Montag, 14. April 2014

Montagsfrage #18 von Libromanie


Es gibt wieder eine neue Montagsfrage von Libromanie, heute antworte nur ich, da Susi "nicht so autorenfixiert" ist. Ich bin zwar auch nicht direkt "fixiert", hege aber eine gewisse Ehrfurcht vor Autoren, die es wirklich schaffen mich zu begeistern. Wem das gleich mehrmals gelingt, dem ist meine Lesetreue sicher.

"Wer ist eure Autorenneuentdeckung der letzten Monate?"

 Für mich völlig neu und total beeindruckend war "Der Distelfink" von Donna Tartt, in den Schreibstil dieser Autorin habe ich mich vom Fleck weg verliebt. "Die geheime Geschichte" und "Der kleine Freund" sind natürlich sofort auf meiner Leseliste gelandet. In dieser Hinsicht war Donna Tartt die absolute Neuentdeckung für mich.

An zweiter Stelle kommt sofort Ingrid Noll (bis auf mich kannte wohl jeder schon Bücher dieser tollen Autorin). Ich wurde auf  "Hab und Gier" durch die Verlagsvorschau aufmerksam. Zur Überbrückung habe ich "Die Apothekerin" gelesen und bin begeistert vom schwarzen Humor dieser Autorin. 

Auch eine "Wieder-neu-entdeckung" habe ich vor Kurzem erlebt: Joe R. Lansdale hat mich schon mit "Dunkle Gewässer" und "Die Wälder am Fluss" begeistert... lang hab ich aber kein Buch von ihm mehr gelesen und das obwohl "Kahlschlag" hier auf meinem SUB ruhte. Als ich jetzt "Ein feiner dunkler Riss" las, war ich sofort wieder verliebt und wollte "mehr"... auch mit "Kahlschlag" habe ich also jetzt begonnen.

Sonntag, 13. April 2014

Rezension: Die andere Seite des Himmels von Jeannette Walls

Ein Buch auf meinem SUB, auf das ich mich ganz besonders gefreut habe, war „Die andere Seite des Himmels“ von Jeanette Walls. Jetzt habe ich es beendet und muss unbedingt mehr von der Autorin lesen...

„Die andere Seite des Himmels“ von Jeanette Walls
Hoffmann und Campe Verlag
365 Seiten
19,99 € (Hardcover)









Jean (11) und Liz (15) Holladay leben gemeinsam mit ihrer Mutter in Lost Lake, Kalifornien. Die Mutter ist ganz ein Kind der Sechziger Jahre und fühlt sich eher als Künstlerin und Musikerin, denn als Mutter. So kommt es, dass sie ihre beiden Töchter des Öfteren auf sich allein gestellt in der Wohnung zurück lässt, um ihre eigenen Träume zu verwirklichen. Als die Mutter der Beiden mal wieder abhaut, lange nicht zurückkommt und dann noch das Jugendamt auftaucht, beschließen Jean und Liz zur Familie ihrer Mutter nach Virginia zu fliehen. In der alten Heimat ihrer Mutter angekommen lernen sie erstmals ihren Onkel und Teile ihrer Familie kennen und erfahren, was für ein schöner Ort doch dieses Städtchen ist, dem ihre Mutter so krampfhaft zu entfliehen versuchte.

Ich habe lange keine Protagonisten mehr so ins Herz geschlossen, wie Jean und Liz. Die Geschichte wird aus Jeans Sicht erzählt und sie ist für ihr Alter nicht nur ziemlich reif, sondern vor allem sehr liebenswert. Die Mädchen müssen oft allein zurechtkommen und sind sich dadurch gegenseitig die größte Stütze geworden. Liz ist die Bedachte, Kluge der Mädchen. Jean ist eher die Impulsivere, ein bisschen naive der Schwestern. Jean liebt ihre große Schwester bedingungslos und bewundert sie für ihre Klugheit.
Besonders die Beschreibungen vom Leben der Mädchen, in dem die Mutter längst nur noch eine Nebenrolle spielt, haben mich sehr berührt. Vor allem, weil die Beschreibungen so schön und friedlich sind. Obwohl einem die Mädchen eigentlich leid tun könnten, wird ihre Situation nicht als große Tragödie dargestellt, sondern so wie sie aus ihrer Sicht ist: nicht perfekt, aber in Ordnung.

Obwohl das Buch keine rasante Spannung bietet und wieder eher eine dieser leisen Geschichten erzählt, hat es mich sofort gefesselt. Ich mag den Erzählstil sehr. Er ist detailliert und trotzdem humorvoll, leicht und locker aber nicht zu oberflächlich. Außerdem sind die Charaktere alle sehr besonders, von Jean und Liz über ihre hippiehafte Mutter bis zu Nebenfiguren wie dem „Perversen“ im Bus sind alle irgendwie eigen, genau charakterisiert und trotzdem nicht zu langwierig beschrieben.

Es hätte alles perfekt sein können, mein einziger Kritikpunkt? Gegen Ende verliert sich die Geschichte etwas. Die Beschreibungen von Jean und Liz‘ Familie, die Probleme in der kleinen Stadt in Virginia mit den verarmten Weberei-Arbeitern und all dem hätte für mich völlig genügt. Dann wurde aber noch ein „Konflikt“ aus der Tasche gezogen, den ich in dieser Geschichte gar nicht gebraucht hätte und der dem Buch auch nicht mehr Bedeutung verliehen hat.
Die Kernaussage des Buches ist so oder so (für mich) ganz einfach „Home is where the heart is“.

Ich bewerte dieses Buch ganz klar mit 4 von 5 Leseratten, ein Buch für alle, die starke Persönlichkeiten, Bücher über Familie und die Suche nach einer eigenen Heimat mögen.
 

Freitag, 11. April 2014

Endlich wieder Sneak: Dom Hemingway

Heute poste ich im Auftrag von Susi. Sie ist unterwegs und hat mich gebeten ihre Sneak-Berichterstattung zu übernehmen. Das ist besonders gemein, da der Film bei mir nur eine vage Fassungslosigkeit hinterlassen hat und ich mich immer noch frage „Warum?“. Ich entschuldige mich also vorab, dass meine Analyse weniger treffend ist, als es die von Susi sicherlich wäre.

„Dom Hemingway“
FSK 16
Spiellänge: 94 Minuten
Dom Hemingway ist ein begnadeter Tresorknacker, trotzdem ging sein letzter Coup daneben. Weil er seine Auftraggeber nicht verraten wollte, landet er im Knast. 12 Jahre Haft hat er nun abgebüßt. Der Film beginnt als Dom gerade seine Haftstrafe abgesessen hat und zurück in die Freiheit kommt. Er möchte die verpassten Jahre wieder aufholen: dazu gehören Alkohol, Drogen und natürlich Frauen. Um all das zu finanzieren versucht er sich von seinem ehemaligen Auftraggeber eine rechtmäßige Bezahlung abzuholen. Auch privat räumt Dom Hemingway auf, er versucht seiner Tochter näher zu kommen, der er nie ein guter Vater war.

An sich klingt das alles gar nicht so schlecht und in „Dom Hemingway“ gab es auch einige wirklich komische Szenen. Richtig inspirierend und literarisch war dann aber doch nur der Titel des Films. Leider haben mich einfach die ersten 5 Minuten schon zu sehr verwirrt. Da steht Dom Hemingway, zu sehen in einer tollen Nahaufnahme, im Gefängnisbad und hält eine epische Rede auf seine primären Geschlechtsmerkmale. Das setzt ganz neue Maßstäbe im „Dirty Talk“ und hat mir nicht so richtig gesagt um was es in dem Film gehen wird.
Insgesamt kann ich das auch heute noch nicht ganz erklären. Wenn es eine Sozialstudie der britischen Gesellschaft ist, dann hat diese sich nicht sonderlich positiv oder facettenreich dargestellt. Interessant war, dass viele Szenen eine theaterartige Wirkung auf uns hatten. Dom Hemingway, sein Freund Dickie und Mr. Fontaine sein ehemaliger Auftraggeber stehen in einem skurril ausgestatteten Kaminzimmer und beschimpfen sich mit literarischer Qualität. Die Gespräche wirken so geziert und die Personen so statisch „hingestellt“, dass wir uns sofort fühlten wie in einem kleinen modernen Theater.

„Dom Hemingway“ ist kein Film den man gesehen haben muss, dürfte aber Freunden skurriler Geschichten Spaß machen. Im Vergleich hat uns aber „Drecksau“ doch deutlich besser gefallen. „Drecksau“ geht zwar in eine sehr ähnliche Richtung, hatte aber doch noch mehr Vielfalt in der Handlung zu bieten.
Der Sneak-O-Mat schwankte zwischen mittelmäßig bis gut, wir schwanken eher von mittelmäßig bis schlecht. Wir vergeben 2 von 5 Kinoratten für „Dom Hemingway“.

Mittwoch, 9. April 2014

Rezension: Wir müssen über Kevin reden von Lionel Shriver

„Wir müssen über Kevin sprechen“ von Lionel Shriver hat mir Petzi ans Herz gelegt. Sie hat es mir so nachdrücklich schmackhaft gemacht, dass ich nicht anders konnte als es gleich zu Kaufen und zu Lesen. Jetzt kann ich nochmal „Danke“ sagen für diesen tollen Tipp!

„Wir müssen über Kevin reden“ von Lionel Shriver
Ullstein Taschenbuch Verlag
560 Seiten
9,99 € (Taschenbuch)*
* Anmerkung: im Moment gibt es neu nur noch die „Filmbuch“ Version dieses Buches. Die spricht mich vom Cover her so gar nicht an und ich habe mir daher die vorherige etwas neutralere Ausgabe gebraucht bestellt.







Kevin läuft Amok. Der 15jährige richtet in seiner Schule ein gut vorbereitetes Blutbad an und schlägt damit auch das Leben seiner Familie in Scherben. In „Wir müssen über Kevin reden“ arbeitet Eva, die Mutter des Attentäters, die Gründe für diese Tat aus ihrer Sicht auf. Eva wendet sich in Briefform an ihren Exmann und erzählt beginnend bei den Anfängen ihrer gemeinsamen Beziehung, über Kevins Kindheit bis hin zu dem tragischen Geschehen viele sehr persönliche Erlebnisse aus dem Leben der Familie.
Erst haben mich die besondere Thematik und die Erzählweise des Buches angesprochen. Ich mag Bücher in Brief- oder Tagebuchform. Diese Erzählart nimmt den Leser oft direkt mit und kann Geschichten ganz anders, viel näher darstellen als zum Beispiel Geschichten aus der dritten Perspektive. Bei „Wir müssen über Kevin reden“ verbindet sich diese Erzählform zusätzlich noch toll mit dem wunderbaren Schreibstil von Lionel Shriver. Dieser Schreibstil war es dann auch, der mich wirklich, ganz und gar für das Buch eingenommen hat. Lionel Shriver baut lange Sätze, die kunstvoll Evas Gedanken spiegeln und sich mit ihren Überlegungen winden.  Sätze, die sich in den Himmel schrauben aber deren Wahrheit manchmal auch ins Herz schneidet.
Die Protagonistin Eva erzählt unverblümt von ihrer Angst vor dem Kinderkriegen, von einigem Befremden im Umgang mit ihrem neu geborenen Sohn und der Verzweiflung später nicht an das Kind heranzukommen, das sie auf die Welt gebracht hat. Eva berichtet von Liebe und Angst, Verlusten und Hoffnung. Ich habe selten bei einem Buch so mit geschwankt und mit gelitten, ich mochte die Protagonistin unheimlich gern, habe aber zum Teil an ihren Empfindungen gezweifelt, so extrem waren ihre Berichte. Später habe ich ihren Blickwinkel immer besser nachvollziehen können und bekam richtiggehend Angst vor dem unberechenbaren Jungen.
„Wir müssen über Kevin reden“ ist ein Buch dessen Thematik hochaktuell ist und dass sich ohne Effekthascherei mit Schuld und Verantwortung beschäftigt. Natürlich ist das Buch an sich kein Tatsachenbericht und erhebt auch nicht den Anspruch das zu sein. Trotzdem hat „Wir müssen über Kevin reden“ für mich eine gewisse Wahrheit enthalten, der ich mich nicht entziehen konnte. Die Frage nach dem „Warum“ beschäftigt uns Menschen immer nach tragischen Ereignissen, denn oft sind sie so unbegreiflich wie schrecklich.

Schon allein auf Grund der Tatsache, dass „Wir müssen über Kevin reden“ seit Langem wieder ein Buch war über das ich ständig sprechen wollte, dass ich anfing zu zitieren und das mir ganz schön zu Denken gegeben hat vergebe ich 5 von 5 Leseratten.

Montag, 7. April 2014

Montagsfrage #17 von Libromanie


Heute gibt es wieder die Montagsfrage von Libromanie, diesmal ohne große Vorrede, folgender Dialog ereignete sich heute Morgen bei unserem üblichen "Montagsfrage-Besprechen-Ritual".



Alexandra Luchs
Guten Morgen! :-)

Montagsfrage: von welchem Autor/Autorin wirst du nie wieder ein Buch in die Hand nehmen? 
Susi Shelfmaster
Stephen King? :-)
Alexandra Luchs
Was? 

Wirklich??? 

 :-(

Komm... Susilein... das meinst du nicht so?! :-(
Susi Shelfmaster
 :-(

Ich habe Friedhof der Kuscheltiere gelesen und dann beschlossen: „Ok, ich hab‘s versucht. Wenn das schon der Schmuseeinstieg für King ist, dann bin ich ein zu großer Weichkeks für ihn.“ 
Alexandra Luchs
„Friedhof der Kuscheltiere“? 

Es gibt doch auch Bücher von ihm, die sind gar nicht gruselig! 

"Der Anschlag" ist zum Beispiel ein Zeitreiseroman, "Die Arena" handelt quasi von einem sozialen Experiment und "Puls" ist fast sowas wie medienkritisch :-D

Soll ich weiter machen? 
Susi Shelfmaster
Sonst fällt mir eigentlich kein anderer Autor ein. 

Sicher hab ich schon mal schlechte Sachen gelesen, aber da merk ich mir doch nicht den Autor! ;-)
Alexandra Luchs
Das geht mir genauso. Ich hab vor allem noch nichts gelesen, was mich derart abgeschreckt hat, dass der Autor komplett für mich gestorben ist.
Susi Shelfmaster
Na dann sollten wir einfach sagen „Wir sind tolerant und jeder Autor bekommt mindestens eine zweite Chance“ ...und wir sind halt noch jung und sind noch nicht zu all den zweiten Chancen gekommen :-)

Sonntag, 6. April 2014

Ausprobiert: Bücher-App "Codex"

Das Wochenende nutze ich gern um ein bisschen Ordnung zu schaffen: in der Wohnung, in privaten To-do's und auch manchmal in meiner Büchersammlung.
Seit es das Read Pack gibt, gibt es in meinem kleinen Rattenbau eine Menge mehr gelesene und (vor allem) ungelesene Bücher, als das Früher der Fall war. Ich leihe und verleihe mehr und muss bei all dem auch noch den Überblick behalten.

Schon lang benutze ich für die Organisation unserer Filmsammlung die App "MyMovies" (wenn Interesse besteht kann ich auch die gern zeigen und erklären, sie ist Gold wert!). Für Bücher habe ich lange nach einer adäquaten App (für Android) gesucht...

Jetzt habe ich sie gefunden, sie heißt "Codex" ist kostenlos und kann (obwohl noch nicht perfekt) genau das, was ich wollte und brauchte!

Bücher hinzufügen

Handgeschriebene Listen habe ich schnell aufgegeben, die werden mir schnell zu unübersichtlich und das hinzufügen größerer Mengen neuer oder verliehener Bücher ist echt mühsam.

In Codex können Bücher mittels ISBN-Scan, des Eintippens der ISBN-Nummer oder die Titelsuche aus einer umfangreichen Datenbank gesucht werden. Für die seltenen Fälle, dass keinerlei Informationen gefunden werden, können Bücher auch manuell hinzugefügt werden.

In meinem Testlauf ist bei 40 Büchern kein einziges "nicht gefunden" worden. Über eine der drei Varianten konnte ich in jedem Fall ein Ergebnis finden.
Am schnellsten geht dabei häufig der ISBN-Scan, nur bei einigen wenigen ungewöhnlichen Einbänden oder verschmutzten Barcodes hat der Scan nicht funktioniert. Wird ein Buch erkannt wird es sofort mit allen nötigen Informationen und (sofern vorhanden) einem Coverbild zum Speichern angeboten.

Wer hier sehr viel Wert auf Optik legt muss vermutlich ein bisschen manuell nacharbeiten. Die Coverbilder wurden bei meinem Test nur bei ca. einem Drittel der Bücher sofort erkannt. Die übrigen habe ich manuell nachgepflegt, das geht ein bisschen umständlich indem man das Coverbild aufs Handy herunterlädt und dann im Datensatz des Buches zur heruntergeladenen Datei verlinkt. Im Ergebnis hat man dann aber eine sehr hübsche Ansicht aller verfügbaren Bücher.



Angaben zum Buch

Die automatisch heruntergeladenen Informationen zum Buch sind häufig schon sehr umfangreich. Neben Autor, Titel, Verlag, Seitenzahl, Erscheinungstag, Kategorie und einer Kurzbeschreibung (Klappentext) gibt es dann noch die Möglichkeit persönliche Informationen einzutragen.

Diese Informationen reichen von den Angaben darüber ob das Buch gelesen oder ungelesen, das eigene oder ein geliehenes Buch, ob es ein Lieblingsbuch und sogar ob das Buch signiert ist zu Informationen in welchem Regal oder welcher Sammlung man das Buch zugeordnet hat.

Vor allem die Einteilung zu gelesen und ungelesen hat es mir angetan, danach lässt sich später ganz einfach Filtern und die Wahl des nächsten Buches ist ohne "im Regal umherklettern" erledigt.




Bücher organisieren, verleihen und sortieren

Die Bücher können anhand der in den Angaben zum Buch eingetragenen Informationen sortiert und angezeigt werden. Ich persönlich habe mir Sammlungen für die Lesemonate angelegt und trage dort jetzt Bücher, wenn ich sie abgeschlossen habe, direkt ein (mal schauen, wie lang der Elan anhält). Außerdem kann ich eintragen, an wen ein bestimmtes Buch verliehen ist und mir gezielt meine ungelesenen Bücher anzeigen lassen.



Ich habe ewig nach einer App wie dieser gesucht und bin begeistert, sie jetzt endlich gefunden zu haben. Vor allem die Organisation der ungelesenen Bücher gefällt mir, ich hoffe dass ich so auch mit wachsender Anzahl immer den Überblick über meine Buchschätze behalten werde.

Organisiert ihr eure gelesenen und ungelesenen Bücher? Wie macht ihr das: per App oder mit einer handgeschriebenen Liste, in einer Buchplattform oder habt ihr alles im Kopf?

Samstag, 5. April 2014

Rezension: Der Teufel von New York von Lyndsay Faye

Über vorablesen bin ich auf „Der Teufel von New York“ von Lyndsay Faye gestoßen. Das Buch hat mich sofort gefesselt und schien ein ganz besonderer Thriller zu sein. Bei der Verlosung hatte ich Glück und konnte das Buch nun gleich lesen.

„Der Teufel von New York“ von Lyndsay Faye
dtv Premium Verlag
480 Seiten
15,90 € (Taschenbuch)









1845 in New York, die frisch gegründete Polizei steht vor einem Rätsel: ein unbekannter tötet dutzende Kinder, es gibt keine Spur auf den Täter. Einzig ein kleines Mädchen kann fliehen und wird von dem frisch gebackenen Polizisten Tim Wilde gefunden, sie ist blutüberströmt und völlig verängstigt. Tim war früher Barmann und ist Dank seines Bruders und seiner guten Beobachtungsgabe bei der Polizei gelandet. Mitgenommen vom Schicksal des Mädchens betreibt er die Ermittlungen im Fall der getöteten Kinder nun mit ganz besonderem Eifer.

„Der Teufel von New York“ wirkte in der Leseprobe auf mich wie ein einfacher Thriller, vielleicht sogar gespickt mit einem gewissen Horrorfaktor. Jetzt hat sich gezeigt, dass das Buch vielmehr eine gelungene Mischung aus historischem Roman und Krimi bietet. Das Buch bietet einen interessanten Einblick in die Situation in der jungen Metropole New York. Die Stadt, zu dieser Zeit gezeichnet von Rassenkonflikten und politischen Zerwürfnissen, bietet eine tolle Kulisse für diesen spannenden Kriminalfall. Der Einblick in die sozialen Strukturen der Stadt hat mich besonders fasziniert und ist laut Angaben der Autorin authentisch. Jedes Kapitel wird zudem mit einem Zitat aus einer historischen Quelle zur Situation der katholischen und protestantischen Einwohner Amerikas oder über die Irischen Einwanderer eingeleitet. Diese Zitate wirken derart skurril, dass man meint sie müssten erfunden sein, verdeutlichen aber authentisch die im Buch beschriebenen Situationen.

Zwar ist das eigentliche Highlight des Buches der historische Hintergrund, die Handlung des Kriminalfalles kann da jedoch auch sehr gut mithalten. Die Ermittlungen sind spannend beschrieben und die Wendungen der Geschichte konnten mich gut überraschen. Auch die Protagonisten haben ihren Teil dazu beigetragen, dass ich das Buch nur ungern zur Seite legen wollte. Lediglich ein paar Längen im Mittelteil des Buches, in denen sich sowohl die Konflikte der Protagonisten als auch der Fall nur ziemlich zäh entwickeln hat die starke Wirkung des Buches abgeschwächt.
Auch in diesen Phasen konnte ich das Buch genießen, da die Sprache für einen Krimi wirklich toll, sehr detailliert und bildreich ist. Die Beschreibungen sind nicht zu langatmig und sorgen trotzdem für eine dichte Atmosphäre. Es wurden einige Begriffe der damaligen Gaunersprache Flash eingebaut und auch im Anhang entsprechend übersetzt. Leider gibt es einige kleinere Ausnahmen, die ich im Anhang nicht finden konnte und mir im Zusammenhang erschließen musste. Auch wäre nicht nur die reine Übersetzung sondern (sofern möglich) der Ursprung der Begriffe interessant gewesen. Wer Bücher auch gern mal im englischen Original liest kann das vielleicht noch besser genießen.

Insgesamt bekommt „Der Teufel von New York“ von mir 4 von 5 Leseratten, die Handlung allein ist vielleicht nicht so außergewöhnlich, bekommt aber im Zusammenhang mit der tollen Sprache, der dichten Atmosphäre und dem historischen Hintergrund eine ganz neue Qualität.

Freitag, 4. April 2014

Ankündigung: Blogger schenken Lesefreude, wir machen mit!

Wir machen mit bei "Blogger schenken Lesefreude 2014" und es gibt Einiges zu gewinnen!


Eine ganze Weile haben wir gegrübelt, was wir verschenken sollen... es soll etwas "Read Pack"-typisches geben, jetzt stehen unsere Buchgeschenke fest:

Mit freundlicher Unterstützung des Knaus Verlags verlosen wir einmal das absolute Steckenpferd unseres Blogs:

"Das große Los" von Meike Winnemuth
Bei Jauch gewinnen, völlig frei sein, um die Welt gondeln. Wie ist es, wenn man das Leben führt, von dem alle träumen?
Sie wollte eigentlich bloß finanziell ein bisschen unabhängiger sein. Mehr dürfen, weniger müssen. Deshalb hat Meike Winnemuth bei "Wer wird Millionär?" mitgemacht. Zu ihrer Verblüffung räumt sie groß ab: 500 000 Euro. Und nun? Einfach weitermachen wie bisher? Sie entscheidet sich, 12 Monate frei zu nehmen und um die Welt zu gondeln. Es wird ein unglaubliches Jahr. Eines, das ihr Leben umkrempelt. Und das Beste: das viele Geld hätte sie dazu gar nicht gebraucht.
Doch was passiert, wenn man wirklich alles darf? Weiß man dann, was man will? Wie ist es, wenn man das Leben führt, von dem alle träumen? Meike Winnemuth erzählt von einer unglaublichen Reise in 12 Städte auf allen Kontinenten: Sydney, Buenos Aires, Mumbai, Shanghai, Honolulu, San Francisco, London, Kopenhagen, Barcelona, Tel Aviv, Addis Abeba, Havanna. Mit Tempo, Humor und viel Gespür für die Besonderheiten der Städte und ihrer Bewohner beschreibt Meike Winnemuth ihre Erfahrungen.
Vor allem aber geht es in "Das große Los" um Aha-Erlebnisse, Kulturschocks, den Rausch der Freiheit, das Glück des Zufalls und die Überraschungen, die man nicht zuletzt mit sich selbst erlebt.


Weiter geht es mit einem vielschichtigen, viel diskutierten Buch, dass euch Susi auch schonmal vorgestellt hat:

"Tabu" von Ferdinand von Schirach
Piper Verlag


Ein Künstler und ein Anwalt versuchen zu begreifen, was Wahrheit ist … Ferdinand von Schirachs neues Buch ist ein Künstlerroman, ein Justizdrama und am Ende ist es eine Beschreibung der Abgründe des Menschen. Sebastian von Eschburg verliert als Kind durch den Selbstmord seines Vaters den Halt. Er versucht sich durch die Kunst zu retten. Er zeigt mit seinen Fotografien und Videoinstallationen, dass Wirklichkeit und Wahrheit verschiedene Dinge sind. Es geht um Schönheit, Sex und die Einsamkeit des Menschen. Als Eschburg vorgeworfen wird, eine junge Frau getötet zu haben, übernimmt Konrad Biegler die Verteidigung. Der alte Anwalt versucht dem Künstler zu helfen - und damit sich selbst. Schirach schreibt über ein aktuelles gesellschaftliches Thema, das den Leser zwingt, grundsätzliche Entscheidungen zu treffen. Aber dieses Buch ist viel mehr: Schirach hat den Roman eines Lebens geschrieben, lakonisch, poetisch, berührend.


Unser drittes Geschenk ist ein Buch nach Alex' Geschmack, ein außergewöhnliches Buch mit ganz besonderen Charakteren. Wir haben dieses Buch beim Bloggertreffen von lovelybooks bekommen und möchten die Lesefreude an euch weitergeben, da es schon in unseren Regalen steht:

"Das Mädchen mit dem Haifischherz" von Jenni Fagan
Verlag Antje Kunstmann


Anais Hendricks ist fünfzehn und sitzt auf dem Rücksitz eines Polizeiautos. Ihre Schuluniform ist blutverschmiert, und am anderen Ende der Stadt liegt eine Polizistin im Koma. Doch Anais kann sich da an nichts erinnern. Jetzt ist sie auf dem Weg ins Panoptikum, eine Besserungsanstalt für schwer erziehbare Jugendliche, die für das Waisenkind am Ende einer langen Kette von Heimen und Pflegefamilien steht. Das Panoptikum, ein ehemaliges Gefängnis im Niemandsland der Provinz, scheint wie gemacht für Anais, die mittlerweile sowieso denkt, sie sei ein Experiment, das Objekt einer Reihe von Versuchen, die zeigen sollen, wann ein Mensch zerbricht. Während Anais mit ihrer schwierigen Vergangenheit ringt und sich mit Mut und Fantasie durch ein Fürsorgesystem boxt, das ihr einen Schlag nach dem anderen versetzt, findet sie in den anderen Jugendlichen des Panoptikums fast so etwas wie eine Familie. Eine Familie, die sich ihre eigenen Mythen und Legenden schafft und deren Bande stärker sind als das System, aus dem es scheinbar kein Entkommen gibt. Es sei denn, du hast ein Haifischherz und Freunde, die dir helfen, ihm zu folgen ...


Und weil wir auch ganz individuelle Lesefreude verschenken möchten legen wir noch ein Wunschbuch im Wert von bis zu 25€ für euch auf den Geschenkeberg.

Wir freuen uns schon auf den 23.04.!

Mittwoch, 2. April 2014

Rezension: Der Distelfink von Donna Tartt

Auf wenige Bücher habe ich in letzter Zeit so gewartet und war so neugierig, vorfreudig und gespannt wie auf „Der Distelfink“ von Donna Tartt. Schon in der Verlagsvorschau habe ich mich in die Beschreibung des Buches verliebt. Häufig führen solch hohe Erwartungen und Hoffnungen zu herben Enttäuschungen, nicht so in diesem Fall: das Auf und Ab der Geschichte hat mich völlig gefangen genommen und ich habe die über tausend Seiten dieses Buches förmlich aufgesaugt.

„Der Distelfink“ von Donna Tartt
1024 Seiten
24,99 € (Hardcover) oder 19,99 € (Kindle Edition)









Viele Bücher beschäftigen sich mit der Macht des Schicksals. Mit dem „was wäre wenn“ und den Auswirkungen einzelner Ereignisse oder Entscheidungen auf das Leben eines Menschen. In „Der Distelfink“ scheint das Leben des Protagonisten, Theo Decker, durch eine ganze Reihe bösartiger oder glücklicher, in jedem Falle launischer, Eingriffe des Schicksals durcheinandergeworfen zu werden. Alles beginnt als Theo dreizehn Jahre alt ist, denn da ändert ein Tag sein ganzes Leben: er besucht mit seiner Mutter ein New Yorker Museum, nur kurz trennen sich die Beiden, als eine Bombe im Museum detoniert. Seine Mutter stirbt und Theo nimmt in den Wirren des Attentats das kleine Gemälde „Der Distelfink“ an sich. Von diesem Tag ausgehend begleiten wir Theo und das Gemälde auf einem aufregenden Lebensweg.

Eigentlich ist „Der Distelfink“ mal wieder ein Buch, über dessen Handlung ich am liebsten sehr viel mehr erzählen würde. Die vielen Wendungen, die Hochs und Tiefs in Theos Leben haben mich gefesselt und begeistert. Trotz des Umfangs des Buches wurde es nie langweilig, die Geschichte ist facettenreich, spannend und kurzweilig erzählt. Ich konnte nach dem Lesen kaum glauben, dass ich diesen „Wälzer“ in so kurzer Zeit verschlungen habe. Einige Wendungen waren so unvorhergesehen und überraschend, dass ich regelrecht geschockt war. Positiv natürlich. Und trotz dieser „Page Turner“-Qualitäten ist „Der Distelfink“ auch ein Buch, das viele detaillierte Beschreibungen und fast filmische Inszenierungen bietet. Eigentlich müsste man dieses Buch ganz genüsslich lesen um die verschiedenen Stimmungen der Szenen richtig auf sich wirken lassen zu können. Allein, der Drang immer weiter zu erfahren wie sich die verschiedenen Konflikte lösen lassen einem diese Ruhe manchmal nicht.
Auch die Charaktere sind außergewöhnlich stark beschrieben und waren mir ohne Ausnahme sympathisch. Besonders der Protagonist und die erzählende Stimme Theo ist mir sehr ans Herz gewachsen. Die Entwicklung Theos im Buch ist enorm. Der anfangs noch sehr kindliche Junge der in seinem Leben so viele Verluste durchlebt, aber auch Freundschaft und Liebe erlebt hat das Buch wirklich getragen. Keine der Figuren ist perfekt oder ein klassischer Held, aber alle tragischen Figuren haben eine gewisse Stärke trotz aller Probleme und alle starken Charaktere kämpfen mit ihren eigenen Schwächen.
„Der Distelfink“ ist ein Buch, dass unglaublich viele Themen behandelt: es dreht sich um Kunst und Drogen, Gewalt und Liebe. Das Buch ist sowohl Krimi als auch Liebesgeschichte, Wirtschaftsthriller und Familienroman. Ich freue mich unheimlich, dass ich dieses Buch für mich entdeckt habe. Ich kann nur begeisterte 5 von 5 Leseratten vergeben, weil es eines der außergewöhnlichsten, beeindruckendsten und mitreißendsten Bücher ist, dass ich seit Langem gelesen habe.



Mit Donna Tartt habe ich eine außerdem neue Autorin nach meinem Geschmack entdeckt, „Der kleine Freund“ und „Die geheime Geschichte“ stehen noch auf meiner Leseliste.

Dienstag, 1. April 2014

Challenge 2014: 4. Leseexperiment

 

Es ist der 1. April und das ist kein Aprilscherz. Dieses Mal wollen wir euch ein (vielleicht) neues Leserlebnis ermöglichen:

"Lies ein Buch, dessen Hauptfigur denselben Vornamen trägt wie du."

Es gilt wieder die 25-Regel, d. h. ihr dürft nur aus den ersten 25 Treffern wählen. Wobei es hier wirklich schwierig ist überhaupt eine gewisse "Auswahl" zusammen zu bekommen, klassische Trefferlisten sind eher schwierig. Tobt euch also aus, stöbert und sucht!

Mein Buch habe ich sehr schnell gefunden. Es war Treffer zwei nach "In meinem Himmel", wo ich schon fast über einen Buch-Film-Vergleich nachgedacht habe.


"Der Lebenslauf der Liebe" von Martin Walser Suhrkamp Verlag

528 Seiten

ab 3,01 € (Taschenbuch gebraucht)

Meins ist noch auf dem Postweg zu mir, deswegen dieser kurze Ausschnitt von amazon:

"Ein behindertes Kind, ein Mann, der zuerst sehr reich ist, dann ruiniert, dann krank, dann tot -, und Susi, in ihrer durch keine Erfahrung belehrbaren Sehnsucht nach reiner, das heißt vollkommener, das heißt gegenseitiger Liebe. Die Unbelehrbarkeit ihres Gefühls ist ihre Kraft, eine jeden Ruhms würdige Lebenskraft. Und der Roman rühmt Susi Gern. Bis zum Schluß: War sie vorher durch die Lebensumstände eine Abenteurerin der Liebe, so wird sie jetzt zur reinen Liebenden."

Alex hat mich schon für verrückt erklärt - ich freu mich drauf!


Alex Buch: 

"Nachts kommt die Angst" von Gabriela Gwisdek
Aufbau Verlag
308 Seiten
9,99 € (Taschenbuch

Sagt der Titel nicht alles? Susi liest "was mit Liebe und Anspruch" ich hab mir einfach einen spannenden Psychothriller ausgesucht. Ich kann jetzt ins Feld führen, dass meine Alternative eine Biografie von Zarin Alexandra war, auf die ich auch Lust hatte, die aber erst im August erscheint. Aber mal ehrlich, irgendwie fand ich die Idee auch cool so ein Spannungs-Nervenkitzel-Buch mit einer Protagonistin zu durchleben, die heißt wie ich. Ob ich mich da wohl noch mehr reinversetzen werde? Ich  neige ja so schon zum mitfiebern. Ich freue mich und bin gespannt. Das Buch soll sich jedenfalls um eine Art "Spukhaus" und ein kleines Kaff mit schwierigen Einwohnern drehen, wenn da die richtige Stimmung aufkommt könnte das richtig Spaß machen.