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Samstag, 28. Juni 2014

Rezension: Schiffbruch mit Tiger von Yann Martel

Ihr habt ja alle gesehen, wie wunderbar Alex den Glücksgriff aus meinem Bücherschrank fand. Ich war bei ihrem auch etwas skeptisch. Ehrlich gesagt während des gesamten Lesens. Und danach. Aber dann...

"Schiffbruch mit Tiger" von Yann Martel S. Fischer Verlag

527 Seiten

10,00 € (Taschenbuchbibliothek)









Der durch den Film berühmte "Pi" heißt eigentlich Piscine (französisch für Schwimmbad). Den Namen verdankt er dem ersten Geschäftspartner seines Vaters, der als Wettkampfschwimmer zwei Jahre in Paris studiert hatte. Er lebt mit seiner Familie in Indien, sein Vater leitet einen Zoo und er gehört gleich drei Religionen an und lebt sie auch mit Eifer: Hinduismus, Christentum und Islam.

Das erste Drittel des Buches erklärt seinen Namen, schildert seine frühen Jahre, ist ein Manifest für Zoos und eine Abhandlung über das Verhalten von Tieren und erzählt die Geschichte wie er zu jeder der drei Religionen kam. Diesen Teil fand ich witzig und interessant.

Dann kommen die großen zwei Drittel auf dem Pazifik in dem Rettungsboot zusammen mit dem bengalischen Tiger Richard Parker. Die Geschichte wird nicht chronologisch sondern nach Ereignissen, Erkenntnissen, Kategorien erzählt. Vermutlich wahrscheinlicher, als wenn man Tag für Tag, Woche für Woche vorgehen würde. Das Thema Religion nahm für mich überraschend wenig Raum ein. Viel lieber klärt uns Pi weiter über tierisches Verhalten und die Dressur derselben auf.

Das Buch war zuweilen schleppend. Manche Passagen habe ich gerne und am Stück gelesen, aber oft musste ich mich auch aufraffen, das Buch überhaupt zur Hand zu nehmen. Dennoch ist es ein interessantes und einmaliges Buch.

Alex hatte mich versucht zu motivieren, indem sie meinte: "Am Ende sagt er die Lektion in einem Satz!" Das tut er auch. Für mich wenig überraschend und auch wenig überzeugend. Dazu muss man jedoch auch sagen, dass ich zu jenen Menschen zähle, denen laut Pi die Fantasie fehlt: den Ungläubigen.

Etwas später erzählte ich von dem Buch und beim Reden versöhnte ich mich damit: Wenn man es weiter fasst, wenn man bedenkt, dass Pi insofern Recht hat, dass der reine Glaube an Wissenschaft und Gesetzmäßigkeiten einem das Leben vergällt. Gut, dann will ich es gelten lassen.

"Schiffbruch mit Tiger" erhält daher von mir noch (!) vier von fünf Leseratten. Pluspunkte sind die detaillierten Ausführungen zur Tierwelt, die mir als Biologieinteressierten und Zoofreundin gefallen haben sowie die Vielfalt der Geschichte bei aller Eintönigkeit des Plots. Minuspunkte ist die doch schwache Gesamtaussage, die in ihrer Ausführung mir nicht das Herz öffnen konnte und die Langatmigkeit des Buches.


Das Buch in einem Zwitschern: 
Zoos sind toll, Tiere instinktgesteuert & das Leben nur erfüllt bei einem Glauben über das Sichtbare/Wahrscheinliche hinaus. Kann man mögen.

Dienstag, 22. April 2014

Angelesen: Das Glück, wie es hätte sein können von Véronique Olmi

Endlich hab ich wieder Zeit für vorablesen und konnte auch wieder was finden, was mich begeistern konnte: Liebe und Lebensveränderungen. Dieses Buch schreit ja gerade zu nach mir.


"Das Glück, wie es hätte sein können" von Véronique Olmi Antje Kunstmann Verlag

224 Seiten

19,95 € (Gebundene Ausgabe)

Die Leseprobe von vorablesen findet ihr hier.





Suzanna ist Klavierstimmerin und scheint ein kleines bescheidenes Leben zu führen. Sie ist zufrieden und glaubt nicht, dass ihr etwas außergewöhnliches passieren könnte. Doch dann stößt sie auf dem Weg zu einem Auftrag mit Serge zusammen.

Mehr kann man aus der Leseprobe nicht herauslesen. Suzanna erzählt die Geschichte aus der Rückblende, scheinbar völlig überrascht und fasziniert darüber, wie sich das Leben durch etwas so banales wie ein Zusammenstoßen in einem Hausflur verändern kann. Inwiefern es sich ändern wird, wird noch nicht klar.

Die Sprache ist nachdenklich, etwas hochtrabend, fast philosophisch. Und dennoch nimmt es einen direkt mit auf diese kleine Reise. Dank dem Schreibstil habe ich auch das erste Mal an dem Zitat der Woche bei vorablesen teilgenommen. Mal sehen, ob ich das Überraschungspaket gewinnen kann:

"Ich verstehe nicht, dass man keine Lust haben kann, den Atem der Zeit zu spüren, dem Leben den Puls zu messen, zu sehen, was es uns bietet."

Sonntag, 9. März 2014

Rezension: Das Leben, natürlich von Elizabeth Strout

Ich weiß gar nicht mehr wie „Das Leben, natürlich“ in meinem Einkaufskorb bei der Weihnachtsbestellung landete. Ich surfte auf Amazon hin und her und auf einmal blieb ich an diesem Buch hängen, jetzt hat es perfekt zu meiner Stimmung gepasst. Im Moment brauche ich Geschichten mit Herz, die Leben versprühen und  mich nachdenklich machen sollen. Genau das konnte „Das Leben, natürlich“ bieten.

„Das Leben, natürlich“ von Elizabeth Strout
394 Seiten
19,99 € (Hardcover)









„Das Leben, natürlich“ erzählt die Geschichte der Geschwister der Familie Burgess. Die Familie stammt aus Shirley Falls, einer Kleinstadt in Maine. Shirley Falls ist ländlich gelegen und geprägt von einer hohen Arbeitslosigkeit. Die beiden Söhne der Familie sind nach New York „geflohen“, die Eltern längst verstorben, nur die Schwester Susan mit ihrem Sohn Zachary lebt noch in Shirley Falls. Als Zachary eines Tages einen gefrorenen Schweinekopf in die Moschee der somalischen Muslime von Shirley Falls wirft wird dadurch eine Welle losgetreten, die den Ort aber auch das Leben der Familie durcheinanderwirbelt.

„Das Leben, natürlich“ ist ein Buch, bei dem ich ständig Zitate herausschreiben wollte, weil die Sätze so schön und wahr waren, aber es nicht konnte, weil ich unbedingt weiterlesen musste.

Ich war von der einfachen aber doch sehr bewegenden Geschichte völlig fasziniert. Diese Geschehnisse, die so einfach und „undramatisch“ beginnen, und die Auswirkungen, die sich daraus im Laufe des Buches entspinnen, waren einfach mitreißend. Das Buch ist in vier Abschnitte unterteilt, die wie Akte im klassischen Theater wirken: der Konflikt um Zacharys Missetat beginnt noch recht ruhig, die Familie und die Hintergründe werden vorgestellt. Im nächsten Abschnitt spitzt sich das Geschehen zu, Zachary wird angeklagt und die Misere nimmt ihren Lauf, der dann in den letzten beiden Abschnitten erst eskaliert und abschließend „gelöst“ wird.
(Wie sich die Handlung auflöst werde ich natürlich nicht verraten, das wäre ja noch schöner…*hihi).
Das Buch lebt von den kleinen zwischenmenschlichen Problemen und zeigt zusätzlich eine ehrliche, leise Gesellschaftskritik. Besonders bewegend war dabei für mich vor allem die realistische Darstellung des seltsamen Verhaltens beider Gruppen in Shirley Falls nach Zacharys Tat. Beide Bevölkerungsgruppen schienen vor allem durch ihr Misstrauen gesteuert.
Da ist das Misstrauen und die Aggression der Einwohner von Shirley Falls gegenüber den Somali, die afrikanischen Zuwanderer werden wie eine Plage und Prüfung für den Ort betrachtet. Es gibt einem fast das Gefühl, Zacharys Tat würde gebilligt werden. Aber auch die Somali zeigen vor allem Misstrauen und ihre Passivität ist deprimierend, sie wollen sich nicht Eingliedern und Verachten ihre neue „Heimat“. Zacharys Tat scheint für sie nur ein weiterer Beweis, dass dieses Land schlecht und verroht ist.
Es war eine wirklich ungewöhnliche Darstellung und doch wirkte sie ernsthaft und ehrlich. Zwischendurch habe ich mich immer wieder gefragt, wie wohl Zacharys wirkliche Beweggründe lagen, irgendwo zwischen Dummejungenstreich und Hasstat muss die Wahrheit liegen.
Im Buch wird die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven erzählt und man merkt allen Protagonisten an, wie sie sich im Verlauf der Handlung entwickeln. Sie zeigen Stärke, lassen Schwächen zu und geben ihrem Leben neue Richtungen. 

„Das Leben, natürlich“ besticht vor allem durch seine Menschlichkeit, die bewegende Handlung und die lebendigen Charaktere. Die tolle Sprache habe ich zwar schon kurz erwähnen können, möchte sie aber gar nicht weiter thematisieren, da für mich bei diesem Buch ganz klar die Handlung im Fokus steht.  Ich habe das Buch geradezu verschlungen und musste jetzt sofort diese Rezension niederschreiben, um die aufwühlende Handlung zur Ruhe legen zu können. 
Ich vergebe 4 von 5 Leseratten, noch besser hätte mir das Buch gefallen können, wenn Zachary, der diesen Stein zum Rollen brachte, auch noch selbst zu Wort gekommen wäre. Seine Sicht hätte die Geschichte abrunden können und einen tollen Kontrast geboten zu den Einschüben des Zuwanderers Abdikarim, der in Zachary trotz aller Differenzen den Menschen sehen konnte.

Freitag, 28. Februar 2014

Rezension: Im Sommer abends um halb elf von Marguerite Duras

Mein Februar-Challenge-Buch war wirklich eine Herausforderung. Da ich lange nur eher seichte Gegenwartsliteratur gelesen hatte, stolperte ich doch etwas in die Geschichte von Maria:

"Im Sommer abends um halb elf" von Marguerite Duras Suhrkamp Verlag

218 Seiten

16,80 € (Gebundene Ausgabe)

(Meine gab es kostenfrei für vier Wochen aus der Bibliothek)







Maria ist mit ihrem Mann, ihrer kleinen Tochter und einer nicht näher definierten Freundin auf Urlaub in Spanien. Aufgrund eines schweren Sommergewitters bleiben sie in einem kleinen Dorf, in dem sich gerade eine Tragödie abgespielt hat: Ein Mann hat seine gerade 19 Jahre alte Frau und ihren Liebhaber erschossen und wird immer noch gesucht.

Die kleine Reisegruppe verbringt die Nacht in einem überfüllten Hotel auf dem Gang, während sich Maria, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird, abwechselnd Gedanken über die sexuelle Spannung zwischen ihrem Mann und der mitgereisten Claire sowie der Tragödie und dem entflohenen Täter macht. Als sie sieht, wie sich ihr Mann und Claire auf einem Balkon leidenschaftlich küssen, entdeckt sie gleichzeitig den Mörder - er sitzt in eine Decke gehüllt auf dem Dach.

Die Sprache der Geschichte ist sehr abgehackt und sprunghaft, sie scheint direkt Marias Gedanken zu entspringen. Die zum Teil sehr verwirrenden Schilderungen werden noch dadurch erschwert, dass Maria offensichtlich ein Alkoholproblem hat und die Geschichte zum Teil wie durch einen Neben erzählt wird. Ihre Gefühle gegenüber dem nahenden Betrug ihres Mannes werden in keiner Weise aus einer sentimentalen oder romantischen Sicht beschrieben. Sie scheint fast gierig darauf zu warten, dass es endlich geschieht. Auch ihre Beziehung zu ihrem Mann wird auf eine rein körperliche Komponente reduziert.

Mir ist es wirklich schwer gefallen dieses Buch zu lesen. Ich hatte das Gefühl ohne Anleitung fast nicht verstehen zu können, was mir diese Geschichte eigentlich sagen wollte. Außer dass Menschen ihrer Lust und Liebe zu anderen Personen nicht widerstehen können. Sei es der Mörder, dem die Leute eine Unmenge an Verständnis entgegen bringen ebenso wie dem Liebhaber dessen Frau, der ihr nicht habe widerstehen können, weil sie sich ihm an den Hals geworfen haben. Oder Maria, die in keinerlei Kampf gegen die sich anbahnende Beziehung zwischen ihrem Mann Pierre und Claire zu gehen scheint, da es ja doch unausweichlich ist. Ebenso wie sie und keine der ihr nahe stehenden Personen gegen ihren Alkoholismus ankämpfen, oder Pierre und Claire gegen ihre gegenseitige Anziehung.

Mir fällt es schwer eine abschließende Bewertung dieses Buches zu geben, vor allem weil es mir auch so vorkommt, als ob ich kein Recht dazu hätte, weil ich es einfach nicht verstanden habe. Es kommt mir wie eines dieser Bücher vor, deren Zauber sich erst dank Sekundärliteratur und intensiver Besprechung entfalten.

Freitag, 24. Januar 2014

Entdeckt: Crowdfunding-Projekt "Im Schatten des Baobab"



Ich bin ein großer Fan des Crowdfunding. Die Idee, dass junge Unternehmer oder Künstler ihre Projekte mit Hilfe einer Masse an Unterstützern auf die Beine stellen können, finde ich wunderbar. Mein Mann hat schon häufiger beim amerikanischen Anbieter kickstarter.com Projekte unterstützt, ich habe dort bisher noch nichts gefunden, was ich wirklich unterstützen wollte. Heute bin ich dann bei startnext.de auf ein wirklich großartiges Projekt gestoßen: "Im Schatten des Baobab" ein Märchenbuch aus Burkina Faso.


Anne Wenkel reiste auf der Suche nach Märchen und Geschichten durch Burkina Faso. Dort werden Märchen noch traditionell von Geschichtenerzählern weitergegeben. Abends trifft sich die Dorfgemeinschaft um den traditionellen Märchen zu lauschen. Schriftlich niedergelegt sind diese Geschichten natürlich nicht. Die Illustratorin Anne Wenkel nahm sich also der Aufgabe an, nach Art eines modernen "Gebrüder Grimm" die Geschichten aufzuschreiben und zu sammeln.

Das Ergebnis dieser Sammlung soll jetzt in einem Märchenbuch, zusammen mit vielen (meiner Meinung nach) wunderschönen, absolut ausgefallenen Illustrationen veröffentlicht werden. 
"Im Schatten des Baobab" heißt diese Sammlung und wird im Jaja Verlag erscheinen. 

Hier könnt ihr die Geschichte von Anne Wenkel nocheinmal ausführlich lesen und das Projekt direkt unterstützen. Es gibt verschiedene Supporter-Stufen und für jede Stufe gibt es verschiedene kleine Dankeschöns. Ist klar, dass ich das Buch brauche, oder?

Das "Fernziel" der Autorin wäre es, den Kindern von Burkina Faso die Märchen ihres Volkes zurück zu bringen. Noch ein Buch zu verlegen (eine französische oder französisch-deutsche Version des Buches) und diese Bücher dort zu verschenken/verkaufen. Ich finde diese Idee wunderbar und wünsche ihr unheimlich viel Glück dabei. 
Vielleicht kann ein kleiner Beitrag von uns sie diesem Ziel ein Stück näher bringen?



Wer sich jetzt auch ein Buch, Postkarten oder einen schönen Kunstdruck sichern möchte kann unter http://www.startnext.de/im-schatten-des-baobab das Projekt unterstützen.


Dieses Projekt ist durch und durch besonders, nicht nur die großartige Idee und Umsetzung der Autorin, auch der Verlag, der dieses Buch herausbringen möchte, hat es mir angetan.


Vom Jaja Verlag hatte ich vorher noch nie gehört, musste also gleich mal nachschauen, welcher Verlag so ein tolles Projekt unterstützt.

"Im Jaja Verlag geht es bunt zu." So kann ich das erstmal ganz schnell zusammenfassen. Comics, Graphic Novels und illusturierte Literatur, auch Sachbücher mit einer Menge toller Fotos... Auf der Verlagsseite ist es mit "fein illustrierte Machwerke" überschrieben und das glaube ich ungesehen. Schon ohne eines der Bücher zu kennen machen alle einen hochwertigen Eindruck. Da muss ich demnächst mal reinschnüffeln. Besonders das illustrierte Geschichtenbuch "Lieblingsgeschichten" macht einen total interessanten Eindruck.

Mittwoch, 22. Januar 2014

Rezension: Die Romantherapie von Ella Berthoud & Susan Elderkin

Heute möchte ich euch endlich meinen absoluten Leseschatz der letzten Wochen vorstellen. „Die Romantherapie“ stand über Wochen auf meiner Wunschliste, jetzt ärgere ich mich, dass ich es nicht sofort gekauft sondern erst viel zu lang angeschmachtet habe. Mit meiner Weihnachtsbestellung ist es dann endlich hier eingezogen und seitdem kann ich es kaum noch aus der Hand legen…

„Die Romantherapie: 253 Bücher für ein besseres Leben“ von Ella Berthoud & Susan Elderkin mit Traudl Bünger
Insel Verlag
430 Seiten
20,00 € (Hardcover, wunderschöner Einband und Lesebändchen...)







Ihr habt Zahnschmerzen? Kein Problem! Einfach „Anna Karenina“ von Leo Tolstoi lesen, gut einwirken lassen und die Zahnschmerzen werden besiegt.
Zu früh geheiratet? Nicht sicher? Macht den „Effi Briest“ - Selbsttest und findet es heraus, eine passende Therapie wird empfohlen und kann direkt nach der Lektüre umgesetzt werden.
Ihr habt den Hang zum nörgeln? Lest „Picknick auf dem Eis“ von Andrej Kurkow und seht wohin das führen kann, gleich werdet ihr viel weniger nörgelig sein.
Für Tage unter der Bettdecke (wegen Krankheit oder Weltschmerz) bietet das Buch eine ganze Liste passender Bücher. Unter anderem „Das Licht zwischen den Meeren“ von M.L. Stedman.

Für unheimlich viele körperliche und seelische Leiden bietet die Romantherapie ein (oder viele) passende Bücher. Dazu kommen Kuren gegen die schlimmsten Leseleiden, wie zu viel, zu wenig oder das Falsche lesen. Außerdem passende Bücher für jedes Lebensjahrzehnt.
Die Texte zu den jeweiligen Leiden sind herrlich witzig geschrieben (zum Beispiel der Abschnitt über Bücher, wenn man sich mal ausgesperrt hat und auf den Schlüsseldienst wartet) und bieten dennoch viele kleine, einfache Wahrheiten.
Toll fand ich, dass die empfohlenen Bücher so abwechslungsreich sind, große Klassiker, leichte Gegenwartsliteratur, Krimis und Thriller, Sachbücher, schwere Kost und leichte Trostpflaster.

Das Buch hat bei mir den unglaublichen Reflex ausgelöst ständig darin zu blättern. Immer wenn ich ein paar Minuten Zeit habe, grüblerisch oder melancholisch bin nehme ich die Romantherapie zur Hand. Das Buch hat es seit seinem Einzug noch nicht einmal ins Regal geschafft, ich habe es hier auf dem Wohnzimmertisch oder in meiner Leseecke liegen und kann jederzeit danach greifen und darin versinken.
Besonders gern mag ich „Die zehn Besten“-Listen im Buch: Listen mit Büchern bei Fernweh, Liebeskummer oder nach einem Alptraum.

Bücher über Bücher sind immer so eine Sache, meistens schlägt man dann doch nicht wirklich nach oder die Texte sind so trocken formuliert, dass man alles nur kurz überfliegen möchte. Ich habe die Duden „Bücher, die man gelesen haben muss“ und mag beide sehr gern, weil sie viele Informationen über jedes vorgestellte Werk beinhalten, über den Autor und die Entstehungsgeschichte.
In „Die Romantherapie“ ist alles ein bisschen weniger fachlich aufgebaut. Es ist mehr, als würde man mit einer guten Freundin (oder zwei guten Freundinnen, die Autorinnen melden sich manchmal direkt zu Wort) über Bücher sprechen, Empfehlungen bekommen und nützliche Hinweise, wie verschiedene Werke verstanden werden können. Gerade diesen freundschaftlichen Ton genieße ich bei der Romantherapie sehr. Und neben den Informationen zu Büchern gibt es eben auch die sanften "Ratschläge" und ermutigenden Sätze die dieses Buch so wertvoll machen. Im Text übers Pleite sein wurde es schön zusammengefasst, dass es uns doch eigentlich allen sehr gut geht, wenn wir ein Dach über dem Kopf, etwas zu Essen und vielleicht sogar noch ab und an Geld für ein Buch haben.

5 von 5 Leseratten und der Platz als „Anhang zu meiner Lieblingsliste“ als Nachschlagewerk, dass ich nie mehr hergeben möchte.

Samstag, 18. Januar 2014

Rezension: Tausche Alltag gegen Leben von Franziska Schmitt

Von unserem vorablesen "Blogger des Monats" Gewinn (mehr findet ihr) wollte ich natürlich unbedingt das Reiseerlebnisbuch lesen! Schließlich hatte ich das Gefühl, das es nur mir zuliebe im Paket gelandet war.


"Tausche Alltag gegen Leben" von Franziska Schmitt Droemer Knaur Verlag

8,99 € (Taschenbuch)

256 Seiten








Franziskas Leben ist erfüllt: Sie hat einen Job, der sie fordert, eine sehr innige Beziehung zu ihrer Familie und zwei beste Freundinnen, die dem Alltag Glanz geben. Aber dennoch fehlt ihr etwas. Sie fühlt sich müde und leer. Es fällt ihr immer schwerer Spaß an ihrer Arbeit zu finden und sich zu etwas Neuem zu motivieren.

Während eines Urlaubs mit einer Freundin stellt sie fest, dass das Reisen und Wandern in fremden Ländern ihr viel Freude und Erfüllung bringt. Daraufhin beginnt sie zu recherchieren und zu planen und stellt fest, es ist möglich. Sie kündigt ihren Job und ihre Wohnung und startet für ein Jahr zu einer Backpacker-Reise durch Asien.

Ich red mal nicht drum herum: Das Buch war überhaupt nichts für mich. Zu aller erst haben mich die ständigen Fragezeichen gestört - ich glaube Frau Schmitt sofort, dass sie ein zweifelnder Mensch ist. Die ständige Fragerei "Ist das richtig?" "Soll ich das machen?" war leider einfach nur nervend.

Ein weiterer Punkt war, dass es meistens nur um Franziskas Selbstfindung und persönlichen Entwicklung ging. Die Annahme, dass es sich bei diesem Buch um Reiseliteratur handelt, hat sich für mich leider nicht bestätigt. Zumindest nahm es höchstens zehn Prozent der Seiten ein.

Zu guter letzt: Ihr Schlüssel zum Glück war natürlich ein Mann! Es tut mir Leid - das kann ja wirklich sein und ich freue mich, dass sie ein neues Leben angefangen hat und kein Single mehr ist. Aber mir als Feministin dreht sich der Magen um, wenn eine Frau ihr erfülltes Leben aufgibt und ihr neues Glück allein aus dem Kennenlernen eines Mannes bezieht. Ich denke nicht, dass es wirklich so war. Aber unterschwellig (gewollt oder nicht) stellt sie es so dar.

Ich möchte dieses Buch nicht abschließend bewerten. Schlecht wäre gemein, denn es war einfach nicht mein Buch. Mittel wäre ungerecht, denn es ist nicht so gut wie andere Bücher in dieser Kategorie. Und gut war es schon gar nicht. Es ist einfach nett, deswegen einfach keine Ratten für diesen Selbstfindungstrip.

Samstag, 4. Januar 2014

Rezension: Wie die Franzosen die Liebe erfanden von Marilyn Yalom

Ich hatte mal wieder Glück bei vorablesen! Obwohl Glück hier wohl eher heißt, einer von nur 159 gewesen zu sein. Bei 100 Freiexemplaren also fast eine sichere Bank und im Nachhinein bin ich sehr froh darüber.


"Wie die Franzosen die Liebe erfanden" von Marilyn Yalom Graf Verlag

420 Seiten (plus 23 Seiten Anmerkungen und Personenregister)

22,99 € (Hardcover)









Es ist ein Sachbuch. Seine Geschichte ist die französische Literatur der letzten 900 Jahre. Allein das erfüllt einen mit Ehrfurcht und Angst. Wer will sowas lesen? Außer sie oder er studiert französische Literatur.

Aber hier liegt der besondere Zauber dieses Buches - man möchte es lesen! Man möchte es gerade zu verschlingen und wünscht sich gleichzeitig die Zeit zu haben all das, was die Autorin beschreibt, parallel lesen zu können.

Marilyn Yalom erzählt in beschwingter Leichtigkeit von der Geschichte und der Seele der Franzosen, fasst etliche Bücher zusammen, erzählt dutzende Biografien und hat immer eine Anekdote aus oder eine Verbindung zu ihrem eigenen Leben parat. Es ist unglaublich. Vor allem, wenn man sich nur für einen Moment vergegenwärtigt, welches Wissen, welche Recherche, welche Arbeit hinter einem solchen Werk steckt. Es ist wahrlich ein Lebenswerk.

Es ist spannend, interessant, lehrreich, unterhaltsam, amüsant und eine Sammlung der schönsten, schaurigsten und unglaublichsten Liebesgeschichten. Denn die meisten sind wahr. Jeder der Biografien mag, kann es lesen. Aber auch jeder, der sich für Frankreich, die Liebe und Literatur interessiert. Eigentlich jeder, der das hier gerade liest - denn es ist vor allem eine Besprechung aller großen Werke und Schriftsteller Frankreichs. Und dazu aus der Sicht einer Amerikanerin, die trotz ihrer prüden Heimat auch mehrere Kapitel der gleichgeschlechtliche Liebe widmet.

Ich könnte noch seitenweise so weiter erzählen - daher bleibt mir nur eins: Fünf von fünf Leseratten für dieses erstaunliche Buch, an dem ich keinen Makel finden kann und das wohl noch lange in meinem Bücherregal verbleiben wird und das ich noch oft in de Hand nehmen werde. Schon allein, weil es sehr viele gut abgehobene Zitate enthält und damit ein Quelle für viele Liebesbekundungen darstellt. Und deswegen auch ein Platz auf der Top Twenty Liste.

Mittwoch, 13. November 2013

Rezension: Jeder stirbt für sich allein von Hans Fallada

Vor etwa zwei Jahren las ich die Biografie von Hans Fallada "Mehr Leben als eins" von Jenny Williams. Auch ein sehr gutes, beeindruckendes Buch. Es war unter anderem deswegen so interessant, weil es kurze Buchbesprechungen aller Romane von Hans Fallada enthält und so machte es mich neugierig auf "Jeder stirbt für sich allein", das vor einigen Jahren vor allem in den USA eine Renaissance erlebt hatte.


"Jeder stirbt für sich allein" von Hans Fallada Aufbau-Verlag

704 Seiten

12,99 € (Taschenbuch)

(Ich bin ehrlich: Ich selbst besitze es nicht, sondern habe es mir damals von meinen Eltern als Hardcover ausgeliehen.)




Das Buch erzählt die wahre Geschichte des Ehepaares Otto und Anna Quangel (eigentlich Hampel), das 1940 beginnt Postkarten mit Antinazi-Parolen in Berlin zu verteilen, um damit Widerstand gegen das Regime zu üben, in der Hoffnung, dass es anderen die Augen öffnet und es den Krieg beendet.

Doch das Buch besteht aus vielen weiteren kleinen Geschichten und ebenso vielen Figuren und Charakteren. Damit zeichnet es ein umfassendes Bild des alltäglichen Lebens zur damaligen Zeit. Ob Trudel Hergesell, die Verlobte des im Krieg gefallenen Quangel Sohnes, die in einer kommunistischen Widerstandszelle aktiv ist, diesen Widerstand aber aufgibt, als es um ihr Leben, das ihres Mannes und ungeborenen Kindes geht. Oder der Kommissar Escherich von der Gestapo, der auf der Suche nach dem Postkartenverteiler die Methoden der Nazis am eigenen Leib zu spüren bekommt, weil er anderen Mitgliedern der Gestapo zu überheblich erscheint.

Es gibt noch etliche Figuren mehr: Nazitreue, stille Mitläufer, Widerständler, kleine Kriminelle, Intellektuelle, aber vor allem ganz normale Menschen. Der Terror, die Willkür und die ständige Angst, die damals zum Alltag gehörten, werden mit Händen greifbar. Es macht einen ehrfürchtig und begreiflich, wie schwierig es war, Widerstand zu leisten und ist gleichzeitig eine Ehrung für alle, die irgendwie und wenn auch nur im Kleinen Widerstand geleistet haben.

Das Buch fesselt einen mit seinen vielen Schicksalen und Geschichten, wird dabei jedoch niemals unübersichtlich. Es ist keine schwere Kost, trotz des ernstes Themas, es ist ebenso wie das Leben in jeder schweren Stunde immer noch gelegentlich amüsant, spannend und liebenswert. Es lässt einen nicht wieder los, wenn es auch manchmal schwierig war, wieder zum Buch zu greifen, weil es einen mit so lebendigen Worten und Bildern in diese Zeit bringt, in der keiner von uns hätte leben wollen.

Es ist für mich ebenso wie "Die Unsichtbare Brücke" von Julie Orringer eine Pflichtliteratur. Ich habe sehr viel über die NS-Zeit gelesen, gesehen, gesprochen, nachgedacht, debatiert Doch nichts hat mir so wie dieses Buch vor Augen geführt, was diese dunkelste Stunde der Geschichte wirklich für den Einzelnen bedeutete. Deswegen gibt es von mir voller Ehrfurcht vor diesem Werk fünf von fünf Ratten und einen Platz auf der Liste meiner Lieblingswerke.