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Donnerstag, 16. Oktober 2014

Der Herbst wird spannend bis tragisch...

Auf Twitter hat die liebe Iris neulich festgestellt, dass Sie eine Jahreszeiten-Leserin ist. Ich konnte mich da spontan anschließen und habe gleich ein bisschen nach passenden Herbstbüchern für mich gestöbert.


Im Herbst soll es für mich spannend sein, gern auch ein bisschen tragisch, nicht zu viel Action. Das regnerische Wetter passt einfach zu gut, zu düsteren und traurigen Geschichten. Für die goldenen Herbststunden darf es dazu noch ein Hauch Romantik und Gefühl sein.

Mein absoluter Favorit im Moment ist "In Zeiten von Liebe und Lüge" von Héléme Grémillon aus dem Hoffmann und Campe Verlag.

Zum Inhalt:
Lisandra ist jung und wunderschön, Lisandra ist eine begnadete Tangotänzerin - und Lisandra ist tot. Hat ihr Ehemann, der Psychiater Vittorio, sie aus dem Fenster gestoßen?
Im August ist es Winter in Buenos Aires, Lügen und Verrat bestimmen das Leben der Menschen um Lisandra und Vittorio. Doch Eva Maria, Patientin von Vittorio und heimlich in ihn verliebt, macht sich auf die Suche nach der Wahrheit.


Das Cover allein schreit für mich schon nach Herbst, aber auch diese Mischung aus einem tragischem Todesfall (Mord?) garniert mit Lügen, Verrat und Eifersucht macht so richtig Lust auf spannende, verregnete Leseabende. Da die Handlung in Buenos Aires im Winter spielt, kann ich mich ganz leicht in die Atmosphäre einer grauen Großstadt hineinversetzen.

Schon angelesen und für gut befunden habe ich "Die Lebenden und die Toten von Winsford" von Hakan Nesser aus dem btb Verlag.

Zum Inhalt:
Exmoor, eines Abends im November. Über dem kleinen Dorf Winsford in der südenglischen Moorlandschaft liegt dichter Nebel. Die mysteriöse Frau, die sich unter dem Namen Maria Anderson mit ihrem Hund im abseits gelegenen Haus auf der Heide niederlässt, bietet Stoff für Spekulationen. Was hat sie hier draußen in der Einöde zu suchen? Was hält ihr Mann von ihrem Aufenthalt an diesem Ende der Welt? Wo ist er überhaupt? Tatsächlich auf Reisen?

Da die Protagonistin Maria eigentlich ständig im Nieselregen spazieren geht, passt das Buch wunderbar zu verregneten Wochenenden. Noch ist die Handlung recht beschaulich und ruhig, ich hoffe aber, dass sich auch in dieser Geschichte noch eine Portion Spannung entwickelt. Mal schauen, ob ich dran bleiben werde...


Da ich mich im Moment auch viel mit Social Media und den Gefahren bzw. Nutzen des Internet beschäftige, reizt mich "Mona" von Dan T. Sehlberg aus dem Kiwi Verlag für den Herbst besonders. Da verspreche ich mir angenehme, psychologische Spannung und interessante Zukunftsentwürfe.

Zum Inhalt:
Eric Söderqvist, Informatikprofessor aus Stockholm, hat »Mind Surf« erfunden – ein gedankengesteuertes System, das die Bedienung von Computern von Grund auf verändern kann. Der Libanese Samir Mustaf ist ein früherer MIT-Professor, dessen Tochter Mona von einer israelischen Splitterbombe getötet wurde. Er hat den komplexesten Computervirus – Mona genannt – entwickelt, den die Welt je gesehen hat. Mit ihm soll ein Cyberangriff auf Israels Finanzsystem unternommen und das Land destabilisiert werden. Eric ist, auch wenn alle ihn für verrückt erklären, davon überzeugt, dass seine Frau, die für eine israelische Bank in Schweden arbeitet, von dem Computervirus infiziert wurde. 


Ganz zufällig bin ich über "Heilige Mörderin" von Keigo Higashino aus dem Klett Cotta Verlag gestoßen. Der Krimi verspricht Spannung trotz ruhiger Atmosphäre, eine mitreißende Story ohne große Gewalt. Solche stillen und doch spannenden Bücher sind für mich genau das richtige, wenn man langsam anfängt sich auf den stillen Winter vorzubereiten, wenn die Natur zur Ruhe kommt.

Zum Inhalt:
Auf den ersten Blick ist ein perfekter Mord geschehen: Der erfolgreiche Unternehmer Mashiba liegt tot in seinem Wohnzimmer. Kurz zuvor hatte er von seiner Frau die Scheidung verlangt. Erneut liefert Physik-Professor Yukawa mit Inspektor Kusanagi ein Kabinettstück an Kombination, um die Schuldige zu überführen.

Japanische Autoren interessieren mich übrigens generell. Nicht nur Haruki Murakami konnte mich schon überzeugen, auch Yoko Ogawa hat mich schon begeistert. Die ruhige und detaillierte Sprache dieser Autoren fasziniert mich ungemein.


Die angesprochene Ladung Gefühl und Tragik verspricht "Das Haus am Himmelsrand" von Bettina Storks aus dem Berlin Verlag. Ich habe in das Buch schon reingelesen und der angenehme Schreibstil verspricht entspannende Lesestunden.

Zum Inhalt:
Eigentlich ist Elisabeth „Lizzy“ Tanner eine glückliche Frau: Ihre reizende Tochter Thea macht ihr viel Freude, ihr Partner Tom ist zuverlässig und liebevoll, Geldsorgen kennt sie nicht – und wenn es mal knapp wird, springt Lizzys Großvater ein, der Patriarch einer Freiburger Uhrendynastie. Doch die Sorglosigkeit zerbröckelt, als der Großvater stirbt. Nicht nur, dass er den »Rosshimmel«, das Anwesen der Familie in den Vogesen, zwei gänzlich Fremden vermacht, zudem hat er noch einen schwerwiegenden letzten Wunsch an Lizzy: Finde die Wahrheit heraus! Sorge für Gerechtigkeit! 


So ein ganz normaler, ganz einfach packender Thriller muss zwischen aller Spannung und allem Gefühl eigentlich auch wieder sein. Hier bin ich etwas ratlos. Vermutlich ist das Angebot schon wieder zu groß, um einen echten Favoriten zu finden.

Habt ihr vielleicht noch Tipps für tolle Thriller in diesem Herbst?

Mittwoch, 24. September 2014

Rezension: Der Fall von Gert Heidenreich

In „Der Fall“ von Gert Heidenreich habe ich mich gleich in der Verlagsvorschau verliebt. Ein Kriminalroman mit einer ungewöhnlichen Idee und malerischer Kulisse, tolle Grundzutaten für ein ungewöhnliches Leseerlebnis. Dank der freundlichen Unterstützung des Klett-Cotta Verlags hatte ich die Möglichkeit dieses Buch vorab zu lesen und bin immer noch ein bisschen hin und her gerissen. Heute erscheint dieser besondere Krimi und ich möchte meine Eindrücke gerne mit euch teilen.

„Der Fall“ von Gert Heidenreich
320 Seiten
19,95 € (Hardcover)









Eigentlich möchte Swoboda (mal wieder) die Klippen von Les Petits Dalles in wunderschöner Morgensonne zeichnen. Er ist gerade auf dem Weg zu seinem angestammten Platz, als er oben auf den Klippen einen Mord beobachtet. Schneller als geahnt, kommt der unfreiwillige Zeuge ins Visier des Mörders und wird tödlich getroffen. Das verhagelt Swoboda ganz schön den Tag, hält ihn aber nicht davon ab diesen letzten Kriminalfall seines Lebens… beziehungsweise Todes… zu ergründen.

Die Idee, dass der pensionierte Kriminaler Swoboda in seinem eigenen Mordfall ermittelt, hat mich von Anfang an begeistert. In meiner Vorstellung bot das Stoff für skurril-witzige Episoden oder spannende „Erlebnisse“ des frisch Verblichenen. Die eigentliche Umsetzung der Abschnitte unseres jenseitigen Protagonisten war dann völlig unerwartet sehr künstlerisch und philosophisch, manchmal aber leider auch schleppend und etwas ziellos.
Irgendwie gibt es für mich bei „Der Fall“ eine ganze Menge für und wider. Die Idee hat mich wie gesagt schon vor der ersten Seite überzeugt und mir auch während des Lesens gut gefallen. Die Themen waren dabei noch deutlich abwechslungsreicher als zuerst vermutet. Neben Kunst und Kultur lernen wir auch noch eine ganze Menge über Steuerbetrug, Schwarzgeld und Finanzhaie. Zusätzlich hat die Geschichte tolle Charaktere, wie den toten Swoboda und den raffgierigen Buchhalter Rakowski, zu bieten. Soweit wäre die Sache eigentlich ziemlich klar und „Der Fall“ ohne Bedenken zu empfehlen. Leider hängt da noch ein kleines „aber“ in der Luft.
Da wäre allem voran der Schreibstil des Buches zu nennen. Eigentlich bin ich bekannt dafür, dass ich es etwas komplizierter und schnörkeliger mag. Meine eigenen Sätze haben Bandwurmpotential und ich mag es auch mal schwafelig.
Der Stil von „Der Fall“ hat mir aber echte Probleme bereitet. Die Sätze sind lang und schachtelig, das bringt manchmal einen sehr feinen Humor, hat mich aber auch manchmal einfach überfrachtet. Denn jeder Satz scheint mit einer unübersichtlichen Menge an Informationen angereichert, sodass ich zum Teil den Überblick verloren habe. Da kommen Namen von Landstrichen, Straßen, Personen, Speisen und Weinen, der Hintergrundmusik und des Künstlers vom Stillleben an der Wand wild in jeden sich bietenden Winkel des Satzes. Wer sich in französischer Geographie besser auskennt und Speisen und Getränke besser einzuordnen weiß, wird das vermutlich flott überlesen, ich war zum Teil einfach irritiert. Der zweite Teil des kleinen „abers“ ist die Spannung, die durch diesen etwas sperrigen Schreibstil leider nicht so recht aufkommt. Die spannenden Abschnitte werden durch viele gestelzte Zwischenstücke immer wieder ausgebremst, manchmal passt das atmosphärisch, manchmal ist es einfach ein bisschen ungünstig.

Unterm Strich ist „Der Fall“ mit 3 von 5 Leseratten für mich ein klares Unentschieden. Tolle Aspekte werden von größeren Kritikpunkten zwar gebremst, haben mir aber die Lesefreude nicht völlig verhagelt. Ich glaube das Buch könnte Lesern von anspruchsvollen Krimis immer noch gut gefallen, wenn man sich auf die besondere Sprache und Atmosphäre einlässt und dann die Qualitäten des Buches besser genießen kann.


Das Buch heute in einem Bild, statt einem Tweet:

Dienstag, 23. September 2014

Rezension: Das Lied des Blutes von Anthony Ryan (Rabenschatten 1)

Mein letzter Ausflug ins Genre Fantasy war eher mäßig erfolgreich. Aber natürlich ist Fantasy nicht gleich Fantasy und ich habe mit dem letzten Buch einfach nicht das Passende für mich gewählt, anspruchslos und kitschig ist ganz genreunabhängig nicht mein Fall. Da ich aber zum Beispiel Bücher wie Ted Williams „Die dunklen Gassen des Himmels“ sehr mochte, war mir klar: irgendwann kommt wieder das richtige Thema für mich vorbei.
Als mir dann der Klett-Cotta Verlag die Neuerscheinung „Das Lied des Blutes“ anbot, habe ich kurzerhand das Experiment gewagt und mich mal in ein ganz neues Fantasy-Eck begeben.

„Das Lied des Blutes“ von Anthony Ryan
Rabenschatten 1
775 Seiten
ISBN: 978-3-608-93925-5
24,95 € (Hardcover) oder (19,99 € bizepsschonende Kindle Edition)




Vaelin Al Sorna, der Hoffnungstöter, ist auf dem Weg zu einem letzten Kampf. Der einst größte Kämpfer des Reiches muss ein Duell bestreiten, das über sein Überleben entscheidet. Zwar wurde er ob seiner Kriegsvergehen begnadigt, doch soll er nun die Schuld seines Vaters sühnen. Auf dem Weg zu diesem Duell erzählt Vaelin Al Sorna dem jungen Geschichtenschreiber Lord Vernier seine Lebensgeschichte. So erfahren wir, wie aus dem Jungen Vaelin ein Bruder des sechsten Ordens wurde. Wie er kämpfte und tötete, mal Retter und mal Mörder war und zu seinen unzähligen Namen kam: „›Schwert des Königs‹ hieß er für den wahnsinnigen Herrscher, der ihn als Geißel zu uns sandte; ›Junger Falke‹ für die Männer, die ihm in die Wirrnisse des Krieges folgten; ›Dunkelklinge‹ für seine cumbraelischen Feinde und ›Rabenschatten‹ für die geheimnisvollen Stämme des großen Nordwaldes.“

Für mich als Fantasy-Neuling war der Einstieg in das Buch wunderbar einfach, da sich die Geschichte wie ein klassischer Abenteuerroman entwickelt. Der erfahrene und erschöpfte Krieger erzählt dem unbedarften Geschichtenschreiber von seinem Leben. Und da diese Erzählungen in der Kindheit Vaelins beginnen, konnte auch ich als Leser langsam in diese Welt und ihre Sitten abtauchen. Vaelin wird als Junge von seinem Vater dem sechsten Orden übergeben und soll dort zum Krieger ausgebildet werden. Die Passagen im Ordenshaus, mit den vielen Trainingsstunden in Schwertkampf und Bogenschießen, aber auch mit der toll beschriebenen Gemeinschaft der Jungen, haben mich ein wenig an Harry Potter erinnert. Natürlich liegt thematisch alles ganz anders, aber auch hier beobachtet man die Entwicklung der Charaktere und ihre Freundschaften von Kindesbeinen an und beginnt recht schnell sie ins Herz zu schließen. Gerade der Charakter Vaelins ist dabei so sympathisch und irgendwie tatsächlich heldenhaft, dass man ihm gern weiter folgen möchte. Wie dies dazu passt, dass er sich in den späteren Entwicklungen dann Namen wie „Hoffnungstöter“ verdient, war mir anfangs ein Rätsel. Aber auch dieses Rätsel löst sich recht schnell.
Denn die zu Beginn nur spannende und interessante Abenteuergeschichte entwickelt sich zunehmend zu einem recht brutalen Epos und auch die kriegerischen Elemente und Intrigen nehmen immer mehr zu. Diese Abschnitte waren es dann leider auch, die meine anfängliche Begeisterung dämpften. Zwar ist es noch interessant zu verfolgen wie Vaelin vom sanftmütigen Jungen immer mehr zum Krieger wird, aber die Schlachten und das Intrigenspiel, was sich daran anschließt, war für mich nicht mehr so fesselnd. Mich persönlich begeistern diese Kriege und Verwicklungen weit weniger, als die kleinen persönlichen Abenteuer der Helden eines Buches. Der anfängliche Lesesog wurde also zwischendurch ziemlich gebremst.
Vielleicht hätte ich irgendwann das Buch auch ganz zur Seite gelegt, hätte dann nicht langsam der mystische Teil der Handlung eingesetzt. Was das titelgebende „Lied des Blutes“ ist oder warum Vaelin der Rabenschatten genannt wird, möchte ich natürlich nun nicht verraten, diese Abschnitte haben mir aber wieder sehr viel Spaß gemacht.
Der Autor schafft es ganz wunderbar eine eigene Welt voll mit Mythen und Legenden, Geheimnissen und Geschichten zu kreieren, die am Ende toll verwoben ein großes Ganzes ergeben. Dem kommt die besondere Erzählweise des Buches zu Gute. Die vielen Rückblenden in Vaelins Leben werden durch kurze Einschübe über die Geschichte der Königslande oder Sagen des Nordlandes aufgelockert. Dabei ist kein Teil nur bloßes Beiwerk, alle Abschnitte haben später auf die eine oder andere Weise Einfluss auf die Haupthandlung.

Insgesamt hat mich das Buch überzeugt. Dass es mich als doch sehr skeptischen Fantasy-Leser so lange fesseln konnte, will schon viel heißen. Der Erzählstil war derart flüssig aber auch authentisch „mittelalterlich“, dass das ganze Buch eine wunderbare Atmosphäre versprüht hat. Die Beschreibungen waren durchgehend detailliert genug, um ein gutes Bild von Vaelins Welt zu vermitteln, aber Gott sei Dank nicht zu ausladend. Wären die kriegerischen Abschnitte nicht so umfangreich und für mich leider doch ziemlich ermüdend gewesen, hätte es das Zeug zu „richtig guter Fantasy“ gehabt. Durch diese doch recht langwierigen und für mich wenig spannenden Abschnitte, wurde die Begeisterung etwas gedämpft. Trotzdem ist es immer noch „ziemlich gute Fantasy“ und bekommt 4 von 5 Fantasy-Leseratten.


P.S. Ganz normal und nüchtern betrachtet, hätte es eine Ratte weniger sein können. Da es aber ungewöhnlich ist, dass mich ein Buch dieses Genres überhaupt so sehr mitreißt, gibt es eine Bonusratte. Durch „Das Lied des Blutes“ hatte ich seit langem mal wieder richtig Spaß an diesem Genre.

Das Buch in einem Tweet:

Samstag, 23. August 2014

Rezension: Die Bienen von Laline Paull

Endlich! Heute ist der Erscheinungstag von „Die Bienen“ von Laline Paull und ich darf euch endlich mehr darüber erzählen. Auf Twitter habe ich schon den ein oder anderen Eindruck, Zitat und Bild gezeigt, aber erst heute kommt die Rezension zu diesem schönen Buch.

„Die Bienen“ von Laline Paull
364 Seiten
19,95 € (wunder-, wunderschönes Hardcover)
ISBN 978-3-608-50147-6







Die letzte wirklich berühmte Biene war wohl Maja aus den Büchern von Waldemar Bonsels. In Laline Paulls Roman „Die Bienen“ lernen wir nun eine weitere, mindestens ebenso sympathische, Biene kennen: Flora 717.
Flora ist eine einfache Arbeiterin aber etwas zu groß, zu struppig und vor allem zu Vorlaut für ihren Rang. Dadurch fällt sie auf im Bienenstock. Sie findet Freunde und Unterstützer, eckt aber ebenso oft auch an. Zu allem Überfluss verspürt Flora im Verlauf eines turbulenten Jahres auch noch den Drang Eier zu legen, ein Privileg, dass eigentlich der Königin vorbehalten ist.
„Die Bienen“ war eine wirkliche Leseüberraschung für mich. Das Buch passt schwer in ein Genre, hat aber sehr viel zu bieten. Es ist ein bisschen Fabel und ein bisschen Abenteuerroman. Die Handlung wird spannend erzählt und ist gewürzt mit einer Prise Humor, auch wenn es manchmal eher langsame, fast zu ruhige Abschnitte gibt. Getragen wird alles von einem wunderschönen, poetischen und absolut ungewöhnlichen Schreibstil. Wo andere Autoren mit detaillierten Bildern arbeiten, zeichnet Laline Paull das Bild des Bienenstocks mit Gerüchen, Gefühlen und Farben. Das mag am Anfang ungewohnt sein und ich habe mich gefragt, wie wohl Misstrauen riecht, aber genau das ist es, was am Ende die Faszination des Buches ausmacht. Man taucht völlig ab in diese kleine Welt, die wir sonst wohl eher ignorieren.
Ob man „Die Bienen“ als Metapher über Individualismus und Mut liest oder einfach den tollen Abenteuerroman genießen möchte, ist eigentlich egal. Das Buch weiß zu begeistern und ist ganz „anders“ als viele andere Bücher in diesem Lesesommer.
„Die Bienen“ ist das perfekte Buch, um im Freien zu lesen, den Sonnenschein zu genießen und Bienen zu beobachten. Mir hat es durchgehend gute Laune gezaubert.

Wegen einigen Passagen, in denen die Handlung nicht so ganz voran kam, vergebe ich „nur“ 4 von 5 Leseratten, trotzdem ist es eine echte Leseempfehlung!
 

Das Buch in einem Tweet: "Die Bienen" ist ein wunderschönes poetisches Buch über eine mutige Biene. Ganz anders als viele andere Bücher. Nicht perfekt, aber wertvoll!

Mittwoch, 28. Mai 2014

Ein Blick in die Verlagsvorschau von... Klett-Cotta / Tropen

Klett-Cotta steht für mich für eine besondere Qualität der verlegten Bücher. Es werden tolle Autoren und ungewöhnliche Themen präsentiert, die mir jedes Mal das Herz aufgehen lassen. Eine Reihe meiner liebsten Bücher ist in diesem Verlag erschienen und ich stöbere immer wieder gern durch das Programm von Klett-Cotta.

Heute stelle ich euch meine drei absoluten Favoriten aus der Vorschau von Klett-Cotta und dem Tropen Verlag vor.

"Die Bienen" von Laline Paull
Erscheint am 23.08.2014

Ihr Name ist Flora. Ihre Nummer 717. Sie ist ziemlich groß. Ihr Pelz ist struppig. Andere finden sie hässlich. Doch sie ist klug und mutig. Und sie kann sprechen! Flora 717 ist eine Biene. Laline Paull erzählt das ergreifende Abenteuer dieser außergewöhnlichen Biene in einer anderen und doch zutiefst vertrauten Welt.

Als ich für diesen Beitrag die Verlagsvorschau des Tropen Verlags durchging und auf "Die Bienen" stieß, war ich spontan verliebt. Irgendwie klingt diese Geschichte nach einer modernen Fabel und einem Abenteuermärchen, nach besonderer Belletristik und einem tollen, sommerlichen Buch. 
Als ich das Buch dann noch, nach einem super netten Kontakt mit dem Klett Cotta Verlag, in meinem Briefkasten fand, war das Glück perfekt! Ich freue mich schon auf schöne Lesestunden auf meinem Balkon, in der Nähe meines "Hummelbuffets" mit einem emsigen Summen im Ohr.


"Der Fall" von Gert Heidenreich
Erscheint am 23.09.2014

Der pensionierte Kriminalkommissar Alexander Swoboda will die Steilküste der Normandie malen. Da stürzt vor ihm ein Mensch von den 40 Meter hohen Klippen. Als Expolizist müsste er zu dem Toten gehen. Als Maler wendet er sich ab. Doch dann wird er selbst erschossen. Seine Pflicht endet damit nicht. Bloß – wie soll er aus dem Jenseits einen Mord aufklären?

Normale Krimis und Thriller reizen mich im Moment nur wenig. Umso gespannter bin ich auf ausgefallene Vertreter dieses Genres und "Der Fall" klingt für mich besonders vielversprechend.


"Unterm Lagerfeuer" von Nickolas Butler
Erscheint am 22.11.2014

Mal herzerweichend, mal urkomisch zeichnet Nickolas Butler in seinen Stories ein Bild von den Menschen des Mittleren Westens. Dort, wo die Amerikaner nicht amerikanischer sein könnten, passieren Geschichten, deren Abgründigkeit und Skurrilität jeden Leser fesseln werden.

Die Rezension zu Nickolas Butlers erstem Buch "Shotgun Lovesongs" war mein erster Beitrag für diesen Blog. Es war einfach ein Buch von dem ich unbedingt jedem erzählen musste. Jetzt freue ich mich auf das zweite Buch dieses tollen Autors und hoffe wieder auf interessante Charaktere und facettenreiche Geschichten.

Sonntag, 18. Mai 2014

Rezension: Glückliche Ehe von Rafael Yglesias

„In guten, wie in schweren Tagen“ füreinander einzustehen, auch das bedeutet Ehe. So schön, wie die guten strahlenden Tage sind, so schlimm können auch die schweren Tage sein. Doch sie gemeinsam durchzustehen gibt Kraft. Zum Abschluss unserer Ehe-Woche also nochmal ein zwar sehr trauriges, aber auch sehr kraftvolles und romantisches Buch, bei aller Härte.

„Glückliche Ehe“ von Rafael Yglesias
426 Seiten
22,95 € (Hardcover)
ISBN 978-3-608-93707-7









Margaret und Enrique sind seit knapp dreißig Jahren verheiratet, als Margaret den Kampf gegen den Krebs verliert, an dem sie vor zwei Jahren erkrankte. In wechselnden Kapiteln erzählt das Buch die Geschichte vom Beginn und dem Ende einer Ehe.
Die Geschichten vom Anfang der Ehe berichten vom ersten Treffen, über die ersten Dates und das Auf und Ab der jungen Beziehung. Die Kapitel des Endes der Ehe erzählen eine Geschichte von einem schweren Abschied nach einem Leben, dass man Großteils gemeinsam verbracht hat, von Aufopferung und Liebe am Ende einer glücklichen Ehe.

„Selbst im Sterben, tröstete er sich, gab sie ihm etwas Kostbares: die Zeit, sich anständig voneinander zu verabschieden.“ (S. 73)

Diese Wechsel haben mich beim Lesen sehr mitgenommen. Der Beginn der Ehe so romantisch und zart, dass ich kaum damit aufhören konnte zu Lesen, steht im harten Kontrast zu den Kapiteln über das Ende der Ehe. Margarets Krankheit hat mich mitten ins Herz getroffen und obwohl ich manchmal Pausen einlegen musste, weil ich nicht lesen wollte wie es ihr Seite für Seite immer schlechter geht, steckt auch in diesen Kapiteln eine Menge Trost und Kraft. Wie Enrique seinem eigenen Schmerz zum Trotz liebevoll für seine Frau sorgt, war auf seine Art wunderschön.

„Vielleicht hatten sie ja nicht begriffen, dass sie für ihn schon lange an erster Stelle gestanden hatte, dass sie die Heimat seines Herzens und der Anker seines Denkens war und dass der Kampf darum, sie am Leben zu erhalten, unerlässlich für die Erhaltung seiner eigenen Seele war.“ (S. 138)

Cover und Titel von „Glückliche Ehe“ wirken locker, leicht und sprechen von Glück und Zufriedenheit. Doch auch in einem an sich glücklichen Leben gibt es natürlich Schatten und manchmal auch Leid. So gibt es auch in der Geschichte von „Glückliche Ehe“ Probleme und Streits. Margaret und Enrique waren in einiger Hinsicht ein perfektes Paar und dennoch gab es auch eine Menge Reibungspunkte in ihrem Leben. Diese waren für mich beim Lesen nicht immer leicht hinzunehmen, doch im Verlauf der Handlung wird einem immer deutlicher bewusst, dass der Titel „Glückliche Ehe“ dennoch sehr ehrlich ist. Das Überwinden von Problemen macht eine Beziehung doch um einiges stärker.

„In den neunundzwanzig Jahren seit seinem ersten desaströsen Geschenk war so viel passiert. Waren so viele Illusionen zerplatzt. Hatten sie beide sich als so stark erwiesen. Sie hatte die grausamsten Dinge zu ihm gesagt, die man ihm nur hätte sagen können, und er war zu ihr mehr als einmal noch grausamer gewesen. Sie hatten sich Liebe geschworen, hatten Hass ausgehalten. Als Kinder hatten sie Kinder hervorgebracht, von denen jetzt eins schon ein Mann war und das andere nur zu schnell einer wurde.“ (S. 192)

Glückliche Ehe hat mich ursprünglich wegen seines Titels angezogen. Ich hatte mir eine perfekte Geschichte über eine perfekte Beziehung gewünscht, gewürzt vielleicht mit einem Hauch Melancholie. Bekommen habe ich viel mehr: ich weine so gut wie nie, bei „Glückliche Ehe“ konnte ich es nicht verhindern, die Geschichte hat mich zu sehr mitgenommen. Ich habe geweint vor Glück bei den Liebeserklärungen im Buch und geweint vor Trauer um Margaret.
Zusätzlich hat mich der wunderschöne Schreibstil ständig dazu gebracht, einzelne Passagen mehrmals lesen zu wollen und mich in der Sprache des Buches zu verlieren.

Diese erzählerischen und sprachlichen Qualitäten, zusammen mit einer für jede Beziehung wertvollen Botschaft machen für mich die Bedeutung dieses Buches aus. Ich vergebe 5 von 5 Leseratten für „Glückliche Ehe“.

„Dabei hatte er die meiste Zeit seines Lebens damit verbracht, an die Zukunft zu denken: Die Vergangenheit hatte er immer hinter sich lassen, die Gegenwart möglichst schnell besser gestalten wollen.“ (S. 143)

Freitag, 27. September 2013

Rezension: Shotgun Lovesongs von Nickolas Butler

Weil die Stadt heute in wunderbarer Herbstsonne gestrahlt hat und es so fast nocheinmal nach Sommer ausgesehen hat möchte ich euch heute nachträglich eines meiner Sommerhighlights 2013 vorstellen.

"Shotgun Lovesongs" von Nickolas Butler
Klett-Cotta Verlag
424 Seiten
19,95 € (Hardcover)

Website zum Buch








In „Shotgun Lovesongs“ von Nickolas Butler geht es um Liebe, große und kleine Katastrophen aber vor allem um Freundschaft. Eine Freundschaft zwischen vier Männern, die trotz aller Widrigkeiten schon ein Leben lang hält.
Henry, Lee, Kip und Ronny sind gemeinsam in Little Wing aufgewachsen, einer Kleinstadt im Norden der USA. Sie haben dieselbe Schule besucht und sind als Teenager in dieselben Bars gegangen. Viele Jahre sind seitdem vergangen und das Leben der Freunde hat sich in völlig unterschiedliche Richtungen entwickelt. Während Lee als Musiker berühmt geworden ist und Kip an der Börse ein Vermögen gemacht hat, sind Henry und Ronny nie aus Little Wing herausgekommen. Ronny stand kurz davor, eine Karriere als Rodeoreiter zu machen, verunfallte dann jedoch schwer und konnte seinen Traum nie verwirklichen. Henry hat die Farm seines Vaters übernommen und versucht damit über die Runden zu kommen.
Es ist interessant zu lesen, wie die Freundschaft der Vier trotz aller Unterschiede dann doch weiter besteht und die Freunde füreinander einstehen.
Die Geschichte ist geprägt von den kleinen und großen zwischenmenschlichen Problemen der Freunde. Sie erzählt von Hochzeiten, Streitereien oder sogar Trennungen und kleinen Unfällen. Über allem steht dabei aber die Suche nach einer Heimat, einem Ziel oder Traum.
Mich hat die Geschichte völlig in ihren Bann gezogen, denn obwohl die Handlung manchmal eher gemütlich dahin treibt, wollte ich immer wissen, wie es mit den Freunden weiter geht. Das Buch zu lesen fühlt sich an, als würde man alle Charaktere persönlich kennen lernen, sodass sie mir im Laufe der Geschichte sehr ans Herz gewachsen sind. Toll gepasst hat dazu auch die Erzählweise des Romans: jedes Kapitel wird wechselnd aus der Perspektive einer anderen Person erzählt. So kann man manche Handlungen eines Charakters, die von außen betrachtet vielleicht gefühllos wirken, aus seiner Sicht plötzlich verstehen. Eben wie es im echten Leben auch oft ist.
Das Buch bildet für mich durch das tolle Cover, einen schönen Schriftsatz und die begleitende Homepage (die sogar einen passenden, wunderschönen Soundtrack liefert) ein wirkliches Gesamtkunstwerk.
Insgesamt möchte ich dieses Buch daher allen ans Herz legen, die gern in der Sonne liegen, in einer Kleinstadt leben, gern mal ein Bier trinken gehen, ihre Freunde lieben … einfach allen, die ein Buch „fürs Herz“ lesen möchten und Bücher dabei nicht nur konsumieren sondern genießen.

Als eines meiner Sommerhighlights verdient "Shotgun Lovesongs" 5 von 5 Leseratten und wird von mir bestimmt im nächsten Sommer nochmal zur Hand genommen.



Vielen Dank an den Klett-Cotta Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplars!