Dieses Buch war eine echte Challenge: Aufmerksamen Beobachter(inne)n ist nicht entgangen, dass es den ganzen Monat unter "Im Moment" stand. Das lag zum einen an der Seitenzahl, zum anderen an außerbloggigem Stress und zum wiederum anderen an einem schlechten Start in die Geschichte.
"Die unwahrscheinliche Pilgerreise von Harold Fry" von Rachel Joyce Fischer Verlage
378 Seiten
9,99 € (Taschenbuch)
Harold Fry ist vor Kurzem in Rente gegangen, nachdem er fünfundvierzig Jahre lang für dieselbe Firma gearbeitet hat. Seine Ehe dauert bereits noch länger an und seine Frau scheint sich nur um die Sauberkeit und Ordnung des Hauses zu kümmern, während sie ihren Sohn mehr schätzt als ihren Mann.
In diese verfahrene Vorstadtsituation platzt ein Brief einer alten Kollegin von Harold. Sie liegt in einem Hospiz im Sterben und möchte sich von ihm damit verabschieden. Harold verfasst einen kurzen Antwortbrief und macht sich auf den Weg zum Briefkasten. Unsicher lässt er einen Briefkasten nach dem anderen liegen, weil er das Gefühl hat, es wäre nicht genug. Bis er entscheidet, er wird quer durch Großbrittanien laufen, um seine Kollegin durch diesen Akt der Willensstärke vor dem Tod zu retten. Auf diese Idee hatte ihn eine junge Frau an einer Tankstelle gebracht. Hier beginnt Harolds Reise zur Grenze Schottlands und zu seiner Vergangenheit. Denn beim Laufen ist man mit seinen Gedanken allein.
Es hat sehr lange gebraucht, bis ich an dem Buch etwas besonderes finde konnte. Harold läuft und erinnert sich. Seine Erinnerungen sind jedoch stets nur Andeutungen und scheinen im Widerspruch zu den Beschreibungen seiner Frau zu stehen, deren Erleben parallel zu seiner Reise beschrieben werden. Es war etwas ermüdend und für mich ohne weitere Highlights.
Beim ersten Bruch in seiner Reise erfasste mich jedoch eine gewisse Begeisterung: Seine mentale Entwicklung schien im Einklang mit dem Geschehen zu stehen. Eine für mich eher klassische Technik in der Literatur, die ich aber sehr gut umgesetzt fand. Dadurch bekam die Geschichte etwas an Dynamik, während ich weiter ungeduldig darauf wartete, endlich die Wahrheit über Harolds Vergangenheit herauszufinden.
Die kam auch irgendwann - plötzlich, direkt, ohne Vorwarnung. Wenn auch nicht überraschend. Da es der einzige Spannungsbogen im Buch war, war es mir leider etwas zu wenig. Die Entwicklung von Harold fand ich gut, wenn auch nicht immer nachvollziehbar und etwas mystisch. Wer läuft auch einfach so los?
Seine Frau Maureen fand ich besser - das konnte ich nachempfinden und fand es realistisch. Insgesamt gefiel mir auch die Kernbotschaft (nach meiner Interpretation): Wer aus seinen Gewohnheiten ausbricht, hat die Chance sich mit sich und seinem Leben auseinander zu setzen und dabei glücklicher zu werden. Wir dämpfen viele Gedanken und Gefühle in der Geschäftigkeit des Alltags, die nicht gedämpft sondern gedacht und gefühlt werden sollten.
Insgesamt fand ich das Buch dennoch - für mich ganz persönlich - nett. Nach einigem Abwegen und hier und her überlegen, habe ich mich dennoch für vier von fünf Leseratten entschieden. Wegen der wunderbaren Einheit von Inhalt und Botschaft.
Freitag, 31. Januar 2014
Donnerstag, 30. Januar 2014
Aufgeben oder Weitermachen?
Ich hab' da mal ne Frage, ganz allgemein aber auch sehr speziell...
Bücher abbrechen und aufgeben oder weitermachen bis zum Schluss?
Aktuell hänge ich an "Schnitt" von Marc Raabe. Das sollte als "Thriller für Nebenbei" mein nächstes Buch werden. Ich habe es mir ertauscht und mich riesig gefreut, aber irgendwie komme ich nicht rein.
Oder ganz anders... vielleicht wünscht sich einer von euch gerade dieses Buch und hätte daran viel mehr Freude als ich? Dann sagt auch Bescheid, ich würde es gern in bessere Hände verschenken (ob ich es davor noch durchlese oder nicht entscheiden die Fragen oben...).
Bücher abbrechen und aufgeben oder weitermachen bis zum Schluss?
Aktuell hänge ich an "Schnitt" von Marc Raabe. Das sollte als "Thriller für Nebenbei" mein nächstes Buch werden. Ich habe es mir ertauscht und mich riesig gefreut, aber irgendwie komme ich nicht rein.
Jetzt sitze ich da, habe mich bis Seite 81 "durchgewurstelt" und weiß nicht weiter mit diesem Buch.
Früher war ich der Meinung, dass es alle Bücher verdient haben, bis zum Ende gelesen zu werden. Der große Clou könnte auf den letzten Seiten passieren und ich gebe dem Buch nicht die Chance mir das zu zeigen. Abgebrochen habe ich Bücher bisher darum nur ganz, ganz, ganz selten.
Aber aktuell zweifele ich daran, ob es mir und dem Buch nützen wird, wenn man ich mich nun unbedingt bis zum Ende durchzwinge. Richtig Lust habe ich nicht darauf, das kann aber auch daran liegen, dass ich aktuell genügend Bücher zur Auswahl habe.
Und noch was: woran soll man entscheiden, ob es lohnt sich durchzubeißen oder besser aufzugeben?
Wie handhabt ihr dieses Problem, ganz allgemein. Brecht ihr Bücher ab? Wann, warum?
Und nochmal speziell: Hat einer von euch dieses Buch schon gelesen und für gut befunden, kann jemand sagen "es lohnt sich, mach weiter"?
Oder ganz anders... vielleicht wünscht sich einer von euch gerade dieses Buch und hätte daran viel mehr Freude als ich? Dann sagt auch Bescheid, ich würde es gern in bessere Hände verschenken (ob ich es davor noch durchlese oder nicht entscheiden die Fragen oben...).
Mittwoch, 29. Januar 2014
Rezension: Der Tag wird kommen von Nina Vogt-Østli
„Der Tag wird kommen“ von Nina Vogt-Østli habe ich bei vorablesen entdeckt und war gleich von der Leseprobe begeistert. „Ein Buch über Mobbing und die Folgen für Opfer und Täter, spannend und modern formuliert“ so lautete mein erster Eindruck. Nun, nachdem ich das Buch gelesen habe, weiß ich, dass noch eine Menge mehr dahinter steckt.
-->„Der Tag wird kommen“ von Nina Vogt-ØstliCoppenrath Verlag
240 Seiten
14,95€ (Hardcover)
„Der Tag wird kommen“ von Nina Vogt-Østli erzählt die Geschichte von Hans Petter. Hans Petter ist 15, äußert intelligent, ein bisschen schmächtig und blass… und hat in der Schule kein leichtes Leben. Er wird von seinen Mitschülern gemobbt und drangsaliert. Dabei ist es sein größtes Ziel, so unsichtbar wie möglich zu bleiben, nicht entdeckt zu werden und den Tag ohne Vorkommnisse zu verbringen. Oft gelingt ihm das nicht.
Hans Petter ist ein wirklich sympathischer Protagonist, er ist überdurchschnittlich intelligent, humorvoll und wirkt in seinem gesamten Handeln sehr Erwachsen. Sein ganzer Charakter wirkt trotz allen Problemen, die er hat, ehrlich und positiv. Und Probleme hat er nicht wenige: da sind seine „einfach gestrickte“ Mutter und der getrennt lebende Vater, die fiesen Mitschüler und der überengagierte Vertrauenslehrer. Ganz schön viel für einen Jungen in diesem Alter.
Zu Beginn dachte ich, dass die Handlung rund um Hans Petters Probleme mit seinen Mitschülern die Geschichte beherrschen wird, garniert mit pädagogisch wertvollen Einschüben. „Der Tag wird kommen“ funktioniert ganz anders. Die Geschichte ist spannend und geheimnisvoll, so kontaktiert zum Beispiel eine mysteriöse Chatpartnerin Hans Petter und freundet sich mit ihm an. Die entstehenden Chat-Gespräche machen einen großen Anteil des Buches aus und lesen sich wirklich schön.
Die Geschichte bietet Wendungen und Entwicklungen, die auch von seinem Mobbingproblem abweichen. Es ist einfach ein abwechslungsreiches Jugendbuch. Besonders fasziniert hat mich, dass die Geschichte auch noch eine gute Prise Science Fiction und ein bisschen Dystopie zu bieten hat.
Trotz aller Ausschmückung ist die Botschaft an die junge Leserschaft am Ende einfach (und gut): Jeder hat sein Handeln selbst in der Hand. Überlege dir, was du tust. Böses zu erleben, gibt dir keine Berechtigung selbst böse zu Handeln.
Ich hatte mir manchmal ein bisschen mehr Tiefe in der Handlung gewünscht. An einigen Stellen hätte das Handeln der Protagonisten hinterfragt werden können.
Der Science Fiction Einschlag wirkt außerdem sehr negativ. Sauer aufgestoßen ist mir dabei, dass z.B. Themen wie Gentechnik unterschwellig ohne Argumentation negativ dargestellt werden und so eher für Vorurteile sorgen, als wirklich eine Meinungsbildung zu ermöglichen. Gerade bei Büchern für diese Altersklasse stört mich eine derartige Darstellung sehr. Ich finde Kindern und Teenies sollte beigebracht werden, sich einem Thema vorurteilsfrei und aus verschiedenen Aspekten zu nähern, um sich eine Meinung zu bilden. Überspitzte Darstellungen und plumpes „gut-schlecht“ sind da doch eher ungeeignet.
Insgesamt liest sich „Der Tag wird kommen“ schön, ist spannend und bietet eine gute Grundbotschaft, das hat für mich das größte Gewicht. Meine Kritik ist sehr persönlich begründet und beschränkt sich auf ein absolutes Randgebiet des Buches... anderen wäre das vielleicht gar nicht aufgefallen, deswegen nur ein Minuspunkt.
Insgesamt 4 von 5 Leseratten.Montag, 27. Januar 2014
Montagsfrage #8 von Libromanie
Heute die zweite Runde, mit der neuen Montagsfrage bei Libromanie. Diesmal mit einer ziemlich ausgefallenen Frage:
"Gibt es ein Buch, das dir beim Lesen supergut gefallen hat, von dem du dir aber sicher bist, dass du es inzwischen gar nicht mehr mögen würdest?"
Alex' Antwort: Ganz eindeutig, ja! Ich habe früher ziemlich viel Fantasy gelesen und vor allem die Bücher von Wolfgang Holbein förmlich verschlungen. Viele dieser Bücher würden mir vermutlich heute noch gefallen und die Themen finde ich nach wie vor spannend (zum Beispiel Thron der Libelle oder Wolfsherz). Aber spontan fällt mir "Der Greif" von ihm ein, dass ich damals sehr gern gemocht habe und das mich heute vermutlich gar nicht mehr interessieren oder begeistern könnte. Vor allem die parallelen zu Stephen King (ein schwarzer Turm, parallele Welten...) würden mich bei diesem Buch wohl eher irritieren als mir zu gefallen.
Susis Antwort: Ein einzelnes Buch ist mir nicht eingefallen - aber ich denke die Bücher von James Patterson wären heute nicht mehr so mein Fall. Ich habe lange Zeit viel von ihm gelesen und am meisten mochte ich die Buchserie über den Polizisten Alex Cross, zum einen weil ich Serien einfach mag und zum anderen wegen des Profilings und der Spannung. Heute sind Krimis und Thriller jedweder Art gar nicht mehr mein Fall. Ich bin gespannt, wann ich die nächste große "Büchergenrekrise" habe und von meiner jetzigen Liebe zu Biografien und wahren Geschichten "geheilt" werde ;-).
Sonntag, 26. Januar 2014
Rezension: Und Gott sprach: wir müssen reden! von Hans Rath
Nicht nur, weil es mein 1. Challengebuch für dieses Jahr war, auch weil ich schon so unheimlich gespannt war, habe ich „Und Gott sprach: Wir müssen reden!“ unter meinem SUB hervorgezogen und direkt losgelegt. Weil es so toll geschrieben, so witzig und schön war, konnte ich es dann nicht mehr weglegen und hab es ganz schnell verschlungen. Während Susi noch mit Harold Fry pilgert, kann ich euch heute schonmal unser erstes Challengebuch vorstellen.
„Und Gott sprach: Wir müssen reden!“ von Hans RathRororo Verlag
272 Seiten
8,99 € (Taschenbuch)
Jakob ist ein erfolgloser Psychotherapeut. Nach und nach sind ihm seine Patienten weggelaufen, der neue Mann seiner Exfrau bricht ihm aus Eifersucht die Nase und dann, völlig am Boden, trifft er im Krankenhaus auf Gott. Also besser, auf Abel Baumann, der sich für Gott hält und Jakob um eine Gesprächstherapie bittet. Da Jakob knapp bei Kasse ist und auch irgendwie nichts Besseres vor hat, willigt er ein.
Die Story klingt vielleicht ein bisschen platt und nach reinem Klamauk, aber Hans Rath schafft in „Und Gott sprach: Wir müssen reden!“ einen unglaublichen Spagat. Das Buch ist herrlich komisch und bringt einen immer wieder zum Lachen. Später dann stachelt es einen still und heimlich dazu an, über „Gott und die Welt“ nachzudenken. Einfach so, ohne lange philosophische Abhandlungen, einfach durch die simple Gesprächstherapie mit einem Menschen, der sich für Gott hält… oder es vielleicht ist?
Jakobs Gespräche mit Abel sind locker und leicht geschrieben, ohne große Hintergrundinformationen zu Religion oder Glauben und dennoch haben sie mich berührt. Natürlich gibt es bessere Bücher, um etwas über die Weltreligionen zu erfahren, aber dieses Buch spricht den Leser auch auf einer ganz anderen, viel privateren Ebene an. Und (vielleicht bin ich da auch einfach zu empfänglich) es hat mich wirklich traurig gemacht zu erfahren, wie Gott langsam aber sicher die Puste ausgeht, weil niemand mehr an ihn glaubt, keiner mehr in ihn vertraut und keiner Verständnis hat für sein Dilemma. „Wenn es einen Gott gäbe, dann würde er xy nicht zulassen!“ ist ein oft gehörter Spruch in Diskussionen zum Thema Glaube. In „Und Gott sprach: Wir müssen reden!“ klagt nun Gott einmal sein Leid, von einer Menschheit die ihm außer Kontrolle geraten ist.
Ich möchte nicht zu viel verraten, aber mir haben die Ansätze in diesem Buch zu denken gegeben und mich beschäftigt, ganz ohne dass die Moralkeule geschwungen wurde. Am Ende war ich traurig, dass es so schnell vorbei war, es gab noch so viele Themen, über die ich Gott gerne sprechen gehört hätte.
Da mich die Idee begeistert hat, das Buch wirklich witzig ist (Gott im Haus wäre unheimlich praktisch, denn neben Wasser und Wein kann er prima Kaffee machen) und die Geschichte so warmherzig war, möchte ich 5 von 5 Leseratten verteilen.
Und wer nach der erfolgreichen Gesprächstherapie noch ein paar Informationen über die Religionen sammeln möchte, kann direkt mit „Theos Reise“ von Catherine Clement weitermachen.
Freitag, 24. Januar 2014
Entdeckt: Crowdfunding-Projekt "Im Schatten des Baobab"
Ich bin ein großer Fan des Crowdfunding. Die Idee, dass junge Unternehmer oder Künstler ihre Projekte mit Hilfe einer Masse an Unterstützern auf die Beine stellen können, finde ich wunderbar. Mein Mann hat schon häufiger beim amerikanischen Anbieter kickstarter.com Projekte unterstützt, ich habe dort bisher noch nichts gefunden, was ich wirklich unterstützen wollte. Heute bin ich dann bei startnext.de auf ein wirklich großartiges Projekt gestoßen: "Im Schatten des Baobab" ein Märchenbuch aus Burkina Faso.
Anne Wenkel reiste auf der Suche nach Märchen und Geschichten durch Burkina Faso. Dort werden Märchen noch traditionell von Geschichtenerzählern weitergegeben. Abends trifft sich die Dorfgemeinschaft um den traditionellen Märchen zu lauschen. Schriftlich niedergelegt sind diese Geschichten natürlich nicht. Die Illustratorin Anne Wenkel nahm sich also der Aufgabe an, nach Art eines modernen "Gebrüder Grimm" die Geschichten aufzuschreiben und zu sammeln.
Das Ergebnis dieser Sammlung soll jetzt in einem Märchenbuch, zusammen mit vielen (meiner Meinung nach) wunderschönen, absolut ausgefallenen Illustrationen veröffentlicht werden.
"Im Schatten des Baobab" heißt diese Sammlung und wird im Jaja Verlag erscheinen.
Hier könnt ihr die Geschichte von Anne Wenkel nocheinmal ausführlich lesen und das Projekt direkt unterstützen. Es gibt verschiedene Supporter-Stufen und für jede Stufe gibt es verschiedene kleine Dankeschöns. Ist klar, dass ich das Buch brauche, oder?
Das "Fernziel" der Autorin wäre es, den Kindern von Burkina Faso die Märchen ihres Volkes zurück zu bringen. Noch ein Buch zu verlegen (eine französische oder französisch-deutsche Version des Buches) und diese Bücher dort zu verschenken/verkaufen. Ich finde diese Idee wunderbar und wünsche ihr unheimlich viel Glück dabei.
Vielleicht kann ein kleiner Beitrag von uns sie diesem Ziel ein Stück näher bringen?
Wer sich jetzt auch ein Buch, Postkarten oder einen schönen Kunstdruck sichern möchte kann unter http://www.startnext.de/im-schatten-des-baobab das Projekt unterstützen.
Dieses Projekt ist durch und durch besonders, nicht nur die großartige Idee und Umsetzung der Autorin, auch der Verlag, der dieses Buch herausbringen möchte, hat es mir angetan.

Vom Jaja Verlag hatte ich vorher noch nie gehört, musste also gleich mal nachschauen, welcher Verlag so ein tolles Projekt unterstützt.
"Im Jaja Verlag geht es bunt zu." So kann ich das erstmal ganz schnell zusammenfassen. Comics, Graphic Novels und illusturierte Literatur, auch Sachbücher mit einer Menge toller Fotos... Auf der Verlagsseite ist es mit "fein illustrierte Machwerke" überschrieben und das glaube ich ungesehen. Schon ohne eines der Bücher zu kennen machen alle einen hochwertigen Eindruck. Da muss ich demnächst mal reinschnüffeln. Besonders das illustrierte Geschichtenbuch "Lieblingsgeschichten" macht einen total interessanten Eindruck.
Mittwoch, 22. Januar 2014
Rezension: Die Romantherapie von Ella Berthoud & Susan Elderkin
Heute möchte ich euch endlich meinen absoluten Leseschatz der letzten Wochen vorstellen. „Die Romantherapie“ stand über Wochen auf meiner Wunschliste, jetzt ärgere ich mich, dass ich es nicht sofort gekauft sondern erst viel zu lang angeschmachtet habe. Mit meiner Weihnachtsbestellung ist es dann endlich hier eingezogen und seitdem kann ich es kaum noch aus der Hand legen…
„Die Romantherapie: 253 Bücher für ein besseres Leben“ von Ella Berthoud & Susan Elderkin mit Traudl Bünger
Insel Verlag
430 Seiten
20,00 € (Hardcover, wunderschöner Einband und Lesebändchen...)
Ihr habt Zahnschmerzen? Kein Problem! Einfach „Anna Karenina“ von Leo Tolstoi lesen, gut einwirken lassen und die Zahnschmerzen werden besiegt.
Zu früh geheiratet? Nicht sicher? Macht den „Effi Briest“ - Selbsttest und findet es heraus, eine passende Therapie wird empfohlen und kann direkt nach der Lektüre umgesetzt werden.
Ihr habt den Hang zum nörgeln? Lest „Picknick auf dem Eis“ von Andrej Kurkow und seht wohin das führen kann, gleich werdet ihr viel weniger nörgelig sein.
Für Tage unter der Bettdecke (wegen Krankheit oder Weltschmerz) bietet das Buch eine ganze Liste passender Bücher. Unter anderem „Das Licht zwischen den Meeren“ von M.L. Stedman.
Für unheimlich viele körperliche und seelische Leiden bietet die Romantherapie ein (oder viele) passende Bücher. Dazu kommen Kuren gegen die schlimmsten Leseleiden, wie zu viel, zu wenig oder das Falsche lesen. Außerdem passende Bücher für jedes Lebensjahrzehnt.
Die Texte zu den jeweiligen Leiden sind herrlich witzig geschrieben (zum Beispiel der Abschnitt über Bücher, wenn man sich mal ausgesperrt hat und auf den Schlüsseldienst wartet) und bieten dennoch viele kleine, einfache Wahrheiten.
Toll fand ich, dass die empfohlenen Bücher so abwechslungsreich sind, große Klassiker, leichte Gegenwartsliteratur, Krimis und Thriller, Sachbücher, schwere Kost und leichte Trostpflaster.
Das Buch hat bei mir den unglaublichen Reflex ausgelöst ständig darin zu blättern. Immer wenn ich ein paar Minuten Zeit habe, grüblerisch oder melancholisch bin nehme ich die Romantherapie zur Hand. Das Buch hat es seit seinem Einzug noch nicht einmal ins Regal geschafft, ich habe es hier auf dem Wohnzimmertisch oder in meiner Leseecke liegen und kann jederzeit danach greifen und darin versinken.
Besonders gern mag ich „Die zehn Besten“-Listen im Buch: Listen mit Büchern bei Fernweh, Liebeskummer oder nach einem Alptraum.
Bücher über Bücher sind immer so eine Sache, meistens schlägt man dann doch nicht wirklich nach oder die Texte sind so trocken formuliert, dass man alles nur kurz überfliegen möchte. Ich habe die Duden „Bücher, die man gelesen haben muss“ und mag beide sehr gern, weil sie viele Informationen über jedes vorgestellte Werk beinhalten, über den Autor und die Entstehungsgeschichte.
In „Die Romantherapie“ ist alles ein bisschen weniger fachlich aufgebaut. Es ist mehr, als würde man mit einer guten Freundin (oder zwei guten Freundinnen, die Autorinnen melden sich manchmal direkt zu Wort) über Bücher sprechen, Empfehlungen bekommen und nützliche Hinweise, wie verschiedene Werke verstanden werden können. Gerade diesen freundschaftlichen Ton genieße ich bei der Romantherapie sehr. Und neben den Informationen zu Büchern gibt es eben auch die sanften "Ratschläge" und ermutigenden Sätze die dieses Buch so wertvoll machen. Im Text übers Pleite sein wurde es schön zusammengefasst, dass es uns doch eigentlich allen sehr gut geht, wenn wir ein Dach über dem Kopf, etwas zu Essen und vielleicht sogar noch ab und an Geld für ein Buch haben.
5 von 5 Leseratten und der Platz als „Anhang zu meiner Lieblingsliste“ als Nachschlagewerk, dass ich nie mehr hergeben möchte.
Dienstag, 21. Januar 2014
Angelesen: Ein feiner dunkler Riss von Joe R. Lansdale
"Er ist ein Lieblingsautor" wäre zu viel gesagt, aber ich mag Joe R. Lansdale sehr. "Die Wälder am Fluss" und "Dunkle Gewässer" habe ich mit Begeisterung gelesen, "Kahlschlag" liegt noch bei meinen ungelesenen Büchern.
Diese Woche stellt Vorablesen "Ein feiner dunkler Riss" vor und ich musste unbedingt reinschnüffeln.
Diese Woche stellt Vorablesen "Ein feiner dunkler Riss" vor und ich musste unbedingt reinschnüffeln.
"Ein feiner dunkler Riss" von Joe R. LansdaleSuhrkamp Verlag
351 Seiten
8,99 € (Taschenbuch)
Erscheint am 17.02.2014
(Die Leseprobe von vorablesen findet ihr hier.)
Beide Bücher, die ich bisher von Joe R. Lansdale gelesen habe, spielten in den frühen Dreißigerjahren. Beide Bücher haben mich durch ihre interessanten Charaktere und den besonderen geschichtlichen Hintergrund (Rassenproblematik und Klu Klux Klan) absolut überzeugt. Die beschriebenen kleinen Örtchen voll von Vorurteilen und Hass, aber auch großer Herzlichkeit und Menschlichkeit kamen immer sehr authentisch rüber. Dazu kommt der besondere Humor des Autors, der den Protagonisten immer eine ganz eigene, sympathische Stimme verleiht.
"Ein feiner dunkler Riss" spielt diesmal in den Fünfzigerjahren, scheint aber vom historischen Hintergrund genauso viel Spannendes zu bieten. Der Protagonist Stan meldet sich von Anfang an mit dem typischen Humor und Sarkasmus zu Wort und bei der Art und Weise wie er sich selbst vorstellt freue ich mich schon auf Stans "Ermittlungen":
"Ich hatte so viel Ahnung von Gott und der Welt wie ein Schwein von Essbesteck und Tischmanieren. Für mich war Sex noch das, was zwischen Fünf und Sieben kommt."
"Bestimmte Wörter, die heute mit größter Selbstverständlichkeit ausgesprochen werden, fielen damals in anständiger Gesellschaft äußerst selten. Selbst die Worte »verdammt« und »Scheiße« konnten, wenn Frauen anwesend waren, eine Unterhaltung so gewiss zum Verstummen bringen wie ein Schlachthammer eine Kuh"
- "Ein feiner dunkler Riss" von Joe R. Lansdale, S. 14
So wie die Kuh vom Schlachthammer werde ich gerade von der Müdigkeit zum Schweigen gebracht. Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass ich hoffe, dass ich dieses Buch lesen darf... sonst wird es früher oder später definitiv hier einziehen :-)... ich freu mich schon!
"Ein feiner dunkler Riss" spielt diesmal in den Fünfzigerjahren, scheint aber vom historischen Hintergrund genauso viel Spannendes zu bieten. Der Protagonist Stan meldet sich von Anfang an mit dem typischen Humor und Sarkasmus zu Wort und bei der Art und Weise wie er sich selbst vorstellt freue ich mich schon auf Stans "Ermittlungen":
"Ich hatte so viel Ahnung von Gott und der Welt wie ein Schwein von Essbesteck und Tischmanieren. Für mich war Sex noch das, was zwischen Fünf und Sieben kommt."
- "Ein feiner dunkler Riss" von Joe R. Lansdale, S. 14
Eigentlich wollte ich gar nicht näher in die Leseprobe und Geschichte absteigen, bei Joe R. Lansdale bin ich dann nämlich immer ganz schnell mittendrin und dann? Dafür ist eine Leseprobe eigentlich viel zu kurz!
Und dann ist es passiert: schon die Beschreibungen der kleinen Stadt Dewmont, Stans unheimlich coolen Freundes Richard und der Lebensweise damals haben mir unglaublich viel Spaß gemacht (und das obwohl ich den Fünfzigerjahren sonst vom Lebensgefühl mit Rockabilly nicht viel abgewinnen kann). Jetzt schon habe ich mich also wieder in die "Erzählweise" der Geschichte verliebt und will am liebsten nicht mehr aufhören.
Und dann ist es passiert: schon die Beschreibungen der kleinen Stadt Dewmont, Stans unheimlich coolen Freundes Richard und der Lebensweise damals haben mir unglaublich viel Spaß gemacht (und das obwohl ich den Fünfzigerjahren sonst vom Lebensgefühl mit Rockabilly nicht viel abgewinnen kann). Jetzt schon habe ich mich also wieder in die "Erzählweise" der Geschichte verliebt und will am liebsten nicht mehr aufhören.
"Bestimmte Wörter, die heute mit größter Selbstverständlichkeit ausgesprochen werden, fielen damals in anständiger Gesellschaft äußerst selten. Selbst die Worte »verdammt« und »Scheiße« konnten, wenn Frauen anwesend waren, eine Unterhaltung so gewiss zum Verstummen bringen wie ein Schlachthammer eine Kuh"
- "Ein feiner dunkler Riss" von Joe R. Lansdale, S. 14
So wie die Kuh vom Schlachthammer werde ich gerade von der Müdigkeit zum Schweigen gebracht. Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass ich hoffe, dass ich dieses Buch lesen darf... sonst wird es früher oder später definitiv hier einziehen :-)... ich freu mich schon!
Montag, 20. Januar 2014
Montagsfrage #7 von Libromanie
Die Montagsfrage ist zurück! Allerdings mit neuer Betreuung: Nina von Libromanie stellt ab sofort jeden Montag Fragen zu Lesegewohnheiten und auch ihr werden wir natürlich Rede und Antwort stehen:
"Wenn ihr immer wieder nur dasselbe Buch verschenken dürftet, welches wäre es?"
Susis Antwort: Für mich eine sehr einfache Frage - das immer sichere Geschenk für jemand anderes wäre aus meiner Sicht "Ganz der Ihre" von Connie Palmen. Ok - es ist nicht gerade anspruchslos, aber genau deswegen kann man es immer wieder und ständig lesen. Außerdem trifft es den Geschmack von jedem, den es geht um das Leben und all seine Facetten: Liebe, Religion, Sex, Selbstfindung, Philosophie, Literatur uvm. Es steht nicht umsonst auf meiner Top-20-Liste. Obwohl es nur das Zweitlieblingsbuch meiner Lieblingsautorin ist. Mein Erstlieblingsbuch "I. M." ist leider nicht so massentauglich oder was heißt leider: Gott sei Dank! Sonst fände zumindestens ich es nicht so wundervoll =)
Ein Buch über Bücher, das Lesehungrigen noch mehr Appetit macht, Lesemuffel animiert, motivierend und erheiternd wirkt. Gedanken zum Leben, Lösungen für Probleme und ganz viele gute Tipps für tolle Bücher. Was könnte man schöneres Schenken? Bald stell ich das Buch hier ein bisschen genauer vor, aber jetzt schonmal an alle: unbedingt kaufen! :-)
Sonntag, 19. Januar 2014
Rezension: Teufelsbande von Andreas Franz / Daniel Holbe
Ich habe schon einige Julia Durant Bücher gelesen und wollte bei der Lesung von Daniel Holbe am 12.12.2013 eigentlich nicht unbedingt ein Buch kaufen. „Später kauf ich’s mir vielleicht, oder so…“ dachte ich. Während der Lesung wurde mir das Buch dann so schmackhaft gemacht, dass ich doch nicht anders konnte und direkt eins mitgenommen habe (so gab es außerdem die Chance auf ein signiertes Exemplar). Mittlerweile habe ich den Krimi gelesen und bin mit meinem Spontankauf sehr zufrieden!
„Teufelsbande“ von Andreas Franz / Daniel HolbeKnaur Verlag
512 Seiten
9,99 € (Taschenbuch)
Auf der Frankfurter Kaiserleibrücke wird ein brennendes Motorrad entdeckt, darauf sitzt der völlig verkohlte Fahrer. Schnell ist klar, dass das kein Unfall, sondern ein kaltblütig inszenierter Mord ist. Doch wer hasst diesen Mann so sehr, dass er ihn an seine Maschine gefesselt in aller Öffentlichkeit verbrennen möchte? Gemeinsam mit Peter Brandt aus Offenbach ermittelt Julia Durant in diesem Fall. Einem Fall, der sich um Konflikte im Rockermilieu aber auch ganz private Probleme dreht.
Zu den Details des Falles möchte ich gar nicht mehr sagen, als auch der Klappentext verrät, einfach weil ich es besser finde sich von dem Buch mitnehmen zu lassen und quasi gemeinsam mit den Ermittlern in dieses düstere Milieu abzusteigen.
Ich war vorher ein wenig skeptisch. Einerseits habe ich mich auf die Thematik gefreut, andererseits hatte ich Bedenken, dass es in die Richtung „Drogen, Prostitution, Bandenkrieg“ abdriftet und alte Klischees wiederkäut. Das ist hier aber nicht passiert! Julia Durant und Peter Brandt bewegen sich natürlich in der Biker-Szene und treffen da auch auf typische Probleme, beleuchten den Fall aber auch von einer sehr persönlichen Seite.
Positiv aufgefallen ist mir außerdem, dass mir Julia Durant immer sympathischer wird. Sie ist nicht mehr das „Reibeisen“ von Früher, das knallhart ermittelt und den Gangstern in Kaltschnäuzigkeit nicht nachsteht. Mittlerweile ist ihre Figur deutlich menschlicher, dabei aber nicht weniger scharfsinnig geworden. So ist sie mir als Protagonistin viel mehr ans Herz gewachsen.
Ein weiterer positiver Punkt ist das hohe Tempo des Buches, die Ermittlungen entwickeln sich ständig weiter und neue Charaktere, wechselnde Hypothesen über den Fall sowie einige besondere Zwischenfälle sorgen für Spannung.
Bei allem Positiven so fand ich doch auch Schade, dass man als Leser keine Chance hatte sich die Hintergründe der Tat anhand der Ermittlungen zusammen zu reimen. Das verhindert zwar, dass man dann ganz schnell weiß wo’s langgeht und nicht mehr überrascht werden kann, aber es ist, wenn man (wie ich) mitfiebert und Hypothesen aufstellt, eben ein bisschen Schade. Trotzdem war das Buch bis zum Ende spannend, die Auflösung gut gelungen und hat die Handlung für mich abgerundet.
Leider blieben mir ein – zwei der Biker etwas zu blass, vermutlich war das von der Handlung her so gewollt und sollte bewusst Verwirrung stiften, es hat für mich aber nicht zur detaillierten Ausgestaltung der übrigen Charaktere gepasst.
Unterm Strich hat mir „Teufelsbande“ sehr gut gefallen, daher vergebe ich 4 von 5 Leseratten... die ich gerade noch davon abhalten konnte Lederjacken anzuziehen… ;-).
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