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Dienstag, 23. September 2014

Rezension: Das Lied des Blutes von Anthony Ryan (Rabenschatten 1)

Mein letzter Ausflug ins Genre Fantasy war eher mäßig erfolgreich. Aber natürlich ist Fantasy nicht gleich Fantasy und ich habe mit dem letzten Buch einfach nicht das Passende für mich gewählt, anspruchslos und kitschig ist ganz genreunabhängig nicht mein Fall. Da ich aber zum Beispiel Bücher wie Ted Williams „Die dunklen Gassen des Himmels“ sehr mochte, war mir klar: irgendwann kommt wieder das richtige Thema für mich vorbei.
Als mir dann der Klett-Cotta Verlag die Neuerscheinung „Das Lied des Blutes“ anbot, habe ich kurzerhand das Experiment gewagt und mich mal in ein ganz neues Fantasy-Eck begeben.

„Das Lied des Blutes“ von Anthony Ryan
Rabenschatten 1
775 Seiten
ISBN: 978-3-608-93925-5
24,95 € (Hardcover) oder (19,99 € bizepsschonende Kindle Edition)




Vaelin Al Sorna, der Hoffnungstöter, ist auf dem Weg zu einem letzten Kampf. Der einst größte Kämpfer des Reiches muss ein Duell bestreiten, das über sein Überleben entscheidet. Zwar wurde er ob seiner Kriegsvergehen begnadigt, doch soll er nun die Schuld seines Vaters sühnen. Auf dem Weg zu diesem Duell erzählt Vaelin Al Sorna dem jungen Geschichtenschreiber Lord Vernier seine Lebensgeschichte. So erfahren wir, wie aus dem Jungen Vaelin ein Bruder des sechsten Ordens wurde. Wie er kämpfte und tötete, mal Retter und mal Mörder war und zu seinen unzähligen Namen kam: „›Schwert des Königs‹ hieß er für den wahnsinnigen Herrscher, der ihn als Geißel zu uns sandte; ›Junger Falke‹ für die Männer, die ihm in die Wirrnisse des Krieges folgten; ›Dunkelklinge‹ für seine cumbraelischen Feinde und ›Rabenschatten‹ für die geheimnisvollen Stämme des großen Nordwaldes.“

Für mich als Fantasy-Neuling war der Einstieg in das Buch wunderbar einfach, da sich die Geschichte wie ein klassischer Abenteuerroman entwickelt. Der erfahrene und erschöpfte Krieger erzählt dem unbedarften Geschichtenschreiber von seinem Leben. Und da diese Erzählungen in der Kindheit Vaelins beginnen, konnte auch ich als Leser langsam in diese Welt und ihre Sitten abtauchen. Vaelin wird als Junge von seinem Vater dem sechsten Orden übergeben und soll dort zum Krieger ausgebildet werden. Die Passagen im Ordenshaus, mit den vielen Trainingsstunden in Schwertkampf und Bogenschießen, aber auch mit der toll beschriebenen Gemeinschaft der Jungen, haben mich ein wenig an Harry Potter erinnert. Natürlich liegt thematisch alles ganz anders, aber auch hier beobachtet man die Entwicklung der Charaktere und ihre Freundschaften von Kindesbeinen an und beginnt recht schnell sie ins Herz zu schließen. Gerade der Charakter Vaelins ist dabei so sympathisch und irgendwie tatsächlich heldenhaft, dass man ihm gern weiter folgen möchte. Wie dies dazu passt, dass er sich in den späteren Entwicklungen dann Namen wie „Hoffnungstöter“ verdient, war mir anfangs ein Rätsel. Aber auch dieses Rätsel löst sich recht schnell.
Denn die zu Beginn nur spannende und interessante Abenteuergeschichte entwickelt sich zunehmend zu einem recht brutalen Epos und auch die kriegerischen Elemente und Intrigen nehmen immer mehr zu. Diese Abschnitte waren es dann leider auch, die meine anfängliche Begeisterung dämpften. Zwar ist es noch interessant zu verfolgen wie Vaelin vom sanftmütigen Jungen immer mehr zum Krieger wird, aber die Schlachten und das Intrigenspiel, was sich daran anschließt, war für mich nicht mehr so fesselnd. Mich persönlich begeistern diese Kriege und Verwicklungen weit weniger, als die kleinen persönlichen Abenteuer der Helden eines Buches. Der anfängliche Lesesog wurde also zwischendurch ziemlich gebremst.
Vielleicht hätte ich irgendwann das Buch auch ganz zur Seite gelegt, hätte dann nicht langsam der mystische Teil der Handlung eingesetzt. Was das titelgebende „Lied des Blutes“ ist oder warum Vaelin der Rabenschatten genannt wird, möchte ich natürlich nun nicht verraten, diese Abschnitte haben mir aber wieder sehr viel Spaß gemacht.
Der Autor schafft es ganz wunderbar eine eigene Welt voll mit Mythen und Legenden, Geheimnissen und Geschichten zu kreieren, die am Ende toll verwoben ein großes Ganzes ergeben. Dem kommt die besondere Erzählweise des Buches zu Gute. Die vielen Rückblenden in Vaelins Leben werden durch kurze Einschübe über die Geschichte der Königslande oder Sagen des Nordlandes aufgelockert. Dabei ist kein Teil nur bloßes Beiwerk, alle Abschnitte haben später auf die eine oder andere Weise Einfluss auf die Haupthandlung.

Insgesamt hat mich das Buch überzeugt. Dass es mich als doch sehr skeptischen Fantasy-Leser so lange fesseln konnte, will schon viel heißen. Der Erzählstil war derart flüssig aber auch authentisch „mittelalterlich“, dass das ganze Buch eine wunderbare Atmosphäre versprüht hat. Die Beschreibungen waren durchgehend detailliert genug, um ein gutes Bild von Vaelins Welt zu vermitteln, aber Gott sei Dank nicht zu ausladend. Wären die kriegerischen Abschnitte nicht so umfangreich und für mich leider doch ziemlich ermüdend gewesen, hätte es das Zeug zu „richtig guter Fantasy“ gehabt. Durch diese doch recht langwierigen und für mich wenig spannenden Abschnitte, wurde die Begeisterung etwas gedämpft. Trotzdem ist es immer noch „ziemlich gute Fantasy“ und bekommt 4 von 5 Fantasy-Leseratten.


P.S. Ganz normal und nüchtern betrachtet, hätte es eine Ratte weniger sein können. Da es aber ungewöhnlich ist, dass mich ein Buch dieses Genres überhaupt so sehr mitreißt, gibt es eine Bonusratte. Durch „Das Lied des Blutes“ hatte ich seit langem mal wieder richtig Spaß an diesem Genre.

Das Buch in einem Tweet:

Freitag, 4. Juli 2014

Rezension: Die Anbetung von Dean Koontz

„Die Anbetung“ war mein erstes Buch von Dean Koontz und wird bestimmt nicht mein letztes bleiben. Der erste Band dieser Reihe um Odd Thomas hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich den nächsten Band in Skoobe schon auf meine Merkliste gesetzt habe.

„Die Anbetung“ von Dean Koontz
Heyne Verlag
496 Seiten
8,95 € (Taschenbuch)









Odd Thomas ist ein einfacher Imbisskoch, der über eine besondere Gabe verfügt: Odd Thomas kann Tote sehen und mit ihnen kommunizieren. Als eines Tages ein seltsamer Mann in seiner Heimatstadt Pico Mundo auftaucht und mit ihm eine Reihe düsterer Geister, ahnt Odd Thomas, dass etwas Schlimmes geschehen wird. Er setzt daraufhin eine Menge aufs Spiel, um den seltsamen Vorgängen in Pico Mundo auf den Grund zu kommen und wenn möglich Schlimmeres zu verhindern.

„Die Anbetung“ ist eine interessante Mischung aus Fantasyroman, Gruselgeschichte und Komödie. Die Begegnungen mit den Geistern und Dämonen sind zum Teil sehr schaurig dargestellt, Thomas Wanderung durch eine seltsame neue Dimension scheint schier unglaublich und alles wird mit einer guten Portion Humor erzählt. Besonders Thomas Weltsicht und die vielen schrägen Charaktere sind dabei mehr als einmal Grund zum Schmunzeln.
Die Geschichte wird von Odd Thomas selbst „aufgeschrieben“ und immer wieder gibt es Einschübe aus Gesprächen mit seinem Freunden oder Hinweise auf spätere Teile der Handlung. Das ist abwechslungsreich, wirklich amüsant und gibt dem Buch einen besonderen Sog. Insgesamt ist der Erzählstil sehr atmosphärisch.
Wirklich ans Herz gewachsen ist mir aber besonders Odd Thomas selbst. Dean Koontz hat da einen sympathischen Protagonisten geschaffen, der neben seiner Besonderheit vor allem ehrlich und bodenständig wirkt, ohne langweilig zu sein. Vor allem seine Ziele und Träume machen Odd Thomas so besonders liebenswert und menschlich. Wenn er dann noch über seine Gabe spricht und wie er damit umgeht, muss man ihn einfach mögen.
Ein bisschen musste ich ja unterm Strich an die Bücher von Stephen King denken. Die besondere Mischung aus interessanter Situation, dichter Atmosphäre und sympathischen Charakteren finde ich auch dort immer wieder und fühle mich sofort zu Hause. Es wundert also nicht, dass ich auch „Die Anbetung“ sehr genossen habe und mich gut unterhalten fühlte.
Als einziger kleiner Schwachpunkt bleibt für mich, das Quäntchen Besonderheit, welches gefehlt hat. Aus der Handlung hätte mehr gemacht werden können, es fehlten einige Verbindungen oder Erklärungen, um das eigentliche Geschehen für mich ganz abzurunden. Dadurch entscheide ich mich  unterm Strich für sehr gute 4 von 5 Leseratten.


Das Buch in einem Tweet: Ein unterhaltsamer Genremix aus Spannung, Horror und Humor, der Auftakt in eine interessante Reihe.

Freitag, 18. April 2014

Rezension: Die Seltsamen von Stefan Bachmann

Ein Buchmesse-Fund und must-have für mich war „Die Seltsamen“ von Stefan Bachmann. Durch Susis nette Kontakte zum Diogenes Verlag konnte sie mir gleich auf der Messe ein Exemplar sichern und ich habe es jetzt schon verschlungen.

„Die Seltsamen“ von Stefan Bachmann
Diogenes Verlag
368 Seiten
16,90 € (Hardcover)








„Die Seltsamen“ spielt in einer Welt, die fast so ist wie unsere, aber in entscheidenden Punkten ein wenig anders: in England sind Feenwesen und Sidhé aus ihrer Welt durch ein Portal in unsere gelangt. Das Portal schloss sich und nun sind Menschen und Feen zu einem, mehr oder minder, friedlichen Zusammenleben gezwungen. Mischlinge der Völker, Seltsame genannt, sind von beiden Seiten verachtet und leben daher meist völlig zurückgezogen. Zwei dieser Seltsamen sind Bartholomew Kettle und seine Schwester Hettie. Als Bartholomew eines Tages beobachtet, wie ein Junge aus dem Nachbarhaus, auch ein Seltsamer, entführt wird beginnen unheimliche Geschehnisse in seinem Viertel. Zur selben Zeit wird im Stadtrat Londons das Verschwinden von Mischlingskindern besprochen, der Abgeordnete Mr. Jelliby kommt diesen Vorgängen ungewollt näher, als ihm lieb ist.

Die Handlung von „Die Seltsamen“ ist so phantasievoll und abenteuerlich, dass es sich eigentlich wie ein Märchen liest. Allein die Erklärungen zu den Zerwürfnissen zwischen Menschen und Feen haben mich richtig auf das Thema eingestimmt und wirkten insgesamt sehr „echt“ und glaubhaft. Die daraus entstandene Gesellschaft wurde im gesamten Buch toll dargestellt und atmosphärisch beschrieben. Von den Feenslums in Bath bis zum Parlament in London, in dem Feen und Menschen (gezwungenermaßen) zusammenarbeiten müssen, war alles sehr stimmig. Das Setting der Geschichte ist perfekt gewählt und hat die Geschichte absolut mit getragen: das viktorianische London, alles erweitert um eine Menge besondere Technik und die Magie, hatte richtig Flair. Steampunk ist im Moment generell sehr beliebt und wird in Büchern, Filmen und sogar Games als Kulisse genutzt, bei „Die Seltsamen“ wurde alles aber so detailverliebt und stimmig beschrieben, dass es dennoch neu auf mich wirkte. Das Buch wimmelt nur so von bizarren Ideen rund um die Erfindungen und sozialen Gepflogenheiten dieser Welt.

Schön ist auch, dass die Geschichte nicht linear von einer Seite erzählt wird, vielmehr wechseln sich die Erlebnisse von Bartholomew und Mr. Jelliby ab und als Leser nähert man sich den seltsamen Vorkommnissen so von zwei völlig unterschiedlichen Blickwinkeln. Dass der Junge Barthi und der Abgeordnete Mr. Jelliby bei allen Unterschieden doch auch recht ähnliche Wesenszüge haben, hat mir dabei besonders gefallen.

Ich glaube „Die Seltsamen“ kann jugendlichen Lesern genauso Spaß machen, wie Erwachsenen, wer Lust auf ein gutes, modernes Märchen hat kann damit nichts falsch machen.
Schade finde ich, dass ich jetzt bis zum Herbst auf den Abschluss der Geschichte warten muss. Ich bin kein Freund von Mehrteilern, aber das ist ein ganz persönliches Problem, dem Buch kann ich es nicht zur Last legen. Da es ein Fantasy-Roman ist und ich nichts zu meckern gefunden habe, viel Spaß beim Lesen hatte und viel Gelacht aber mich auch ein ganz kleines bisschen gegruselt habe, hat das Buch eindeutig 5 von 5 Leseratten verdient.

Freitag, 21. Februar 2014

Rezension: Göttlich verdammt von Josephine Angelini

2014 steht unter dem Zeichen der LeseExperimente. Neben Susis Aufgaben habe ich mir aber selbst auch ein paar Sachen vorgenommen, zum Beispiel neue, (mir) unbekannte Verlage entdecken und für mich untypische Genres ausprobieren. Zuerst habe ich mich nun also in einem Genre umgesehen, dass ich lange Zeit links liegen ließ: Fantasy.
Ich habe als Teenie Fantasybücher geradezu verschlungen, vor allem Markus Heitz und Wolfgang Hohlbein mochte ich sehr gern. Die heute so beliebte Romantasy, also romantische Fantasy, hatte ich damals noch nicht auf dem Schirm. Ich glaube, dass es diese Bücher erst seit Twilight in solcher Vielfalt gibt. Als ich mich nun also nach einem neuen, für mich interessanten Fantasy-Probanden umgesehen habe, bin ich auf „Göttlich verdammt“ von Joesphine Angelini gestoßen.

„Göttlich verdammt“ von Josephine Angelini
494 Seiten
19,99 € (Hardcover) oder 9,99 € (Kindle Edition)








Helen ist 16, wunderschön und super intelligent aber nicht sonderlich selbstbewusst. Sie lebt mit ihrem Vater in einem kleinen Örtchen auf Nantucket. Eines Tages zieht die reiche Familie Delos in den Ort, die Söhne und Töchter der Familie sind zwar ebenso schön und begabt wie Helen, wecken bei ihr jedoch erstmal großes Misstrauen und Abneigung, ehe sie die Söhne der Familie näher kennen (und lieben) lernt.
Vielleicht ist es gemein das so zu sagen, aber es kam mir auf den ersten Seiten des Buches so vor als würde ich „Twilight Reloaded“ in den Händen halten. Die Parallelen waren einfach zu krass und zu offensichtlich. Davon habe ich mich aber erstmal nicht beirren lassen. Es sollte in „Göttlich verdammt“ um griechische Mythologie, Götter und Legenden gehen, das sind Themen die ich unheimlich spannend finde und auf die ich mich gefreut habe. Einige dieser Aspekte wurden dann auch wirklich schön eingearbeitet und stimmungsvoll beschrieben, die Schicksalsgöttinnen (Parzen) die Helen verfolgen und ihr schauriges Wehklagen zum Beispiel haben mir wirklich gut gefallen und zur Stimmung beigetragen. Die große Rahmenhandlung konnte mit diesen einzelnen guten Aspekten leider nicht mithalten. Es war alles insgesamt zu vorhersehbar und konstruiert.
Weglegen wollte ich das Buch trotzdem nicht. Die Charaktere waren zum Teil recht interessant, die Anlehnung an die historischen Gestalten und Sagengestalten hat so viel Potenzial geboten. Wären die Charaktere facettenreicher dargestellt worden hätte dies eine wirkliche Stärke des Buches werden können. Leider wurde dieses Potenzial hier schlicht verschenkt.
Etwas befremdlich waren mir außerdem auf Dauer der Erzählstil der Autorin und ihre Angewohnheit, alle Emotionen so völlig überspitzt darzustellen. Es wird nie „gelacht“ immer wird „schallend gelacht“, man ist nie „wütend“ sondern immer „wutentbrannt“… das führt zu manchen skurrilen Situationen, in denen Protagonisten sich erst traurig oder aggressiv zeigen um dann einen Satz später schallend zu lachen. An sich mag ich eine bildreiche Sprache gern und finde atmosphärische Beschreibungen wichtig, um in einem Buch ganz abzutauchen, aber hier war es etwas zu viel des Guten und wirkte dadurch eher holperig und ungeschickt.

Ich kann zwar verstehen, warum das Buch zum Teil so gute Bewertungen bekommen hat, die Thematik ist ungewöhnlich und die Charaktere interessant. Leider hat mich die erzählerische Qualität des Buches nicht überzeugt, die Geschichte war zu vorhersehbar und wenig atmosphärisch.

Insgesamt 2 von 5 Leseratten.


Richtig überzeugen konnte mich dieses Experiment zum Genre Fantasy noch nicht.
Ich habe zwar noch ein anderes Buch im Kopf, welches ich in nächster Zeit probieren werde, möchte aber auch euch kurz fragen:
Welches Fantasybuch lohnt sich wirklich? Welches Buch ist ungewöhnlich, bietet eine gute Story und ist auch noch toll geschrieben? Habt ihr Tipps für mich?