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Sonntag, 12. Oktober 2014

Rezension: Gebrauchsanweisung für die Welt von Andreas Altmann

Letztes Jahr habe ich meinem Mann zum Geburtstag dieses Buch geschenkt als Teil eines Gesamtpaketes, was man als Mann seines Alters wissen/können sollte. Da er es bisher links liegen gelassen hatte, habe ich es in einer freien Minute gegriffen und gegen meine Gewohnheit innerhalb weniger Tage gelesen.


„Gebrauchsanweisung für die Welt“ von Andreas Altmann, Piper Verlag

211 Seiten

14,99 € (Taschenbuch)









Andreas Altmann ist Journalist und schreibt überwiegend Reisereportagen. In diesem Buch will er seine Liebe zu Reisen sowie wichtige Tipps weitergeben. Der Text ist außerdem immer wieder von meist kurzen Anekdoten von seinen Reisen durchsetzt.

Der Autor reist gerne und will dafür werben, dass Reisen die beste Art ist, um sich lebendig zu fühlen, das Leben zu bereichern und glücklich und zufrieden zu sein. Dabei hat mir besonders gefallen, dass er zwar das Reisen an sich für die einzig richtige Art hält, sein Leben zu nutzen, wie man aber reist, für ihn nicht von Bedeutung ist. Wichtig ist nur, neugierig zu sein und sich wirklich für das Land und das Leben zu interessieren. Es ist schön von einem Mann mit starken Überzeugungen nicht verurteilt zu werden, nur weil man pauschal, in Gruppe oder mit angenehmen Luxus reist. Das Buch habe ich vor allem wegen der kurzweiligen interessanten Geschichten und der Leidenschaft, mit der Andreas Altmann schreibt sehr gerne gelesen. Die "Tipps" sind als solche weniger echte Hilfestellungen als mehr der Aufruf zu Mut und Wahrhaftigkeit. In dem Sinne ist das Buch mehr eine Lebensanleitung als Reiseliteratur.

Ich glaube nicht, dass mir der Autor persönlich sympathisch ist, da ich viele Ansichten zwar nachvollziehen kann, aber nicht selber bejahen kann. Dennoch gefällt mir seine Toleranz gegenüber anderen und seine Vehemenz, mit der er seine Meinung vertritt. Außerdem musste ich mehrfach laut lachen beim Lesen des Buches, was doch auch nicht immmer passiert.

"Die Gebrauchsanweisung für die Welt" ist etwas für Leute, die gerne Reisen und/oder vielleicht einen Mutmacher brauchen, um Reisen zu wagen, die ihnen bisher zu gefährlich oder ähnliches schienen oder die einfach nur gerne Geschichten (über Reisen) lesen. Insgesamt vergebe ich für das abgerundete Bild, das der Autor vermittelt und die amüsanten Stunden, die ich mit dem Buch verbracht habe, sowie die Leichtigkeit, mit der es sich lesen lässt, 4 von 5 Leseratten. 


Das Buch in einem Zwitschern:
"'Die Gebrauchsanweisung für die Welt' ist weniger als versprochen, dafür amüsanter, kurzweiliger&inspirierender als normale Reiseliteratur."

Dienstag, 16. September 2014

Rezension: Die Stimme des Vergessens von Sabine Kornbichler

Spät kommt sie, doch sie kommt... meine Rezension zu "Die Stimme des Vergessens" nach der Twitter-Leserunde. Noch länger als es dauerte die Rezension zu verfassen, hat es aber bei mir gedauert endlich ein Buch der Autorin zu lesen. Das hätte ich schon früher machen sollen. Sabine Kornbichlers Krimi „Das Verstummen der Krähe“ hatte ich schon des Öfteren in der Hand und wollte es gern lesen, endgültig hat mich die Lust aber nie gepackt. Dann hat die liebe Iris ihre Twitter-Leserunde zu „Die Stimme des Vergessens“ gestartet und da war sie dann doch wieder, die unbändige Krimi-Lust. Also habe ich spontan mitgemacht.

„Die Stimme des Vergessens“ von Sabine Kornbichler
416 Seiten
12,99 € (Taschenbuch) oder 9,99 € (Kindle Edition)









Kristina Mahlo kommt bei Ihrer Arbeit als Nachlassverwalterin in das Haus eines älteren Herren, der augenscheinlich große Angst vor der Welt hatte. Die Fenster sind vergittert, die Tür mit einem starken Schloss gesichert. Und auch in den Unterlagen des alten Herrn Schettler weist einiges auf einen starken Verfolgungswahn hin. Doch Kristina Mahlo kann sich der Vermutung nicht erwehren, dass hinter diesem Wahn auch ein Fünkchen Wahrheit liegen könnte. Als ihr dann noch Schettlers Unterlagen gestohlen werden, glaubt sie endgültig nicht mehr daran, dass der alte Mann sich völlig grundlos fürchtete. Die Suche nach dem Grund seiner Angst beginnt.

Ich bin sehr zwiegespalten, wenn es um die Bewertung von „Die Stimme des Vergessens“ geht. Einerseits fand ich die Grundidee von Beginn an toll, die Idee eine Nachlassverwalterin auf die Spuren von Geheimnissen ihrer „Klienten“ zu schicken finde ich faszinierend. Andererseits hat sich die Geschichte zu Beginn recht langsam entwickelt ehe wirklich Spannung aufkam und es über das bloße Mysterium rund um Schettlers Wahn hinaus ging. Natürlich lebt diese Geschichte mehr von dem reinen, eher stillen Geheimnis aber ein echter Lesesog kam erst ab der Mitte des Buches bei mir auf. Dann wollte ich das Buch aber kaum noch weglegen und habe es quasi am Stück verschluckt, diese faszinierende Ver- und Entwicklung hätte einfach ein bisschen früher einsetzen müssen, um mich gleich zu packen. Das Potential war definitiv vorhanden!
Wirklich problematisch waren für mich aber die häufigen Einschübe über das Privatleben der Ermittlerin. Das ist natürlich Geschmacksache, aber für mich sind diese ganzen Nebenhandlungen meist nur störend und eher uninteressant. Das nun hier nicht nur das Liebesleben von Kristina Mahlo, sondern auch noch ihrer Eltern thematisiert wurde, hat meine Begeisterung leider nicht wirklich gesteigert. Da vor allem die Eltern für mich eher blass blieben, war mir ihre Ehekrise schnell zu viel und einfach nur Beiwerk. Schade.
Gut gefallen haben mir die sympathischen Nebencharaktere, denen Kristina Mahlo begegnet und die interessanten Gespräche die sie mit ihnen führt. Im Verlauf des Buches wurden so viele Theorien aufgebaut, ent- und wieder verworfen, dass mir ganz schwindelig wurde. Diese Verwirrtaktik hat aber wunderbar dafür gesorgt, dass man als Leser nicht sofort das Ende erahnt, sondern sich immer wieder in den Mutmaßungen verliert, ein gelungener Schachzug!
Nochmal problematisch wurde es für mich am Ende. Das wirkte für mich doch sehr konstruiert und irgendwie ein bisschen unrund. Einfach zu schwach gegen den extrem starken Mittelteil des Buches, in dem sich die verschiedensten Theorien häufen und in dem ich so stark auf das Ende fiberte.

Zu jedem Kritikpunkt gibt es einen starken Pluspunkt, zu jeder Begeisterung ein kleines „aber“, ein klares unentschieden und daraus folgend 3 von 5 Leseratten.


Das Buch im Leserunden-Tweet:

Sonntag, 23. März 2014

Rezension: Hector fängt ein neues Leben an von Francois Lelord

Weil Bücher helfen können, beruhigen und motivieren und weil ich das gut gebrauchen konnte habe ich „Hector fängt ein neues Leben an“ von Francois Lelord gelesen. Ich habe das Buch beim Adventskalender von Wortstark & Bildgewaltig gewonnen und es passte gerade einfach gut zu meiner Stimmung.

„Hector fängt ein neues Leben an“ von Francois Lelord
Piper Verlag
208 Seiten
17,99 € (Hardcover)









Es gibt schon eine ganze Menge Bücher über den Psychiater Hector, der verschiedenste Lebenssituationen durchsteht: nach dem Glück sucht, nach der Freundschaft oder wie in diesem Fall nach einem neuen Leben. In „Hector fängt ein neues Leben an“ steht sowohl Hector, als auch eine Reihe seiner Patienten vor dem Problem ihr Leben ändern zu wollen. Grundlegend umkrempeln vielleicht und doch gar nicht so viel anders machen (zumindest in Hectors Fall). Die Midlife Crisis schlägt zu oder einfach nur eine stinknormale Sinnkrise, bei einem Patienten gar wird die Änderung des Lebens erstmal von außen erzwungen, ehe er aus der Not eine Tugend macht und seinem Leben eine neue Richtung gibt.
Die vielen kurzen Kapitel des Buches haben mir gut gefallen, jedes Kapitel beschäftigt sich mit einem Gedanken oder Erlebnis Hectors oder mit einem Gespräch mit einem der Patienten. Vor allem die vielen kleinen Geschichten der Patienten haben es mir angetan. Die Charaktere wurden kurz und knackig vorgestellt und trotzdem hatte ich das Gefühl immer genug über sie erfahren zu haben, sie gut kennengelernt zu haben. Schön war die Essenz, dass alle Menschen, so unterschiedlich sie auch waren und so unterschiedlich auch ihre Lebenssituationen waren doch vor denselben Problemen standen und dieselben Entscheidungen treffen mussten. Welcher Leser kann sich da nicht angesprochen fühlen?
Ich habe bisher noch keines der anderen Hector-Bücher gelesen, vielleicht habe ich auch deswegen ein wenig gebraucht ehe ich mit Hector selbst dann so gut warm geworden bin wie mit seinen Patienten. Erst war er mir zwar sympathisch, weil die von ihm getroffenen Überlegungen so direkt und ehrlich wirkten, sensibel und offen. Seine Entwicklung innerhalb des Buches hat mir dann aber leider so gar nicht gefallen. Da musste ich mich dann erstmal wieder neu mit Hector anfreunden. Natürlich war Hectors Weg nur eine Möglichkeit, nochmal etwas „anderes“ zu probieren und sein Leben zu ändern ohne gleich alles umzuwerfen (wenn auch nur durch Glück). Aber für mich blieb da ein unangenehmer Beigeschmack. Es hätte nur noch der rote Sportwagen (möglichst ein Cabrio) gefehlt, dann wäre Hector zum absoluten Klischee des Mannes in der Midlife Crisis mutiert. Ich glaube, dass hätte der Autor besser gekonnt. Vielleicht war dies aber auch eine bewusste Entscheidung, um die Bandbreite der Möglichkeiten aufzuzeigen, worin so ein „neues Leben“ bestehen kann. Gut möglich. In diesem Fall so gar nichts für mich.
Der Schreibstil wiederum hat mir recht gut gefallen, denn obwohl französische Autoren manchmal für meinen Geschmack etwas zu verschnörkelt und blumig schreiben hat die Sprache sich hier gut zum Thema eingefügt. Die detaillierten, liebevollen Beschreibungen von Paris, Hectors Treffen und Erlebnissen haben einen guten Kontrast zum sonst doch recht grüblerischen Grundthema geboten.

Insgesamt hat mir „Hector fängt ein neues Leben an“ leider nur mäßig gut gefallen. Ich hätte mir mehr von diesen kurzen und motivierenden Geschichten gewünscht, mehr Abwechslung dabei und vielleicht auch eine andere, differenziertere Darstellung von Hectors neuem Weg. Ich vergebe für dieses Buch zwar nur 2 von 5 Leseratten, werde trotzdem bei Gelegenheit nochmal eines der anderen Hector-Bücher zur Hand nehmen, da die Grundidee des Aufbaus und Erzählart der Geschichte mir doch gut gefallen haben. Vielleicht kann ich mich dann auch mit den Wendungen der Geschichte und Entwicklung des Protagonisten besser anfreunden.

Donnerstag, 27. Februar 2014

Rezension: So bitterkalt von Johan Theorin

Nach meinem Debakel mit „Schnitt“ von Marc Raabe habe ich kurzfristig einen anderen Thriller gebraucht. Nicht, dass ich davon einen ganzen Haufen zu Hause liegen hätte, ich musste mir „So bitterkalt“ von Johan Theorin im Kindle Store kaufen und direkt loslegen.
(„Schnitt“ ist nach euren positiven Reaktionen für mich noch nicht gestorben, aber ich lasse mir etwas Zeit mit dem zweiten Anlauf…)


„So bitterkalt“ von Johan Theorin
Piper Verlag
480 Seiten
19,99 € (Hardcover) oder 8,49 € (Kindle Edition)









In dem kleinen schwedischen Örtchen Valla liegt die psychiatrische Klinik Sankt Patricia. Dort werden psychisch kranke Schwerverbrecher unter höchster Sicherheitsstufe behandelt. Trotz der Isolation der Patienten sollen sie den Kontakt zu einem nicht verlieren: ihren Kindern. Die Kinder werden deshalb in der Kindertagesstätte „die Lichtung“ gleich neben der Klinik betreut und regelmäßig zu Treffen mit ihren kranken Eltern gebracht. Dafür ist die Kindertagesstätte mit der Klinik durch einen unterirdischen Tunnel verbunden. Jan Hauger wird als Erzieher in der Kindertagesstätte eingestellt. Schnell merkt er, dass neben den Treffen mit den Eltern der Kinder auch noch eine ganze Menge mehr zwischen Klinik und Kinderhort abläuft. Und auch Jan selbst bewahrt einige Geheimnisse vor seinen neuen Kollegen und Bekannten.
Ich muss zugeben, dass ich „So bitterkalt“ vor allem wegen der angedeuteten Story gekauft habe. Bei mir verbreitet diese Thematik rund um die düsteren Verwicklungen in und um eine psychische Klinik einen angenehmen Grusel. Ich finde die Entwicklungen der psychologischen Behandlung in den letzten hundert Jahren absolut spannend. In vielen Büchern und Filmen wird auf die wechselnden Behandlungsmethoden und Vorurteile gegenüber der Psychologie/Psychiatrie angespielt (z.B. „A beautiful mind“). Eine ähnliche Geschichte hatte ich mir hier erhofft. Ich kann vorweg sagen, dass die Handlung sich in diesem Buch primär außerhalb der Klinik bewegt und man von den Patienten so gut wie nichts erfährt, vor allem nicht über die Art ihrer Behandlung.
Trotzdem ist das Buch absolut gelungen. Warum? Weil die Atmosphäre einfach passt. Das düstere Gefühl außerhalb der absolut abgeschotteten Klinik zu stehen, die Frage „was passiert da drin?“ und die Verwicklungen zwischen der Kindertagesstätte und der Klinik waren wirklich faszinierend und realistisch dargestellt.
Dazu kommt, dass der Hauptprotagonist einerseits normal genug ist, um sich mit ihm identifizieren zu können, aber auch durch seine eigenen inneren Konflikte eine ganze Menge Spannung mitbringt. Das hat mir wirklich gut gefallen. Seine Handlungen waren außerdem (fast) immer nachvollziehbar, aber trotzdem unberechenbar genug um den Spannungsbogen der Geschichte immer weiter zu tragen.
Auch die Erzählweise der Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Das friedliche Leben in der Kindertagesstätte, die Geheimnisse rund um die Klinik, Rückblicke in Jans Vergangenheit und einige ganz besondere „Kindergeschichten“ wechseln sich ab und machen das Buch abwechslungsreich und interessant, besonders und toll zu lesen.
Ganz perfekt ist das Buch trotzdem nicht, vor allem gegen Ende war ich vom Handlungsverlauf ein bisschen enttäuscht. Ja, in sich ist das alles logisch gewesen und hat einen unerwarteten Abschluss gefunden, aber der letzte „Wow!“-Effekt hat mir gefehlt. Außerdem waren zwei Kapitel etwas verwirrend verknüpft und lasen sich wie alternativen derselben Handlung. Das ist zwar Jammern auf sehr hohem Niveau, hat für mich aber den Unterschied gemacht, daher „nur“ 4 von 5 Leseratten von mir für „So bitterkalt“.
Trotzdem die absolute Leseempfehlung, denn „So bitterkalt“ ist ein perfektes Buch für alle, die spannungsreiche Bücher ohne großes Blutvergießen mögen. Alle die Wert auf eine besondere Atmosphäre legen und die genug haben von den „normalen“ Ermittlerkrimis können an dieser Geschichte Gefallen finden

Sonntag, 22. Dezember 2013

Rezension: White Horse von Alex Adams

Vor einigen Wochen habe ich meinen Fund "White Horse" hier mit einem kurzen Angelesen vorgestellt. Freundlicherweise bekam ich ein Rezensionsexemplar vom Piper Verlag zur Verfügung gestellt und konnte so gleich mit dem Buch starten, ohne die Weihnachts-Budget-Flaute abzuwarten... Vielen Dank dafür!

"White Horse" von Alex Adams
Piper Verlag
442 Seiten
16,99 € (Klappbroschur)
Eine Leseprobe findet ihr hier








Pandora erhält von Hephaistos eine Büchse, die alle Übel der Welt aber auch die Hoffnung enthält. Da Pandora zwar mit Schönheit, Talent und Geschicklichkeit, aber auch mit einer unstillbaren Neugier gesegnet ist, öffnet sie diese Schatulle und entlässt die Plagen in die Welt. Zwar geht die Menschhheit davon nicht unter, aber die Zeiten, in denen die Menschen von Arbeit, Krankheit und Tod verschont waren sind endgültig vorbei.
Dies ist (in ganz, ganz groben Zügen) der bekannte Mythos um die Büchse der Pandora. White Horse greift dieses Thema wieder auf. Zoe, eine einfache Putzfrau, findet in ihrer Wohnung ein seltsames Gefäß. Weder weiß sie, wer es dahin gebracht hat, noch zu welchem Zweck. Erst glaubt sie verrückt geworden zu sein, besucht einen Psychiater und gelangt am Ende zu dem Schluss, das Gefäß öffnen zu müssen um die Wahrheit zu erfahren. Damit beginnt scheinbar eine Kettenreaktion, die erst Zoe und dann die ganze Welt ins Unglück stürzt.
Die Geschichte von Zoe und der Seuche White Horse ist eine Dystopie, die mal aus der Sicht einer ganz normalen jungen Frau erzählt wird und keine Helden braucht. In wechselnden Abschnitten des "Früher" kurz vor der Katastrophe und des "Jetzt" dem Kampf in der kaputten Welt, wird Zoes Geschichte erzählt. Der größte Pluspunkt des Buches ist seine Spannung. Zoes Suche nach ihrem Freund (im Jetzt) und der Wahrheit (im Früher) sind faszinierend und zwar hat man eine Ahnung wer wirklich die Büchse der Pandora öffnete, aber auf die konkrete Auflösung wäre ich im Leben nicht gekommen.
Die Sprache ist kurz und knapp aber passend zur düsteren Stimmung. Leider sind die Charaktere großteils auch etwas zu "knapp" geraten und wirken etwas farblos. Zoes Wegbegleiter bleiben häufig schemenhaft und füllen sich nicht mit Leben. Lediglich Zoe's Charakter besitzt die nötige Tiefe. Sie handelt zwar manchmal unlogisch, aber das ist für mich kein Kritikpunkt, immerhin befindet sie sich in einer absoluten Krisensituation und das kommt dadurch auch gut zur Geltung.

Ich war während des Lesens sehr hin und her gerissen wie gut ich das Buch nun wirklich finde. Richtig spannende Stellen wechseln sich mit ein paar (kleinen!) störenden Punkten ab. Insgesamt waren die ersten vier Fünftel des Buches aber richtig toll.
Erst kurz vor Ende hatte ich das Gefühl die Autorin musste schnell einen "Deus Ex Machina" (eine rettende Wunderwaffe, die die Handlung wesentlich drehen kann) aus dem Ärmel zaubern um zu einem Ende zu kommen, welches für mich dann leider auch gar nicht überzeugend war.


So in etwa ging die Berg- und Talfahrt meiner Bewertung während des Lesens (unten seht ihr die Seitenzahlen).
Nur so viel: für mich hätte das Buch einen stimmigeren, runderen Eindruck hinterlassen wäre die Autorin konsequent bei ihrem düsteren Konzept und der von Verlusten geprägten Geschhichte geblieben.
Weil ich mir so unsicher bin habe ich mal einen Durchschnitt errechnet und lande bei einer Bewertung von 3,5 von 5 Leseratten. Das wird meinem Eindruck ganz gut gerecht!

,5

Vielen Dank an den Piper Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Samstag, 19. Oktober 2013

Rezension: Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert von Joel Dicker

Nachdem ich euch schon „Shotgun Lovesongs“ vorgestellt habe möchte ich auch mein zweites Sommerhighlight noch nachträglich ins Rampenlicht schubsen „Die Wahrheit über den Fall des Harry Quebert“ von Joel Dicker. In meinem Urlaub habe ich diesen Schinken geradezu verschlungen und zwei Tage hintereinander bis spät in die Nacht gelesen.

„Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ von Joel Dicker
Piper Verlag
736 Seiten
22,99 € (Hardcover)








Die Hauptfigur des Romans Marcus Goldmann ist ein gefeierter Autor, der jedoch nach dem glänzenden Debüt in einer Schaffenskrise steckt und einfach keinen Nachfolgeroman liefern kann. Um Ruhe und Inspiration zu finden begibt er sich zu seinem ehemaligen Mentor Harry Quebert nach Aurora, einem kleinen Ort an der Ostküste der USA. Zeitgleich kommen nahezu unglaubliche Geschehnisse ins Rollen. Auf dem Grundstück von Harry wird die vergrabene Leiche von Nola, einem Mädchen das vor 33 Jahren im Ort verschwand, gefunden. Harry Quebert unterhielt damals eine Liebesbeziehung zu dem jungen Mädchen und gerät schnell zum Hauptverdächtigen. Marcus, der seinen Mentor nicht im Stich lassen will versucht aufzuklären was damals wirklich geschah. In vielen Gesprächen mit den Einwohnern des Ortes klärt er so nicht nur auf, wer Nolas Mörder war, sondern erfährt auch die Wahrheit über den Fall Harry Quebert.
Ich mag Bücher die „irgendwas mit Wahrheit“ zu tun haben, mit dem aufklären dunkler Geheimnisse und menschlicher Konflikte. Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert bietet all das. Besonders die thematische Mischung hat mir hierbei gefallen: die Suche nach dem Mörder von Nola, die Rückblenden zur Liebesbeziehung aber auch die literarischen Einschübe, nämlich Gespräche zwischen Marcus und seinem Mentor über das Schreiben eines perfekten Romans. Dazu kommen viele spannende Wendungen der Handlung und ab und zu eine Prise Humor. Für mich eine unwiderstehliche Mischung.  Ja, manchmal sind die Liebesszenen unverhältnismäßig Kitschig aber ihr Anteil war immer angenehm ausgewogen und hat mich so gar nicht gestört, im Gegenteil ich habe mich sogar davon begeistern lassen. Der Erzählstil ist angenehm, lässt sich flüssig lesen und ist dennoch nicht zu arm an genauen, stimmungsvollen Beschreibungen.
Richtig angetan haben es mir außerdem die Charaktere, die herrische Imbissbesitzerin mit ihrer einfachen Tochter und dem Mann, dem ständig der Mund verboten wird. Der Vater des verschwundenen Mädchens aber auch der Hauptprotagonist und sein Mentor. Alle Figuren haben toll zum großen Ganzen der Geschichte gepasst, konnten aber auch jeder für sich mit einer Menge kleiner Probleme oder Eigenarten überzeugen. So kam in den über 700 Seiten nie Langeweile auf, es blieb sowohl in der Haupthandlung als auch in allen Nebensträngen immer spannend.

Unterm Strich: 5 von 5 Leseratten von mir, der ein oder andere mag das Buch kritisieren weil die Wendungen nicht überraschend genug waren oder ihm der Anteil der Liebesszenen zu hoch war. Dem kann ich nicht zustimmen, mich hat die Geschichte einfach völlig überzeugt und vor allem richtig, richtig gut unterhalten!