Samstag, 30. November 2013

Rezension: Liebe und andere Parasiten von James Meek

Ich bin dahin! Ja, manche Bücher schleichen sich einfach so an und bleiben dann in Herz und Kopf hängen. Da sitzen sie dann und lassen einen nicht mehr los. So ist es mir mit „Liebe und andere Parasiten“ gegangen.

„Liebe und andere Parasiten“ von James Meek
DVA Verlag
560 Seiten
22,99 € (Hardcover)









Ritchie Sheperd ist ein in die Jahre gekommener Rockstar, arbeitet mittlerweile als Fernsehproduzent und lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in einer schönen Villa. Er könnte einfach ein zufriedenes Leben führen, wäre er nicht eine Affäre mit einem jungen Mädchen aus seiner Fernsehshow eingegangen. Diese Affäre bringt Ritchie in Teufelsküche und sorgt für Verwicklungen nicht nur in seinem, sondern auch im Leben seiner Schwester Bec, einer talentierten und ehrgeizigen Biologin.
Die Geschichte von „Liebe und andere Parasiten“ zusammenzufassen ist nicht ganz einfach. Nicht, weil die Geschichte unstrukturiert oder unklar wäre, eher weil kein Teilaspekt allein das Buch passend beschreibt. Erst wer in diese facettenreiche Geschichte eintaucht, kann dem Buch auch gerecht werden. Aber da ich nicht zu viel verraten möchte, belasse ich es dabei, dass es um Malaria, Krebs, Liebe und andere Parasiten geht…
Dem Autor ist es in diesem Buch wunderbar gelungen große Fragen des Lebens perfekt in die eigentliche Handlung einzuweben. So werden das Ziel im Leben, Liebe, Geld, Moral, Treue und Verrat thematisiert. Dabei werden keine platten Klischees bedient, sondern die Probleme und Wünsche der Charaktere nachvollziehbar und ehrlich dargelegt. Bis zum Ende war ich gespannt, wie die verschiedenen Konflikte wohl gelöst werden, ob Moral oder Verrat sich durchsetzen, ob Religion oder Wissenschaft den Vorrang haben. Am Ende hat sich die Handlung einfach toll gefügt. Schön fand ich, dass auch bei den moralischen Fragen und Problemen deutlich wurde, dass es im Leben nicht immer ein klares Richtig und Falsch gibt. Die Handlung hatte dadurch etwas sehr Echtes und Wahres.
Ein Roman, der sich mit diesen zum Teil schwierigen Themen beschäftigt, könnte den Leser leicht erschlagen. „Liebe und andere Parasiten“ hat aber trotz einer Menge Denkanstöße leicht und locker gewirkt, durch eine große Portion britischen Humor hat die Geschichte nämlich vor allem immer Spaß gemacht. Das Buch hat mich ein bisschen an Irvings „wilde Geschichte vom Wassertrinker“ erinnert, aber meiner Meinung nach ist „Liebe und andere Parasiten“ noch einmal stärker. Die Charaktere und Begebenheiten sind zwar ähnlich skurril, die Handlung aber für mich viel mitreißender.
Ich könnte noch eine ganze Weile schwärmen, über den Erzählstil, die Dialoge, den Humor, die Charaktere und die vielen interessanten Themen des Buches. Für mich ist „Liebe und andere Parasiten“ ein absolutes Highlight, von daher möchte ich dieses Buch allen ans Herz legen, die ein Buch lesen möchten, das Futter für Herz und Verstand bietet und dabei einfach eine Menge Spaß macht. 5 von 5 Leseratten und ein Platz in meiner Top 20 Liste, da es eines der Bücher ist, die ich definitiv noch einmal lesen werde und das mir lange im Herzen bleiben wird.
 

Vielen Dank an den DVA Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Freitag, 29. November 2013

Abgebrochen: Die grüne Bluse meiner Schwester von Gerdur Kristny

Das ist mir echt lang nicht mehr passiert. Ich breche Bücher fast nie ab. Ich glaube, dass es eigentlich jedes Buch verdient hat, es bis zum Ende zu lesen. Der große Clou könnte auf den letzten 2 Seiten geschehen und ich in meiner Ignoranz verwehre dem Buch die Chance, mir das zu zeigen. Tja, so ist das in der Theorie. In der Praxis musste ich „Die grüne Bluse meiner Schwester“ jetzt weglegen. 
Bei Seite 230 von 304 ging es einfach nicht mehr.

„Die grüne Bluse meiner Schwester“ von Gerdur Kristny
List Verlag
304 Seiten
9,99 € (Taschenbuch)








Fridas Vater ist gestorben und hinterlässt eine tiefe Lücke in ihrem Leben. Die Geschichte beginnt mit der Trauerfeier des Vaters und erzählt Fridas Suche nach einer neuen Richtung. Zwischendurch berichtet sie in vielen kurzen Rückblenden von Erlebnissen mit ihren Eltern und ihrer Schwester. Frida selbst war immer Papas Liebling, die Schwester ein Mamakind. Natürlich entstehen dadurch auch mal Konflikte. Die Geschichte einer ganz normalen Familie eben. Neben den familiären Problemen fühlt sich Frida in ihrer Arbeit sehr festgefahren. Mit einem neuen Job möchte sie ihrem Leben eine andere Richtung geben. Statt wie bisher in der Parfümerie Kunden zu beraten will Frida Reporterin werden und damit vorankommen.
Ich hatte mir eine Geschichte über die Eigenarten von Familien, die großen und kleinen Konflikte aber auch über Liebe und Freundschaften (als Kontrast zum ganz normalen Familienwahnsinn) gewünscht. Davon wird ehrlich gesagt nur wenig geboten. Fridas Beschreibungen sind oberflächlich und ungerecht, dazu noch manchmal einfach unverständlich. Statt positiver Erlebnisse mit dem Vater werden primär die Probleme mit der Schwester thematisiert, Frida wirkt nachtragend und kleinlich in all diesen Konflikten. Lediglich bei einer missglückten Geburtstagsfeier scheint sie auch die Schwester mal von einer anderen, weicheren Seite zu zeigen. Auf den Ausgleich bei Freunden habe ich vergeblich gewartet, auch die einzige Freundin wird durchweg negativ beschrieben.
Zwar lässt sich die Geschichte anfangs noch ganz schön lesen, leider habe ich gegen Ende immer mehr die Motivation verloren weil die Handlung sich kaum noch entwickelt. Da mir auch die Protagonistin nicht übermäßig sympathisch war wurde es mir schlichtweg egal, ob sie den neuen Job nun meistern wird oder nicht.
Eigentlich hatte ich mich auf eine leichte Herbst/Winterlektüre gefreut. Auf ein lustiges kleines Buch über Familienkrisen und Familienfreuden. Zwar gibt es tatsächlich einige lustige Stellen, an denen auch die Handlung schön fließt, leider wirkt das Buch insgesamt einfach nur unrund und langweilig.
Ich kann nur 1 von 5 Leseratten vergeben, muss aber betonen, dass ich natürlich kein endgültiges Urteil abgeben darf, weil ich die letzten Seiten nicht gelesen habe. Das Buch ist vermutlich eher für Frauen geeignet die in der Stimmung für eine leichte Chick-Lit sind und dabei die Nase voll von den ewigen Romanzen haben.



Vielen Dank an Vorablesen und den List Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Donnerstag, 28. November 2013

The Read Pack im Außeneinsatz: Lesung "Niemals ohne Lametta"

Die Weihnachtszeit beginnt. Man besinnt sich auf die einfachen, leisen Dinge im Leben und deswegen überredete ich Alex endlich mal an der ersten Lesung ihres Lebens teilzunehmen: Niemals ohne Lametta. 

Veranstalter:

Leseinsel Bergen-Enkheim e. V. 

Es lasen:

Hans Meurer, Personalmanager

Ulrich Sonnenschein, Redaktuer beim Hessischen Rundfunk


Ort der Veranstaltung war eine niedliche, kleine Bibliothek in Bergen-Enkheim (Frankfurt). Man fühlte sich sofort heimelig, denn neben Spekulatius und Lebkuchen gab es auch Wein für das leibliche Wohl. Es folgte ein wunderbar aufeinander abgestimmtes Feuerwerk an lustigen Gedichten, Essays, Geschichten und scheinbar wahren Anekdoten.

Über Loriot, der lebhaften Beschreibung einer seltsamen Familie, zum Aufruf, das Festessen wieder zu genießen. Auf welchem würdigeren Altar könnten Tiere geopfert werden als unserem Magen? Einer der Höhepunkte war sicher der strippende Weihnachtsmann von Harald Martenstein: "Weihnachten ist ja auch so ein Spiel mit Erwartungen." Kurz vor der Pause noch die traurige Erkenntnis: Amazon hat den Weihnachtsmann entmachtet.

In der Pause versicherten wir uns kurz, dass auch wir nicht jeden intellektuellen Bildungsbürgertumswitz verstanden hatten. Aber dafür war Zeit zum Luft holen und Kekse essen, die netterweise rumgereicht wurden, alles lediglich gegen eine freiwillige Spende.

Auch der zweite Teil war sehr weihnachtlich und gleichzeitig sehr unterhaltsam. Der Weihnachtsmann destabilisiert die Wirtschaft und das Geld, während Diebstahl das Ergebnis einer Gesellschaft ist, in der es nicht genügend Geschenke gibt.

Überaus glücklich und weihnachtlich beseelt (auch dank des roten Käuterschnapses zum Abschied) gingen wir heim. Und möchten euch - falls ihr aus Frankfurt kommt - das städtische Kulturportal empfehlen, auf dem wir auf diesen Schatz gestoßen sind. Aber auch wenn ihr woanders wohnt: Gebt den kleinen, unbekannten Kunstveranstaltungen in eurer Nähe eine Chance, sie könnten sich als echte Perle erweisen.

Mittwoch, 27. November 2013

Rezension: Den Nächsten, der FROHE WEIHNACHTEN zu mir sagt, bringe ich um

In den Supermärkten steht der Lebkuchen seit Mitte August bereit, bei 17°C Außentemperatur wurden die Fußgängerzonen mit Tannenzweigen dekoriert und in der TV Werbung sieht man strahlend glückliche Familien unter dem Weihnachtsbaum sitzen. Bei diesem ganzen Drumherum wird einem die weihnachtliche Besinnlichkeit manchmal jetzt schon zu viel. In den letzten Tagen habe ich deshalb, als angenehmen Ausgleich, ein ganz besonderes Weihnachtsbuch gelesen.

„Den Nächsten, der FROHE WEIHNACHTEN zu mir sagt, bringe ich um: 12 Thriller“ mit Karen Rose, Markus Heitz, Daniel Holbe u.a.
Droemer Knaur Verlag
400 Seiten
14,99 € (Hardcover)
"Schsch!" von Karen Rose für 0,99 € in der Kindle Version







Die Kurzthriller dieses Buches bieten eine Menge Abwechslung. Es gibt Geschichten über einen seltsamen Serienmörder an Heiligabend, vermisste Kinder und ein Verbrecherpaar namens Marylie und Josef. Für jeden Geschmack ist da etwas dabei. Einige Geschichten sind ganz natürlich zu erklären, einige wirken fast schon paranormal. Eines haben sie alle gemeinsam: sie spielen zur sonst so besinnlichen Weihnachtszeit und bieten eine Menge Spannung und Schauer.

Ich kann natürlich nicht zu allen Thrillern etwas erzählen, daher nur kurz zu meinen drei Highlights: die Geschichte „Schsch!“ von Karen Rose, „Wintermärchen“ von Alex Berg und „Stille Nacht“ von Sven Koch, weil diese die Bandbreite der Sammlung toll demonstrieren.
„Schsch!“ von Karen Rose erzählt die Geschichte eines kleinen Mädchens, das kurz vor Heilig Abend neben einem ausgebrannten Wagen gefunden wird, völlig unterkühlt und verängstigt. Die Geschichte wird zuerst aus der Sicht des Mädchens beschrieben und fast meint man, dass dort übernatürliche Kräfte am Werk sind, erscheint ihr doch ständig eine „böse Pflegerin“ und droht dem Kind. Erst im Laufe der Erzählung und der Ermittlungen der Polizei kommt die Wahrheit ans Licht.
„Wintermärchen“ von Alex Berg geht einen ganz anderen Weg. Diese Geschichte ist viel ruhiger, beschränkt sich auf eine Protagonistin und hat mich vor allem mit den tollen, detaillierten Beschreibungen begeistert. Eine junge Frau verläuft sich beim Joggen im verschneiten Wald, kämpft erst nur gegen die eigene Erschöpfung und den Schnee, muss sich dann aber auch noch mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen. Toll gelungen fand ich das Ende der Geschichte, welches ich so in dieser Form nicht erwartet hätte.
Übrig bleibt noch „Stille Nacht“ von Sven Koch. Diese Geschichte beschreitet einen völlig anderen Weg. Es scheint schlicht um die Suche nach einem Serienmörder zu Weihnachten zu gehen, doch was sich dabei am Ende enthüllt ist schier unglaublich. Eine der kürzeren Geschichten, die trotzdem eine unglaubliche Spannung entwickelt.

Insgesamt hat mir das Buch viel Spaß gemacht, es eignet sich für einen kurzen Schmöker am Abend. Ich habe jeweils eine Geschichte pro Tag gelesen hatte so für einige Zeit etwas von diesem schönen Buch. Schön ist das Buch auch im wahrsten Sinne des Wortes, selten ist mir eine so tolle Aufmachung begegnet: der Blattschnitt ist blutrot gefärbt und rundherum mit dem witzigen Titel bedruckt, der Schutzumschlag ist glänzend schwarz.
Das Buch bekommt von mir 4 von 5 Leseratten und ich kann es als Weihnachtsgeschenk für Weihnachtsfans und Weihnachtsmuffel gleichermaßen empfehlen. Ein hübsches Geschenk für Leseratten, die sonst schon alles haben. Die fünfte Leseratte fehlt noch, weil ich nicht von allen Geschichten wirklich überzeugt war, "Weiß wie Schnee" von Claudio M. Mancini hat mir leider gar nicht gefallen.


Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Montag, 25. November 2013

Angelesen: White Horse

Noch ein Montag ohne Montragsfrage. Doch keine Sorge: Im Hause Read Pack ist eine Menge im Gange. Susi bereitet eifrig eine Überraschung für das Neue Jahr vor und ich nutze die fragenfreie Zeit für ein neues "Angelesen". 
Eigentlich wollte ich eines der aktuellen Vorablesen Bücher vorstellen, muss aber leider zugeben: ich konnte mich für Keines von Beiden begeistern. Deswegen stelle ich euch heute schoneinmal eines meiner nächsten Bücher vor, auf das ich während meiner vielen Recherchen in letzter Zeit gestoßen bin.

"White Horse" von Alex Adams
Piper Verlag
Eine Leseprobe findet ihr hier










Ich bin ein kleiner Cover-Fetischist und bin so mehr oder minder zufällig vor Kurzem auf "White Horse" gestoßen. Irgendwie finde ich das Coverbild bedrückend und gleichzeitig faszinierend, dazu der interessante Titel, daran kam ich einfach nicht vorbei. Als ich mich dann näher über das Buch informiert habe war mein Interesse sofort geweckt: die Geschichte von der Büchse der Pandora, die zu Öffnen Unheil bringt, in eine moderne Welt zu übertragen klingt einfach phantastisch. 
Die Leseprobe hat dann bei mir heute den Ausschlag gegeben, dass ich sage: ja, ich würde dieses Buch gern lesen. Die Geschichte der Seuche "White Horse" wird von der Hauptprotagonistin Zoe erzählt. Dabei springt die Handlung ständig zwischen dem Zeitstrang der Vergangenheit kurz vor bzw. zu Beginn der Seuche und in die Gegenwart, zum Überlebenskampf in eine zerstörte Welt.
Noch sind die Erzählfäden sehr lose und es ist nicht abzusehen, wohin sich die Geschichte entwickeln wird. Aber auf die Thematik freue ich mich schon jetzt sehr und der knappe aber trotzdem anschauliche Erzählstil gefällt mir bisher auch sehr gut.


Eine Neuigkeit am Rande:


"White Horse" möchte ich lesen, dass steht schon fest. Generell möchten wir aber eure Meinung zu den vorgestellten und angelesenen Büchern gern hören. Dafür gibt es ab heute die Reaktionen-Button, in denen ihr die Beiträge kurz und knapp bewerten könnt. 
Auf eure Meinung sind wir gespannt!

Sonntag, 24. November 2013

Rezension: Ein Schmetterling im November von Audur Ava Ólafsdóttir

Den Tag gestern habe ich in Island verbracht... Nagut, eigentlich habe ich auf dem Sofa gelegen und meinen Wintertee getrunken, aber es hat sich so angefühlt als hätte ich mit diesem wunderschönen kleinen Buch eine Reise durch Island unternommen. Da es wunderbar zur kalten Jahreszeit passt möchte ich euch heute also "Ein Schmetterling im November" vorstellen.

„Ein Schmetterling im November“ von Audur Ava Ólafsdóttir
Suhrkamp Insel Verlag
Verlagsseite zum Buch
355 Seiten
22,95 € (Hardcover)









Den Beginn der Geschichte bildet das Ende der Ehe unserer namenlosen Protagonistin. Der Mann trennt sich von ihr, hat eine Neue und möchte mit dieser ein Kind bekommen. Die Protagonistin selbst wollte keine eigenen Kinder, war mit Arbeit und Mann zufrieden (obwohl auch sie ihn schon betrog) und wirkt nun ziemlich desorientiert. Als sie gerade dabei ist ihr Leben neu zu sortieren, eine Reise plant und alles verarbeiten möchte, stürzt ihre schwangere beste Freundin. Da diese nun ins Krankenhaus muss bleibt es an unserer Protagonistin auf den Sohn der Freundin achtzugeben. Kurz entschlossen nimmt sie den kleinen gehörlosen Jungen mit auf ihre Reise durch Island.
Ich hatte mich schon direkt bei der Leseprobe in diese Geschichte verliebt, der Schreibstil ist fein und detailliert, hat einen gewissen Witz und liest sich unheimlich flüssig. Noch dazu hat die Geschichte mich von Beginn an richtig neugierig gemacht. Ich wollte zu jeder Zeit wissen wohin es mit der Handlung und den Personen gehen wird. Die selbstgewählt kinderlose Protagonistin und der kleine gehörlose Junge mit der dicken Brille sind einfach ein skurriles Paar und mir sofort ans Herz gewachsen.
Die Geschichte wird aus der Perspektive der Protagonistin erzählt und man merkt, wie sich nicht nur ihre Lebenssituation sondern Stück für Stück auch sie selbst sich verändert. Sowohl die ungewöhnliche Situation ihrer Reise als auch ihr besonderer Reisegefährte machen sie zu einer stärkeren Frau. Und obwohl sie keinen Namen hat ist man dieser Hauptfigur einfach nah. Die besondere Stärke dieses Buches ist in meinen Augen gerade diese besondere Atmosphäre der Geschichte. Man meint gemeinsam mit diesen beiden Figuren durch das kalte unwirtliche Island im November unterwegs zu sein. Die wunderschönen Landschaftsbeschreibungen zusammen mit den leisen und detaillierten Erzählungen über die Erlebnisse der beiden machen alles irgendwie echt.
Ich kann dieses Buch allen ans Herz legen die Lust auf eine ruhige Geschichte über zwei besondere Menschen haben. Ich selbst habe dieses Buch absolut genossen und habe mich in seiner Stimmung einfach wohl gefühlt. Eine Besonderheit noch: am Ende des Buches finden sich die Rezepte der von den Personen verspeisten Gerichte, manche richtig beschrieben, manche witzig gemeint. Insgesamt ein netter Anhang zum Schmunzeln… und den Apfelkuchen werde ich vermutlich wirklich mal probieren.
Insgesamt 5 von 5 Leseratten von mir für diese wunderschöne Geschichte.


Vielen Dank an den Insel Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Freitag, 22. November 2013

Diesmal in der Sneak: Carrie

Nachdem wir letzte Woche kurzfristig unseren Sneak-Termin absagen mussten, haben wir es diese Woche erneut probiert und triumphiert. Nach einem tollen Abendessen ging es endlich wieder zur Sneak, die diesmal richtig gut besucht war.

Kinostart: 05.12.2013
FSK 16
Spiellänge: 100 Minuten









Ich habe schon ein, zwei Mal angedeutet, dass ich Stephen King sehr mag. Trotzdem kannte ich bisher weder das Buch „Carrie“ noch die Verfilmung von 1976. Als im Kino klar wurde, dass das Remake von genau diesem Film gezeigt wird, habe ich mich also riesig gefreut. Und… ich gebe es zu... ich hatte ein bisschen Angst was da kommen wird. An alle, die (wie ich) empfindlich gegenüber Horrorfilmen sind vorweg: Carrie ist ein Film zum angenehm gruseln, der zwar genug Spannung bietet, aber auch für schwächere Nerven zu ertragen ist. Puh! Glück gehabt.
Der Film basiert auf dem gleichnamigen Buch von Stephen King und erzählt die Geschichte  von Carrieta (Carrie) White. Sie lebt allein mit ihrer streng gläubigen Mutter in einer amerikanischen Kleinstadt. Carrie wird von den anderen Schülern ihrer Schule gemobbt, weil sie so anders ist, und findet auch bei ihrer Mutter nur wenig Trost. Als Carrie entdeckt, dass sie telekinetische Kräfte besitzt, beginnt sich ihre Situation zu ändern und Carrie hat die Möglichkeit ihrer Umwelt all das Mobbing und die Demütigungen heimzuzahlen.

Carries Leidensweg leitet den Film ein und wurde gut in die aktuelle Zeit integriert. Das verängstigte Mädchen, das von ihren Mitschülern beleidigt und gedemütigt wird, scheint keinen einzigen Freund zu haben. Statt von ihrer Mutter unterstützt zu werden sieht diese in Carrie nur einen Beweis ihrer eigenen Unzucht und schüchtert Carrie mit ihrem religiösen Wahn völlig ein. Beide Konflikte werden gleich zu Beginn des Filmes aufgebaut und man ist direkt mitten in der Handlung. Carries Leid hat mich sehr bedrückt und schon eine gewisse Anspannung aufgebaut. Leider gab es dann im Verlauf des Films eine Phase, in der die Handlung stagnierte, was die Spannung leider etwas gedämpft hat. Erst gegen Ende hat die Geschichte wieder richtig Fahrt aufgenommen. Dafür hat sich die Handlung dann schier überschlagen und hatte auch einige nette Schock- und Horrormomente zu bieten.



Obwohl der Sneak-o-mat auch diesmal recht ausgeglichen war, tendieren wir diesmal eindeutig zu „gut“ und vergeben 4 von 5 Kinoratten für „Carrie“. Ein Film für einen angenehmen, erträglichen Grusel und eine düstere Stimmung.


Warum wir die Sneak lieben? Wegen dem Unterhaltungsfaktor im Saal. Unser Bild&Wort zum Film:
 
 „Wenn du nicht so aussiehst, wenn du von der Party kommst, war‘s keine gute Party!“
Unbekannter Besucher in der Sneak

Mittwoch, 20. November 2013

Bild&Wort: Islands wilde Schönheit

Heute will ich euch mit dem Bild&Wort schonmal auf ein ganz besonderes Buch vorbereiten, das ich am Sonntag vorstellen möchte. "Ein Schmetterling im November" führt die beiden Protagonisten durch die wilde Schönheit Islands. Obwohl ich selbst noch die da war, hatte ich das Gefühl die Reise mit ihnen unternommen zu haben.

Da weder Susi noch ich eigene Bilder zu diesem Thema auf Lager haben durften wir uns aus der tollen Islandgalerie eines Kollegen (und aufstrebenden Fotografen ;-)...) bedienen. Danke dafür!


"Wenn die Wolkendecke von Zeit zu Zeit einmal aufreißt, können wir die Landschaft durch das Fenster sehen, urplötzlich zeigen sich atemberaubende Täler von unbeschreiblicher Schönheit. An einem Krater von überschaubarer Größe halten wir an, um von oben in die Tiefe zu blicken und über das Chaos der durch und durch nassen Natur nachzudenken." aus Ein Schmetterling im November von Audur Ava Ólafsdóttir (S. 170)

Montag, 18. November 2013

Angelesen: Wie die Franzosen die Liebe erfanden

Skandal! Die Montagsfrage macht Pause! Aber dafür gibt es auf vorablesen endlich mal wieder ein Buch, das mich interessiert und was ich hoffe zu gewinnen.

"Wie die Franzosen die Liebe erfanden" von Marilyn Yalom Graf Verlag

Die Leseprobe von vorablesen findet ihr hier.











Marilyn Yalom möchte in diesem Buch dem Ursprung, der Geschichte und der Bedeutung von Liebe und Lust in der französischen Gesellschaft aus der Sicht einer Amerikanerin nachgehen.

Das scheint mir eine interessante Mischung zu sein. Die Leseprobe war zu kurz, um einen wirklichen Eindruck zu bekommen. Allerdings wurde bereits klar, dass das Buch in einem sehr wissenschaftlichen Stil geschrieben ist. Das allein könnte auf Dauer etwas dröge werden, jedoch gleichen die gezielt ausgewählten Zitate, die bereits im ersten Kapitel die Leidenschaft der Beteiligten wunderbar transportiert haben, und das Einstreuen persönlicher Erlebnisse das gut aus. Ich bin gespannt, wieviele weitere schöne Geschichten die Autorin gefunden hat und zu welcher Erkenntnis sie am Ende gelangt.

Drückt mir also die Daumen! Falls ich es jedoch nicht gewinne, ist das auch ok. Kaufen würde ich es mir bei dem stolzen angekündigten Preis von 22,90 € jedenfalls nicht. 

Sonntag, 17. November 2013

Rezension: Das Verschwiegene von Linn Ullmann

Kennt ihr das? Manchmal nachdem man ein Buch schließt, weiß man einfach nicht, was man da gerade gelesen hat. So ging es mir leider mit meinem vorerst letzten Buchmesse-Fund 2013 „Das Verschwiegene“ von Linn Ullmann.

„Das Verschwiegene“ von Linn Ullmann
Luchterhand Literaturverlag
352 Seiten
19,99 € (Hardcover)









„Das Verschwiegene“ erzählt die Geschichte einer Familie, in der jeder allein mit sich selbst kämpft. Das Ehepaar Siri und Jon hat sich voneinander entfernt, Jon betrügt seine Frau und diese ist nur damit beschäftigt ihrer Mutter Jenny näher zu kommen. Jenny wiederum beginnt seit Jahren der Abstinenz wieder zu trinken und ist trotz aller Bemühungen der Tochter sehr distanziert zu ihrer Familie. Bei der Feier zum 75. Geburtstag von Jenny verschwindet dann auch noch das Au Pair Mädchen der Familie und man meint, dass sich auf dieser Familie eine schwere Last anhäuft.
Schon daran wie schwer es mir fällt, den Inhalt von „Das Verschwiegene“ zusammen zu fassen, merke ich, dass mir zu diesem Buch der Zugang fehlte. Ich hatte vermutlich eine falsche Erwartung an die Handlung. Ich glaubte, dass das verschwundene Au Pair Mädchen und die dramatische Kindheit von Siri im Zentrum der Geschichte stehen würden. Tatsächlich war die Handlung sehr reduziert, es geschah kaum etwas. Vielmehr wurden die Emotionen und Probleme der Charaktere in den Fokus der Geschichte gerückt. Auch das hätte mich begeistern können, wäre man dabei nicht immer nur an der Oberfläche geblieben. Warum hat sich Jenny so hoffnungslos in den Alkohol gestürzt und ihre Kinder von sich weg getrieben? Warum betrügt Jon seine Frau, liebt er sie offenbar doch immer noch von Herzen? Kein Mensch fühlt und handelt ohne Grund, ohne eine Geschichte die ihn zu dem machte was er ist.
Wirklich bedrückt hat mich außerdem, dass kein Charakter Trost oder auch nur eine Reaktion bei einem der Familienmitglieder oder anderswo finden konnte. Das Buch hätte mit den vielen, detailliert beschriebenen Charakteren und einem wunderschönen Schreibstil beeindrucken können. Die reduzierte Handlung hat es aber schwierig gemacht dem Lesefluss zu folgen. Die häufigen Wiederholungen bestimmter Probleme ohne für mich sichtbare Lösungen und Entwicklungen der Charaktere oder ihrer Beziehungen konnten mich einfach nicht packen. Ich hatte das Gefühl, dass im Buch eine gewisse Stagnation herrschte.
Unterm Strich kann ich dem Buch nur 2 von 5 Leseratten geben, obwohl mir die Sprache und der poetische Stil gut gefallen haben war ich am Ende enttäuscht von der Handlung und fehlenden Entwicklung der Charaktere.