von Nina Vogt-Østli habe ich bei vorablesen entdeckt und war gleich von der Leseprobe begeistert. „Ein Buch über Mobbing und die Folgen für Opfer und Täter, spannend und modern formuliert“ so lautete mein erster Eindruck. Nun, nachdem ich das Buch gelesen habe, weiß ich, dass noch eine Menge mehr dahinter steckt.

-->„Der Tag wird kommen“ von Nina Vogt-Østli
Coppenrath Verlag
240 Seiten
14,95€ (Hardcover)










„Der Tag wird kommen“ von Nina Vogt-Østli erzählt die Geschichte von Hans Petter. Hans Petter ist 15, äußert intelligent, ein bisschen schmächtig und blass… und hat in der Schule kein leichtes Leben. Er wird von seinen Mitschülern gemobbt und drangsaliert. Dabei ist es sein größtes Ziel, so unsichtbar wie möglich zu bleiben, nicht entdeckt zu werden und den Tag ohne Vorkommnisse zu verbringen. Oft gelingt ihm das nicht.

Hans Petter ist ein wirklich sympathischer Protagonist, er ist überdurchschnittlich intelligent, humorvoll und wirkt in seinem gesamten Handeln sehr Erwachsen. Sein ganzer Charakter wirkt trotz allen Problemen, die er hat, ehrlich und positiv. Und Probleme hat er nicht wenige: da sind seine „einfach gestrickte“ Mutter und der getrennt lebende Vater, die fiesen Mitschüler und der überengagierte Vertrauenslehrer. Ganz schön viel für einen Jungen in diesem Alter.
Zu Beginn dachte ich, dass die Handlung rund um Hans Petters Probleme mit seinen Mitschülern die Geschichte beherrschen wird, garniert mit pädagogisch wertvollen Einschüben. „Der Tag wird kommen“ funktioniert ganz anders. Die Geschichte ist spannend und geheimnisvoll, so kontaktiert zum Beispiel eine mysteriöse Chatpartnerin Hans Petter und freundet sich mit ihm an. Die entstehenden Chat-Gespräche machen einen großen Anteil des Buches aus und lesen sich wirklich schön.
Die Geschichte bietet Wendungen und Entwicklungen, die auch von seinem Mobbingproblem abweichen. Es ist einfach ein abwechslungsreiches Jugendbuch. Besonders fasziniert hat mich, dass die Geschichte auch noch eine gute Prise Science Fiction und ein bisschen Dystopie zu bieten hat.

Trotz aller Ausschmückung ist die Botschaft an die junge Leserschaft am Ende einfach (und gut): Jeder hat sein Handeln selbst in der Hand. Überlege dir, was du tust. Böses zu erleben, gibt dir keine Berechtigung selbst böse zu Handeln.

Ich hatte mir manchmal ein bisschen mehr Tiefe in der Handlung gewünscht. An einigen Stellen hätte das Handeln der Protagonisten hinterfragt werden können.
Der Science Fiction Einschlag wirkt außerdem sehr negativ. Sauer aufgestoßen ist mir dabei, dass z.B. Themen wie Gentechnik unterschwellig ohne Argumentation negativ dargestellt werden und so eher für Vorurteile sorgen, als wirklich eine Meinungsbildung zu ermöglichen. Gerade bei Büchern für diese Altersklasse stört mich eine derartige Darstellung sehr. Ich finde Kindern und Teenies sollte beigebracht werden, sich einem Thema vorurteilsfrei und aus verschiedenen Aspekten zu nähern, um sich eine Meinung zu bilden. Überspitzte Darstellungen und plumpes „gut-schlecht“ sind da doch eher ungeeignet.

Insgesamt liest sich „Der Tag wird kommen“ schön, ist spannend und bietet eine gute Grundbotschaft, das hat für mich das größte Gewicht. Meine Kritik ist sehr persönlich begründet und beschränkt sich auf ein absolutes Randgebiet des Buches... anderen wäre das vielleicht gar nicht aufgefallen, deswegen nur ein Minuspunkt.
Insgesamt 4 von 5 Leseratten.

Sonntag, 12. Januar 2014

Rezension: High Love von Madlen Ottenschläger

Mit „High Love“ haben wir von vorablesen unseren letzten Gewinn, ein Buch aus den Verlosungen im Monat Dezember, erhalten und mittlerweile beide gelesen. Wir sollten das Buch lesen und ein paar Fragen dazu beantworten. Eigentlich wollten wir beide unseren Senf darauf verteilen. Susi hat aber dann überrascht festgestellt, dass wir uns manchmal doch ähnlicher sind als wir dachten... die Rezensionen waren so ähnlich, dass es jetzt einen Kombi-Artikel unserer beiden Meinungen gibt :-).

"High Love" von Madlen Ottenschläger
Carlsen choice Verlag
200 Seiten
8,99 € (Taschenbuch)









„High Love“ ist so eines dieser Bücher, die ich mir im Laden nie ausgesucht hätte. Um ehrlich zu sein habe ich bei vorablesen nicht einmal die Leseprobe geöffnet und war auch nicht so richtig begeistert, als gerade dieses Buch unser besonderer Gewinn zum „Blog des Monats“ war und wir nun darüber auch noch etwas sagen müssen.
Ich kann es kurz machen: obwohl ich recht negativ an das Buch herangegangen bin, habe ich es schnell durchgelesen und fand es insgesamt recht gut gelungen.
Die Story ist schnell erzählt. Nach den Sommerferien ist für Manja auf einmal alles anders, das coolste Mädchen der Schule möchte ihre Freundin sein, sie gehört plötzlich zur beliebten Clique und dann will auch noch der süße, sexy Moritz ihr Freund sein. Manjas Glück scheint perfekt, bis sie und ihre Clique sich immer mehr im kiffen und saufen verlieren.
High Love ist ein typischer Teenie Roman, der neben Themen wie der ersten Liebe und dem ersten Mal auch noch die Gefahren von Alkohol und Drogen (wie eben dem Kiffen) thematisiert. Die Richtung, in die sich die Handlung entwickelt, fand ich dabei etwas einseitig und gerade für junge Leser nicht ganz optimal. Stellenweise hatte ich das Gefühl, die Probleme die in der Gruppe entstehen werden sehr kurz und oberflächlich abgehandelt, Lösungen gar nicht geboten.
Das Buch ist kurzweilig und lässt sich schnell „weglesen“, der Schreibstil ist für meinen Geschmack etwas zu knapp und abgehackt, die Jugendsprache wiederum schön umgesetzt.
Insgesamt finde ich das Buch mittelmäßig. Weder besonders gut, noch besonders schlecht, aber mit Potential nach oben. In Leseratten ausgedrückt: 3 von 5 Leseratten für "High Love".


Und jetzt die Fragen vom Vorablesen-Team zu unserer Lektüre:

-    konnte man sich in die Charaktere hineinversetzen?
Manja war eine starke ich-Erzählerin, man hatte das Gefühl sehr direkt von den Geschehnissen zu erfahren, ihre Gefühle zu teilen und ich konnte mich dadurch gut in sie hineinversetzen. Ein wirklicher Pluspunkt des Buches.

-    war der Spannungsbogen/ die Erzählung überzeugend?
Der Spannungsbogen war leider etwas flach, der Vorbau der Geschichte bis zum eigentlichen Konflikt war mir etwas zu lang. Dadurch kam nur wenig Spannung auf und es ließ außerdem wenig Zeit für die Lösung der Konflikte.

-    was hat überrascht, was war erwartbar?
Mich hat überrascht, dass mich das Buch, trotz einiger Schwächen und obwohl ich in diesem Gebiet schwer zu begeistern bin, gefesselt und unterhalten hat. Erwartbar war aber, dass die Handlung leider an einigen Stellen etwas flach geblieben ist und einige Chancen der Geschichte nicht genutzt wurden.

-    ein Satz der das Buch treffend umschreibt?
„High Love“ ist ein unterhaltsamer Jugendroman über die erste große Liebe und die Gefahren, welche Drogen mit sich bringen.

Donnerstag, 19. Dezember 2013

Angelesen: Der Tag wird kommen von Nina Vogt-Østli

Ich muss verrückt sein. Mein SUB (seit dem Blog habe ich endlich auch sowas, vorher herrschte chronische Bücherknappheit) klettert auf ungeahnte Höhen und ich begeistere mich auf vorablesen für ein Buch nach dem Anderen.
Egal. Die Weihnachtsfeiertage nahen und damit auch ein paar ruhige Lesestunden zum SUB-Abbau.

"Der Tag wird kommen" von Nina Vogt-Østli
240 Seiten
14,95 € (Hardcover)
Erscheint: 15.01.2014
(Eine Leseprobe von vorablesen findet ihr hier)








Obwohl Jugendbücher so gar nicht mein Gebiet sind hat mich "Der Tag wird kommen" sofort angesprochen.
Hans Petter ist ein intelligenter Junge, zurückhaltend und nett. Bei seinen Mitschülern ist er leider so gar nicht beliebt und in der Rolle des Außenseiters gelandet. Er wird gemobbt und drangsaliert. Nach der Grundschule hat er gelernt "unsichtbar" zu sein und versucht die weiterführende Schule ohne Zwischenfälle zu überstehen. Im Rahmen der Leseprobe erfährt man jedoch recht schnell, dass der Schulalltag weiterhin ein Spießrutenlauf für Hans Petter ist. Zu Hause lebt er mit seiner gutherzigen aber "einfach gestrickten" Mutter und wirkt in seinem ganzen Verhalten viel zu reif und erwachsen für einen Jungen seines Alters.
Das hat einen einfachen Grund: für ein gemobbtes Kind ist Schule schnell kein Vergnügen mehr, es geht nicht um Spaß und Freundschaften sondern darum den Tag möglichst ohne Vorkommnisse zu überstehen.
Mich hat die Leseprobe wirklich berührt. Hans Petter wirkt ernsthaft und dennoch sympathisch. Die Geschichte liest sich flüssig und die "Chat" Einschübe passen gut zum jugendlich, modernen Text.

Ich möchte dieses Buch unbedingt lesen und hoffe Glück bei der Verlosung zu haben! So oder so hoffe ich es euch bald hier vorstellen zu können.