Dienstag, 10. Juni 2014

Buch-Film-Vergleich: José Saramago "Der Doppelgänger" / "Enemy"

 

Unter dem Motto "Never judge a book by its movie" lud der Hoffmann und Campe Verlag zum Buch-Film-Vergleich ein. Spontan nahmen wir teil und haben uns erst mit dem ebook zu José Saramagos "Der Doppelgänger" beschäftigt, anschließend ein kleines Kino besucht und "Enemy" mit Jake Gyllenhaal gesehen. Hier unser Fazit zu Buch und Film.

Das Buch:
„Der Doppelgänger“ von José Saramago ist keine ganz leichte Kost. Eigentlich ist die Grundsituation sehr spannend und bietet einige Möglichkeiten. Die Vorstellung plötzlich seinem eigenen, exakten Doppelgänger entgegen zu stehen, lässt eine ganze Reihe möglicher Entwicklungen offen.
Im Buch von José Saramago wird die Situation aber nur sehr zäh entwickelt und es dauert wirklich lang, bis so etwas wie Spannung aufkommt. Das liegt meiner Meinung nach daran, dass der Text gespickt ist von altklugen Einschüben des Autors und philosophischen Gedanken, die den Leser immer wieder weg von der eigentlichen Handlung treiben und zum Teil völlig verwirren. Manche der Überlegungen sind zwar gezielt auf die Grundsituation gerichtet und bieten interessante Denkansätze oder tolle Theorien, andere sind aber eigentlich völlig überflüssig und haben mich nur ermüdet. Leider wird auch neben diesen Einschüben die eigentliche Handlung zum Teil sehr detailliert und unnötig verlangsamt erzählt.
Der Protagonist Tertuliano Maximo Afonso wiederum war mir eigentlich recht sympathisch. Der Geschichtslehrer ist zwar gefangen in seinem alltäglichen Trott und seine Haltung gegenüber seiner Freundin fand ich sehr schwierig, seine Position in Dialogen und Überlegungen empfand ich aber durchgehend als nachvollziehbar und angenehm.

Der Film:
Eins vorab: Ich hatte völlig falsche Erwartungen an „Enemy“. Der deutsche Trailer hat mich einen, bestenfalls actionreichen, Psychothriller erwarten lassen. Kurz gesagt: der Film ist um einiges ruhiger und deutlich statischer als ich erwartet hatte.
Eindeutig positiv war die im Film durchgehend bedrohlich und bedrückend wirkende Stimmung, diese wurde durch die sehr reduzierte Filmmusik und die stark monochrom wirkenden Bilder toll unterstützt. Zur Handlung passt das perfekt und verdeutlicht die Verwirrung und Verzweiflung der Protagonisten wunderbar. Der gesamte Film ist außerdem gespickt vom immer wiederkehrenden Symbol der Spinne, diese Alpträume und düsteren Visionen sind zwar filmisch toll umgesetzt und bieten tolle Bilder, haben uns aber ratlos im Kino zurückgelassen: wofür soll diese Metapher stehen?
Die Handlung war insgesamt angenehm gekürzt und im Film lag der Fokus auf den richtigen Abschnitten des Buches. Trotzdem hat auch der Film seine Längen und in einigen Abschnitten wirkte die Handlung recht ziellos.
Neben der schönen filmischen Gestaltung können sich auch die Schauspieler wirklich sehen lassen, sie passten toll in ihre Rollen und füllten die Charaktere gut aus. Mit Jake Gyllenhaal, Mélanie Laurent und Sarah Gadon ist die Besetzung auch alles andere als zweitklassig.

 
Jake Gyllenhaal spielt die Hauptrolle im Kinofilm "Enemy".

Entweder… oder…?
Vor der Wahl stehend, das Buch zu lesen oder den Film zu schauen, würde ich eindeutig zum Film greifen. Die Handlung war im Vergleich zum Buch deutlich gestrafft und spannender, markanter dargestellt, die Stimmung wurde schön vermittelt. Leider wirkte sowohl im Buch als auch im Film die Handlung zum Teil etwas ziellos und unlogisch, das senkt die Spannung und leider auch die Begeisterung immer wieder.
Die philosophischen Ansätze des Buches fehlen im Film außerdem völlig, ob das Fluch oder Segen ist kann ich schwer beurteilen, einerseits geben sie dem Buch seinen besonderen Charakter, andererseits führten sie auch (wie schon beschrieben) nicht immer zum Ziel.

Ist das Kunst oder kann das weg?
So richtig Kunst ist „Enemy“ nicht, so richtig weg sollte es deswegen aber in meinen Augen auch nicht. Sowohl Buch als auch Film regen zum nachdenken an, nicht alles ist logisch und wir konnten so richtig meckern über das seltsame Vorgehen des Protagonisten, aber über die philosophischen Überlegungen (im Buch) oder symbolischen Bilder (im Film) konnten wir noch eine Weile sprechen. 
Auch wenn also weder das Buch, noch der Film so richtig mitreißen, haben sie doch einen Sinn von Kunst erfüllt: man kann so richtig darüber diskutieren.

Mehr über "Enemy" im WDR 2 Kinotipp

Die gelesene Buch-Version ist "Enemy" von José Saramago, erschienen als ebook im Hoffmann und Campe Verlag (9,99 €)
Mehr Informationen zum ebook auf der Verlagsseite

Montag, 9. Juni 2014

Montagsfrage #23 von libromanie


Die heutige Montagsfrage ist totally me, weil ich mich so herrlich unnötig gern darüber auslassen:

"Hörbücher gekürzt oder ungekürzt?"

Absolut ungekürzt! Schon allein, weil ich Hörbücher vorzugsweise nach ihrer Spiellänge kaufe ;-). Ich nutze sie gerne als Motivatoren zum Aufräumen oder laufen gehen. Und ich mag lieber echte Hörbücher als Hörspiele. Das ist manchmal sogar schwerer beim Kauf zu entdecken als der Hinweis "ungekürzt". Für alle, die den Unterschied nicht kennen, erkläre ich ihn gerne:

- Hörbücher sind meist ungekürzte Lesungen einer Person eines Buches ohne weitere Special Effects.

- Hörspiele sind ähnlich wie Filme Adaptionen eines Buches mit verschiedenen Sprechern, Musik und zusätzlichen Geräuschen. Sie enthalten aber Originaltextpassagen aus dem Buch. Wie umfangreich kann man aber nie wissen.

Ich bin übrigens gerade auf der Suche nach einem neuen Hörbuch - irgendwelche Empfehlungen?

Sonntag, 8. Juni 2014

Rezension: Die Geschichte von Zeb von Margaret Atwood

Es ist hoffentlich angemessen klar geworden, dass ich mich „Oryx und Crake“ und „Das Jahr der Flut“ extrem begeistert haben. Meine Wartezeit zwischen dem Ende von „Das Jahr der Flut“ und meinem Start mit „Die Geschichte von Zeb“ betrug daher genau so lange, wie es dauerte die Schutzfolie abzufummeln und das Buch aufzuschlagen.

„Die Geschichte von Zeb“ von Margaret Atwood
Teil 3 der MaddAddam Trilogie
480 Seiten
22,99 € (Hardcover)







„Die Geschichte von Zeb“ führt die Handlung der beiden Vorgänger vereint fort und beginnt genau dort, wo „Oryx und Crake“ und „Das Jahr der Flut“ endeten. Dieses Buch lässt uns nun also den Überlebenskampf in der zerstörten Welt erleben. Wir treffen Schneemensch und Toby wieder, lernen die Craker und MaddAddamiten besser kennen und hören „Die Geschichte von Zeb“. Im Verlaufe des Buches bekommen die Craker eine immer komplexer ausgearbeitete Schöpfungsgeschichte erzählt und es zeigen sich erste Entwicklungen in ihrem Verhalten.

Die „Craker“, die von Crake geschaffene, völlig friedliche und optimierte Menschenrasse, bilden in diesem Band einen zentralen Aspekt der Geschichte. Sie treffen erstmals auf eine größere Gruppe normaler Menschen und die Konflikte der beiden „Spezies“ treten umso deutlicher hervor. Faszinierend ist die Darstellung der Entwicklung dieser „idealisierten“ Menschen, welche durch den Kontakt mit uns fehlerbehafteten und vergleichsweise schwachen Kreaturen ausgelöst wird. Die Craker wurden ursprünglich als möglichst perfekter Ersatz für „uns“ geschaffen: Gewalt und Kunst sollten ihnen fremd sein, Liebe sollten sie nicht kennen. Alles was möglicherweise Konflikte hervorruft, sollte den Crakern unbekannt bleiben. Von diesem „Ideal“ beginnen die Craker im Laufe der Geschichte ganz leicht abzuweichen, sie wirken zum Teil fast „menschlich“.
Nachdem die beiden Vorgänger eher von der Verzweiflung und dem Untergang der Gesellschaft dominiert wurden, zeigt „Die Geschichte von Zeb“ erste Hoffnung. Wie eine Pflanze, die nach langer Dürre erste kleine grüne Triebe zeigt, wird auch in dieser Geschichte erstmals Aufbau und Regeneration gezeigt. Natürlich ist das Leben nicht plötzlich leicht, auch in dieser Geschichte ist der Überlebenskampf von Mangel und Gewalt gezeichnet, aber man beginnt einen Blick auf „später“ zu werfen. Das es überhaupt ein „später“ geben könnte, ist dabei schon der gravierendste Unterschied zu den Vorgängern. Wo vorher nur das „jetzt“ war, ist nun auch Platz für Planung und Zukunft. Eine Zukunft, die so lang auf der Kippe stand.
Auch diesmal bietet der Aufbau der Geschichte wieder seine Besonderheiten. Was im ersten Band die Rückblenden in die Vergangenheit und im zweiten Band die Predigten von „Adam Eins“ waren, ist in „Die Geschichte von Zeb“ die Schöpfungsgeschichte für die Craker. Jeden Abend bekommen sie von Toby einen Teil der Geschichte von Zeb erzählt, so sollen ihnen Stück für Stück menschliche Phänomene wie Wut oder Liebe erklärt werden. Diese Einschübe wirken manchmal ein bisschen zusammenhangslos und naiv, bilden für die verängstigten Craker aber einen Anker und Trost. Sie zu lesen macht einfach Spaß.

Ich möchte es diesmal kurz machen: „Die Geschichte von Zeb“ bildet einen gelungenen Abschluss der Trilogie und hat mich völlig zufrieden zurück gelassen. Die Handlung ist geschlossen genug, um nicht verloren zu wirken und offen genug, um selbst „weiterdenken“ zu dürfen.
Diese Trilogie war ein echtes Highlight in meinem Lesejahr. Selten habe ich drei so gleich starke, konstant spannende und perfekt verwobene Bücher gelesen: 5 von 5 Leseratten auch hier.


Das Buch in einem Tweet: "Die Geschichte von Zeb" ist der gelungene Abschluss einer grandiosen Trilogie. Erstmals Hoffnung und Zuversicht für eine kaputte Welt.

Samstag, 7. Juni 2014

Rezension: Das Jahr der Flut von Margaret Atwood

Eigentlich mag ich Buch-Reihen nicht so gern. Nur einige Wenige habe ich wirklich komplett gelesen. Meist geht mir (oder dem Autor) ja doch vorher irgendwie die Luft aus. Bei der MaddAddam-Trilogie dagegen habe ich eine Sucht entwickelt, die seines Gleichen sucht. Nachdem ich „Oryx und Crake“ beendet hatte, war ich richtiggehend deprimiert. Häufig wollte ich nochmal schnell nachlesen was denn nun mit Schneemensch weiter passiert. Bis mir jedesmal wieder einfiel: „Ach, stimmt. Das Buch ist ja doch zuende!“. Nachdem mir klar wurde, dass diese akute Sucht nur durch mehr von MaddAddam gelindert würde, habe ich schnell weitergemacht mit „Das Jahr der Flut“.

„Das Jahr der Flut“ von Margaret Atwood
Teil 2 der MaddAddam Trilogie
Berlin Verlag
480 Seiten
10,95 € (Taschenbuch) oder 8,49 € (Kindle Edition)







 „Das Jahr der Flut“ spielt in derselben Zeitebene wie zuvor „Oryx und Crake“. Das heißt wir beginnen in einer zwar angeschlagenen, aber noch intakten Welt und erleben den Untergang der Gesellschaft noch einmal mit. Diesmal wird die Geschichte aus der Perspektive einzelner Mitglieder der „Gottesgärtner“ berichtet, einer religiösen Gruppe, die sich auf die wasserlose Flut vorbereitet und nach einer eventuellen Katastrophe die Erde befreien möchte.

Das Konzept, in zwei Büchern dieselbe Zeitschiene aus verschiedenen Winkeln zu betrachten ist mir bisher noch nicht begegnet und macht für mich den besonderen Reiz dieses Buches aus. Während in „Oryx und Crake“ quasi hinter den Kulissen berichtet wird, wie es zur Katastrophe kam, wird in „Das Jahr der Flut“ eine ganz andere Seite des Geschehens dargestellt. Die Auswirkungen auf die Gesellschaft kommen in den Schilderungen der Gottesgärtner noch viel direkter herüber. Anfangs mag man die Gärtner noch belächeln, wie sie auf Hausdächern Kartoffeln anbauen und Notfall-Lager anlegen, später werden ihre Prophezeiungen traurig war. Und alles kommt dabei noch schlimmer, als es selbst die Gärtner erwartet hätten.
Die Gottesgärtner wirken wie ein Haufen gutmütiger und manchmal realitätsferner Hippies. Ihre Glaubensmaximen lehren Friedlichkeit und Zusammenhalt, es wird gemeinsam gearbeitet und möglichst energisch demonstriert. Jedes Kapitel wird durch eine Predigt von „Adam Eins“, dem Glaubensführer der Gruppe, und einem Lied des Blumenblütenchors eingeleitet. Das ist umso spannender, weil man merkt, wie sich auch die Gottesgärtner den wandelnden Bedingungen stellen müssen. Das die Ansprachen von Adam Eins zum Teil sehr skurril wirken und die Glaubenssätze auf Biegen und Brechen den aktuellen Umständen angepasst werden, hat mich besonders unterhalten. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sich hier eine Metapher auf die skurrile Wirkung, die wohl jede Religion auf Außenstehende hat, findet. Das hat mich neben vielen herzhaften Lachern auch immer wieder zum Grübeln gebracht. Ich hoffe ich interpretiere nicht einfach zu viel in diese Passagen hinein.
Da die Geschichte völlig neue Charaktere begleitet und auch deren Lebensgeschichten wieder wunderbar mit der Gesamtgeschichte verwoben werden, hatte ich nicht erwartet bekannte Gesichter aus „Oryx und Crake“ wieder zu treffen. Umso begeisterter war ich, als sich viele lange vorbereitete Handlungsfäden beider Bücher verbanden und ich immer mehr Beziehungen zwischen Menschen und Handlungssträngen aus beiden Büchern entdeckte. Diese Verwebungen werden zum Ende des Buches hin immer stärker und stärker. Bis „Das Jahr der Flut“ schließlich exakt in derselben Szene mündet, in der schon „Oryx und Crake“ endete und mich vor Spannung kaum zu Atem kommen lies. Ich musste also sofort zu „Die Geschichte von Zeb“ greifen um zu erfahren was weiter passiert.
Ohne Abstriche kann ich sagen, dass „Das Jahr der Flut“ genauso stark wie „Oryx und Crake“ ist, mich von der ersten Seite gefesselt und unterhalten hat und mich dabei ganz nebenbei immer wieder zum nachdenken bringt. 5 von 5 jubelnden, begeisternden Leseratten auch für „Das Jahr der Flut“.


Das Buch in einem Tweet: Zurück auf Anfang in "Das Jahr der Flut". Mit den Gottesgärtnern erleben wir die Katastrophe erneut. Wieder Spannung & großartige Atmosphäre.

Freitag, 6. Juni 2014

Rezension: Oryx und Crake von Margaret Atwood

Im Bücher-Magazin habe ich vor einer Weile von der MaddAddam-Trilogie von Margaret Atwood gelesen und war sofort fasziniert. Aus Angst enttäuscht zu werden, habe ich mit dem Lesen noch eine Weile gewartet. Kurz: ich hätte sofort loslegen sollen!

„Oryx und Crake“ von Margaret Atwood
Teil 1 der MaddAddam Trilogie
384 Seiten
10,99 € (Taschenbuch)








Die Welt, in der Jimmy und Crake aufgewachsen sind, ist schon sehr befremdlich. Die Eliten leben in abgeschirmten Bereichen und werden von dem „einfachen Volk“ strickt getrennt, sie genießen höhere Bildung und gesonderte Privilegien. Doch die Welt, in der Jimmy jetzt lebt, ist noch um einiges härter. Aus den anfangs zukunftsträchtigen Forschungen einiger Wissenschaftler entwickelt sich Stück für Stück eine apokalyptische Vision.
Die Geschichte die Jimmy (alias Schneemensch) erzählt, ist die einer globalen Katastrophe und einer ganz persönlichen Liebesbeziehung. Ich fand diese Verbindung von Anfang an sowohl ungewöhnlich, als auch äußert gelungen. Da ist einmal der dystopische Teil des Buches. Ich habe bisher kaum eine so kluge, realistische und darum so beängstigende Dystopie gelesen wie „Oryx und Crake“. Alle Entwicklungen scheinen so nah im Bereich des Möglichen und spiegeln tatsächliche Entwicklungen unserer Welt, dass ich diesen Schilderungen fassungslos folgen musste. Besonders überzeugt hat mich, dass alle Entwicklungen, vom Organschwein über die politischen Konflikte wegen einer nur auf Gewinn ausgerichteten Argrarkultur, so ehrlich beschrieben schienen. Nichts ist einfach nur schlecht, weil es neu ist. Aber es passiert, dass auch kleine Eingriffe in die Natur oder gut gemeinte Forschungen in schlimme Folgen münden.
Der Teil über die Beziehungen von Oryx, Crake und Schneemensch ist dagegen deutlich leiser und privater. Crake und Schneemensch sind beide in die schöne aber geheimnisvolle Oryx verliebt, wirklich haben kann sie keiner. Und auch die Lebensgeschichten der drei Protagonisten sind schon, jede für sich, besonders erzählenswert. Alles verwebt sich in diesem Buch zu so einer dichten Handlung, dass ich völlig von der Geschichte gefangen war.
Wen „Oryx und Crake“  jetzt nicht schon allein wegen der Thematik und der grandiosen Szenerie in seinen Bann zieht, der sollte spätestens von der tollen Atmosphäre und dem grandiosen Schreibstil gefangen werden. Die Stimmung hat von der ersten Seite gestimmt und die Erzählweise aus Jimmys Sicht ist perfekt gewählt. Alle Beschreibungen sind so stimmungsvoll und detailliert, dass sich ein genaues Bild dieser Welt entwickelt. Dabei wird man nicht mit einer langen Vorgeschichte in die Szenerie eingeführt, sondern erfährt nur Stück für Stück, was dazu führte, dass sich Schneemensch nun ganz allein durchschlagen muss. Dieser Aufbau der Geschichte war für mich deutlich spannender als lange, konstruierte und im schlimmsten Fall unglaubwürdig beschriebene Vorgeschichten, die in anderen Dystopien auf Krampf für Stimmung sorgen sollen.
„Oryx und Crake“ ist mein zweites absolutes Highlight in diesem Jahr und hat mich restlos begeistert. Ich konnte das Buch in keiner freien Minute zur Seite legen, bis ich es ausgelesen hatte. Und auch die Tage danach hing ich noch völlig in der Welt von Oryx und Crake fest. Das Buch bietet so viel Unterhaltung, aber auch so viele ernste Themen, denen man sich selbst stellen muss, dass ich es nur unbedingt jedem empfehlen kann.
Ganz eindeutige 5 von 5 Leseratten und ein Platz auf meiner Top-20-Liste.


Das Buch in einem Tweet: "Oryx und Crake" ist eine realitätsnahe, kluge Dystopie und darum umso beängstigender! Spannend geschrieben und toll konstruiert. Lesen!

Donnerstag, 5. Juni 2014

Bild&Wort: MaddAddam bennent die toten

"Adam benannte die lebenden Tiere, MaddAddam benennt die toten. Willst du spielen?"

In den letzten beiden Wochen habe ich alle drei Bände der MaddAddam Trilogie am Stück gelesen. Nicht nur das Motto von Extinctathon hat sich dabei in meinen Kopf gefressen, alle Geschichten und Charaktere der Trilogie sind mir sehr in Herz und Hirn geschlichen. 

Da ich alle drei Bände direkt nacheinander lesen musste (ich hätte die Spannung einfach nicht ausgehalten) möchte ich euch auch alle drei Rezensionen am Stück vorstellen (und euch so hoffentlich zum Lesen verleiten). Heute gibt es zur Einstimmung meine beiden liebsten Zitate aus "Oryx und Crake" dem Auftakt der Trilogie.

„Wenn eine Zivilisation Staub und Asche ist.“ Sagte er, „ist die Kunst das Letzte, was übrig bleibt. Bilder, Worte, Musik. Strukturen der Vorstellungskraft. Inhalte – also der Sinn menschlicher Existenz – definieren sich dadurch.“ 
aus Oryx und Crake von Margaret Atwood, S. 175



„Was bezahlt denn für das alles?“ fragte er Crake […] „Die Trauer angesichts des unausweichlichen Todes“, sagte Crake. „Der Wunsch, die Zeit anzuhalten. Die Natur des Menschen.“ 
aus Oryx und Crake von Margaret Atwood, S. 301

Mittwoch, 4. Juni 2014

Ein Blick in die Verlagsvorschau von... Kein&Aber

Ich habe noch kein Buch aus dem Kein&Aber Verlag gelesen. Das möchte ich aber schnellstens ändern! Deswegen habe schon jetzt meine Nase tief in das Herbstprogramm des Verlages gesteckt und geschaut, was es Tolles geben könnte.

Drei besonders spannende Titel möchte ich euch heute vorstellen.

"Drei auf Reisen" von David Nicholls
Erscheint am 22.09.2014

Eines Nachts verkündet Connie ihrem Ehemann Douglas aus heiterem Himmel, dass nun, nach über zwanzig Jahren glücklicher Ehe, der ideale Zeitpunkt für eine Trennung und einen Neuanfang gekommen sei – jetzt, wo ihr Sohn Albie bald ausziehe. Doch der bereits geplanten Grand Tour zu
dritt durch die schönsten Städte Europas – Paris, Amsterdam, München, Venedig, Siena, Florenz, Madrid, Barcelona – solle trotzdem nichts im Wege stehen. Unterwegs erinnert sich Douglas an die unterschiedlichsten Phasen ihrer Beziehung. Er hofft, seine Frau auf der Reise zurückzugewinnen und zugleich die Beziehung zu seinem Sohn zu vertiefen – ein Unterfangen, das trotz akribischer Planung ganz unerwartete Wendungen nimmt.

Vermutlich bin ich die einzige Buchbloggerin, die "Zwei an einem Tag" nicht gelesen hat. Es hat mich thematisch einfach nicht angesprochen. "Drei auf Reisen" klingt da mehr nach meinem Geschmack und könnte ein spannender Beziehungsroman vor interessanten Kulissen sein.


"Unsere Namen" von Dinaw Mengestu
Erscheint im September 2014

Was stimmt nicht mit diesem Mann namens Isaac? Dem Afrikaner ohne Vergangenheit, der plötzlich in dem Nest im Mittleren Westen auftaucht? Eigentlich soll die junge Sozialarbeiterin Helen dem Fremden den amerikanischen Way of Life näherbringen, aber schon bald entwickelnsich irritierende Gefühle zwischen den beiden. Helen fängt an, in Isaacs Vergangenheit zu forschen. Doch je mehr sie in Erfahrung bringen kann, desto größer wird das Verwirrspiel um seine Person.

Liebe + Geheimnisse + philosophische Themen = Ja! Obwohl man aus der Verlagsvorschau und der Website viel zu wenig über dieses Buch erfährt, hat mich die Neugier sofort gepackt. Die Begegnung zweier Kulturen und eben zweier Menschen birgt sicher viel lesenswertes.


"Die seltsame Berufung des Mr. Heming" von Phil Hogan
Erscheint im Juli 2014


Hätten Sie vermutet, dass der sympathische Immobilienmakler Mr Heming eine Kopie Ihres Schlüssels anfertigt? William Heming ist nicht zu trauen: Er lässt jeden Schlüssel nachmachen und schleicht sich in Abwesenheit der Bewohner nicht nur in deren Häuser, er schleicht sich vor allem in deren Leben.Aus seiner Sicht erzählt: voller rabenschwarzem Humor, psychologisch raffiniert und absolut fesselnd. Das Verblüffende daran: Je mehr man Mr Hemings befremdendes Verhalten kennenlernt, desto stärker fühlt man mit ihm mit.


Nach Liebe und Anspruch jetzt noch eine gehörige Portion Humor! Ich selbst wohne in einem recht großen Wohngebiet. Fenster zu allen Seiten und hinter jedem Fenster so viele verschiedene Leben. Natürlich habe ich mich schon öfter gefragt, wer sich wohl dahinter verbrigt. Der seltsamen Berufung des Mr. Heming bin ich dabei nicht gefolgt, aber ich würde nur zu gern davon lesen, was er hinter fremden Fenstern erfährt!

Dienstag, 3. Juni 2014

E-Reader-Vorstellung: Einzug im Rattenbau

Hallo ihr Lieben! Alex hat es geschafft. Es war von Anfang an ihr perfider Plan und sie hat den ersten Meilenstein erreicht: Ich habe mir einen E-Reader gekauft! Ein bisschen schäme ich mich ja noch dafür. Ich bin immer eine ausgesprochene Gegnerin von E-Books gewesen. Immer wieder habe ich Alex geschrieben: "Mein neues Buch ist da! Und wie es sich anfühlt und riecht! Ich will nie ein E-Book lesen!"

Aber dann kam die Entscheidung zu einer großen Reise und die Aussage meines Reisebegleiters: "Du darfst nur ein Buch mitnehmen!" Schock! Insgesamt über 24 Stunden Flugzeit, drei Wochen Urlaub und EIN BUCH???? Selbst wenn ich eins finden würde, das lang genug ist, kann mir jemand garantieren, dass ich es mögen würde?

In dieser Zeit hat Alex ihre E-Reader-Vorstellung veröffentlicht und ich habe angefangen zu lesen. Dann wurde ein kleines Sümmchen zum Verjubeln frei und an einem gemütlichen Samstag habe ich mich vor den Laptop gesetzt, weitere Berichte gelesen und entschieden: Der neue Kindle Paperwhite soll es sein. Aller bösen Vorbehalte zum Trotz - es hat auch seine Vorteile sich an einen großen Konzern wie amazon zu binden.

Aber ich bin ja Frau und habe gleich mal die passende Hülle geshoppt. Die erste war leider ein Reinfall und hier mein erster Tipp für E-Reader-Jungfrauen wie mich: Bei der Hülle unbedingt ausprobieren, ob der On/Off-Knopf freiliegt. Wenn Alex mir blauäugigem Dummchen das nicht gesagt hätte, wärs zu spät zum Zurücksenden gewesen.

Dann gab es auch gleich den nächsten Tipp von Alex: caseable. Also wieder vor den Laptop und natürlich individuell zusammengezimmert. Und dann war der Kindle endlich bereit für seinen ersten Einsatz:














Jetzt verfalle ich ihm Stück für Stück. Die ganzen Vorteile springen mich täglich an und wollen mich überzeugen: platzsparend, schneller, günstiger und die Markiermöglichkeiten! Darin verliebe ich mich gerade. Mein aktuelles Challengebuch eignet sich hervorragend für wildes Markieren und Notizen machen.

Ich kann einen E-Reader auf jeden Fall jedem empfehlen, der viel unterwegs ist: Er ist handlich, leicht und muss nur einmal aufgeklappt werden, um an derselben Stelle weiterlesen zu können. Das habe ich sehr genossen, als ich am Wochenende Zug gefahren bin: Selbst zwei Minuten in der U-Bahn können so zum Lesen genutzt werden. Ich persönlich würde mir aber immer eine Hülle dazu kaufen - es erleichtert das Lesen in jeder Körperhaltung, weil der E-Reader leichter abgestützt werden kann und besser in der Hand liegt.

Das sind die niedlichen Anmerkungen eines E-Reader-Neulings. Wer es technischer mag: Alex hat da ein paar gute Posts verfasst:

Kindle Paperwhite
Kobo Aura
Imcov6l (+Nachtrag)
Der Vergleich

Montag, 2. Juni 2014

Montagsfrage #22 von Libromanie

Nachdem wir etwas Montagsmüde waren, sind wir heute wieder dabei oder naja - ich =)

"Am Stück oder häppchenweise?"

Am Stück! Und dafür grauenhaft selten. Ich muss an dieser Stelle mal etwas los werden: Ich habe im April und Mai ein Buch geschafft. DAS liebe Leute nennt man eine Leseflaute. Ich bin kein täglicher Leser, sondern ein Unterwegsleser. Weil ich Zeit haben will für Bücher. Und ich will Zeit haben zwischen Büchern, um darüber nachzudenken, was ich da gerade gelesen habe und um nachspüren zu können, was das Gelesene in mir ausgelöst hat. Deswegen möchte ich auch einmal ein Plädoyer für die Wenigleser, die es sicher auch gibt und die sich genau wie ich immer elend fühlen, wenn sie diese Monatsrückblicke sehen aussprechen: Es zeugt von viel Liebe für Literatur und Respekt vor dem Werk eines Schriftstellers, wenn man Bücher liest und genießt. Aber auch von viel Leidenschaft und Begeisterungsfähigkeit sie zu verschlingen. Seht es uns nach - wir sind nur traurig, weil die Zeit fehlt ;-)

Sonntag, 1. Juni 2014

Challenge 2014: 6. Leseexperiment

 

Wir haben schon fast Halbzeit. In der Tradition des letzten Experiments wollen wir noch ein bisschen weiter gehen: 

"Lies ein Buch, das dir ein Fremder empfohlen hat."

Hier gilt natürlich wieder die schon bekannte 25er-Regel: Es darf zwischen den ersten 25 Empfehlungen frei gewählt werden. Falls jemand Ideen braucht für "Fremde": Neben Menschen dürfen das auch Amazon, Zeitschriften, das Fernsehen oder das Internet sein. Hauptsache es ist kein naher Bekannter/Verwandter, mit dem man sicher gehen kann, dass er einem etwas empfiehlt, was auf jeden Fall passt.
Fragt gern auch Menschen, die ihr vielleicht schon länger kennt, aber mit denen ihr noch nie über Bücher geredet habt. Vielleicht lernt man seine Kollegen/Bekannten ganz neu kennen!

Empfehlung für Susi:

"Manifest der anonymen Schauspieler" von James Franco
Bastei Entertainment

321 Seiten

12,99 € (Kindle-Edition)

Ok, ich beantworte jetzt mal alle Fragen, die aufmerksamen Leser/-innen kommen könnten:

1. Ich bin Fan des ARD Morgenmagazins. Dazu gehört auch ein regelmäßiger Buchtipp, der nicht immer zu der Zeit kommt, wenn ich gerade frühstücke. Also habe ich mich vor den Laptop gesetzt und die Videos zu den Tipps der letzten Monate angesehen und gewonnen hat dieses Buch.

2. Nein, ich habe das Buch nicht wegen James Franco ausgewählt. Ich kannte den Namen noch nicht einmal. Lediglich sein Gesicht nach dem ich den Namen gegoogelt hatte. Und wir wollen das Buch doch nicht diskriminieren, nur weil es ein Hollywood-Star geschrieben hat.

3. Kindle-Edition? Ja, ich habe euch etwas verschwiegen. Gerne hätte ich euch den neuesten Einzug im Rattenbau präsentiert, aber ich bin auf Reisen und habe die Fotos zu Hause vergessen. Aber ich werde das nachholen. 

Empfehlung für Alex:

"Kleine Lichter" von Roger Willemsen
S. Fischer Verlag

208 Seiten

8,95 € (Taschenbuch)

Mein Tipp-Geber ist der Mann meiner Arbeitskollegin. Meine Kollegin und ich sitzen in einem Büro und da hab ich natürlich auch schon des öfteren über Bücher erzählt. Sie selbst ist keine so begeisterte Leserin, aber ihr Mann, der ist nämlich Deutschlehrer und hat sich meinen Respekt schon damit verdient, dass er "Unendlicher Spaß" von David Forster Wallace durchgelesen hat. "Kleine Lichter" hat er ihr dann also eines Tages für mich mitgegeben, einen direkteren Buchtipp kann es eigentlich nicht geben, oder? Ich weiß nicht wie viel sie ihm von meinem Buchgeschmack erzählt hat und ob er das überhaupt berücksichtigt hat. Ich freue mich jedenfalls schon auf das Buch. Vor einigen Jahren habe ich es schoneinmal begonnen und abgebrochen, weil ich mir etwas viel romantischeres erhofft hatte. Diesmal gehe ich mit realistischeren Erwartungen an dieses Werk.
Als er vom Experiment erfuhr, wollte mir der passionierte Deutschlehrer noch viel lieber etwas ganz anderes empfehlen, "Venus im Pelz" und andere Bücher schwebten im Raum. Wenn sich "Kleine Lichter" gut macht, nehme ich diesen Tipp-Geber vielleicht noch öfter in Anspruch!