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Montag, 15. September 2014

Montagsfrage #34 von Libromanie


Susi weilt weiterhin im Urlaub (ich hoffe sie verläuft sich nicht im asiatischen Urwald) und so beantworte ich noch eine Montagsfrage von Libromanie ganz allein. Es trifft sich aber gut, dass ich diese Frage ohne Probleme für uns beide beantworten kann ;-).

"Besuchst du Besucht ihr nächsten Monat die Frankfurter Buchmesse?"

Ja, wir werden vermutlich vor Ort sein! Geplant ist es und wenn nicht irgend eine Krankheit oder die Arbeit dazwischen kommt, sind wir auf der Messe unterwegs. 
Noch besser? Wir werden das erste Mal die Messe zu den Pressetagen besuchen und durch die nicht so überfüllten Hallen spazieren können.

Im letzten Jahr war ich am Samstag auf der Messe und hatte schon nach kurzer Zeit die Nase voll von den Menschenmassen. Das wollte ich mir dieses Jahr nicht antun und so hatten wir wirklich Glück mit den Pressekarten. Sonst hätte ich die Messe diesmal ganz ausfallen lassen.

Insgesamt ist es für uns Frankfurter aber natürlich auch alles etwas einfacher, da wir uns nicht um Unterkunft oder Fahrt kümmern müssen. So ist die Messe für uns weniger ein geplanter Event, als eher ein spontaner Ausflug. Da die Zeit im Moment aber auch so schon enorm stressig ist, bin ich sehr froh darüber (hoffentlich) einfach einen netten Tag auf der Messe zu haben ohne ein großes Programm planen zu müssen.


Wie sieht's mit euch aus, kommt ihr zur Messe?

Freitag, 18. April 2014

Rezension: Die Seltsamen von Stefan Bachmann

Ein Buchmesse-Fund und must-have für mich war „Die Seltsamen“ von Stefan Bachmann. Durch Susis nette Kontakte zum Diogenes Verlag konnte sie mir gleich auf der Messe ein Exemplar sichern und ich habe es jetzt schon verschlungen.

„Die Seltsamen“ von Stefan Bachmann
Diogenes Verlag
368 Seiten
16,90 € (Hardcover)








„Die Seltsamen“ spielt in einer Welt, die fast so ist wie unsere, aber in entscheidenden Punkten ein wenig anders: in England sind Feenwesen und Sidhé aus ihrer Welt durch ein Portal in unsere gelangt. Das Portal schloss sich und nun sind Menschen und Feen zu einem, mehr oder minder, friedlichen Zusammenleben gezwungen. Mischlinge der Völker, Seltsame genannt, sind von beiden Seiten verachtet und leben daher meist völlig zurückgezogen. Zwei dieser Seltsamen sind Bartholomew Kettle und seine Schwester Hettie. Als Bartholomew eines Tages beobachtet, wie ein Junge aus dem Nachbarhaus, auch ein Seltsamer, entführt wird beginnen unheimliche Geschehnisse in seinem Viertel. Zur selben Zeit wird im Stadtrat Londons das Verschwinden von Mischlingskindern besprochen, der Abgeordnete Mr. Jelliby kommt diesen Vorgängen ungewollt näher, als ihm lieb ist.

Die Handlung von „Die Seltsamen“ ist so phantasievoll und abenteuerlich, dass es sich eigentlich wie ein Märchen liest. Allein die Erklärungen zu den Zerwürfnissen zwischen Menschen und Feen haben mich richtig auf das Thema eingestimmt und wirkten insgesamt sehr „echt“ und glaubhaft. Die daraus entstandene Gesellschaft wurde im gesamten Buch toll dargestellt und atmosphärisch beschrieben. Von den Feenslums in Bath bis zum Parlament in London, in dem Feen und Menschen (gezwungenermaßen) zusammenarbeiten müssen, war alles sehr stimmig. Das Setting der Geschichte ist perfekt gewählt und hat die Geschichte absolut mit getragen: das viktorianische London, alles erweitert um eine Menge besondere Technik und die Magie, hatte richtig Flair. Steampunk ist im Moment generell sehr beliebt und wird in Büchern, Filmen und sogar Games als Kulisse genutzt, bei „Die Seltsamen“ wurde alles aber so detailverliebt und stimmig beschrieben, dass es dennoch neu auf mich wirkte. Das Buch wimmelt nur so von bizarren Ideen rund um die Erfindungen und sozialen Gepflogenheiten dieser Welt.

Schön ist auch, dass die Geschichte nicht linear von einer Seite erzählt wird, vielmehr wechseln sich die Erlebnisse von Bartholomew und Mr. Jelliby ab und als Leser nähert man sich den seltsamen Vorkommnissen so von zwei völlig unterschiedlichen Blickwinkeln. Dass der Junge Barthi und der Abgeordnete Mr. Jelliby bei allen Unterschieden doch auch recht ähnliche Wesenszüge haben, hat mir dabei besonders gefallen.

Ich glaube „Die Seltsamen“ kann jugendlichen Lesern genauso Spaß machen, wie Erwachsenen, wer Lust auf ein gutes, modernes Märchen hat kann damit nichts falsch machen.
Schade finde ich, dass ich jetzt bis zum Herbst auf den Abschluss der Geschichte warten muss. Ich bin kein Freund von Mehrteilern, aber das ist ein ganz persönliches Problem, dem Buch kann ich es nicht zur Last legen. Da es ein Fantasy-Roman ist und ich nichts zu meckern gefunden habe, viel Spaß beim Lesen hatte und viel Gelacht aber mich auch ein ganz kleines bisschen gegruselt habe, hat das Buch eindeutig 5 von 5 Leseratten verdient.

Sonntag, 16. März 2014

Leipziger Buchmesse 2014: Tag 3

Tag 3 das war der Tag des Bloggertreffens von lovelybooks und Bastei Lübbe und der Neuzugänge. Nach drei Tagen um Bücher schleichen, über Bücher reden und von ihnen hören, hätte ich doch niemals ohne ein paar neue Bücher nach Hause gehen können.

Beim Bloggertreffen stellten zunächst die beiden Autorinnen des folgenden Buches es höchstpersönlich  vor. Es fand sich auch anschließend in unserem kleinen Geschenkbeutel wieder:


"Törtchenzeit" von Jessi Hesseler und Sonja Kraus, Bastei Lübbe

14,99 € (Gebundene Ausgabe)

153 Seiten

Jessi bloggt schon seit einiger Zeit in ihrem Blog "Törtchenzeit". Jeden Samstag wird gebacken und jeden Sonntag darüber gebloggt. Sonja Kraus kennt sie von der Arbeit und ist mit ihr auch schon mehrere Jahre befreundet. Sonja musste sowohl sie als auch den Verlag einige Zeit bearbeiten, damit es zu diesem Buch kommt, aber jetzt ist es geschafft. Die Kooperation bestand vor allem darin, dass Jessi die Rezepte und das Know How stellte, während Sonja quasi darüber entschied, welches Rezept in das Buch sollte: Solange sie es schaffte, es alleine nachzubacken, war es nicht zu schwierig.

Anschließend gab es noch eine Podiumsdiskussion mit einer Vertreterin von Bastei Lübbe, dem Fantasyautor Kai Meyer, zwei Bloggern (Christian und Karin) und einer Vertreterin von Iron Buchblogger. Es ging vor allem um die Chance der Vernetzung untereinander und den zusätzlichen Nutzen von social media.

Neben dem süßen Buch von oben sponserte auch lovely books einige Neuzugänge für den Rattenbau. Noch habe ich mich mit Alex nicht um die Ausbeute geprügelt, aber hier schon mal kurz die Titel:


"Die Illusion des Getrenntseins" von Simon van Booy, Insel Verlag

18,95 € (Gebundene Ausgabe)

205 Seiten

Aus dem Klappentext: "Eine kleine Bäckerei in Paris, mitten in den Wirren des Zweiten Weltkrieges. Ein Soldat, dem in einem Akt der Güte das Leben geschenkt wird und der damit das Richtige tut. Eine mutige junge Frau, die offene Arme hat für ein Neugeborenes ohne Namen. Und ein Autor, der die Geschichte dieser Menschen in einer wunderbar zarten, eleganten Prosa erzählt - und dabei die unglaubliche Wucht menschlichen Schicksals entfaltet."




"Ein schädlicher Einfluss" von Kate Bordstein, Eden Books

14,95 € (Broschiert)

352 Seiten

Aus dem Klappentext: "Scientologe, Ehemann und Vater, Transe, Seemann, SM-Sklavin, Theaterautorin, Lesbe und Gender-Outlaw sind nur einige der Begriffe, die Kate Bordsteins außergewöhnliches Leben kennzeichnen. (…) Bornsteins bisher persönlichstes Buch erzählt mit viel Weisheit, beißendem Witz und entwaffnender Ehrlichkeit die Geschichte des netten jüdischen Jungen aus New Jersey, der zum hochrangigen Scientology-Mitglied in der Sea Org aufsteigt und eine Familie gründet, um dann in den 1990er-Jahren als Transsexuelle eine schillernde Persönlichkeit der Lesbenszene in Seattle zu werden."

Bitte verratet es Alex nicht, aber am liebsten hätte ich beide gerne! Die anderen zwei Geschenke "Die Seltsamen" von Stefan Bachmann und "Das Mädchen mit dem Haifischherz" von Jenny Fagan stehen schon in unseren Regalen, aber wir haben uns natürlich trotzdem sehr gefreut.

Aber damit war der Tag noch nicht zu Ende!

Anschließend bin ich noch zu einer Lesung gegangen und habe meinen Favoriten der Leipziger Buchmesse 2014 gefunden, gekürt und natürlich gekauft!


"Eine kurze Geschichte der Menschheit" von Yuval Noah Harari, DVA

24,99 € (Gebundene Ausgabe)

528 Seiten

Die Lesung zu dem Buch war gut vorbereitet und sehr gut gestaltet. Neben einem Gespräch mit dem Autor wurden drei Teile aus dem Buch gelesen. Und beides führte zu schwerer Verliebtheit meinerseits.

Yuval Noah Harari ist Geschichtsprofessor in Jerusalem und seine Studenten beschwerten sich wiederholt, dass es kein umfassendes Werk der Menschheitsgeschichte in Hebräisch gäbe. Er stellte ihnen daraufhin seine Notizen zur Verfügung und entschied später, als er festangestellt war und größere Freiheiten genoss, ein Buch für seine Studenten zu schreiben. Er hoffte höchstens, dass sich noch Studenten an anderen Universitäten dafür interessieren könnten. Dann wurde das Buch in Israel ein Bestseller, wurde in fünf Sprachen übersetzt, weitere 20 sollen folgen.

Das Geheimnis? Der Historiker Harari hat interdisziplinär gearbeitet und sich mehr für Zusammenhänge als eine Auflistung von Details interessiert und besitzt offensichtlich ein Talent dafür, seine Erkenntnisse leicht verständlich und unterhaltsam zu verpacken. Es klingt nach einem solch trockenen Thema, doch das Buch hat mich bei der Lesung gefesselt, erstaunt, amüsiert, einfach gepackt. So wanderte es wenige Minuten später in meinen Besitz.

In der Messebuchhandlung konnte ich nicht widerstehen - ich schaute mir noch einmal die Favoriten an, die sich über die letzten Tage angesammelt hatten, doch keiner überzeugte mich so sehr, dass ich ihn direkt mitnehmen wollte. Nur eins noch:


"Christa und Gerhard Wolf. Gemeinsam gelebte Zeit" von Sonja Hilzinger, Verlag für Berlin-Brandenburg

19,99 € (Gebundene Ausgabe)

296 Seiten

Ich habe eine Schwäche für Autorenbiografien und für (echte) Liebesgeschichten. Wie sollte ich da ein solches Buch stehen lassen?

Aber der Tag war immer noch nicht zu Ende! Zu Hause lud ich erst einmal die ganzen Schätze ab und meine Mutter packte sie in eine Kiste, damit ihr von mir bewohntes Arbeitszimmer nicht völlig im Chaos versinkt. Danach flitzte ich weiter zu meiner Abschlussveranstaltung: Lesung in einer kleinen niedlichen Kneipe.


"Lovetrotter" von Wlada Kolosowa, Kailash Verlag

14,99 € (Broschiert)

253 Seiten

Reisen und Liebe … wer meine Lesegewohnheiten kennt, sollte wissen, dass ich diesem Buch niemals hätte widerstehen können. Und die Lesung hat mich bestätigt. Die Geschichten sind amüsant, herzerwärmend, lehrreich, interessant und einfach schön. Ich freu mich schon aufs Lesen!



So … jetzt schäm ich mich erst einmal ein bisschen, weil ich keine Ahnung hab, wann und ob ich diese ganzen Bücher lesen werde. Ich hoffe, ihr hattet auch eine schöne Buchmesse. Ich habe mich auf jeden Fall neu verliebt und freue mich jetzt schon auf nächstes Jahr. Vielleicht wage ich dieses Jahr auch den ersten Vergleich zur Frankfurter Buchmesse.

Abschließen möchte ich mit dem schönen Text, der auf der Geschenktüte von lovelybooks stand:

Today I'd like to sit and read
Forget I have a job I need
Ignore the things I have to do
And just enjoy a book or two

Samstag, 15. März 2014

Leipziger Buchmesse 2014: Tag 2

Der zweite Tag auf der Buchmesse war unser persönlicher Elterntag ^_^: Alex besuchte mit ihrer Mutter und ich mit meinen Eltern die Buchmesse. Deswegen hangelten wir uns nicht ganz so wie am ersten Tag von Veranstaltung zu Veranstaltung. Dafür habe ich den Tag genutzt, um euch ein paar Impressionen mitzubringen:

Die Sonne schien die ganzen zwei Tage herrlich durch die Glashalle und die Hallen verbindenden Glasgänge ein. Schön sich dabei immer ein bisschen aufzuwärmen.












Die Stände hatten wie jedes Jahr diesen schönen Wiedererkennungswert. Dank breiterer Gänge und einer weiteren Verteilung war es aber viel angenehmer von Stand zu Stand zu gehen. Ich bin ganz begeistert von dieser heimeligen Atmosphäre lauter kleiner schöner Buchläden.

Ein besonderer Dank gilt an diesem Tag jedoch dem Diogenes Verlag. Ich hatte ein sehr nettes Gespräch mit einer Vertreterin am Stand und sie gab mir für Alex und mich zwei sehr schöne Bücher mit.

Anschließend tranken Alex und ich noch einen Kaffee, um all die Eindrücke zu verarbeiten und ließen noch bei zwei Lesungen den Tag ausklingen.




"Couchsurfen und andere Schlachten" von Arnon Grünberg, Diogenes Verlag

21,90 € (Gebundene Ausgabe)

463 Seiten

Aus dem Klappentext: "Ob beim Couchsurfing, auf Brautschau in der Ukraine oder als embedded journalist im Irak, in Guantánamo oder in Afghanistan - Arnon Grünberg bringt uns an Orte, wo wir alleine nie hinkommen würden."




"Die Seltsamen" von Stefan Bachmann, Diogenes Verlag

16,90 € (Gebundene Ausgabe)

368 Seiten

Aus dem Klappentext: "Bartholomew Kettle wäre gern ein ganz normaler Junge, aber er findet sich hässlich - fast so hässlich wie seine Schwester Hettie. Freunde hat er keine. Wie auch? Schließlich ist er ein Seltsamer, halb Mensch, halb Feenwesen, von beiden verachtet, vor beiden auf der Hut. Besonders seit Mischlinge wie er auf mysteriöse Weise verschwinden."

Freitag, 14. März 2014

Leipziger Buchmesse 2014: Tag 1

Die Leipziger Buchmesse begann für mich wesentlich aufregender als sonst, denn zum ersten Mal ging ich als Bloggerin hin. Da mein erster Tag aber voller Veranstaltungen war, verflog diese Aufregung schnell.

Nach einer ersten Runde über die Messe ging ich zu einem Interview mit dem Autor des Buches "Ach los, scheiß der Hund drauf!", der Biografie des ehemaligen Stern-Kriegsreporters Randy Braumann.

Peter Chemnitz erzählte beeindruckt, wie das Leben beide in Görlitz zusammengeführt hatte: Braumanns Frau wollte von Hamburg nach Sachsen ziehen, um näher bei ihrem Sohn zu sein und trotz Einwände ihres Mannes, landeten sie in Görlitz, da es seiner Frau dort besser gefiel.

Dank seines Neuankömmlings- und Promistatus trug man Peter Chemnitz zu, dass ein berühmter, ehemaliger Journalist in die Nachbarschaft gezogen war und so verkündete er dessen Ankunft in der lokalen Zeitung. Daraufhin meldete sich Randy Braumann bei ihm und man traf sich.

Peter Chemnitz stellte fest, dass Randy Braumann sehr gerne und gut Geschichten erzählte und schlug ihm vor diese aufzuschreiben. Der ehemalige Reporter lehnte ab: "Ich bin Journalist! Ich schreibe nur, wenn ich einen Auftrag habe!" So schrieb der Autor über zwei Jahre lang mit, bis Herr Braumann nicht mehr wollte ("Such nen Verlag; vorher erzähl ich nicht weiter!"). Das tat Peter Chemnitz auch und fand mit etwas Glück den Weltbuch Verlag.

Leider konnte Randy Braumann nicht bei dem Gespräch sein - man entschuldigte den älteren Herren wegen Erkrankung. Dennoch war das Gespräch und die ersten Anekdoten aus seinem Leben sehr interessant und unterhaltsam.

Die anschließende Veranstaltung zu "Roadtrip mit Guru" von Timm Kruse, Eden Books war ein leichtes Kontrastprogramm, da der Autor nach ein paar einleitenden Worten lediglich das Buch sprechen ließ.


Timm Kruse begann am Anfang seines Buches, wo er den Moment beschreibt, indem die übernatürliche Fassade des Gurus, dem er seitdem spontan neun Monate gefolgt war, zu bröckeln begann. Der Angriff wurde in Form einer großen, tätowierten, gewaltbereiten Bikerin namens Beate geführt. Die mit einigen blauen Flecken von einer Prügelei in die Raststätte eintritt, wo der Autor einen Kaffee trank. "Gott macht vor nichts Halt." Denn der Guru lehrt, dass Beate ebenso erleuchtet ist wie er.

Danach springt er vom Moment der Entzauberung zum Moment der Verzauberung. Er besuchte ein Festival der Indie Folk Musik wegen und probierte sich in einige der esoterischen Praktiken, die dort geboten wurden, aus. Schließlich kennt ihn ja keiner. Zufällig geht er zu einem Vortrag des besagten Gurus und wird gefangen genommen von der Atmosphäre aus Bewunderung, Gruppenaktivität und Gleichklang. Sehr amüsant fand ich dabei seine Vergleiche zum Fußballstadium, in dem meiner Ansicht nach dieselbe Macht herrscht: Verbundenheit und Sicherheit wird durch gemeinsames Singen und Rituale erzeugt und gestärkt.

Noch habe ich das Buch nicht erstanden - aber es steht erst mal auf der Eventuell-kaufen-Liste. Zumindest scheint es nach dem ersten Eindruck lehrreich und amüsant zugleich. Eine seltene Kombination.

Die nächste Veranstaltung war für mich fast die spannendste. So spannend, dass ich vor lauter zuhören und mitschreiben ganz vergessen habe, ein Foto zu machen ^_^ Aber auch ohne visuelle Unterstützung möchte ich euch gerne davon erzählen.

Es war ein Gespräch zu dem Thema "Wozu braucht man noch Literaturkritiker?", eingeladen war Ijoma Mangold, Ressortleiter Literatur von Die Zeit. Die erste niederschmetternde Erkenntnis war, ein echter Literaturkritiker entdeckt auf einer Buchmesse nichts mehr, schließlich wird er schon Monate vorher von Verlagen umworben und informiert und hat auch schon alles geschrieben, was es zu sagen gibt.

Danach philosophierte er hauptsächlich über die größte und schwierigste Aufgabe in der Literaturkritik: der Selektion. Die findet zum Teil schon durch die Verlage statt, die den Zeitungen nur die Bücher ans Herz legen, die sie selber passend finden. Anschließend filtert die Zeitung noch einmal. Bekannte Autoren ebenso wie Debütanten haben eine gute Chance - der eine, weil die Leute es erwarten, der andere, weil der Kritiker gerne auch einmal entdecken will. Einzelkämpfer und kleine Verlage haben keine Möglichkeit besprochen zu werden - da nahm Herr Mangold kein Blatt vor den Mund.

Angst vor dem Internet und einem damit einhergehenden eventuellen Existenzverlust hat er nicht. Eine Zeitung wie Die Zeit hat echte "Selektionsautorität", auf die die Leute vertrauen, während das Internet eine Selektionswüste ist ohne eigene Marke. Gerade diese Erkenntnis habe ich als Lehre für unseren Blog und mich dick unterstrichen - falls sich jemand von euch fragt, wo der Erfolg vergraben liegt: Ich persönlich denke, egal womit man es versucht, Konzept und damit einhergehende Selektion und Begrenzung sind die Schaufel zum Ausgraben ;-)

Obwohl ich nach diesen ganzen Eindrücken und der halben Messestände inklusive schon einiger Bücher auf der eventuell-kaufen-Liste ziemlich erledigt war, blieb noch ein Punkt auf der zu erleben Liste: "Die Großrussin" von Stefan Schwarz Rowohlt Verlag

Die Lesung fand ihm schönen und romantische Ambiente der Mädler Villa in Leutzsch statt - sehr schön um einen anstrengenden Tag ausklingen zu lassen. Der Autor hatte die Lesung mit viel Überlegung vorbereitet und führte selber durch den Abend. Leider werden Lesungen zu oft scheinbar gar nicht vorbereitet. Da ich ein Fan von solchen Veranstaltungen bin, finde ich das persönlich sehr schade.

Stefan Schwarz erzählte kurz die einleitende Geschichte: Ullrich Hasselmann ist Altphilologe und war in seinem früheren Leben, wie er selber sagt, "Bummeldoktorand" und auf der Suche nach einer einfach Einnahmequelle. Da geriet er an eine Heiratsvermittlungsagentur, die deutsche Akademiker und hübsche Russinnen zusammenbringt, damit die Damen aus Osteuropa "den Markteintritt" schaffen. D. h. erst mal in die Nähe reicher, deutscher Männer gelangen.

Stefan Schwarz las sehr gekonnt den Teil der Geschichte, in der die beiden Hauptfiguren verzweifelt versuchen die Ausländerbehörde von der Authentizität ihrer Gefühle zu überzeugen. Kein leichtes Unterfangen. Die Beschreibungen im Buch sind sehr detailliert sowie farben-, wort- und metapherreich. Meiner Begleiterin war es etwas zu viel - es erschien ihr mehr ein Haschen nach Pointen, die dadurch auch vorhersehbar wurden. Herr Schwarz überspitzte auch gerne gängige Phrasen ("Mein Herz tat einen Hockstrecksprung."). Im Verlauf der Geschichte nahm dieses überbordende Angebot etwas ab und der Autor nutzte seine Fantasie lieber für viele kleine Anekdoten und Nebengeschichten innerhalb des Buches. Ob der spätere Umschwung zu dem bisher unbekannten Sohn und der russischen Mafia aber vielleicht zu viel sein wird, weiß ich noch nicht.

Dank des gedämmten Lichtes gelang mir leider kein Foto. Die Lesung war aber sehr schön. Vielleicht beginne ich Stefan Schwarz auch mit einem seiner früheren Werke - wir werden sehen.

Montag, 10. März 2014

Vorschau: Leipziger Buchmesse 2014

Da die Antwort auf die Montagsfrage ("Gibt es ein Buch, dass du aus Prinzip (noch) nicht gelesen hast?") bei uns beiden nein lautet, möchte ich heute lieber über etwas anderes schreiben.

Ich bin auf Heimaturlaub in Leipzig und schon voller Vorfreude auf die bevorstehende Buchmesse! Das erste Mal in meinem Leben habe ich mir heute eine Dauerkarte gekauft, um die vier Tage voll ausschöpfen zu können. Neben den vielen Ständen und Büchern, die es zu entdecken gibt, bin ich vor allem ein Fan des begleitenden Lesefestes "Leipzig liest".

Als ich in Leipzig ankam, bekam ich das Programm von einer freundlichen Buchverkäuferin geschenkt und habe es bereits durchgeschmökert. Auf die folgenden Programmpunkte freue ich mich schon:

"Die Großrussin" von Stefan Schwarz Rowohlt Verlag

16,95 € (Broschiert)

Kann es Liebe geben zwischen einem kleinen hypochondrischen Deutschen und einer sehr großen Russin?

Stefan Schwarz gibt an verschiedenen Tagen, an verschiedenen Orten Lesungen. Ich werde wahrscheinlich am Donnerstag, 13.03.2014 dabei sein.







"Ach los, scheiß der Hund drauf!" von Peter Chemnitz Weltbuch Verlag

16,90 € (Gebundene Ausgabe)

Mit diesem Satz hat sich der "stern"-Kriegsreporter Randy Braumann in brenzligen Situationen Mut gemacht.

Am Donnerstag, 13.03.2014 gibt er auf der Leipziger Buchmesse zusammen mit dem Autor Peter Chemnitz eine Lesung.





"Roadtrip mit Guru" von Timm Kruse, Eden Books

12,95 € (Broschiert)

Timm Kruse verlässt sein bisheriges Leben, weil er auf einem Festival einen indischen Guru kennenlernt. Er lebt in seinem Ashram in Indien und reist mit ihm um die Welt.

Mein bisheriger Buchmessefavorit! Genau mein Thema - Neuanfänge, Reisen, Selbstfindung. Lesung: 13.03.14 auf dem Messegelände.



Und vieles, vieles, vieles mehr! Die Kamera ist bereit und das Sitzhöckerchen auch! Ich hoffe, gerade das zweite wird mir viele Lesungen ermöglichen. Da man nie weiß, wo man reinkommt und wo nicht, will ich euch gar nicht mehr den Mund wässrig machen. Aber ich werde euch fleißig von meinen Erlebnissen und den Büchern berichten!

Außerdem werde ich noch ein paar Vorträge zum Thema Bloggen und vor allem das Bloggertreffen von lovelyBooks.de und Bastei Lübbe besuchen! Ich hab mich so gefreut, dass ich noch einen Platz auf der Gästeliste ergattern konnte.

Ich freu mich auf die vielen Erlebnisse, Eindrücke und Erfahrungen!

Sonntag, 17. November 2013

Rezension: Das Verschwiegene von Linn Ullmann

Kennt ihr das? Manchmal nachdem man ein Buch schließt, weiß man einfach nicht, was man da gerade gelesen hat. So ging es mir leider mit meinem vorerst letzten Buchmesse-Fund 2013 „Das Verschwiegene“ von Linn Ullmann.

„Das Verschwiegene“ von Linn Ullmann
Luchterhand Literaturverlag
352 Seiten
19,99 € (Hardcover)









„Das Verschwiegene“ erzählt die Geschichte einer Familie, in der jeder allein mit sich selbst kämpft. Das Ehepaar Siri und Jon hat sich voneinander entfernt, Jon betrügt seine Frau und diese ist nur damit beschäftigt ihrer Mutter Jenny näher zu kommen. Jenny wiederum beginnt seit Jahren der Abstinenz wieder zu trinken und ist trotz aller Bemühungen der Tochter sehr distanziert zu ihrer Familie. Bei der Feier zum 75. Geburtstag von Jenny verschwindet dann auch noch das Au Pair Mädchen der Familie und man meint, dass sich auf dieser Familie eine schwere Last anhäuft.
Schon daran wie schwer es mir fällt, den Inhalt von „Das Verschwiegene“ zusammen zu fassen, merke ich, dass mir zu diesem Buch der Zugang fehlte. Ich hatte vermutlich eine falsche Erwartung an die Handlung. Ich glaubte, dass das verschwundene Au Pair Mädchen und die dramatische Kindheit von Siri im Zentrum der Geschichte stehen würden. Tatsächlich war die Handlung sehr reduziert, es geschah kaum etwas. Vielmehr wurden die Emotionen und Probleme der Charaktere in den Fokus der Geschichte gerückt. Auch das hätte mich begeistern können, wäre man dabei nicht immer nur an der Oberfläche geblieben. Warum hat sich Jenny so hoffnungslos in den Alkohol gestürzt und ihre Kinder von sich weg getrieben? Warum betrügt Jon seine Frau, liebt er sie offenbar doch immer noch von Herzen? Kein Mensch fühlt und handelt ohne Grund, ohne eine Geschichte die ihn zu dem machte was er ist.
Wirklich bedrückt hat mich außerdem, dass kein Charakter Trost oder auch nur eine Reaktion bei einem der Familienmitglieder oder anderswo finden konnte. Das Buch hätte mit den vielen, detailliert beschriebenen Charakteren und einem wunderschönen Schreibstil beeindrucken können. Die reduzierte Handlung hat es aber schwierig gemacht dem Lesefluss zu folgen. Die häufigen Wiederholungen bestimmter Probleme ohne für mich sichtbare Lösungen und Entwicklungen der Charaktere oder ihrer Beziehungen konnten mich einfach nicht packen. Ich hatte das Gefühl, dass im Buch eine gewisse Stagnation herrschte.
Unterm Strich kann ich dem Buch nur 2 von 5 Leseratten geben, obwohl mir die Sprache und der poetische Stil gut gefallen haben war ich am Ende enttäuscht von der Handlung und fehlenden Entwicklung der Charaktere.

Samstag, 9. November 2013

Rezension: Niceville von Carsten Stroud

„Niceville“ von Carsten Stroud ist einer meiner Buchmesse-Schätze. Ich hatte mich spontan in das Buch verliebt und mich total drauf gefreut es vorstellen zu dürfen. Jetzt habe ich es gelesen und bin ein bisschen hin und her gerissen.

„Niceville“ von Carsten Stroud
Dumont Verlag
506 Seiten
9,99 € (Softcover)
1. Teil der Niceville-Trilogie








Niceville ist eine beschauliche kleine Stadt im Süden der USA. Die Stadt wirkt idyllisch und friedlich, doch unter dieser Fassade verbergen sich düstere Geheimnisse. Als eines Tages der Junge Rainey Teague auf dem Schulweg spurlos verschwindet kommen seltsame Begebenheiten ins Rollen. Einige Geschehnisse sind ganz natürlich, einige sehr verwirrend und mystisch. Insgesamt scheint Niceville nur das schlechteste aus seinen Bewohnern herauszukitzeln. Was birgt diese kleine Stadt, dass sich das Böse dort so wohlfühlt?
Ich war lange von keinem Buch mehr so hin und her gerissen wie von „Niceville“. Der Einstieg in die Geschichte ist wunderbar, man ist direkt mittendrin und der Übergang von einem normalen Vermisstenfall zu den übernatürlichen Ereignissen hat mir richtig gut gefallen. Der Schreibstil ist eher kurz und markant, besitzt einen gewissen schwarzen Humor (sehr gelacht habe ich über einen Laden, der „Porn’r’us“ heißt) und macht einfach Spaß. Trotz der eher sachlichen Sprache kommen Beschreibungen und Atmosphäre nämlich nicht zu kurz.
Die Zutaten stimmen und hätten „Niceville“ zu einem richtigen Lesegenuss machen können. Was mich gestört hat? Nach dem angenehmen Anfang bei dem die Handlung Stück für Stück aufgebaut wird und auch alle Charaktere passend zur Situation vorgestellt werden kommt der Mittelteil des Buches. Plötzlich überschlägt sich die Handlung und es kommen gefühlt 10.000 neue Charaktere in die Geschichte. Ich konnte zeitweise einfach nicht mehr folgen. Handlungsverlauf und Personen waren zu verwirrend. Wer ist der korrupte Polizist gleich nochmal? War das der, der auch beim Bankraub dabei war? Immer wenn ich dann wieder in der Handlung war und meinte zu verstehen, wie die Personen zusammenhängen kamen neue Charaktere oder Handlungsstränge dazu.
Richtig anstrengend wurde es, als die Verbindung zur Vergangenheit des Ortes geschlagen wurde. Normalerweise finde ich es toll, wenn in Büchern düstere Legenden oder vergangene Konflikte ausgegraben werden. Es hat mich daher auch hier gefreut und richtig neugierig gemacht, als die Geschichte des Ortes enthüllt wurde. Das dabei abgefeuerte „Namensfeuerwerk“ habe ich dann einfach überlesen müssen. Ob ich dann alle darauf aufbauenden Schlussfolgerungen richtig verstanden habe würde ich nicht beschwören.
Als ich durch all das gerade ziemlich deprimiert war kam das Ende des Buches. Und was soll ich sagen? Ich wurde richtig überrascht! Einige lose Enden wurden aufgegriffen, manche merkwürdige Handlungsverläufe ergeben dann tatsächlich doch einen Sinn und das Buch macht Lust auf den nächsten Teil. Das Ende hat mich dann wieder versöhnt mit dem anstrengenden Mittelteil.
Insgesamt 3 von 5 Leseratten als Fazit aus „himmelhoch jauchzend“ und „zu Tode betrübt“.


Vielen Dank an den Dumont Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Sonntag, 20. Oktober 2013

Rezension: Kleopatra - Ein Leben von Stacy Schiff

Auf der Frankfurter Buchmesse wurde ich durch einen Verlagsmitarbeiter auf „Kleopatra: Ein Leben“ von Stacy Schiff aufmerksam gemacht. Eigentlich wurde das Buch gerade einem anderen Besucher angepriesen, ich hörte die Beschreibung mehr zufällig mit, sah das wunderhübsche Cover und es war um mich geschehen.

„Kleopatra: Ein Leben“ von Stacy Schiff
C. Bertelsmann Verlag
448 Seiten
24,99 € (Hardcover)









„Kleopatra“ ein Name umrankt von vielen Mysterien, Geheimnissen aber auch Vorurteilen. Stacy Schiff versucht in der Biografie „Kleopatra: Ein Leben“ ein wahreres, realistischeres Bild dieser großen Königin zu zeichnen. Doch wie kann man eine Biografie einer Persönlichkeit entwickeln, die vor mehr als zweitausend Jahren lebte? Die Fakten sind rar, viele Quellen nicht neutral und zuverlässig. Von Kleopatra selbst sind keine Niederschriften erhalten. Dennoch prägte diese beeindruckende Königin die Geschichte (nicht nur ihres Landes) nachhaltig.
Stacy Schiff hat nach eigenen Angaben viele der bekannten Quellen neu unter die Lupe genommen, analysierte das Verhältnis der Schreibenden zu Kleopatra und versuchte zu schlussfolgern welche Wahrheit zwischen den Zeilen stecken mag. Ich glaube dies ist ihr ausnehmend gut gelungen. Zwar kann die Autorin keine Fakten herschaffen wo es vorher keine gab, doch das Bild das sie von Kleopatra zeichnet ist vielschichtig und deutlich facettenreicher als die sonst üblichen Klischees der verruchten, männerverschlingenden Pharaonin.-
Über Kleopatras Kindheit und Jugend ist leider nicht viel bekannt. Man weiß, dass Kleopatra eine sehr umfassende Bildung genoss, die sie auf ihr späteres Leben perfekt vorbereitete. Sie wurde in Rhetorik, Geschichte, Philosophie und Mathematik unterrichtet. Trotz aller guten Vorzeichen wird es für Kleopatra trotzdem kein leichtes den ägyptischen Thron zu besteigen. Erst mit ihrer Beziehung zu Julius Caesar kann sie ihre Vormachtstellung sichern. Von da an beginnt Kleopatras Leben als Herrscherin in Ägypten und gottgleiche Königin. Das politische Leben ist dabei stets von Intrigen und Konflikten bestimmt. Gegner werden (auch wenn sie der eigenen Familie angehören) schnell ermordet wenn es die eigenen Interessen erfordern.
Kleopatra wird in dieser Biografie als wirklich faszinierende Frau dargestellt. Gebildet und humorvoll, dabei weniger betörend als die Legenden sie später beschrieben. Vielmehr eine starke Herrscherin und auch gute Freundin sowohl für Julius Caesar als auch später für Marcus Antonius. Ich hatte nicht erwartet ein so vielseitiges Bild dieser starken Frau zu erhalten.
Kleopatra hatte nicht immer ein leichtes Leben, auch ihre Herrschaft wird von Krisen gezeichnet und manchmal ist es neben ihrem politischen Gespür auch eine Prise Glück die ihre Bahnen so günstig lenkt. Insgesamt kann ich Kleopatra und ihre Fähigkeiten nicht anders als „beeindruckend“ beschreiben.

Das Buch bietet eine gelungene Mischung von Berichten über das Leben im damaligen Alexandria und am Hofe von Kleopatra sowie den Erklärungen über die politischen und historischen Begebenheiten sowohl in Ägypten als auch im römischen Reich. Gerade die Beschreibungen des wilden und exotischen Alexandria haben mich völlig gefangengenommen und ich bin richtiggehend ins Träumen gekommen (auch noch nachdem ich das Buch bereits beiseitegelegt hatte). Daneben stehen die politischen Abläufe und Intrigen manchmal leider etwas trocken (obwohl der Stoff genügend Spannung liefern würde).
Ich möchte diesem tollen Buch „nur“ 4 von 5 Leseratten geben da einige eher sperrige Abschnitte den Lesefluss etwas gebremst haben. Trotzdem bleibt „Kleopatra: Ein Leben“ eins meiner Highlights dieses Jahr und wird vermutlich (hoffentlich!) nicht die letzte Biografie sein, die ich euch hier vorstelle.


Vielen Dank an den C. Bertelsmann Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Sonntag, 13. Oktober 2013

Frankfurter Buchmesse 2013: Meine Highlights!

Es war meine erste Buchmesse! So. Jetzt ist es raus, das Geständnis. Entsprechend aufgeregt und ein bisschen planlos war ich auch. Wir waren pünktlich um 9 Uhr gestern auf der Messe und nach kurzer Zeit zum orientieren haben wir uns zuerst zu den Hallen 3 und 4 aufgemacht, dort ist der Großteil der „Fiction and Non-Fiction“ ausgestellt. Eine riesige Bandbreite kleiner und großer Verlage. Belletristik und Fachbücher, Kinderbücher und Kochbücher. Ein wahres Fest.


Gleich zu Beginn haben wir den hübschen Stand des Klett-Cotta Verlags besucht. Viele der dort ausgestellten Bücher kannte ich schon oder hab‘ schonmal reingelesen. Aber trotzdem ist auch dort sofort ein Buch auf meine Wunschliste gewandert. „Nilowsky“ von Torsten Schulz klang einfach herrlich schräg und ich musste mich zwingen nicht gleich beim ersten Stand zu verweilen um weiter reinzulesen ;-).

Nach vielen kleinen und größeren Verlagen machten wir unseren nächsten Halt beim C. Bertelsmann Verlag. Dort wurde ich von einem netten Standmitarbeiter auf „Kleopatra: Ein Leben“ von Stacy Schiff aufmerksam gemacht und habe mich richtiggehend in diese Biografie verliebt. Es ist vermutlich keine leichte Kost, aber diese moderne Biografie einer so sagenumwobenen Gestalt der Geschichte hat mich fasziniert. Ich werde euch diesen Schatz hier bald vorstellen, ich freue mich schon darauf!


Nebenan hat Carl’s books schon Werbung gemacht für das nächste Buch von Jonas Jonasson, nach „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ wird bald „Die Analphabetin, die rechnen konnte“ erscheinen (am 15.11.). Leider konnte man noch nicht ins Buch reinschnüffeln, oder ich habe es einfach nur nicht gefunden…


Weiter ging es unter anderem zu blanvalet, dort habe ich einige Stücke meiner Wunschliste besucht und ihnen versprochen sie bald zu lesen, auch dort war es schwer weiter zu gehen. Nebenan beim LIMES Verlag wurde ich dann von einem sehr interessanten Cover zu „Sterntaler“ von Kristina Ohlsson gelockt. Auch dieses Buch muss ich lesen.

Die Buchmesse hat mich wirklich begeistert, viele hübsche Leseecken an den Ständen aber auch verteilt in den Hallen haben zum Schmökern und verweilen eingeladen. Das hat eine ganz besondere, gemütliche Stimmung bei dieser sehr großen Messe geschaffen. Leider war die Messe aber nicht gut ausgeschildert und wir haben so doch einige Verlage verpasst bzw. erst erreicht als es schon zu voll war um wirklich näher zu kommen. Carlsen und Goldmann haben wir zum Beispiel leider erst auf dem Weg zum Ausgang entdeckt, zu diesem Zeitpunkt war es einfach schon zu voll zum innehalten. Nächstes Jahr werde ich mir wohl einen Plan machen wen ich alles „besuchen“ möchte und mir den Hallenplan vorher schon anschauen.

Neben den vielen kleinen Verlagen die es auch verdient hätten ihre tollen Werke zu nennen möchte ich doch noch schnell zu meinen nächsten Highlights kommen. Beim Luchterhand Literaturverlag standen direkt zwei tolle Bücher beieinander und wollten auf meine Wunschliste „Tolstois Albtraum“ von Viktor Pelewin und „Das Verschwiegene“ von Linn Ullmann gehen in völlig verschiedene Richtungen, klangen aber nach Lesefutter mit Anspruch und Gefühl - eine super Mischung!
Beim btb Verlag hat „Die unglaublichen Ticks des Herrn Hval“ von Lars Saabye Christensen mich förmlich angesprungen. Irgendwie mag ich Bücher mit langen verrückten Titeln und irren Covern. Man fängt sofort an darüber nachzudenken was das denn für irre Ticks sein könnten. Ihr merkt, meine Wunschliste platzt bald (und ich hab‘ schon abgespeckt für euch, ehrlich).

Kurz vor Ende unseres Besuches bin ich beim Dumont Verlag bei „Niceville“ von Carsten Strout hängen geblieben. Leider gibt der Klappentext nicht viel von der Geschichte preis, macht aber noch neugieriger auf das Buch, ich war sofort wieder verliebt. Dank einer sehr netten Begegnung mit einer Standmitarbeiterin dort habe ich auch bei diesem Buch das Glück euch bald mehr davon erzählen zu können. Ich bin gespannt.






Neben all diesen Highlights, vielen kurzen Lesungen, Interviews und einigem Rummel hat uns die Halle des Gastlandes Brasilien beeindruckt. Die Halle wurde in ein wahres Kunstwerk verwandelt. Hunderte Pappelemente bildeten organisch geformte Wände, zum Teil bedruckt mit Texten und Bildern brasilianischer Künstler. Die Halle hatte eine ganz besondere, fast andächtige Stimmung. An einigen interaktiven Plätzen konnten Texte brasilianischer Autoren gemütlich in Hängematten liegend gelesen, oder „fahrradbetrieben“ angehört werden.

Auch „Kunstwerke zum Mitnehmen“ gab es: mannshohe Papierstapel waren am Blattschnitt bedruckt und stellten jeweils einen Roman eines brasilianischen Autors dar. Jeder Besucher durfte sich davon Blätter abreißen und mitnehmen, darauf zu lesen kurze Ausschnitte des jeweiligen Buches. (Entschuldigt die schlechten Fotos, es war einfach schon sehr voll zu diesem Zeitpunkt.)


Die Frankfurter Buchmesse war wirklich ein "Fest der Bücher". Ich habe mich über die Gespräche mit all den netten Verlagsmitarbeitern gefreut und werde bestimmt auch im nächsten Jahr wieder hingehen. Vielen Dank an alle beteiligten Verlage.
Auch die vielen Cosplayer haben zur besonderen Stimmung der Messe beigetragen, leider ist meine Kamera nicht so überragend (Susi ist die Fotoratte) und ich habe deswegen kein Foto für euch, aber wir haben zwei Pikachus (und diverse andere Pokemon), Ruffy von One Piece, Merida, Prinzessin Mononoke und unzählige mir leider unbekannte Mangafiguren getroffen. Auch vielen Dank an alle bastelwütigen die zu diesem bunten und spannenden Tag beigetragen haben.

Mittwoch, 9. Oktober 2013

Rezension: Das große Los von Meike Winnemuth


Pünktlich zum Start der Frankfurter Buchmesse möchte ich euch mein Highlight der Leipziger Buchmesse von diesem Jahr vorstellen.  


„Das große Los“ von Meike Winnemuth 
Knaus-Verlag 


329 Seiten  

19,99€ (Gebundene Ausgabe)







Manche kannten Meike Winnemuth schon vor diesem Buch, ich leider nicht: Sie ist freie Journalisten und bekannt geworden mit ihren ungewöhnlichen Selbstversuchen wie z. B. ein Jahr lang jeden Tag das gleiche blaue Kleid zu tragen und darüber zu berichten. „Das große Los“ ist die Zusammenfassung ihres Blogs „Vor mir die Welt“, den sie im Jahr 2011 über ihre Weltreise schrieb.

Schon das Prinzip ihrer Reise fand ich toll: Sie startete am 01.01.2011, um in zwölf verschiedenen Städten immer einen Monat zu leben. Sydney, Buenos Aires, Mumbai, Shanghai, Honolulu, San Francisco, London, Kopenhagen, Barcelona, Tel Aviv, Addis Abeba, Havanna. Warum sie los gefahren ist? Sie hatte bei Jauch eine halbe Million gewonnen und damit den Mut dazu gehabt – denn das Geld, das merkt sie schnell, hätte sie gar nicht gebraucht.

Das Buch besteht aus zwölf Briefen aus jeder Stadt, die sie an Freunde und Familie geschrieben hat. Es geht weniger um Beschreibungen, was sie gesehen hat, als was sie erlebt, erfahren, erkannt hat. In jeder Stadt probiert sie neue Dinge aus, lässt das Gefühl zu irgendetwas gezwungen zu sein nicht zu. Und nimmt einen damit völlig gefangen. Einige der Sätze haben sich bei mir eingebrannt: „Zuhause hätte ich gesagt „Das wäre mal ganz nett, nur …“ und hätte es auf den großen Irgendwann-mal-Stapel gepackt, der, wie die Lebenserfahrung lehrt, in Wahrheit ein Niemals-Stapel ist.“

Ich muss ehrlich zugeben, dass mir ihr Schreibstil nicht immer zugesagt hat, aber dafür hat schon das Lesen dieses Buches etwas in mir in Bewegung gesetzt, was Meike Winnemuth dazu bewogen hat, ihr ganzes Leben neu zu überdenken. Ich war wie elektrisiert, weil dieses Buch ein Wachmacher ist. Das Leben zu genießen, mutig zu sein, Neues zu entdecken, nicht aus Angst oder Bequemlichkeit stehen zu bleiben und dabei immer glücklicher zu werden. Ich habe das Buch innerhalb von drei Tagen ausgelesen und konnte es nicht erwarten, es meinem besten Freund zu leihen, der es ebenfalls verschlungen hat. Und wir sind uns einig: Dieses Buch muss man besitzen und jedes Jahr aufs Neue lesen. Das letzte Mal wollte ich keine fünf Leseratten vergeben, weil ich dieses Buch im Hinterkopf hatte, meine definitiven fünf von fünf Leseratten.