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Sonntag, 29. Juni 2014

Angesehen: Life of Pi - Schiffbruch mit Tiger

Alex hatte mir von Anfang an versprochen, dass sie mit mir nach dem Buch "Schiffbruch mit Tiger" die Verfilmung schauen würde. Ich hatte den Film bisher nicht gesehen, weil ich davon ausging, dass er mir nicht gefallen würde und nachdem mich das Buch schon nur zu einem gewissen Teil erreichen konnte, machte ich mir wenig Hoffnung.

"Life of Pi - Schiffbruch mit Tiger" Twentieth Century Fox

Produktionsjahr: 2012

Spiellänge: 127 min

FSK: 12

7,47 € (DVD) bzw.9,99 € (Blue-Ray)
(Bei Alex gab es die abgebildete 3D-Sonderedition, auch wenn wir uns die 3D-Brillen gespart haben - 28,99 €)

Ich möchte es kurz machen: Der Film kann ebenso wie das Buch mit wenig Handlung aufwarten. Das hat man versucht durch eine Dramatisierung der wenigen Details und übergroße, schillernd bunte Bilder auszugleichen, die mir persönlich nicht gefallen haben. Sicher sind sie für manchen beeindruckend, inspirierend, einfach nur schön - mir war es leider zu viel.

Was mir gut gefallen hat, war, dass man die Erzählperspektive (Pi berichtet einem Schriftsteller zu Hause von all seinen Erlebnissen) beibehalten hat. Enttäuschend fand ich allerdings, dass man das im Buch so schön beschriebene Haus voller Anzeichen seiner drei Religionen in einen modern und farblos eingerichteten Raum verwandelt hat. Da hat man der Geschichte etwas der Mystik beraubt.

Alles, was den Film gut macht, ist die Endaussage des Buches. Dafür fand ich aber schon die 527 Seiten zu lang, die wenigstens noch spannend und zum Teil witzig waren und auf die Endaussage vorbereiteten. Die 127 Minuten Film waren endgültig ein reines Warten auf den springenden Punkt.

Wenn man ruhige Filme mit schöner Musik und farbenfrohen Bildern mag, kann man zu Life of Pi greifen. Wenn man sich von der Geschichte aber wirklich inspirieren lassen will, sollte man das Buch lesen. Es ermöglicht einen viel eher in einen Diskurs mit sich selbst und anderen zum Thema Religion, Glauben und Sinn des Lebens zu treten - 2 von 5 Kinroatten.


Der Film in einem Zwitschern: 
"Bunte Bilder und hollywoodtypische Übertreibung, die Botschaft wird traurig simpel präsentiert. Das Buch ist eher zu empfehlen."

Samstag, 28. Juni 2014

Rezension: Schiffbruch mit Tiger von Yann Martel

Ihr habt ja alle gesehen, wie wunderbar Alex den Glücksgriff aus meinem Bücherschrank fand. Ich war bei ihrem auch etwas skeptisch. Ehrlich gesagt während des gesamten Lesens. Und danach. Aber dann...

"Schiffbruch mit Tiger" von Yann Martel S. Fischer Verlag

527 Seiten

10,00 € (Taschenbuchbibliothek)









Der durch den Film berühmte "Pi" heißt eigentlich Piscine (französisch für Schwimmbad). Den Namen verdankt er dem ersten Geschäftspartner seines Vaters, der als Wettkampfschwimmer zwei Jahre in Paris studiert hatte. Er lebt mit seiner Familie in Indien, sein Vater leitet einen Zoo und er gehört gleich drei Religionen an und lebt sie auch mit Eifer: Hinduismus, Christentum und Islam.

Das erste Drittel des Buches erklärt seinen Namen, schildert seine frühen Jahre, ist ein Manifest für Zoos und eine Abhandlung über das Verhalten von Tieren und erzählt die Geschichte wie er zu jeder der drei Religionen kam. Diesen Teil fand ich witzig und interessant.

Dann kommen die großen zwei Drittel auf dem Pazifik in dem Rettungsboot zusammen mit dem bengalischen Tiger Richard Parker. Die Geschichte wird nicht chronologisch sondern nach Ereignissen, Erkenntnissen, Kategorien erzählt. Vermutlich wahrscheinlicher, als wenn man Tag für Tag, Woche für Woche vorgehen würde. Das Thema Religion nahm für mich überraschend wenig Raum ein. Viel lieber klärt uns Pi weiter über tierisches Verhalten und die Dressur derselben auf.

Das Buch war zuweilen schleppend. Manche Passagen habe ich gerne und am Stück gelesen, aber oft musste ich mich auch aufraffen, das Buch überhaupt zur Hand zu nehmen. Dennoch ist es ein interessantes und einmaliges Buch.

Alex hatte mich versucht zu motivieren, indem sie meinte: "Am Ende sagt er die Lektion in einem Satz!" Das tut er auch. Für mich wenig überraschend und auch wenig überzeugend. Dazu muss man jedoch auch sagen, dass ich zu jenen Menschen zähle, denen laut Pi die Fantasie fehlt: den Ungläubigen.

Etwas später erzählte ich von dem Buch und beim Reden versöhnte ich mich damit: Wenn man es weiter fasst, wenn man bedenkt, dass Pi insofern Recht hat, dass der reine Glaube an Wissenschaft und Gesetzmäßigkeiten einem das Leben vergällt. Gut, dann will ich es gelten lassen.

"Schiffbruch mit Tiger" erhält daher von mir noch (!) vier von fünf Leseratten. Pluspunkte sind die detaillierten Ausführungen zur Tierwelt, die mir als Biologieinteressierten und Zoofreundin gefallen haben sowie die Vielfalt der Geschichte bei aller Eintönigkeit des Plots. Minuspunkte ist die doch schwache Gesamtaussage, die in ihrer Ausführung mir nicht das Herz öffnen konnte und die Langatmigkeit des Buches.


Das Buch in einem Zwitschern: 
Zoos sind toll, Tiere instinktgesteuert & das Leben nur erfüllt bei einem Glauben über das Sichtbare/Wahrscheinliche hinaus. Kann man mögen.

Sonntag, 26. Januar 2014

Rezension: Und Gott sprach: wir müssen reden! von Hans Rath

Nicht nur, weil es mein 1. Challengebuch für dieses Jahr war, auch weil ich schon so unheimlich gespannt war, habe ich „Und Gott sprach: Wir müssen reden!“ unter meinem SUB hervorgezogen und direkt losgelegt. Weil es so toll geschrieben, so witzig und schön war, konnte ich es dann nicht mehr weglegen und hab es ganz schnell verschlungen. Während Susi noch mit Harold Fry pilgert, kann ich euch heute schonmal unser erstes Challengebuch vorstellen.


„Und Gott sprach: Wir müssen reden!“ von Hans Rath
Rororo Verlag
272 Seiten
8,99 € (Taschenbuch)









Jakob ist ein erfolgloser Psychotherapeut. Nach und nach sind ihm seine Patienten weggelaufen, der neue Mann seiner Exfrau bricht ihm aus Eifersucht die Nase und dann, völlig am Boden, trifft er im Krankenhaus auf Gott. Also besser, auf Abel Baumann, der sich für Gott hält und Jakob um eine Gesprächstherapie bittet. Da Jakob knapp bei Kasse ist und auch irgendwie nichts Besseres vor hat, willigt er ein.
Die Story klingt vielleicht ein bisschen platt und nach reinem Klamauk, aber Hans Rath schafft in „Und Gott sprach: Wir müssen reden!“ einen unglaublichen Spagat. Das Buch ist herrlich komisch und bringt einen immer wieder zum Lachen. Später dann stachelt es einen still und heimlich dazu an, über „Gott und die Welt“ nachzudenken. Einfach so, ohne lange philosophische Abhandlungen, einfach durch die simple Gesprächstherapie mit einem Menschen, der sich für Gott hält… oder es vielleicht ist?
Jakobs Gespräche mit Abel sind locker und leicht geschrieben, ohne große Hintergrundinformationen zu Religion oder Glauben und dennoch haben sie mich berührt. Natürlich gibt es bessere Bücher, um etwas über die Weltreligionen zu erfahren, aber dieses Buch spricht den Leser auch auf einer ganz anderen, viel privateren Ebene an. Und (vielleicht bin ich da auch einfach zu empfänglich) es hat mich wirklich traurig gemacht zu erfahren, wie Gott langsam aber sicher die Puste ausgeht, weil niemand mehr an ihn glaubt, keiner mehr in ihn vertraut und keiner Verständnis hat für sein Dilemma. „Wenn es einen Gott gäbe, dann würde er xy nicht zulassen!“ ist ein oft gehörter Spruch in Diskussionen zum Thema Glaube. In „Und Gott sprach: Wir müssen reden!“ klagt nun Gott einmal sein Leid, von einer Menschheit die ihm außer Kontrolle geraten ist.
Ich möchte nicht zu viel verraten, aber mir haben die Ansätze in diesem Buch zu denken gegeben und mich beschäftigt, ganz ohne dass die Moralkeule geschwungen wurde. Am Ende war ich traurig, dass es so schnell vorbei war, es gab noch so viele Themen, über die ich Gott gerne sprechen gehört hätte.

Da mich die Idee begeistert hat, das Buch wirklich witzig ist (Gott im Haus wäre unheimlich praktisch, denn neben Wasser und Wein kann er prima Kaffee machen) und die Geschichte so warmherzig war, möchte ich 5 von 5 Leseratten verteilen.


Und wer nach der erfolgreichen Gesprächstherapie noch ein paar Informationen über die Religionen sammeln möchte, kann direkt mit „Theos Reise“ von Catherine Clement weitermachen.