Dienstag, 14. Oktober 2014

Alex' Shortlist #1: "Das Polykrates-Syndrom" von Antonio Fian

Ich hänge noch ein bisschen hinterher, verzeiht mir. Der Deutsche Buchpreis 2014 wurde bereits verliehen, ich bin mit meiner persönlichen Shortlist gerade zur Hälfte durch. Da ich aber sowieso völlig daneben lag (siehe hier fiel "Kruso" für mich schon in der Leseprobe durch), wäre ich kein gutes Buchpreis-Orakel gewesen ;-)
Mein erster persönlicher Shortlist Kandidat war „Das Polykrates-Syndrom“ von Antonio Fian. Jetzt endlich komme ich dazu, euch davon zu berichten.

„Das Polykrates-Syndrom“ von Antonio Fian
240 Seiten
19,00 € (Hardcover)








Artur hat studiert und könnte eigentlich Karriere machen, stattdessen jobbt er im Copy Shop und führt ein recht behagliches Leben. So hat er Zeit seine kleinen Sketche zu schreiben und seinen Gedanken nachzuhängen. Eigentlich ist Artur glücklich mit seiner Frau Rita zusammen, bis ihn eine Begegnung plötzlich aus der Bahn wirft. Eine Frau betritt den Copy Shop und hinterlässt Artur eine Nachricht, die ihn Hals über Kopf dazu bringt, ihr zu folgen. Was sich daraus entwickelt, hätte Artur sich in seinen kühnsten Träumen nicht ausgemalt.

„Als Polykrates-Kranker hat man dieses Schicksal immer im Kopf, man fürchtet, zu viel Glück zu haben und irgendwann dafür bestraft zu werden“
Seite 26

Artur hat mir als Hauptcharakter des Buches unheimlich gut gefallen. Der humorvolle und sympathische Erzählton, den ihm der Autor verpasst hat, macht es leicht die Handlung mit ihm und um ihn zu verfolgen. Der Protagonist wirkt durch seine Schwächen und Macken durchaus menschlich und ist zumindest am Anfang auch wirklich durchgehend authentisch.
Die Entwicklung, welche Artur im Buch mitmacht, hat mir persönlich dann nicht immer ganz so gut gefallen und wirkte zum Teil etwas aufgesetzt und erzwungen. Häufig habe ich mich dann nur noch nach dem „Warum?“ gefragt. Offenbar ging es Artur zum Teil ähnlich…

„Während der Fleischer die Lammkoteletts einpackte, fasste ich den Vorsatz, mein Leben zu ändern. Nebenan am Gemüsestand sagte ich mir, dass das der falsche Vorsatz war. Ich hatte ja gerade versucht, mein Leben zu ändern, und es war eine Katastrophe gewesen. Was ich mir vornehmen musste, war, mein Leben nicht zu ändern.“
S. 49

Die Protagonisten neben Artur bleiben relativ blass und sind mir nicht so eindeutig im Gedächtnis geblieben wie er. Das ist in meinen Augen aber nur ein schwacher Makel, soll es doch im Buch hauptsächlich um Artur und seinen „Kampf“ mit dem Schicksal gehen, da sind die anderen Charaktere zum Teil nur Beiwerk.
Das Buch hat mich vor allem durch den zum Teil doch ziemlich derben Humor überzeugt. Neben dem witzigen Erzählstil besitzt nämlich auch die Handlung eine manchmal ziemlich harte Situationskomik. Schwarzer und gerade solch böser Humor ist ja genau meins, wobei Arturs skurrile Tagträume es nach meinem Geschmack sogar manchmal doch arg übertreiben.

Anhand der Leseprobe hatte ich mir etwas anderes von diesem Buch erwartet und war von der doch recht konstruierten Entwicklung der Handlung nicht ganz überzeugt. Ein Fehlgriff war es dennoch nicht, da mich das Buch durchweg gut unterhalten hat und ich es fast in einem Rutsch durchgelesen habe.

Das Buch in einem Tweet: "Das Polykrates-Syndrom" erzählt die Geschichte vom ruhigen Leben zur Räuberpistole. Vermittelt handwerkliche Fähigkeiten und unterhält.

Für die Bücher meiner persönlichen Shortlist vergebe ich keine Leseratten, sondern möchte meine Leseeindrücke einfach so, ungefiltert mit euch teilen.

Montag, 13. Oktober 2014

Montagsfrage #37 von Libromanie


Wir haben's geschafft! Heute antworten wir mal wieder beide auf die Montagsfrage von Libromanie. Es ist ja auch diesmal ein Thema, mit dem wir beide uns in diesem Jahr ausgiebig beschäftigt haben:

"Habt ihr einen eReader und wenn ja, welchen?"

Alex' Antwort: Meinen eReader Fuhrpark habe ich in diesem Jahr ja eigentlich ausgiebig vorgestellt, trotzdem freue ich mich über diese Montagsfrage besonders. 
Mein erster eReader war der Kindle Keyboard, der ist mittlerweile in Rente gegangen, weil der Akku schwach geworden ist und das Display einen leichten Wackelkontakt hat. Ganz aussortiert ist er allerdings noch nicht, mein Mann nutzt ihn unterwegs ab und an noch ganz gern.
Als zweiter eReader zog der Kindle Paperwhite 1 bei uns ein, der war ein direkter Ersatz für den alten Kindle und ist nach wie vor mein Favorit. Hier habe ich ihn ausgiebig vorgestellt.
Um auch mal Bücher im epub Format lesen zu können, um Angebote anderer Shops in Anspruch zu nehmen oder für Rezensionsexemplare zog der Kobo Aura als dritter eReader bei mir ein. Hier habe ich meine Erfahrungen mit dem Kobo beschrieben.
Ein echtes Experiment war mein vierter eReader, der Imcov6l von Imcosys ist basiert auf Android und kann die Skoobe App abspielen. Meine ersten Erfahrungen habe ich hier ausgiebig niedergeschrieben, im Langzeittest hat sich der Imcov6l allerdings nicht gut bewährt, der Akku schwächelt und die Ladezeiten sind doch recht lang.
Mein neuester eReader ist nun der Icarus Illumina E653 er ist mein Ersatz für den Imcov6l und hat sich diesmal auch im Langzeittest bewährt, mehr dazu erfahrt ihr hier.



Von diesen fünf Geräten sind der Kindle Paperwhite 1 und der Icarus Illumina am häufigsten im Einsatz, der Kobo kommt sehr selten zum Einsatz und der Imco ist mittlerweile stillgelegt.

Bald kommt der neue Kindle Voyager auf den Markt und reizt mich noch sehr. Dafür ist im Moment kein Leseratten-Budget vorhanden, langfristig möchte ich aber umsteigen, da der Voyager wieder "Tasten" hat und das nervige "auf dem Display rumtatschen" damit endlich ein Ende hätte.

Susis Antwort: *Hüst* Ich trau mich fast nicht etwas zu sagen, als E-Reader-Neuling. Ich habe mir dieses Jahr für den Urlaub einen Kindle Paperwhite 2 gekauft. E-Books waren vorher überhaupt kein Thema für mich - jetzt überzeugen sie mich immer mehr. Obwohl das nicht verleihen können immer noch der schmerzlichste Punkt für mich bleibt.

Sonntag, 12. Oktober 2014

Rezension: Gebrauchsanweisung für die Welt von Andreas Altmann

Letztes Jahr habe ich meinem Mann zum Geburtstag dieses Buch geschenkt als Teil eines Gesamtpaketes, was man als Mann seines Alters wissen/können sollte. Da er es bisher links liegen gelassen hatte, habe ich es in einer freien Minute gegriffen und gegen meine Gewohnheit innerhalb weniger Tage gelesen.


„Gebrauchsanweisung für die Welt“ von Andreas Altmann, Piper Verlag

211 Seiten

14,99 € (Taschenbuch)









Andreas Altmann ist Journalist und schreibt überwiegend Reisereportagen. In diesem Buch will er seine Liebe zu Reisen sowie wichtige Tipps weitergeben. Der Text ist außerdem immer wieder von meist kurzen Anekdoten von seinen Reisen durchsetzt.

Der Autor reist gerne und will dafür werben, dass Reisen die beste Art ist, um sich lebendig zu fühlen, das Leben zu bereichern und glücklich und zufrieden zu sein. Dabei hat mir besonders gefallen, dass er zwar das Reisen an sich für die einzig richtige Art hält, sein Leben zu nutzen, wie man aber reist, für ihn nicht von Bedeutung ist. Wichtig ist nur, neugierig zu sein und sich wirklich für das Land und das Leben zu interessieren. Es ist schön von einem Mann mit starken Überzeugungen nicht verurteilt zu werden, nur weil man pauschal, in Gruppe oder mit angenehmen Luxus reist. Das Buch habe ich vor allem wegen der kurzweiligen interessanten Geschichten und der Leidenschaft, mit der Andreas Altmann schreibt sehr gerne gelesen. Die "Tipps" sind als solche weniger echte Hilfestellungen als mehr der Aufruf zu Mut und Wahrhaftigkeit. In dem Sinne ist das Buch mehr eine Lebensanleitung als Reiseliteratur.

Ich glaube nicht, dass mir der Autor persönlich sympathisch ist, da ich viele Ansichten zwar nachvollziehen kann, aber nicht selber bejahen kann. Dennoch gefällt mir seine Toleranz gegenüber anderen und seine Vehemenz, mit der er seine Meinung vertritt. Außerdem musste ich mehrfach laut lachen beim Lesen des Buches, was doch auch nicht immmer passiert.

"Die Gebrauchsanweisung für die Welt" ist etwas für Leute, die gerne Reisen und/oder vielleicht einen Mutmacher brauchen, um Reisen zu wagen, die ihnen bisher zu gefährlich oder ähnliches schienen oder die einfach nur gerne Geschichten (über Reisen) lesen. Insgesamt vergebe ich für das abgerundete Bild, das der Autor vermittelt und die amüsanten Stunden, die ich mit dem Buch verbracht habe, sowie die Leichtigkeit, mit der es sich lesen lässt, 4 von 5 Leseratten. 


Das Buch in einem Zwitschern:
"'Die Gebrauchsanweisung für die Welt' ist weniger als versprochen, dafür amüsanter, kurzweiliger&inspirierender als normale Reiseliteratur."

Samstag, 11. Oktober 2014

Rezension: Der Tag, an dem ich fliegen lernte von Stefanie Kremser

Der Tag, an dem ich fliegen lernte“ war meine erste Entdeckung auf vorablesen nach längerer Zeit. Das Buch hat es innerhalb der ersten zehn Seiten geschafft, mich für diesen wunderschönen Erzählstil zu begeistern und völlig in die Geschichte einzusaugen.
Welch ein Glück, dass ich es dann tatsächlich lesen durfte!

„Der Tag, an dem ich fliegen lernte“ von Stefanie Kremser
304 Seiten
19,99 € (Hardcover)









Luisas brasilianische Mutter Aza ist mit der Geburt ihrer kleinen Tochter überfordert. Sie weist das Kind gleich nach der Geburt ab und lässt das wenige Stunden alte Mädchen schließlich aus dem Krankenhausfenster fallen. Dem Einsatz des englischen Footballers Fergus ist zu verdanken, dass das Baby überlebt. Da Aza noch aus dem Krankenhaus flieht, wächst Luisa bei ihrem Vater Paul und seiner chaotischen WG (zu der bald auch Fergus gehört) in Bayern auf. Im Laufe der Jahre interessiert sich Luisa immer mehr für ihre Wurzeln und so reist sie schließlich gemeinsam mit ihrem Vater nach Brasilien, auf Azas Spuren.

„Der Tag, an dem ich fliegen lernte“ ist ein Buch, bei dem die Figuren so authentisch und echt wirken, die Orte so realistisch beschrieben scheinen, dass ich immer wieder das Gefühl hatte, eine wahre Geschichte zu lesen. Zwar weist die Autorin in einem beiliegenden Brief darauf hin, dass die gesamte Geschichte von Anfang bis Ende erfunden ist, aber es steckt doch auch eine Menge Biografie darin. Die Vorfahren der Autorin wanderten bereits 1890 nach Bolivien aus, sie selbst ist zwischen Europa und Südamerika aufgewachsen. Diese direkten Einflüsse müssen es sein, die dazu führen, dass die Geschichte von Luisa und ihrer Mutter so liebevoll erzählt und nah wirkt.
Dieser direkte, echte Eindruck wurde nicht mal durch die skurrilen Begebenheiten und Charaktere beeinträchtigt. Im Gegenteil, alle Figuren haben ihre Macken und Schwächen, die Handlung hat unvorhersehbare aber doch realistische Wendungen. Ein echter kleiner Schatz!
Neben der Handlung um Aza, Paul und Luisa wird auch immer wieder die Geschichte des Örtchens Hinterdingen und seines brasilianischen Gegenstücks erzählt. Diese Abschnitte haben mir besonders gefallen. Die urbayerischen Auswanderer, die im fremden Südamerika ein zweites bayerisches Dorf bauten, das alles war sehr lustig und unterhaltsam, aber auch tragisch zu lesen. Eine Geschichte die im Kopf bleibt.

Besonders erwähnenswert ist noch der tolle Erzählstil des Buches. Luisa erzählt ihre Geschichte selbst, das ist gerade bei den Geschichten rund um ihre Geburt verwunderlich, aber selbst in diesen Abschnitten wirkt alles stimmig. Und im weiteren Verlauf der Handlung könnte man es sich gar nicht anders vorstellen. Luisa macht Erklärungen und Einschübe, kommentiert die Handlung für den Leser und gibt ihre eigene Deutung ab. Diesen direkte Ansprache des Lesers mag ich ganz besonders, weil es das Gefühl vermittel, die Geschichte von einer guten Freundin zu hören.

Obwohl ich nicht so reisefreudig bin hat „Der Tag, an dem ich fliegen lernte“ so ein unbestimmtes Fernweh in mir geweckt. Es weckt einfach unwillkürlich Lust auf Brasilien mit seiner ganz eigenen Mentalität, besonderen Gebräuchen und natürlich exotischen Jabuticabas.

Ich habe nichts zu meckern und vergebe unterm Strich 5 von 5 Leseratten für dieses schöne Buch, das ich nahezu in einem Rutsch durchlesen musste.


Das Buch in einem Tweet: „Der Tag an dem ich fliegen lernte“ in drei Worten: Brasilien, Bayern, Familie! Ein exotisches Buch das sich doch um Heimat dreht. Toll!

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Rezension: Auslöschung von Jeff VanderMeer (Southern-Reach-Trilogie Band 1)

Obwohl ihr alle heute vermutlich eher auf Berichte von der Frankfurter Buchmesse wartet oder sogar selbst welche verfasst, möchte ich euch trotzdem ein ziemlich tolles Buch vorstellen. „Auslöschung“ von Jeff VanderMeer hat vorab genau das richtige Maß an Mysterium und Spannung versprochen, um mich total anzusprechen. Nachdem ich dann die Leseprobe gelesen hatte, war mir klar: "Das muss ich lesen!". Jetzt weiß ich: "Es hat sich gelohnt.".

„Auslöschung“ von Jeff VanderMeer
Southern-Reach-Trilogie Band 1
240 Seiten
16,95 € (broschierte Ausgabe)







Ein ungeklärtes Ereignis vor mehr als dreißig Jahren veränderte Area X nachhaltig. Seither ist diese Gegend von einer unsichtbaren Grenze umschlossen und wird von seltsamen Naturveränderungen geprägt. Menschen ist es nur schwer möglich, sich darin zu bewegen. Die bloße Anwesenheit in Area X scheint verrückt zu machen. Die Regierungsorganisation Southern Reach versucht dennoch alles, um das Geheimnis von Area X zu lüften und schickt immer wieder Expeditionen in dieses mysteriöse Gebiet. In „Auslöschung“ folgen wir der 12. Expedition, bestehend aus vier Frauen, die das Wesen von Area X näher ergründen sollen.

In „Auslöschung“ lesen wir das Tagebuch einer Teilnehmerin der 12. Expedition in Area X. Die Biologin beschreibt zunächst recht sachlich und nüchtern die verschiedenen Etappen ihrer Reise. Von Anfang an ist dabei auffällig, dass die einzelnen Protagonisten keinen Namen bekommen, sie werden lediglich mit ihrer Funktion beschrieben und bleiben schemenhaft, blass. Da wir die Handlung durch die Aufzeichnungen der Biologin verfolgen, kommen wir ihr etwas näher als den übrigen Charakteren, doch selbst sie bleibt mehr eine Idee, bekommt kaum Persönlichkeit. Das ist umso bemerkenswerter, da sie trotz kurzer Rückblenden in ihre Kindheit und dem recht leidenschaftlichen Bericht, wie sie zu ihrer Passion der Biologie gelangte, nicht greifbarer wird. Eine gewisse Sympathie zu diesem Charakter hat sich bei mir trotzdem aufgebaut und ich habe ihre Anspannung Stück für Stück selbst übernommen
Wie ich schon in der Leseprobe gemerkt habe, sind die Schilderungen in „Auslöschung“ manchmal derart abstrakt und verworren, dass es schwierig ist, ein inneres Bild dazu zu gestalten. Meine inneren Bühnenbildner hatten schwer zu tun, um anhand der Beschreibungen eine Szenerie vor meinem geistigen Auge zu entwerfen. Am Ende hat das trotzdem geklappt und dieses unwirkliche, mysteriöse Setting hat dann bei mir dazu geführt, dass sich der Horror noch verstärkt hat.

Ich finde es schwer „Auslöschung“ in ein Genre zu stecken und hatte am Anfang eher eine Dystopie erwartet. Irgendwie ist es das vielleicht auch, aber der Horror und das SciFi stehen eindeutig im Vordergrund. Vor allem der Horror! Es sind keine großen Effekte oder Schocker nötig, allein auf Grund der rasenden Anspannung hatte ich ganz schön mit mir zu kämpfen, das Buch dann doch noch abends weiter zu lesen.
Ich möchte natürlich jetzt nicht zu viel verraten, kann aber sagen dass die Entdeckungen der Biologin mir einige Vermutungen aufdrängen, was da in Area X geschah. Eine Auflösung oder nur einen deutlichen Hinweis bleibt uns das Buch aber schuldig! Das hat mich rasend gemacht, ich will unbedingt wissen, wie es weiter geht. Ich freue mich also schon unheimlich auf die folgenden Bände. Das hebt aber auch die Erwartungen an die Nachfolger „Autorität“ und „Akzeptanz“ gehörig, da muss jetzt noch was kommen.

Ich mag Horror-Literatur und „Auslöschung“ sticht da eindeutig hervor, ein Buch das im Gedächtnis bleibt. Trotzdem gibt es einige kleinere Schwächen, so dass ich mit meiner Bewertung insgesamt auf 4 von 5 Leseratten komme!


Das Buch in einem Tweet:  "Auslöschung" ist eine wilde Mischung aus Horror, SciFi und Mystery. Jetzt warte ich hungrig und erwartungsvoll auf die Nachfolger.

Montag, 6. Oktober 2014

Montagsfrage #36 von Libromanie


Ich habe mich ja etwas vor den letzten Montagsfragen gedrückt und die heutige ist auch absolut was für mich, also darf sich Alex heute mal ausruhen und ich antworte allein:

"Wer ist euer liebster Hörbuchsprecher/eure liebste Hörbuchsprecherin?"

Als erstes muss ich zugeben, dass ich die Namen fast alle nachsehen musste. Ich verfalle zwar immer mehr der Hörbuchleidenschaft (das neue Audible-Abo seit September zeugt davon), aber ich habe noch nicht so viele Hörbücher gehört, als dass ich schon Favoriten hatte. Hier aber dennoch ein paar Beisipiele:

Natürlich Rufus Beck! Die Harry Potter Hörbücher waren, glaube ich, meine ersten Hörbucher und sind genauso, wie ich sie bis heute am liebsten mag: Ungekürzter Text wird von einem vorgelesen, der sich Mühe gibt, jeder Figur eine authentische Stimme zu geben und kleine, seltene special effects werten das ganze noch auf.

Sehr gut finde ich auch Maria Koschny. Sie ist die Synchronstimme von Katniss Everdeen aus Tribute von Panem. Ich habe zuerst die beiden Filme gesehen und habe mir dann das ungekürzte Hörbuch mit ihr als Sprecherin gekauft. Schon von daher eine tolle Konstellation, aber sie haucht der Geschichte darüber hinaus Leben ein und fesselt einen mit der unbändigen Spannung. Leider komm ich bei Teil drei nur schleichend voran, weil mein Mann darauf besteht, dass wir es uns zusammen anhören - genau wie die anderen zwei Teile zuvor ^^

Zu guter letzt noch eine kurze Werbung für mein aktuelles Marathon-Hörbuch: Dank dem audible-Abo konnte ich mir die ungekürzte Fassung von "Sturz der Titanen" von Ken Follett gelesen von Johannes Steck leisten. 47-Stunden spannendes Hörvergnügen. Er hat eine ähnliche Qualität und einen ähnlichen Stil wie Rufus Beck, ist dabei - dem Buch angemessen - jedoch gesetzter. Er hat eine schöne männliche Stimme und so macht es bei den vielen pikanten Stellen im Buch Spaß ihm zuzuhören, aber mehr später in der Rezension ;-)

Ich hoffe euch im nächsten Jahr noch viele weitere schöne Hörbücher vorstellen zu können!

Sonntag, 5. Oktober 2014

Rezension: Gebete für die Vermissten von Jennifer Clement

„Gebete für die Vermissten“ von Jennifer Clement hat mir die liebe Antonie ausgeliehen, um meine Meinung zum Buch zu hören. Obwohl mich die ersten Seiten sofort gefangen nahmen und ich das Buch schnell beendet hatte, habe ich mit der Rezension immer noch echte Schwierigkeiten.

„Gebete für die Vermissten“ von Jennifer Clement
228 Seiten
19,95 € (Hardcover)









Ladydi wächst in einem Dorf in den mexikanischen Bergen auf, da wo es wenig von allem gibt: wenig Arbeit, wenig Hoffnung, wenig Zukunft. Als Mädchen ist es für sie besser unscheinbar zu sein, vielleicht sogar hässlich, dann wird man von den Gangs der Drogenhändler in Ruhe gelassen. Was passiert, wenn man als hübsches Mädchen ins Visier der Gangs gerät, sieht Ladydi an ihrer Freundin Paula, diese wird verschleppt und missbraucht. Ladydi selbst ist aber zum Glück unscheinbar genug, um unentdeckt zu bleiben und kann später sogar eine Anstellung als Kindermädchen in der Stadt annehmen. Ob sie dort ein besseres Leben erwartet?

„Gebete für die Vermissten“ ist ein Buch, dessen unglaublich starke erste Absätze mir nicht mehr aus dem Kopf gehen. Sie wirkten auf mich so erschreckend und fesselnd, dass ich sofort mehr wissen musste. Die Kunst innerhalb eines Absatzes sofort das Thema des Buches einzuleiten und die Stimmung für die gesamte Handlung vorzugeben, hat mich schwer beeindruckt. Diese ersten, wenigen Sätze fangen komplett den Geist des Buches ein.

„Jetzt machen wir dich hässlich, sagte meine Mutter. […] In Mexiko ist es das Beste, ein hässliches Mädchen zu sein.“ S.9

Über Bandenkriege und Drogenkartelle in Mexiko hört man in den Nachrichten viel, über die Auswirkungen auf die Bevölkerung und die damit einhergehenden Probleme denkt man dabei nicht unbedingt lange nach. Wie die Frauen unter der Gewalt der Drogenbanden leiden, aber auch darunter leiden, dass sie viele ihrer Männer nach Amerika verlieren und die Zurückgebliebenen frustriert sind, hat mich sehr erschreckt und berührt. Die trostlose und ziellose Stimmung, die das Buch dadurch transportiert wirkt authentisch, leider fehlt der Geschichte dadurch ein echter Spannungsbogen.
Vielleicht geht es nur mir allein so, aber bei aller Bitterkeit und Traurigkeit, die „Gebete für die Vermissten“ versprüht, ist auch immer ein Quäntchen Humor, ein bissiger Witz in den Zeilen versteckt. Ob es Ladydis Name ist, der dem bitteren Humor ihrer Mutter entsprang, oder die trockenen Anmerkungen, die von der erzählenden Stimme in die Beschreibungen eingewoben werden, immer wieder provoziert es ein trauriges Lachen.

Ich schwanke immer noch sehr, wie ich „Gebte für die Vermissten“ bewerten soll oder kann. Die Atmosphäre des Buches ist so authentisch, dass es mir ab und zu den Atem geraubt hat. Die Handlung ist dabei manchmal so träge, dass ich mich fragte wo das alles hin zielt (und es wird leider auch nicht von einem großen Clou gelöst). So habe ich beim Lesen zwischen den verschiedenen Extremen geschwankt. Das Buch hat mir selbst zum Teil nur mittelmäßig gefallen, ist aber keineswegs ein mittelmäßiges, sondern eher bemerkenswertes Buch!
Da ich insgesamt von der Wucht des Themas und der Erzählung beeindruckt bin, kann ich das Buch einfach nicht nur mittelmäßig bewerten und lande ganz knapp bei 4 von 5 Leseratten.
 

Das Buch in einem Tweet: "Gebete für die Vermissten" ist bitter komisch und unterhaltsam traurig zugleich. Ein Buch das bewegt, obwohl manchmal Spannung fehlt.

Freitag, 3. Oktober 2014

Angelesen: 25 Jahre Mauerfall

Heute möchte ich ein "Angelesen" zu gleich mehreren Büchern machen, die mir ganz aktuell am Herzen liegen. Denn Heute, am Tag der Deutschen Einheit, jährt sich der Mauerfall zum 25. Mal.
Susi und ich haben die Weltgeschichte schon gehörig bereist. Von Cäsar und Kleopatra über die Weltkriege und Hemingways Paris haben wir uns durch die Zeit bewegt. Susi hat dabei auch schon die jüngere deutsche Geschichte gestreift und uns ein tolles Buch vorgestellt. Den heutigen Tag möchte ich aber noch einmal zum Anlass nehmen, um diese jüngere deutsche Geschichte so richtig ins Zentrum zu rücken.


Meinen ersten Tipp habe ich der lieben Petzi zu verdanken, die uns zu unserem Bloggeburtstag "Jenseits der blauen Grenze" von Dorit Linke empfahl. Heute habe ich die Leseprobe gelesen und hatte sofort Gänsehaut.

Darum geht's:
1989. Andreas und Hanna sind ins Visier der Staatsmacht geraten. Ihre Träume von Studium und Wunschberuf können sie begraben, stattdessen sind sie Repressalien und Misstrauen unterworfen. Wer nicht Linientreu der Regierung folgt, der ist eine potenzielle Gefahr. Dieser Atmosphäre wollen die Beiden durch eine Flucht aus der DDR entfliehen. Dafür wollen sie durch die Ostsee gen Westen schwimmen. 50 km sind es, die sie von der Freiheit trennen.

Sofort, schon mit der kurzen Leseprobe, steckt man mitten in dieser Geschichte. Umso packender ist es, wenn man sich vor Augen hält, dass was hier so spannend und schaurig beschrieben ist deutsche Realität war. Die Beschreibungen wirken so authentisch und nah, dass es mir einen ganz anderen Zugang zu diesem Teil unserer Geschichte verschafft hat und ich unbedingt weiter lesen möchte.
Ich bin ein echtes Wendekind und obwohl meine Geburtsurkunde noch in der DDR ausgestellt wurde, habe ich selbst keine eigenen Erinnerungen an diese Zeit. Natürlich kenne ich (wie wohl alle meine Altersgenossen) viele Geschichten aus der Familie, aber diese Erzählung aus der Perspektive zweier junger Menschen berührt mich trotzdem ganz anders, ganz neu.
Das Buch ist ab 14 Jahren geeignet, hat aber auch mich sprachlich sofort überzeugt. Ein Buch für alle also, die sich diesem Thema einmal neu nähern möchten!


Das zweite Buch, welches ich heute vorstellen möchte wurde mir vom Ankerherz Verlag ans Herz gelegt und hat sofort meine Begeisterung geweckt. "Nur raus hier!" herausgegeben von Andre Kaiser enthält 18 wahre Geschichten von Menschen, die allen Mut und alle Kraft aufgewendet haben, um aus der DDR zu entfliehen. Es sind Geschichten von Entschlossenheit und Freiheitsdrang. Da gibt es erfolgreiche und gescheiterte Versuche, ganz simple Pläne und spektakuläre Taten.

Weil hier die Menschen selbst zu Wort kommen, ist dieses Buch wohl ideal für alle, die damals selbst dabei waren. Es ist ein Blick zurück und soll dabei nicht sentimental sein, aber gegen das Vergessen und übertriebene Ostalgie stehen.Einfach ein ehrlicher Blick in unsere Vergangenheit, untermalt mit wunderschönen Fotografien vom Andre Kaiser.


Mein drittes Buch schlägt eine ganz andere und doch irgendwie ähnliche Richtung ein. "Kinderland" von Mawil erzählt die "fiktionalisierte" Jugend des Comiczeichners, der tatsächlich 1976 in Ostberlin geboren wurde, bis hin zum Mauerfall. Wichtigste Waffe des Autors ist hier eindeutig der Humor. Denn obwohl alles gut recherchiert und authentisch  beschrieben wird, sind die Zeichnungen und Dialoge witzig und unterhaltsam.
Die Geschichte die er erzählt ist die, einer fast ganz normalen Kindheit im Osten: "Mirgo" (Mirco) geht in die siebte Klasse, hat unter den Jungs von der FDJ ganz schön zu leiden und auch die Pubertät ist anstrengender als gedacht. Als dann ein neuer Junge in seine Klasse kommt, der nicht zu den Jungpionieren geht und auch sonst ganz anders ist, lernt Mirco ein ganz neues Leben kennen. Dann kommt der Mauerfall, der passt ihm zeitlich zwar gerade gar nicht in den Kram, schafft ihm aber zumindest die FDJ vom Hals.

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Challenge 2014: 10. Leseexperiment

 

Heute wollen wir noch einmal die Hilfe von anderen annehmen, um per Zufall hoffentlich ein gutes Buch zu entdecken. Ich gebe zu, auch dieses Experiment ist nicht ganz einfach - aber ich verspreche, die nächsten beiden werden wieder etwas einfacher.

"Lies ein Buch, das dir als erstes im Tausch gegen ein anderes angeboten wird."

Bei diesem Experiment gehen wir genauso vor, wie bei dem 5. Leseexperiment. Denn mit der Wahl des Tauschbuches und der Tauschbörse habt ihr eurem Glück schon genug auf die Sprünge geholfen. Allerdings sind wir natürlich keine Unmenschen. Sollte der Tauschbücherschrank nichts für euch haben oder euch jemand nichts adäquates anbieten (ein aktueller Bestseller muss nicht gegen einen Ärztegroschenroman getauscht werden) oder gar nichts, dann versucht es woanders.

Susis Tausch: Ich habe es bei dem neuesten Tauschbücherschrank am Ende meiner Straße versucht und bingo! Treffer!

"Zeiten des Aufruhrs" von Richard Yates DVA Verlag
368 Seiten

Ich habe den Film gesehen und war damals gefangen und begeistert. Dann kann das Buch nur noch besser werden oder? Es geht um Liebe, Ehe, Erwartungen und den schönen Schein - eben um Amerika. Ich freu mich schon!





Alex' Tausch: Eigentlich wollte ich ganz mutig hier live ein Buch zum Tausch anbieten... dann kam es wieder, das akute "sich nicht von Büchern trennen können"-Problem. Da ich außerdem im Moment eine ziemlich volle und straff geplante Leseliste vor mir habe, werde ich in dieser Runde leider vorerst aussetzen. Ich wünsche euch anderen trotzdem viel Spaß und bastele schon weiter am nächsten Leseexperiment, da bin ich definitiv dabei! :)

Dienstag, 30. September 2014

And the winner is ...

Wir haben uns sehr über eure rege Teilnahme gefreut! Viele fleißige Geburtstags-Rattenfänger haben sich in unseren Rezensionen auf die Suche gemacht und tatsächlich alle entflohenen Leseratten aufgestöbert!

Mit unserer vollautomatischen Losfee random.org haben wir aus allen richtigen Einsendern einen Gewinner (besser: Gewinnerin) gezogen!
Und gewonnen hat: Andrea W.!
Wir haben sie gerade per E-Mail informiert und das Wunschbuch ist schon auf dem Weg zu ihr.

Für diejenigen, die vielleicht nicht alles gefunden haben, hier unsere Auflösung. Versteckt haben wir die Ratten an folgenden Orten:


"Jeder stirbt für sich allein" von Hans Fallada Aufbau-Verlag

704 Seiten

12,99 € (Taschenbuch)

Bewertung: 5 von 5 Leseratten





„So bitterkalt“ von Johan Theorin
480 Seiten

19,99 € (Hardcover) oder 8,49 € (Kindle Edition)

Bewertung; 4 von 5 Leseratten

 



"Der Wolkenatlas" von David Mitchell Rowohlt Verlag

668 Seiten

9,99 € (Taschenbuch)

Bewertung: 4 von 5 Leseratten






 495 Seiten
 9,99 € (Taschenbuch) 
Bewertung: 3 von 5 Leseratten 




 

„An einem Tag wie diesem“ von Peter Stamm

208 Seiten

7,95 € (Taschenbuch)

Bewertung: 1 von 5 Leseratten