Dienstag, 8. Oktober 2013
Montagsfrage #1 von Paperthin
Damit ihr nicht nur vollgeschwemmt werdet von einer (tollen) Rezension nach der anderen und damit wir uns hier auch noch ein bisschen besser kennen lernen dacht' ich mir, mach ich mal mit bei der Montagsfrage von Paperthin.
Meine Antwort auf die Frage dieser Woche fällt mir dann auch gleich ganz leicht:
"Wann ist das älteste Buch erschienen, das du freiwillig gelesen hast?"
Ich lese gern' auch mal einen "alten Schinken" und habe schon den ein oder anderen Klassiker für mich entdeckt. Viele Titel haben mich schon immer angezogen. In der Schule wurden wir aber leider fast ausschließlich mit Werken rund um den ersten und zweiten Weltkrieg "erfreut", da habe ich später meine Neugier einfach selbst gestillt.
Das älteste bisher ist vermutlich "Frankenstein oder der moderne Prometheus" von Mary Shelley, veröffentlicht 1818.
Ich habe das Buch sehr genossen und war überrascht, dass die Geschichte über das Monster des Doktor Frankenstein eher eine traurige, als eine gruselige Geschichte ist.
Sonntag, 6. Oktober 2013
Rezension: Shining von Stephen King
Eigentlich wollte ich ¨Shining¨ nur so für mich lesen, weil ich Stephen King mag und mich auf die Neuerscheinung von ¨Doctor Sleep¨ vorbereiten wollte. Dann hat mich Susi freundlich darauf hingewiesen, dass ich nicht über eine Woche anzeigen kann, dass ich im Moment Shining lese und dann nichts dazu sagen möchte... Also gut!
Es fällt mir übrigens sehr schwer Bücher von Stephen King richtig objektiv zu beurteilen. Ich mag seinen Schreibstil und vor allem seine Charaktere fast immer. Stephen King schafft es für mich wie kaum ein anderer Autor in seinen Geschichten eine sehr dichte Stimmung aufzubauen. Außerdem liegen seinen Büchern häufig so tolle Ideen zu Grunde, dass ich mich einfach dafür begeistern muss :-).
"Shining" von Stephen King
Bastei Lübbe
624 Seiten
9,99 € (Taschenbuch)
Die Handlung dieses Buches meinte ich aus dem gleichnamigen Film zu kennen: Jack Torrance wird engagiert um über den Winter das Hotel Overlook in den Bergen von Colorado als Hausmeister zu warten und zu pflegen. Zusammen mit seiner Frau Wendy und seinem Sohn Danny will er den Winter eingeschneit in dem geschichtsträchtigen Hotel verbringen. Für Jack ist dies eine wichtige Chance. Er war ein schwerer Trinker, erfolgloser Autor und verlor seinen Job an einer Universität. Um seinen Entzug zu bewältigen, sich wieder dem Schreiben widmen zu können und zu sich selbst zu finden scheint ihm die Arbeit in den abgeschiedenen Bergen ideal. Während des Aufenthaltes dort erlebt die Familie jedoch eine Vielzahl seltsamer Begegnungen und vor allem für den hellsichtigen Sohn Danny nimmt dies schnell bedrohliche Formen an.
Ich bin froh, dass ich das Buch nun endlich doch gelesen habe. Der Film wird der Tiefgründigkeit der Handlung nicht annähernd gerecht. Im Buch stehen die sozialen Probleme der Familie wesentlich stärker im Vordergrund und das Gefühlsleben der Personen macht erst die einzigartige Atmosphäre der Geschichte komplett. Viele innere Konflikte gerade von Jack und seinem Sohn Danny konnten im Film nicht in der Intensität dargestellt werden. Das Buch liefert das perfekte Abbild einer problembehafteten Familie, in der jeder Charakter seine eigenen emotionalen Lasten tragen muss.
Der Anteil des Horrors und der furchtbaren Geschehenisse kommen dabei aber bei Weitem nicht zu kurz, das Buch hat mich beim Lesen wirklich sehr mitgenommen und steht dem Film in Spannung kaum nach.
Richtig negativ aufgefallen ist mir leider die Qualität meiner vorliegenden Ausgabe. Zwar ist die Auflage recht neu (August 2012), trotzdem strotzt der Text vor Tippfehlern, Schreibfehlern und überflüssigen Satzzeichen. Normalerweise fallen mir Fehler in Büchern kaum auf und wenn ich mal einen finde stört er mich nicht weiter. In diesem Buch trat das Ganze aber doch sehr gehäuft auf und hat den Lesefluss zum Teil gestört (gerade wenn ähnlich klingende Worte vertauscht wurden und der Satz dann keinen Sinn mehr ergibt).
Ich habe ein bisschen mit mir ringen müssen, wie ich das Buch nun bewerte. Da es mir inhaltlich sehr gut gefallen hat, mich aber nicht so vom Hocker gerissen hat wie andere Werke von Stephen King wären das 4 von 5 Leseratten.
Die vorliegende Ausgabe hat den Lesespaß leider an einigen Stellen gemindert und würde die Bewertung nocheinmal leicht senken. Da das der Geschichte nicht gerecht wird, würde ich daher Lesern, die solche Fehler stören, ans Herz legen vielleicht eine andere, weniger fehlerhafte Version zu kaufen. Es bleibt daher bei nicht ganz objektiven 4 von 5 Leseratten.
Es fällt mir übrigens sehr schwer Bücher von Stephen King richtig objektiv zu beurteilen. Ich mag seinen Schreibstil und vor allem seine Charaktere fast immer. Stephen King schafft es für mich wie kaum ein anderer Autor in seinen Geschichten eine sehr dichte Stimmung aufzubauen. Außerdem liegen seinen Büchern häufig so tolle Ideen zu Grunde, dass ich mich einfach dafür begeistern muss :-).
"Shining" von Stephen King
Bastei Lübbe
624 Seiten
9,99 € (Taschenbuch)
Die Handlung dieses Buches meinte ich aus dem gleichnamigen Film zu kennen: Jack Torrance wird engagiert um über den Winter das Hotel Overlook in den Bergen von Colorado als Hausmeister zu warten und zu pflegen. Zusammen mit seiner Frau Wendy und seinem Sohn Danny will er den Winter eingeschneit in dem geschichtsträchtigen Hotel verbringen. Für Jack ist dies eine wichtige Chance. Er war ein schwerer Trinker, erfolgloser Autor und verlor seinen Job an einer Universität. Um seinen Entzug zu bewältigen, sich wieder dem Schreiben widmen zu können und zu sich selbst zu finden scheint ihm die Arbeit in den abgeschiedenen Bergen ideal. Während des Aufenthaltes dort erlebt die Familie jedoch eine Vielzahl seltsamer Begegnungen und vor allem für den hellsichtigen Sohn Danny nimmt dies schnell bedrohliche Formen an.
Ich bin froh, dass ich das Buch nun endlich doch gelesen habe. Der Film wird der Tiefgründigkeit der Handlung nicht annähernd gerecht. Im Buch stehen die sozialen Probleme der Familie wesentlich stärker im Vordergrund und das Gefühlsleben der Personen macht erst die einzigartige Atmosphäre der Geschichte komplett. Viele innere Konflikte gerade von Jack und seinem Sohn Danny konnten im Film nicht in der Intensität dargestellt werden. Das Buch liefert das perfekte Abbild einer problembehafteten Familie, in der jeder Charakter seine eigenen emotionalen Lasten tragen muss.
Der Anteil des Horrors und der furchtbaren Geschehenisse kommen dabei aber bei Weitem nicht zu kurz, das Buch hat mich beim Lesen wirklich sehr mitgenommen und steht dem Film in Spannung kaum nach.
Richtig negativ aufgefallen ist mir leider die Qualität meiner vorliegenden Ausgabe. Zwar ist die Auflage recht neu (August 2012), trotzdem strotzt der Text vor Tippfehlern, Schreibfehlern und überflüssigen Satzzeichen. Normalerweise fallen mir Fehler in Büchern kaum auf und wenn ich mal einen finde stört er mich nicht weiter. In diesem Buch trat das Ganze aber doch sehr gehäuft auf und hat den Lesefluss zum Teil gestört (gerade wenn ähnlich klingende Worte vertauscht wurden und der Satz dann keinen Sinn mehr ergibt).
Ich habe ein bisschen mit mir ringen müssen, wie ich das Buch nun bewerte. Da es mir inhaltlich sehr gut gefallen hat, mich aber nicht so vom Hocker gerissen hat wie andere Werke von Stephen King wären das 4 von 5 Leseratten.
Die vorliegende Ausgabe hat den Lesespaß leider an einigen Stellen gemindert und würde die Bewertung nocheinmal leicht senken. Da das der Geschichte nicht gerecht wird, würde ich daher Lesern, die solche Fehler stören, ans Herz legen vielleicht eine andere, weniger fehlerhafte Version zu kaufen. Es bleibt daher bei nicht ganz objektiven 4 von 5 Leseratten.
Freitag, 4. Oktober 2013
Endlich wieder Sneak: Drecksau (Filth)
Insgesamt war das unsere vierte gemeinsame Sneak – nach zwei Filmen, die versuchten künstlerisch wertvoll zu sein (und "Evil Dead" der den Aspekt "Kunst" nur mit "Kunstblut" abgedeckt hat), hat dieser es geschafft. Auch wenn er es gut verstecken kann...
Kinostart: 17.10.2013
FSK: 18
Spiellänge: 97 Minuten
Website zum Film
Bruce Robertson (James McAvoy) ist Polizist in Edinburgh und scharf auf die anstehende Beförderung zum Inspektor, wie alle seine Kollegen. Deswegen versucht er sie durch Lügen und Intrigen auszustechen. Was als schwarze Komödie beginnt, wird schnell zu einem Mix aus Drogenfantasien und Sexszenen bis zum Tiefpunkt der Geschichte, wo der Film beginnt sich mit den wahren Ursachen für Bruce abartiges, ausschweifendes, brutales und krankhaftes Verhalten zu beschäftigten.
„Drecksau“ ist sicher kein Film, von dem man selbstsicher sagen kann, dass er gut ist. Dafür sind die Szenen zu bizarr, die Dialoge zu rassistisch und der Film zu vollgestopft mit "verf***t" und allen möglichen Sexpraktiken.
Rein technisch gesehen ist die Achterbahnfahrt, auf die sich Bruce begibt, jedoch eine perfekte Darstellung absoluter Selbstzerstörung. Die Geschichte entwickelt sich widerspruchslos fort und bis zum Ende bleibt es spannend, was Bruce eigentlich immer weiter in den Sumpf aus Drogen, Sex und Alkohol treibt, in dem er alles verliert, was er je besessen hatte. Am Ende lässt der Film einen nur mit wenigen Fragen zurück und damit bleibt es Geschmackssache, ob man auf diese Art von Film steht. Wer am Ende jedoch immer noch nicht so genau weiß, was einem der Künstler damit sagen will, dem gebe ich folgenden Tipp: Bleibt noch die paar Minuten sitzen bis der Abspann beginnt (das muss man sowieso, um den Film verdauen zu können) und hört auf das dann einsetzende Lied. Das ist die wahre Essenz des Films.
Der Sneak-O-Mat war noch nie so ausgeglichen und wir entschieden uns schnell für: Nicht wirklich schlecht, aber auch nicht wirklich gut. Wir haben uns daher im Kino für den gelben Daumen und im Blog für 3 von 5 Kinoratten entschieden.
Kinostart: 17.10.2013FSK: 18
Spiellänge: 97 Minuten
Website zum Film
Bruce Robertson (James McAvoy) ist Polizist in Edinburgh und scharf auf die anstehende Beförderung zum Inspektor, wie alle seine Kollegen. Deswegen versucht er sie durch Lügen und Intrigen auszustechen. Was als schwarze Komödie beginnt, wird schnell zu einem Mix aus Drogenfantasien und Sexszenen bis zum Tiefpunkt der Geschichte, wo der Film beginnt sich mit den wahren Ursachen für Bruce abartiges, ausschweifendes, brutales und krankhaftes Verhalten zu beschäftigten.
„Drecksau“ ist sicher kein Film, von dem man selbstsicher sagen kann, dass er gut ist. Dafür sind die Szenen zu bizarr, die Dialoge zu rassistisch und der Film zu vollgestopft mit "verf***t" und allen möglichen Sexpraktiken.
Rein technisch gesehen ist die Achterbahnfahrt, auf die sich Bruce begibt, jedoch eine perfekte Darstellung absoluter Selbstzerstörung. Die Geschichte entwickelt sich widerspruchslos fort und bis zum Ende bleibt es spannend, was Bruce eigentlich immer weiter in den Sumpf aus Drogen, Sex und Alkohol treibt, in dem er alles verliert, was er je besessen hatte. Am Ende lässt der Film einen nur mit wenigen Fragen zurück und damit bleibt es Geschmackssache, ob man auf diese Art von Film steht. Wer am Ende jedoch immer noch nicht so genau weiß, was einem der Künstler damit sagen will, dem gebe ich folgenden Tipp: Bleibt noch die paar Minuten sitzen bis der Abspann beginnt (das muss man sowieso, um den Film verdauen zu können) und hört auf das dann einsetzende Lied. Das ist die wahre Essenz des Films.
Der Sneak-O-Mat war noch nie so ausgeglichen und wir entschieden uns schnell für: Nicht wirklich schlecht, aber auch nicht wirklich gut. Wir haben uns daher im Kino für den gelben Daumen und im Blog für 3 von 5 Kinoratten entschieden.
Donnerstag, 3. Oktober 2013
Rezension: Sehnsucht nach Mill River von Darcie Chan
Über Vorablesen hat mich vor Kurzem „Sehnsucht nach Mill River“ von
Darcie Chan erreicht.
400 Seiten16,99 € (Hardcover)
(eine Leseprobe von Vorablesen findet ihr hier)
In „Sehnsucht nach Mill River“ wird die Geschichte der alten Dame Mary McAllister erzählt. Mary lebt allein und krank in ihrem großen Haus, auf einem Hügel über dem Örtchen Mill River. Der Krebs hat sie deutlich geschwächt und sie möchte ihrem Leben ein Ende setzen, solange sie noch selbst die Möglichkeit dazu hat. Marys Leben war von einem tragischen Ereignis in ihrer Jugend und ihrer grausamen Ehe überschattet. Durch diese Geschehnisse hat sich bei ihr eine ausgeprägte Sozialphobie entwickelt, welche sie zur Gefangenen ihrer Ängste machte. Sie war nicht in der Lage ihr Haus zu verlassen und fremden Menschen zu begegnen. Über ihren einzigen Freund, den Pfarrer des Ortes, nahm Mary Anteil am Leben der Menschen in Mill River und möchte nach ihrem Tod einiges verändern.
Die Geschichte wird erzählt in der Gegenwart kurz nach Marys Tod sowie
in Rückblenden auf Marys Leben. Ich hatte das Gefühl, dass die gesamte Handlung
sich nur auf einige wenige Ereignisse beschränkt und man an vielen Stellen zu
wenig über Mary erfährt. Schade war hierbei vor allem, dass das groß
angedeutete Geheimnis um Marys Leben nicht im Laufe der Handlung schrittweise
enthüllt wird, sondern im Verlauf des Buches kaum Beachtung findet und erst am
Ende plötzlich gelüftet wird (richtig überraschend war es leider trotzdem
nicht).
Ich war sehr berührt von der Traurigkeit und Einsamkeit im Leben der
alten Dame. Auch die Gefühle der übrigen Charaktere konnte die Autorin gut
transportieren. Insgesamt hat jedoch für mich immer etwas gefehlt, das Buch hat
mich nicht begeistern können. Zwar bemüht sich die Autorin durch viele
individuelle Nebencharaktere und einige Nebenhandlungen Leben in das Buch zu
bringen, die Geschichte wirkt dennoch unvollständig.
Mir haben
das Thema und die Grundstimmung des Buches gefallen, ich konnte Marys isolierte
Situation gut nachvollziehen und finde ihre Sehnsucht nach Mill River nur zu
verständlich. Auch die Botschaft sich mit Respekt und Hilfsbereitschaft zu
begegnen und Andersartige nicht auszugrenzen wurde liebevoll herausgearbeitet.
Leider ist das Buch insgesamt betrachtet zu wenig mitreißend und wird mir sicherlich nicht lang in Erinnerung bleiben. Die angedeuteten dunklen Geheimnisse wirkten aufgesetzt und haben sich schließlich verflüchtigt. Ich kann dem Buch nur 3 von 5 Leseratten geben. Es war eine angenehme Lektüre in einem leichten Schreibstil und hatte viele gute Ansätze, leider konnte es mich aber nicht begeistern und die Geschichte war sehr unausgereift.
Vielen Dank an Vorablesen und den Marion Schröder Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!
Dienstag, 1. Oktober 2013
Rezension: Madame Hemingway von Paula McLain
Ich
lese gern die Biografien und Geschichten von Schriftstellern und deren Frauen. Madame
Hemingway war meine bisher zweite Chance das Leben einer Schriftstellerehefrau
kennenzulernen und dabei viel über den Charakter einer früheren Zeit zu
erfahren.
„Madame Hemingway“ von Paula McLain
Aufbau-Verlag
Hadley Richardson ist nach den Begriffen ihrer Zeit zu Beginn der Geschichte schon fast eine alte Jungfer: Sie ist 29 Jahre alt, als sie den acht Jahre jüngeren Ernest Hemingway trifft. Noch ist er kein weltbekannter Schriftsteller, noch arbeitet er auf den großen Durchbruch zu und verbringt seine Abende mit trinken und Faustkämpfen. Schnell entwickelt sich eine besondere Beziehung zwischen den beiden, die nach wenigen Tagen in Chicago hauptsächlich aus einem regen, täglich stattfindenden und intimem (und damit meine ich intim im eigentlichen Sinne des Wortes und nichts anrüchiges) Briefwechsel besteht. Ernest macht ihr bereits nach kurzer Zeit einen Heiratsantrag. Wenig später entscheiden sich beide nach Paris zu gehen, um Ernest Traum Schriftsteller zu werden näher zu kommen.
„Madame Hemingway“ von Paula McLain
Aufbau-Verlag
436
Seiten (plus 16 Seiten Zusatzmaterial und Pariskarte)
9,99 € (Paperback)Hadley Richardson ist nach den Begriffen ihrer Zeit zu Beginn der Geschichte schon fast eine alte Jungfer: Sie ist 29 Jahre alt, als sie den acht Jahre jüngeren Ernest Hemingway trifft. Noch ist er kein weltbekannter Schriftsteller, noch arbeitet er auf den großen Durchbruch zu und verbringt seine Abende mit trinken und Faustkämpfen. Schnell entwickelt sich eine besondere Beziehung zwischen den beiden, die nach wenigen Tagen in Chicago hauptsächlich aus einem regen, täglich stattfindenden und intimem (und damit meine ich intim im eigentlichen Sinne des Wortes und nichts anrüchiges) Briefwechsel besteht. Ernest macht ihr bereits nach kurzer Zeit einen Heiratsantrag. Wenig später entscheiden sich beide nach Paris zu gehen, um Ernest Traum Schriftsteller zu werden näher zu kommen.
Die
Geschichte umfasst vor allem die gemeinsame Zeit in Paris und ist damit erfüllt
mit dem Zeitgeist der Zwanziger Jahre. Man bekommt jedoch auch einen sehr guten
Eindruck in die empfindliche Seele eines Künstlers, seiner speziellen
Bedürfnissen und der großen Aufgabe, die daraus für eine Ehefrau erwächst.
Das
Buch ist eher ein Roman als eine Biografie, dadurch liest es sich leicht und
flüssig, fast wie eine Liebesgeschichte. Doch auch wenn unbekannte Details und
die die Dialoge durch die Fantasie der Autorin gefüllt werden, weiß man
instinktiv (und dieses Gefühl wird beim Lesen des Zusatzmaterials bestätigt),
dass die Autorin viel Zeit und Recherche investiert hat, um uns die wahre
Hadley und den wahren Ernest zu präsentieren. Dafür hat sie u. a. deren
umfangreiche Korrespondenz gelesen und kommt so wahrscheinlich sehr nahe an die
wahren „Stimmen“ der Figuren heran.
„Madame
Hemingway“ ist ein Buch für alle Romantiker, Literaturfans, Künstlerfaszinierte
oder Parisliebhaber – alles das bietet einem dieses Buch. Da ich fünf von fünf
Leseratten nur für jene Bücher vergeben möchte, die ich am liebsten jedes Jahr
aufs Neue lesen möchte, erhält Madame Hemingway von mir vier: Als sehr
empfehlenswertes Buch zum lesen und behalten, um irgendwann doch wieder in
diese zauberhafte Zeit zurückzugehen, in der eine Schiffsreise nach Paris noch
ein echtes Abenteuer war.
Sonntag, 29. September 2013
Rezension: Die Biene und der Kurt von Robert Seethaler
Lange hat „Die Biene und der Kurt“ von Robert Seethaler mehr oder
minder unentdeckt in meinem Bücherregal geschlummert. Auf der verzweifelten
Suche nach neuem Lesefutter ist es mir jetzt in die Hände gefallen. Ich habe es
„nur kurz anlesen“ wollen und konnte nicht mehr aufhören.
"Die Biene und der Kurt" von Robert Seethaler
Goldmann Verlag
320 Seiten
(meine Taschenbuchversion ist leider schon etwas in die Jahre gekommen, neu gibt's das Buch als Hardcover vom kein & aber Verlag für 18,90 €)
"Die Biene und der Kurt" von Robert SeethalerGoldmann Verlag
320 Seiten
(meine Taschenbuchversion ist leider schon etwas in die Jahre gekommen, neu gibt's das Buch als Hardcover vom kein & aber Verlag für 18,90 €)
Die Geschichte ist einfach erzählt: Biene Kravcek ist klein, dick und
hat eine Brille mit 17 Dioptrien. Zu allem Überfluss lebt sie in einem katholischen
Mädcheninternat. Dort sind die Tage
stinklangweilig und Biene wird von den anderen Mädchen geärgert und gequält.
Eines Tages hat sie genug vom Mädcheninternat und macht sich aus dem Staub. Auf
ihrem Weg trifft sie Kurt Heartbreakin‘ Dvorcak, einen alternden
Unterhaltungssänger mit einem ziemlich starken Alkoholproblem. Kurt ist mit
seinem Heartbreakin Mobil unterwegs und tingelt durch kleine Orte um als „King
of Schlager and Rock’n’Roll“ ganz groß heraus zu kommen, bisher ohne rechten
Erfolg. Biene schließt sich ihm an und es beginnt eine abenteuerliche Reise
durch die deutsche Provinz. Auf der Suche nach dem großen Ruhm und der großen
Liebe erleben Biene und Kurt einige Abenteuer und werden ein ziemlich starkes
Team.
Der Schreibstil von Robert Seethaler ist herrlich komisch und
besonders seine witzigen Beschreibungen von Orten und Personen haben es mir
angetan. Schon alleine die Einführung in die Geschichte mit der Vorstellung von
Biene und dem Mädcheninternat hat mich immer wieder herzhaft lachen lassen. Die
Sätze wimmeln nur so von skurrilen zusammengesetzten Substantiven ("Mädcheninternatleiterinnenbüro" oder "Bienebauch" fand ich besonders witzig) und geben dem Buch so
eine ganz eigene Sprachmelodie.
Obwohl die Geschichte zu Beginn einfach nur komisch und albern wirkt
hat sie doch auch einige wirklich rührende und tragische Momente. Am Schluss
hat mich das Buch sprachlos zurück gelassen, denn ich hätte nie geahnt wohin
sich dieses kleine Roadmovie entwickeln wird, so viel Gefühl hätte ich dieser
kleinen Geschichte irgendwie nicht zugetraut. Robert Seethaler hat es
geschafft, dass alle Charaktere, so absurd sie auch zuerst wirken mögen,
wirklich und wahr erscheinen. Man muss einfach mit Biene und Kurt mitfühlen. Die
beiden Außenseiter haben so viel Herz und versprühen in aller Tragik noch so
viel Leben und Liebe.
Unterm Strich bekommt „Die Biene und der Kurt“ von mir 5 von 5
Leseratten. Es ist ein kleines Buch das mich mit viel Humor und Gefühl
begeistern konnte. Der einzige Kritikpunkt ist für mich, dass die Geschichte
viel zu schnell vorbei war und ich die Reise von „Kurt Heartbreakin‘ Dvorcak
and his Honey Bee“ nicht länger begleiten durfte.
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